
Nichts ist dem neuen Vater peinlich, ausser: Eingestehen, dass man kein Superheld ist.
Wenn ich abends nach Hause komme, sagt meine Freundin nicht unbedingt «Hallo». Auch nicht «Wie wars im Büro?». Sie sagt: «Hier». Dann drückt sie mir den Kleinen in die Arme. Das ist okay, sie darf das. Immerhin hat sie ihn zehn Stunden unterhalten/gefüttert/geputzt. Jetzt ist sie Rocky nach der 15. Runde gegen Apollo Creed. Sie kann nicht mehr, will nur noch allein sein.
Doch halt! Auch ich habe im Büro schwere Tage. Nur, weil mein Computer keine Trotzanfälle hat, bedeutet das nicht, dass ich mich bei der Arbeit erhole. Schliesslich gibts dort einen Chef. Und vor allem: Verantwortung. Denn an die Arbeit gekoppelt, ist die Existenz meiner Familie. Man darf das nicht unterschätzen. Vor der Geburt unseres Sohns wusste ich nicht, was ein Albtraum ist. Heute träume ich regelmässig, wie ich gleichzeitig Job und Wohnung verliere. Dazu kommen Angst vor Krankheiten und ein melodramatisches Gefühl von drohendem Unheil, wenn ich ein Flugzeug besteige.
Allein, die wahre Last des Ernährers spielt sich im Kopf ab und ist schwer vermittelbar. So schluckt man seinen Protest herunter und dreht abends noch eine Runde mit dem Kinderwagen. Am Wochenende gehts dann mit dem ersten Hahnenschrei ins Naherholungsgebiet. Schliesslich ist jetzt Vaterzeit. Nicht, dass diese Ausflüge keinen Spass machen. Sehr sogar. Man ist stolz, erfüllt, von Liebe durchflutet. Ein zahnlückiges Lächeln des Kleinen – und die Batterien sind wieder aufgeladen.
Wäre da nicht diese fiese kleine Stimme in meinem Kopf. «Du wirst über den Tisch gezogen», sagt sie. Und schon bin ich ganz aufgeregt. Man denkt: Wo bleibt die Anerkennung für die Arbeit im Stollen? Der nötige Respekt für den Jäger, der mit stolzgeschwellter Brust das Essen nach Hause bringt? Ist nur ein richtiger Vater, wer den Feierabend im Sandkasten verbringt?
Damit es klar ist: Ich will nicht die Errungenschaften der Emanzipation schmähen. Frauen sollen arbeiten dürfen, so viel sie wollen, natürlich. Was mich beschäftigt, ist die Bewertung der Arbeit. Mit dem Aufstieg der neuen Väter, scheint mir, wurde nebenbei die Arbeit des Ernährers entwertet. Ein Vater auf dem Spielplatz ist: ein Held. Einer der arbeitet: eine Selbstverständlichkeit. Einer, der abends länger im Büro bleibt: eine Zumutung (lastet er seiner Frau doch Überstunden Babydienst auf).
Ja, wir modernen Eltern spotten über die klassische Rollenaufteilung, nennen sie archaisch oder hinterwäldlerisch. Mütter stürzen sich deshalb in eine Teilzeitarbeit und wir Vollzeit-Väter (Teilzeit arbeiten ist nach wie vor ein Privileg!) rennen jede freie Minute auf den Spielplatz, wo wir uns an einem Bier festhalten und uns gegenseitig zu unserer Fortschrittlichkeit gratulieren. Wo wir über Windeln und Kinderwagen fachsimpeln. Nichts ist dem neuen Vater peinlich, ausser: Eingestehen, dass man am Anschlag ist. Zugeben, dass man kein Superheld ist. Obwohl ich mir manchmal wie einer vorkomme. Einer von der abgetakelten Sorte. Mit Alkoholproblem und abgenutztem Kostüm, auf dem eine blasse Aufschrift steht: der Superernährer.
Was ist zu tun? Ich weiss es nicht. Sucht man nach Lösungen, landet man in der konservativen Ecke. Also weiterstrampeln. Oder?
Philippe Zweifel, 36, ist Kulturredaktor bei Newsnetz und Vater eines Sohnes. Er lebt mit seiner Familie in Zürich.


Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und erwartet ihr erstes eigenes Kind.
Jeanette Kuster ist Redaktorin bei einem Fachmagazin, freie Journalistin und Mutter eines zweijährigen Mädchens. Vor der Geburt ihrer Tochter war sie bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Jeanette Kuster lebt mit ihrer Familie in Zürich.
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Grundsätzlich hängt es doch davon ab ob Mann und Frau überhaupt die Wahl haben ihre Aufgaben aufzuteilen. In vielen Arbeitsstellen kann man nicht einfach sein Arbeitspensum herunterschrauben (Dennoch gibt es solche Arbeitgeber vermehrt: http://familienleben.ch/beruf/familienfreundliche-arbeitgeber-die-besten). Ich denke hier muss noch einiges von Seiten der Arbeitgeber getan werden. Mehr Teilzeitstellen würden hier einiges dazu beitragen, dass Familien ihre Work-Life-Balance verbessern könnten. Am Ende des Monats zählt schliesslich nur wie viel Geld man verdient hat, ob es nun von einem oder von beiden gemeinsam erarbeitet wurde. Ich denke, dass viele hier nicht eine grosse Auswahl haben.
Die wahre Macht zeigt sich nicht im Besonderen der Spitzenpositionen sondern im Alltäglichen. Hier zeigt sich, wer sein Leben so gestalten kann wie er will (=Macht) oder Zwängen folgen muss. Schon heute verwaltet die Frau 80 Prozent aller Kaufkraft, vom Einkauf bis zum Hauskauf.
Weiter hat Frau die Macht zu wählen zwischen Vollzeitberufsttätigkeit, Nurhausfrau, Teilzeit mit Kindern oder Vollzeit mit Kindern bei Fremdbetreuung. Ein Mann hat die Wahl zwischen Vollzeitberuf, Vollzeitberuf und Hartz IV. Sollte ein Mann auf den Gedanken kommen, zu hause zu bleiben und die Kinder großzuziehen, wird er entdecken, dass keine Frau seinen Lebensplan mitmacht und ihn solange ernährt.
Noch krasser wird es, wenn der Trennungsfall eintritt. Keine Frau, die die Kinder dem Vater überlässt und arbeiten geht. Stattdessen nur Frauen, die darum kämpfen die Kinder zu behalten und solange wie möglich zu Hause bleiben dürfen – und auch können.
Die Selbstmordrate unter Trennungsvätern springt auf das sechsfache, die Hälfte der männlichen Obdachlosen sind deswegen obdachlos, weil sie eine schlecht verlaufende Scheidung hinter sich haben…
… weil sie die Macht haben?
“… weil sie die Macht haben?”
Selbstverständlich: Dieses Phänomen nennt sich bis heute Patriarchat.
Und zum ersten Abschnitt: Kennen Sie “der dressierte Mann” von Esther Villar?
Ein kritische Stimme hat einmal angemerkt, dass das weitaus intelligenteste Manöver der Frauen darin bestanden hat, den Männern weiszumachen, dass sie das stärkere Geschlecht seien…
Seither laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen und laufen die Männer bis an ihr Lebensende.
Nein, zuviel Ideologie. Aber irgendwie hat’s eben trotzdem was…