Leben


Philippe Zweifel am Dienstag den 6. Oktober 2009

Abgetakelter Superernährer

Nichts ist dem neuen Vater peinlich, ausser: Eingestehen, dass man kein Superheld ist.

Nichts ist dem neuen Vater peinlich, ausser: Eingestehen, dass man kein Superheld ist.

Wenn ich abends nach Hause komme, sagt meine Freundin nicht unbedingt «Hallo». Auch nicht «Wie wars im Büro?». Sie sagt: «Hier». Dann drückt sie mir den Kleinen in die Arme. Das ist okay, sie darf das. Immerhin hat sie ihn zehn Stunden unterhalten/gefüttert/geputzt. Jetzt ist sie Rocky nach der 15. Runde gegen Apollo Creed. Sie kann nicht mehr, will nur noch allein sein.

Doch halt! Auch ich habe im Büro schwere Tage. Nur, weil mein Computer keine Trotzanfälle hat, bedeutet das nicht, dass ich mich bei der Arbeit erhole. Schliesslich gibts dort einen Chef. Und vor allem: Verantwortung. Denn an die Arbeit gekoppelt, ist die Existenz meiner Familie. Man darf das nicht unterschätzen. Vor der Geburt unseres Sohns wusste ich nicht, was ein Albtraum ist. Heute träume ich regelmässig, wie ich gleichzeitig Job und Wohnung verliere. Dazu kommen Angst vor Krankheiten und ein melodramatisches Gefühl von drohendem Unheil, wenn ich ein Flugzeug besteige.

Allein, die wahre Last des Ernährers spielt sich im Kopf ab und ist schwer vermittelbar. So schluckt man seinen Protest herunter und dreht abends noch eine Runde mit dem Kinderwagen. Am Wochenende gehts dann mit dem ersten Hahnenschrei ins Naherholungsgebiet. Schliesslich ist jetzt Vaterzeit. Nicht, dass diese Ausflüge keinen Spass machen. Sehr sogar. Man ist stolz, erfüllt, von Liebe durchflutet. Ein zahnlückiges Lächeln des Kleinen – und die Batterien sind wieder aufgeladen.

Wäre da nicht diese fiese kleine Stimme in meinem Kopf. «Du wirst über den Tisch gezogen», sagt sie. Und schon bin ich ganz aufgeregt.  Man denkt: Wo bleibt die Anerkennung für die Arbeit im Stollen? Der nötige Respekt für den Jäger, der mit stolzgeschwellter Brust das Essen nach Hause bringt? Ist nur ein richtiger Vater, wer den Feierabend im Sandkasten verbringt?

Damit es klar ist: Ich will nicht die Errungenschaften der Emanzipation schmähen. Frauen sollen arbeiten dürfen, so viel sie wollen, natürlich. Was mich beschäftigt, ist die Bewertung der Arbeit. Mit dem Aufstieg der neuen Väter, scheint mir, wurde nebenbei die Arbeit des Ernährers entwertet. Ein Vater auf dem Spielplatz ist: ein Held. Einer der arbeitet: eine Selbstverständlichkeit. Einer, der abends länger im Büro bleibt: eine Zumutung (lastet er seiner Frau doch Überstunden Babydienst auf).

Ja, wir modernen Eltern spotten über die klassische Rollenaufteilung, nennen sie archaisch oder hinterwäldlerisch. Mütter stürzen sich deshalb in eine Teilzeitarbeit und wir Vollzeit-Väter (Teilzeit arbeiten ist nach wie vor ein Privileg!) rennen jede freie Minute auf den Spielplatz, wo wir uns an einem Bier festhalten und uns gegenseitig zu unserer Fortschrittlichkeit gratulieren. Wo wir über Windeln und Kinderwagen fachsimpeln. Nichts ist dem neuen Vater peinlich, ausser: Eingestehen, dass man am Anschlag ist. Zugeben, dass man kein Superheld ist. Obwohl ich mir manchmal wie einer vorkomme. Einer von der abgetakelten Sorte. Mit Alkoholproblem und abgenutztem Kostüm, auf dem eine blasse Aufschrift steht: der Superernährer.

Was ist zu tun? Ich weiss es nicht. Sucht man nach Lösungen, landet man in der konservativen Ecke. Also weiterstrampeln. Oder?

zweifelPhilippe Zweifel, 36, ist Kulturredaktor bei Newsnetz und Vater eines Sohnes. Er lebt mit seiner Familie in Zürich.

64 Kommentare zu „Abgetakelter Superernährer“

  1. Marcel sagt:

    “Was mich beschäftigt, ist die Bewertung der Arbeit. Mit dem Aufstieg der neuen Väter, scheint mir, wurde nebenbei die Arbeit des Ernährers entwertet.”

    Haben Sie das von mir abgeschrieben, Herr Zweifel? Das scheint nicht nur so zu sein, es ist auch so: Eerwrbsarbeit ist heute de facto völlig wertlos, sowohl in den Sozialwissenschaften als auch im Mainstream! Den Grad der Gleichberechtigung liest man eben bevorzugt an der jeweiligen Beteiligung bei der Haushaltsarbeit ab- und da ist mittlerweile alles erforscht, bis hin zur durchschnittlichen Zeit, die Mann oder Frau fürs Geschirrspülen, Wäsche waschen, Essen kochen und Reparaturen im Haus / in der Wohnung aufwenden (Allbus 2000 / Scheller 2005)! Wieviele Male habe ich das hier drinnen schon geschrieben? In “Die Saubermännchen” zum Beispiel? Oder hier, bei “Frauen an den Herd, die Debatte”:

    “Doch glücklicherweise sind wir Frauen ja nicht allein, sondern auch aus männiglich Ecken tönt der Ruf nach Gleichberechtigung, etwa bei Marcel: «Ich will kein alleinernährender Familienvater mehr sein!! 80 Prozent aller in dieser Krise bisher verloren gegangenen Jobs waren Männerjobs – in der Bundesrepublik, in Kanada und den USA!!»”

    Guten morgen Herr Zweifel, auch schon erwacht?

  2. Marcel sagt:

    Und auch ganz lustig die Kommentare hier von offenbar gut bis sehr gut verdienenden Männern und Frauen, die in einer Paarbeziehung leben: Wenn der Lastwagenfahrer, dessen Frau Teilzeit bei der Migros arbeitet, plötzlich ebenfalls nur noch Teilzeit arbeiten würde- aus Solidaritätsgründen, versteht sich, die Gleichbeechtigung will ja schliesslich gelebt werden- dann ist ganz schnell zappenduster in der Haushaltskasse!

    Akademikerpaare machen in der Bundesrepublick übrigens gerade mal 6 Prozent aller Paare aus- nicht gerade eine mehrheitsfähige Perspektive, würde ich sagen. Und das sage ich ganz ohne Neid- materiell geht es mir bestens.

    Zur Information: Haushalte mit umgekehrter Rollenteilung (sie Vollzeit, er Hausmann), machen hierzulande etwas mehr als ein einziges Prozent aus. Und zwei Teilzeitpensen innerhalb eines gemeinsamen Haushaltes mit Kindern liegen hierzulande bei weit unter fünf Prozent. Sie Vollzeit, er Teilzeit erfreut sich auch nicht gerade allzugrösster Beliebtheit: 2 Prozent sind’s dann. Das Umgekehrte, sie Teilzeit, er Vollzeit, ist hingegen äusserst beliebt: Fast jede zweite Familie lebt das Haupternährermodell. Und das liegt beileibe nicht nur an den Männern, die nicht wollen- vielmehr sind es die knappen Einkommen, die der gleichberechtigten Rollenteilung im Wege stehen, meine verehrten Damen und Herren AkademikerInnen, das bitte einfach nie vergessen, ok?!

    Die Fortschritte bei der Gleichberechtigung der Geschlechter aus Perspektive der Erwerbsarbeit fallen also bei weitem nicht so spektkulär aus, wie immer wieder behauptet wird- sondern genau genommen ziemlich ernüchternd.

    Aber das will ja niemand hören- oder nur ganz wenige.

  3. Pu sagt:

    Mich beschleicht der Verdacht, dass das Problem des Autors etwas damit zu tun hat, dass sich manche heutige Eltern als Alleinunterhalter ihrer Kinder verstehen. Kein Wunder, wird die Kinderbetreuung zur anstrengenderen Arbeit als ein Bürojob. Die Generation unser Eltern wäre übrigens kaum auf diese Idee gekommen.

  4. christoph sagt:

    Also mein Computer hat des öfteren Trotzanfälle…

  5. mira sagt:

    @Marcel
    Sie haben es richtig erfasst. Die meisten Männer drängen sich in die Haupternährerrolle, oder lassen sich von ihren Frauen drängen. Die Wahl der Partners (und damit auch des potentiellen Partnereinkommens) ist ein erster Schritt dabei. Wir hatten hier mal die Diskussion, dass sehr gut verdienende Frauen es eher schwierig haben, einen Mann zu finden. Wenn es wirklich genügend Männer gäbe, welche gerne Teilzeit arbeiten würden, dann gäbe es diese Situation so nicht!

    Die Finanzen sind (leider) ein wichtiger Punkt in vielen Entscheidungen. Sucht sich ein Mann eine schlechtverdienende Frau aus, dann muss er auch mit den Konsequenzen leben, der Hauptverdiener zu sein. Oder halt seinen Standard runterschrauben (auch das ist möglich!!). Auch hier gilt, wie bei so vielen Dingen: Zuerst denken und dann handeln. Und sich nicht später beklagen, wenn man den ersten Schritt ausgelassen hat!!

    Die Liebesehe ist sicherlich etwas wunderbares. Man sollte aber nicht vergessen, dass eine glückliche Ehe noch an sehr sehr vielen anderen Dingen hängt. Und diese lassen sich einfach mal rational viel besser erfassen. Manchmal frage ich mich wirklich, ob die Liebesehe wirklich eine Verbesserung bedeutete…

  6. Marcel sagt:

    @mira: “Manchmal frage ich mich wirklich, ob die Liebesehe wirklich eine Verbesserung bedeutete…” Diese Form der ehelichen Beziehung ist bestenfalls 150 Jahre alt und, wie so vieles andere auch, eigentlich ein Produkt der Industrialisierung: Dort war sie allerdings zuerst in der neu entstandenen bürgerlichen Gesellschaft en vogue. Aus verschiedenen Gründen, zumindest gegen Ende des 19. Jahrhunderts, war sie in unteren Schichten nicht möglich.

    Zum Thema gut- bis sehr git verdienende Frauen als Selektionsmerkmal: Von Frauen in MINT-Berufen gibt es viel zu wenige…

    Und nur die Ökonomie sollte ja auch nicht das einzige Kriterium sein, hoffe ich, oder?

  7. mira sagt:

    @Marcel
    Natürlich nicht. Es ist ein Punkt unter vielen. Jedoch einer, der nicht unterschätzt werden sollte, wie die Diskussionen hier immer wieder zeigen.
    Die Mehrheit der Völker kennt übrigens die Liebesehe nicht. Ob sie wohl glücklicher sind als wir?

  8. Dani Kobler sagt:

    @ Marcel: Irgendwie fühl ich mich angesprochen, einer der lustigen Kommentatoren zu sein.
    Dein Beispiel mit dem Lastwagenfahrer und der Migros Mitarbeiterin in Ehren, aber ich sehe Problem das Teilzeit nicht möglich sein soll, nicht auf der Einnahmen Seite des Budgets, sondern auf der Ausgabenseite.

    Und wie wärs mit folgendem:
    In der prä-goofen ära (danke gargamel für dieses Wort), wo er und sie schon zusammen wohnen, beide noch Vollzeit arbeiten, wird das Familienbudget eben nicht so ausgelegt das es grad mit einer scharzen Null endet.

    Die Zeit zwischen 25 und 30, vor der Heirat und den Kindern, ist genau die Zeit wo man mehr verdient als man brauchen würde.
    Es gibt kein Gesetz das einem zwingt den ganzen Monatslohn wieder zu verputzen.
    Ja klar, Sparen ist nicht so sexy wie eine neues Auto, Ferien in Südamerika, neues Handy, Flat TV, usw, aber es hilft in vielerlei hinsicht.
    1. du hast ein finanzielles Poster und eine unerwartete Ausgabe bringt dich nicht um den Schlaf
    2. man gewöhnst sich nicht an einen Standart den man in der Zeit wo die Kinder dann da sind eh nicht halten kann
    3. die Zinsen sind die Belohnung dafür
    4. es erlaubt der Familie, während einer gewissen Zeit (z.b. verlängerter Mutterschaftsurlaub) über dem Budget zu leben.

    Jeder Franken der nicht ausgegeben wird muss nicht als Familieneinkommen verdient werden!
    Wenn ich mal an einem Samstag in der Stadt bin und sehe das es wohl tatsächlich viele Leute gibt (und zu allem Übel auch noch sehr viel Kids) die als Hobby wohl Shopping haben, dann könnte ich ko**en. Einkaufen aus Langeweile. Das dürfte dann der Preis sein warum Papi nicht reduzieren kann.

    Nochmals, Teilzeit ist nicht ein Privileg, sondern muss sich erkauft werden. Der Preis ist Einschränkung, manchmal auch Verzicht.
    Hilfreich ist vielleicht mal zu überlegen wo man selber herkommt und aufgewachsen ist.
    - Braucht wirklich jedes Kind ein eigenes Zimmer. Braucht es ein Arbeitszimmer für Papi. Oder tuts auch eine kleine Wohung.
    - Braucht die Familie wirklich 2 Autos. Braucht sie wirklich auch das erste.
    - Müssen es wirklich 3 Wochen Ferien in Übersee sein, geht nicht auch Italien oder Frankreich. Oder mal die Sommerferien in der örtlichen Badi verbringen.
    Also, weniger auf die Müllers (haben grad ein neues Auto), Meiers (sind grad am Bauen) und Hubers (grad zurück aus den Ferien) schielen dafür mal die Eltern und Grosseltern fragen wieviel Kinder in einem Zimmer geschlafen haben, wo sie in den Ferien waren, …

    Aber das oben geschriebene bedingt natürlich das man damit anfängt beofr die Kinder da sind.
    In guter Startpunkt ist das Studium, Diese Zeit ist ja bekannt das man mit wenig Geld über die Runden kommen muss, und wenns noch knapper wird, wird eher noch mehr einschränken als einen Semesterjob annehmen.

  9. Marcel sagt:

    @Dani Kobler: Weniger ist eindeutig mehr, das stimmt! Da bin ich mit ihnen völlig einig. Und das “Wenige” das man hat (wieviel ist wenig?) sollte erste Qualität sein. Wenn man sich das leisten kann im Billig-Zeitalter, in dem wirklich billig produziert wird, aber nur selten langfristig haltebares. Billige Menschen können sich nur billige Waren leisten, wie Wirtschaftsnobelpreisträger Paul A. Samuelson kürzlich richtig festegestellt hat. Da kann weniger in der heutigen Zeit aber teuer kommen. Das weiss der Lastwagenfahrer und seine Frau, die Teilzeit in der Migros arbeitet.

    Da ich aber kein Lastwagenfahrer bin, leiste ich mir “teure” Sachen in wichtigen Fällen: Meine Tochter kriegt Qualitätsschuhe- und nicht irgendwelches Billizeugs von Aldi, meine Wenigkeit ebenfalls, und da ich auch noch ausgewachsen bin (im Gegensatz zu meiner Tochter), leiste ich mir auch sonst Hochwertiges, was Kleider anbelangt. Dito in vielen anderen Bereichen des Lebens: Qualitativ hochwertiges only, auch bei der Wohnungseinrichtung (einmal gekauft, hält’s mindestens 30 Jahre lang): Weniger ist mehr, wirkt aber auf den ersten Blick sauteuer, so teuer, dass der Lastwagenfahrer und seine Frau, die Teilzeit in der Migros arbeitet, das billige Zeugs kaufen müssen, wie Samuelson richtig gesagt hat. Und es immer wieder ersetzen müssen- dem neoliberalen Wirtschaftsmodell sei dank, dessen Ziel u. a. ein möglichst hoher Güterumschlag pro Haushalt ist.

    Ja, eindeutig: Weniger ist mehr. Die Frage ist einfach, ob es weniger sein muss (existentielle Gründe, zuwenig Geld da) oder darf. Mit vollem Magen lässt sich leicht vom Fasten schwärmen.

  10. Alain sagt:

    Hoi Philipp,
    verstehe dich gut, es ist wirklich ein krampf…
    Ich bin jetzt grad in Ganzhou China und besuche meine Schwiegereltern :-)
    hier ist es einfach: Mann und Frau arbeitet und die Kinder bleiben bei den Grosseltern!
    Ich bin eigentlich froh das ich die unabhaengigkeit Zuhause habe, ohne das meine Eltern
    dauern da sind.
    Aber eigentlich muss man vorher nicht zuviel Wissen ueber das Kind kriegen sonst
    tut dies niemand freiwillig… weiter kommt dann der Wunsch nach mehr Kindern da
    es fast nicht meher stressiger werden kann?!
    gruss aus dem Osten

  11. Marcel sagt:

    @Mira: Da fällt mich noch ein: Das durchschnittliche Monatseinkommen beträgt in der Schweiz z. Z. gerade 5′670 Franken brutto, das durchschnittliche Haushaltseinkommen brutto ca. 8′500 Franken, nicht nach Geschlechtern gewichtet.

    Nun nehmen wir mal den Mann, den Lastwagenfahrer: Brutto 5′500 Franken

    Und jetzt die Frau, Teilzeit (60 Prozent) bei der Migros: 2′000 brutto

    Er arbeitet jetzt nur noch 80 Prozent = 4′400 Franken
    Sie weiterhin 60 Prozent = 2′000 Franken
    Macht zusammen 6′400 Franken ZUSAMMEN! Netto wären das dann etwa 5′700 Franken.
    Sie leben beide im Grossraum Zürich… die Wohnungsmieten sind in den letzten fünf Jahren alleine um 25 Prozent gestiegen.

    Noch Fragen? Ich mag ja den Idealismus vieler gut bis sehr gut gebildeter und verdienender KommentatorInnen hier drinnen irgedwie ganz gut- aber diesen Aspekt vergessen sie bei der Debatte um die Gleichberechtigung regelmässig. Trotz guter Bildung.

    Das finde ich doch etwas seltsam.

  12. Marcel sagt:

    ..und wenn wir schon von Teilzeit / Teilzeit-Paarmodellen sprechen: Mich nähme mal wunder, zu wievielen Prozent da jeweils gearbeitet wird: Wetten, dass der Mann im allgemeinen das höhere Pensum arbeitet (bezahlte Erwerbsarbeit notabene)…

    Wetten?

  13. Katharina sagt:

    @Marcel: Ich wäre froh, ein Jobpensum von nur 100% zu haben……… at-will-employment heisst das hier so schön. Und eben Sollstunden… what is THAT? Arbeitsvertrag – Are you a commie?

    aber recht hast du schon. und ich behaupte, dass die Teilzeit Pensen zwar 50-75% sagen und zahlen, aber in Wirklichkeit höher sind.

    kann man in Zürich mit 5700 netto leben? das war schon in den Jahren, als ich noch in CH lebte, eigentlich nicht so.

  14. Manfred Meier sagt:

    Ja, lieber Herr Zweifel, Ihr Gefühl täuscht Sie nicht: Sie werden über den Tisch gezogen, und zwar big time. Erwachsene Menschen müssen arbeiten, und zwar 100%, ist doch klar. Ob Erwerbsarbeit oder Hausarbeit, ist eigentlich egal. Wie diese aufgeteilt wird ist natürlich Abmachungssache. Ich plädiere dafür, die beiden Bereiche im umgekehrten Verhältnis zueinander aufzuteilen. Also z. B. Erwerbsarbeit Er 100% Sie 0% dann Hausarbeit Er 0% Sie 100%. Oder bei je 50% Erwerbsarbeit wird natürlich auch die Hausarbeit hälftig geteilt. Wenn sie 50% Erwerbsarbeit leistet und er 100% muss man ein paar Nanosekunden rechnen und teilt die Hausarbeit dann 2/3 zu 1/3 – you get the picture. Also, wenn sie das nächste mal einfach “hier” sagt, sagen Sie “nein”, das hat auch vier Buchstaben. Und wenn ihr das nicht passt ist sie vermutlich darauf aus, die höchste gesellschaftliche Stufe zu erlangen, die in ihrer Reichweite liegt: Alleinerziehende Mutter.

  15. maia sagt:

    @Katharina: Das sagt ja Marcel eigentlich: davon kann man kaum als Familie leben und dann ist dazu noch zu sagen, das ist das Durchschnittseinkommen. Es gibt also viele, die von weniger leben (müssen). Ich find schon lange, dass hier vor allem von Menschen diskutiert wird, die das Leben des grössten Teiles der Bevölkerung nicht kennen und einfach nur froh und dankbar sein sollten, dass sie sich solche Luxusprobleme leisten können.

  16. Papa sagt:

    Die ganze Diskussion zeigt einmal mehr auf, wie sehr sämtliche Rollen in der Familie neu definiert werden. Das gilt für Mann und Frau genauso wie für die Kinder und die Grosseltern. Und ich sehe es ähnlich wie einige andere hier. Genauso wie die Heirat aus Liebe wird auch das Familienleben, die Erziehung der Kinder und die Arbeitsteilung häufig von “romantischen” Vorstellungen diktiert, die erst durch einen mehr oder weniger grossen Wohlstand möglich sind. Ich sehe es gleich wie Marcel: Für Leute, aus den unteren Einkommensschichten dürften sich einige Posts hier lesen wie der blanke Hohn.

  17. Dani Kobler sagt:

    @ Marcel: Dein Beispiel mit dem Lastwagenfahrer und der Migros Verkäuferin zeig wieder nur die Einnahmen Seite des Budgets.
    Was ist mit der Ausgabenseite?
    Wieso sollte es mit diesem Budget nicht möglich sein Teilzeit zu arbeiten.
    Du wirst immer jemanden finden der mit noch weninger Einkommen oder mit einem Kind mehr auch über die Runden kommt.

    Dein Beispiel kommt mir übrigens bekannt vor, meine Mutter war tatsächlich Verkäuferin bei der Migros. Nicht 60, dafür 100%.
    Den Lastwagenfahrer gabs dafür nicht, der hat sich vorher aus dem Staub gemacht.
    Und dennoch blieb sogar Geld übrige fürs Sparkonto. Zauberei?

    Ich fasse meine Punkte zur Ausgabenseite nochmals zusammen:
    – Auto ist Luxus und Luxus ist nicht gratis
    – Kinder bis 10 Jahre können sich problemlos ein Zimmer teilen
    – bei Ricardo lässt sich leicht Geld sparen. Sachen, kaum gebraucht zum halben Preis
    – Grosseltern mal fragen wie oft bei ihnen in der Kindheit pro Woche Fleisch auf dem Tisch kam
    – Ferien am Meer oder in der örtlichen Badi? Den Kindern ists egal, hauptsache es hat genug andere Kids
    – Kaputte Sachen lassen sich reparieren. Leim, Klebeband, und eine Nähmaschine ist leichter zu bedienen als ein Compi
    – in der Zeit vor den Kindern schon Geld beiseite legen
    – sofern man kein Profibergsteiger ist braucht man auch keine Profibergsteiger Windjacke. Die aus dem Migros genügt vollends
    – nur weil man sich etwas leisten kann, ist das kein Grund sich dieses etwas auch zu kaufen
    – Shopping ist kein Hobby sondern ein Laster

    Und nein, das ist nicht der blanke Hohn. Ich verhalte mich so, und wie ein Narr fühl ich mich nicht.

  18. opa meier sagt:

    @Dani Kobler: Bei mir war Sonntag der Tag, wo für die ganze Familie auch Fleisch auf den Tisch kam. Unter der Woche gab’s das nur für den Vater, oder für uns mal eine Bratwurst. :-)

  19. Thomas sagt:

    Gratuliere zur gelungenen Zusammenfassung – irgendwie liest es sich lustiger als es manchmal erlebt wird. In Australien lebend kann ich Dir versichern dass es auch Downunder nicht anders herum ist. Trotzdem wollen wir es nicht anders …

  20. Alexandra A. sagt:

    @Gabriela_W – Ich bin ganz deiner Meinung, obwohl wir immer noch den Fernseher haben und zuviel Blödsinn schauen… muss mich einfach richtig überwinden etwas anderes zu machen…
    The Contented Little Baby Book ist einfach super, habe ich auch bei meiner Tochter gebraucht und es klappt prima. Würde ich auch wärmstens empfehlen. Unter der Woche geht meine Tochter so gegen 19.30 Uhr ins Bett und ich muss sie meistens wecken um 7.00 Uhr (ich verlasse das Haus mir ihr so gegen 7.30 Uhr zur Krippe und dann zur Arbeit). Am Freitag und Samstag geht sie eher gegen 20.00 Uhr ins Bett, so dass wir ein bisschen länger morgens ausschlafen können. Klappt prima! Einem Kind kann man (fast) alles beibringen.
    Ich arbeite 80% und mein Mann 100% zur Info.
    Gruss
    Alex A.

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