Leben


Michèle Binswanger am Donnerstag den 15. Oktober 2009

Karl Lagerfeld und die dicken Muttis

Was schauen Sie lieber an? Frauen mit Rundungen, oder....

Was schauen Sie lieber an? Frauen mit Rundungen, oder....

Karl Lagerfeld, nie um einen markigen Kommentar verlegen, hat mal wieder ein verbales Dumdumgeschoss abgefeuert. Und zwar gegen Mütter im Allgemeinen und dicke Mütter im Besonderen. Dies, nachdem «Brigitte»-Chefredakteur Andreas Lebert angekündigt hatte, in seiner Zeitschrift künftig keine extrem dünnen Models mehr zu zeigen, dafür Frauen mit normaler Figur. Das brachte Karl auf den Plan. Gegenüber dem Magazin Focus behauptete er, schliesslich schaue sich jedermann gern dünne Models an – ausser übergewichtige Frauen, die nicht an ihre Gewichtsprobleme erinnert werden wollten. «Da sitzen dicke Muttis mit der Chipstüte vorm Fernseher und sagen, dünne Models sind hässlich», sagte er wörtlich. Die Welt der schönen Kleider habe schliesslich «mit Träumen und Illusionen zu tun.» Runde Frauen wolle niemand sehen.

Nun darf man davon ausgehen, dass Karl, wie die meisten Menschen, meistens von sich selbst spricht. Wie wir wissen, war er, bevor er die Diät seines Vertrauens fand, selber dick. Seine pauschale Diffamierung der Mütter als dick und verfressen, interpretieren wir als Ausdruck seiner Erleichterung, selber keine dieser Muttis zu sein. Im Gegensatz zu ihnen gehört Karl heute zum exklusiven Club der Schlanken und sein Ätschbätsch ist eine Art weiblicher (bzw. schwuler) Schwanzlängenvergleich.

Haut und Knochen?

Haut und Knochen?

Darüber kann man hinweg gehen, zumal Karl sich sowieso in der Generation geirrt zu haben scheint. Heute trifft man viel eher Muttis mit dicken Autos als dicke Muttis, und in meinem Umfeld magern Frauen nach der Geburt eher ab. Schliesslich ist die moderne Mutter berufstätig, und das stressige Hin und Her zwischen Familie und Beruf fordert seinen Tribut – ganz zu schweigen davon, dass frau in der Arbeitswelt auch automatisch am Busen der Leistungsgesellschaft mit ihrem ästhetischen Imperativ genährt wird – schliesslich ist die Präsentabilität nur eine Frage des Willens.

Aber gerade vor dem Hintergrund des ästhetischen Diktats haben mich Karls Aussagen über die Modeindustrie zum Nachdenken gebracht. Denn ja, diese verkauft Träume und Illusionen. Und zwar wem? Genau, den Frauen. Ich persönlich bin keine Anhängerin von Verschwörungstheorien, sondern glaube daran, dass die Nachfrage das Angebot bestimmt. Der Konsument, bzw. die Konsumentin ist Königin.

Auch die Porno-Industrie verkauft Träume und Illusionen – allerdings an ein vorwiegend männliches Publikum. Und siehe, im Pornobusiness tummeln sich meines Wissens verschwindend wenige Frauen mir prekärem Bodymass-Index, sondern schlanke Frauen mit Rundungen. Sogar dicke Muttis sind im Angebot.

Was uns wieder zu Karl zurückbringt. Runde Frauen will niemand sehen? Es scheint eher so, als wollten Frauen, trotz aller gegenteiligen Behauptungen, keine runden Frauen sehen, sondern nur Männer. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Markt für die von Hungerhaken bevölkerte Modeindustrie nicht nur aus Frauen mit Grösse 36 und drunter besteht, sondern vornehmlich aus «dicken Muttis».

Fazit? Einer Industrie muss man nicht mit Moral kommen, das versteht sie nicht. Aber sie versteht den binären Code des digitalen Zeitalters, nämlich 01. Ich kaufe, oder ich kaufe nicht. Und wer sich an dünnen Models stört, kann ja einfach ein Buch lesen. Oder sich ein Sexheft kaufen.

230 Kommentare zu „Karl Lagerfeld und die dicken Muttis“

  1. Jeannette sagt:

    @Frank Steiner: Ach ja und du sieht aus wie Brad Pitt? Und sowieso, aber das hat hier wohl noch niemand gemerkt. 1. Es geht auch wunderbar ohne Maenner im Leben. Da muss man sich auch nicht mehr am Magersuchtswettbewerb beteiligen. 2. In anderen Laendern sind die Ideale verschieden und viel wirklichkeitsnaher. Da denken die Frauen nicht alle drei Sekunden darueber nach, wieviel sie wiegen, sondern sind froehlich und geniessen das Leben. Und oh Wunder, sie koennen sich trotzdem einen Mann angeln, wenn sie wollen. Ich finde, Schweizer/innen definieren sich zu fest durchs Aussehen.

  2. Ralf Walter Münger sagt:

    Man kann es drehen und wenden wie man will: Girls auf dem Laufsteg MUESSEN – tatsächlich – Emotionen wecken, sonst sind sie fehl am Platz! Dass sie Kritik ernten von Mamis, die der Figur fröhnen defintiv zu ihrer Vergängenheit zählen, lässt wohl erahnen, dass das Glück – der Traum, den Richtigen gefunden zu haben – schnell in unverholenen Neid umschlägt. Nein, es gibt kein Rezept gegen Schlank- und Ranksein, kein Rezept gegen die Leichtigkeit der Jugend, keine Rezept gegen dynamische Lebenseinstellungen. Dies gilt auch für Karl Lagerfeld – deshalb mein uneingeschränktes BRAVO an ihn – Mut hat er!

  3. Wernä sagt:

    Jeannete,-Ich finde, Schweizer/innen definieren sich zu fest durchs Aussehen.>
    Tja es gibt wohl auch keine anderen die die Nase höher tragen!
    Das dumme Geschwätz einiger Anhänger der Hungehaken Fraktion, so wie max und alex die weltfremd krudes Zeuig behaupten!
    Haben wohl noch nie was von Geschmack gehört!
    Denn 1. sind Geschmäcker verschieden und 2, sind viele Figuren aus alten Zeiten, sehr füllige Frauen, weil furchtbar!!
    Aber wenn man von frühester Jugend an nur Anatomische Zeitschfiten wie Playboy und co konsumiert bekommt man von der realität nicht so viel mit!
    Also mir is eine Frau die etwas mahr auf den Rippen hat und dafür lebensustig, natürlich mit gutem Chaarcter lieber, wie ein griesgrämiger Hungerhaken der laufend Kalorien zählt und dies und das nicht machen kann/will!

  4. Anonymous sagt:

    An die Adresse von Jannette

    Ich frage mich einfach immer wieder wieso die Frauen ewig und immer wieder auf den Männern rumhacken müssen?

    Wenn die Welt irgendwann nur noch aus Frauen besteht ( das könnte irgendwann so sein) leben auf der Welt nur noch Dicke glückliche Frauen.
    Ich hoffe dann habt ihr euer Ziel erreicht.

  5. Rahel sagt:

    Wenn die Welt nur noch aus einer bestimmten Sorte Mann bestehen wür, wäre es wohl besser sie würden aussterben…….Abfer zum Glück gibt es ja auch noch die angenehme Sorte….:-)

  6. Max sagt:

    @Wernä: Was die Attraktivität von Sexualpartnern angeht – und darum geht es letztlich bei der ganzen Diskussion – sind die Geschmäcker nicht sehr verschieden. Das lässt sich relativ leicht wissenschaftlich untersuchen und wurde auch gemacht (z.B. durch Steven Pinker vom MIT oder Devendra Singh von der University of Texas). Dabei lässt sich feststellen, dass über Alters- und Kulturgrenzen hinweg die gleichen Merkmale als attraktiv gelten. Bei Frauen sind das vor allem Merkmale, die Jugend signalisieren (was nicht überraschen wird, wenn man beobachtet, was Frauen alles investieren, um eben jung auszusehen). Ein solches Merkmal ist das Verhältnis von Taille zu Hüftumfang. Das optimale Verhätnis liegt hier bei 0,7 oder weniger. Das stellt man jedenfalls fest, wenn man Probanten aus unterschiedlichsten Altersgruppen und Kulturen dazu befragt (deshalb ist auch das erste Bild im Beitrag attraktiv). Dises Proportionen sind auch kein moderner Trend. Man findet diese Proportionen auch in Antiken Statuen und sogar in Prähistorischen Figurinen. Hätte man Rubens gefragt, eine sexuel anziehende Frau zu malen, hätte er wahrscheinlich auch keine dicke Frau gemalt.

    Um politisch korrekt zu sein, mögen Sie sagen, das Ihnen dicke Frauen besser gefallen. Das ist aber nicht die Art und Weise wie Männer von Natur aus ticken.

  7. Romeo sagt:

    Die Menschen und deren Körper sind vielfältig. So findet jedermann zu seinem Geschmack. Es wäre doch langweilig wenn alle gleich wären.

  8. Armin sagt:

    So viel Gelaber an der Sache vorbei verdient schon einen Sonderpreis für Denkblockade. Wir sprechen hier nicht von schlank, wir versprechen von düüüün, knooochig und gstaaabig. Der Mann ist von Natur darauf aus, sich mit einer gesunden Partnerin zusammen zu tun. Da habe ich liebe paar Kilos über BMI 25, als mir an einem “Kleiderständer” blaue Flecken zu holen.

  9. Burak sagt:

    Ich verstehe nicht, wie man sich über eine solche Aussage derart aufregen kann. Es wurde schliesslich keine Volksinitiative gestartet, in welcher das Schweizer Volk mollige Frauen verbieten könnte *zwinker*. Herr Lagerfeld fühlt sich eben nur so wichtig, weil wir ihm unsere Aufmerksamkeit aufgrund solcher Aussagen schenken.

    Wenn Man(n) auf etwas mehr Busen steht, sucht er sich sowieso keine Frau mit Grösse 36 oder weniger… :) Aber ich glaube Karl L. hat sowieso nichts für Frauen übrig. Also, was will der schon über schöne Frauen wissen?

    Wenn man es wirtschaftlich betrachtet verstehe ich die Modeindustrie schon, warum sie Grösse 36 oder weniger bevorzugt. Oder würdet ihr mehr Geld für Stoff ausgeben, wenn das gleiche Kleid auch mit weniger Stoff hergestellt werden kann? :)

    Aber mal ehrlich, der Beitrag von Romeo triffts doch genau. Jeder Mensch hat doch seine eigene Ansicht, was Ästhetik betrifft. Es ist doch schön, dass es Vielfalt gibt.

    Auch die Meinung von Karl L. sei akzeptiert und respektiert. Aber ich für meinen Teil messe ihr keine grosse Wichtigkeit bei.

  10. Ilona sagt:

    Es geht hier gar nicht um dünne Models, sondern um magere, die sind 1.80m gross und wiegen 45kg. Das ist nicht mehr gesund!
    Solche Ideale sollten nicht durch Modeschöpfer gefördert werden!
    ich bin 1.75. gross und wiege 65kg. Das sind überhaupt keine Modelmasse, aber ich bin deswegen noch lange nicht dick!

  11. Kathy sagt:

    Es ist nicht einfach Frau zu sein… einerseits soll man dünn sein, andereseits Kurven haben. Würde mich mal interessieren wie sich die Männer das genau vorstellen, bei mir “wächst”, bez. “schrumpft” der Busen mit zu- oder abnehmenden Körpergewicht. Entweder bin ich ein bisschen rundlich, dafür ist meine Brust prall und gross, oder aber ich bin sehr schlank und dann ist die Brust weg. Hilfe… :)

  12. macho sagt:

    ach mach dir keinen Kopf :D

    Das Gesicht ist immernoch mit Abstand das Wichtigste.

  13. Rahel sagt:

    @ Kathy

    …………..und natürlich der Charakter! Aber das sehen die, die nur aufs Äussere schauen nicht, weil sie selber es nicht so mit dem Charakter haben :-) Also : Kopf hoch!!!!

  14. A. Tschubi sagt:

    Die Ansichten über ein Schönheitsideal scheinen sich alle Jahrzehnte zu ändern. Meine 82 jährige Mutter erzählte mir, dass sie sich früher Zeitungen unter den Rock stopften, damit sie breitere Hüften hatten, bevor sie auf das Dorffest gingen…

  15. Gerhard Frötscher sagt:

    @ Kathi

    Wo liegt das Problem?

  16. Karin sagt:

    Ich gehöre zu den fülligeren Frauen (gut proportionierte Grösse 44) und finde es tragisch, dass über dieses Thema immer noch diskutiert werden muss.

    Es ist wichtig leistungsfähig, gesund, beweglich und sportlich zu sein. Ob nun mit Grösse 36 oder 44 ist doch egal!

    Herr Lagerfeld “braucht” Frauen ja auch nur als “Kleiderständer”; wäre er heterosexuell und würde in einer Partnerschaft leben mit Kindern, Haus, Hund und Garten, mit sozialem Engagement und möglichst umweltverträglich, würde er vielleicht wissen, dass es noch ein paar andere Werte gibt, die zählen. Aber so, ganz abgeschlossen in seiner exclusiv teuren Schein- und Glamourwelt, wird ihm diese Weisheit wohl für immer verwehrt bleiben!
    Mein Mann hat es noch nie interessiert ob eine Frau schlank oder füllig ist, solange sie gepflegt und ihrer Figur entsprechend gekleidet ist.
    Der Redaktion der Brigitte kann ich nur gratullieren, genauso wie jedem Fernsehsender, der normale alltäglich aussehnde Frauen vor der Kamera agieren lässt!

  17. Christine sagt:

    Könnte es sein, dass es schwieriger ist, eine Frauen mit Rundungen einzukleiden?

  18. Ernst Scheurer sagt:

    Wie sie die Natur unter normalen Bedingungen gibt, sind die Frauen sexi, harmonsich und begehrenswert.

  19. Felder Paul sagt:

    no komment -…….¨]

  20. Gerhard Frötscher sagt:

    @ Christine

    Sollte es ein diesbezügliches Problem geben, dann gibt es dieses nicht nur bei Frauen, sondern auch bei Männern. Nur:

    Für mich zählt in einer Freundschaft nicht primär, wie meine Freundin/Partnerin aussieht, sondern wie “wir gemeinsam” zusammenpassen.

    PS: Eine Frau ist für mich grundsätzlich etwas Schönes. Wie sie sich selbst sieht, sei dahingestellt:-))

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