
Integration wird in der Schule gross geschrieben: Doch die Zahl der Schulen, die nur noch Migrantenkinder mit Sprachnöten unterrichtet, wächst. Jetzt erreicht die soziale Segregation auch Krippen und Kindergärten.
Ich gestehe, ich bin ein Teil des Problems: Es ist mir nicht egal, ob sich meine Töchter in der Schule wohlfühlen, wie im Klassenzimmer der Schulstoff vermittelt wird oder wie gut sie auf die Oberstufe vorbereitet werden. Ich habe auch schon ein Gesuch geschrieben, um die Einteilung meiner Jüngeren zu der Kindergärtnerin zu bewirken, die ihr Klassenzimmer nicht von den «bösen Buchstaben» säubert. Es war das einzige Gesuch bisher – aber ich würde zweifellos wieder in die Tasten greifen, wenn ich wüsste, dass meine Kinder in der Schulklasse oder mit den Lehrkräften ein Problem hätten, das sie ernsthaft belastete.
Bin ich deshalb eine Alphamutter? Ich glaube nicht: Ich will zwar wissen, ob meine Tochter Hausaufgaben hat, und ich sorge dafür, dass sie sie macht. Aber ich überwache diese nur, wenn es verlangt wird und korrigieren tue ich sie nie. Ich glaube fest daran, dass man Kindern nicht jeden Stein aus dem Weg räumen darf, dass sie mit den verschiedensten Kindern lernen und auch mit Lehrkräften klarkommen müssen, die sie nicht in ihr Poesiealbum schreiben lassen. Aber mein Glaube an die kindliche Selbstregulation macht vor der Empirie halt: Wenn Bildungsforscher wie Urs Moser schon seit Jahren dokumentieren, dass die Lernqualität in einer Klasse spätestens bei einem Anteil von 50% Fremdsprachigen kippt, dann ist es mir eben nicht mehr egal, wie sich die Schüler eines Schulhauses zusammensetzen.
Mit dieser Haltung befinde ich mich in guter Gesellschaft, und das wird zunehmend zum Problem. Bildungsaffine Eltern überwachen heute die Schulen, wie einen volatilen Börsenkurs. Selbst hartnäckige Verfechter von Multikulti ziehen aus dem Zürcher Kreis 4, sobald der Nachwuchs fünf Kerzen auf dem Geburtstagskuchen ausblasen darf und eingeschult wird. Es sei denn, sie haben sich einen der begehrten Plätze in einer Tagesschule geangelt. Oder sie können sich eine Privatschule für den Nachwuchs leisten. Offiziell haben die Eltern zwar keine freie Schulwahl, aber sie tun schon heute alles, um die Einteilung des Kindes zu steuern. Das ist nicht nur in Zürich, Basel, Bern so. Auch wer in die Agglomeration zieht, informiert sich im Umfeld über den Ruf von Schulhäusern und Lehrpersonen, schreibt Um- und Einteilungsgesuche.
Es hat sich etwas Grundlegendes geändert im Schweizer Bildungssystem und das gibt Anlass zur Sorge: Die Volksschule verkommt immer mehr zur Zweiklassen-Schule. Das bestreiten nicht einmal mehr ihre grössten Verfechter. Das Resultat sind Schulghettos, in denen Informationsblätter zu Veranstaltungen in so vielen verschiedenen Sprachen gedruckt werden – dass darob, und das ist nicht frei erfunden, schon mal der Text in Deutsch vergessen geht. Und Quartiere, in denen Dreiviertel der Schüler ins Langzeitgymnasium eintreten.
Seit kurzem hat die soziale Segregation auch die vorschulischen Einrichtungen, Kindergärten und Kinderkrippen, erreicht: Mitte August hat am Zürcher Paradeplatz «globegarden», eine zweisprachige Kindertagesstätte eröffnet, in der die Gruppennamen «Little Mozart» und «Little Picasso» Programm sind: 7 perfekt englisch- und deutschsprachige Erzieherinnen kümmern sich darum, das die Kinder «gemäss eines altersspezifischen Curriculums in kleinen Schritten die Welt entdecken». Zusätzlich werden Lehrkräfte beigezogen, welche die Kinder in Kunst, Tanz und Musik fördern.
Die Initiantinnen dieses Projektes – zwei ehemalige Bankerinnen – haben offenbar eine Marktlücke entdeckt: Wegen der Länge der Warteliste suchen sie bereits weitere Standorte in der Innenstadt und planen eine Expansion in andere Schweizer Städte. Dabei ist der Tagesansatz von 125 Franken pro Kind nur wenig höher als ein nicht subventionierter Platz in einer städtischen Krippe. Und deshalb wird passieren, was in Deutschland oder in Amerika längst im Gange ist: Wer keine Subventionen braucht, sucht sich eine Krippe, in der die Kinder in homogenen Gruppen gefördert werden. Die Integration von Fremdsprachigen und sozial Benachteiligten, die laut Fachkräften am besten schon im Vorschulalter passieren sollte, wird immer schwieriger. Ein Viertel der Kinder bleibt, wie Bildungsdirektorin Regine Aeppli anlässlich einer Konferenz letzten Samstag feststellte, schon im Kindergarten weit hinter der Startlinie zurück.
Sind wir auf dem besten Weg, die Idee der Volksschule, auf die die Schweiz jahrzehntelang so stolz war, zu begraben? Wenn ja, wer ist schuld daran? Eine bildungsbürgerliche Mittelschicht, die den Migrationsquartieren den Rücken kehrt? Politiker und Politikerinnen, die vor den Problemen die Augen verschliessen? Oder eine Gesellschaft, die sich weigert, offen und ohne rassistische Untertöne über die Folgen sozialer und kultureller Veränderungen zu streiten?


Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und ist Mutter einer Tochter. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich und ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
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Ich finde es absolut erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit viele sogenannte SchweizerInnen annehmen, dass Ausländerkinder (selbst solche die hier aufwachsen) dümmer sind oder auch nur schlechter Deutsch können als ihr geschätzter Nachwuchs und dass dieser unter dem vermeintlich grässlichen Niwoo in multikulturellen Schulen a priori leidet. Interessant ist auch die Ethnisierung aller Probleme, die sich aus der Zugehörigkeit zu sozialen Schichten ergeben – und schon immer ergeben haben. Ich kann aber den Schweizer Mittelschichtspapis und – mamis versichern, dass ihnen portugiesische und türkische Mittelschichtsfamilien vermutlich kulturell sehr viel näher sind als Schweizer Hilfsarbeiter.
@urs. Die Qualität der Schule leidet stark, wenn einige Schüler nicht Deutsch können. Und die Schule leidet noch mehr unter den vielen Schulversuchen. Die Schweiz hat tatsächlich in den letzten 20 Jahren mehr Ausländer aufgenommen, als integriert werden können. Und zudem fehlt bei vielen Ausländern der Wille, Deutsch zu lernen. Deshalb finden Wanderbewegungen statt, die zur Ghettoisierung führen. Und nein, dümmer sind Ausländer nicht, aber oft extrem aggressiv. Ich bin deshalb der Meinung, dass nur bleiben darf, wer sich in der Schweiz gewaltfrei verhält. Auch in der zweiten Generation.
Liebe(r) Aschi
Es macht mich als Ausländer recht aggressiv zu hören bzw. zu lesen, dass wir “oft” extrem aggressiv seien. Diese Haltung, die du hier verkörperst, kann einen ja nur aggressiv machen…
Menschen abschieben, die dir nicht passen, ist eine aggressive Haltung deinerseits…
Dass die Schüler darunter leiden können, wenn über die Hälfte der Klasse kein Deutsch spricht, könnte etwas Wahres an sich haben. Aber mit deinen letzten Sätzen, diskreditierst du deine Aussage…
90 % meiner Bekannten sind Ausländer, von denen noch keiner mit Gewalt auffällig geworden ist. Es gab aber mehrmals Fälle, wo man ohne triftigen Grund, uns beschimpft hat, dass wir dahin kehren sollen, wo wir hergekommen sind…
Sollten wir jetzt auf alle Schweizer schimpfen und sagen, die Meisten sind “oft” rassistisch…
Wer selbst irgend eine Form von Kultur besitzt, hat im Allgemeinen auch keine Probleme mit fremden Kulturen. Da liegt das Schweizer Problem. Ich habe 4 meiner 5 Kinder durch das Baselbieter Schulsystem geschleust, mir unfähigen Rektoren, Schulpflegen, die nur die Schule pflegen, aber nicht die Kinder. Und im Zeugnis wurde nicht die Unterschrift der Eltern verlangt, sondern jene des “Inhabers der elterlichen Gewalt”. “Das heisst halt so” – hiess es auf meine Anfrage. Ich sagte: “Nein, das ist halt so.”
Natürlich hat die sichtbare Gewalt heute zugenommen. Schlimm genug. Aber sie ist keine Erfindung der Ausländer. Und in welche Schule unsere Kinder auch immer gehen: Sie werden sich später in einer Multi-Kulti Welt zurechtfinden müssen.
Andreas K. Heyne
Was ist aus der Sicht von Nicole Althaus ein “rassistischer Unterton”? Das Schulniveau sinkt nicht wegen der vielen Ausländer, sondern wegen der vielen Ausländer aus sog “bildungsfernen Schichten”. Das heisst, Eltern, die selber kein Deutsch lernen, für die Schule keinen Wert hat und denen egal ist, ob ihre Kinder in der Schule etwas lernen, – solche Eltern schicken auch keine intelligenten und fleissigen Kinder in die Schule. Die Realität ist, dass diese Eltern meistens aus Ex-Jugoslawien, insbesondere Kosovo und aus der Türkei stammen, wie auch aus einer Reihe von Drittweltländern.
Sobald einer das Problem beim Namen nennt, wird er schon als Rassist beschimpft. Die Erziehungsdirektion der Stadt Bern hat das Problem so gelöst, dass sämtlichen städtischen Angestellten in “Sensibilisierungskurse” für politisch korrekten Umgang mit diesen angeblich nicht existierenden Problemen geschickt werden. Besorgten Eltern wird es ausgeredet.
Das ist der wesentliche Grund, warum die Bewohner von Sozialwohnungen ihre Kinder in Privatschulen schicken. Das ist dann entweder die Rudolf Steiner Schule, weil die billig ist. Oder man hat vermögende Grosseltern, die eine bessere Privatschule zahlen können. Weil man selber auf die finanzielle Unterstützung der Stadt angewiesen ist, wählen diese Leute selbstverständlich weiter die Volksvertreter, die die Volksschulen kaputt gemacht haben. (Alimenten-”Bevorschussung” und Sozialhilfe bekommt man ja von den gleichen.)
Wer nicht auf Sozialhilfe oder Sozialwohnungen angewiesen ist, der bleibt in der Stadt solange man die Kinderhalb gratis in die Krippe schicken kann. Sobald aber die Kinder in die Schule müssen, zügelt man aus der Stadt hinaus. Die Schule ist der wichtigste Grund, warum Eltern aus der Stadt Bern hinausziehen. (Der zweitwichtigste sind die teuren Mieten.)
So kommt es, dass Bern die Stadt in der Schweiz ist mit den meisten Pendlern überhaupt.
Warum sollte dieses Verhalten asozial sein? Die gut ausgebildeten Kinder sind später die Steuerzahler, die für die Migranten aus bildungsfernen Schichten, für die Sozialwohnungen und Alimentenbevorschussungen blechen!
Wenn über fünfzig Prozent der Kinder Migrationshintergrund haben, sind die Schweizer Kinder in der Minderheit. Das hat nachteilige Auswirkungen, sowohl sozial als auch schulisch – vom sprachlichen gar nicht zu reden. Wenn über achzig Prozent der Kinder Migrationshintergrund haben, und das ist im Kreis 4 durchaus normal, dann ist die Integration der Schweizer Kinder nicht mehr möglich. Sie werden ausgegrenzt von ihren Klassengefährten. Nicht nur Schweizer sind latent rassistisch. Schweizer Kinder werden aktiv von andern ausgegrenzt. Kinder mit binationaler Herkunft schämen sich zu sagen, dass sie Schweizer sind, Kinder die sich sprachlich adequat ausdrücken werden von den anderen ausgelacht. Es geht um den prozentualen Anteil, nicht um die Bildungsferne oder -nähe.
Es wäre interessant zu wissen, wieviele der Kinder mit Migrationshintergrund im Kreis 4 das Lernziel im Fach Deutsch erreichen. Hätte ich Kinder im Schulalter. würde ich sicher aus den betroffenen Schulkreisen wegziehen oder meine Kinder auf Privatschulen schicken.
Ja, wir entwickeln uns zu einer Gesellschaft mit Zwei-Klassen Schule.
Ich finde es toll, dass diese Probleme nun auch hier angesprochen werden und all diese Links-Liberalen Multikulti Juppies sind die besserverdienden, welche wirklich aus Krisenregionen mit den von ihnen so geschätzten Migraten wegziehen, um ihrer Kinder die beste Schulbildung zu ermöglichen.
Das es noch immer viele Leute nicht kapiert haben… das gibt mir zu denken! Migration in Europa ist meistens ein Kommen und Nehmen. Die USA ist da ganz anders. Ohne Sozialnetz fällt man einfach ins Loch und ist als Einwanderer gescheitert. Hier wird einfach SOzialhilfe bezogen… vor allem wenn man als Migrant 4-5 Kinder hat kommt da ein gutes Sümmchen zusammen… inkl. einer vorgeschriebenen Grösse der Wohnung etc. etc.
Also hört doch endlich auf von Rassimus zu reden und zu schimpfen! Echte Probleme bemerkt das Gross des Volkes und wird seinen Weg suchen, um diesen Problemen zu begegnen. Zur Zeit ist es noch ein wegziehen. Doch was wenn man sich das nicht mehr leisten kann? Dann werden die Gewaltprobleme massiver.
Wir holten Ausländer für billige Arbeit… und diese Arbeit verschwindet zusehends, doch die Menschen sind geblieben und werden immer mehr. Ich sage: STOPP!
Bravo, dass dieses Thema endlich den Weg in die Medien gefunden hat – höchste Zeit!
Die Schule hat jahrelang die Eltern, alle Eltern, aus der Verantwortung für das schulische Wohlergehen der Kinder entlassen. Für jedes Bobo wurde eine Stütze errichtet, leider nicht nur zur Förderung und Unterstützung des Kindes, sondern ohne böse Absich auch als Schritt-für-Schritt Entmündigung der Eltern. Wer zu schlapp ist, seine Kinder zu erziehen und innerfamiliäre Hilfestellungen zu suchen und zu bieten, überlässt das dem Staat, am liebsten ab Geburt. Der sorgt sich um alles: Kinderkippe, Erziehungsberatung, Logopädie, Aufgabenhilfe, Mittagsbetreuung – alles inbegriffen.
Aus meiner Sicht müsste man die Eltern mehr in die Pflicht nehmen, zur Verantwortung ziehen und verlangen, dass Leistung des Staates nur mit Gegenleistung abgegolten werden kann. Eltern sollen sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten für das Gedeihen ihrer Kinder engagieren und zwar weit mehr und verbndlicher als bis anhin.
Dazu gehört auch, dass ausländische Eltern deutsch lernen, ab dem 1. Aufenthaltstag in der Schweiz. Andernorts wird das auch erwartet und zwar zu REcht. Die Sprache ist Integrationsbestandteil Nr. 1. Ich habe das anlässlich unseres 3jährigen USA Aufenthaltes auch erfahren und als Herausforderung und Bereicherung empfunden.
Problem is not in the origin of the children but in the education of the parents and in the whole school system. Since for many years Swiss people did not show any interest in accepting low paid positions, the lowest class in this country is now mainly filled in by the foreigners. Their children do not get any support at home (the same is in the Swiss families where parents are not well educated) and Swiss school system is organised in that way that child needs not only the ability to achieve something but also support and help from parents. Example are courses for Gymi exam preparation: why would child need any extra preparation for Gymi in addition to the school? Who can afford this? Of course, only reach people. So, not educated parents usually means “Lehre” and work without any possibility to study. Problem is not in the children but in the whole system who created this class during many years and now can not deal the consequences. I do not speak German with my children simply because my German is not good enough, but after “only ” 4 years they speak perfectly well and the son goes to Kantonschule without any problem. Luckily, even though we are foreigners we are well educated and we were able to make up to our kids what was supposed to be given by the school system. Not all children have this “luxury”…
@Natalija
Warum müssen Kinder Nachhilfe-Unterricht haben für die Eintrittsprüfung ins Gymnasium? Das ist eine Ihrer Fragen.
Solcher Nachhilfeunterricht war zu meiner Zeit nicht nötig. Inzwischen ist das Niveau der Volksschule dermassen gesunken, dass die Kinder kaum mehr Lesen, Schreiben, Rechnen lernen. Also müssen sie es ausserhalb der Schule nachholen.
Recht haben Sie mit Ihrer Feststellung, dass nur vermögende Leute solchen Zusatzunterricht bezahlen können. Leider übersehen Sie, dass diese bessergestellte Elite meistens SP-Mitglieder und SP-Wähler sind. Diese verantwortungslosen linken Besserwisser machen unsere Schulen kaputt, aber ihre Kinder müssen nicht unter den Folgen leiden. Dass unsere Kinder für die sozialpolitischen Experimente der linken Elite den Kopf hinhalten müssen, das ist der eigentliche Skandal!
Sie behaupten, dass die vielen bildungsfernen Ausländerkinder hier sind, weil die Schweizer die einfachen handwerklichen Arbeiten nicht machen wollen – das ist ein linkes Vorurteil. Die Wahrheit ist, dass unser Sozialstaat für sehr viele schlecht ausgebildete Leute ganz einfach bequem ist. Der Hauptgrund ist der Familiennachzug, das Flüchtlingswesen u.a. Und insbesondere dürfen sehr viele Leute einfach so in der Schweiz bleiben, auch wenn sie ihre Arbeit aufgeben und von der Fürsorge leben. Nur noch ein Drittel der Einwanderer kommt zum Arbeiten hierher.
Eine sehr interessante Diskussion. In der Tat hat unser Schulsystem viel zu bieten. Noch gehen die besten Schüler eines Jahrgangs an die öffentliche Schule, nicht an private Institute wie im Ausland. Wenn jedoch die Mittelschicht beginnt, das Quartier zu verlassen, oder Geld zu sparen, damit ihre Tochter an eine private Sek gehen kann, haben wir es mit einer alarmierenden Situation zu tun.
Nicole Althaus fragt, wer die Schuld an dieser Entwicklung trägt. Dazu gab es schon viele Kommentare, welche zurecht darauf hinwiesen, dass nicht beliebig viele Migranten pro Jahr integriert werden können. Egal, ob sie aus bildungsfernen oder bildungsnahen Schichten kommen. Wenn nichts getan wird, zahlen reiche Eltern morgen nicht nur den Vorbereitungskurs fürs Gymi, sondern gleich die private Eliteschule.
Was also ist zu tun?
Erstens sollten die Medien – gerade auch der Tagesanzeiger – damit aufhören, das Problem der Migration kleinzureden und diejenigen, welche sich kritisch zu Wort melden, mit der Xenophobiekeule zu erschlagen. Je länger sie das tun, desto brauner wird die Reaktion aussehen.
Zweitens könnte die Tagespresse eine Serie starten, in welcher sie unser Schulsystem mit Selbstbewusstsein erklärt. Bildungsnahe Eltern, die aus dem Ausland zu uns ziehen, können nicht verstehen, dass es ihr Sohn nicht ans Gymnasium schafft. Wie auch? In ihrem Heimatland gehen vielleicht 7 von 10 Schülern ins Gymnasium (z.B. Frankreich). In der Schweiz ist der Zugang zur Matur und zur Hochschule vielfältiger geregelt.
Drittens müssen die Freunde von Schulreformen dringend zur Kenntnis nehmen, dass ihren Vorschlägen etwas Grundlegendes fehlt: Wer bildet die Primar-, Sek-, Gymileherer so aus, dass sie den gestellten Anforderungen genügen können? Die Lehrkräfte sind es nämlich, welche die Kleinarbeit machen, sie sind diejenigen, welche die sogenannte Individualisierung umsetzen müssen, welche die zahlreichen Teamsitzungen und Elterngespräche leisten müssen. Wer von den Theoretikern macht das mal schnell vor? Auch ich möchte, dass mein Kind seinen Fähigkeiten entsprechend gefördert wird. Das ist aber um einiges anspruchsvoller, als gemeinhin angenommen wird.
Schliesslich müssen wir dafür sorgen, dass diejenigen Kräfte in unserer Gesellschaft Respekt, Prestige und hohe Saläre erhalten, die es auch wirklich verdienen. Bis heute sind es die Stars der Film-, Sport- und Finanzindustrie…
Als ehemaliger Lehrer kann ich sagen: Privatschulen schiessen wie Pilze aus dem Boden und haben enormen Zulauf. Noch vor 15 Jahren hiess es in der Zürcher Agglomeration: “Wenn mein Kind die Sek. nicht schafft, dann geht es auf eine Privatschule!” – Heute heisst es: “Wenn Junior nicht ins Gymi kommt, dann Privatschule!” – Wie inflationär Bildung und Abschlüsse sind, lässt sich hier schön beobachten.
— Gibt es hier einen möglichen Kausalzusammenhang zur Integrationsproblematik? Die Antwort lautet JA. Wer den Sozialindex einer Gemeinde mit der jeweiligen Maturandenquote vergleicht, hat die Antwort.
Es sind natürlich nicht DIE Ausländer. Es sind nicht Deutsche Kinder in Küsnacht. Es sind soziale Probleme, die betroffene Schulen langsamer machen.
— Die Kantone reagieren und wollen “volle Integration”. Abgesehen von den Gymnasiasten (!) sollen auch in der Sek. alle zusammen im Klassenzimmer sein – bis zur Sonderschule. Die Folgen? Noch mehr Privatschulen? Woran / WorIN soll man sich denn noch integrieren? Hier sind definitiv andere Lösungen gefragt. Pragmatismus statt Idealismus.
@Urs: ich bin eine (vermeindliche?) Schweizerin, die täglich in der Schule mit Kindern aus Portugal, der Türkei und einer Vielzahl anderer Länder zu tun hat. Ich kann ihnen versichern, dass diese deutlich weniger Deutsch sprechen und verstehen als gleichaltrige Kinder aus der Schweiz oder Deutschland. Es kommt auch vor, das letztere ausgelacht werden, weil sie vermeindlich “komisch”, eben Deutsch, sprechen. Und ich kenne persönlich viele Ausländer, schätze sie auch, aber ich kenne keine Mittelstandsfamilie aus Portugal. Die Portugiesen der ersten Einwanderergeneration die ich kennen, haben teilweise die Schule selber nur kurz besucht und sind sehr, sehr bildungsfern. Sie werden als billige und tüchtige Arbeitskräfte auf dem Bau und in Hilfsberufen gesucht. Ebenso kenne ich keine Mittelstandsfamilie aus St. Domingo. Deren Fanilienvorstand besteht meist aus Müttern, die dem Sexgewerbe nahestehen und deutlich andere Vorstellungen von Erziehung und Schulbildung haben als die Schweizer Mittelstandsfamilie.
Wir haben ein Problem. Nicht überall, wo es Ausländer in der Schule gibt, aber in bestimmten Quartieren der grossen Städte schon.
Das ist ja spannend.
Zitat: “kann ihnen versichern, dass diese deutlich weniger Deutsch sprechen und verstehen als gleichaltrige Kinder aus der Schweiz oder Deutschland. Es kommt auch vor, das letztere ausgelacht werden, weil sie vermeindlich “komisch”, eben Deutsch, sprechen.” Zitat Ende.
Meine Tochter wurde und wird immer wieder von Schweizer Kindern ausgelacht, weil sie fast perfekt Hochdeutsch spricht. Einige haben sie sogar dermassen beschimpft, dass wir mit der Lehrerin und dem Betreuungspersonal des Tagesheims darüber sprechen mussten…
Also ich bin in der Schweiz aufgewachsen und konnte schon deutsch als ich in der 1.Klasse kam, in meiner Klasse befanden sich nicht so viele Ausländer, doch fast alle Schweizer waren sehr schlecht in der Schule obwohl wir Ausländer perfekt Deutsch konnten, In meinen Augen sind das nur faule Ausreden, wer den willen hat zu lernen, der wird lernen und zwar in der Schule, zu hause so wie ich das gemacht habe, mit Freude und heute interessieren sich die Jugendlichen nur für Alkohol, Kiffen, Ausgang usw, Das sind meiner Meinung die grösseren Probleme die die Schweiz hat.
Dem muss ich zustimmen. Die heutige Jugend ist teilweise wirklich nur noch fantasielos und macht nur noch Blödsinn der ihr gerade einfällt. Da ich in der Stadt Bern wohne kann ich das gut beurteilen. Die meisten Jugendlichen hängen an irgendwelchen Orten ab. Wie z.B. der Bushaltestelle und kiffen dort oder betrinken sich.
Ich war von der 1ten bis zur 5ten Klasse an einer Schule, welche einen hohen Ausländeranteil hatte (im Vergleich mit den Schulen in anderen Quartieren). In meiner Klasse hatten > 50% der Schüler einen Migrationshintergund. Ueber meine Schule wurde schlecht geredet, dort lerne man nicht viel ,und werde es schwierig haben in der Oberstufe. Ich habe heute einen Uniabschluss. Mir hats gefallen an dieser Schule, und ich habe bis heute nicht verstehen können, weshalb es Eltern gab, die Ihre Kinder aus falscher Vorsicht aus dieser Schule genommen haben.
Der latente und allgegenwärtige Rassismus hier ist zum Kotzen. Wer hat denn all die sog. “bildungsfremden” Einwanderer aus dem Balkan hierher geholt? Es waren doch Schweizer Unternehmer, Grosskonzerne wie KMU; die nur auf kurzfristigen Profit aus waren und möglichst billige Arbeitskräfte wollten. Der Baumeisterverband hatte in den 70er-Jahren eigene Anwerbungsbüros in Pristina und Skoplje. Jetzt beschweren sich die gleichen Kreise, die profitiert haben, lauthaus über die Folgen dieser falschen Immigrationspolitik. Eine Schande.
Zudem muss die Schweiz endlich lernen, mit anderen Kulturen umzugehen. Sie behauptet zwar stets, ein toleranter und multikultureller Kleinstaat zu sein, und sieht sich gern als Vorbild für andere Länder und geht im Ausland mit dem humanitären Mäntelchen des Roten Kreuzes hausieren. Spätestens seit Annahme der Antiminarett-Initiative ist jedoch klar, dass das nur Schein ist. Es gibt andere Länder, die viel multikultureller sind als die Schweiz, z.B. Malaysia. Da leben muslimische Malays, buddhistische Chinesen und hinduistische Inder weitgehend friedlich nebeneinander.
Und wenn die Schweizer Kinder in der Schule immer weniger lernen, muss man sich mal fragen, ob die heutigen Lehrer überhaupt noch was taugen… Immer höhere Löhne, aber kläglich überfordert.
So wenig es mir gefällt, wenn der Staat mehr macht als das nötig ist, denke ich dass die Schule definitiv etwas ist, was nicht in die Hände der Privatwirtschaft gehöhrt, etwa sowenig wie die nötigste soziale Absicherung.
Sie sollte dem Staat bzw. uns allen anvertraut sein.
Man wird wohl nicht darum herumkommen, dass man den Beruf des Lehrers… ach ja stimmt, heute muss man ja Lehrperson sagen, weil man sonst ein Sexist ist – durch intensive Investitionen interessant machen.
Ich denke, dass das Hauptproblem oder wenigsten sehr schwerwiegend.
Wir brauchen nicht ein paar angagierte ideealistische Leute an dieser Front, wir brauchen nahezu alle Lehr-personen-stellen besetzt mit solchen Leuten.
Obwohl ich meist gute Lehrpersonen hatte, habe ich in der 3. und 4. Klasse auch schlechte Erfahrungen gemacht.
Vor der ersteren Lehrperson hatte die gesammte Doppelklasse Angst, die sehr wahrscheinlich aus Überforderung der Lehrperson und deren Folgen enstanden ist.
Die zweite kann man einfach nur als sehr sehr schrullig bezeichnen, punkt.
Ich will nur sagen, dass 1. gute Lehrperson zu sein nicht einfach ist und 2. Lehrpersonen ohne Power nicht besonders gut für die Schüler sind.
Selbst in der Kantonsschule wo ich jetzt bin, gilt, dass Lehrperson nur wird, wer sonst nichts bekommt (oder sich wirklich berufen fühlt. Hatte eine solche mänliche Oberstufenlehrperson). Ich will mir nicht vorstellen wie es in den Unter-, Mittel- und Oberstufen aussieht.
Ich denke, dass es in der Schule wieder etwas zu holen geben sollte, dieser Beruf etwas Begehrtes sein sollte.
@Armando: “die Lehrperson” hat einen weiblichen Genus, daher ist das genauso verkehrt wie der Lehrer. Eigentlich müsste es ja das Lehrperson oder, von mir bevorzugt, Objekt mit hauptsächlich menschlichen Eigenschaften, die männlich oder weiblich oder etwas anderes sind, welches Objekte mit mensch [...] Wissen beibringt, heissen.
Soviel zu Sachen bei einfachen Namen nennen, was dann bei der subjektiven Identifizierung von Problemen zur subjektiven Identifizierung dessen als latenter und allgegenwärtiger Rassismus führen kann, über welchen dann von einigen gekotzt wird, was ebenfalls nicht der Norm des anständigen Benehmens entspricht.
Die Leute versuchen nur das Auszudrücken was sie denken.
Und ich denke genau Leute wie sie haben sich nicht sonderlich gegen die Grosskonzerne und KMU gesperrt.
Aber natürlich bin ich einverstanden, dass wir ein Problem haben, dass wir nun bewältigen müssen.
Ich bin ganz und gar nicht rassistisch. Es geht auch nicht darum, wer die Einwanderer geholt hat. Es geht in der Schuldiskussion darum, wie man den teilweise äusserst verschiedenen Anforderungen der Kinder so gerecht werden kann, dass jedes einen für das Kind angemessenen Schulabschluss machen kann. Wenn unmögliche Anforderungen an Lehrpersonen gestellt werden, wenn unter “Frühförderung” verstanden wird, dass die Kinder immer früher in immer grössere Kindergartenklassen und in die Tagesbetreuung geschickt werden, wo kaum jemand Zeit hat, auf ihre individuelle Situation einzugehen, dann basteln wir uns ein Problem. Es gibt eine gewaltige Schere zwischen den Möglichkeiten von Kindern aus verschiedenen Herkunftsfamilien! Das Verleugnen dieser Unterschiede bringt keine Lösung. Die Schule wird überladen, mit Aufgaben, welche nichts mehr mit ihren ursprünglichen Aufgaben zu tun hat. Kaum eine Lehrperson erreicht das Pensionsalter im Dienst – sie brennen vorher aus, weswegen die meisten sowieso nur noch Teilzeit arbeiten. Die Schulreformen werden von ideologisch geprägten Schreibtischtätern über die Köpfe der Betroffenen hinweg ausgeheckt. Das Ergebnis ist, dass die Kinder, obwohl sie ab einem Alter von vier Jahren auf Leistung getrimmt werden, immer weniger Leistung bringen wenn es später darauf ankommt. Betriebe können ein Lied davon singen, wie viele der Bewerber für eine Lehrstelle mangelnde Deutschkenntnisse haben! Auch Schweizer, übrigens. Das Ergebnis dieses Missstandes, welcher ständig ideologisch umzankt und umrankt wird, könnte uns in der Zukunft vermehrt beschäftigen.
In jedem der Beiträge zum Thema “Zweiklassenschule” steckt ein Kern Wahrheit oder realistische Einschätzung. Jedes Kind und jede Schule hat ihr eigenes Profil. Sowie ich nicht über z.B. “die” Frau allgemein sprechen kann, kann ich auch nicht über “die” Schule sprechen. Sobald ich verallgemeinernd über die Schule spreche, bleibe ich an der Oberfläche stecken.
Das grösste Problem an der heutigen Schule, sind aber schon die Schreibtischtäter (wie das “Lehrzeit” beschreibt) die in immer kürzeren Abständen Schulreformen über das ganze Bildungswesen stülpen und sämtliche beteiligten Menschen in diesem System zunehmend überfordern. Diese SP-nahen vor allem weiblichen Exponenten verfolgen sektiererisch und mit Scheuklappen am Kopf ihre vorgefassten Ziele und werden schon bald ungebremst in eine Mauer fahren.
Mir tun die Kinder, die Lehrer und am wenigsten die Eltern leid. Sind es doch sie, die immer mehr elterliche Aufgaben der Schule aufgebürdet haben. Mit der Einstellung “zuerst mein Kind” danach die Sintflut oder “je früher desto besser” (mit dieser Aussage kann man jedes neue Schulfach einführen), lässt sich keine gerechte Schule und für die Zukunft auch kein staatliches Fundament aufbauen.
Es ist auch eine Tatsache, dass die Schule, wie sie sich heute präsentiert, nicht vom Lehrkörper umorganisiert wurde.
Die Schule ist immer so gut wie die Menschen in ihrer Umgebung. Sie wird nie ein Fünfliber im Kuhfladen sein aber vielleicht irgendwo eine Linde auf einem begrünten Moränenhügel.
Wen die Schulqualität interessiert: http://www.schule-im-sinkflug.ch lesen.