Leben


Nicole Althaus am Dienstag den 17. März 2009

Männer in der Krise

Hat der Mann als Versorger ausgedient? Aus den Kommentaren zum gestrigen Blogeintrag «Mutter motzt» zu schliessen, klammert er sich zumindest nicht an seine angestammte Rolle. Leser «Papa»  etwa würde mit der Frau sofort tauschen:

«Ihr Frauen seid 8 Stunden  pro Tag daheim. Mit ein bisschen Glück, schläft der kleine Knirps 3 Stunden tagsüber. Ihr seit immer bei den Kinder, könnt eine tolle Beziehung aufbauen.»

und  M. Zufferey  schreibt:

«Dass die ‹starke Schulter› in der Eiswüste des globalisierten Arbeitsmarktes manchmal zur Belastung werden kann, käme niemandem in den Sinn. Es wird langsam Zeit, dass sich gewisse Frauen an der Nase nehmen: Der Mann als Täter (aber immer noch Vollzeiternährer) hat langsam ausgedient. (…)»

Nun, die Rezession könnte diesen Prozess beschleunigen: In Amerika, wo die Krise bisher am stärksten zugeschlagen hat, sind die Frauen erstmals in der Geschichte des Landes drauf und dran, die Männer zahlenmässig auf dem arg geschrumpften Arbeitsmarkt zu überholen. Die «New York Times» rechnete das kürzlich vor: Im Februar hielten die Frauen 49,1 Prozent aller Jobs der Nation. Heute  Morgen halten sie vielleicht bereits die Mehrheit. Denn der momentane Stellenabbau in Banken, Versicherungen, der Industrie und auf dem Bau trifft vor allem das starke Geschlecht. Frauen arbeiten in prestigeärmeren aber krisenresistenteren Branchen, in der Schule, in Spitälern, in Pflegeheimen. Und immer öfter bringen sie die  Hamburger für die Familie nach Hause.

Nicht nur in den USA ist die Rezession als Emanzipator ein Thema. Die «Zeit» stellt in einem Artikel mit dem Titel «Prekäre Arbeitsverhältnisse» fest, dass «Männer inzwischen vermehrt auch von unsicheren Arbeitsverhältnissen betroffen sind.» Und fragt: «Kann der Wandel der Erwerbsarbeit zu einem Wandel der Rollenbilder führen?»

Der Wandel kommt, wenn er denn kommt,  zwar aus den falschen Gründen, aber was die Folgen angeht, halte ich mich ganz an Mamuschka :

«Geschrumpfte Wollpullover, deftige Menüs und zweifelhafte Entscheide in Sachen Kinder-Styling sind erträgliche Risiken…..»

9 Kommentare zu „Männer in der Krise“

  1. M. Zufferey sagt:

    Das ist schon eher eine sinnvolle Zukunftsperspektive: Wenn die Krise unfreiwillig zum “Emanzipator” wird, ist allen gedient- und Alice Schwarzer ist endlich ihren Job los! Die Wirklichkeit ersetzt die Ideologie- wer hätte das gedacht? Gut, ganz so euphemistisch blicke ich nicht in die Zukunft. Aber optimistischer auf jeden Fall.

  2. S.C. sagt:

    @M. Zufferey: Leider wissen wir aus der Geschichte, dass solche soziale Verschiebungen zugunsten der Frauen sich oft genug wieder umkehren, sobald die Wirtschaft sich erholt hat und der Arbeitsmarkt wieder attraktiver ist… Und: Frauen verdienen noch immer im Schnit 30% weniger als Männer, die krisenresistenteren (Frauen) Jobs sind nicht die wirkich gut bezahlten.

    @Nicole Althaus: Weiter so, diese Theman müssen wirklich diskutiert werden. Danke!

  3. Aldo sagt:

    Dieses Thema scheint nicht der Brüller zu sein, trotzdem noch eine Anmerkung dazu:
    Es ist einfach auch stark davon abhängig, welchen Beruf der Mann und die Frau erlernt haben resp. ausüben.
    Es gibt vor allem bei den eher “weiblichen” Berufen wie z.B. Bäcker, Service, Coiffeur, etc. kaum eine Chance auf ein familientragendes Einkommen, dies gilt sowohl für Frauen wie für Männer in den entsprechenden Berufen.

    Somit muss man je nach dem den pragmatischen Weg gehen und denjenigen zur Arbeit schicken, welcher mehr Kohle nach Hause trägt. In unseren Breitengraden ist das meistens immer noch der Mann, warum auch immer.

    Allerdings wachsen wir als Kinder ja auch in diesem Selbstverständnis auf. Das die Mutter die Kohle nach Hause bringt und der Vater zu den Kindern und dem Haushalt schaut ist doch auch bei uns immer noch die grosse Ausnahme.

    Bei uns stimmen aber auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht um das in irgend einer Weise zu fördern, oder wie viele Wochen Vaterschaftsurlaub gibt’s bei uns?

    Wir Männer sind definitiv in der Krise, weil man es heutzutage ja niemandem mehr Recht machen kann. Je nach Blickwinkel ist man entweder ein Macho oder ein Weichei und weder das eine noch das andere genügt.
    Da wir aber im Mama-Blog sind, ist das ja eigentlich der falsche Ort um das zu diskutieren ;-)

    Interessant wäre aus Frauen Sicht zu wissen, was den einen “guten” Mann ausmacht, abgesehen von den üblichen pauschalen Klischees…

  4. M. Zufferey sagt:

    @ S.C.: “Leider wissen wir aus der Geschichte, dass solche soziale Verschiebungen zugunsten der Frauen sich oft genug wieder umkehren, sobald die Wirtschaft sich erholt hat und der Arbeitsmarkt wieder attraktiver ist…”

    >Ich wüsste kenne jetzt keinen historischen Vergleich, der sich da so auf die Schnelle heranziehen liesse! Könnten Sie mir vieleicht einen Tip geben?

    “Und: Frauen verdienen noch immer im Schnit 30% weniger als Männer, die krisenresistenteren (Frauen) Jobs sind nicht die wirkich gut bezahlten.”

    >Ich weiss zwar nicht woher Sie diese Zahl haben- aber offiziell sind es jetzt gut vierhundert Prozent weniger. Die Differenz (auch in der öffentlichen Wahrnehmung) wollen wir jetzt mal nicht als alt-feministische Ideologieprämie bezeichnen ;-)

  5. Cornelia Schmidheiny sagt:

    @M.Zufferey
    Der Tip zur Geschichte: Während des 2. Weltkrieges haben viele Frauen der Not gehorchend und wohl auch aus Patriotismus in männlichen Berufen gearbeitet, um die Wirtschaft am Laufen zu halten. Nach dem Krieg durften/mussten sie wieder an den Herd zurück.
    Zum 2. Zitat und ihrem Kommentar: Es ist eigentlich irrelevant, wieviel Prozent die Frauen weniger verdienen. Es ist eine Tatsache, dass Frauen nach wie vor weniger verdienen. Es wird wohl noch lange dauren bisman(n) diesen Missstand beheben wird.
    Ich weiss nicht, ob ihr sehr intellektueller Schreibstil viele Lesende dazu animiert, sich an der Diskussion zu beteiligen.

  6. S.C. sagt:

    @M. Zufferey
    Also, zum zeiten Punkt; Die Website des equal pay day Kommittees redet offizeill von 19% Lohndifferenz in der Schweiz (www.equalpayday.ch) – die Dunkelziffer dürfte (bei all den schwarz arbeitenden Putzfrauen) wesentlich höher sein…

    Zum ersten Punkt: Da fallen mir schon interessante Vergleiche ein, auch wenn es wirtschaftlich nicht ganz dieselben Situationen waren:
    Z.B. die letze grosse Auswanderungswelle Ende des 19.Jh.- auch in der Schweiz; das Geld reichte oftmals nur für eine Überfahrt nach Amerika, also gingen die Männer und liessen ihre Frauen zurück in kleinen und unrentablen Bauernbetrieben. Diese wurden dann aber später wieder zum Teil von den rückkehrenden Männern oder z.T. von den erwachsen gewordenen Söhnen übernommen.

    Oder das oft zitierte Beispiel der Frauen, die während dem 2. Weltkrieg in Deutschland die Stellen der (an der Front) abwesenden Männer übernommen hatten. Sie mussten nach 1945 diese dann wieder räumen, als die Männer wieder da waren. Gesellschaftlich verändert hat sich langfristig dadurch nichts, weil es wohl doch noch ideologische Verschiebungen braucht und die scheinen mir in wirtschaftlch prekären Zeiten eher unwahrscheilich.
    Oder was denken Sie?

  7. M. Zufferey sagt:

    Was die Lohndifferenz anbelangt, liegen das Bewusstsein der Öffentlichkeit und die zur Zeit vom Bundesamt für Statistik (Büro Bass) sowie vom Amt für Statistik des Kantons Zürich ermittelte Differenz unter Berücksichtigung versch. Faktoren um mehr als 200 Prozent auseinander- wohlgemerkt: Beide Statistiken sind jeweils zu unterschiedlichen Daten veröffentlicht worden.

    >Mich stört lediglich Die Differenz im Bewusstsein der Öffentlichkeit. Folglich bleibe ich auch bei meiner alt-feministischen Ideologieprämie. Als Lösungsansatz halte ich rechtsstaatliche Mittel nach Jahrzehnten des Kampfes um gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit für angebracht- ausser man möchte noch die nächsten Jahrzehnte für genau ds Gleiche weiterkämpfen.

    Da ein Krieg im allgemeinen eher die Ausnahme im Zivilisationsprozess darstellt, lassen sich daraus nur sehr bedingt Schlüsse daraus ziehen- umgekehrt könnte man ja auch mit der Gefallenen- bzw. der Kriegsinvalidenzahl argumentieren.

    Was meine Intellektualität anbelangt: Ich lasse mich gerne eines besseren Denkstiles belehren- einzige Voraussetzung: Die Argumente müssen stimmen. Alles andere halte ich für pure Ideologie- und somit für völlig wertlos.

  8. M. Zufferey sagt:

    Unter rechtsstaatlichen Mitteln verstehe ich übrigens empfindliche Bussen für Arbeitgeber, die Frauen für die gleiche Tätigkeit schlechter bezahlen, als Männer, für unabdingbar. Man diese sehr merkwürdigen Figuren auch von staatlichen Aufträgen ausschliessen- oder den Zugang zu für diese Unternehmen wichtigen Märkten erschweren.

    Der bisherige Kampf um gleiche Löhne für gleiche Arbeit für Männer und Frauen (da muss genau definiert werden, was unter “gleich” verstanden wird) hat ja bisher ausgesprochen wenig gebracht- aus welchen unerfindlichen Gründen auch immer. Vor drei Jahrzehnten war man noch bei ca. 25 Prozent- jetzt ist man bei weniger als der Hälfte- was notabene immer noch eindeutig zuviel ist.

    Ich kenne übrigens auch Betriebe, in denen Männer für genau die gleiche Arbeit unterschiedlich bezahlt wurden- die Differenz betrug z. T. über 10 Prozent! Der springende Punkt waren die Lohnverhandlungen im Bewerbungsgespräch, wie sich dann später herausgestellt hat. Danach wurden die Löhne allgemein homogenisiert. Ich spreche da aus eigener Erfahrung. Vieleicht sollte man diesen Aspekt auch einmal berücksichtigen- er dürfte einen ganz ergeblichen Einflussauf die Löhne haben: Wer frech ist, kriegt auch mehr- nur so als Denkanstoss…

  9. M. Zufferey sagt:

    Schreibfehler passieren bei mir immer unter 8 Punkten, sorry ;-)

Kommentieren

Verbleibende Anzahl Zeichen:

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.