
Ist sie...? Oder hat Charlotte bloss zugenommen?
Die Erfahrung dürfte den wenigsten fremd sein. Man lebt so vor sich hin und sieht sich plötzlich von schwellenden Bäuchen umzingelt. Da fühlt man sich mit seinem flachen Bauch schnell wie das arglose Opfer in einem Zombiefilm, das sich plötzlich allein unter Untoten wiederfindet. Überall sind sie, stehen im Tram, reihen sich im Coop vor die Kasse oder flanieren durch das Naherholungsgebiet, so auffällig wie allgegenwärtig. Als wolle der Director of Photography des eigenen Lebens auf die Tatsache aufmerksam machen, dass der Mensch sich fortpflanzt.
Ja, das tut er – und weil diese Tatsache selten unkompliziert, immer aber von grosser Tragweite ist, liegt hier ein grosses Potenzial für Peinlichkeiten, und damit ist nicht die Neigung Schwangerer zu unkontrollierbarer Flatulenz gemeint. Vielmehr erweisen sich Schwangerschaften geradezu als Minenfeld von Fettnäpfchen.
Bis eine Schwangerschaft sich sichtbar manifestiert, dauert es etwa vier Monate. Die Ansichten über die Informationspolitik im ersten Trimester divergieren beträchtlich. Es fängt an mit der Frage: Wem soll ich es sagen und wann? Muss ich mich beispielsweise beim Vorstellungsgespräch für den neuen Job als künftigen Kostenfaktor outen – auf die Gefahr hin, von vornherein auszuscheiden? Auch im Freundeskreis erweist sich die Angelegenheit oft als heikel. Während die einen mit der Neuigkeit sofort stolz herausplatzen, schweigen die andern eisern – aus Angst vor einem Abort im ersten Trimester. Wie soll man sich nun verhalten, wenn die Schwangerschaft einer Freundin wegen dauernder Übelkeit und plötzlicher Abstinenz ziemlich offensichtlich ist, diese sie aber verneint? Und woher kommt überhaupt diese Haltung? Warum wollen Frauen, falls sie das Kind tatsächlich verlieren sollten – damit allein sein? Geht es um emotionale Autonomie, Schuld?
Sicher ist, wer schwanger wird, muss mit allen möglichen Reaktionen rechnen, zum Beispiel: Was, Du bist schwanger? Gerade Männer scheinen mit der Nachricht einer baldigen Vaterschaft im Freundeskreis nicht immer auf Begeisterung zu stossen. Ein Freund gab folgenden Dialog wieder. Er: «Ich werde Vater!» Sein Bekannter: «Oh nein! Das tut mir leid.» Nicht schön. Ich selber traf jüngst einen Bekannten im Restaurant, das er mit seiner Freundin zusammen führt – sie offensichtlich in Erwartung. Ich mit Blick auf ihren Bauch freudig: «Gratuliere, du wirst Vater!» Er: «Das Kind ist nicht von mir.»
Dann lieber noch der klassische Fehltritt, einer Freundin, die sich in kurzer Zeit von einem Rehkitz in einen Hydranten verwandelt hat, zum süssen Geheimnis zu gratulieren. Worauf sie entgegnet, es gebe kein Geheimnis, die Rundungen verdanke sie lediglich zu vielen Süssigkeiten. Dem sagt man dann: voll ins Fettnäpfchen getreten.
Gestern ging es in unserer Schwangerschafts-Serie um die verzweifelten Versuche, schwanger zu werden. Morgen werden wir uns den Tücken pränataler Diagnostik widmen.


Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und ist Mutter einer Tochter. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich und ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
auf Facebook




























































































Bei meiner 2.Schwangerschaft haben wir unser Glück noch vor Ablauf des 1.Trimesters mit Freunden und Verwandten geteilt.
In der 11.Woche hat das Herz des Babys nicht mehr geschlagen und ich musste ins Spital um das Kind auszukratzen,was eine schmerzhafte Erfahrung ist. Jedoch bin ich froh,dass soviele gute Freunde und die Familie Bescheid gewusst haben und uns in dieser schweren Zeit unterstützten. Zudem musste ich ja einigen Leuten erklären,wesshalb ich nun im Spital war und was passiert ist, sollte ich da meine Freunde anlügen und mir unter diesen Umständen nichts anmerken lassen? Das hätte ich bestimmt nicht gekonnt..
Meine Tochter ist jetzt 2 ein halb Jahre alt und ich werde regelmässig gefragt,wann denn ein Geschwisterchen dazukäme? Ich gebe jedesmal zur Antwort,dass wir leider eins verloren haben und gehe ganz offen damit um.
Die meisten ahnen oder wissen,das es nur eine Frage der Zeit ist bis ich hoffentlich wieder schwanger werde -sogar an meinem Arbeitsplatz wissen die meisten Bescheid- jedoch setzt mich so niemand mehr unter Druck und bohrt mit Fragen nach der 2.Schwangerschaft.
Wir alle sollten angehenden Eltern alle nur mögliche Unterstüzung bieten, positven Feedback geben, Mut machen und uns freuen, dass es immer wieder und immer noch so mutige Menschen gibt, die dafür sorgen, dass die Menschheit nicht ausstirbt. Kommentare wie “Du tust mir leid” – sind einfach gemein und unreif (auch wenn man’s vielleicht so meint, sagen muss man das ja noch lange nicht! – und vielleicht spielt da ja auch einwenig Neid mit ??)
kinder kriegen ist etwas schönes. ich persönlich habe keine kinder, aber ich freue mich ehrlich für jeden der diesen neuen lebensabschnitt beginnt. leute die einen bemitleiden wenn man kinder bekommt, kann ich nicht verstehen – sie haben ja keine, also ist doch gut. oder wieso muss ich jemanden meine meinung auf diese weise auf die nase binden wenn ich doch mit meiner eigenen situation zufrieden bin? egal, an alle schwangeren und werdenden papis: alles liebe und gute!
ich habe einen einjährigen sohn und zugegeben: mein bauch ist leider noch nicht wieder so flach, wie der von heidi klum nach einer ihrer schwangerschaften. ich hab einen kleinen bauch. punkt. nun wurde ich bereits 3 mal darauf angesprochen, wann denn das geschwisterchen kommt (mit gönnerhaftem streicheln über meinen bauch). komischerweise war nur ich verlegen!? also, bitte nur zum nachwuchs gratulieren, wenn es ganz, ganz, ganz eindeutig ist!!! dankeschön.
@suha: ich spiel mal ganz kurz den mooth:
uns freuen, dass es immer wieder und immer noch so mutige Menschen gibt, die dafür sorgen, dass die Menschheit nicht ausstirbt.
aussterben durch mangelnde reproduktion dürfte so ziemlich das kleinste unserer probleme als spezies sein…
@gargamel: jetzt war ich sooo gespannt, ob und wie sich mooth genau diesen Satz, nach den Dämpfern im letzten Blog, vornehmen wird,- und Sie springen elegant in die Bresche…
@mooth: Sie sehen, im Verstand haben wir’s kapiert, an den Taten haperts….
Ja, Brunhild, ich seh deutliche Fortschritte. Ich sag nur dies, weil ich mich ja nicht zu jedem Eintrag äussern soll und nur ein Thema zu wenig ist für ein ganzes Leben…;-) Ich könnt mich ja jetzt drüber auslassen, wie werdende Mütter mit ihrem Bauch posieren (was mich in ästhetischer Hinsicht nicht mal negativ berührt), oder darüber, dass Schwangere von einer offensichtlichen Komplizenschaft der Fortpflanzungsfans innerhalb unserer Gesellschaft nur scheinbar profitieren, weil grad diese es sind, die vor lauter froher Hoffnung Fettnäpfchen treffen. Aber ich sag nichts. Ich sag zum heutigen Blogeintrag absolut nichts!
@mooth: da sind Sie ja schon!
und ein hehres Ziel haben Sie sich vorgenommen…, also ich werde mich weiterhin über Ihre Beiträge freuen-ärgern, aber jetzt muss ich mit dem Nachwuchs raus an die Sonne, einen guten Tag und bis nächstes mal…
Ich hatte insgesamt schon 5 Aborte, davon 4 Currettagen (Auskratzungen), immer 2 in Folge! Obwohl ich schon Kinder hatte ist es eine sehr schmerzhafte und belastende Situation und die wenigsten haben dafür Verständnis, eben gerade wenn man schon Kinder hat! Deshalb habe ich nach den ersten 2 Aborten geschwiegen, um mich vor verletzenden Aeusserungen wie: selber schuld, Du hast ja schon so und so viele Kinder, was willst noch mehr? oder: ist doch nicht so schlimm, es war ja erst am Anfang und noch gar nicht recht da!? zu schützen! Später kann man offener darüber reden, weil man es selber schon “verdaut” und nicht mehr so verletzlich ist!
Ich musste mir “Das tut mir leid” in einem anderen Kontext anhören. Nämlich dass ich mit 24 schon geheiratet habe. I mean wtf?
@Raphi: Ich kenne das nur zu gut
Beim dritten Kind, da hat es nach 4 Monaten nach der Geburt schon wieder eingeschlagen, hat sich unser Umfeld schon aus der Fassung bringen lassen. Nun, mittlerweile ist es ein Running-Gag und alle würden sich auf ein 4. Kind freuen
Dieses “es tut mit leid” lässt schon sehr tief blicken. Es gibt ja in der Schweiz schön länger leute, die Kinder als “Fickmüll” bezeichnen. Eine Gesellschaft muss schon sehr krank sein, bis solches möglich wird.
Die wenigsten sind sich bewusst, wie wenige Schwangerschaften tatsächlich in einer Lebendgeburt enden. Was zur Folge hat, dass diejenigen, die eine Fehlgeburt erleben, sich umso mehr alleine fühlen. Ich verfechte hier mehr Öffentlichkeit. Mitteilen, dass man schwanger ist, erlaubt neben dem Teilen der Freude allfällig auch das Teilen des Leids. Wenn das mehr Leute tun würden, wäre dieses Ereignis insgesamt viel “normaler” und wir würden es besser verstehen; würden weniger schmerzende Kommentare machen (wie jemand schon erwähnt hat, ist es ziemlich krass, was man sich heute bei einer Fehlgeburt so alles anhören muss) und uns weniger Schuldgefühle einreden.
Meine Schwangerschaft ist auch in einer Fehlgeburt geendet. Ich war froh, konnte ich nicht nur mit nahen Leuten darüber reden, sondern auch mit einer Vielzahl von Frauen, die ähnliches erlebt hatten (Internet sei dank). Habe seither festgestellt, wie alltäglich das Ereignis Fehlgeburt doch ist, und wie stossend, dass es in der Öffentlichkeit kaum vorkommt. Dadurch wird es tabuisiert, stigmatisiert, und die Betroffenen damit alleine gelassen. Wenn nur mehr Schwangerschaften schon im Frühstadium mitgeteilt würden, dann würde sich dies von selber ändern…
@Meita: Da gebe ich Dir recht. Und die Hightech-Medizin tut sein übriges, dass wir heute irgendwie das Gefühl haben, dass eine Schwangerschaft eine fast 100-Prozentige Angelelgenheit ist. Dem ist leider nicht so.
Ich unterhielt mich mal dreissig Minuten mit einer Frau, welche im 8. Monat schwanger war – und ich habs nicht gesehen! Gut, sie war tatsächlich immer noch sehr schlank und der Bauch nicht riesig, aber ich hab mich im Nachhinein doch zig Mal gefragt, wie ich das bloss übersehen konnte…
@Yves, das kennen wir nur zu gut, haha und unser Runnig-Gag ist nun aber das vierte und “letzte” Kind, welches nicht alleine zu uns kommen wollte. Was hat unser Umfeld sich amüsiert und mit uns gefreut über das doppelte Glück zum Schluss. Gestehe, so eineiige Zwillis sind ganz spannend und nochmals eine besondere Erfahrung. Wollten zum Schluss (ganz egoistisch) noch eines mit etwas mehr Altersabstand zum Geniessen, naja jetzt wird doppelt genossen
und im nächsten Leben wünsche ich mir auch so viele grosse Schwestern die mich sooooo verwöhnen.
Aber wir kennen auch die andere Seite, Kommentar der Schwiegereltern war “So eine Dummheit macht man nicht” naja was soll‘s, sie müssen unseren Nachwuchs nicht betreuen.
und weil es dieses letzte Fettnäpfchen gibt – gibt es für mich eine Regel die GESETZ ist – Frage nie, NIE ob eine Frau schwanger ist. Schon mehr als einmal war ich froh, dass ich nicht gefragt habe. Obwohl ich todsicher war, sie sei es…
Wer schwanger ist, der soll es sagen. Ansonsten gilt: sie ist es nicht. Will sie uns zappeln lassen, zappeln wir halt ein wenig. Geduld ist eine Tugend.
Ich habe nur postiive Erfahrungen gemacht. Alle in meinem soz. Umfeld haben gratuliert und mich beneidet. 1-2 Personen machten Sprüche dahingehend dass ich nun meine Freiheit verloren habe. Aber sie relativierten gleich wieder. “Dafür wirst Du jetzt Papi, das ist wunderschön”. Ich glaube, als Mann hat man weniger Probleme mit Reaktionen.
Ich kann leider keine Kinder haben, daher sollte jeder dankbar darüber seine der welche haben kann. Denn es ist nicht selbstverständlich.
Da Männer so negativ auf Kinder reagieren kommt sicher auch daher da sie die Kosten sehen die auf sie zu kommen vorallem wenn es zu einer Trennung kommt. Ich sehe das vorallem in meinem Bekanntenkreis. Denn aufeinmal muss man sich miteinander auseinandersetzten und auch der Mann muss zur Lösung beitragen was nicht jeder Mann’s sache ist.
Cheers Sandra
@ Mephisto: Das ging mir auch so. Ein paar Frotzeleien, ansonsten aber nur positive Reaktionen.
@ xyxxy: Frag doch den Vater. Ich mache das, wenn ich denn mal wirklich in die Situation komme, immer so. Und die Männer sind auch nicht beleidigt, wenn Pralinen für den vermeintlichen Baby-Bauch verantwortlich sind.