Nur ein Vaterschaftstest gibt Gewissheit

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Sind das wirklich seine Töchter? Ein Vater beim Geschichtenerzählen. Foto: Keystone

Ein Gastbeitrag von Lüdger Pütz*

Es ist das Schönste im Leben, durch ein Kind zu Papa oder Mama zu werden. Eigentlich. Dieses «eigentlich» ist der Haken, der auch in meinem Leben eine einschneidende Rolle spielte. Denn nicht selten wird die Freude der Mutter- beziehungsweise Vaterschaft getrübt und führt nicht wenige früher oder später zu der Frage: «Bin ich bzw. ist er wirklich der Vater?» Der Zweifel an der Vaterschaft ist auch unter Müttern in nicht geringem Ausmass verbreitet: Über ein Drittel der privat angestrengten Vaterschaftstests wird von Frauen veranlasst.

Ob ein anderer Mann als Vater infrage kommen könnte, das weiss die Frau naturbedingt mit Bestimmtheit. Bei Männern hingegen braucht es einen Anfangsverdacht, etwas, was sie stutzig werden lässt. Nur die wenigsten sind sich bewusst, dass die Vaterschaft generell unsicher ist. Und so sind es zumeist erst entsprechende Umstände, die den Vater hellhörig werden lassen, zum Beispiel, wenn er erst seit wenigen Wochen mit der werdenden Mutter zusammen ist oder wenn er Kenntnis von ihrer Affäre hat. In anderen Fällen melden sich die Zweifel direkt nach der Geburt, etwa, wenn man am Neugeborenen so gar keine Ähnlichkeit mit sich selbst findet oder wenn sogar die frisch gebackene Grossmutter väterlicherseits skeptisch ihren Kopf schüttelt. Was soll der Mann in solchen Fällen tun? Soll er seine Partnerin um einen DNA-Test bitten, um sich die eigene Vaterschaft zweifelsfrei belegen zu lassen? Dies ist ein sehr schwerer Schritt.

Wer es trotzdem wagt, muss mit Protest und Vorwürfen rechnen, denn die meisten Mütter verbinden mit dieser Frage unweigerlich die Unterstellung, fremdgegangen zu sein. Auf den ersten Blick ist die Empörung darüber durchaus nachvollziehbar. Doch wer dem Mann daraus einen Strick dreht, der übersieht dessen Bedürfnis nach Gewissheit. Schliesslich geht mit der Vaterschaft auch Verantwortung und emotionale Bindung einher.

Und was macht die Mutter, wenn sie unsicher über die Vaterschaft ist? Sollte sie nach einem DNA-Test fragen? Würde sie es machen, wäre klar, dass sie eine Affäre hatte, ansonsten bestünde ihrerseits ja kein Anlass zum Zweifel.

Aus meiner Erfahrung im Kuckucksvaterblog heraus lässt sich sagen, dass sich Väter und Mütter in den meisten Fällen erst an uns wenden, wenn das Kind bereits im Kleinkindalter oder älter ist. Bis dahin ist bereits eine Vater-Kind-Beziehung aufgebaut, die eventuellen Zweifel an der Vaterschaft sind gerade erst entstanden oder haben sich weiter verdichtet. Nun wird es aber noch schwieriger.

Mit der Bitte nach einem Vaterschaftstest riskiert ein Vater nicht nur einen Bruch mit der Kindesmutter, sondern einen Bruch mit den eigenen Gefühlen zum Kind. Konflikte jeglicher Art sind vorprogrammiert, gleichgültig, welche Entscheidungen getroffen werden. Nicht nur in der Partnerbeziehung, nicht nur zum Kind, sondern auch mit Eltern, Schwiegereltern, den Familien und im Freundeskreis. Man hat nur noch die Wahl zwischen Pest und Cholera. So greifen einige zum heimlichen Vaterschaftstest, um die Vaterschaftsfrage erst einmal nur für sich selbst zu klären. Doch auch das hat seine Tücken und ist nicht für jeden Fall geeignet, zumal er in der Schweiz illegal und in Deutschland eine Ordnungswidrigkeit ist.

Manche Männer resignieren schon seit langem und lassen alles beim Status quo, damit wenigstens scheinbar der Hausfrieden gewahrt bleibt. Andere entscheiden sich hingegen für den offenen Konflikt. Sie riskieren zusätzlich auch noch, als Rabenvater gebrandmarkt zu werden, der sein Kind ablehnt. Zweifelväter sind in unserer Gesellschaft Ketzer. Da spielt es dann keine Rolle mehr, dass die Vaterschaft bis zu ihrem Nachweis eine reine Glaubensfrage ist.

Es ist unverständlich, dass nach all den Neuerungen, etwa bei der Gleichberechtigung von Frauen oder bei der Aufhebung der Schuldfrage bei Scheidungsprozessen, trotzdem der Staat immer noch die Vaterschaft kraft der Vermutung bestimmt. Wer zum Zeitpunkt der Geburt mit der Kindsmutter verheiratet ist, der wird als gesetzlicher Vater eingetragen. Dabei spielt es für den Staat keine Rolle, ob er wirklich der Vater ist, geschweige denn, ob er es überhaupt sein kann. Nachweisbare Abwesenheit im Zeugungszeitraum oder gar eine ausgeschlossene Zeugungsfähigkeit sind für den Gesetzgeber bedeutungslos.

Auch die Vaterschaftsanerkennung ist beliebig, solange die Kindsmutter nicht verheiratet ist und der Anerkennung – durch wen auch immer – zustimmt. Dadurch kann ein Mann, der nicht der Vater ist, ein Kind quasi adoptieren. Ist diese «schwarze Adoption» erst einmal vollzogen, dann ist es dem leiblichen Vater nahezu unmöglich, seine Rechte und die seines Kindes auf Privatleben (Artikel 8 EMRK) durchzusetzen. Denn dann sorgen die Gesetze zum «Schutz» der Familie dafür, dass Vater und Kind nicht zueinanderfinden werden, solange die Mutter es nicht wünscht. Diese angebliche Gleichberechtigung von Mann und Frau findet man in Deutschland, Österreich und der Schweiz gleichermassen. Sie unterscheidet sich lediglich in Nuancen, wobei es Schweizer Väter, Scheinväter und deren Kinder beziehungsweise Kuckuckskinder am härtesten trifft. Zu aller Perversion wird dabei immer wieder der Begriff «Kindeswohl» vorgeschoben. Doch wie definieren Politiker und Juristen, was zum Wohl des Kindes sei?

Mit der derzeitigen beliebigen Vaterschaftsregelung behandelt der Staat Kinder als Ware, über die willkürlich verfügt und bestimmt wird. Als wenn das noch nicht genug wäre, wird dem offensichtlichen Scheinvater in der Schweiz lediglich eine Anfechtungsfrist von einem Jahr ermöglicht und das Kind darf noch nicht das 5. Lebensjahr vollendet haben. Doch kaum einer weiss das – woher auch? Und so erfahren viele erst von ihrem Anwalt, dass die Frist bereits abgelaufen ist. Das bereits erwähnte Kindeswohl wird hier von Politikern und Juristen gerne als Begründung vorgeschoben, denn durch eine schnelle Vaterschaftszuordnung schaffe man schliesslich eine Rechtssicherheit für das Kind. Somit wird dem Scheinvater nahezu keine Zeit gelassen, sich über seine Situation klar zu werden. Er wird ohne Umschweife zum Zahlesel abgestempelt. Denn jedes Kind, dem schnell ein Vater zugeordnet wird, entlastet die Staatskasse.

Der Vaterschaftstest ab Geburt würde diese Tretminen aus dem Weg räumen und wäre ein logischer und konsequenter Schritt hin zur Wahrung der Kinderrechte und der Gleichberechtigung von Mann und Frau in der Elternschaft. Zusätzlich festigt die sichere Vaterschaft das Band zwischen Vater und Kind.

Video: Kuckuckskinder – Wenn alles ans Licht kommt (DOK, SRF, 12. September 2013):

 

puetz_150 *Ludger Pütz hatte 2011 herausgefunden, dass sein Sohn nicht sein leiblicher ist. Weder im Netz noch sonst wo fand er Informationen zum Thema. Deshalb gründete er den Kuckucksvaterblog und eine Selbsthilfegruppe für Kuckuckskinder, Scheinväter, leibliche Väter und Kuckucksmütter auf Facebook.

Wer weitere Gründe für das Vaterschaftsgutachten ab Geburt erfahren möchte, der findet diese in der Artikelserie «Ein Tag – Ein Grund – Warum die Vaterschaft bereits bei Geburt geklärt werden muss» im Kuckucksvaterblog. Bitte unterstützen Sie unsere Forderung «Kinder haben das Recht auf Identität» mit ihrem Like Facebook.

287 Kommentare zu «Nur ein Vaterschaftstest gibt Gewissheit»

  • Nina sagt:

    Staatlich verordneter Test für alle, auch für die, welche das nicht wollen – und das nur wegen einer kleinen Minderheit. Bei allem Mitgefühl für Betroffene, für die es in der Tat sehr schlimm ist – über einen Test-Zwang kann ich trotzdem nur den Kopf schütteln.

    • aeschlimann peter sagt:

      Vertrauen ist gut. Kontrolle ist besser.
      Sind sie auch von jenen, die das Vergnügen will, aber der gehörnte soll dafür bezahlen.
      Warum kann man zu einem Seitensprung nicht stehen. Es wird immer irgendwann heraus kommen. Und das durch unglaubliche Zufälle.

  • C.M. sagt:

    Ich bin eine Frau, und ich bin dafür. Es spricht für mich schlichtweg nichts dagegen.
    Ausser natürlich ich gehöre zu der Spezies, die (UNGESCHÜTZT!!!) fremd geht. Und damit so ganz nebenbei auch noch die Gesundheit meines Partners riskiere….

  • fabian sagt:

    männer stehen permanent unter generalverdacht, wenn sie in der nähe von fremden kinder zugegen sind.
    da ist es erträglich, die mütter ebenfalls unter generalverdacht des fremdgehens zu stellen.
    staatlich vorgeschriebene vaterschaftstests sind voll in ordnung.

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