Männer und Mode – da herrscht selten heisse Liebe. Und haben Männer erst mal eine solche gefunden und werden womöglich gar Vater, bricht modisch allzu oft der nukleare Winter aus. Mit dem Junggesellentum verabschieden viele Männer jegliches Stilempfinden und regredieren zu modischen Kopffüsslern. Natürlich gibt es Schlimmeres im Leben – aber nachdem sich gestern der SVPler René Kuhn bemüssigt fühlte, die Schweizer Frauen zu rügen, schmettere ich ihm hier meinen Weckruf an die Papas entgegen. Wer Stil zeigen will, muss mehr tun, als bloss Kleidungsstücke vom Boden aufzuheben und reinzusteigen. Fragen Sie sich morgens vor dem Spiegel: Möchte ich in diesem Outfit Beyoncé begegnen? Wenn Sie die Antwort darauf Nein ist, sollten Sie sich umziehen. Zur Hilfe hier ein paar modische Richtlinien für Papas:
1. Der Schmerbauch. Viele Männer legen sich, sind sie erst mal warm und gemütlich in geregelte Familienstrukturen eingebetettet, einen Schmerbauch zu. Nun steht eine Gewichtsneurose Männern zwar fast noch weniger als ein Bauch, trotzdem müssen Sie sich ja nicht gleich in Helmut Kohl verwandeln, nur weil ihre Frau gut kocht. Wenn ihre Kinder, Nichten und Neffen plötzlich nur noch Mount Everest spielen wollen, mit ihnen in der Rolle des Berges, dann sollten Sie das Sixpack aus dem Kühlschrank schmeissen und sich dran erinnern, dass irgendwo unter ihrem Everest ein Sixpack auf sein Comeback wartet.
2. Mom-Jeans. Es gibt einen Grund, warum Männer keine Taille haben: damit sie nicht auf die Idee kommen, Mom-Jeans zu tragen. Denn was bei Müttern unvorteilhaft wirkt, steht Vätern erst recht nicht. Ebenso sollten Sie die Finger lassen von zu engen Hosen, Rüebli- und Acid-Stone-Washed-Jeans (sie sind seit den Achtzigerjahren nicht modischer geworden), gemusterten Hosen und Kurzhosen. Und verzichten Sie auch darauf, Natels an Ihren Gürtel zu heften und ihre Hosentaschen allzu voll zu stopfen. Beulen in den Hosen mag Frau nur an einer Stelle.
3. Schuhwerk. Zugegeben, viele Männerfüsse sind ein wüstes Eiland, unbeleckt von jeglicher Zivilisation. Wer dennoch in Sandalen wandeln möchte, sollte sich die Nägel schneiden oder zur Pedicüre gehen. Niemals aber sollte man Socken in Sandalen anziehen. Dieser Stil ist mit Jesus gestorben. Aber im Gegensatz zu ihm nie auferstanden.
4. Hemden. Wenn Sie depressiv, drogensüchtig, verrückt und genial sind und zudem Grunge erfunden haben, dann, aber nur dann, dürfen Sie Flanellhemden mit Holzfällerkaro tragen. Trifft das alles nicht auf Sie zu, investieren Sie ihren letzten Funken Hoffnung in neue Hemden – am besten nicht solche aus Jeansstoff, denn das sind die zweitschlimmsten. Wer Hemden trägt, sollte sich auch Gedanken über seinen Ausschnitt machen. Stürzt der wie ein Basejumper im freien Fall auf ihren Bauch runter, ist es Zeit, ein paar Knöpfe zu schliessen.
5. T-Shirts. Hier können Sie nicht viel falsch machen. Aber stopfen Sie sie nicht in die Hose – auch T-Shirts galoppieren gern in Freiheit und mögen keine engen Hosenbünde – es sei denn, sie sind SVP-Politiker und heissen René Kuhn, dann ist sowieso Hopfen und Malz verloren. Bei Signalfarben sollten Sie vorsichtig sein, und verzichten sie auch hier lieber auf auffällige Label-Drucke wie D&G, wenn Sie sich nicht zum Idioten machen wollen. Auch «witzige» Aufschriften wie: «Bier formte diesen wundervollen Körper» gehören grundsätzlich auf keinen Körper. Auch keinen wohlgeformten.
Lesen Sie dazu auch: Mütter aller Modesünden.


Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und ist Mutter einer Tochter. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich und ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
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Ich versteh immer noch nicht, warum Sandalen mit Socken verpönt sind. Wollen sich Modeopfer lieber ohne Socken an den Füssen verletzen und verbluten? Was an den beiden Mom-Jeans(welche übrigens keine sind)-Fotos schlimm sein sollte, begreifen auch nur männerhassende Frauen. Der Flanellhemden-Look stammt übrigens von richtig männlichen Baumfällern und nicht von Versagern, also dürfen Männer diese Hemden sehr wohl tragen. Und für den 70er Jahre-Pornodarsteller-Look ist Brust zeigen pflicht. Beyoncé geht mir ausserdem am Hintern vorbei.
Gemäss diesem Artikel dürften Männer gar keine Kleider tragen oder auch im Sommer nur im geschniegelten, schweiss-verursachenden Businesslook auftauchen.
Und wieder so eine Stelllungnahme einer gefrusteten Emanze. Die Autorin sollte sich mal selber anschauen.
…klar muss ein Schmerbauch nicht die ganze Zeit praesentiert werden, aber was das mit Modesuende zu tun hat ?….no idea. Und im Bezug auf karrierte Hemden und der gleichen, liebe Autorin, bitte nicht so kleinkariert sein, und mal etwas die grossen Staedte und Kulturen in Bezug auf “Mode” ankucken gehen. Wuerde Ihnen und dem naechstebn Artikel sicher nichts schaden. Klar sind grosse Grosse Dolce und Gabana prints und dergleichen ebenfalls haesslich und out, aber ich Drucke mir gerne selber Shirts, mit Text sogar; …auf meinem naechsten Expemplar wird stehen ” (Thank God) I am a (not) a fashion victim “…
Es war übrigens nicht Jesus, der Sandalen mit Socken trug. Das waren die ach so männlichen römischen Legionäre…um in der Zeit zu bleiben.
Sich als Reklamesäule für Brooklyn ablichten lassen ist weder fantasievoll noch elegant
@Wartenberg: den hundersten Kommentar zu meinem Bild hier zu deponieren ist auch nicht sehr originell.
Wer von Modesünden spricht ist selber nicht frei. Ich liebe die Freiheit zu tragen worin ich mich wohl fühle. Was scheren mich die Anderen? Wenn sie in mir nur die Kleider betrachten, sind sie wohl nicht meine Freunde.
Ich bin beeindruckt. Weniger vom Blog, als von den schreibenden Lesern! 10 Tage nach Erscheinen hält mann sich noch immer darüber auf, was M.B. als Modesünde bezeichnet!
Dass sie für den denselben Artikel einmal als Tussi und einmal als Emanze bezeichnet wird, finde ich recht amüsant.
Aber wer für sich in Anspruch nimmt, den absoluten Massstab des guten Geschmacks zu kennen, muss damit rechnen, dass sich der eine oder andere auf den Schlips – oder die besockte Sandale… – getreten fühlt.
Ich erinnere mich an den DRS3-Musikredaktor, der ein Buch schrieb über den guten Musikgeschmack. Als er mir bei einer Lesung sein Buch signierte, wollte er wissen, was denn meine grösste Jugendsünde in Sachen CD-Kauf ewesen sei. Ganz leise, damit es keiner hört, murmelte ich “die Pet Shop Boys”. Was er dann überhaupt nicht nachvollziehen konnte, anscheinend hielt er die immer noch für hörenswert…!
Da beschloss ich mich, ein bisschen weniger auf die zu hören, die meinen, sie wüssten, was schön, gut, cool oder sexy ist. Dafür ein bisschen mehr auf mich selbst.
öhhh,ich als MAnn muss sagen dass sie doch recht hat.@Bernd,,,es gibt sehr wohl stilvolle, gepflegte Kleidung welche auch noch bequem ist, glauben Sie’s mir
Man(n) muss dabei auch nicht ein Modegockel (Victim gemäss Trevor), die Kunst liegt darin seinen eigenen STile welcher zu einem passt zu finden. Mehr nicht. Stil hat nichts mit dem heute sooft benutzten Style zu tun
Was soll den an kurzen Hosen schlecht sein? Insgesamt fehlen mir die Begründungen für ihre Behauptungen, oder sind das womöglich alles subjektive Empfindungen, um die man sich nicht zu kümmern braucht?
Ich lese immer wieder gerne den Mamma Blog… kanns mir allerdings nicht verkneifen zu fragen ob gewisse Themen deshalb aufgegriffen werden um den Geschlechterkampf in den Kommentaren anzuheizen… Kommentare sind ja fuer den Autor/ die Autorin wie Trophaen ! Das waere allerdings Schade und am Sinn dieses Blogs verbeigelebt… Es kann wirklich jeder tragen was er will ! Damit hat sich dieses Thema auch beendet.
Ich ( 54, m ) verbringe vor dem Ausgang mindestens eine Stunde vor dem Spiegel, um alle möglichen Kombinationen auszuprobrieren, eben weil ich ja nicht peinlich aussehen möchte..Das ist sehr frustrierend und zeitraubend. Statt immer nur diese arrogant-süffisanten Verrisse hätte ich eher eine paar Tips erwartet, was mann denn nun eigentlich tragen könnte. Ihr selbsternannten Stilexperten, seid doch auch etwas konstruktiv hier ! Zeigt uns, wie mann es besser machen könnte.
Präzisierung zu meinem vorigen Kommentar:
Frau Binswanger, zeigen Sie uns nun eine Bildstrecke mit Durchschnitts-Männern, die Ihrem Stil-Empfinden nach gut gekleidet sind.
@Reznan: Vor allem sollte man das nicht allzu ernst nehmen. Letztlich ist alles nur eine Frage der Einstellung. Mit genug Selbstbewusstsein kann man alles tragen und ist dennoch attraktiv.
@ Frau Binswanger
Dachte nicht, dass Sie sich dem “Blog-Diktat” beugen und Ihr Bild auswechseln! Ich hätte es aus Prinzip gelassen..
Ich bin ja mal auf die Kommentare gespannt..
@Michèle Binswanger
1. Der Schmerbauch.
Meine Frau sagt, ein Mann über 40 ohne Bauch ist ein Krüppel – Ich merke, wenn mein Gewicht unter 100Kg fällt, fühle ich mich krank.
2. Mom-Jeans. “…Und verzichten Sie auch darauf, Natels an Ihren Gürtel zu heften und ihre Hosentaschen…”
Ja soll ich denn ein Handtäschchen mit mir tragen, um Natel, Zigaretten, Feuerzeug, Schlüsselbund, USB-Stick, Portemonaie etc. zu verstauen?
3. Schuhwerk. “…Niemals aber sollte man Socken in Sandalen anziehen.”
Uii… Da haben Sie mich aber voll erwischt!
4. Hemden. “…Wenn Sie depressiv, drogensüchtig, verrückt und genial sind…/ /…dürfen Sie Flanellhemden mit Holzfällerkaro tragen.”
Wenn das Hemd weniger als CHF 20.– kostet, kann’s von mir aus aussehen und gemustert sein wie’s will, bin aber weder drogensüchtig noch depressiv.
5. T-Shirts. “Hier können Sie nicht viel falsch machen. Aber stopfen Sie sie nicht in die Hose…”
Na Gott sei dank! Da kann ich Sie beruhigen… ich stopf es tatsächlich nicht in die Hose.
Darf ich nun trotzdem weiter Papa sein?
ich habe schon bei “Mamas Modesünden” meinen Senf dazugegeben und will mich nicht wiederholen
und wie Frau Binswanger schreibt “Vor allem sollte man das nicht allzu ernst nehmen”
Ich werde weiterhin meine T-Shirts in die Hosen stopfen. Und warum? Weil ich sonst bei meiner schlanken Figur das Gefühl habe lotterig auszusehen.
Und was noch viiiel wichtiger ist: ich werde mein T-Shirt mit der Aufschrift “Non sono un uomo di spettacolo, ma uno spettacolo di uomo” weiterhin mit Stolz tragen
Was sind MOM-Jeans? Bin ich von gestern? Habe das Wort ehrlich noch nie gehört.
Wegen meiner Flanellhemden bekomme ich regelmässig die schärfste Anmache. Aber auf den Fotos oben im Blog sehe ich keine Flanellhemden. Die beiden Hemden sind zwar kariert aber eben nicht aus Flanell. Flanell tragen, das können nur richtige MÄNNER, die sich bei schlechtem Wetter nach draussen wagen. Den Warmduschern und Sesselfurzern ist so etwas zu warm.
Frage mich schon, wieviel Frau Binswanger von Textilien weiss.
@max
Ich trage auch Flanellhemden, wenn ich draussen Holz hacke, bin ich jetzt ein “richtiger Mann” deswegen?
Keine Ahnung, hacken Sie wirklich Holz? In dem Fall müsste ich Sie jedenfalls nicht zur schwächlichen Sorte von blassen Menschen zählen, die sich bei Frau Binswanger Moderatschläge holen müsste.
Mein Einwurf bezog sich eher auf Frau Binswangers Liste von Männer-Modesünden. Sie weiss so scheint es nicht, was Flanell ist und wenn sie es weiss hat sie bisher nur schwächliche Bubi mit Flanell gesehen.
Sünden beziehen sich ja immer auf die Gesetze einer Religion. Möchte mal gern wissen, wie denn die 10 Gebote der Frau Binswanger aussehen und welchem Mode-Gott sie huldigt. Muss irgend eine kleine obskure Sekte sein, die dem Durchschnittsleser am A.. vorbeigeht. Einfach Schade um den Platz in der Zeitung und Schade um den Namen, dem sonst in dieser Zeitung ein so guter Ruf anhaftet.
Zum Glück darf man noch lachen! Es ist ganz klar, dass dieser Artikel nicht ernst zu nehmen ist,und nur Männer empört darauf reagieren. Und ein Körnchen Wahrheit ist halt schon dabei.Doch soll sich niemand kritisiert fühlen, ein Wink mit dem Zaunpfahl kann nicht schaden und tut niemandem wirklich weh.