
Helfen Bücher weiter? Populärer Sexualkunde-Titel.
Vergangenen Samstag feierte meine Tochter ihren achten Geburtstag. Eine Party wie ein Erdbeben – meinten zumindest die Nachbarn. Mein Mann bediente die Plattenspieler, die Kindern schleuderten ihre Gliedmassen durch die Gegend und die Luft war getränkt mit den Ausdünstungen kindlicher Begeisterung. Irgendwann rotteten sich drei Freundinnen meiner Tochter in einer Ecke zusammen, wo sie kicherten und tuschelten. Aus den wie eine Schafherde durch den Raum stiebenden Worten konnte ich herausfiltern, dass M. in S. verliebt ist und die beiden sogar schon sexy gemacht hätten. M. begrinste die Kolportage schelmisch, um dann darüber aufzuklären, dass sie zwar bei S. geschlafen, aber nicht mit ihm sexy gemacht habe.
Ich konnte mein Gesicht, eben noch im seligen Gleitflug über die Berggipfel erfüllten Mutterglücks begriffen, gerade noch vor dem Absturz auf den geschundenen Fussboden bewahren. Sexy machen? Mit Acht?
Man weiss es ja. Kinder sind heute frühreif, Sex ist allgegenwärtig, Aufklärung kann nicht früh genug beginnen, am besten schon im Mutterleib, nur altersgerecht soll sie sein. Aber selbst wenn man, wie ich von mir behaupten würde, ein relativ entspanntes Verhältnis zur eigenen Sexualität hat, ist das gar nicht so einfach. Bei uns zu Hause wissen alle, wie der andere nackt aussieht. Meine Kinder können ihre Geschlechtsteile korrekt benennen und wissen, dass Kinder entstehen, wenn Mann und Frau Schnäbeli und Schnäggli zusammenstecken. Sie haben diese Fakten so gleichmütig zur Kenntnis genommen wie die Tatsache, dass die Erde einst von Dinosauriern bevölkert war. Aber eben, das ist bloss Theorie. Der Treibsand beginnt dort, wo die Sexualität auf das Soziale trifft.
Bislang hielt ich mich an die Devise, dass ich meine Kinder über jene Dinge in Kenntnis setze, für die sie sich interessieren. Nun interessiert sich meine Tochter zwar für Jungs – sie spielt mit ihnen Fussball, rennt mit ihnen um die Wette und will ansonsten einfach im Mittelpunkt stehen – aber weibliche Rollenmuster liegen ihr fern. Von Verführung hat sie so wenig Ahnung, wie von sexy und Co. Was an und für sich kein Problem ist. Doch seit vergangenem Samstag frage ich mich, ob das nicht allenfalls zu einem sozialen Defizit führen könnte unter Freundinnen, für die sexy machen die logische Folge kindlichen Schwärmens für einen Vertreter des anderen Geschlechts ist. Und ob ich einen Fehler begehe, wenn ich sie über die emotionale und soziale Dimension von sexy im Dunkeln lasse.
Mit der Aufklärung ist es ähnlich, wie mit der Steuererklärung. Selbst wenn man grundsätzlich einsieht, dass man dieser Pflicht nachzukommen hat, ergreift man nicht gerade jede sich bietende Gelegenheit dazu. Laut einer deutschen Studie ist das aber die Aufgabe der Mutter. Und Kinder haben grosses Interesse daran. 70 Prozent der befragten acht- bis neunjährigen Mädchen gaben an, gern mehr darüber wissen zu wollen, was an diesen Gefühlen so schön sein kann.
Bezüglich meiner Tochter stellt sich das Problem so: Wie umfangreich kläre ich auf und nach welchen Kriterien? Gibt die körperliche oder die seelische Reife den Ausschlag dazu? Das Interesse am Thema oder die Umwelt, die damit ankommt wie die Kreuzritter mit ihrem Schwertern vor den Toren Jerusalems? Reicht das Wissen über die Tatsache, dass auf der Erde einst Dinosaurier lebten, oder müsste ich meine Tochter darauf hinweisen, dass sie mitten im Jurassic Park lebt? Oder soll ich darauf vertrauen, dass sie das selber früh genug merkt? Und wie entscheiden Sie, liebe Leserinnen und Leser, punkto Aufklärung über den richtigen Zeitpunkt und die Dimension dieser Informationen?
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Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und erwartet ihr erstes eigenes Kind.
Jeanette Kuster ist Redaktorin bei einem Fachmagazin, freie Journalistin und Mutter eines zweijährigen Mädchens. Vor der Geburt ihrer Tochter war sie bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Jeanette Kuster lebt mit ihrer Familie in Zürich.
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Nach dem “Zusammenspiel” mit meiner Ehepartnerin klopfte es an der Zimmertüre. Wohlweislich unser Jüngster, den wir hiefür extra einmal wieder vor der X-Box plazierten. Die Situation hatte er längstens erkannt. Rammelte am Schlafzimmerschrank und quasselte vom “Bumsen”. Schon unser Ältester erstaunte unsereins, wie die Handarbeitslehrerin sich rundumschlagend bemerkbar machte, als er “sexysexy” rief. Beider Alter zählte 7 – 8 Lenze. Die Bildung stammte jeweils vom Schulhofplatz.
Da in der Sequenz bereits Lustempfänglich und erigierend, schloss ich auf ein Defizit. An und für sich dürften Gleichaltrige fummeln. Doch wie käme dies entsprechend der übersättigten Gesellschaftsnorm rüber? Therapeuten blecken sich hiefür die Zähne!
Wenigstens gelang US-Forschern die Herstellung von künstlich hergestelltem Erbgut. Als vergleichend zu den Dinosauriern: Wir Menschen existieren heute, da unser Anpassungsmoment zur Zeit idealer. Ergänzend nun mit industriell genormtem Bakterienzusatz schaffen wir es in Bälde, unserer Triebe zu haushalten – auch die Emotionen zu dosieren.
Die funktionelle Masse – sich nur künstlich befruchtend? Ob vor lauter Anpassung schlussendlich die Flexibilität stirbt?
PS: Das Posting entspricht einer Karikatur, die Einleitung ist real gewachsen.
Meine Ex hat meine Kinder in der 1. Volkschulklasse bzw. die kleine sogar schon davor aufgeklärt.
Meine Ex fand das toll (ist ja Psychologin).
Ich fand das nicht toll.- ich glaube sie hat den Kindern ein Stück Kindheit und Leben genommen.
Kinder stellen auch von sich Fragen wenn sie soweit sind. Ansonsten kann man langsam anfangen, wenn man merkt sie kommen in die Pubertät.
Zur Aufklärung gehört meines Erachtens auch nicht nur das wie sondern vor allem Vertrauen, Hygiene, Krankheiten und Vermeidung,das ein Baby entstehen kann,…
Kinder sollen verstehen, dass es nicht nur Jux und Tollerei ist ein Baby zu haben (eben kein Puppen spielen). Das ein Baby oft in der Nacht weint und versorgt werden muß, und nicht wie eine Puppe weggelegt werden kann, wenn es einen nicht gerade freut.
Ich wäre auch gern mit ihnen in einen Wickelkurs gegangen. (Früher in den Großfamilien haben sie das ja mit kleineren Geschwistern oder anderen Verwandten kennengelernt).
Das sonstige Wie sollte nicht zu genau erzählt werden.
Die Kinder sollten keinen genauen Plan haben: Zuerst das, dann folgt das,….
So würden sie das schöne langsame Entdecken, langsam Vortasten und sinnlich Erfahren verlieren.
Sex kann etwas so schönes sein, aber wenn das zu einem Leistungssport verkommt, dann nimmt man den Kindern den Zauber und zwar vielleicht für’s ganze Leben. (nach dem Motto: Warte, ich muß erst umblättern was jetzt fällig ist).
Sie sollen wissen, dass es “First Love Ambulanzen” gibt – d.h. wenn es etwas gibt, dass sie nicht oder noch nicht mit den eigenen Eltern besprechen wollen, dass es da etwass neutrales gibt.
Liebe ist nichts Komisches oder Lächerliches, es sollte aber auch nicht todtraurig sein
Liebe ist auch ganz und gar nichts schmutziges wenn es Liebe ist und das es auf keinen Fall mit Geschäft in Einklang zu bringen ist. (meine Horrorvision ist Paris Hilton) und dass derjenige der sich ein “Gegengeschäft” erwartet eigentlich prostituiert.
Wichtig ist auch, das Kinder Selbstbewusst aber respektvoll im Leben stehen.
Sie sollen wissen nicht mehr aber auch nicht weniger Wert zu sein als jeder andere.
Das es keine Vorrechte wegen eines Geschlechts einer Hautfarbe oder aus sonst aus einem Grund geben darf (ui, das passt jetzt einigen Feministinnen sicher gar nicht).
Kinder sollen von Klein auf erfahren, dass man auch nein sagen darf und das nein eben nein heisst.
Bevor ich auf den Text des Blogs eingehe, ein paar Bemerkungen eines Grossvaters zum abgebildeten Buch.
Obwohl in vielen Familien noch Fotos ihrer nackten Kinder in den Alben sind, erfüllt die Publikation dieses Buchtitels im Internet heute den Tatbestand der Verbreitung von Kinderpornographie. Also sofort weg damit, sonst landen Sie im Gefängnis mit allem Drumrum: Hausdurchsuchung, Ihre Erklärungsversuche zu den Kinderbildern auf dem PC: es seinen nicht nur ihre Kinder in der Badewanne, sondern auch deren Freunde und auch die hätten in der Badewanne keine Badehose an. Eine Busse wird es zumindest absetzen.
Beim geplanten zentralen Register “Pädokriminalität” ist das schlecht für die Karriere als Lehrer, Sozialarbeiter, etc. Ich habe bewusst nur die männliche Form genommen – Frauen haben bei dieser Problematik einen Bonus. Glück gehabt, Frau Binswanger, Busse und Gefängnisnacht nur beim Mann.
Diese Art Bücher aus den 70ern und 80ern sollte man(n) nicht mehr zuhause haben – biologische Zeichnungen gehen gerade mal noch durch, um den eigenen Kindern zu zeigen, wie das geschlechtliche Gegenstück denn ausschaut. Peep-Shows machen die Kinder selbst unter sich im Geheimen, da braucht es keine Erwachsenen dabei.
Geradezu fahrlässig ist es für Männer in pädagogischen Berufen, solche Bücher im Gestell zu haben. Kinder sind nicht dumm und können leicht einen “strengen” Lehrer mit einem geschickt gestreuten “er hat mich schon mehrmals gestreichelt und in den Arm genommen” bis zu den nächsten grossen Ferien aus dem Verkehr ziehen. Wenn der Lehrer noch ein weiches Gemüt hat und oft weinende Kinder tröstet (Kinderknie aufgeschlagen, Eltern in Scheidung, Meerschweinchen gestorben, …), dann sollte er einen Berufswechsel ins Auge fassen, bevor er dazu gezwungen wird. Es bleibt immer etwas hängen.
Soviel Unsensibilität oder Naivität hätte ich nicht in einem Tagi-Blog erwartet!
Ich schätze mich nicht als prüden Grossvater ein, aber die Gesetze sind einzuhalten und man(n!) muss heute Rücksicht auf Pressure-Groups (”March-Blanche”) nehmen, sonst hat man(n!) bald einen schlechten Ruf.
Meine Kinder habe ich zusammen mit meiner Frau aufgeklärt, als die ersten Fragen kamen, oder ich gefunden habe, dass Gefahren bestehen für deren Körper (Hygiene) oder deren Psyche (’böse Onkels’ – Mord an der Kinderseele). Heute reagiere ich auf Fragen meiner Enkel. dies aber nur in Absprache mit deren Eltern.
Besonders als Vater gilt es unbedingt sich mit seiner Ehefrau bezüglich der Grenzen abzusprechen: Baden mit den Kindern, Vater mit Tochter/Sohn im Schwimmbad – wie umziehen: Männergarderobe offen (andere glotzen) oder in Kabine (was macht der Mann mit dem heulenden Kind); Anklopfen bei geschlossener Türe vom Elternschlafzimmer respektive Kinderzimmer, Strandferien, Kuscheln im Ehebett/in der Öffentlichkeit, etc. Solche Absprachen bewahren die Kinder bei einer möglichen Kampfscheidung vor peinlichen “Verhören” durch familienfremde “Fachkräfte”. Nach heutigem Kinderschutzrecht könnte das ja auch noch 20 Jahre zurück gehen.
Aufklärung sollte nicht nur Aufgabe der Mutter sein, sondern auch der Väter. Selbst wenn dies heute gefährlicher für die Männer geworden ist, was erklärt, warum, wie kürzlich gelesen, sich nur 10 % der Väter daran beteiligen (traurig, aber verständlich).
Biologische Fragen sind einfach zu beantworten, darum übernimmt das oft die Schule. Emotionales ist schwieriger zu vermitteln und einem hormongesteuerten Teenager Verantwortung beizubringen, sollte schon vor der Pubertät beginnen, sonst wird die Meldung von Werbung und kulturell anderen Werten überdeckt “Du kein Macho, weil mit 14 noch keine flachgelegt”.
Kinder haben Fragen und sie bekommen auch Antworten darauf, sei es auf dem Schulhof (manchmal abenteuerlicher Unsinn) oder vom Pädophilen (machen das sehr geschickt, die Geschichte endet aber meist traumatisch),
Hinweisen möchte ich auf die Erläuterungen im blog, aus denen gegenseitige Liebe zwischen Kindern und Eltern spricht:
16. September 2009 um 19:47
http://blog.tagesanzeiger.ch/mamablog/index.php/4944/sexy-machen/comment-page-2/#comment-7870
16. September 2009 um 22:37
http://blog.tagesanzeiger.ch/mamablog/index.php/4944/sexy-machen/comment-page-2/#comment-7879
PS: ich habe meine alten Aufklärungsbücher dem Altpapier übergeben und die Familienbilder schon mal aussortiert, war nicht im Gefängnis, aber ich lese auch den Tagi und mach mir so meine Gedanken.
Dank Kumpel für dieses wirklich tolle Infos.
Dieses gefiel mir am meisten.