Leben


Nicole Althaus am Montag den 14. September 2009

Mütter und ihre teuren Hobbys

Schatz, können wir es uns leisten, dass ich Geld verdiene?

«Schatz, können wir es uns leisten, dass ich Geld verdiene?»

Eigentlich wollte ich das Thema Mütter und Erwerbsarbeit grossräumig umfahren. Nicht weil ich es nicht wichtig fände, sondern einfach nur, weil ich mich jedes Mal wie einer dieser antiquierten Leierkästen fühle, die irgendwo im Untergrund stehen und um Zuhörer oder ein Almosen betteln. Es ist alles andere als neu, das Thema, es ist ein ungelöstes Problem seit ich regelmässig Zeitung lese, und  ich bin sämtlichen Leuten mit den Themen Lohnungleichheit und Diskriminierung am Arbeitsplatz  so oft auf die Nerven gegangen, dass  ich mir angewöhnt habe, dem Frieden zuliebe darüber  zu schweigen.

Aber gestern genoss ich mit Kollegen den wunderbaren Altweibersommerabend auf dem Dach und da sagte meine Freundin, die Vierzigjährige, plötzlich: «Ich habe Sex, damit er mir mein teures Hobby finanziert.» Die gesellige und mitunter leicht alkoholisierte Runde diskutierte, seit das Dessert aufgetischt wurde, dasselbe, wie die Leserinnen und Leser übers Wochenende auf diesem  Blog: Ob Sex in einer Partnerschaft zur gut getarnten Währung verkommt. In der Runde wurde es sofort still und alle warteten gespannt auf die detaillierte Abrechnung. Schliesslich hatte die Vierzigjährige, eine Stylistin, den Ruf, die Dinge beim Namen zu nennen. Aber statt Blowjobs in Stiefel und Handtaschen umzurechnen,  sagte sie bloss: «Mein Hobby ist meine Arbeit – mein verdammter Job ist das teuerste, das ich mir leiste, seit ich Mutter geworden bin. Er kostet mich mehr als sämtliche Stiefel und Handtaschen, die ich mir kaufe. Ironischerweise bin ich einst davon ausgegangen, dass, wenn ich nur arbeite und eigenes Geld verdiene, ich als Mutter und Ehefrau finanziell unabhängig bleibe und Sex nie als Währung einsetzen muss. Was für ein fataler Irrtum.»

Über Sex und seinen Währungscharakter wollte nach diesem Statement niemand in der Runde mehr diskutieren. Vielmehr rückte die Frauenarbeit und ihre inflationäre Entwertung durch eine Schwangerschaft in den Brennpunkt. Tatsächlich hatte die  Vierzigjährige die wirtschaftliche Newslage der vergangenen Woche auf den Punkt gebracht – und mich dazu, das Thema doch noch anzusteuern.

Fakt ist: Das Land, das vom World Economic Forum eben mit der Goldmedaille in Sachen Wettbewerbsfähigkeit ausgezeichnet worden ist, leistet es sich nach wie vor, Frauen, etwa Ärztinnen, zwar gut und teuer auszubilden, aber dann, sobald sie Mutter werden, vom Arbeitsalltag fernzuhalten. Wie die «NZZ am Sonntag» recherchiert hat, importieren  viele Spitäler lieber ausländische Ärzte, als dass sie schwangere Schweizer Ärztinnen weiterbeschäftigen oder Teilzeitstellen für Mütter schaffen. Und das in einer Zeit, in der man wegen des Ärztemangels die Zulassung zum Medizinstudium lockern will. Ein volkswirtschaftlicher Blödsinn, der die Schweiz Milliarden kostet.

Nicht gerade eines Goldmedaillenträgers würdig  ist auch die Tatsache, dass sich die Erwerbsarbeit der Mütter kaum  auszahlt, sobald der Mann mehr als 80′000 Franken im Jahr verdient. Wie Monika Bütler, Wirtschaftsprofessorin an der Hochschule St. Gallen vorrechnet, fressen Krippe und Steuern das Einkommen der Frau glatt weg. Verdient der Mann gut, reisst der Job der Frau ab dem zweiten oder dritten Arbeitstag sogar ein Loch in die Familienkasse. Zwar will der Nationalrat mit grosszügigeren Kinderabzügen Familien endlich etwas entlasten, aber solange Krippenkosten nicht vollumfänglich vom Erwerbseinkommen abgezogen werden können, verschwindet der fatale Steueranreiz nicht.

Ich investiere jetzt, rechnet die Vierzigjährige vor,  monatlich 2500 Franken (zwei Kinder, 2,5 Tage pro Woche) und damit  mehr als die Hälfte meines Erwerbseinkommens,  in die Krippe. Nach Abzug der Steuern, bleibt von meinem Lohn nichts mehr in der Familienkasse. Schon für die Putzfrau lege ich drauf. Das erste, was mir der Treuhänder, den ich für die Steuererklärung beigezogen habe, geraten hat, ist: «Hängen Sie ihren Job an den Nagel!» Bin ich nun blöder, wenn ich weiterarbeite? Oder wenn ich zur Hausfrau mutiere?

126 Kommentare zu „Mütter und ihre teuren Hobbys“

  1. Dan sagt:

    Doch noch einmal @Nicole Althaus: Wenn Sie dem Paar mit der traditionellen Rollenteilung (das angeblich keinen Rappen mehr zahlt) die gleichen Steuerabzüge für die private Betreuung zugestehen würden, wäre Ihre Argumentation glaubhaft. Jeder könnte dann im Sinne der Gleichbehandlung wählen, welches Modell er will.. denke aber, das entspricht auch nicht mehr dem Parteiprogramm. Ausserdem bewegen Sie sich auf dünnem Eis bezüglich kantonal nachgewiesener Rentabilität von Kinderkrippen, diese “Berechnung” hat sicher einen grossen Unterhaltungswert und beinhaltet viele lustige Szenarien. Übrigends: Auch die Post hat in diesem Jahr Gewinn gemacht.

  2. gelsomina sagt:

    was werden hier immer “gut ausgebildete selbstverwirklicherinnen” gegen “arme migros-kassiererinnen, die den lebensunterhalt verdienen müssen” ausgespielt?

    ich habe eine gute ausbildung und liebe meine arbeit – aber natürlich muss ich auch meinen lebensunterhalt (und die hälfte des unterhalts des kindes) verdienen. auch die gut ausgebildeten erhalten miete, essen, krankenkasse nicht geschenkt.

    natürlich könnte ich daheim bleiben und sozialhilfe beantragen. tolle perspektive.
    oder hätte ich, anstatt verantwortung zu übernehmen, den vater des kindes abzocken sollen? ich höre die männerbefreiungsfront schon schreien …

    das kind wird also zwei tage fremdbetreut, liebevoll und kompetent fremdbetreut, es freut sich auf spielgespänli, auf unternehmungen mit dem kinderrudel. ob es deswegen später zur asozialen schlägerin wird?

  3. sab sagt:

    Warum klinken sich die Gemeinden bei der Finanzierung so aus? Sie bekommen schlussendlich den grösseren Steueranteil (Gemeindesteuer) zugewiesen als der Bund. Ich sehe mir dies bewusster an, seit ich selbst Steuerzahler bin. Die Gemeinden finanzieren lieber Prestigeobjekte wie Turnhallen für Vereine, welche nur zu 60% ausgelastet sind und im Gebäudeunterhalt ähnlich viel kosten wie eine Kinderkrippe oder Kindergarten. Nur gibt es darum keine ideologischen Auseinandersetzungen wie um die öffentliche Finanzierung der Kinderbetreuung. Warum zahlen die Nutzer der Turnhallen nur so wenig Nutzungsgebühren (wie wärs in Zukunft mit 100 CHF für 8h) – eben weil man das Gemeinschaftswesen wie Vereine fördern will. Ich brauch die Vereine nicht, trotzdem zahle ich dafür. Bei der Kinderbetreuung trifft dies so nicht zu – Kinder sind es nicht wert…und was für eine Unverschämtheit, wenn Mütter auch noch auswärts schaffen (=Karriere) wollen…

  4. bigmama sagt:

    @Dan: dem Paar mit der traditionellen Rollenteilung (das angeblich keinen Rappen mehr zahlt) die gleichen Steuerabzüge für die private Betreuung zugestehen würden.

    Nicht grundsätzlich dagegen. Ich glaube in Norwegen oder so gibt es Gutschriften für Eltern, die ihre Kinder selber betreuen. Das Problem liegt bei der Höhe des Abzugs. Nicht alle beruftstätigen Mütter zahlen gleichviel für die Krippe (unterschiedliche Löhne/Stellenprozente), folglich können auch nicht alle die gleichen Steuerabzüge geltend machen. Wollen Sie den Hausfrauen den Maximalabzug zugestehen, sind die Teilzeitarbeitenden die Dummen. Ferner ist zu berücksichtigen, dass Frauen die ihre Kinder in Krippen betreuuen lassen, ihr Einkommen in der Regel ehrlich versteuern. Hingegen kenne ich jegliche Hausfrauen, die mit den verschiedensten Arbeiten (Haarschneiden, Büroarbeiten, Tagesmutter) ein nettes Nebeneinkommen erzielen, dass sie nicht versteuern.

  5. mira sagt:

    Ob ein Kind ein asozialer Schläger und drogensüchtig wird, hängt primär vom sozialen Status des Elternhauses und nicht von der Betreuungsart ab. Im Gegenteil: in der Kita wird soziales Rollenverhalten gefördert. Kombiniert mit einem guten Elternhaus ist das eine ideale Basis für ein gutes Heranwachsen, speziell natürlich für Einzelkinder!

  6. Regina sagt:

    @Nicole Althaus
    Hätte ich keine Kleinkinderbetreuungsbeiträge beziehen können, wäre ich gezwungen gewesen, mein Kind vom ersten Tag nach dem Mutterschaftsurlaub wegzugeben und zu arbeiten. Ich war sehr dankbar dafür, mindestens im ersten Jahr bei meinem Kind bleiben zu dürfen. Im zweiten Jahr begann ich ein Studium, und mein Mann betreute das Kind. In den folgenden Jahren konnten wir das Kind hälftig von den Grosseltern betreuen lassen und bekamen einen subventionierten Krippenplatz.
    Mein Job war also noch nicht weg nach 2 Jahren, sondern ich hatte noch gar keinen.
    Jetzt kann ich mit Fachhochschulabschluss problemlos Teilzeit arbeiten. Und arbeiten kann ich noch bis zur Pensionierung und ev. noch länger.
    Aber das erste Jahr mit meinem Kind zu verbringen, wenn auch fast in arm zu nennenden Verhältnissen, war für mich sehr wichtig. Vielleicht weil ich so jung war? (21)
    Ich denke zwar jetzt auch, dass die Betreuungsbeiträge nicht an die “Selbstbetreuungsbedingung” geknüpft sein sollte. Aber es ist doch klar, dass solche Unterstützung für diejenigen Familien gedacht sind, bei denen aus irgendeinem Grund nicht genügend Geld zum Leben rein kommt. Oder sehe ich etwas falsch / nicht?

  7. Knuffel sagt:

    Hallo liebe Menschen, ich habe mir gerade die Kommentare hier durchlesen wollen, bin aber nicht weit gekommen, weil mir der Kommentar von Catharina vom 14. September 2009 um 11:26 dann doch sehr auf meine nichtvorhandenen Nüsse geht.
    Ich zitiere:
    [...]Warum wohl gibt es keine Billigkrippen? Die Marktlücke wäre ja da, doch Väterchen Staat lässt dies nicht zu. Sozialismus pur. Und nachher wird das ganze der SVP in die Schuhe geschoben. Wie jämmerlich muss man sein …[...]

    Weil die schweizer Regierung “Billigkrippen” nicht zulässt, ist das Sozialismus pur? Weil die Qualität der Kinderbetreuer und Kindereinrichtungen einen hohen Standart hat und damit teuer ist, ist das Sozialismus pur? HA HA.
    Würde keine der schweizerischen Muttis und Papis irgendeinen Franken berappen müssen für qualitativ hochwertige Kinderbetreuung und für ausnahmslos jedes Kind wäre ein Platz in den Kitas/Krippen vorhanden, dann – aber wirklich erst dann – könnte man ansatzweise von Sozialismus sprechen.

    Und jetzt frage ich diese Catharina: Wäre das nicht toll? Wäre den Eltern dann nicht ein riesengrosses Stück entgegengekommen, als “kleines” Dankeschön, dass sie in der Schweiz Kinder zeugen und aufwachsen lassen? Kinder die konsumieren und damit die Binnenwirtschaft ankurbeln.

    @Opa Meier: In einer Welt, in der alles rationalisiert und automatisiert wird, ist es unglaublich schwer, als Eltern leichten Herzens abends ins Bett zu gehen und so zu tun, als wäre alles zukunftssicher. Wenn sie wirklich ein Opa im Sinne von Rentner sind, müssten sie eigentlich am ehesten wissen, was sich auf diesem Erdball gerade abspielt. Ihre Generation und die Generationen vor Ihnen haben sich jahrhundertelang dafür krumm gemacht, haben gebuckelt, dass heute die Maschine dem Menschen die Arbeit abnimmt. Der Fortschritt diesbezüglich (Automatisierung) ist im vollen Gange und nicht mehr aufzuhalten. Das heisst: Immer weniger Arbeit für immer mehr Menschen.

    Die die sich glücklich schaetzen können. noch eine Arbeit zu haben, werden abgezogen. Ein deutscher Otto-Normalverdiener gibt fast (!) 50% seines Lohnes ab. Von Gewerkschaften wird er belächelt, da geht es um lächerliche Prozentsätze bei den Forderungen um Lohnerhöhung. Reicht das Geld nicht, das er und/oder seine Frau für die Kinder nach Hause bringen, muss er aufstocken – sprich vom Staat Geld beziehen. Daraufhin wird mit dem Finger auf ihn gezeigt, so dass er sich entscheiden kann entweder einen 2. und 3. Job anzunehmen und damit gar keine Zeit mehr für sich und seine Familie zu haben, oder er belässt es beim Aufstocken, grenzt sich aber von der Gesellschaft ab, was widerum bedeutet, dass seine Familie und er vom dümmlichen Nachbarn bis hin zum “ehrenhaften” Herrn Politiker verbal niedergemacht wird.

    Und zum Schluss nochmal, lieber Opa Meier: Haben Sie als Einzelner, nicht auch ein gerecht großes Stück von diesem ganzen milliardenschweren Kuchen abzubekommen? Sehen sie sich selber tatsächlich als kleines Licht, dass sich mit dem zufriedengeben muss, was Regierungen (die Sie als Person nicht kennen, ja nichtmal wahrnehmen) Ihnen hinwerfen? Haben Sie das verdient?

    Ehrenwerte Grüße und googeln Sie alle mal nach dem “Bedingungslosen Grundeinkommen”, machen Sie alle ihre Herzen frei von jeglichen Vorurteilen und beschäftigen Sie alle sich einmal mit sich selbst und fragen Sie alle sich: Was habe ich verdient von dem was ich, meine Vorfahren und meine Vorvorfahren geleistet haben? Und was steht mir zu in einer Welt, die es fast geschafft hat, den Menschen von der Arbeit zu befreien? Mir persönlich fällt da sofort “Nie wieder Existenzängste!” ein.

    Ihnen allen noch einen schönen Abend.

    Knuffel.

    PS: Entschuldigen Sie bitte,dass mein Text ein wenig “off topic” ist, aber ich bin voller Hoffnung, dass der ein oder andere seinen Geist dazu nutzt, weiterzudenken und die Brücke zum “überteuren Kitaplatz”, dem “Hobby” von Mama o. Papa und den damit vorhandenen Problemen selber gedanklich bauen kann. Vielen Dank.

  8. Hansli sagt:

    Beim lesen dieser Kommentare wird mir schlecht!
    Einmal eine Rechnung was uns die Traditionelle Familie kostet:
    1. Ausbildung der Frau für nichts, da nachher Hausfrau
    2. Tieferer Steuertrag da nur 1 Person verdient
    3. Nachdem die Kinder flügge sind muss der Staat wieder die Frau Ausbilden. Da die ehemalige Ausbildung total veraltet ist, muss die Hausfrau wieder auf Markttauglichkeit getrimmt werden.
    4. Die Hausfrau bezahlt keine Pensionskasse – kann zu Problemen im Alter führen, inkl. Sozialhilfe
    5. bei Scheidung (Quote ca. 50%) geht die Hausfrau direkt in die Sozialhilfe
    6. Die Hausfrau bezahlt nicht in die Sozialversicherungen: IV, ALV, usw…

    Mit den Nebeneffekten profitieren unsere SVP-Leute:
    1. Die fehlenden Frauen entziehen der Wirtschaft Arbeitskräfte, die dafür aus dem Ausland geholt werden. Mit der Ausländerrauspolitik können gute Stimmen geholt werde.
    2. Jede Verhinderte Karrierefrau ist eine Konkurrentin weniger. Quasi ein natürlicher Selektionsvorteil für unsere Rechtsbürgerlichen.
    3. Politisch wird eine Schwachsinnige Wertediskussion geführt mit dem “traditionellen CH-Familienbild” als das einzig Gute für das Kind. Komischerweise existiert diese Werte-Diskussion nur in der CH und in einigen anderen deutschsprachigen Regionen. Im Rest der Welt existiert dieses Familienbild nicht!

  9. Raphi sagt:

    @Hansli: ‘Im Rest der Welt existiert dieses Familienbild nicht!’

    Haha so ein quatsch, in 90% der Welt ist das traditionelle Familienmodell im Blut, einfach drin, sogar überlebensnotwendig in gewissen Teilen. Erst in der “aufgeklärten” westlichen Welt diskutiert man ob Mann + Frau + Kinder Sinn macht.
    Ich erachte hingegen DIES als ein ausgemachten Schwachsinn…
    Aber ich gebe ihnen recht, das traditionelle CH-Familienbild existiert tatsächlich nur in der CH ;-)

  10. BigMac sagt:

    Würde meine Frau nicht arbeiten, wenn ich noch mehr verdienen würde? Nein.
    Würde meine Frau mehr arbeiten, wenn sie für den zusätzlichen Verdienst keine Steuern bezahlen müsste? Nein.
    Wären wir froh, wenn wir mehr von den Steuern abziehen könnten? Ja klar!

    So sieht zumindest für mich die Realität aus. Weder das Steuersystem noch die Kosten für die Kinder-Fremdbetreuung sind bei uns der Grund für unsere Arbeitsteilung. Sie basiert schlicht auf unseren Entscheidungen. Ein Kleinkind kann meines Erachtens von einer qualifizierten Fremdbetreuung an ein bis zwei Tagen profitieren, was seine soziale Entwicklung angeht. Verbringt allerdings ein Kind die Mehrheit seiner wachen Zeit bei “Fremden”, frage ich mich schon, weshalb diese Eltern ein Kind auf die Welt gestellt haben. Was die Arbeitsteilung – 100% zu 40% – angeht, ergibt sich die aus dieser Einstellung und dem von uns angestrebten Lebensstandart. Natürlich würden auch wir uns nicht gegen eine geringere Steuerbelastung wehren ;-)

    Worauf ich hinaus will: Der Entscheid für ein bestimmtes Familien- / Lebensmodell treffen wir selbst. Dabei bin ich der Überzeugung, dass das Geld bei diesem Entscheid nur eine untergeordnete Rolle spielt. Dies wird insbesondere dann deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass durchschnittlich Familien aus tieferen sozialen Schichten mit entsprechend weniger Einkommen mehr Kinder haben. Menschen, die ihre persönliche Freiheit, ihren Beruf, ihre materielle Ausstattung, etc. höher gewichten, als den Wunsch, Kinder zu haben, sollten m.E. auch besser gar keine haben. Punkt.

  11. bürger sagt:

    Meine Frau hat einen tollen Job, gut bezahlt. Leider sind wir verheiratet. Wir zahlen deshalb jedes Jahr ca. 35′000 Franken mehr Steuern, als wenn wir im Konkubinat leben würden. Diese “Heiratsstrafe” ist teurer als fast alle anderen Ausgaben (und wird nur noch von der externen Kinderbetreuung übertroffen). Ich kenne kein anderes Land mit einer Heiratsstrafe. In manchen Ländern darf man einfach das gemeinsame Einkommen durch 2 teilen, und dann getrennt versteuern. Und warum gibt es in der Schweiz keine Lösung?

    Ich ärgere mich seit Jahren über unsere unfähigen Politiker, die das Thema nicht angehen wollen. Wahrscheinlich findet die Rechte, meine Frau solle einfach zu Hause bleiben, und die Linke findet das Prinzip Ehe wohl suspekt. Und dann gibt es da noch Leute wie BR Merz, die einfach nicht durchblicken.

  12. Hotel Papa sagt:

    @bürger: so etwas nennt man, glaube ich, ‘Jammern auf hohem Niveau.’

    Trotzdem: ich bin mit Dir einig, dass die Heiratsstrafe abgeschafft gehört. Konkreter gehört überhaupt abgeschafft, dass der Staat zum Thema Ehe überhaupt etwas sagt. Er hat diesbezüglich nämlich schon lange Bankrott erklärt.

  13. Gion Saram sagt:

    Zwei Punkte zur Erweiterung der Diskussion: 1. Die in der Kinderbetreuung als vorbildlich propagierten Skandinavischen Ländern und auch andere EU Staaten, haben um einiges höhere Steuersätze als die Schweiz wo die Krippen dafür teuer sind. Was ist besser? Weniger Steuern zu bezahlen und dafür mehr Geld übrig zu haben sich selber eine Krippe auszusuchen oder höhere Steuern und dafür einen Staat für eine flächendeckende Kinderbetreuung besorgt ist?

    2. Die Tarife für externe Kinderbetreuung sind in der Schweiz in der Tat frappant höher als im Ausland. Das heisst also das schweizer Kitas nicht so konkurrenzfähig produzieren wie ausländische Kitas. Ich würde gerne mal eine Vergleichsstudie sehen in der die Kostenstruktur ausländischer und schweizerischen Kitas verglichen wird. Liegen die höheren Schweizer Kita’ Tarife vielleicht an der restriktiveren Auflagen und Qualitätsvorschriften? Warum gibt es eigenlich einkommensabhängige Krippentarife? Ich dachte mit der Steuerprogression würde bereits genügend für den sozialen Ausgleich gemacht, warum braucht es auch noch bei den Krippentarifen eine zweite Progression. Warum nicht eigentlich noch mehr einkommensabhängige Tarife? Beim OeV oder dem Roadpricing oder bei Tickets fürs Opernhaus?

  14. Hotel Papa sagt:

    “Warum gibt es eigenlich einkommensabhängige Krippentarife? Ich dachte mit der Steuerprogression würde bereits genügend für den sozialen Ausgleich gemacht, warum braucht es auch noch bei den Krippentarifen eine zweite Progression.”

    Der ökonomische Ansatz: Wie hier dargelegt wurde, machen zu hohe Krippenkosten das Arbeiten unattraktiv. Jede damit vergraulte Familie ist ein Kunde weniger.

    Der soziale Ansatz: Krippen haben ja häufig sozial orientierte Trägerschaften. Die sind in der Gestaltung ihrer Tarifstrukturen frei. Und setzen die Prioritäten dann halt so.

    Thema Tickets fürs Opernhaus: Habe ich einmal präsentiert bekommen als ein Fall, wo die Kassierin in der Migros den Bankdirektor unterstützt. Kostendeckend operieren diese Institutionen ja nicht. Und wenn man dann anschaut, welche Klientele sie nutzt, ist die Interpretation nicht von der Hand zu weisen.

  15. Gion Saram sagt:

    Frage: Gibt es auch Krippen mit nicht sozial orientierter Trägerschaft? Eigentlich sollte im Kapitalismus ein Dienstleistungsbetrieb versuchen sich Kunden mit dem bestmöglichsten Angebot zum tiefstmöglichsten Preis zu profilieren und somit Kunden anzuziehen. Bei den Krippen scheint offenbar die freie Marktwirtschaft nicht zu spielen, oder hat schon jemand mal was von einer Krippe gehört die offensiv ihre Qualitäten anpreist und mit attraktiven Angeboten versucht erfolg zu haben? Solange die meisten Kosten einer Krippe von der öffentlichen Hand übernommen werden, solange werden sich die Bemühungen einer Kita attraktiv zu sein auf die Subventionsen verteilenden Behörden fokusieren und nicht auf die Eltern oder die Kinder. Die hohen Einstiegshürden für die Gründung einer Kita haben vor allem einen positiven Effekt für die bestehenden Einrichtungen: Sie halten ihnen die lästige Konkurrenz vom Leib, analog dem früheren Wirtepatent, das von den Wirten auch mit Klauen und Zähnen verteidigt wurde.

  16. Hansli sagt:

    @Gion Saram Ist immer dasselbe. Sobald der Staat Betriebe subventioniert werden möglichst hohe Kosten generiert um den Staat abzuzocken. Irgend eine idiotische Begründung für die teuren Preise findet sich immer. Billiger wären Gutscheine an die Eltern abzugeben und die Krippen wären dem Wettbewerb ausgesetzt.

  17. Katia sagt:

    Warum werden die Krippenkosten immer mit dem Lohn der Frau verrechnet? Und nie (auch) mit dem Lohn des Mannes??

  18. Visiteur sagt:

    @katja: Es geht nicht darum, mit welchem Lohn die Krippenkosten verrechnet werden. Es geht darum, dass wenn man diese Auslage mit dem Lohn der Mutter vergleicht – die Rechnung oft nicht mehr aufgeht. Warum soll man arbeiten gehen, wenn am Schluss nur Stress und Unruhe drinliegt, aber kaum etwas mehr Geld für die Familie?

  19. maia sagt:

    Ich staune immer, wie gut und toll doch offenbar heute die Frauen alle ausgebildet sind. Und dann noch die Karriere die gefährdet wäre, wenn eine Zeitlang zu Hause geblieben würde. Und die grossen Steuererträge die verloren gehen….. Offenbar lebe ich in einer anderen Welt: Ich kenne: VerkäuferInnen, HandwerkerInnen, FabrikarbeiterInnen, Putzpersonal und und und…. Die Welt besteht zum Glück nicht nur aus Studierten sondern auch aus Menschen die eben noch im wahrsten Sinne des Wortes arbeiten, aber leider schlecht bezahlt und oftmals auch schlecht behandelt werden.
    Ihr jammert hier auf sehr sehr hohem Niveau.

  20. Nicole Althaus sagt:

    @Dan: Die Frauen, die zuhause KInder betreuen kriegen ja etwa bei der AHV schon eine Betreuungsgutschrift zugeschrieben. Was sollen sie denn noch von den Steuern abziehen, wenn sie keine Steuern bezahlen? Arbeitstätige Mütter aber müssen ihr Einkommen versteuern. Das finde ich auch richtig so. Nur sollen Sie den Betrag, den Sie für die Betreuung ausgeben, auch vom Einkommen abziehen können.
    Worauf Sie ansprechen find ich aber sehr überlegenswert: Die Arbeit der Hausfrauen und Mütter die zuhause arbeiten wird nicht entschädigt – und ist somit nichts wert. Aber ändern liesse sich das nur mit dem Gedanken, dass der Staat für jedes Kind ein Betreuungsgutschein spricht, der dann die Hausfrau bekommt, wenn sie zuhause bleibt, oder die Frau die arbeitet damit sie die Kirppe bezahlen kann —– bekanntlich sind aber die Parteien, welche die Hausfrauen so wortreich verehren, etwa die SVP, die letzten, die diese ARbeit auch bezahlt sehen wollen….

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