
«Man erkennt sie am gehetzten Fahrstil und am Kindersitz auf der Rückbank», sagt die Polizei.

Bekanntlich nennt der Volksmund diese SUV-Giganten auch «Hausfrauen-Panzer».
Wer kennt sie nicht, die SUV-Taxi-Fraktion, die allmorgendlich den Nachwuchs in die Schule karrt, um gleich danach beim Coop oder in der Garage der Migros zu parkieren und zwar so, dass auf dem Nachbarsparkfeld knapp eine Vespa Platz hat. Sie ist besonders verbreitet in den Agglogemeinden um den Zürichsee. Und zwar, wie mir aufgefallen ist, obwohl ich es nicht belegen kann, an der Gold- wie an der Pfnüselküste. Gehäuft an Wohnorten mit einer Starbucks-Filiale. Auch dafür habe ich keine Beweise. Aber das passt so schön zum Vorurteil, oder? Und schliesslich habe ich beobachtet, gerade heute wieder, dass Fahrer dieser krankenwagengrossen Gefährte nicht nur Mühe haben, Parkplatzfelder korrekt zu erkennen, sondern auch kleine Kinder. Sind sie also schuld, dass der Schulweg unserer Töchter und Söhne immer weniger sicher ist?
Natürlich nicht. Eine solche Verallgemeinerung einer subjektiven Beobachtung ist gefährlich. Und etwa so tendenziös, wie die Aussage der Zürcher Polizei auf tagesanzeiger.ch letzte Woche: Wer am wenigsten auf Schulkinder im Strassenverkehr achte, konnte man da lesen, sei zwar statistisch nicht belegt. Die Erfahrungen der Verkehrsinstruktoren zeigten aber, dass es oftmals gerade Mütter seien, die schlecht aufpassten. Achtung, jetzt kommt das schlagende Argument: «Man erkennt sie am gehetzten Fahrstil und am Kindersitz auf der Rückbank», lässt sich Instruktor Marcel Abplanalp über Autofahrerinnen mit Nachwuchs aus. Weniger Probleme, ist er überzeugt, gebe es in der Regel mit dem Berufsverkehr und Junglenkern.
Man muss keine Feministin sein, um hinter dieses Argument ein grosses fettes Fragezeichen zu setzten. Erstens gibt es auch Männer, die mit Kindersitzen auf der Rückbank am Strassenverkehr teilnehmen. Zweitens zahlen Frauen, und zu dieser Gattung zählen, so weit mir bekannt ist, auch die Mütter, wohl kaum weniger Prämie für ihre Autoversicherung, weil sie mit ihrem gehetzten Fahrstil lebensgefährlich sind für Kindergärtler und ABC-Schützen. Und drittens, das nun ist im Gegensatz zu Abplanalps Aussage statistisch erwiesen, sieht man einfach generell viel weniger Männer und Jungfahrer in Autos rund um die Schule. Weil in der Regel die Frauen den Fahrdienst übernehmen und schnell mal den vergessenen Badesack vorbeibringen, oder ein krank gewordenes Kind abholen. Weil gottlob nicht alle Berufshauptverkehrsachsen am Schulhaus vorbeiführen. Wer ums Schulhaus nicht gesehen wird, kann der Polizei auch nicht auffallen. Das allein macht ihn allerdings noch nicht zum umsichtigeren Fahrer.
Aufrufe zur Vorsicht an die Verkehrsteilnehmer sind absolut in Ordnung. Pauschale Schuldzuweisungen an die Mütter aber genau so daneben wie solche an Fahrer gewisser Automodelle oder Kennzeichen. Weil sie zur falschen Diskussion führen. Es geht schliesslich nicht darum, wer besser Auto fährt. Es geht darum, Kinder auf ihrem Schulweg zu schützen. Oder habe ich die Polizei falsch verstanden?


Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und erwartet ihr erstes eigenes Kind.
Jeanette Kuster ist Redaktorin bei einem Fachmagazin, freie Journalistin und Mutter eines zweijährigen Mädchens. Vor der Geburt ihrer Tochter war sie bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Jeanette Kuster lebt mit ihrer Familie in Zürich.
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Meistens fahren Frauen vorsichtiger als Männer. Schminken und frisieren sich trotz Grünlicht vor der Ampel, fahren auf der Autobahn wie die alten Leute ab 60 auf der linken Spur, obschon rechts weit und breit kein Auto ist, fahren ohne Rücksicht in den Kreisel und von der Einfahrt in die Autobahn usw
daumen hoch.