
Ähnliche Szenen müssen sich in München beim Übergriff Zürcher Jugendlicher auf Passanten abgespielt haben: Screenshot aus einem Videogame.
Die Bösen sind immer die andern. Niemand rechnet damit, dass der Bub, der heute noch so entzückend mit dem Holzschwert herumfuchtelt, morgen in den Gassen die Fäuste schwingen und harmlose Passanten verprügeln wird. Dennoch sollte man sich seiner Sache nicht zu sicher sein. Auch der Vater von Mike B., einer der Prügler von München fiel aus allen Wolken, als er von der Tat erfuhr. In einem Interview mit dem Münchner Merkur bekannte er unter Tränen: «Mein Sohn ist nie durch Gewalt aufgefallen und war eigentlich ganz brav.»
Jugendgewalt ist eine Realität. Gerade wurden in Winterthur, Rorschach und Altstätten Kinderbanden ausgehoben. Schon fordern SP und SVP geschlossen, dass die Eltern minderjähriger Gewalttäter in die Pflicht genommen werden. Eine löbliche Absicht, nur ist es, wenn der Nachwuchs zuschlägt, für Massnahmen schon reichlich spät. Denn es ist ja nicht so, dass der herzige Bub eines Morgens als Schläger aufwacht.
Was also können Eltern dagegen tun? Der Schweizerische Bund für Elternbildung lancierte vor zwei Jahren die Kampagne «Stark durch Erziehung». Die darin propagierten Grundsätze sind: «Liebe schenken, streiten dürfen, zuhören können, Grenzen setzen, Freiraum geben, Gefühle zeigen, Zeit haben und Mut machen.» Simples Rezept. Es konsequent anzuwenden ist aber schon schwieriger.
Liebe schenken und Freiräume gewähren, das geht nocht relativ einfach. Mehr Probleme macht es meistens, Grenzen zu setzen und konsequent zu bleiben. Wer hat dem Gequengel und den Wünschen der Kleinen nicht schon allzu oft nachgegeben, weil es gerade bequemer war? Wer wirft nicht seine eigenen Erziehungsgrundsätze immer mal wieder über den Haufen, weil man einfach gerade keine Zeit hat oder wegen dem allgemeinen Stress nicht die Kraft aufbringt, sich durchzusetzen und den Widerstand der Kinder auszuhalten? Und wer hat sich in Sachen Erziehung nicht schon eher in die Auseinandersetzung mit seinem Partner gestürzt, weil er glaubte, er wisse es besser, anstatt die Sache mit ihm durchzuziehen, auch wenn es vielleicht nicht so läuft, wie man es selbst gern hätte? Wie die Stiftung Kinderschutz schreibt, gehören aber beispielsweise ein ineffizienter Erziehungsstil oder häufiger Streit zwischen den Elternteilen zu Risikofaktoren für spätere Jugendgewalt.
Es ist verständlich, dass der Staat an der Erziehungsfront gegen Jugendgewalt vorgehen will. Aber auch das raffiniertesten Förderprogrammen wird nicht fördern können, was Kinder letztlich stark macht: Das Interesse von Vater und Mutter am Nachwuchs, Einigkeit in den Erziehungsgrundsätzen, persönliche Stärke. Und natürlich die Zeit, Kraft und Geduld, Kämpfe mit den lieben Kleinen auszufechten. Denn diese bleiben später der Gesellschaft erspart. Auch wenn es dafür weder Lob noch Anerkennung und schon gar kein Geld zu gewinnen gibt.
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Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und ist Mutter einer Tochter. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich und ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
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@karin imhof: da wünsch aber mal viel glück beim festhalten des jugendlichen schlägers… meist ist er ja nicht alleine und meist liegt man ja bereits blutend am boden… halten sie dann mit den zähnen sein hosenbein fest oder wie geht das..?
@gargamel
ganz einfach, wenn der böse verhaltensaufällige nicht bleiben will, dann wird mit der SVP gedroht und er bleibt- so einfach können wir probleme lösen
@zysi: ich dachte immer, die svp will, dass die schläger (zumindest die mit dem berüchtigten “migrationshintergrund”) eben genau nicht bleiben..?
@gargamel
ja das schon. ich bezog mich auf ihre antwort an k.imhof….. das drohbild der svp schien mir passend, um den jugendl. schläger zu halten; eben nicht mit zähnen, sondern mit worten