Leben


Michèle Binswanger am Mittwoch den 21. Oktober 2009

Wenn Schwangere Gott spielen müssen

Wird das Kind gesund? Embryo im ersten Trimester.

Wird das Kind gesund? Embryo im ersten Trimester.

Meine Freundin hat vor zwei Wochen ihr erstes Kind geboren. Die freudige Nachricht war zugleich eine traurige, denn ihr Kind leidet unter einem Chromosomenfehler, dem sogenannten Edward-Syndrom. Die meisten Kinder mit Edward-Syndrom sterben bei der Geburt oder in den ersten Lebensjahren.

Das ist tragisch genug. Befremdlicherweise erkundigen sich die meisten Leute, mit denen ich darüber spreche, als erstes: Hatte sie denn keine pränatale Diagnostik? Eine verständliche Frage mit unmissverständlichem Subtext: Sie hätte das verhindern können. Sie ist selber schuld.

Seit der Geburtshelfer Ian Donald in den Sechziger Jahren Ultraschall zur sonographischen Abbildung eines Embryos einsetzte, ist die pränatale Diagnostik (PND) zum festen Bestandteil des medizinischen Angebots für Schwangere geworden. Theoretisch eine gute Sache – aber wie immer liegt der Teufel in der Praxis. Denn wie jede technische Möglichkeit gaukelt auch die PND eine Sicherheit vor, die es nicht gibt. Pränatale Diagnostik beruht nur auf Annahmen – Garantien über die Entwicklungsmöglichkeiten des zukünftigen Menschen gibt sie nicht. Tatsächlich sind heute nur etwa fünf Prozent schwerer Behinderungen angeboren; und von diesen können zur Zeit nur etwa 0,5 Prozent durch die Pränataldiagnostik erkannt werden. Dennoch scheint die Ansicht vorzuherrschen, ein behindertes Kind sei ein vermeidbarer Betriebsunfall.

Während meiner Schwangerschaft wurde ich schon in der ersten Sitzung beim Frauenarzt auf die Möglichkeiten pränataler Diagnostik hingewiesen, was mich beunruhigte. Von Risiken war die Rede, von Möglichkeiten. Ich wollte das gar nicht so genau wissen. Lieber als Gott zu spielen, über liess ich mein und das Schicksal meines Kindes den Launen der Natur.

Da man davon ausgehen darf, dass die Biomedizin sich weiter entwickeln wird, muss sich die Gesellschaft früher oder später den unbequemen Fragen stellen: Wann darf man ein Kind aufgrund einer PND abtreiben? Wenn es behindert ist? Wenn das Risiko späterer Krankheit besteht? Wenn es nicht blond und blauäugig ist, obwohl man sich das gewünscht hat? Letztlich lautet die Frage: Welches Leben ist lebenswert und wer darf darüber entscheiden? Was bedeutet die menschliche Natur und Würde im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit?

Und zuletzt muss man sich auch fragen, was das für die Frauen bedeutet. Zufälligerweise kenne ich die Hebamme, die das Kind meiner Freundin zur Welt brachte. Als wir über die pränatale Diagnostik sprachen, erzählte sie mir, dass sie in jüngster Zeit mit zwei weiteren Fällen von Edward–Syndrom konfrontiert war. Die erste Frau entschied sich, das Kind trotz der schweren Störung auszutragen – es starb nach der Geburt. Die zweite entschied sich für eine Abtreibung im achten Monat. Die zweite Frau, so berichtete die Hebamme, habe viel mehr um ihre Entscheidung gerungen. Sie habe den Eindruck, sie leide viel mehr, als die Frau, deren Kind eines natürlichen Todes verstarb.

Gestern ging es in unserer Schwangerschafts-Serie um die Peinlichkeiten, die Schwangerschaften begleiten. Morgen lesen Sie hier: Das Märchen von der sanften Geburt – von den Sprachregelungen im Kreissaal.

144 Kommentare zu „Wenn Schwangere Gott spielen müssen“

  1. Hansli sagt:

    @Brunhilde Ich befasse mich beruflich mit Genetik, allerdings keine Humangenetik. Wen zum Beispiel beide Eltern träger einer Krankheit sind und sich diese beim Kind mit hoher Wahrscheinlichkeit ausbrechen wird, dann ist Pränataldiagnostik für mich der einzig gangbare Weg. Sein Kind bewusst dem Risiko aussetzen ist doch Körperverletzung!

    Zu “Äpfel mit Birnen”: Abtreibung mit der Nazi-Behandlung von Invaliden zu vergleichen ist weit schlimmer als Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Das ist völlig daneben. Was ich über einen solchen Vergleich denke, kann ich hier gar nicht schreiben!

  2. Brunhild Steiner sagt:

    @Hansli: danke für den Hintergrundhinweis! Ich sehe die Problematik in der Vernichtung von einerseits falsch positiven Resultaten und Menschen, die an der getesteten Krankheit gar nicht erkranken würden oder auch mit der Krankheit keine Vorselektion gewollt hätten. Klar, da wirds philosophisch, der Krebspatient der nicht hätte selektioniert wollen zu sein, wäre im Falle einer Selektion nicht geboren worden und wüsste gar nicht, dass er hätte leben können… . Mir kam Ihre Haltung so entgegen, dass Sie grundsätzlich alles testbare, also auch Behinderungen die wirklich sehr gut lebbar sind und eine Bereicherung sein können, im positiven Fall entsorgen wollen. Und wenn genug Menschen diese Haltung entwickeln/leben passiert genau das, was ich in einem der letzten Posts geschrieben habe. Und das macht, zumindest mir, grosse Angst!

  3. Brunhild Steiner sagt:

    @Hansli: noch was zum Äpfel/Birnen/Nazivergleich. Nehmen wir mal an (es klingt so schön apokalyptisch)… .
    Zunehmende Gewöhnung/Einverständnis der ausgeführten Selektionsdiagnostik ohne echte Aufklärung, also kein Hinweis was Alternativen zur Abtreibung wären, wie welche Behinderung (oder vorausgesagte Krankheit) lebbar wäre (zum Beispiel den betroffenen Eltern Infomaterial von Behindertenorganisationen abgeben etc).
    Dadurch zunehmende Behindertenfeindlichkeit an der Basis (in unserem Volk, unserer Nachbarschaft, am Arbeitsplatz…). Forderung nach Testobligatorium, inklusive Zwangsabtreibungen bei positivem Resultat. Pharmafirmen die mit den Tests viel Geld verdienen, finanzieren grosszügig entsprechende Kampagnen. Das Wohlbefinden aller Beteiligten steht selbstredend im Vordergrund, bloss die Durchführung endet nicht für jeden glücklich… . In erster Phase werden widerspenstige Eltern mit ihren Kindern noch geduldet, später Sanktionen für Ärzte und Eltern die sich widersetzen, Leistungsausschluss von KK/IV, die soziale Ächtung gibts gratis dazu.
    Und spätestens zu diesem Zeitpunkt wäre der Nazivergleich nicht mehr an den Haaren herbeigezogen. Höhepunkt wären Erwachsene, die trotz negativem Testresultat dann doch an Krankheit X erkranken und das betreffende Labor/Ärzte auf Schadenersatz verklagen. Vielleicht sollten sich die Anwälte schon mal mit den entsprechenden Formulierungen beschäftigen… .

  4. Thomas sagt:

    @ brunhild steiner

    …und dann kommt schwarzenegger und bringt alles wieder in ordnung. hasta la vista, baby!

  5. Brunhild Steiner sagt:

    @Thomas: sind Sie sich da sooooo sicher? (Aber ich mag Ihre Einzeiler!)
    ;-)

  6. Conny sagt:

    Auch ich habe ein Kind mit Trisomie 18 in der 12. Schwangerschaftswoche abgetrieben, nachdem ich den entsprechenden Bescheid aufgrund einer Choriozottenbiopsie erhalten hatte. Wie diese Schwangerschaft für mein Kind enden würde, war von Anfang an klar – mit dem Tod, Kinder mit Trisomie 18 sind schwerstbehindert und leben nie länger als maximal 12 Monate. Die Natur ist nicht milde, Kinder mit Trisomie 18 haben meist sehr grosse Schmerzen aufgrund ihrer Disposition und müssen sich häufig auch Operationen unterziehen. Gemäss meinem Kinderarzt war die Zeit, als er solche Kinder im Unispital behandelte die schlimmste, die er je gehabt hatte. Die Geschichte von Eliot ist sehr berührend, entspricht aber nicht dem normalen Verlauf bei Trisomie 18.

  7. Hansli sagt:

    @Brunhild Ich empfehle ihnen diese Seite: http://www.genetische-erkrankungen.de/

    Keine Ahnung was Sie bei diesen Krankheiten so toll finden. Für mich das reinste Gruselkabinett und meist grässlich für die Betroffenen.

    Schlussbemerkung: Der Nazivergleich ist völlig deplatziert.

  8. Monika Diethelm-Knoepfel sagt:

    Ich habe 3 Kinder und war bei der ersten Geburt 34 und bei der dritten 39 Jahre alt. Für meinen Mann und mich war klar, dass ein Schwangerschaftsabbruch nicht in Frage kommt. Wir haben darum keine invasive Diagnostik gemacht, sondern nur US, um Erkrankungen der Kinder entdecken zu können, bei denen es wichtig ist, die Kinder sogleich nach der Geburt behandeln zu können. Eine Freundin von mir hat ein Kind mit einem schweren Herzfehler bekommen, das ein paar Tage nach der Geburt vom Regionalspital per Heli in die Uniklinik gebracht werden musste, weil es ihm plötzlich sehr schlecht ging. In so einem Fall wüsste ich lieber im Voraus, was los ist, damit das Kind am richtigen Ort geboren und sofort optimal betreut werden könnte. Ich hätte auch wissen wollen, wenn die Plazenta nicht mehr richtig gearbeitet häte und das Kind nicht genügend versorgt worden wäre etc.
    Ich finde es wichtig, dass Paare sich schon vor einer Schwangerschaft überlegen, wie sie mit den diagnostischen Möglichkeiten umgehen, gerade weil frau ja heute oft schon bei der ersten Schwangerschafts-Kontrolle gefragt wird, ob sie solche Tests will. Es lohnt sich auch, herauszufinden, wie die FrauenärztIn dazu denkt. Ich war froh, dass meine Gynäkologin meine Haltung ohne Probleme akzeptierte und mich nicht zu einem Test drängen wollte, den ich ablehnte.

    Dass Eltern behinderter Kinder oft gefragt werden, warum sie sie überhaupt geboren haben, hat eine Bekannte von mir erlebt, deren Kind eine Lippen-Kiefer-Spalte hatte, also eine Fehlbildung, die man gut operieren kann. Eine wildfremde Frau hat im Bus gemeint, so ein Kind müsse doch nicht geboren werden, das ist schon unter jedem Hund!

    Dass eine Schwangerschaft im achten Monat noch abgebrochen werden kann, finde ich sehr problematisch, ausser die Mutter wäre in schwerer gesundheitlicher Gefahr, denn dann ist das Kind ja lebensfähig, auch wenn es eventuell kurz nach der Geburt stimmt. Dass es leichter zu verkraften ist, wenn ein behindertes Kind spontan stirbt, als wenn man die Schwangerschaft abbricht, hat meine Frauenärztin mit einer Patientn mit einem schwerbehinderten Kind erlebt, die unsicher war, ob sie die Früh-Schwangerschaft abbrechen sollte. Das Kind ist dann in der 13. Woche gestorben, da war sie sehr erleichtert, dass sie nicht über Leben und Tod hatte entscheiden müssen.

  9. Bionic Hobbit sagt:

    @Hansli: verteidigen Sie Sich weiter, ich bin voll mit Ihnen einverstanden. Es lebe der medizinische Fortschritt. Meine Beispiele der Praeimplantationsdiagnostik habe ich von der Klinik, die meine IVFs gemacht hat (lesen Sie die News auf http://www.crgh.co.uk/). Ich find’s fantastisch, dass das moeglich ist.

  10. Brunhild Steiner sagt:

    @Hansli: ich habe nun den ganzen Blog nochmals durchgelesen. Am 21.10 setzen Sie den 1.Post “Für mich ist eins klar, Abtreiben”, zu diesem Zeitpunkt sind genannt: Trisomie 13, 18 und 21, Spina bifida, Autismus, Tuberöse Sklerose (wurde nicht in SS festgestellt), Herzanomalien, Krebs und spezifisch Brustkrebs, Lippen/Gaumen-Spalte.
    Sie nehmen keinerlei Spezifikation vor, also ist anzunehmen dass Sie mit “klar abtreiben” alle genannten Behinderungen/Krankheiten meinen. (Ansonsten wäre eine Richtigstellung nötig).
    Mit keinem Wort gehen Sie auf geschilderte Fälle von falsch positiven Resultaten ein, fällt wohl unter Kollateralschaden? Mit ebenfalls keinem Wort gehen Sie auf die vielen positiven Berichte von Betroffenen ein. Es hat auch negative, jawohl, aber die Mehrheit ist positiv. Eine Krebsrisikofrau postet, dass sie froh ist, nicht getestet worden zu sein.
    Mehr und mehr erzählen Sie von Ihrem Hintergrund, geben Einblick in Ihre persönliche Betroffenheit. Im Gegensatz zu Ihrem beharrlichem Schweigen gegenüber allen differenzierten Äusserungen, gehen sehr viele Posts auf diese Erlebnisse ein, hochinteressant, dass es viele Menschen darunter hat die von Behinderungen selber betroffen sind! Diese äussern ihr Mitleid und Verständnis, zeigen aber auch Lösungswege auf.
    Sie unterstellen mir (und wohl allen PND-kritischen Stimmen) ich würde diese Krankheiten toll finden. Wissen Sie, ich habe je länger je mehr den Eindruck, dass Sie zwar mit Vehemenz Ihren Standpunkt darlegen, aber ich sehe nirgendwo ein Anzeichen dafür, dass Sie die vorhandenen positiven Erfahrungsberichte registriert hätten. Ich wiederhole mich, da ich befürchte es wird von Ihnen überlesen: auf Ihre Erfahrungen ist von verschiedenen Menschen mehrmals eingegangen worden, Sie hingegen äusserten sich bis jetzt mit keinem Wort diesbezüglich!
    Und, damit Sie mir das nicht als letztes vorwerfen müssen, ich habe gesagt dass ich für Wahlfreiheit bin, aber inklusive Gesamtaufklärung.
    Eine Trisomie 21 als Gruselkabinett zu bezeichnen grenzt für mich an Rassismus.
    Und, der Nazivergleich ist statthaft wenn das um 16.56h beschriebene Szenario angestrebt/eingeführt ist.

    @Bionic Hobbit: es soll sich jeder verteidigen, respektive für seine Meinung einstehen dürfen. Aber mir scheint die Ausgewogenheit ein bisschen ungleich verteilt zu sein…

  11. Tri21Mami sagt:

    @Hansli: Meine Kinder sagen immer; es gibt auch gefühlsbehinderte Menschen. Ist sicher auch eine genetische Behinderung. Ob man diese eines Tages bei der PND auch feststellen kann…
    Es tut mir Leid, dass sie dermassen unglücklich und verbittert durch ihr Leben gehen müssen. Mein Sohn mit Trisomie 21 strahlt Fröhlichkeit, Zufriedenheit und Glück aus. Das scheint ihnen irgendwann im Leben abhanden gekommen zu sein.

    Den Rest hat Brunhild Steiner schon gesagt, danke Ihnen dafür.

  12. lisi sagt:

    Brunhild Steiner und Tri21Mami, vielen Dank für die beiden Posts. Schliesse mich da klar an.

    Das ist gut umschrieben, gefühlsbehindert trifft leider auf viele Menschen zu.

    @Hansli, genau Sie verteidigen sich ganz standhaft ohne differenziert zu argumentieren. Ich frage Sie deshalb noch einmal waren vom Krebs auch Ihre Eltern oder Grosseltern betroffen? Falls ja, hätte es damals diese Selektion auch schon gegeben, wären Sie je geboren worden?

    Sind Menschen die wie oben beschrieben “gefühlsbehindert” sind, wirklich die besseren Menschen, nur weil sie keine sogenannte Behinderung haben?

    Ja und es stimmt eindeutig, es gibt niemals nur schwarz und weiss, es gibt bestimmt Behinderungen wie von Conny beschrieben, wo das Leben so schmerzhaft und grauenvoll wäre für das Kind, dass es vielleicht lieber nicht leben möchte. Wir sprechen hier aber von der Eventualität einmal Krebs zu bekommen oder von Trisomie 21. Da werden doch wieder Birnen und Äpfel verglichen und zwar von Ihnen.

    Mir jedenfalls geht ein kalter eisiger Schauer den Rücken hinunter, wenn ich daran denke, dass es so enden könnte wie im Post von gestern um 16.56. In so einer Welt würde ich dann wohl doch auch lieber abgetrieben worden sein auch wenn ich sämtliche Kriterien erfüllen würde.

  13. se sagt:

    Danke für den spannenden, ehrlichen Artikel

  14. Hansli sagt:

    Die Scheinheiligkeit unserer Gesellschaft kann jeder in einem Behindertenheim sehen. Warum werden dahin so viele Behinderte abgeschoben? Die sind schliesslich eine “Bereicherung” für die Familie. Die sind eben meist eine zu grosse Belastung für die Familie. Und ich kann es niemandem verübeln, nicht jeder ist mit der Begabung zur Welt gekommen mit Behinderten oder auch Schwerkranken umzugehen. Persönlich habe ich Leute gesehen die heulend davongelaufen sind, weil sie die Situation nicht ertragen konnten. Aber dass daran eine Familie zerbrochen ist wird natürlich niemand zugeben. Lebt weiter in eurer schönen heilen Welt, die es für mich nicht gibt. Ich habe leider zu viele negative Beispiele gesehen.

    Aber die Grundfrage warum wir aneinander vorbeireden ist doch. Ihr seht einen Fötus, sei er noch so klein, als lebenden Mensch an. Das sehe ich eben grundsätzlich nicht, für mich ist ein Fötus erst werdendes Leben. Dieser Unterschied entzweit uns. Für mich stellt sich daher die “Gewissensfrage” gar nicht.

  15. Brunhild Steiner sagt:

    @Hansli: nein, dass wir aneinander vorbeireden liegt daran, dass Sie sich konsequent einer gesamtheitlichen Auseinandersetzung mit diesem Thema verweigern. Wieder haben Sie den Fokus auf Ihre negativen Erfahrungen gelegt und leiten daraus ab, dass es allen so ergehen müsste. Einmal mehr haben Sie keine einzige Frage beantwortet, die Ihnen gestellt wurde. Einmal mehr nehmen Sie nicht wahr, dass niemand die Aussage “alle können mit jeder Behinderung” oder “das lässt sich alles locker alleine bewältigen” gemacht hat. Sie werfen den PND-Kritikern eine rosa Brille vor, ohne sich ihre Argumente differenziert vorzunehmen. Sie bezeichnen Krankheiten als Gruselkabinett (ich war auf der von Ihnen vorgeschlagenen Website) ohne Unterscheidungen zu machen. Sie haben bis jetzt keine Äusserung zu Fragen gemacht wie “sind alle diagnostizierbaren Krankheiten und Behinderungen zu eliminieren?” “Ist das entscheidende Kriterium lediglich, ob eine Behinderung/Krankheit per PND zu erfassen ist?” Gehören Hör-und Sehbehinderte ebenfalls ins Gruselkabinett wenn Sie schon Trisomie 21 und Bluter dort sehen?
    Ich weiss nicht was genau Ihr Arbeitsgebiet in der Genetik umfasst, ob Sie Laborant oder Entscheidungsträger sind. Aber offenbar haben Ihre negativen Erfahrungen, kombiniert mit dem Blick auf Moleküle zu einem Weltbild geführt, dass es Ihnen verunmöglicht den Blick zu weiten. Dass Sie stereotype Antworten wiederholen lässt. Und dass finde ich sehr schade.

  16. Brunhild Steiner sagt:

    @Hansli: Nachtrag, und was mir ganz wichtig ist, es geht nicht um die Fötusfrage (ebenfalls ein Weg um die Diskussion abzublocken, stempelt die Kritiker einfach mit dem “naive-Lebensschützer-Stempel), sondern um die grundsätzlichen Fragen. Die Frage, was lebenswertes Leben ist. Diese Frage ist nach Beendigung des Fötus/Embryos-stadiums nicht automatisch geklärt! Diese Frage hält ein Leben lang an, und es ist sehr wichtig dass ethische Leitplanken gesetzt sind. Sonst entwickelt sich die Situation entsprechend den vorhandenen/entwickelten Möglichkeiten zu einem schon beschriebenen Szenario.

  17. Tri21Mami sagt:

    @Hansli,
    …schon wieder ein Vorurteil… den auch Menschen mit Behinderung wollen und müssen nicht immer bei den Eltern bleiben!
    Es ist ein Vorurteil, dass sie dazu nicht in der Lage wären: Menschen mit geistiger Behinderung leben bereits heute in ihren „eigenen vier Wänden“ – mit der Unterstützung ihrer Familie oder im Rahmen des begleiteten Wohnens. Selbständig wohnen und arbeiten dank Assistenz – diese Möglichkeit muss auch Menschen mit geistiger Behinderung offenstehen. Auch sie wollen wählen können, ob sie statt in einer Wohneinrichtung (da gibt es ganz viele sehr gute Institutionen!!) in der eigenen Wohnung leben. Auch Menschen mit geistiger Behinderung gewinnen an Autonomie, wenn sie in einer eigenen Wohnung leben und ihren Tagesablauf weitgehend selbst gestalten und bestimmen können. Diverse Organisationen fordern ein Assistenzmodell, das für ALLE Menschen mit Behinderung geeignet ist und es allen ermöglicht, ihren Bedürfnisse und Fähigkeiten entsprechend selbstbestimmt zu leben. Sie sehen, politisch gibt es noch viel zu tun.
    Ich ziehe mich nun aus dieser Diskussion zurück, da ich sie Hansli, mit meinen Texten nie erreicht habe und erreichen werde. Setze mich da ein, wo ich und andere etwas bewegen können und geniesse die Lebensfreude meines Sohnes…

  18. lisi sagt:

    @Hansli
    Geht mir auch so, werde hier mit Ihnen nicht weiter diskutieren, denn Sie bleiben uns sämtliche Antworten schuldig. Sehr schade.

    @Tri21Mami
    War kurz auf Ihrer Website, bin sehr gerührt und beeindruckt. Wünsche Ihnen und Ihrer Familie und natürlich vor allem Ihrem Sohn viel Freude, Kraft und Zuversicht. Mögen Ihnen möglichst wenig Menschen wie Hansli das Leben schwer machen. Ich bin immer weider beeindruckt von der Lebensfreude und Kraft solch besonderer Menschen wie Ihrem Sohn und durfte so schon viel lernen und annehmen. Für mich und meine Familie sind solche Begegnungen immer eine Bereicherung.

  19. Brunhild Steiner sagt:

    @Hansli: nun springen Sie doch endlich mal über Ihren Schatten, das kann doch nicht so schwer sein! Lesen Sie die Beiträge (wenigstens die ab 23.10. 12.47h, beginnt mit Ihrem) nochmals sorgfältig und objektiv betrachtend/aufnehmend durch. Überlegen Sie sich, was für Antworten Sie auf unsere Fragen haben und stellen Sie sich einem echten Austausch, so ist es nämlich wirklich ermüdend. Sie wollen mich doch nicht im Ernst glauben lassen, dass Sie sich derart verbissen jeglicher objektiver Zusatzinformation verschliessen, bloss damit Ihr Weltbild nicht in Gefahr kommt sich ein bisschen zu erweitern?! Niemand erwartet von Ihnen deswegen einen Seitenwechsel, aber ein bisschen Differenziertheit. Also, Hansli, enttäuschen Sie uns nicht und sehen Sie unseren schrecklichen Fragen ins Auge! Die werden Sie schon nicht beissen ;-)

  20. Hansli sagt:

    Sie haben bis jetzt keine Äusserung zu Fragen gemacht wie “sind alle diagnostizierbaren Krankheiten und Behinderungen zu eliminieren?” “Ist das entscheidende Kriterium lediglich, ob eine Behinderung/Krankheit per PND zu erfassen ist?” Gehören Hör-und Sehbehinderte ebenfalls ins Gruselkabinett wenn Sie schon Trisomie 21 und Bluter dort sehen?

    Diese Fragen habe ich bereits beantwortet. Für mich ist ein krankes Kind auszutragen unmenschlich. Da ist mir die Ausprägung egal. Mir ist bewusst, dass zum Beispiel Trisomie 21 kein einheitlich Behinderung ist, sonder ein Gradient zwischen stark behindert bis kaum. Dasselbe gilt für viele andere Krankheiten und Behinderung ebenfalls. Der Punkt ist: Das interessiert mich nicht. Für mich reicht die Aussage vorhanden, nicht vorhanden. Und beim Abtreiben hier in diesem Blog reden wir von einer bewussten Entscheidung für oder gegen ein krankes oder behindertes Kind. Und ist für mich die Entscheidung klar. Die einzige Motivation zum Schreiben war, dass von Abtreibungsgegnern immer die glücklichen Fälle mit leichten Behinderungen gezeigt werden. Aber das andere Ende der Skala wird immer unter den Tisch gewischt und das nicht alle Eltern der Herausforderung psychisch gewachsen sind ebenfalls.

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