
Was schauen Sie lieber an? Frauen mit Rundungen, oder....
Karl Lagerfeld, nie um einen markigen Kommentar verlegen, hat mal wieder ein verbales Dumdumgeschoss abgefeuert. Und zwar gegen Mütter im Allgemeinen und dicke Mütter im Besonderen. Dies, nachdem «Brigitte»-Chefredakteur Andreas Lebert angekündigt hatte, in seiner Zeitschrift künftig keine extrem dünnen Models mehr zu zeigen, dafür Frauen mit normaler Figur. Das brachte Karl auf den Plan. Gegenüber dem Magazin Focus behauptete er, schliesslich schaue sich jedermann gern dünne Models an – ausser übergewichtige Frauen, die nicht an ihre Gewichtsprobleme erinnert werden wollten. «Da sitzen dicke Muttis mit der Chipstüte vorm Fernseher und sagen, dünne Models sind hässlich», sagte er wörtlich. Die Welt der schönen Kleider habe schliesslich «mit Träumen und Illusionen zu tun.» Runde Frauen wolle niemand sehen.
Nun darf man davon ausgehen, dass Karl, wie die meisten Menschen, meistens von sich selbst spricht. Wie wir wissen, war er, bevor er die Diät seines Vertrauens fand, selber dick. Seine pauschale Diffamierung der Mütter als dick und verfressen, interpretieren wir als Ausdruck seiner Erleichterung, selber keine dieser Muttis zu sein. Im Gegensatz zu ihnen gehört Karl heute zum exklusiven Club der Schlanken und sein Ätschbätsch ist eine Art weiblicher (bzw. schwuler) Schwanzlängenvergleich.

Haut und Knochen?
Darüber kann man hinweg gehen, zumal Karl sich sowieso in der Generation geirrt zu haben scheint. Heute trifft man viel eher Muttis mit dicken Autos als dicke Muttis, und in meinem Umfeld magern Frauen nach der Geburt eher ab. Schliesslich ist die moderne Mutter berufstätig, und das stressige Hin und Her zwischen Familie und Beruf fordert seinen Tribut – ganz zu schweigen davon, dass frau in der Arbeitswelt auch automatisch am Busen der Leistungsgesellschaft mit ihrem ästhetischen Imperativ genährt wird – schliesslich ist die Präsentabilität nur eine Frage des Willens.
Aber gerade vor dem Hintergrund des ästhetischen Diktats haben mich Karls Aussagen über die Modeindustrie zum Nachdenken gebracht. Denn ja, diese verkauft Träume und Illusionen. Und zwar wem? Genau, den Frauen. Ich persönlich bin keine Anhängerin von Verschwörungstheorien, sondern glaube daran, dass die Nachfrage das Angebot bestimmt. Der Konsument, bzw. die Konsumentin ist Königin.
Auch die Porno-Industrie verkauft Träume und Illusionen – allerdings an ein vorwiegend männliches Publikum. Und siehe, im Pornobusiness tummeln sich meines Wissens verschwindend wenige Frauen mir prekärem Bodymass-Index, sondern schlanke Frauen mit Rundungen. Sogar dicke Muttis sind im Angebot.
Was uns wieder zu Karl zurückbringt. Runde Frauen will niemand sehen? Es scheint eher so, als wollten Frauen, trotz aller gegenteiligen Behauptungen, keine runden Frauen sehen, sondern nur Männer. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Markt für die von Hungerhaken bevölkerte Modeindustrie nicht nur aus Frauen mit Grösse 36 und drunter besteht, sondern vornehmlich aus «dicken Muttis».
Fazit? Einer Industrie muss man nicht mit Moral kommen, das versteht sie nicht. Aber sie versteht den binären Code des digitalen Zeitalters, nämlich 01. Ich kaufe, oder ich kaufe nicht. Und wer sich an dünnen Models stört, kann ja einfach ein Buch lesen. Oder sich ein Sexheft kaufen.



Nicole Althaus ist Autorin und freie Journalistin in Zürich. Seit beinahe zehn Jahren betreibt Nicole Althaus Feldforschung in der eigenen Familie: Die Autorin ist verheiratet und Mutter zweier Mädchen im Alter von 10 und 6 Jahren.
Michèle Binswanger hat Philosophie und Germanistik studiert, war als Künstlerin und Kletterin tätig und ist heute Redakteurin bei Tagesanzeiger/Newsnetz. Sie lebt mit ihrem Mann, ihrer Tochter (8) und ihrem Sohn (5) in Basel. 











































































Entschuldigung, aber wird hier eigentlich keine Zensur gemacht bevor die “Leserschreiben” veröffentlicht werden?
Karl hat absolut Recht. Was interessiert euch denn so an den dünnen Models? Niemand, aber auch gar niemand in dieser Branche wird dazu gezwungen, “abzunehmen” oder gar magersüchtig zu werden, um irgendwie mehr Geld zu verdienen. Der Model-Job ist freiwillig-falls er dir passt, fein, mach weiter. Falls nicht, dann lass es sein.
Und der Vergleich mit der Porno-Industrie ist ja total erbärmlich.
Er ist Modedesigner, kein moralisches Vorbild, also sollte man ihm doch seine Meinung einfach lassen. Was mich jedoch sehr stört ist die im Artikel vertretene Meinung. Erstens: Keine 0-8-15 Hausfrau bzw Mutter kann sich Kleidung von Chanel, Karl Lagerfeld etc leisten und interessiert sich meistens auch nicht dafür.
Das man heutzutage als hübscher wahrgenommen wird, wenn man dünn ist, ist eine kulturelle Entwicklung und zieht sich von der Steinzeit bis ins Hier und Jetzt.
Und was soll denn bitte die sexistische und diskriminierende Aussage “Schwuler Schwanzlängenvergleich”. Was hat denn das hier angesprochene Thema mit Sexualität zu tun?
Und wie Linda bereits erwähnte, der Porno-Industrie Vergleich ist wirklich erbärmlich, vielleicht sollte man sich hier mit der Redaktion nochmals dem Journalismus-Studium widmen…
hm…
an die Herren, die schreiben, dass dicke Frauen nicht hübsch seien und dass ein Mann eine schlanke Frau nie mit einer dicken betrügen würde.
Nun, ich bin, am schlankheitsideal gemessen, wohl auch dick mit einem Gewicht von 65 kg und ja, ich gebe zu, ich fühle mich hässlich und dick.
aber die männer scheinen das doch etwas anders zu sehen. hab mehr als genug verehrer und ich habe schon länger eine beziehung zu einem mann, der seine dünne frau mit mir betrügt.
ihr seht, auch wir dicken mädels leben!
PS: ja, ich bin böse, ich bin die “andere Frau”, blabla. ich weiss. um das gehts nicht. das nur, damit die kritik sich nicht mit diesem umstand aufhält.
Der Vergleich mit der Pronoindustrie ist doch nicht erbärmlich, er widerlegt doch nur die Aussage von Lagerfeld, dass Mäner nur dünne Frauen sehen wollten.
Der Modeljob ist schon freiwillig ja…jedoch werden wir doch mit diesen Schönheitsidealen gross. 97 % aller Menschen haben von Natur aus einen BMI zwischen 18.5 und 25. Das ist die Natur. Lediglich 3% aller Menschen liegen tiefer im BMI.
Darum ist ja wohl medizinisch bewiesen, dass viele Frauen im Modelbusiness schon mal essgestört sind. Gut…also jetzt liest meine Tochter, die ich vielleicht einmal haben werde, ein Modemagazin und….tadaaa…sie wird sich an diesen Schönheitsidealen orientieren. Was dann? Sie kommt in die Pubertät und bekommt weibliche Rundungen. Nun wird sie die Wahl haben zwischen dem “Frau werden” und dem verzerrten Schönheitsideal.
Einen erwachsenen Menschen selbst entscheiden zu lassen, was er tut ist völlig ok…aber diese Bürde einer jungen, werdenden und identitätssuchenden Frau aufzulasten ist wirklich nicht korrekt.
Ich selbst war jahrelang magersüchtig und bulimisch, ich weiss von was ich rede. Also soll hier niemand kommen und mir etwas von kultureller Entwicklung erzählen. Ja natürlich ist es eine kulturelle Entwicklung, allerdings eine weche ins Leere führt.
Esstörung ist eine Sucht…
Denkt daran: Man flüchtet in die Sucht, wenn man nicht findet was man sucht…
Der Konflikt geht noch viel weiter. Aber irgendwo muss man mit der Lösung beginnen. Meiner Meinung nach wäre dieser Anfang beim Abdruckverbot von essgestörten Models und Modeschöpfer.
PS: Ach ja, und die Bildkorrekturen sollte man auch verbieten!!!!!