Kann ein Babybauch Frauen süchtig machen? Offenbar. Seit der amerikanische Nachrichtensender Fox letzte Woche ein Special über die Octomom Nadya Suleman ausstrahlte, macht ein neues Schlagwort die Runde: «Bumpaholic», übersetzt: Schwangerschaftsjunkie. Kreiert wurde es vom Frauenmagazin Women’s Health, das in der aktuellen Ausgabe die neuste gefährliche Droge entdeckt haben will: den Babybauch.
«Bumpaholics lassen sich aus ähnlichen Gründen immer wieder von neuem schwängern, wie Süchtige zum Alkohol oder zu anderen Drogen greifen», beschreibt Autorin Martha Brockenbrough das Krankheitsbild: Babys gäben Frauen eine klare Identität, sie fungierten als sozialer Puffer und erleichterten an Partys oder auf dem Spielplatz die Kontaktaufnahme mit den Mitmenschen. Ausserdem erlaube der wachsende Babybauch der Schwangeren mit jedem Monat mehr Platz einzunehmen, sie könne immer weniger ignoriert werden. Das Streicheln des Bauches führe zu einem High. Endlich geniesse sie die Aufmerksamkeit von Mann, Familie, Bekannten und Fremden, das mache gerade unsichere Frauen süchtig. Selbstverständlich hat die Autorin Fachleute gesucht, die diese These stützen und hat sie auch gefunden.
Familientherapeutin Dr. Bonnie Eaker Weil glaubt, dass Bumpaholics sich fortpflanzten, um ihre innere Leere zu füllen. Und Dr. Shari Lusskin, ihres Zeichens immerhin Direktorin der Reproduktionspsychologie am berühmten Medical Center der New York Universität lässt sich so zitieren: «Schwangerschaftssucht hat viele Gesichter. Man findet sie überall, unter Frauen, die sich aus religiösen Gründen eine grosse Familie zulegen, aber auch in Schichten, die sich viele Kinder leisten wollen – aus persönlichen oder pathologischen Gründen.»
Natürlich, heisst es im Artikel, lassen sich nicht alle Frauen von der Droge Babybauch verführen. Rationale Frauen realisierten, dass Kinder teuer sind und zeitaufwändig und limitierten ihre Brut deshalb auf ein oder zwei Babys. Mit anderen Worten: Jede Frau, die gern eine Familie hat, welche das ein-Junge-ein-Mädchen-Ideal übersteigt, hat den Verstand einer Fruchtfliege.
Nun ist es ja tatsächlich alles andere als vernüftig, sich als alleinerziehende Mutter von sechs Kleinkindern, nochmals zwei handvoll befruchtete Eier einpflanzen zu lassen. Und Octomom Suleman hat sicher ein paar Probleme, die sie mit einem Psychiater besprechen sollte. Aber deshalb gleich jede Mutter, die sich eine grosse Familie wünscht, als willen- und gedankenlosen Suchthaufen abzustempeln, zeugt auch nicht gerade von einem Übermass an Verstand.
Bleibt die Frage: Wieviele Kinder sind zuviel?


Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und erwartet ihr erstes eigenes Kind.
Jeanette Kuster ist Redaktorin bei einem Fachmagazin, freie Journalistin und Mutter eines zweijährigen Mädchens. Vor der Geburt ihrer Tochter war sie bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Jeanette Kuster lebt mit ihrer Familie in Zürich.
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Irgendwie kann ich es nachvollziehen, dass manche Frauen süchtig nach Schwangerschaften sind…. ich habe 3 Kinder und beim Letzten hatte ich nach der Geburt so was wie Verlustängste, keine Ahnung woher die kamen, als einzige Antwort vielleicht, weil ich wusste, dass dies die letzte Schwangerschaft sei wird. Wenn es “nur” nach Schwangerschaften gienge, wäre ich wohl viel mehr und länger schwanger gewesen…., aber die Kinder werden grösser und brauchen einem auch im Teenageralter noch, wenn nicht sogar mehr! Daher sollte man wirklich überlegen, ob man die Situation bewältigen würde, hätte man Teenager und Kleinkinder zu hause, welche alle auf einer anderen Ebene etwas von dem Eltern brauchen.
Wir haben 6 Kinder, von 17- 7 Monate. Gerade diese “anderen” Ebenen ermöglichen es, jedem Kind das zu geben, was es braucht. Wenn es “Orgelpfeifen” wären, wäre das schwieriger, weil alle das Gleiche benötigen oder wollen. So holen sich die Kleinsten am Tag, was sie möchten, während die Großen ihre eigene Freizeitgestaltung haben (Hobbys, Freunde…) und die Großen holen sich, was sie brauchen von uns und möchten, wenn die Kleinsten am Abend im Bett sind und die Freunde und Hobbys beendet sind. Oft ist es in einer Großfamilie aber auch so, dass die Großen mit den Kleinen etwas unternehmen…
…gegessen wird immer zusammen, wir reden viel miteinander und lachen noch mehr:-) Ich erlebe eigentlich immer wieder, dass Familien mit 1 oder 2 Kindern weitaus überforderter sind, als wir mit 6 oder dass Familien mit 1 oder 2 Kindern immer im Stress sind. Das ist natürlich nicht die Regel, aber es ist auch nicht die Regel, dass Großfamilien die Ebenen nicht schaffen:-)
Ich und mein Mann haben uns persoenlich fuer viele Kinder entschieden.. Ich finde es einfach schoen eine grosse Familie zu haben, wir haben 5 Kinder das kleinste ist 16 Monate alt und ich bin wieder schwanger..und da wir nicht verhueten und ich anscheinend sehr fruchtbar bin passiert es einfach.. Wir freuen uns ueber jedes weitere Kind das kommt… Solange ich noch schwanger werden kann , hoeren wir auch nicht auf…ausserdem bin ich gerne schwanger
@Tanja Darkin: Da haben wir es: “Sie sind gerne schwanger” ist dies nicht genau das Thema dieses Artikels? Geht es nicht darum das Frauen süchtig werden können? Wann werden Sie mit der Verhütung beginnen? Wenn Sie Privatinsolvenz anmelden müssen? Aber solange Sie noch wissen wann welches Ihrer Kinder Geburtstag hat ist ja alles in Ordnung…
“Jede Frau, die gern eine Familie hat, welche das ein-Junge-ein-Mädchen-Ideal übersteigt, hat den Verstand einer Fruchtfliege.”
Umgekehrt: Jede Frau die sich weniger als vier Kinder wünscht hat den Verstand einer Fruchtfliege? Oder seit wann dürfen Fruchtfliegen Wissenschaft studieren? http://www.tagesanzeiger.ch/leben/gesellschaft/Das-Leben-pur/story/24602318
“Nun ist es ja tatsächlich alles andere als vernüftig, sich als alleinerziehende Mutter von sechs Kleinkindern, nochmals zwei handvoll befruchtete Eier einpflanzen zu lassen.” Ausnahmsweise stimme ich in diesem Punkt zu.
“Bleibt die Frage: Wieviele Kinder sind zuviel?”
Kein Mensch ist zuviel. Unser Ego ist heute zu gross.
danke
Glücklich sind diejenigen, deren Schwangerschaft etwas “schönes” ist.
Leider gibt es genug der Frauen, die 9 Monate Schwangerschaft “überleben” müssen.
Die haben sicher kein Suchtpotenzial…
Es ist völlig egal, wieviele Kinder eine Familie zeugt, solang sie die volle Verantwortung dafür trägt.
Wenn der Staat die Brut aber nachher stützen und durchfüttern muss, oder wenn die Gesellschaft vor Fehrerzogenen geschützt werden muss, ist schon ein Nachkomme zuviel!
Die Mengenfrage ist also von der sozialen, emotionalen und finanziellen sowie idealistischen Kompetenz der Eltern abhängig!
Meine Lebenspartnerin und ich, beide Mittzwanziger, sind uns darin einig, die Familienplanung noch ein paar Jahre nach hinten zu verschieben. Schliesslich möchte ich zuerst mein Studium beenden und danach eine gewisse finanzielle Absicherung aufbauen (sie ist ausgebildet, sieht das aber eher als Notstütze). Wir sind beide der Meinung, dass uns maximal zwei Kinder reichen.