Wir Männer sind etwas von der Rolle

Ein Papablog von Jürg Wiler*

A man cycles with his son near the Little Big tent on the second day of Electric Picnic music festival at Stradbally Hall in County Laois

Väter legen sich heute neben dem Vollzeitjob auch in der Kinderbetreuung voll ins Zeug. Aber irgendwann müssen auch sie auf die Bremse treten. Vater mit Kind an einem Festival in Grossbritannien. Foto: Reuters

Wir Männer sind gern die Herren der Lage. Nur: Die Realität sieht oft anders aus, denn der Anforderungskatalog an uns ist in den vergangenen Jahren gewachsen. Bei der Arbeit wird immer mehr Einsatz verlangt, obwohl die Belohnung immer unsicherer wird. Das alte Männerbild verlangt, leistungsstark, erfolgreich und konkurrenzfähig zu sein. Zu den traditionellen Anforderungen sind etliche neue gekommen: Wir sollten zu Hause ebenbürtige Partner und aktive Väter sein, alltagsnah, engagiert und präsent in der Kindererziehung, zudem leidenschaftliche Liebespartner. Auf der Strecke bleibt oftmals die Zeit für Reflexion, für Freunde und all das, was sich unter dem vielversprechenden Wort «Leben» zusammenfassen lässt.

Wenn Männer eine Familie haben, wählen viele die harte Tour. Sie legen sich neben ihrem Vollzeitjob auch bei der Kinderbetreuung voll ins Zeug. So leisten Väter laut Statistik 68,2 Stunden pro Woche bezahlte und unbezahlte Arbeit (Mütter 66,9 Stunden). Die Schweizer Durchschnittsfamilie lebt nach dem klassischen Ernährermodell: Die Männer fühlen sich für die finanzielle Sicherheit verantwortlich. Allzu viele wollen ihren Vollzeitalltag mit der Familienarbeit vereinbaren, sind aber überfordert damit. Das ging auch mir so. Nach der Geburt unseres zweiten Kindes habe ich so viel malocht wie nie zuvor. Irgendwann trat ich auf die Bremse, hinterfragte meine Wertmassstäbe: Was ist mir wirklich wichtig?

Das Resultat: Während neun Jahren teilte ich die Verantwortung für die Erwerbsarbeit und die Kinderbetreuung etwa zur Hälfte mit meiner Partnerin. Natürlich war der Weg, den Schreibtisch teilzeitlich gegen den Wickeltisch einzutauschen, nicht frei von Stolpersteinen. Zum Beispiel, mich regelmässig mit appetitanregenden Breilis und unappetitlichen Windeln auseinandersetzen zu müssen statt mit meinem gewohnten Berufsalltag. Oder mich jeden Tag auf die überraschenden Emotionen meiner beiden Kinder und damit auch auf mein Gefühlskarussell einzulassen statt auf den kalkulierbaren Umgang mit meinen Arbeitskollegen. Und so weiter.

Männer sind oft stärker auf äussere Anerkennung fixiert. Daher haben viele unter obigen Vorzeichen Mühe, Beruf und Familie unter einen Hut zu packen. Geschweige denn Druck in dieser Sache bei ihren Chefs zu machen. Denn Druck haben sie bereits mehr als genug. Es ist anstrengend, neben dem Wohl der Firma auch noch das Wohl der Familie im Kopf zu haben. Nur: Zu oft höre ich von abwesenden Ernährern, sie hätten schlicht ihre Kinder verpasst.

Ich bin felsenfest überzeugt: Der Spagat lohnt sich allemal. Denn als Teilzeitmann konnte ich miterleben und gar aktiv mitbestimmen, wie sich zwei «Babywürmer» zu denkenden, sprechenden und gehenden Menschen entwickelt haben. Auch jetzt, wo die beiden Teenager sind, fühle ich mich ganz nah dran an ihrem Leben und als vollwertige Bezugsperson. Dass das Fundament der Beziehung mit meiner Partnerin gehalten hat, wirkt dabei unterstützend.

Mein Teilzeitleben ist zwar nicht einfacher geworden, aber durch die zweite Rolle als Familienmann vielseitiger, ganzheitlicher und selbstbestimmter. Das schafft eine hohe Befriedigung und Erholung aus Distanz – auch zugunsten des Berufs. Für mich und meine Doppelrolle gilt daher auch in Zukunft: Roll on!

papablogger 150x150*Jürg Wiler (53) leitet die Kampagne «Der Teilzeitmann» Schweiz. Er ist Co-Autor des neuen Buches «Der Teilzeitmann – Flexibel zwischen Beruf und Familie», das im Zytglogge-Verlag erschienen ist. Als Männercoach führt er zwei Männergruppen in Zürich.

245 Kommentare zu «Wir Männer sind etwas von der Rolle»

  • Thomas Glanz sagt:

    Läck mir – so viele „First World Problems“. Was mach ich nur falsch? Ich zieh mich zurück und bin einfach zufrieden.

  • fabian sagt:

    „Wir Männer sind etwas von der Rolle“
    Nö.
    Gemeint ist wohl: die Väter sind etwas von der Rolle.

  • P.S. sagt:

    Was muss ich also aus diesem Beitrag und der Kommentare schliessen?
    1. Sobald Mutterschaftsurlaub durch ist, geht Mutter wieder Arbeiten, aber subito!
    2. Ich reduziere mein Pensum auf mindestens den Wert der Mutter, idealerweise etwas weniger. Wenn ich mehr verdiene kann ich das sogar ohne meine Pflichten zu vernachlässigen. Somit könnte ich dann die Kinder im Falle einer Scheidung fuer mich beanspruchen.
    3. Bei allen anderen Konzepten bin ich darauf angewiesen, dass mein Menschenverständnis von Anfang an perfekt ist. Ansonsten werde ich in die Pfanne gehauen. Aber da wäre ich ja selbst schuld

    • P.S. sagt:

      Ich verstehe nicht, warum Wiederspenstige und heutige Feministinnen nicht sehen, dass das was sie fordern (Mehr Rechte für Frauen, mehr (gesellschaftliche) Pflichten für Männer), schlussendlich dazu führt dass der emanzipierte (evolvierte) Mann (eins oder mehrere davon):
      – die Aufzucht von Nachwuchs komplett auslagert (schwängern in ONS)
      – komplett berechnend wird und eine Beziehung nur noch eingeht wenn er komplett sicher ist (was nie der Fall sein wird).
      – sich versucht von Anfang an abzusichern, mit negativen Konsequenzen für die Frau.

      • Widerspenstige sagt:

        Der emanzipierte Mann, wie ihn feministische Kreise seit über 40 Jahren wünschen, stellt sich nicht als Opfer dar genau sowenig, wie es emanzipierte Frauen tun (sollten). Das Täter/Opfer-Denken gehört definitiv in die Verbrechensaufklärungsgilde wie Polizei, Gerichte. Ihre Aussagen P.S. kreisen mir zu sehr über ‚wo-kann-ich-nur-gewinnen‘ im Gegensatz zu meinen u anderen hier wie zB mila oder Franz Vontobel. Es geht um Partnerschaften AUF AUGENHÖHE, welche ausgewogene reife Kompromisse zulassen OHNE ein Gericht beiziehen zu müssen. Sie haben leider das Wesentliche nicht nachvollziehen können.

      • Widerspenstige sagt:

        Und wir fordern nicht ‚mehr Rechte für Frauen‘, sondern gleichWERTige Rechte wie sie Männer schon immer hatten. Das ist ein wesentlicher Unterschied in der Interpretationsfreiheit. Und im Gegenzug gleichWERTige Pflichten für Männer. Wo ein Manko bisher war (Arbeitsteilung Zuhause und ausser Haus) zwischen Partnerschaften, soll Ausgleich mit gleichWERTigen Rechten u Pflichten die Stütze sein. Damit dies in absehbarer Zukunft auch in Helvetien gelingen kann, finden rege Diskussionen in sämtlichen Medien statt. Zuerst muss ein Umdenken stattfinden wie es andere Länder bereits vollzogen haben.

      • P.S. sagt:

        @Wiederspenstige:
        „stellt sich nicht als Opfer dar genau sowenig, wie es emanzipierte Frauen tun (sollten)“ und weiter unten: „Und wir fordern nicht ‘mehr Rechte für Frauen’, sondern gleichWERTige Rechte wie sie Männer schon immer hatten.“
        Damit stellen sie sich (sie als Frau und Sie = die Frauen generell) doch aber genau permanent als Opfer dar. Sie fordern. Das heisst jemand schliesst sie aus, aktiv. Das heisst diejenigen sind die Täter. Ergo sind Sie, oder die Frauen nicht emanzipiert?
        Es geht mir nicht „wo-kann-ich-nur-Gewinnen“, aber wenn man Männern für falsche Entscheide jegliche

      • P.S. sagt:

        @Wiederspenstige
        Konsequenzen – auch solche die man im Guten Glauben verdrängt (Mann wie Frau) – mit einem „selbst Schuld“ abtut. Das ist schlicht Menschen verachtend. Es ist zynisch, einer Frau zu sagen, wenn dein Mann mit einer anderen ins Bett geht, bist Du selbst schuld, hättest halt (als beispiel) auf deine Linie achten sollen. Genau so ist es zynisch von einem Mann zu fordern, dass er in die Zukunft blicken kann und sehen kann, dass seine zukünftige Frau ihn einmal des Kindesmissbrauchs anzeigen wird, damit sie einen besseren Stand in der Scheidung hat. Mit Aussagen wie die von Vontobel

      • P.S. sagt:

        @Wiederspenstige
        „@semmelweiss:
        – sie haben die Frau geheiratet, von der sie sich jetzt ausgenommen fühlen.“
        Vontobel den sie ja als positive Beispiele bringen.

        Was mich stört ist, dass sie jegliches darauf hindeuten dass Männern unrecht geschieht als „Opfer darstellen“ diffamieren. Das ist falsch. Nur wenn ein Problem erkannt, und akzeptiert wird, wird auch etwas dagegen getan. Sich in einer Partnerschaft auf Augenhöhe zu begegnen schliesst die Akzeptanz von Problemen des Geschlechtes der Gegenseite nicht aus. Und auch nicht die Mithilfe beim Beseitigen.

      • P.S. sagt:

        @Wiederspenstige
        „sondern gleichWERTige Rechte wie sie Männer schon immer hatten“.
        Welche Rechte hatten denn die Männer schon immer?
        Zu Wählen? Zu regieren? Zuhause zu bleiben und versorgt zu werden? Nicht vor Gericht erscheinen zu müssen?
        Sehen sie denn nicht dass die meisten Rechte die sie hier ansprechen traditionell von sehr wenigen Männern gehalten wurden? Und dass das Familienmodell Er arbeitet und Sie bleibt zuhause eine Erfindung der letzten 200 Jahre ist, und 99% der Menschen die vorher gelebt haben nicht so funktioniert haben?

    • P.S. sagt:

      Und:
      Wenn ich in meinem Bekanntenkreis schaue, da haben die weniger gebildeten noch Kinder. Aber jeder (!) einigermassen gebildete Schweizer will keine Kinder mehr. Und wenn man fragt warum, dann wird klar, dass sie sich vor den finanziellen und persönlichen Katastrophen schützen wollen. Zu diesem Phänomen gibt es Studien, die das belegen. Das wird dann wiederum dem Mann negativ ausgelegt. Männer hätten Angst Beziehungen einzugehen und wollten keine Verantwortung tragen.
      Nö, Männer sind nur nicht mehr so doof die Katze im Sack zu kaufen, va weils mittlerweile eher ein Tiger ist, im Sack.

      • Widerspenstige sagt:

        Ein wirklich gebildeter Mensch, ob Mann oder Frau, wird sich solche Fragen gar nicht stellen, P.S. Er wird sein Leben so gestalten und sich so verhalten, wie es für ein partnerschaftliches Miteinander auf längere Sicht tragbar und angenehm ist. Weniger gebildet heisst nicht automatisch dumm, sondern kann Herzensbildung über schulischer Bildung stehen. Ich wäre sehr vorsichtig mit solchen platten Aussagen hier im MB. Er heisst zwar etwas vereinfacht Mama-/Papablog, aber es hat hier einige sehr differenziert diskutierende Menschen, die lösungsorientiert sich eingeben. Ein sehr wertvoller Blog!

      • P.S. sagt:

        @Wiederspenstige
        „Weniger gebildet heisst nicht automatisch dumm, sondern kann Herzensbildung über schulischer Bildung stehen.“ Welch eine Unterstellung. Zur Erklärung: Gebildete haben später Kinder, und haben mehr Erfahrung zur Zeit wo sie Kinder haben wollen und denken dadurch eher mehr über Konsequenzen ihres Handelns nach. Das hat nichts mit Dummheit zu tun.
        Und: Was wenn genau das, ein partnerschaftliches Miteinander für eine Seite längerfristig nicht mehr tragbar ist? Dann würden wir sehen dass diese Seite sich nicht mehr bindet. Was genau das ist, was wir heute mehr und mehr sehen

  • Pedro sagt:

    Ich finde diese Diskussion interessant, aber es tut mir wirklich leid, wie viele Ex bluten müssen. Dazu passt der Satz eines geschiedenen nahen Bekannten, dessen Frau sich ein neues Auto besorgte. Er meinte: „ach, habe gerade auf dem Parkplatz gesehen, dass ich meiner Ex wohl ein neues Auto gekauft habe“.
    Bin selber nicht in dieser Lebenssituation, danke dafür, und ich „bewundere“ oder eher „bestaune“, wie manche Papis mit dem ganzen Druck (Kinder, Hypothek, Arbeit usw.) umgehen können, ohne auszubrennen.

  • Katharina sagt:

    Mila, so sehr ich Deinen Gedankengängen folgen kann, muss ich aber auch sagen, dass es ein wesentlicher Unterschied ist, ob ein Paar sich kinderlos trennt oder eben mit Kindern. Schaffen sie es mit Kindern nicht, eine ‚erwachsene‘ von der Vernunft gesteuerte Lösung gemeinsam zu finden, dann endet es bei den Gerichten und denen bleibt nicht viel mehr übrig als das Salomonische Urteil, bei dem das Kind buchstäblich zerrissen wird.

    • Katharina sagt:

      So sehr ich den Verlauf hier etwas als kindisches Gezänk empfinde, ganz im Sinn des Titels ‚etwas von der Rolle‘, so sehr muss ich zugestehen, dass vieles hier geschriebene Ausdruck von Schmerz ist. Nur stehen die betreffenden nicht dazu. Wenn Kinder da sind, ändert dies eine Partnerschaft fundamental. Dazu gehört, dass die Verantwortung für dieses neue Menschenleben und dass die Eltern die Gärtner dieses neuen Zweiges im Gewebeteppich der Menschheit sind, in seiner künstlerischen Kreativität etwas wundervolles ist,

    • Katharina sagt:

      aber auch, dass wir Eltern als nun ältere Generation dem Tod etwas näher gerückt sind. Den Stein am Wegesrand, aus dem wir geworden sind und mal wieder werden, siehst Du plötzlich mit anderen Augen. Besonders wenn das kleine einen besonders glitzernden mit seiner Urfreude am Entdecken Dir zeigen will.

    • Katharina sagt:

      Bricht das auseinander, weil das Paar sich auseinandergewachsen hat, statt zusammen (die Allegorie des zweistämmigen Rosenbaumes), so kann der physische Schmerz des Auseinanderbeinelns Ratio überschwemmen, ungeachtet dessen, wie tief die Beziehung und Liebe einmal war. Daraus entstehen dann, in der tragischen Eigendynamik des Scheidungsgerichtswesens, Situationen, die Jahre später hoffentlich Reue über das angerichtete einkehren lassen.

    • Katharina sagt:

      Auf die hier geschilderten Ungerechtigkeiten betreffend Unterhalt, Aufteilung von Vermögen usw kann ich nicht eingehen. Dazu fehlt mir die Kenntnis der konkreten Situationen und inwieweit das neue Schweizergesetz mehr Fairness bringt. Ich denke aber, dass im Grundsatz bei einer Scheidung die Interessen des Kindes als Hauptleidtragendes der Situation so geregelt sein sollten, dass dessen materielle Versorgung und Zukunft (Vermögen) getrennt vom sich trennenden Paar behandelt werden sollte und folglich die Verwaltung solcher Gelder immer einer vom Paar unabhängigen Person übertragen werden muss.

    • Katharina sagt:

      Weiter dann auch, dass dem Kind eine vom Paar unabhängige Vertrauensperson beisteht, die als neutralerer Ansprechpartner des Kindes Unsicherheit, Überschwemmung seiner inneren Fragen und Zweifel auffangen kann und im Trennungsverlauf erwachsenes Sprachrohr des Kindes ist. Denn was das Kind in jenen Situationen dringend braucht ist eine Stütze zum sich orientieren, statt den Orkanen der elterlichen Emotionen ohne Brandmauer ausgesetzt zu sein.

    • mila sagt:

      Weisst Du, Katharina, genau das ist es, was ich vielleicht am wenigstens verstehe: mein Ex-Mann und ich und Menschen in vergleichbarer Situation haben (hatten) letztlich ’nur‘ unseren Anstand (voreinander) zu verlieren, respektive unsere Integrität. Mehr nicht. Dem kann jede(r) soviel Wert beimessen, wie er will. Wie man aber einen Beziehungsstreit auf dem buchstäblichen Rücken eines Kindes austragen kann – denn ja, Kinder kriegen alles Hässliche mit: die Vorgeschichte, die Trennung, die Scheidung, die Verhältnisse nach der Scheidung – kann ich nicht wirklich begreifen.

    • mila sagt:

      Persönliche Verletztheit der Partner, egal wie tief diese reicht, entschuldigt das in meinen Augen nicht. Und mit Verletzungen kennen sich auch Kinderlose aus – wenn auch, zugegeben, weniger auf dem Spiel steht, wenn nur das weitere (Un-)Wohl der Partner betroffen ist.

    • Sportpapi sagt:

      „Mila, so sehr ich Deinen Gedankengängen folgen kann, muss ich aber auch sagen, dass es ein wesentlicher Unterschied ist, ob ein Paar sich kinderlos trennt oder eben mit Kindern.“ Das glaube ich allerdings auch.

    • mila sagt:

      Um eine provokative Frage in den Raum (zurück) zu stellen: es kann von Eltern also nicht erwartet werden, dass sie im Falle einer Trennung ihre Bedürfnisse zugunsten der Kinder (stärker) zurückstellen als Kinderlose, bzw. dafür soll man Verständnis haben? Oder wo soll besagter Unterschied liegen.

      So wie ich das sehe, sind Eltern stärker in der Pflicht, eine Trennung zivilisiert über die Bühne zu bringen – statt den jeweils anderen, wo immer möglich, aufgrund persönlicher Verletztheit zu übervorteilen. Den Unterschied sehe ich im höheren ‚administrativen‘ Aufwand.

    • mila sagt:

      Und in der höheren (Eigen-)Verantwortung aus ethischer Sicht. Gerade Eltern sollten es besser machen als Kinderlose, aber nicht selten sind sie weit egoistischer in Trennungssituationen, als die angeblich egoistischen Kinderlosen.

      Man kann nicht Wasser predigen (Verzicht zugunsten der Kinder), und Wein trinken, wenn es bitter wird. Wer immer den Vater der eigenen Kinder am Ende der Beziehung als selbstsüchtiges A* darstellt, respektive die Mutter als geldgeile S*, hat garantiert etwas (vieles) falsch gemacht. Und sei es nur, dass er/sie sich den falschen Partner ausgesucht hat.

    • mila sagt:

      Das zu erkennen, ist (Eigen-)Verantwortung. Die (ausschliessliche) Opferkarte auszuspielen, unreifes (unreflektiertes) Verhalten. Wenn man nur für sich die Verantwortung trägt, kann das einem egal sein – es geht dann wie gesagt nur um persönliche Integrität, und inwiefern man diese wahren will. Nicht aber, wenn man zusätzlich gemeinsame Verantwortung für Kinder trägt.

    • Katharina sagt:

      Mila, irgendwie habe ich den Eindruck, dass ich mit meinem Punkt bei Dir nicht ganz durchkomme. Du erscheinst mir hier sehr kopflastig.

      Natürlich verstehe auch ich intellektuell, rational gesehen nicht, wie Paare den Rosenkrieg vor und unter Benutzung (!) der Kinder austragen.

      Ich habe mir nur vorgestellt, wie dies in unserer Familie zu- und her gehen würde. Und da musste ich mir selber sagen, dass ich ziemlich sicher einiges von der von mir hier mitgeteilten Rationalität meines Wesens abstreifen würde.

    • Katharina sagt:

      Die Katzenmutter ist immer die gefährlichste, denn sie wird ihre cubs bis zum Blut verteidigen. So ist das Diktat der Natur nun einmal. Wie Männer dazu stehen, sollen sie hier selber schildern, und zwar nicht im Sinne von Franken und Rappen gegenaddieren, sondern von ihren Instinkten her, denn das ist, was uns betreffend nachkommen diktiert. Und was bei einer Scheidung immer passiert, ist, dass der Rosenbaum entzweit wird, unter dem das gemeinsame Kleine umschirmt und gehegt wird, in der Hoffnung und im Vertrauen auf das Leben und seine Zyklen.

    • Katharina sagt:

      Aber manchmal entzweit es eben und das Kind ist immer dazwischen, auch als Symbol der entzweiten Partnerschaft. Ich jedenfalls werde mich hüten, zu behaupten, dass ich da zivil, rational und sittlich bleiben werde. So sehr ich mich bemühen würde. Und ich denke meine geliebte partnerin auch nicht. Wir für uns haben die Situation im Voraus geregelt.

      Natürlich stelle ich an mich die Anforderung, rational zu bleiben. Aber würde ich dieser genügen? Ich weiss es nicht.

    • mila sagt:

      Aber, Katharina: Du (bzw. Ihr) hast mit Deiner Vorsorge doch bereits rational gehandelt. 😉

      Mir geht es hier jedoch nicht um die ratio, sondern um eine ethische Lebenseinstellung. Diese umfasst Emotionen – nur lässt sie ihnen nicht frei Bahn brechen. Wir alle wissen, wie zerstörerisch ungezügelte Gefühle sein können, und dass es die Kinder sind, die in der Regel darunter am meisten zu leiden haben.

      Ethik respektive ethisches Verhalten ist für mich im Übrigen ein lebenslanger, nie abgeschlossener Lernprozess. Die einen machen Fehler und lernen daraus, andere nicht.

      • Katharina sagt:

        Dann ist es vielleicht so, dass für mich Ethik nur rational deduziert werden kann, obwohl Ethik durchaus die Welt jenseits der rationell durchgeplanten Illusion, also das gar nicht so unwissenschaftliche Spirituelle, das wir alle empfinden, aber das die Eigenschaft hat, sich unseren Worten zu entziehen, umarmt. Zivilisation ist dann, das, was wir wohl als primeval instincts bezeichnen, in die Gemeinschaft weiterbringende Bahnen zu lenken. Ich denke, Du und ich verstehen beide, dass am Anfang dieser Bahn eine Haltestelle ist, wo das Gepäck Stolz deponiert wird.

      • Katharina sagt:

        Meinen wir das gleiche und streiten nur über Worte oder schauen wir das gleiche aus verschiedenen Perspektiven an?

      • mila sagt:

        Ich würde meinen, wir reden vom Gleichen in anderen Worten. Ich gehe von einer ganzheitlichen Sicht von Ethik aus, die das ganze Wesen des Menschen umfasst (und würdigt). Aber vielleicht finde ich dafür irgendwann noch einen treffenderen Begriff, denn Du hast Recht: oft ist er zu einseitig rational besetzt, bzw. geht von einer Herrschaft der ratio über die emotio aus. Das meine ich keineswegs. Und ja, die spirituelle Komponente gehört in meinen Augen im Sinne von Ganzheitlichkeit mit dazu.

  • Jürg Diener sagt:

    Ich unterstütze Väter in schwierigen Lebenssituationen, zB bei Trennung, Scheidung, Kinderbetreuung, Unterhaltszahlungen, Sorgerecht. http://www.vaeterberatung-schweiz.ch

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