
Kinder werden in der alternden Schweiz immer mehr zur Randerscheinung: Vor einer Woche wurde in der Genfer Vorortsgemeinde Meyrin der erste Seniorenspielplatz der Schweiz eingeweiht.
Eigentlich wohnen meine Kinder in einem Paradies. Zwischen den Häuserzeilen der Überbauung lädt ein riesiger begrünter Innenhof zum Velofahren, Springseilen, Verstecken ein. Treppen und kleine Wege verbinden die Häuser. Auf der Zubringerstrasse herrscht ein allgemeines Fahrverbot. Es ist ein Paradies jenseit der üblichen Schaukel-Sandkasten-Sitzbank-Arrangements, mit denen man in den Kleinfamilienaufzuchtsstätten in und um die urbanen Zentren gern Kinderfreundlichkeit demonstriert. Das Paradies hat bloss ein Problem: Es ist sozusagen kinderfrei. Die Kinder wurden nicht daraus vertrieben. Sie haben es gar nie richtig erobert. Denn sie sind zu wenige, um eine richtige Besetzungsmacht zu bilden. Manchmal wagen einige sich raus und belagern johlend und lachend eine Ecke. Meistens aber ist es auf dem Areal still und ordentlich wie in einem Pflegeheim mit gut sedierten Patienten.
Doch gewissen Menschen in diesem Paradies ist auch das nicht still genug. Es sind selten die Senioren und immer nur vereinzelte Kinderfreie, die sich am Raum stören, welche Familien optisch und akustisch einnehmen. Sowie es immer nur einzelne Eltern sind, die vergessen, dass andere Menschen nicht über jeden Furz ihres Nachwuchses jubeln mögen. Aber es reicht für Krach: Jedenfalls hat man sich schon über Babys beschwert, die so rücksichtslos sind, nachts zu weinen. Oder vorgeschlagen, die Kinder am Wochenende unter Hausarrest zu stellen, weil man sie nicht stummschalten kann, wie ein Fernsehgerät. Und vor ein paar Tagen bekamen alle ein Mail von der Verwaltung mit dem Befehl, die illegale Besetzung allgemeiner Räumlichkeiten, etwa Nischen im Eingangsbereich, sofort abzubrechen. Angehängt waren Fotos von Kindervelos und Kinderwagen, die dort standen.
Diese Aversion gegen Kinderkram ist so kindisch, wie das Problem ausgewachsen. Seit Jahren schwelt ein Grabenkrieg zwischen Familienmenschen und Kinderlosen. Die Kluft zwischen den beiden Lebensentwürfen öffnet sich stetig. Das kann man nicht nur in der Nachbarschaft, im Quartier, im Zug und in der Migros beobachten, sondern auch in diesem Blog. Nicht wenige Eltern fühlen sich auf den Schlips getreten, wenn jemand, in diesem Fall ich, findet, dass man der Allgemeinheit seinen Fortpflanzungserfolg nicht permanent mit Fotos und Klebern unter die Nase reiben muss. Kinderlose wiederum taxieren jede Liste zum Familienglück als öffentliche Entwertung ihres persönlichen Lebensentwurfes. Warum bloss?
Sicher ist: Bald einmal sind Kinder kleine Exoten in einem gigantischen Seniorenpark namens Schweiz. 67% aller Haushalte in der Schweiz sind kinderlos. Familien sind schon heute immer und überall ausser im Zoo und Alpamare in der Minderheit. Ein leichter Anstieg der Geburtenrate reicht nicht, um das zu ändern. In ein paar Jahren wird die grosse Mehrheit der Menschen über 50 Jahre alt sein. Kinder sind in dieser Welt eine rare Spezies, und werden als solche entweder bedroht oder unter Schutz gestellt. Das ist keine gute Ausgangslage für ein entspanntes Zusammenleben, oder?


Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und ist Mutter einer Tochter. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich und ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
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Zum Glueck wissen die Kinderlosen am besten wie Kinder erzogen, gehalten, versorgt, beachtet und verpackt werden muessen. Vielleicht sollte man solche Leute davon ueberzeugen, dass sie schlichtweg evolutionaere Looser sind, aussterben werden und in ein paar Jahren die Kinder anderer ihren Arsch putzen werden, in ihren Haueser wohnen werden, ihnen das Leben fuer viel Geld versuessen werden, damit sie schlabrig und zitternd ihre Suppe eingefloesst bekommen, ihre Socken angezogen und das Grab geschaufelt. Bis dahin werden die Kinder jedoch nicht vergessen haben, wie ihnen die Gesellschaft in ihrer Kindheit gegenuebergestanden ist, wie sie von ihr schickaniert worden ist, wie die Zukunft verbaut wurde und wie sie an allem Schuld waren, einfach nur, weil sie sich nicht wehren konnten, weil sie in der Minderheit waren und weil sie vom Leben andere Ideen hatten, als die frustriete, ueberarbeitete, lustlose, selbstsuechtige und fette Generation vor ihnen. Wer sich das mal durch den Kopf gehen laesst, der sollte beim Anblick jedes Kindes laecheln, ihm auf die Beine helfen, schauen, dass es ein Chance kriegt, damit es einem spaeter mal Hilft.
Eines scheint bei allen immer wieder mal vergessen zu gehen, dass wir alle nicht jeden Tag gleich gut drauf sind!
ich bin selbst Mutter 3er Kinder, äusserst Lärm erprobt, aber ich mags auch nicht jeden Tag den Lärmpegel auf oberster Stufe zu haben, ausserdem gibt es Werte und Regeln die ich meinen Kindern auch anerziehe, die mir wichtig sind innerhalb der Familie die sich auch im Zusammenleben in der Gesellschaft anwenden lassen. In einer Hausgemeinschaft heisst dies u.a. auch Hausordnung.
Auch Kleinkinder können lernen für eine Weile in Ruhe zu spielen, man kann sie ermahnen nicht dauernd herumzuschreien, weil Herr oder Frau X gerade auf dem Balkon die Zeitung liest, man kann zB. der lärmempfindlichen jungen Studentin, die sich ausgerechnet die Wohnung neben dem Spielplatz ausgesucht hat, einmal eine Dose selbstgemachter Browenies oder der kranken Frau X eine Zeichnung vorbeibringen und entschuldigen wenns hin und wieder in der Wohnung hoch her geht.
Oder man widmet sich selbst den Kindern, geht mit ihnen anderswo hin picnicken was auch immer.
Und vor allem bevor man sich auf das schreiende Niveau eines in seiner privatspäre gestört fühlenden Nachbarn begibt, Verständnis zeigen, reflektieren dass er/sie sich gestört fühlt.
Denn wenn ein jeder sich und seiner Bedürfnisse ernst genommen fühlt, ist es oft hinterher schon fast egal ob der Sohnemann auf dem öffentlichen Geweg mit Kreide kritzelt, ob die Kinder schon im Treppenhaus beim Nachhause kommen quasseln
oder ob die Kinder lärmen während Herr X die Zeitung “fast in Ruhe” auf dem Balkon liest und die junge Studentin, erfreut sich während sie ihre Studienarbeit schreibt, der Brownies; Frau X an der Zeichnung die sie von den herzigen spielenden glücklichen Kinder der alleinerziehenden netten Nachbarin bekommen hat.
Im überigen beruhen diese Erkenntnisse auf eigens erlebten Situationen innerhalb unserer durchmischten Wohnform einer Mehrfamilienhaussiedlung!
Adrian: Passen sie auf was sie so sagen, denn ich subventioniere im Moment ihre Goeren mit meinen Steuern.
@ Jeannette
Und was wollen Sie Eltern mitteilen mit Ihrer Aussage?