Leben


Michèle Binswanger am Dienstag den 29. September 2009

Ein Dankeschön an die Grosseltern

Obama Profile

US-Präsident Obama erzählt oft von der engen Beziehung zu seiner Grossmutter Madelyn Payne. Das Bild zeigt Obama 1979 bei der Feier seines High-School-Abschlusses auf Hawaii. Rechts Grossvater Stanley.

Liebe Grosseltern da draussen, dieser Blogeintrag ist für euch. Woche für Woche, Jahr für Jahr nehmt ihr euch Zeit, eure Enkelkinder zu hüten, an ganz normalen Wochentagen und in den Schulferien, wenn die Eltern in den Stollen müssen. Ihr übernehmt Hütedienste am Abend und nehmt die Kinder am Wochenende zu euch, damit wir gestressten Mamis und Papis unsere Beziehung pflegen können und uns nicht fragen müssen, ob die Racker die Babysitterin schon ins Badezimmer gesperrt und den Süssigkeitenschrank geplündert haben. Ein grosses Dankeschön dafür von meiner Seite.

Die Zahlen sind beeindruckend. Rund 100 Millionen Stunden pro Jahr, so hat der Schweizerische Nationalfonds ausgerechnet, hüten vor allem Grossmütter ihre Enkel. Das entspricht einer Arbeitsleistung von rund zwei Milliarden Schweizer Franken – bei einem Stundenlohn von bescheidenen zwanzig Franken. Wichtiger aber noch als die schiere Arbeitsleistung ist, was die Grosseltern qualitativ in die Familie einbringen. Ich jedenfalls staune stets aufs Neue, was ich von der älteren Generation noch alles lernen kann.

  • Geduld. Wenn meine Kinder sich benehmen wie Kreissägen, die direkt durch mein Nervensystem fräsen, begegnen sowohl meine Mutter wie auch meine Schwiegereltern den Wunsch- und Bedürfnisattacken meiner Kinder mit der Gelassenheit eines Hochgebirgsgipfels, wobei sie sich aber deutlich liebenswürdiger benehmen als ein solcher. Weder werden sie von Sturmwinden gepeitscht noch müssen sie Lawinenniedergänge beklagen. Und das Beste ist: Während ich beim Genörgel meiner Kinder schon nach zehn Minuten vor Ungeduld ein Loch in den Boden gescharrt habe, um dann entnervt einzuknicken, schaffen es Grosseltern mit einem ruhigen, aber geduldigen Nein, die Kinder in Lämmer zu verwandeln, die den ganzen Tag bloss noch friedlich blöken.
  • Gelassenheit. Aus grösserer Distanz sehen die meisten Dinge weniger furchterregend aus, als wenn sie einem direkt ins Gesicht starren. Und so neigen viele Grosseltern dazu, deutlich gelassener mit Kindern umzugehen, als Jungeltern. Während mein Herz sich früher schon melodramatisch an die Rippen warf, wenn das Kleine stolperte, gab meine Mutter ihm lediglich den Mahnruf: «Halt dich fest!» auf den Weg und liess es damit auf Klettergerüste, Bäume und Tatzelwürmer klettern, wie es wollte. Grosseltrn wissen, dass Kinder zäh sind. Sie interpretieren auch nicht gleich jeden Laut des Babys als Todesröcheln. Und sie wissen auch, dass nicht nur Babys ein Recht auf Zuwendung, sondern Erwachsene auch eines auf Schlaf haben, weshalb Babys bei Grosseltern mirakulöserweise plötzlich durchschlafen, worauf die Eltern sich verwundert ihre Augenringe von den Ausmassen eines Lastwagenpneus reiben und sich fragen, ob sie vielleicht etwas falsch machen.
  • Geschichte. Grosseltern haben viel erlebt. Deshalb sehen sie oft nicht bloss Bäume, sondern Wald, manchmal sogar ganze Gebirgszüge. Grosseltern haben Perspektiven und können diese auch weitergeben. Aber die Geschichtsdimension hört hier noch nicht auf. Als ich Kinder bekam, begannen meine eigene Existenz als Kind meiner Eltern und diejenige als Mutter eigener Kinder gewissermassen ineinanderzugreifen wie Zahnräder. Durch meine Elternschaft habe ich ein völlig neues Verhältnis zu den Eltern gefunden, weil ich vieles jetzt mit ganz anderen Augen sehe. Und ich ahne, dass ich vielleicht auch einmal die Gebirgszugperspektive für mich einnehmen werde.

Man sagt, es brauche ein ganzes Dorf, um ein Kind grosszuziehen. Heute sind solche Dörfer natürlich nicht mehr so einfach verfügbar und ich bin froh um die Grosseltern, die willens und fähig sind, diese verantwortungsvolle Aufgabe zu teilen. Dafür nochmals, liebe Grosseltern: Danke euch, vielen vielen Dank!

Lesen Sie dazu auch: Eine Fiche für aktive Omas und Opas.

58 Kommentare zu „Ein Dankeschön an die Grosseltern“

  1. mira sagt:

    Meine Mutter hatte mir schon bevor ich schwanger wurde, gesagt, dass sie nicht als Ersatz-Mami fungieren wolle. Ich habe das immer akzeptiert und wir haben uns dann auch eine Kinderbetreuung organisiert, die ohne sie funktioniert. Trotzdem sieht unsere Kleine ihr Grossmami sehr oft: immer dann, wenn etwas Unregelmässiges passiert. Und natürlich ist das immer wieder. Manchmal auch extra. Denn inzwischen sind die beiden ein eingeschworenes Team und ich bin sehr dankbar, dass das so gekommen ist. Das Grossmami ist für Sondersituationen zuständig, zum Verwöhnen, zum tolle Dinge erleben. Eben nicht für den Alltag und das Erziehen, sondern für spezielle Situationen.

  2. rb sagt:

    Meine Grosseltern haben sich nie besonders um uns gekümmert, aber zu fragen, wieso sie nie Zeit für uns hätten, wäre uns nie in den Sinn gekommen. Denn dafür hätten wir zuerst zu der Überzeugung gelangen müssen, dass uns die Zeit der Grosseltern zustehe, bzw. sie verpflichtet sind, sich uns zu widmen. Das haben uns unsere Eltern nie eingeredet oder signalisiert. Ich finde auch heute, dass meine Grosseltern das Recht hatten, ihr Leben so zu gestalten, wie es ihnen gefiel und in keiner Weise dazu verpflichtet gewesen wären, sich ihre Enkel aufzuhalsen.

  3. Laura sagt:

    Ich sehe das auch so, es ist doch einfach vermessen zu denken, dass die eigenen Eltern sich nach all der Erziehungsarbeit und den Jahren der Entbehrung, die es halt gibt, wenn Kinder im Haus sind, auch noch zu den Enkeln schauen sollen. Ich kenne das aus eigener Erfahrung, hat doch meine Schwägerin ihre Kinder oft wochenlang bei meinen Eltern parkiert, die waren immer am Rande ihrer Kräfte, aber selbstverständlich haben sie ihre Hilfe immer angeboten. Meine Kinder waren noch nie bei ihren Grosseltern in den Ferien, obwohl sie jetzt Teenager sind, ich mute meinen Eltern das schlicht nicht zu. Meine Kinder haben auch nie danach gefragt, sie geniessen ihre Grosseltern, wenn wir alle zu Besuch sind und die Erziehungsaufgabe und Verantwortung bei mir mir liegt. Meine Eltern haben einen grossartigen Job gemacht mit uns sechs Kindern, die sollen jetzt auch mal für sich selber schauen, machen was ihnen gefällt und ihren Lebensabend geniessen. Ein innigeres und herzlichere Verhältnis als zwischen meinem Eltern und Kindern habe ich selten erlebt, auch wenn sie nicht sooo viel Zeit miteinander verbracht haben.

  4. lisi sagt:

    @Mirjam
    Mein Gott dan freuen Sie sich doch einfach um so mehr, dass Ihre Kinder wenigstens auf einer Seite gute engagierte Grosseltern haben. Kein Leben verläuft nur gut und planmässig. Man sollte einfach mehr das Gute sehen und nicht immer das was man nicht hat. Meine Kinder haben keine Grosseltern, janu schön wärs. Dafür haben sie tolle Gottis und Göttis (die wir noch nie ausgetauscht haben), wir haben ein harmonisches Familienleben, bisher wurden wir von irgendwelchen traurigen Schicksalschlägen verschont. Niemand kann alles haben, alle Menschen haben ihren Rucksack zu tragen. Trotzdem kann man sich für alle tollen Grosseltern dieser Welt freuen.
    Übrigens glaube ich nicht, dass 5jährige Kinder von alleine merken das Grosi 1 immer Zeit hat und Grosi2 nie. Denn Kinder vergleichen nie in der Art wie wir. Sie nehmen Menschen so wie sie sind. Niemand hat anrecht auf tolle Grosseltern, aber alle die sie haben, haben ein super Geschenk gekriegt.

  5. lilli r.b. sagt:

    @lisi
    Sie unterschätzen die kleinen Racker. Sehr wohl kann ein 5jähriger von selbst darauf kommen, dass die einen Grosseltern mehr Zeit haben als die andere Seite praktisch gar keine.
    Ich bin eine dreifache Nonna (zwei von meiner Tochter und eines von meinem Sohn) und ich verbringe viel Zeit mit meinen Enkeln, um hauptsächlich die Mütter zu entlasten, aber ich grenze mich auch ab. Es ist einfach herrlich die Kleinen zu beobachten, was ich ja logischerweise bei meinen Kindern nicht tun konnte, da ich ja “in der Verpflichtung” stand, denn ich habe meine beiden alleine aufgezogen. Auch war ich ja durch diese Situation sehr froh um die beiden Grosselternpaare.
    Natürlich muss das auf freiwilliger Basis passieren und man kann niemand zu seinem Glück zwingen.
    Ich selber bin bei meinen Grosseltern aufgewachsen (Opa und Oma) und habe vielleicht dadurch eine ganz andere Einstellung zu diesem Thema. Es gibt doch (vielleicht) nicht schöneres als sich bei den Grosseltern zu entspannen, um den Alltag ganz anders zu erleben. Natürlich müssen meine Enkel auch bei der Nonna sich an die Regeln halten, aber etwas entspannter.
    Meine persönliche Meinung ist, dass den Kindern und Grosseltern etwas entgeht, wenn kein Kontakt besteht.
    PS: Der Artikel finde ich sehr gut geschieben.

  6. Jennifer sagt:

    Als ich mit 25 zum ersten Mal schwanger war, hat meine Mutter als erstes gesagt, sie hätten dann keine Lust, ein weiteres Kind aufzuziehen, damit ich mein Ausbildung beenden könne. Ich hatte damals einen Abort. Als ich Mitte 30 immer noch keinen Enkel “produziert” habe, kamen dann die leisen Vorwürfe “ich will jetzt endlich Grossmutter werden”. Jetzt habe ich Kinder und meine Mutter würde sie am liebsten jeden Tag bei sich haben oder sie wenigstens besuchen…

  7. lisi sagt:

    @lilli r.b., nein, das glaube ich nicht, denn ich habe selber 5 Kinder und wir haben diese Geschichte mit Grosseltern die keine Zeit haben, selber auch durchgespielt. Kinder vergleichen nicht auf der gleichen Ebene wie wir. Wir sind es die sagen die eine Nonna kommt, die andere nicht. Dann beginnen Kinder zu vergleichen. Klar, wir alle sind nur Menschen und ich weiss aus eigener Erfahrung, dass es einem niemals gleichgültig ist, wenn sich Eltern oder Schwiegereltern so verhalten. Es ist mit einem langen Prozess verbunden unschönes zu akzeptieren. Unbewusst geben wir das an die Kinder weiter. Aber mir ging es gar nicht darum, sondern vielmehr darum, dass ich nicht verstehen kann wieso Mjriam sich nicht einfach freut über die einen Grosseltern die sich diese Zeit nehmen. Eigentlich hätte sie auf den Artikel auch so reagieren können, stimmt ich habe doch einfach tolle Eltern die meinen Kindern tolle Grosseltern sind. Wie Sie ja selber sagen, es muss freiwillig sein, erzwingen kann man keine gute Grosseltern – Kindbeziehung.

  8. Mirjam sagt:

    Klar freue ich mich, dass meine Eltern Zeit haben für ihre Grosskindern, dass sie sich einsetzen, sich für sie interessieren. Ich habe das nicht geschrieben – aber das heisst nicht dass ich das nicht zu schätzen weiss. Ich wollte einfach nur mal aufzeigen, dass nicht überall Eitel Sonnenschein herscht und dass es auch Grosseltern gibt welche sich überhaupt nicht für ihre Grosskinder interessieren und somit die Kindheit ihrer Grosskinder verpassen. Grosseltern haben einen riesigen Fundus an Wissen, Weisheit, Liebe, Zärtlichkeit – weshalb gibt es dann Grosseltern welche sich bewusst den Grosskindern verweigern und ihr Wissen, ihre Weisheit, ihre Liebe und ihre Zärtlichkeit nicht weitergeben wollen? Meine Grosseltern mütterlicherseits haben sich immer rührend und intensiv um mich und meine Schwester gekümmert. Immer in den Schulferien durften wir zu ihnen auf ihren Bauernhof in die Ferien – Kühe melken, Katzen rumschleppen, auf dem Welt nach Kartoffeln graben, Salat pflanzen und beim Wachsen zusehen, mit dem Pferdewagen die Milch in die Käsi bringen, zusehen wie Fohlen und Kälbchen geboren wurden und der Störmetzger auf den Hof kam und ein Säuli metzgete. Die Verarbeitung des Fleisches zu Wurst (mhhhhh, einfach superlecker da selbstgemacht!) gehörte auch dazu! Meine schönsten Kindheitserinnerungen sind die welche ich auf dem Bauernhof meiner Grosseltern sammeln durften. Besonders imponiert hat mir damals, dass man die Weizengarben mit bunten Schnüren, an welchen lustige knopfartige Tellerchen angemacht waren zuband. Oder dass ich mit meiner Grossmutter zusammen das leckere Zmittag in einen Korb packte und dem Bauer und seinen Mitarbeitern aufs Feld brachte. Die knusprige Roesti zum Zmorge war und ist immer noch der pure Luxus für mich. Das sind für mich die perfekten Grosseltern.

  9. Mirjam sagt:

    An alle Zweifler: Ich kann Euch eine Situation schildern, welche mich davon überzeugt hat, dass sogar ein fünfjähriger Knirps realisiert dass es Menschen gibt welche anders handeln. Die Situation war folgendermassen: Ich musste wegen Zahnschmerzen dringend zum Zahnarzt und suchte verzweifelt eine Betreuung für meine beiden Kinder. Sohnemann war gerade 5 Jahre alt geworden, Fröilein Tochter gerade 2,5. Als erstes rief ich das Hüetimeitschi an. Sie konnte nicht, da am anderen Tag eine Prüfung anstand und sie noch intensiv dafür lernen musste. OK, kann ich verstehen. Halb so schlimm. Also weitertelefonieren. Gotti und Götti können auch nicht – alle sind am Arbeiten. Ok, halb so schlimm, kann ich nachvollziehen dass sie nicht einfach schnell einspringen können. Also Nonna und Nonno anrufen. Nonno kann nicht – die Arbeit geht vor. Klar, kann ich nachvollziehen. Nonna hat aber frei. Aber was sagt Nonna: Nein, keine Zeit, Shoppingtour kann nicht warten. Hä? Shoppingtour kann nicht warten? Also weitertelefonieren. Grosi und Grossvater (meine Eltern) erklären sich bereit, kurzfristig einzuspringen. Sohnemann steht neben mir als ich telefoniere. Als er mitkriegt dass die Nonna shoppen geht und nicht hüten können will sagt er: kann Nonna mich und meine Schwester nicht mitnehmen zum Shoppen? Wir sind ganz lieb… Mir fällt die Kinnlade runter. Als ich ihm dann sage, dass sie lieber alleine shoppen geht und meine Eltern ihn und seine Schwester gerne hüten, strahlt er übers ganze Gesicht und sagt: bei Grosi und Grossvater ist es sowieso viel lustiger. No comment.

  10. Oskar sagt:

    Ich habe seit Ihrer Geburt meine beiden Enkel während 4 Jahren an 2 Wochentagen betreut, sie am Morgen mit dem Veloanhänger abgeholt und am Abend gebadet zurückgebracht. Anschliessend hab ich während 2 Jahren jeweils einen halben Tag pro Woche die beiden Buben betreut und zusätzlich etwa an Samstagen Ausflüge mit ihnen gemacht. Da ich selbständig bin, bin ich flexibel und kann am Abend oder Samstag/Sonntag kompensieren, derweil meine Sekretärin berufliche Angelegenheiten managed. Zeit und Geld sind für mich nicht massgebend, aber die Nächstenliebe gegenüber den Kindern prioritär. Ich habe ein ganz herzliches liebes Verhältnis zu den Kindern. Ich hab pro Jahr ein “Trinkgeld” erhalten, das etwa zur Hälfte die Kosten für sinnvolle Spiel- und Lernsachen und andere Einrichtungen gedeckt hat. Das ist aus meiner Sicht in Ordnung. 2007 haben mich die Eltern in einem Geburtstagsglückwunsch schriftlich als idealen Grossvater bezeichnet. Zu Hause herrscht bei den Kindern eher eine sterile Atmosphäre Lachen und Austoben scheinen die Eltern nicht besonders zu mögen, dagegen scheint Prestigedenken ein wichtiger Bestandteil zu sein. Es sind sehr intelligente neugierige Buben, die sich für vieles interessieren. Sie stellen viele Fragen, das freut mich besonders. Auch wenn sie sich bei mir austoben dürfen, ich habe nie disziplinarische Probleme, weil ich sie mit Fragen meinerseits wieder auf ein ruhigeres Gleis führen kann, das funktioniert auch bei Ausflügen. Das Problem ist nun folgendes: Ich hab meiner Tochter immer wieder gesagt, sie sei doch nicht das Sprachrohr ihres Ehemannes gegenüber mir. Ihr Ehemann rastet meist, aus für mich unerfindlichen Gründen aus, so hat er am Pfingstsamstag als ich mit ihm über die Kinder reden wollte mich zum zweiten Mal, diesmal schwerwiegend tätlich angegriffen (Beweise vorhanden): Meine Kappe vom Kopf geschlagen, meinen Kugelschreiber vom Hemd gerissen und weggeworfen, mein Handy entwendet und weggeworfen und wie sich später zeigte, total kaputt gemacht, mir links und rechts zwei Ohrfeigen verpasst und schliesslich noch das Hemd zerrissen. Seither dürfen die Kinder nicht mehr zu mir kommen, meine Tochter wagt es nicht. Ich hege keine Rachegefühle gegenüber meinen 50-jährigen Schwiegersohn. Aber man muss seinem Problem auf den Grund gehen, sonst gibt es keine Lösung. Er musste einen völlig falschen Beruf lernen (Geschäftsnachfolge), hat nie eine Tätigkeit ausgeübt, die seinen Talenten wirklich entspricht. Er ist eigentlichein ganz armer Mensch. So sieht es in der oberen Mittelklasse vielerorts aus. Die Vormundschaftsbehörde hat mir gesagt, ich könne da nichts machen, solange sich meine Tochter (eine Historikerin) nicht endlich getraut und sich bewegt. Eine Parlamentarierin hat mir geraten, mich an die Kinderschutzabteilung des Kantonsspitals zu wenden. Welche Lösungsvorschläge haben andere Menschen in solchen Situationen, wo es doch um das Kindeswohl geht?

  11. Peters sagt:

    @Mirijam
    Na ja, man könnte das Beispiel auch gut dazu benutzen um genau das Gegenteil zu beweisen:-(. Denn die Erklärung bezüglich lieber alleine shoppen gehen stammt ja von Mama und nicht Nonna! Vielleicht hätte man Nonna einfach fragen sollen?
    Und wenn man das Ganze etwas anders formuliert dem Sohnemann erklärt, wäre der (eigene) negative Unterton nicht drin und käme beim Sohnemann vielleicht auch nicht der unterschwellige Frust mit…

    Das nur, weil ich diese Situationen zur Genüge kenne. Meistens sind nicht die Knirpse genial, sondern wir einfach nur “ungenial” beim Kommunizieren aus irgendwelchen Frustgefühlen.

  12. Mirjam sagt:

    @Peters: Mein Sohnemann hat genau mitgekriegt, wie Nonna das gesagt hat weil ich das Telefon immer auf “Lautsprecher” stelle und die Nonna gesagt hat: “ich geh gleich in die Stadt shoppen und kann deshalb nicht hüten”. Es war ein Notfall – und bei Notfällen sollte die Familie zusammenhalten und halt mal Prioritäten setzen FUER die Familie. Das Shoppen kann warten! Ich habe meine Schwiegermutter nicht aus Jux und Dollerei um Hilfe angefragt, sondern weil ich tatsächlich einen medizinischen Notfall hatte. Aber eben: es gibt zum Glück sehr engagierte Grosseltern welche gerne ein ungrades Mal einspringen und es gibt leider Grosseltern welchen ihre Grosskinder schnurzegal sind. Hauptsache man lässt sie in Ruhe. Ich werde meine Schwiegermutter nicht mehr um Hilfe bitten – ich werde ja sowieso immer abgewimmelt. Aber wenn sie mal irgendwann Hilfe nötig hat werde ich auch nicht alles liegen und stehen lassen und ihre zur Seite stehen. So wie es in den Wald ruft, so kommt es auch zurück.
    Wenn Du meinen letzten Beitrag exakt durchgelesen hättest, hättest Du mitgekriegt, dass ich sie telefonisch angefragt habe und einmal mehr abgewimmelt wurde. Es war nicht das erste – aber sicher das letzte Mal.

  13. Laura sagt:

    @Mirjam
    Das ist billig, Meine Etern wohnen ein paar hundert, die Schwiegereltern ein paar tausend Kilometer weit weg, zum Zahnarzt, Frauenarzt, ja selbst ins Spital habe ich meine Kinder immer mitgenommen, ich hatte keinen, der auf sie aufpassen konnte,nicht mal im Notfall und ja, die Kinder mussten auch mal eine Nacht mit mir im Spital verbringen, ging halt nicht anders. Anstatt ihrem Sohn zu zeigen, dass man sich selber helfen kann und vor allem auch, dass man ein vergebendes Herz hat und nicht mit gleicher Münze heimzahlt, zeigen sie ihm, wie eine verwöhnte Prinzessin auf Absagen reagiert.

  14. Brunhild Steiner sagt:

    @Oskar: erstmal grosses Kompliment für Ihren grandiosen Einsatz in der Vergangenheit! Und es tut mir sehr leid, dass Sie nun mit einem Kontaktverbot konfrontiert sind. Leider ist es so, dass “Grosselternrechte” in CH komplett inexistent sind. (Wüsste nicht mal, ob es die irgendwo gibt) Zu gute halte ich Ihnen auch, dass Sie Ihren Schwiegersohn nicht einfach aburteilen, sondern seinen Kontext erfasst haben.
    Was Sie tun können? Ich denke es ist sicher wertvoll, wenn Sie für sich selber eine Anlaufstelle suchen, z.Bsp. diese Kinderschutzabteilung. Einfach um mal den ganzen Ballast einer Fachperson gegenüber loszuwerden, ohne dass deswegen gleich grosse Aktionen gefahren werden müssen. Auch damit irgendwo schon mal Aussagen Ihrerseits zu Protokoll gebracht werden können. Und dann, stärken Sie Ihre Tochter! Suchen Sie den Kontakt zu ihr und lassen Sie sich nicht entmutigen. Reden Sie mit ihr nicht über den Ehemann und all Ihre Vermutungen, das wird sie in die Defensive/Verweigerung treiben. Aber lassen Sie sie wissen, dass Sie an ihr interessiert sind (an den Enkeln ja sowieso). Wählen Sie den stressfreisten Kommunikationsweg, sms aufs persönliche Handy, was auch immer. Und machen Sie sich kein schlechtes Gewissen weil die Tochter nun so reagiert wie sie es tut. Kann sein dass es mit Ihrer Erziehung zu tun hat, kann aber auch gar nicht sein,- und spielt jetzt im Moment überhaupt keine Rolle!
    Ich wünsche Ihnen von Herzen allen Erfolg der Welt!

  15. Tamara sagt:

    @Oskar: Wäre noch abzuklären, ob Ihr Schwiegersohn zuhause auch so ausrastet, z.B. gegenüber Ihrer Tochter. Oder wie ihr Sohn denn die Welt sieht (als Geschäftsnachfolger dürfte ihm ja ein Minimum an Verstand und Kommunikationsfähigkeit nicht abgehen, oder?).

  16. Robert sagt:

    @Oskar: Sehr berührend. Und traurig. Ich denke, wahrscheinlich liegt es in diesem Fall nicht mehr in Ihrer Hand, die Dinge zu ändern. Es ist kaum anzunehmen, dass Ihre Tochter oder Ihr Schwiegersohn auf Sie hören werden. Wenn diese ihren Problemen nicht auf den Grund gehen wollen, dann wird das auch nicht geschehen. Ich lese zwischen den Zeilen, dass die das alles ganz anders sehen.
    Vielleicht wollen Sie sich überlegen, Ihre Enkel dennoch dann und wann zu sich zu nehmen – im Interesse der Kinder. Die leiden ja auch unter den Problemen. Und halt den Kontakt zu Tocher und Schwiegersohn auf das allernötigste zu reduzieren?

  17. Mirjam sagt:

    @Laura: Meiner Meinung nach will ich nicht, dass meine Kinder bei einem Frauenarzt-Besuch dabei sein. Dafür sind sie zu klein und sie wären überfordert. Auch möchte ich nicht, dass sie sehen, wie die Mama narkotisiert wird, weil ihr ein Bruchstück eines zerbrochenen Zahnes aus dem Kiefer rausgerissen werden muss. Da wären die Kinder traumatisiert. Es gibt Situationen, in welchen Kinder einfach nichts verloren haben. Basta. Und ich bitte nur um Hilfe, wenn es nicht anders geht. Dass meine Schwiegermutter das Shopping in der Stadt dem (notfallmässigen) Hueten ihrer zwei Grosskinder vorzieht hat mir gezeigt, wie “wertvoll” die Grosskinder für sie sind. Schade, aber sie hat es nicht anders gewollt.

  18. Peters sagt:

    @miriam
    Ich habe nur gesagt, dass Du ja auch hättest nachfragen können ob sie die Kleinen nicht ausnahmsweise mitnehmen könnte.
    Denn wie ich schon gesagt hatte, ich kenne genau die Situation die Du beschreibst aus eigener Erfahrung bestens. Direkte (aber vorwurfslose!) Ansage hat bei uns hie und da das Eis gebrochen.
    Und dann muss ich auch die Grosseltern in Schutz nehmen, sie haben ein Recht auf Ihr eigenes Leben und sind nun mal auch berechtigt NEIN zu sagen (egal welche Begründung)
    Ausserdem, auch aus Deinen Antworten trieft der Frust und der Vorwurf an die Grosseltern nur so. Glaubst Du, wenn das hier schon so offensichtlich durchkommt, dass Deine Kinder und auch die Grosseltern das nicht spüren? Und auch da kann ich Dir aus eigener Erfahrung nur sagen: Geholfen hat bei uns MEIN umdenken, sprich Ändern des Verhaltens. Das heisst, nichts erwarten aber offen bleiben. Und offen auch Freude zeigen bei den Dingen die kommen. Vielleicht kommt dann plötzlich viel mehr zurück:-))

  19. Mirjam sagt:

    @Peters: Genau das habe ich ja gemacht. Ich habe sie gefragt, ob sie für mich einspringen könnte, weil ich einen medizinischen Notfall habe. Ich habe ihr die Situation geschildert, erzählt dass ich einen Unfall hatte und mir das Bruchstück des Zahnes aus dem Kiefer holen lassen muss und dass eine Vollnarkose nötig sei. Eine narkotisierte Mutter kann einfach nicht zu ihren Kinder schauen – das geht einfach nicht. Sie bliebt dabei, dass sie jetzt shoppen geht. Ist das eine soziale Einstellung zu einer in Not befindenen Schwiegertochter und den für kurze Zeit mutterlosen Grosskindern? Nein! Das ist absolut asozial! Sie hat mich bis jetzt immer abgewiesen. Das tut unsagbar weh. Das ist verletzend. Und es macht mich traurig und wütend.

  20. Peters sagt:

    @mirjam
    Hat niemand behauptet, dass dies sozial sei, nur ihr gutes Recht *IRONIE OFF*.
    Ich würde Dir einfach vorschlagen, Dich nicht so in diese Verletzung reinzusteigern. Auch wenn Du es nicht glauben wirst, wir waren in der genau gleichen Situation, nur unter erschwerten Bedingungen (3 Kinder innerhalb von 18 Monaten…). Du kannst nur DEIN Verhalten ändern. Dies wiederum löst vielleicht Veränderungen an anderer Stelle aus. Vorwürfe zementieren leider nur die Vorurteile…
    Und das war jetzt meine allerletzte Replik zu diesem Thema!

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