Leben


Michael Marti am Montag den 5. Oktober 2009

Feminisierte Väter

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Nicht auszudenken, was aus ihm (und der Schweiz) geworden wäre, hätte ihm seine Frau nur Söhne geschenkt: Christoph Blocher mit seinen Töchtern beim Wandern. (Bild: www.blocher.ch)

Dass Töchter für manche Überraschung gut sind, das erfahren Väter immer wieder neu – lange bevor Mädchen ihren ersten Freund nach Hause bringen. Doch was der «Telegraph» vor einiger Zeit berichtete, wird wohl den einen oder anderen Mädchen-Paps ins Grübeln bringen.

Britische Ökonomen nämlich wollen herausgefunden haben, dass die Anzahl Töchter und Söhne in einer Familie die politische Meinung des Stammhalters, des Vaters, entscheidend beeinflusst. Gemäss der Studie wählen heutige Väter, die drei Töchter, aber keinen Sohn haben, mehrheitlich links (77 Prozent); hingegen würden Papas mit drei Söhnen, aber keinem Mädchen, tendenziell rechts (67 Prozent) wählen. Dieser Effekt zeige sich auch, so Studienleiter Andrew Oswald, in kleineren Familien.

Oswald ist nicht der erste Wissenschaftler, der den Einfluss des Nachwuchses auf die Weltsicht der Eltern untersucht. So stellte die US-Forscherin Ebonya Washington 2004 fest, dass US-Kongressabgeordnete mit Töchtern bei den umstrittenen Politthemen Abtreibung und Schwangerschaftsverhütung eine liberalere Haltung verfolgen als ihre Kongresskollegen ohne Töchter. Dieses Ergebnis mag einem ein wenig banal vorkommen – aber lange war die Sozialforschung der Meinung, Väter würden sich in ihren politischen Ansichten selbst von ihren Nachbarn stärker beeinflussen lassen als vom eigenen Nachwuchs. Und womöglich war das ja auch lange so.

So weit die Statistik. Als Schweizer fragt man sich nun natürlich, wie denn ein Phänomen Christoph Blocher vor dem Hintergrund der Oswaldschen Feminisierungstheorie zu erklären ist; immerhin sind unter den vier Kindern des SVP-Patriarchen drei Mädchen. Wahrscheinlich so: Nicht auszudenken, welch Ultra-Blocher aus Blocher geworden wäre, hätte ihm seine Frau vier Söhne geschenkt, aber nicht eine einzige Tochter.

Der fruchtbarste Aspekt dieser Studien liegt jedoch womöglich nicht so sehr in den konkreten Aussagen zur Veränderung der politischen Ausrichtung von Vätern. Vielmehr ist es die Perspektive der Forscher, die tatsächlich eine neue Sicht eröffnet: Für einmal wird nicht gefragt, wie Eltern Kinder prägen. Sondern exakt das Umgekehrte: Welchen Einfluss Kinder auf das Weltbild ihrer Väter und Mütter haben. Genau dies ist doch die ungemein spannende Frage – für Väter genauso wie für Mütter: Wie haben Ihre Kinder Sie verändert?

Michael Marti, 43, ist Stellvertretender Chefredaktor von Newsnetz und Vater von zwei Töchtern. Er lebt mit seiner Familie in Zürich.

26 Kommentare zu „Feminisierte Väter“

  1. Hey, diese Studie zeigt doch, was für ein Pfundskerl dieser Blocher ist, “ein Monument der Richtigkeit” wie es der deutsche Schrifsteller Martin Walser nannte. Selber mit zwei Töchtern versehen, kenne ich die Problematik. Ein anderer Fall möchte ich ins Spiel bringen: die gänzliche Verschrottung der Schweizer Armee zur “armada svizra XXI” verdanken wir unter anderem der Zusammenarbeit von SVP- Mann Ulrich Siegrist als damaligem Präsident der Offiziersgesellschaft (frommer Protestant, treuer Ehemann, mit zwei Töchtern) und der SP-Sicherheitspolitikerin Barabar Häring (die ihren Ehemann Binder im Laufe der Karriere abhängte). Umzingelt von vier Frauen, stimmte der brave SVP-Mann der stufenweisen Abschaffung der Schweizer Armee zu.
    Gerade aus solchen Gründen wollte ich jüngst mit meiner ältesten Tochter am Gemeindeschiessen teilnehmen. Denn ich will verhindern, dass sie in jedem Schweizer Mann der Dienst leistet und zum Schutze aller eine Waffe im Haus haben muss, einen potentiellen Amokläufer und Familienmörder sieht.

  2. Umgekehrt scheint es Studien zu geben, die belegen, dass “Vatertöchter” in der Karriere mehr Durchschlagskraft haben als “Muttersöhne”.

  3. Shaolin sagt:

    Blocher ein Pfundskerl?Das ich nicht lache.Leute die mit dem Appartheisregime in Südafrika geschäfften sind keine Pfundskerle..

    Wir waren auch 3 Buben und 1 Mädchen und wir stimmen noch heute alle links. Aus prinzip würde ich nie rechts wählen. Doch falls meine Töcher und Söhne (wenn ich dann mal habe) rechts stimmen sollten, auch dann werde ich mich nicht ändern. Gemeindeschiessen? Euer Mann sollte lieber sein Gewehr abgeben wenn sie Angs vor seinem Amok haben. Wenn ihr Grossvater noch das Märchen vom erbitterten Grenzkampf der Schweiz im 2. WK erzählt ist das schön, aber nicht wahr.

  4. Stefan sagt:

    Nur leider kommt aus der Studie nicht hervor, wie die Väter vor ihrer Vaterschaft stimmten. BTW George W. Busch hat auch zwei Töchter keinen Sohn. Le Pen drei Töchter keinen Sohn. Haider zwei Töchter keinen Sohn. Moritz Leuenber zwei Söhne keine Tochter. Da gibt es noch hunderte Beispiele, welche diese Theorie widersprechen. Aber Hauptsache man hat eine Studie veröffentlicht.

  5. opa meier sagt:

    Nach dem Highlight vom Freitag nun ein Tiefschlag am Montag.

    Der Artikel zeigt mir v.a. folgendes: Es gibt immer wieder weltfremde Forscher, die für eine Studie gut sind und es gibt immer wieder Medien, die dieses vermeintlich akademische Gesäusel abdrucken und weiterverbreiten. Hoffentlich verdienen weder erster noch letztere an meinen Steuer- oder Abonnementsgeldern. Ist ja vollkommen klar, dass Kinder ebenso einen Einfluss auf das Wertsystem der Eltern haben (wie übrigens andere Faktoren im Leben auch).

    Also: Schade um die Druckerschwärze, nächstes Thema bitte.

  6. buenaventura sagt:

    Noch nicht gemerkt dass der Artikel leicht zynisch ist? Schöne Woche…

  7. Yves sagt:

    Die Studie beweisst einzig, dass sich jede Aussage mit Hilfe der Statistik beweisen lässt. Und klar verändern uns unsere Kinder. Wenn wir uns auf das Abenteuer ganz einlassen, kommen wir nicht umhin, uns zu verändern. Die Welt mit anderen Augen zu sehen. Plötzlich erhalten die ganz kleinen Dinge im Altag wieder eine grosse Bedeutung.

    @opa meier: Kommt mir auch so vor ;-)

    @Giorgio Girardet: Sie träumen einer Schweiz nach, die es so nie mehr geben wird. Gegen was brauchen wir denn eine Armee? Die Bürgerlichen in der Schweiz klammern sich an den Mythos einer Armee, die so vielleicht gar nie existiert hat. Ich hoffe nun auf den Bundesrat Maurer und darauf, dass dieser endlich den Mut aufbringt, ganz neue Wege zu gehen (Berufsarmee etc.).

  8. Oh jee, sehe erst jetzt, dass ein Mann dieses Post verfasst hat. Lieber Michael Marti, der Zeitgeist ist feministisch, man braucht dazu gar keine Denkanstrengungen mehr. Ich habe den ersten Kommentar auch nur geschrieben, weil ich dachte, die hübsche Frau Althaus, oder Frau Binswanger hätte ihn geschrieben. Dann wäre es nämlich von einer Frau mutig gewesen, gegen den Zeitgeist etwas kritisches zu veröffentlichen. Nun kriegen Sie nur noch Prügel, denn Sie gelten nun als weinerliches Weichei. Der Thread ist schon völlig abverreckt. Ausser irgend eine mutige Frau, wird etwas Nettes zu Ihrer Verteidigung vorbringen. Immerhin waren Sie mutig, fast so mutig wie Christoph Blocher als er gegen die ganze Schweiz den Vater als “Oberhaupt der Familie” retten wollte. Tempi passati, Michael Marti, klönen hilft jetzt auch nichts mehr. Hier unterhält der Zeitgeist sich mit sich selbst und klopft sich selbst bestärkend auf die Schulter. Hätten die alten Römer den “mama-blog” schon zu Cäsars Zeiten gekannt, Ihr Reich wär schon 150 n.chr. auseinandergefallen und nicht erst 475.

  9. Thomas sagt:

    superman, batman, spiderman, zorro, die beiden mohikaner und lego-steine an den unmöglichsten orten sind wieder mit vehemenz in mein leben zurückgekehrt.

  10. Ines sagt:

    Was ist wenn man von jedem etwas hat?

  11. Thomas sagt:

    ….cvp?

  12. @Thomas
    <<superman, batman, spiderman, zorro, die beiden mohikaner und lego-steine an den unmöglichsten orten sind wieder mit vehemenz in mein leben zurückgekehrt.

    Wo waren sie vorher? Wurden sie weg-gendert? Werden Sie nun ihren Söhnen auch den "richtigen Gender" weitergeben? Oder wird es Ihnen wie der obersten Subventionsliteratin der Schweiz ergehen, Ruth Schweikert, deren ältester Sohn – oh Schande – SVP wählte?

    Und was haben wir von der weiteren Entwicklung Roger Koeppels zu gewärtigen, der nun doch auch Vater eines Sohnes geworden ist? Wird er weiter nach rechts rücken?

  13. mira sagt:

    natürlich haben kinder einfluss auf das weltbild der eltern. denn ihre eigene welt wird ja bei geburt des ersten kindes komplett auf den kopf gestellt.

    es gab hier mal eine diskussion, dass mädchen-mamas anders als buben-mamas sind. warum sollten also männer nicht auch verschieden auf mädchen als auf jungs reagieren?

  14. simone sagt:

    Zur interpretation der Statistiken: offenbar waehlen Maenner mit mehr Maedchen eher mitte/links. IHRE Schlussfolgerung: die Maedchen haben die Vaeter beeinflusst. Ergo gehen Sie davon aus, dass Maedchen (und dann Frauen) eher links stimmen und Maenner eher rechts. Von so einer Studie habe ich aber noch nie etwas gehoert. Vielleicht entgeht mir was? Wenn sie Statistik wirklich repraesentativ ist waeren andere Erklaerungsversuche auch interessant, denn dieser scheint mir – wie soll ich sagen – frei erfunden.

  15. mira sagt:

    @simone
    könnte es sein, dass linke politik eher mädchen fördert, rechte jedoch eher die jungs? natürlich möchten väter nur das beste für ihren nachwuchs, da wäre so eine politische neigung schon erklärbar.

  16. @mira & simone
    Mir scheint es doch ziemlich offensichtlich, dass die SP die “fauenfreundlichste” Partei ist. Die Probleme der Mitte-Parteien CVP und FDP rühren auch daher, dass – immer wenn man diesen Charts trauen darf, die der Politologe Meier am laufmeter zeichnet – die CVP und FDP-Frauen meist linker und progressiver sind, als die entsprechenden Männer (wobei bei den Mitte-Parteien der Graben zwischen Frau und Mann am grössten erscheint), während bei der SVP die Frauen tendenziell noch rechter als die Männer sind und weniger progressiv. Da nun die Frauen mit Einführung des Stimmrechtes selber politisieren und nicht nur ihren Mann beeinflussen, ist es üblich geworden, dass geschiedene Frauen (Leutenegger-Oberholzer, Meier-Schatz, etc.) in der Politik weiterhin wohlgelitten sind, während bei den Männern die Scheidung immer noch als Makel gilt.
    Die Studie hat für mich deshalb ein hohes Mass an Plausibilität, sie berührt aber Tatbestände, die zu thematisieren nicht “politisch korrekt” sind.

  17. Jean Lenaux sagt:

    Was für ein dümmlicher Artikel. Das “männliche” an diesem Artikel ist, dass der Autor vor allem über andere (Schlag den Blocher!!! und was andere angeblich herausgefunden haben), statt über sich schreibt. Und wie wirkt sich die Schwiegermutter auf die politische Gesinnung aus? Und was für einen Einfluss hat die Lieblingsspeise der Freundin des Sohnes? Und in welchem Zusammenahng steht das das alles zur Mondphase in welcher mein Auto vom Produktionsband gelaufen ist? Fragen üeber Fragen, diese Welt ist so komplex. Wer kann mir einen Guru vermitteln, der mir Orientierungshilfe gibt, damit ich mein eigenes Gehirn schonen und abschalten kann? Man möchte fromm werden und beten “O Herr schmeiss Hirn vom Himmel!”

  18. Katharina sagt:

    @Michael: die Ebonya Washington hätte ich nun wirklich nicht erwähnt. Da trampen sie voll in den rassistischen Pferdekuchen.

    @Giorgo et. al: ““armada svizra XXI”… Da ist beim Klonen was schief gelaufen. das I ist wohl ein rudimentäres Y Chromosom. Ansonsten sollte jeder Mensch auf die Morphologische Freiheit bestehen.

    Die Statistik ist Humbug. die ‘Trends’ sind alle innerhalb des ‘Margin of Error’ . Als Witz und Trollthema ist es aber schon gut.

    Der Rest hier ist demnach absolut ernst zu nehmen.
    Mira, nach Ihrer Logik müssten die Töchter von Republikanerinnen Butch Dikes werden.

    “Vater als “Oberhaupt der Familie”…. In den meisten Familien ist es doch so, dass er am Sonntagstisch so tut. Die Woche durch hat aber die Mama das sagen. Ist gleich wie in der Politik. man gibt dem eitlen Platzhirsch die Krone zum rum stolzieren. Die meisten wichtigen Entscheidungen geschehen in der Kaffeepause.

    Thanks for all the Fish.

  19. simone sagt:

    @giorgio g.
    zwischen “mir scheint es offensichtlich” und “statistisch handfest erwiesen” liegt ein zu grosser graben. wenn so etwas behauptet wird soll es auch belegt werden, und ihre zitate von solchen arbeiten betreffen offenbar die politische haltung der frauen innerhalb bestimmter parteien, nicht jedoch die absoluten wahldaten der beiden geschlechter.
    da es sich in diesem blog doch um ein oeffentliches sprachrohr handelt waere es sinnvoll genau zu recherchieren und nachzudenken. immer oefter habe ich den eindruck, dass gender-gegenueberstellungen ein einfaches mittel sind, die mitschreibenden anzufeuern.

  20. Tamhos von Keänl sagt:

    @ Katharina: haben Sie die Studie gelesen dass Sie sie bezüglich Margins of Error beurteilen können? Bin Ihnen dankbar wenn Sie mir allenfalls einen Link zur Studie posten könnten.

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