Leben


Michèle Binswanger am Donnerstag den 5. November 2009

Wenn Kinder sterben

MAMABLOG-DER-KLEINE-PRINZ-01
C’est le temps que tu as perdu pour ta rose qui fait ta rose si importante – Illustration aus «Le Petit Prince» von Antoine de Saint-Exupéry.

Heute muss ich persönlich werden. Persönlicher geht es gar nicht. Denn heute will ich über den Tod schreiben. Das Kind meiner Freundin ist gestorben. Kein plötzliches Ereignis, es wurde erwartet. Es kam so schwer behindert zur Welt, dass lebensrettende Massnahmen von vornherein ausgeschlossen wurden. Was den Schmerz nicht mindert.

Es ist mit dem Tod in vieler Hinsicht, wie mit dem Leben. Erst wer selber Kinder hat, kann nachvollziehen, wie die Tatsache, dass irgendwo im Haus ein hilfloses Wesen atmet, die eigene Existenz verdichtet – in gewisser Hinsicht auch schwerer macht. Und was es bedeutet, wenn die Lieben sterben, weiss man erst, wenn man es erlebt hat. Aber was muss es bedeuten, ein Kind zu verlieren?

Zunächst denkt niemand daran, dass es passieren könnte. Wir wähnen uns grundsätzlich in Sicherheit, als gäbe es ein unsichtbares Fallnetz, das die Unversehrtheit unserer Welt garantiert. Wir stellen uns vielleicht darauf ein, dereinst die Eltern zu verlieren. Aber der Gedanke, dass das eigene Kind sterben könnte, bedroht die mentale Gesundheit zu sehr.

Der Tod ist immer ein Affront. Er verhöhnt jegliche Logik. Das Ereignis ist und ist gleichzeitig nicht. Auf allen möglichen Wegen versucht man sich der Tatsache zu nähern: Es kann nicht sein. Es ist vielleicht nur eine Täuschung. Ein grausamer Witz. Oder ist es wirklich? Aber wenn ja, dann wie?

Der Tod gleicht der Erfahrung des Eltern-Werdens noch in einer zweiten Hinsicht. Man ist danach nicht mehr dieselbe Person. Eine Geburt macht aus dir einen Vater, eine Mutter. Der Tod hingegen lässt die Welt, in der man gelebt hat zersplittern. Danach ist man eine andere, ein anderer. Nur wer man ist, weiss man nicht. Die Antwort auf diese Frage kennt nur die Zeit.

Doch Zeit hat niemand. Die Welt macht ungerührt weiter. Die andern schauen mitfühlend oder neugierig oder gleichgültig, möchten wissen, was jetzt ist – und das ist verwirrend, denn tatsächlich ist ja alles anders, man selbst zwar noch dieselbe Person und trotzdem jemand anders, jemand, den man noch gar nicht kennt. Es braucht Stunden, Tage und Jahre, bis man ein solches Ereignis in seine Persönlichkeit integriert, ihm einen Ort gegeben hat, wo es bleibt, ohne dass es überall auftaucht und seinen Sog entfaltet. Nur, die Welt kann nicht so lange warten, sie hat keine Zeit. Es muss eine neue Ordnung her, aber diese Ordnung ist nicht deine Ordnung. Denn du hast keine mehr.

Wenn es um den Tod geht, gibt es keine Antworten, die formuliert werden könnten. Und deshalb schliesse ich mit einer Anekdote. Mein Sohn fragte mich jüngst, was ich lieber würde: das Schönste auf der Welt erleben oder sterben? Ich sagte, ich würde lieber das denkbar Schönste erleben. Er stimmte mir zu. Dann dachte er nach. Und sagte: Und was, wenn Sterben das denkbar Schönste ist?

60 Kommentare zu „Wenn Kinder sterben“

  1. Maya sagt:

    Ich habe selbst zwei Jungen verloren – einen während der Geburt und einen kurz danach. Es gibt nichts Schlimmeres, und es dauert Jahre, bis man halbwegs darüber hinweg ist. Das heisst aber nicht, dass man in dieser Zeit kein Leben mehr hat – gerade eine Beziehung kann so etwas auch unglaublich stärken.

    @Robert: Ich sehe das anders – es ist nicht zu persönlich, verstorbene Kinder in einem Blog zu thematisieren. Im Gegenteil leiden viele betroffene Eltern genau unter dem, was du vorschlägst: Dass sie “selber einen Weg finden” und “nicht hausieren gehen” sollen. Es ist viel schlimmer, wenn alle sprachlos um einen herumschleichen. Es ist schliesslich passiert, viele Kinder sterben, warum soll man also nicht darüber sprechen? Es bringt doch nicht, das zu einem Tabu zu erklären!

  2. Beat Hess sagt:

    @Alexandra A.: Die Menschen in den Entwicklungsländern lieben ihre Kinder wie wir die unseren. Vor nicht allzu langer Zeit gab es auch hierzulande keine staatliche Altersvorsorge und von den Kindern wurde erwartet, dass sie für ihre Eltern sorgten. Noch vor 2 Generationen war es hierzulande normal, dass die älteste Tochter zuhause bleiben und ihre Eltern pflegen musste. Das hat weniger mit Aufklärung und Bildung zu tun, sondern, ob man das Glück hat, in Frieden und Wohlstand leben zu dürfen.

  3. Ronny sagt:

    @ Beat Hess
    was Du Alexandra geantwortet hast, ist genau richtig.
    Ich finde es egoistisch und zynisch gegenüber Menschen in Drittweltländer, dass wir das Leben eines Kindes in unseren Regionen höher werten. Ein Menschenleben ist ein Menschenleben, ob hier oder sonstwo auf der Welt.
    Wir tun so, als hätten nur wir Gefühle.
    Wenn wir lesen oder sogar Bilder sehen von Naturkatastrophen mit Hunderten oder Tausenden von Toten in diesen Drittweltländer, dann sehe ich hier bei uns kaum betroffene Gesichter. Dass es auch dort Menschen gibt, die tief traurig sind über den Verlust ihrer Angehörigen, scheint für uns fremd. Diese zynische und egoistische Haltung kann sogar ich als Atheist nicht begreifen. Gerade weil ich nicht an ein Jenseits glaube, ist das Leben hier so wertvoll, JEDES LEBEN ! Aber leider ist dieses Leben endlich, leider oft auch schon nach sehr kurzer Zeit, was wir akzeptieren müssen. Aber das Leben der Anderen geht weiter und es nützt niemandem etwas, Jahrelang zu trauern, denn damit vergibt man sich die Chance, dem eigenen Leben einen neuen Sinn zu geben. Wenn der einzige Sinn darin besteht, zu trauern über einen Verlust, dann muss dies ein jämmerliches Dasein sein.

  4. guk sagt:

    @ robert

    ja, ich habe mehrere mütter erlebt, deren kinder gestorben sind und die sehr wohl darüber sprechen wollen … müssen. wahrscheinlich haben alle ihre eigenen strategien, aber diejenigen, die sprechen möchten, sollte man sprechen lassen. meist ist man sprachlos – das wissen und verstehen auch die eltern verstorbener kinder. aber das schlimmste für sie ist, wenn man sich aus lauter furcht abwendet, wenn man sie nicht erzählen lässt – den tod des geliebten kindes tabuisiert.

    und noch etwas:
    wie zynisch ist es, zu sagen, dass in der dritten welt oder in früheren jahren der tod eines kindes weniger gewichtet wurde. man hat/hatte nur leider wenig möglichkeiten, das schicksal abzuwenden. meine grossmutter (jahrgang 1900) hat ein kind verloren. sie versank in eine tiefe depression, von der sie sich nie erholte. dadurch verlor sie auch die anderen kinder, denn sie wurde lange zeit in die psychiatrische klinik eingesperrt. den schmerz über das tote kind hat sie nie verwunden – sie hat, wann immer sie konnte, darüber erzählt. nur: die zeiten waren anders, und nur allzu oft hat man sie zum schweigen gezwungen. das hat ihrer psyche sehr geschadet.

  5. Meng Ning sagt:

    Ich muss gestehen, dass ich jeden Tag, diese Angst verspüre, dass meiner Tochter etwas schlimmes geschehen könnte. Für mich wäre es so unerträglich, dass ich mir überlege, welches die schnellste Art für mich zu sterben wäre, wenn meiner kleinen Tochter so etwas Schlimmes widerfahren würde. Das ist ein Thema, über dies ich in irgendeiner anderen Form nicht reden könnte.
    Aber es gibt eine andere Seite zur Frage der Sterblichkeit von uns allen. Wenn ich an die human condition denke, sehe ich den Tod nicht als das Gegenteil vom Leben, sondern als Teil des Lebens, als einen Teil von mir, eine Charakterisik von mir , die mich immer begleitet, seit meiner Geburt. Wann immer ich ein -und wieder ausatme, weiss ich, dass ich dem Tod näher gekommen bin. Der Tod ist so fest ein Teil von dem, dass ich bin wie das “Leben”. Wenn ich nicht sterben müsste, würde ich auch nicht leben.

  6. Brunhild Steiner sagt:

    @Michèle Binswanger: danke fürs Wissenlassen, dass die Zeitspanne des Kindes Ihrer Freundin nun schon abgelaufen ist. Ich wünsche dieser Famlie, dass sie jeden Tag als etwas kostbares erleben durften. Und danke für das wunderschöne Bild zur Untermalung des Beitrages. Ich wüsste nichts das besser passen würde.

    @Beat Hess: dass eine Kultur in Frieden und Wohlstand leben kann hat nicht nur, aber sehr wohl auch, mit Bildung und Aufklärung (und darausfolgenden Handlungen) zu tun. Blosse Gunst des Himmels oder Nicht-Himmels ist das nicht!

    @Ronny: Sie sprechen zwar wichtige Themen an, doch bleibt der Nachgeschmack bitter. Sind wir automatisch zynisch wenn wir über einen einschneidenden Verlust reflektieren wollen? Bloss weil die Menschen ein paar Flugstunden weiter südlich diese Zeit zur Reflektion nicht haben? Unterstellen wir ihnen deswegen, sie hätten keine Gefühle? Mit Sicherheit nicht! Was wissen Sie über die Engagements bezüglich Menschen in Drittweltländern (oder auch Notleidenden hier in CH) der hier Schreibenden-, denn die betrifft ja Ihr Beitrag, dass Sie einen so pauschalisierenden Tonfall gewählt haben? Ich glaube nicht, dass irgendjemandem hier der nötige Gesamtblick fehlen würde. Es geht auch nicht um die Menschenlebenwertfrage, aber für die meisten ist der Tod des eigenen Kindes nun mal viel gewichtiger als der Tod eines eigenen Verwandten in derselben oder höheren Generationenstufe.
    Und darum die Reaktion entsprechend heftiger.
    Natürlich ist es sehr traurig wenn sich Betroffene gar nicht mehr von diesem Verlust lösen können, aber dazu brauchen sie oft auch Hilfe von aussen. Verwandte haben von 4 Kindern 3 verloren, 2 im Kind/Jugendalter, eines als über 50jähriger. Sie sind nie wirklich über die ersten zwei Verluste hinweggekommen, und der dritte hat fast den Rücken gebrochen. Das überlebende Kind war immer irgendwie “zu wenig” weil es ja eigentlich noch die Geschwister gäbe. Sein Leben wäre anders verlaufen hätten die Eltern mit den Verlusten besser umgehen können. Andererseits erahne ich den Schmerz solcher Geschehnisse auch erst besser seit ich eigene Kinder habe.

  7. Amanda Gunz sagt:

    Es gibt eine uralte spirituelle Technik, um das Herz und das Bewusstsein fuer die Liebe Gottes zu oeffnen, die alles moeglich macht
    und uns Antworten geben kann. Sie kann das gebrochene Herz heilen. Sie kann troesten und beruhigen. Sie kann Gewissheit
    bringen, dass die Entwicklung jeder Seele auch nach dem Tode weitergeht.

    Es ist das Singen des HU (hiuu ausgesprochen). HU ist ein uralter Name fuer Gott.Man singt ihn leise, wenn man unter Menschen ist oder laut als kontemplative Uebung bis zu 20 Minuten am Tag oder immer, wenn man Hilfe braucht.
    Man uebergibt sich dabei ganz dem Willen des Schoepfers.
    Man kann das HU vor dem Einschlafen singen und auf seine Traeume achten. Sie koennen Erfahrungen und Einsichten bringen,
    die hilfreich sind.

    Weitere Informationen: http://www.eckankar.org

  8. Jasmina sagt:

    Frau Gunz: diese Werbung ist hier ja wohl so etwas von fehl am Platz!
    Was für ein Schöpfer soll denn das bitte sein, der das eigene Kind sterben lässt? Und dann soll man ihm noch lobhudeln?!
    Redaktion, bitte löscht diese Werbung.. ein Affront allen Eltern gegenüber, die nicht wissen, warum gerade ihr Kind sterben musste!!

  9. Robert sagt:

    Mit Bezug auf meinen Beitrag von oben und die darauf bezogenen Kommentare:

    Ich meinte ja nicht, dass betroffene Eltern nicht über den Tod ihres Kindes sprechen sollten – aber eben nicht mit jedem. Nicht mit Menschen, bei denen sie nicht 100%-ig sicher sein können, dass die sie auch verstehen.

    Wenn einem das Kind gestorben ist, will man wohl nicht von einer Wildfremden zu hören bekommen, man solle doch mal das HU singen. Oder dass man doch mal über die vielen toten Kinder in der 3. Welt nachdenken sollte.

    Das meinte ich mit “intim”. Dass man äusserst verletzlich ist in einer solchen Situation.

  10. Brunhild Steiner sagt:

    @Robert: blöd ist nur, dass man eben nie weiss ob die nahestehende Person (von der man annimmt, wenigstens diese würde verstehen und keine deplatzierte Bemerkung parkieren) dann auch wirklich versteht, oder sich zumindest darum bemüht. Und verletzende Bemerkungen aus dem nahen Umfeld, von Personen denen man im weiteren Verlauf meist nicht einfach aus dem Weg gehen kann (weil es Grosseltern, Onkel, Tanten, Geschwister, Arbeitskollegen etc. sind) sind vermutlich viel schwerer zu ertragen, als Bemerkungen von Wildfremden, denen man spätestens danach ausweichen kann. In einem Blog zum Thema “wenn Kinder sterben”, würde ich als Betroffene erwarten, dass sich die Beiträge vorallem auf das Kernthema beziehen. Gerade weil es eben ungemein schmerzt. Niemandem fällt ein Stein aus der Krone, wenn er sich hier ein bisschen zurückhält. Gelegenheiten zum ausgiebig Schlaufenziehen (auch zur 3.Welt…) fehlen im übrigen mamablog ja nicht.
    Aber danke, dass Sie nochmals darauf Bezug nehmen.

  11. Amanda Gunz sagt:

    Besten Dank fuer Ihre Reaktionen.
    Ich habe nicht gegen die Auflagen der Redaktion verstossen.
    Der Vorschlag, das HU zu Zeiten grossen Schmerzes und Verlusts zu singen, ist fuer jene gedacht, die es testen moechten.
    Mir selbst hat es in einer solchen Zeit sehr geholfen. Es hat den Schmerz erleichtert und mir in meinen Traeumen geholfen,
    besser zu verstehen.
    Jeder ist frei, es zu tun oder zu lassen.

  12. Robert sagt:

    @Brunhild: Ja, genau. Aber es entwickelt sich hier ja immer so – in Schlaufen. Und die Autorinnen wissen das. Sie wissen, dass es immer mal wieder dein dickes Fell braucht, hier den Kommentaren nachzugehen. Und sie wissen, dass Betroffene das vielleicht nicht haben – nicht in Bezug auf dieses Thema. Und es ist auch klar, dass zum Zielpublikum Betroffene gehören müssen.

    So würd ich zwar meinen, dass einem die Verwandten, von denen man sich dringendst das nötige Verständnis erhofft hatte, die aber noch darauf angewiesen scheinen, dass man IHNEN hilft, einen schon genug in Atem halten (und auch noch weh tun), als dass man sich um schlaufenziehende Blogger kümmern müsste. Aber mit der Verwandtschaft ist man ja eben dann irgendwann mal fertig. Aber nicht wirklich mit dem Thema.

    Aber ich mag nun einfach dieses Thema hier nicht zerpflückt sehen wie alle andern. Denn DAS bleibt wohl nach so einem Erlebnis, dass man diesbezüglich empfindlich reagiert.

  13. Brunhild Steiner sagt:

    @Robert: Ihnen wäre am liebsten, dieses so ans Lebendige gehende Thema, wäre gar nicht aufgenommen worden-, habe ich Sie da richtig verstanden? Und zwar um die Betroffenen zu schützen, zu verhindern dass auf einen sehr persönlichen Beitrag womöglich eine verletzende Antwort kommt?
    Ich sehe diesen Blog noch im Zusammenhang mit dem PND-Blog, welcher so quasi als Aufhänger eben genau dieses Kind hatte. Und bin auf eine Art froh, dass dieses Kind “nochmals eine Meldung wert war”, nach der grossen Debatte nicht einfach in der Versenkung verschwunden, sondern irgendwie diesen Abschied bekommen hat. Die vielen behutsamen Posts haben mich berührt. Allerdings weiss ich nicht, ob ich es als Betroffene auch so sehen würde.

  14. Tanja L sagt:

    Das Leben ist hart! Doch die Umwelt ist nicht sooo böse, wie hier in einigen Beiträgen geschrieben.

    Mir selber starb vor einigen Jahren die Tochter in meinen Armen (Unfall). Der Kindesvater sprach selten über ihren Tod und nahm sich das Leben. Ich verschweige es selten, oft reagiert die Welt mit einem “Ow” und andere spielen dann Psychiater ;) Und meistens sind es die, die es auch ganz schnell wieder vergessen. Den meisten ist es egal und wenn man denen mal ganz egoistisch zwischendurch den Kopf vollplappert, dann tuts nur mir selber gut. Das schwierigste an allem ist wieder zu lernen auf der Ego-Tour zu fahren, wie alle um einen herum. Ich hatte null Ahnung wohin mit meiner Sozialen Ader, mir war plötzlich das geraubt das ich liebte. So musste ich meine ganze Liebe an die Umwelt verteilen, die war noch übrig geblieben. Und einige Egos nutzen das aus, was mir egal war, hauptsache ich bin nicht am Überdruck an zu vergebender Liebe und Fürsorge geplatzt.
    Heute bin ich wieder ein ganz normaler Ego-Mensch. Mit Plänen für die Zukunft. Leider frisch mit unheilbarer Krankheit.
    Trotzdem lache ich weiter und gehe mit meinen Forderungen den Menschen auf den Keks, so wie sie mir manchmal auf den Keks gehen ;)
    Das Leben ist hart. Und irgendwie hat es die Natur so eingerichtet, dass es für alle gleich hart ist, wenn auch nur aus dem eigenem Empfinden heraus. Spätestens, wenn ich sehe wie jemand über einen abgebrochenen Fingernagel tieftraurig jammert, dann denk ich mir; himmel gehts mir gut, dass ich mich nicht über so Kram ärgern muss :) Manchmal bin ich dann sogar etwas wohlgönnerisch überheblich; was haben die armen kleinen Menschen für seltsame Sorgen, die eigentlich keine sind.
    So ist es wirklich egal, ob da jemand hier zwischendurch für seinen Jodelverein Werbung macht oder nicht, dass ist ihm halt wichtig. Leben und Leben lassen, Toleranz unter Menschen. Es stimmt dass der Tod zum Leben gehört, genauso wie ein Fingernagel abbrechen kann.
    Und wer noch nie mit dem Tod zu tun hatte für den ist halt der Fingernagel das Drama. Ist nur Sinnbildlich gemeint.

    Ich bin meiner Tochter dankbar, die schönen Jahre mit ihr verbracht zu haben. Sie hat mir viel beigebracht, auch mich über kleines zu freuen und heute noch vermisse ich ihr Lachen und ihren Geruch. Aber auch durch ihren Tod habe ich viel gelernt. Davor war ich nämlich auch ein Fingernagel-Drama-Mensch :) Heute ist das Leben viel einfacher, manchmal traurig aber viel klarer.
    In paar Wochen wandere ich in die Karibik aus, was früher Berge und Hindernisse waren, ist heute ein Hügel. Mehr als schief gehen kanns nicht, wenn heute nicht wann dann? :)

  15. habakuk sagt:

    @Tanja L.: Schade, bleiben Sie nicht hier. Solche Menschen könnten wir mehr gebrauchen. Alles Gute in Uebersee.

  16. Dani sagt:

    Ich bewundere alle Menschen die nach einem solchen Ereignis wieder einen Weg sehen und ihn auch gehen können bzw. wollen. Als Vater von 2 Jungs ist es für mich aber absolut unvorstellbar. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ich jemals wieder auch nur 1 Minute froh sein könnte. Ich finde es deshalb richtig und auch wichtig, dieses Thema einmal in einem Blog zu diskutieren und den Erfahrungen der Betroffenen Gehör zu schenken. Mitfühlen und Lernen. Danke dafür.

  17. Rahel sagt:

    Wenn eines von meinen Kindern sterben würde dann möchte ich mit ihm begraben werden!!!!!

  18. Daniel sagt:

    Hallo!

    Ich habe vor 10 Jahren erlebt, wie meine Schwiegermutter ihren 21jährigen Sohn (und auch dessen Freundin) unschuldig bei einem Verkehrsunfall verlor. Ich war damals selbst 20, meine Freundin (also die Schwester) 19 Jahre alt.
    Die Mutter ist heute noch nicht darüber hinweg. Sie wird es wohl nie – und immer die Hoffnung haben, ihn irgendwo zu entdecken. Zudem der Schuldige auch in voller Blüte weiterlebt.

    Heute haben wir selbst 2 Söhne (4 und 2,5 Jahre). Einen Verlust eines Kindes ist dabei unvorstellbar … und ich will nicht darüber nachdenken.

    Daniel

  19. Mike sagt:

    Eine Frage an Alle:
    Wisst Ihr, wann Eure letzte Stunde geschlagen hat? Darum lebe jeden Tag so , als wär es Euer letzter. Es tönt etwas makaber . . . aber es ist des Lebens Schattenseiten.
    Allen die ein Kind verloren haben wünsche ich viel Kraft zur Verarbeitung des Schmerzes. Es sagt sich so leicht, aber
    mit gleich Betroffenen darüber zu reden hilft oft sehr weit!
    Mike

  20. Marianne Suter sagt:

    Meine Tochter würde am 23.12.2011 30 Jahre alt. Vor 5 Jahren ist sie an einem Krebsleiden gestorben. Seither suche ich immer wieder nach Berichten, wie Mütter mit einem solchen Verlust umgehen und weiter leben können ohne dabei ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Die Art und Weise wie meine Tochter mit ihrer Diagnose und Krankheit umgegangen ist hat mich so vieles gelehrt und trotzdem, ich kann damit nach wie vor nicht wirklich umgehen. Nach Aussen hin täusche ich Akzeptanz und “das Leben geht weiter” vor, innerlich bin ich total verzweifelt. Die Reihenfolge des Todes stimmt nicht:

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