Leben


Michèle Binswanger am Mittwoch den 26. August 2009

Die Faust des Kosmos

Dieser Blog-Eintrag ist für meine Freundin, die bald gebären muss und mich fragte, ob es wirklich so schlimm sei. Nun, nicht jede Geburt dauert 72 Stunden, ist eine Taxi-Sturzgeburt oder eine Plazenta-zieht-sich-nicht-zusammen-und-ich-wäre-fast-verblutet-Geburt. Leider aber, muss ich zugeben, sind auch konventionelle Geburten nichts für Weicheier.

Was mich bei meiner Schwangerschaft am meisten überraschte, war, wie ein positiver Urintest so viele negative Folgen haben kann. Womit ich nicht mal die Stützstrümpfe, das saure Aufstossen und die allgemeine Schlappheit meine, sondern die Myriaden von Gefahren, die Schwangeren plötzlich zu drohen scheinen und die mit allerlei Tests eingedämmt werden sollen. Ich kam mir vor wie der Einkaufswagen einer fröhlichen WG. Jeder darf etwas hineinwerfen. Kaufen Sie jetzt! Bezahlen Sie in neun Monaten! Und dann kam die schockierendste aller Fragen: «Wo wollen Sie gebären?» Gebären? Ist das nicht so eine Art Urban Legend? Dauert das nicht sowieso noch neun Monate? 40 Wochen? Andererseits hatte ich auch keine Lust, auf dem Schragen zu enden wie die Gebärende bei Monty Python, die den Muttermund auf und die Klappe zuzumachen hat, damit die Maschine mit dem «Ping» besser zur Geltung kommt. Nein danke, sagte ich mir und meldete mich in einem Geburtshaus an.

Die 40 Wochen erspare ich Ihnen. Nur so viel: Sie fühlten sich an wie eine Extended-Rückführung in eine frühere Existenz als Walross. Als der Geburtstermin näher rückte, gewannen gewisse Fragen an Dringlichkeit. Wie schlecht gemachte Untertitel legten sie sich über ganz alltägliche Tätigkeiten. Man fährt beispielsweise gerade seinen Bauch mit dem Velo spazieren, und da reihen sich auf der Strasse plötzlich Buchstaben zu Sätzen: Wie zum Teufel werd ich das schaffen? Sind all diese Menschen, die hier so arglos herumspazieren, tatsächlich einmal geboren worden? Wie sehr wird es schmerzen? Und vor allem: WAR DAS DA NICHT GERADE EINE WEHE?

Und dann kam er, der Tag aller Tage, der Geburtstermin. Ich war ganz der aufgeräumte Pfadfinder, hängte mein Ohr an meinen Uterus, um allfällige scheue Wehen in freier Wildbahn zu ertappen. Inzwischen ging die Sonne auf. Dann ging sie wieder unter. Geschehen war nichts. Der Tag war vorüber gezogen wie ein Schiff am Horizont und hatte mein verzweifeltes Winken ignoriert. Mein Kopf begann zu meutern. Weigerte sich, auch nur eine einzige Minute weiter auf diese blöden Wehen zu lauschen. Und der Körper eilte ihm zur Seite, trompetete seinerseits heraus, er sei des Wartens müde und werde erst mal keinen Schritt mehr tun, wenn es nun nicht endlich losgehe. Sagt er mir, der Verräter? Dabei ist doch alles seine Schuld.

Ein Tag über Termin. Sengende Sonne. Nichts zu trinken. Und die Crew im Generalstreik. Was kommt nach Tag eins? Leere. Ein vertrocknetes Tal. Aber dann stellte ich fest, dass es eine Weltverschwörung geben muss. Denn jenseits des Tages eins nach Termin kam – Achtung: Tag zwei. Zwei? Nie gehört. Ich hatte mich längst in mein Schicksal, immerwährende Schwangerschaft, gefügt. Und ich hiess mein neues Selbst willkommen, 20 Kilo schwerer, mit einer Neigung zu Wassereinlagerungen und unkontrollierbarer Flatulenz. Dann kam Tag drei. Es war der 11.9.2001, in New York wurden die Zwillingstürme wegrasiert. Vor Schreck überhörte ich den ersten kleinen Krampf in meinem Bauch. Und auch den zweiten, dritten, vierten. Alle weiteren Krämpfe der folgenden Stunden.

Irgendwann begann ich zu hecheln. Mein Mann verzichtete auf eine Befragung des Orakels von Delphi und packte die Geburt bei den Eiern. Er rief ein Taxi. Der Fahrer war Inder und beobachtete mich so furchtsam im Rückspiegel, dass ich so zu tun versuchte, als sei alles in bester Ordnung. In den Wehenpausen stellte ich mich tot. Und die Wehen beatmete ich, indem ich die Idioten verfluchte, die den Verkehr verstopften. Was den Fahrer nicht merklich besänftigte. «Bloss nicht im Taxi gebären!» betete ich während der ganzen Fahrt. Und wurde erhört. Im Geburtshaus zog man mich aus, hängte mich an den Wehenschreiber und hievte mich dann in die Wanne. Jetzt waren die Wehen stark. Als würde man gehäutet und dann einen Hang heruntergerollt. Aber das Gute dran: es gab Pausen. Sie reichten zwar nicht, um eine Zigarette zu rauchen, aber ich rauchte sowieso nicht mehr. Dafür liess ich mir von meinem Mann die Stirn tupfen.

Irgendwann sagte die Hebamme: pressen! Ich kannte das aus Filmen und hatte trotzdem keine Ahnung, was sie meinte. Aber das machte nichts. Denn im selben Moment stiess von oben die eiserne Faust des Kosmos durch meinen Schädel in den Uterus und presste. Ich schrie. Noch ein Mal, sagte die Hebamme, gleich ist es soweit. Bevor ich mich fragen konnte, warum meine Foltermagd mich freundlich wie ein Käsebrot anschaute, kam wieder die Faust. Und noch mal. Und noch mal. Und dann war es vorbei.

Ich dümpelte friedlich im Nirvana herum, als die Stimme meiner Peinigerin mich zurückholte. Gratuliere, es ist ein Mädchen, sagte sie und legte mir ein Bündel auf die Brust. Das Bündel hatte Augen. Und blickte mich argwöhnisch an. Ein Kind, wer hätte das gedacht? Mein Kind. Dies war der erste Tag meines neuen Lebens als Mutter. Ich habe ihn noch nie bereut.

37 Kommentare zu „Die Faust des Kosmos“

  1. alea sagt:

    faust des kosmos… genau. so. ich lache hier tränen bei der vorstellung. aber genau so war es. danke für die treffende formulierung!

  2. rena sagt:

    Sehr treffend beschrieben – kam mir irgendwie alles bekannt vor! Und trotzdem – ich mach’s wieder…

  3. tilleul sagt:

    lange nicht soooo gelacht. danke für diesen beitrag!

  4. Obelix sagt:

    Ich will hier unsere Geburten mal aus der Sicht des Vaters beschreiben. Vielleicht interessiert es ja jemanden.

    Kind 1: Eigentlich bin ich nicht sicher, ob ich eins will. Eine völlige Veränderung meines Lebens wird sich einstellen, meine Frau ist seit Monaten etwas anders, hab mir dies aber schlimmer vorgestellt. Ich weigere mich, irgendwelche Vorbereitungskurse mitzumachen oder mich sonstwie nerven zu lassen. Ein Buch lese ich – “Beim ersten Kind gibt’s tausend Fragen”. Humorvoll und locker, so wie ich die ganze Geschichte angehen will. Meine Liebe Frau hat zum Glück auch die Einstellung, dass das Gebären etwas ist, was die Frauen seit es Menschen gibt tun, also nur nicht zuviel Aufhebens damit. Kantonsspital-Gebärsaal besuchen, Ultraschallbilder bestaunen. Das ist es auch schon. Es ist 10 Tage vor Geburtstermin, wir haben Besuch,
    planen die nächste Woche, ein paar Abendessen und andere Termine. Plötzlich spürt meine Liebste gegen 23:00
    Uhr ein ziehen im Bauch. Ein Anruf beim Spital, “wir sollten doch mal vorbeikommen”. Aber das kann es ja
    noch nicht sein, weil 10 Tage fehlen. Ohne Gepäck fahren wir ins Spital. “Sie sollten besser hier bleiben,
    das Baby kommt”. Ich laufe aus dem Spital auf den Parklatz um das Gepäck zu holen, als es mich erwischt.
    Ich breche beim Auto fast zusammen, so stark ist das Glücksgefühl. Liebe und Dankbarkeit, dass ich Vater
    werden darf. Vier Stunden später ist unsere Tochter da. Ich liebe sie seit über 11 Jahren noch genauso wie
    an diesem Abend.

    Kind 2: Zwei Jahre später. Ich weiss worauf ich mich einlasse. Meine Frau tut mir Leid, Krampfadern und
    Stützstrümpfe im Sommer. Die Älteste Tochter ist schon voll dabei, alle freuen wir uns auf das
    Geschwisterchen. Nach den Erfahrungen vom ersten Kind bereitet sich meine liebe Frau entsprechend vor:
    Einlauf und Dammschnitt, damit nicht wieder so ein Blutbad resultiert. Die Diskussion über die
    Badewannengeburt erübrigt sich diesmal, es hat sich für alle Beteiligten bewährt. Wir wissen, was wir tun. Obwohl wir uns auf alle Eventualitäten vorbereiten, geht alles ziemlich reibungslos. Unsere kleine Sonnenblume kommt pünktlich auf den Termin. Die Rekonvaleszenz meiner Frau ist diesmal etwas länger, die körperliche Belastung mit zwei Kindern ist schon höher, dafür kann sie sich schon auf Kontakte mit anderen Frauen konzentrieren, die sie im Spital kennenlernt. Sie geniesst die paar Tage Ruhe. Eines Abends rufe ich meine Frau wieder an und meine Älteste verlangt sie ans Telefon: Die Zweijährige sagt “Mama, hast du Victoria noch? Bitte gib sie nicht weg!” Die zwei Mädchen sind heute immer noch die besten Freundinnen, trotz ihrer völlig unterschiedlicher Charaktere.

    Kind 3: Endlich ein Sohn. Nach sieben Jahren. Das wird unser letztes Kind. Er lässt sich aber verflixt
    lange Zeit, über eine Woche nach dem Termin. Zwei sinnlose Besuche im Spital. Dann beim dritten Versuch
    sagt meine Frau: “Jetzt ist es hundertprozentig soweit. Wir legen die Älteren um 21:00 schlafen, fahren
    gemütlich los. In der Einfahrt kommt uns eine Nachbarin entgegen. Ich kurble das Fenster runter und brülle:
    “Kannst du eventuell nach unseren Mädchen schauen? Wir fahren schnell gebären!”. Meine Frau schmunzelt:
    “Was heisst schnell gebären?” Ich bleibe cool. Zwei Stunden später bin ich wieder zu Hause, damit ich noch
    schlafen kann, um die Mädchen am Morgen zu informieren, dass ihr Brüderchen da ist. Meine Frau meinte, sie
    will sich ein wenig ausruhen, ich solle doch fahren.

  5. Papa sagt:

    *gg* Genau.

    Obwohl – mein Traum mit Polizeieskorte und Blaulicht zur Notaufnahme geleitet zu werden, hat sich nur teilweise erfüllt. Die Grenzwache, die uns morgens um vier kontrollieren wollte, machte jedenfalls keine Anstalten, uns den Weg zu bahnen… ;-) ))

  6. Kathi sagt:

    Danke für diesen ehrlichen Beitrag. Als Nicht-Mutter und Nicht-Schwanger ist meine Skepsis zum Kinderkriegen nochmal ins Unermessliche gewachsen. Auf die Faust des Kosmos kann ich nämlich durchaus verzichten. :) Trotzdem Danke für den guten Beitrag.

  7. Sonja sagt:

    ich hoffe doch, dass die Kolumnistin das ihrer Freundin nicht genau so beschrieben hat. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass Mütter den Kinderlosen und Schwangeren eben NICHT erzählen, wie verdammt schmerzhaft es ist, ein Kind zu bekommen..

  8. Bettina sagt:

    hach, da werd ich gleich nostalgisch :) das interessante ist ja, das man sich nach diesem trip ein paar monate später doch schon wieder gedanken über ein zweites macht…

  9. Jo Mooth sagt:

    “Verdammt schmerzhaft.” Erneut wundert man sich ja, wie sich so viele das noch antun wollen. Wozu? Um dann auch noch die ganze tolle Freiheit aufzugeben? Ich würds wohl bereuen.

  10. Jennifer sagt:

    Sorry, aber es gibt auch die Möglichkeit eines Kaiserschnitts. Ok, ich weiss, ich werde mit dieser Aussage wohl wieder geharrnischte Reaktionen von Mütter herausfordern… ist mir egal. Aufgrund der Erzählungen von Freundinnen hatte ich echt keine Lust auf eine sog. spontane / natürliche Geburt.

  11. Monika Diethelm-Knoepfel sagt:

    Ich habe drei Kinder, die ich alle spontan gebären konnte. Klar, es tut weh, aber es gibt ja auch Möglichkeiten der Schmerzbekämpfung und frau kann mit dem Ausprobieren von verschiedenen Positionen und mit richtigem Atmen und Entspannen in den Wehenpausen auch einiges machen, dass die Geburt weniger weh tut. Ich hätte keinen Kaiserschnitt gewollt, ausser er wäre medizinisch nötig gewesen. Immerhin ist es eine Bauchoperation mit den dazugehörigen Risiken, die möchte ich nicht ohne Notwendigkeit eingehen. Eine gute Geburtsvorbereitung kann ich sehr empfehlen, das hat mir sehr geholfen.

  12. elena sagt:

    Bei Obelix ist ‘Kind 3, endlich ein Sohn’, die Erleichterung über diesen Umstand strömt förmlich aus den Zeilen; und ich hoffe, den beiden ‘leider kein Sohn’ Kindern vorab bleibt diese Lektüre erspart. Wenigstens muss Frau Obelix nicht weiterhin ’schnell’ gebären, das sei ihr gegönnt.
    Ich habe drei Mal zu Hause geboren; die Angst, dass ich zu spät sein könnte für die Geburten meiner Kinder wegen Strassenverkehrsproblemen hatte ich daher nicht. Mich hat auch niemand ausgezogen oder an Geräte gehängt – wow, mir scheint, braucht irgendwie krass Mut so eine Geburt in fremden Häusern, den hätt ich nicht aufgebracht.

  13. alea sagt:

    @kathi:
    das tolle ist, meist vergisst frau… die schmerzen spielen irgendwie keine rolle mehr. deshalb kann frau das nochmal und nochmal und nochmal von vorn, denk ich…

  14. heidi reiff sagt:

    Meine erste Geburt dauerte 12 Stunde war echt schmerzhaft, so mein empfinden war mein Rücken wird mit einem Beil zerschlagen, ich mache deshalb nach wie vor mein Sohn nicht zum Sündenbock, da die Geburt lange dauerte, wurde ich auf ein Wägelchen verfrachtet zum Röntgen, diese sog. Geburtshelfer haben mich verspottet und teuflisch gelacht, ist alles noch präsent in meinem inneren Photoapparat, mein Sohn hat autistische Züge und wird betreut von liebevollen Menschen, er kann sich durch verbale Sprache nicht ausdrücken bin froh schafft er es mit Mimik, wenn er kein Essen mehr will teilt er es mit mit Gestik, vor längerer Zeit habe ich ihn besucht mit meiner Tochter und meinen Grosskindern, plötzlich kam spontan seine Mitteilung nach seiner Art, er verabschiedete sich mit Händedruck für mich kam das so rüber, lasst mich jetzt in Ruhe, ich akzeptiere das voll und ganz und spiele jetzt nicht die beleidigte Leberwurst, bin froh,¨dass sîch mein Sohn so mitteilen kann.

  15. Dana sagt:

    Danke für den grossartigen Beitrag! Auch Dir, Obelix herzlichen Dank! Die etwas humorlose Kritik zu ‘endlich ein Sohn’ würde ich einfach überlesen…

  16. suha sagt:

    Super Beitrag, eiserne Faust des Kosmas – haha, genau!
    Ich war meiner Kollegin im Nachhinein auch sehr dankbar, dass sie mir einfach sagte: “Es tut im Fall verdammt weh!” Sonst hätte ich bei der ersten Geburt mit dem ganzen “sanfte Geburt – mit Wellen und Wogen oder sogar Orgasmus – Gerede” noch gedacht irgendwas stimmt nicht mit mir und ich müsse sicher sterben bei den Schmerzen.

  17. Tina sagt:

    Super Beitrag! Die “Faust des Kosmos” ist sehr treffend und war für mich das Schönste an der Geburt. Du hast keine Wahl mehr. Da muss einem niemand mehr sagen, dass man pressen soll. Es passiert einfach. Erst hatte ich einen Kaiserschnitt und bin sehr froh, dass ich das zweite Kind normal geboren habe. Die Schmerzen sind bei einem normalen Verlauf auszuhalten. Die Narbe des Kaiserschnitts ist auch nicht ohne! Echt keine Option wenn man die Wahl hat!

  18. Gabriela sagt:

    Nach dem das erste Kind ein Notkaiserschnitt ohne Wehen oder sonst was war, war ich beim zweiten wirklich dankbar, dass es eine normale Geburt wurde. Ich hatte tatsächlich lange Zeit daran zu knabbern, dass ich den Start ins Leben meines Kindes verpasst hatte. Jetzt noch schwanger und das nächste mal die Augen auf und frau ist Mutter…
    Eigentlich hatte ich ja auch nicht mehr daran geglaubt, dass das Kind noch zur Welt kommt und ein wirklich deftiges Nachtessen gemacht bevor die ersten Wehen kamen, hat sich dann unter der Geburt kurz mal gerächt…
    Die Eröffnungswehen fand ich nicht wirklich tragisch. War zwar kurz unangenehm aber es gab immer wieder Pausen.
    Die Übergangswehen waren allerdings heftig und vorallem eine nach der andern, ohne Pause, war die eine am abklingen, kam bereits die nächste. Was war ich sauer in diesem Moment! Dieser elendige Mistkörper hätte mir verd… nochmal wenigstens eine kurze Pause gönnen können, einfach so wie wir es im Vorbereitungskurs gelernt haben. Ausserdem war ich müde und hatte genug, ich wollte schlafen und dann am nächsten Tag das Kind weiter gebären. Aber aus purer Bosheit der Natur ging das nicht, ich war dem Körper ausgeliefert und konnte ihn nur machen lassen. Rational war ich in diesem Moment nicht mehr.
    Eigentlich wollte ich ja eine Wassergeburt, statdessen bin ich Runde um Runde um die Geburtswanne glaufen und habe dazu vor Wut geschrieen wenn mich eine Wehe mal wieder zu sehr geschmerzt hat.
    Dafür waren im Vergleich dazu die folgenden Presswehen wie ein Spaziergang im Park, ich fand die nicht weiter tragisch, waren ja auch das Zeichen, dass es bald vorbei ist.
    Das arme Kind kam nach drei Stunden im Geburtshaus mit einem verschobenen Gesicht und einer sehr schrägen und platt gedrückten Nase zur Welt. Die Kräfte die bei einer Geburt auf so ein Kind wirken müssen wirklich enorm sein!
    Ich war froh, dass ich beim zweiten Kind erleben konnte was für eine Urgewalt die Geburt ist. Nichts das ich mir jetzt als Hobby aussuchen würde, aber dennoch ein beeindruckendes Erlebniss das ich nicht missen möchte.
    Und noch was, eine Geburt kann man sich noch so detailiert ausmalen und planen, es kommt anders und man weiss erst wenn man mitten drinn ist wie man das Kind gebären will.

  19. Bettina sagt:

    Das unglaublichste an der Geburt ist eigentlich, wie schnell man den Schmerz wieder vergisst. Sonst gäbe es garantiert nur Einzelkinder :-) . Es ist die Hölle, aber am Ende erhält man die wunderbarste und unfassbarste Belohnung, die man sich vorstellen kann.
    Danke an Obelix für den Einblick in die männliche Gefühlswelt – ich zweifle keinen Augenblick, dass Du auf Deine beiden Prinzessinnen nicht mindestens so stolz bist wie auf den Stammhalter.

  20. Saba sagt:

    Meine Mutter ist bei jedem ihrer vier Kinder fast verblutet – trotzdem hat sie nie etwas anderes gesagt als: Sobald das Kind da ist, in dieser Sekunde, ist jeder Schmerz vergessen, einfach weg und verschwunden.
    Und so muss es – bei ihr – wohl gewesen sein, sonst wär sie kaum immer wieder so schnell zur weiteren Produktion zurückgekehrt… ;) Ich hab aber auch total anderes gehört, die Mutter meines Ex- Freundes hat ihre Geburt so beschrieben: Horror und Schmerzen ohne Ende, als er endlich da war hat sie nur gedacht – niemals mehr wieder, das war die Hölle auf Erden. Und von wegen Schmerzen vergessen – sie erinnere sich noch heute daran!
    Oder wenn man dann solche Schauermärchen a la Dammriss hört und so… Da hat man schon n gewissen Schiss. Oder man sagt ja auch, dass der Kopf des Kindes im Verhältnis zur Vagina sozusagen der Vorstellung entspreche “eine Wassermelone durch eine Zitrone” – keine Ahnung obs tatsächlich stimmt, ich werds vermutlich (vielleicht?) eines Tages noch selbst erfahren..

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