Jetzt kommen die Drohnenmamas!

Ein Gastbeitrag von Christa Wüthrich*

«Rund-um-die-Uhr-Überwachung»: Durch ein neues System wird Mama zur Super-Drohne. (Keystone/Andrew Krech)

Mama sieht alles: Ein neues System ermöglicht die «Rund-um-die-Uhr-Überwachung». Frauen bei einem «Augenrennen» an einem US-Sportfestival. (Keystone/Andrew Krech)

Ob Spielplatz oder Schulweg, Kindergeburtstag oder Karatetraining: Helikoptermütter umkreisen ihre Kinder wie Hubschrauber, um ihnen jegliche Unannehmlichkeiten aus dem Weg zu räumen. Egal in welcher Flughöhe sie über ihrem Sprössling kreisen, auf dem Radar bleibt ein grosses schwarzes Loch: die Schule. Hier sind Hubschrauber selten gern gesehen. Die Schule liegt helikoptertechnisch im Finstern – doch nun scheint Licht ins Dunkel zu kommen.ohne

Helikoptermamas haben die Chance, sich zur Drohnenmutter upgraden zu lassen. Ein Klassenwechsel, der eine mütterliche «Rund-um-die-Uhr-Überwachung» möglich macht. Was es dazu braucht? Das nötige Kleingeld (mehrere Zehntausend Franken pro Jahr), um sein Kind an eine der Privatschulen zu schicken, welche über ein Smart-Card-System verfügen. Die Smart-Card ist ein Schülerausweis mit Foto, der registriert, wann der Schüler die Schule oder das Klassenzimmer betritt. Die Karte vermerkt zudem, wann und was das Schulkind zu Mittag gegessen hat und wie viel es dafür ausgegeben hat. Der Ausweis ermöglicht den Zugang zur Schulbibliothek und dient zur Kontrolle, wo sich das Kind auf dem Schulgelände befindet – schon im Schulbus oder noch in der Turnhalle?

Nachdem das Kind in der Cafeteria Pommes frites gegessen hat, bekommt die Drohnenmama eine SMS mit Menüwahl zugeschickt. Das Kind kann nur von Personen abgeholt werden, die auch über eine Smart-Card verfügen. Ist die Mutter gerade vor Ort hat sie mit ihrer eigenen Karte Zutritt zum Schulareal und kann in der Bibliothek Bücher ausleihen. Die Angst, dass der Tochter die Brieftasche gestohlen wird (oder sie eine Brieftasche stiehlt) ist weg: Auf die Karte wird Geld geladen und damit das kindliche Haushaltsbudget klar kontrolliert und im Notfall limitiert. Durch die Karte wird die Mama zur Drohne; omnipräsent und überinformiert. Jeder Sicherheitsexperte kann von einer so flächendeckenden Überwachung nur träumen. Was fehlt, ist nur noch die Absicherung des Luftraums.

Die Gems World Academy, eine der grössten Privatschulgruppen der Welt, die rund um den Globus rund 110’000 Kinder unterrichtet, nutzt das moderne Schüler-Identifikations-System. Je nach Land und Schule variiert der Service. Vergangenen Herbst wurde in der Romandie die erste Schweizer Niederlassung eröffnet. Ich bin während einer Recherche zu Privatschulen über das Smart-Card-System gestolpert. Beziehungsweise hat es mich fast zu Fall gebracht.

Ich muss gestehen: Ich bin eine Stützrädli-Mama: zur Stelle, wenn es nötig ist; bemüht, eine gewisse Balance zu schaffen und die schlimmsten Stürze zu verhindern. Manchmal ist eine Schraube locker. Manchmal sind mein Sohn und ich unglaublich gut unterwegs und manchmal landen wir gemeinsam im Strassengraben. Meine Mission: Es wird auch ohne mich gehen. Denn was wünsche ich meinem Kind? Wind im Haar, das Männchen machen und bei Bedarf Kurven schneiden – und das geht mit Stützrädli nie.

Es ist klar, dass ich nie die gleiche Flughöhe wie eine Drohnenmutter erreiche – und vielleicht ist darum für mich eine Smart-Karte ein Unding. Nicht, dass es mich nicht interessiert, ob mein Sohn sein Essensgeld für Panini-Bildchen statt Brokkoli-Gratin ausgibt und ob er in der Bibliothek anstelle des Chemiebuches ein Comicheft liest. Wenn er es jedoch tut  – muss ich das wissen? Trägt mein Sohn bleibende Schäden davon? Wird er dadurch für Schule und Gesellschaft untragbar?

Ein klares Tripel-Nein. Ich muss nicht über jeden Hasenfurz meines Kindes informiert sein. Klar haben Drohnenmütter hier eine andere Perspektive und Hasenfürze sehen aus der Höhe vielleicht bedrohlicher aus als im Stützrädli-Winkel. Dennoch bin ich überzeugt: Zur Schule gehen hat einen bestimmten Reiz, weil es eine mutterfreie Zone ist. Sorry Heli-Mamas und Smart-Card-Schulen: Drohnen haben hier nichts zu suchen!

Wüthrich*Christa Wüthrich war als Lehrerin, Journalistin und IKRK-Delegierte rund um den Globus unterwegs. Heute arbeitet sie als freie Journalistin für verschiedene Printmedien. Sie ist Mutter zweier Kinder.

134 Kommentare zu «Jetzt kommen die Drohnenmamas!»

  • Beat Reuteler sagt:

    Diese modernen Mittel sind nun mal da und somit werden sie gebraucht, oder wie hier schon eher missbraucht.
    Wissen wollen was in einer Schule abgeht weil man viel dafür bezahlt ist für mich hier kein Rechtfertigungsgrund.
    Aber es gab auch irgend einmal das allererste Baby -Sitter – Telefon das sich einschaltet wenn das Kind Töne von sich gibt und hat den Eltern von kleinen Kindern den möglichen abendlichen Radius vergrössert.
    Wann es dann Zeit ist diese Dinger zu entsorgen ist individuell.
    Zum Glück haben Teens immer Ideen, z.B. können sie die Karten tauschen, im Spind liegen lassen etc.

  • Eremit sagt:

    Irgend eines Tages werden wir dann wohl soweit sein, dass das SmartPhone die Kinder permanent überwacht. Alles was das Kind sagt oder tut wird dann in Sekunden ausgewertet und bei eine Fehlverhalten das Kind verbal daran erinnert. Und wenn das Kind sich lern-ressistent gibt, werden automatisch die Eltern informiert. Fehlt dann nur noch, dass das Kind dann zur Bestrafung automatisch einen Stromschlag erhält. Eine fragwürdige Zukunft.

  • Katie und Pepe sagt:

    Liebe Verfasserin, solche „Blogs“ machen Spass hast du noch mehr auf Lager? Würde uns riesig freuen. Bis bald. Wir sind Fans von deiner Schreibweise!

  • Hermann sagt:

    Gems World Academy in Chicago kostet $37’000 pro Jahr für einen Fünftklässler. In solchen Spitzenschulen wird alles geboten. Wer das bezahlen kann, will wissen was abläuft.

  • Alissia sagt:

    Drohnenmamas
    Kindergarten, Primarschule, Oberstufe, Gymnasium und jetzt die Karte weg. Mama zeigt Entzugserscheinungen.
    Nein die Karte funktioniert noch weiter: erster Kinobesuch allein oder zu zweit, erster Kuss, erster Sex und so weiter und so fort. Da gibt’s nur eins ab nach……….
    Wir müssen diese Mütter im Auge behalten.
    Alissia

  • Jane Bissig sagt:

    Was ich mich kürzlich gefragt habe, passt wenigstens so halb zum Thema: Von wem lassen heutige Eltern ihre Kinder hüten, wenn sie in den Ausgang gehen? Ich (33j.) habe mit 15J. angefangen mit Babysitten, „meine“ beiden ersten waren 1 1/2 und 4 J. Es gab einmal einen kurzen Kennenlernbesuch, beim nächsten Mal hab ich ihnen Znacht gegeben, sie ins Bett gebracht, die Eltern kamen nach Mitternacht heim. Ging immer tiptop. Würde man heute noch eine 15jährige einen Abend lang zwei so kleine hüten lassen? Ernste Frage. Kann es mir einfach irgendwie nicht mehr vorstellen in der heutigen Zeit…

    • Lisa sagt:

      Ja, haben wir gemacht, sogar noch viel kleiner ( 2,5 Jahre bzw. wenige Wochen beim Start). Eine der besten und nachhaltigsten Entscheidungen.

    • Sportpapi sagt:

      Unsere Babysitterin war 14 bei Beginn. Wir waren aber immer in der Nähe (meist Training), weitere Erwachsene notfalls anrufbar. Sie hat dann aber mit 15 auch einen Fieberkrampf unseres Sohnes locker gemeistert (war allerdings vorgewarnt und wir umgehend wieder da).

      • Jane Bissig sagt:

        Oh, das freut mich. Ist doch immer schön, wenn sich herausstellt, dass die eigenen Vorurteile doch nicht ganz stimmen. (Wobei das hier natürlich gerade mal zwei Stimmen sind. Aber immerhin.)

      • tina sagt:

        einen fieberkrampf locker gemeistert? als mein kind einen fieberkrampf hatte, hörte es auf zu atmen, und wir gingen per abulanz ins spital wo das abgeklärt wurde. das wünsche ich niemandem an den hals, ich dachte, mein kind stirbt

      • Sportpapi sagt:

        @tina: Das war bei mir genauso. Ohnmächtiges Umkippen und ich wusste nicht einmal, was das ist. Dann mit Krankenwagen ins Spital. Trotz äusserster Anstrengung unsererseits gab es später noch weitere Male Fieberkrämpfe, wobei man dann entspannter damit umgehen konnte. Im beschriebenen Fall schien die Gefahr gebannt, das Kind mit fiebersenkenden Mitteln schlafend.

    • alam sagt:

      Im Gegensatz zur verbreiteten Meinung sind die heutigen Teenager viel weniger wild als wir damals. Die machen sogar erst einen Kurs, bevor sie babysitten gehen! Und sie machen es gut.

      • Jane Bissig sagt:

        Das gabs zu meiner Zeit auch schon. Aber man wurde eben auch ohne angestellt.

      • Jane Bissig sagt:

        Und ich bezog mich bei meiner Frage mehr auf die Eltern als auf die Teenager. Denn bezüglich Teenager ist mein Vorurteil eher, dass die heute viiiiel braver und langweiliger sind als wir damals…

    • Katharina B. sagt:

      Unser Hüetimeitschi, die tagsüber mal stundenweise unseren Vierjährigen hütet, ist 12 einhalb und zwar alleine in der Wohnung, aber eine Nachbarin ein paar Häuser weiter ist TaMu und eigentlich immer da, wenn was wäre und ich noch nicht zurück bin.
      Sobald die Kleine den Rotkreuzkurs gemacht hat, wird sie uns auch mal zu einem Kinoabend verhelfen dürfen.
      Meine Schwester und ich mussten schon mit 9 oder 10 kleinere Geschwister hüten und das halte ich für zu früh.
      Aber grundsätzliich kommt es auch hier auf die Person an und wie reif sie ist.

  • Strudelwurm sagt:

    Ich finde da hat Frau Wüetrich einen Wunden Punkt getroffen. Es drängen sich gleich eine ganze Menge Zusatzfragen auf: Wer ist überhaupt berechtigt mitzudiskutieren? Woher kommt dieses Bedürfnis nach Kontrolle von Erziehungsberechtigten? Da es so weit verbreitet ist, müssen veränderte gesellschaftliche Faktoren mitbeteiligt sein. Welche? Zum Beispiel die Schule? Was sich da täglich abspielt ist oft mehr als Filmreif. Aktuell im KINO : ALPHABETH . Auffangstation ist Mamma! Wer wird fast immer verantwortlich für schulischen Misserfolg von Kindern gemacht? Natürlich Mamma! Warum die Mütter ?

  • manu sagt:

    macht nur weiter so, mir soll es recht sein. was muss ich mir doch ständig vorträge anhören wieso ich keine kinder will etc. und was muss ich mir dann immer das lachen verkneifen. arme kinder kann ich da nur sagen. die reaktion wird kommen, ob es eine verstärkte abkapselung in der pupertät ist, oder ganz eifach eine lebensunfähigkeit, weil nie auch nur das geringste im wege stand. und das obwohl jeden tag etwas im weg steht. wir werden sehen, es bleibt spannend. ich werde auf jedenfall weiterhin verzichten, vielleicht irgendwann dann, wenn der rest wieder zur vernunft gekommen ist…

    • alam sagt:

      Ähm, weisch… du könntest es ja eben gerade anders machen, so wie die meisten Eltern. Lässt du dich wirklich von ein paar wenigen gestörten abhalten, selber Kinder zu haben?

  • Martin sagt:

    Tatsaechlich hatte ich mal fuer eine Sekunde daran gedacht einen GPS Peilsender irgendwo in die zukuenftige Znuenisaeckli einzunaehen und auf einem evtl. Smartphone eine unloeschliche Tracking App zu installieren. Momentan glaube ich aber, dass ein gutes Coaching mehr bringt. Vorallem nachdem was ich so im naeheren Umfeld erlebt habe. Kinder muessen lernen Nein zu sagen und sich selber zu schuetzen oder verteidigen.

  • Juko sagt:

    Arme Kinder

  • alam sagt:

    Stützrädlimama: Kein Kind braucht Stützrädli, weder im direkten noch im übertragenen Sinne. Aber jedes braucht einen Helm, sobald es auf zwei Rädern unterwegs ist, Licht, wenn es nachts unterwegs ist und gute Bremsen. Ausserdem soll es erst mit dem Velo auf die Strasse, wenn es das kann. Das alles auch im übertragenen Sinne, und genau da liegt der Hund begraben: Wir lassen die Kinder heutzutage so früh auf so vieles los, das sie noch gar nicht können und glauben, Stützrädli würden helfen…

    • Sportpapi sagt:

      Über den Helm könnten wir noch diskutieren. Und das Fahren auf der Strasse lernen die Kinder nur, wenn sie auch auf die Strasse dürfen. Deshalb war ja das geforderte Verbot bis 8 Jahre so sinnlos und wurde zu recht abgelehnt.

      • alam sagt:

        Nein, über den Helm diskutiere ich nicht. Zwei Fälle in meiner Verwandtschaft, einer nur leicht, der andere schwerst behindert, die beide mit Velohelm hätten verhindert werden können, überzeugten mich vollständig. Und nein, auf der Strasse lernen die Kinder das Verhalten im Verkehr, das Fahren selber, ohne Stützrädli, bremsen, 8i fahren, zurückschauen, etc. lernen sie NICHT auf der Strasse.

  • Katharina B. sagt:

    Ich bin gerade dabei, die Bücher von Frances Burnett wieder zu lesen.
    Die sprechen genau dieses Thema an, wurden aber vor über 100 Jahren geschrieben.
    Soviel zur Neuigkeit und Aktualität des Themas.

  • Francesca sagt:

    So ein Ding hätten sich damals meine Eltern garantiert zugelegt, hätte es das schon gegeben! Und so wie ich sie damals hinters Licht führte, würde ich das auch heute tun: Karte das Klo hinunterspühlen, zerschneiden, und schon wieder ein paar Stunden Ruhe… Kinder sind zum Glück kreativ. Das da ist ja schlimmer als Gefängnis, eine Schande. Diese Eltern gehören zum Psychiater (wie einst meine, die aber natürlich nie daran dachten, selber nicht normal zu sein).

    • Katharina B. sagt:

      Wenn die Alternative für diese Kinder (und es geht definitiv um diese und nicht um 08:15-Durchschnittskinder wie unsere) heisst, ansonsten Tag und Nacht einen Leibwächter an den Hacken kleben zu haben, dann kann ich mir schon vorstellen, dass ihnen so eine Karte als Fortschritt in Richtung Freiheit vorkommt.

      • Katharina B. sagt:

        Nur für die, die nicht selber schnell bei Wikipedia reingeschaut haben: Wir reden hier über eine saudiarabische Privatschule, die für Kinder von Superreichen gedacht ist.

    • 13 sagt:

      Francesca, das ist genau der Punkt. Wer so handelt, dem fehlt nicht nur das Vertrauen in seine Kinder, sondern er bringt sie auch dazu, dass sie sich genau so benehmen, wie es die Eltern von ihnen erwarten, nämlich völlig unverlässlich und fahrlässig. Damit beginnt dann der Teufelskreis, denn die Eltern fühlen sich dadurch nur noch mehr in ihrem Tun gestärkt. Wenn ich meinem Kind erlaube, einen Weg alleine zu gehen und es weiss, dass wenn es etwas anstellt, was es nicht soll, ich ihm das Vertrauen nicht so schnell wieder entgegenbringe, dann wird es sich auch eher daran halten.

      • Francesca sagt:

        Nun, so kritiklos ist man dem nicht ausgeliefert. Wie gesagt, ich wuchs so auf. Und weil ich wusste, wie grauenhaft das ist, habe ich meine Kinder ganz anders erzogen. Dazu musste ich natürlich die Ängste überwinden, die mir anerzogen worden waren. Das ist nicht einfach und erfodert sehr viel Selbstdisziplin. Das Problem: man kann es nicht einfach so machen, wie man selber erzogen wurde, sondern muss immer wieder neu reflektieren, wieviel Kontrolle nun richtig, und wieviel zu viel ist. Meine Kinder kamen gut heraus, sind heute selbständige Erwachsene. Und natürlich war ich, in ihren Augen …

    • Francesca sagt:

      …viel zu streng. Das betrifft aber weniger diese Kontroll-Mechanismen, sondern dass sie sich an Zeitvorgaben halten mussten, der Ausgang strenger reglementiert war, als bei andern, die alles schon sehr früh durften. Aber für mich war es manchmal wirklich hart, denn die anerzogene Angst, die steckt einem in den Knochen. Ich wollte aber um jeden Preis verhindern, dass meine Kinder das gleiche mitmachen müssen, wie ich. Nämlich eine Art Knast. George Orwell, Big Brother is watching you.

      • Carolina sagt:

        Sehr schön, Francesca. Ich glaube eben auch und Sie beweisen es, dass man mit Selbstreflektion (dazu gehört auch, Kritik und Anregungen von anderen ab und zu an sich heranzulassen und nicht zu meinen, das eigene Kind sei der Heiland bzw Nabel der Welt) einiges erreichen kann (ich weiss auch, wie schwierig das ist, siehe oben). Bei meinen älteren Kindern ist es mittlerweile so, dass sie sagen, sie fänden es gut und richtig, dass ich mich geändert hätte und ihr Papa dafür gesorgt hätte, dass ich sie besser loslassen kann – das hilft mir sehr beim jüngeren Kind.

  • Muttis Liebling sagt:

    Diese ganze Denkweise ist einfach Kacke, so kann man nicht leben. Man sollte das auch nicht diskutieren, weil es nicht diskussionsfähig ist. Leben ist Risiko, immer und sollte auch nicht reduziert werden, sonst kommt man nicht an Grenzen.
    Man muss doch nur ausrechend lange über Pädophilie diskutieren, dann halten es immer mehr da für machbar. Man sagt einmal Nein und dann ist es so. Nur muss man sich dann vom Pluralismus verabschieden, weil es gibt nur eine Wahrheit und die kann man wissen, nur Doofe nicht.

  • Eni sagt:

    Ich denke, dass solche Vollzeitüberwachungen nicht per se der Sicherheit dienen sollen, sondern die Machtstellung der Eltern festigen soll, damit sie ihre Kinder immer und überall kontrollieren können. Bei mir in der Nachbarschaft hat es ja gute Beispiele, wo die Mütter ihre 4. Klässer zum Schulbus der Internationalen Schule begleiten obwohl sie nur eine Anwohnerstrasse hinuntergehen müssen ohne Durchgangsverkehr.

    • Francesca sagt:

      Naja, Sicherheit ist ein dehnbarer Begriff. Ich unterstelle mal, dass all diese Eltern Ängste haben, diese Überwachung ist paranoid. Die Eltern sind eigentlich zu bedauern, denen fehlt ein Urvertrauen in sich und die Umwelt, die Sicherheit, dass es schon irgendwie richtig gehen und schon nichts passieren wird. Ihnen fehlt auch das Vertrauen in ihre Kinder, und damit das Vertrauen in sich selber, die Kinder richtig aufgezogen zu haben. Tragisch.

      • Katharina B. sagt:

        „Königskinder“ wurde soweit ich weiss schon immer so streng bewacht also auch die Eltern der Kinder, die in diese Schule gehen. Ich denke die kennen es gar nicht anders.

  • 13 sagt:

    Ich höre immer wieder, die heutigen Eltern hätten zu wenig Zeit für ihre Kinder. Wenn ich das so lese, haben sie eindeutig zuviel Zeit. Und zu wenig Vertrauen sowieso. Meine Mutter hat mich früher manchmal bei einem gemütlichen Abendessen gefragt, wie es in der Schule war und was ich zu Mittagessen hatte. Wo werden diese Gespräche bleiben, wenn sie eh schon den ganzen Tag darüber gewacht hat, wo ich bin und was ich mache? Kinder sind was tolles und bereichern das Leben. Zum einzigen Lebensinhalt oder sogar Lebenssinn sollten sie nicht werden. Sie sind immer noch eigene Persönlichkeiten.

    • Suzanne sagt:

      genau – ich böse Mutter lasse sogar zu, dass mein 5jähriger die Strasse allein runter geht, um seinen Freund zu besuchen, und dann auch irgendwann wieder alleine nach Hause kommt. Dazwischen macht er irgendwas, von dem ich keine Ahnung habe, aber wovon ich hoffe, dass er mir beim Abendessen erzählt. Dieses Vertrauen schätzt er sehr.

  • Joerg Hanspeter sagt:

    So einfach ist die Sache nicht! Ich rede jetzt nicht über Nichtigkeiten wie, liest mein Kind ein richtiges Buch oder eventuell „Schund“, sonder über richtige Entscheidungen. Hole ich mein Kind spät in der Nacht noch mit dem Auto ab, oder nicht? Was ist wenn tatsächlich etwas passiert und ich das Kind aus erzieherischen Gründen nicht abholen wollte? Die Entscheidungen sind nicht immer so einfach und die Welt hat sich seit meiner Jugend massiv verändert, und das mehrheitlich nicht zum Besseren.

    • 13 sagt:

      Ist das so? Die Welt ist nicht gefährlicher geworden, höchstens etwas durchsichtiger. Es gibt heute nicht mehr Sexualdelikte, nicht mehr Entführungen, nicht einmal mehr Unfälle als früher. Im Gegensatz zu früher können Sie Ihrem Kind, das spätabends aus erzieherischen Gründen alleine heimkommt noch ein Handy in die Hand drücken. Und es kommt mit dem sicheren Nachtbus und nicht irgendwie mit irgendwem. Der Unterschied ist doch v.a. der, dass man heute jeden Fall mitbekommt, er in der Presse, Facebook und co. landet und man so die Gefahr mehr spürt. Grösser ist sie deshalb nicht.

      • Carolina sagt:

        Da haben Sie völlig Recht, 13. Ich weiss nicht genau, wo dieser Teufelskreis anfängt: je sicherer und wohlhabender wir leben, desto grösser scheinen Verlustängste und vor allem mangelndes Vertrauen in uns selber und damit unsere Kinder zu werden. Es ist fast schon bizarr, wie wir (und ich schliesse mich da sehr wohl auch ein) unsere Leben so leben, dass wir uns ja nicht irgendwann etwas vorwerfen müssen, also jedes noch so kleine Risiko versuchen zu minimieren, um uns vorzumachen, dass wir es aus unseren Leben verbannen können.

      • 13 sagt:

        Wobei das Wort „leben“ noch zu definieren wäre. Ich habe manchmal das Gefühl, wir versuchen mit derartigem Ehrgeiz zu „überleben“ (ich schliesse mich auch nicht aus), dass wir völlig vergessen zu „leben“.

      • Katharina B. sagt:

        Und? Ist ein Velohelm nun „schützen“ oder „überbeschützen“?

      • 13 sagt:

        Schützen. Ein Velohelm hat wie ein Autogurt oder Kindersitz keinen Einfluss auf unsere Freiheit, sondern überwiegen die positiven Aspekte. Einem Kind aus Angst das Velofahren zu verbieten, ist überbeschützen. In meinen Augen. jeder entschiedet schlussendlich für sich und sein Kind.

        Was genau hat das damit zu tun, ob die Welt gefährlicher geworden ist oder nicht?

      • Katharina B. sagt:

        @13: Weil in Diskussionen immer wieder die Leute auftauchen, die den Velohelm als Beispiel dafür bringen, dass heutige Eltern ihre Kinder überbeschützen und ergo Helikoptereltern sind.
        Die Welt ist eindeutig nicht gefährlicher geworden, sondern u.a. dank Autogurten oder Autokindersitzen, Töfflihelmen, usw. um einiges sicherer.
        Damit stieg aber auch die Illusion, man könnte das Schicksal kontrollieren. Solange nichts passiert, sind Kinder „überbeschützt“ aber wehe es passiert was, was man hätte verhindern können. Dann wird sofort auf die Eltern eingehauen, die „nicht genug aufgepasst haben“.

      • Sportpapi sagt:

        @Katharina B: Sie sehen das in meinern Augen richtig. Freiheit hat eben auch eine Kehrseite.
        @13: Natürlich ist ein Velohelm eine Einschränkung unserer Freiheit. In Ländern, in denen ein Velohelmgebot erlassen wurde, wurde das Velofahren um ein Drittel reduziert. Das ist der Hauptgrund, weshalb sich die Schweizer Fachverbände dagegen aussprechen. Bei Trottifahren ist der Velohelm sowieso meist unnötig (zumal sowieso nicht recht angebunden, oder über der Kappe getragen). Mittlerweile gibt es schon Helmverbote auf den Spielplätzen, wo es brandgefährlich ist!

      • 13 sagt:

        @ Katharina
        Richtig. Wenn man mehr zulässt, kann auch mehr passieren. Früher bekam man, wenn etwas passierte, Mitleid und Unterstützung, heute sind es Vorwürfe. Die Frage ist, reicht dieser Grund, um es nicht zuzulassen? Wo wird die Grenze gezogen? Ich nehme jetzt mal an, eine Smartcard in unseren Schulen (allen Schulen, nicht den Privatschulen für Reiche) geht zu weit? Also, wo ist die Grenze?

        @ Sp
        Interessant. Und warum ist das so? Wurde das untersucht?

      • Katharina B. sagt:

        Ich denke die Grenze werden die jeweils aktuellen Datenschutzgesetze sein.
        Man darf nicht vergessen, dass sehr viele Menschen stetige Überwachung für normal oder doch wenigstens moralisch unbedenklich halten.
        Die Leute, die überhaupt darüber nachdenken was mit den Daten ihrer Cumuluskarte passiert, sind in der Minderheit.
        Die meisten schreiben sich lieber bei irgend einer Payback-Seite an und lassen freiwillig jeden Schritt überwachen und beobachten, den sie machen.

      • 13 sagt:

        @ Katharina
        Mit Grenze meinte ich nicht, was ist erlaubt, was nicht. Sondern wo macht es Sinn, wo ist es zu viel. Im Sinne einer Diskussion. eines Austausches, nicht im Sinne von Verboten oder Geboten.

      • Carolina sagt:

        Payback-Seite? Was ist das?
        Ich bleibe dabei: nur, weil viele Menschen extrem lax mit ihren eigenen Daten umgehen (lassen), heisst das ja nicht, dass wir den Kampf einfach so aufgeben. Es verpflichtet Eltern umso mehr, ihre Kinder zu Bewusstsein und längerfristigem Denken anzuhalten und so die Verantwortung zu wahren, die wir nun mal haben.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Ich habe das nicht mehr im Kopf. Für mich war es aber logisch. Mit der Helmtragpflciht auch auf kurzen Distanzen gehen Vorteile des Velofahrens verloren. Viele haben dazu keine Lust, ich inklusive.

      • Sportpapi sagt:

        @Katharina: Datenschutz erscheint mir irrelevant. Letztlich geht es aber doch auch darum, was wir unseren Kindern zutrauen. Wie wir sie befähigen. Sind wir stolz darauf, wenn sie etwas alleine können, oder bremsen wir sie. Nebenbei haben all diese Kampagnen für mehr Sicherheit auch eine unerfreuliche Wirkung. Wir lernen ja nicht nur, dass ein Helm sinnvoll ist. Sondern vor allem, wie gefährlich Velofahren ist. Das hat Konsequenzen.

      • 13 sagt:

        @ SP
        Ich stehe auf dem Schlauch: Was ist ein Vorteil des Velofahrens, der durch einen Hem verloren geht?

      • Franz Vontobel sagt:

        Den blöden Helm nachher nicht mitschleppen zu müssen?

      • Sportpapi sagt:

        Zum Beispiel, genau. So schnell und unkompliziert wie möglich vorankommen? Die Haare im Wind und die Frisur gepflegt? 🙂

      • 13 sagt:

        Ich sehe schon, ich bin zu wenig gestresst und zu wenig eitel, um das zu verstehen. Und auch noch naiv genug, um den Helm am Velo zu lassen. Aber ich fahre auch nicht allzu oft…
        😉

      • Katharina B. sagt:

        @Sportpapi: Ich habe auch nicht Datenschutz geschrieben, sondern Datenschutz_gesetze_. Anders gesagt: Was erlaubt ist, wird auch (unreflektiert) gemacht werden.
        Ich glaube nicht, dass es in diesem Bereich eine andere objektive, obligatorische Grenze gibt. Denn Leute, denen es am Hintern vorbeigeht ob sie selbst Tag und Nach beobachtet werden, finden es m.E. auch nicht falsch, wenn sie selber dasselbe mit ihren Kindern tun.
        @Carolina: Du kannst bestimmen, was Du mit Deinen eigenen Daten oder denen Deiner Kinder machst. Darauf was andere tun, hast Du keinen Einfluss. Das ist deren Entscheidung.

      • Katharina B. sagt:

        @13: Was Sinn macht oder nicht, kommt auf das Kind und die Situation an, sowie auf die persönlichen Erfahrungen der Person, die über die Sinnhaftigkeit einer Massnahme entscheidet. Ich bezweifle, dass es ein objektives, für alle gütliges „richtig“ oder „falsch“ gibt.
        Deshalb finde ich es auch nicht sinnig bspw zu sagen „alle 4jährigen sollen allein in den Kindsgi laufen“ – die einen können es schon, die anderen nicht (Entwicklungsstand, Charakter) und dann kommt es auch noch darauf an, wo die Strecke durchgeht usw.
        Eltern können das normalerweise schon einschätzen denke ich.

      • Sportpapi sagt:

        @Katharina: Ich bin da nicht so besorgt, was meine Daten angeht. Aber ich würde nie meine Kinder so überwachen. Ich sehe da keinen Zusammenhang.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Ich fahre täglich. Aufspringen, schnell fahren, abschliessen, Zug erwischen. Usw.

      • Lichtblau sagt:

        Helikoptereltern fanden wir immer schlimm und haben unserer Tochter deshalb als Kind viele Freiheiten gelassen. Von 15 bis 17 hatte sie einen Freund, bei dem wir sie in relativer Sicherheit wussten – wohl weil das Thema „Ausgang“ eher für ihn und seine Kollegen galt und sie gemeinsam (natürlich selten) rührend erwachsene Orte wie die Kronenhallenbar besuchten. Jetzt, sie ist 18, ist der Freund Vergangenheit und alles wird nachgeholt. Seither erlebe ich (irrationale?) Ängste, wenn ich mir vorstelle, sie würde sich ähnlichen Risiken aussetzen wie ich im selben Alter. Der Helikopter rotiert …

      • Katharina B. sagt:

        Ich sehe den Zusammenhang beim Respekt der Privatsphäre: Wenn mir meine eigene wichtig ist, respektiere ich tendenziell eher die von anderen. (vielleicht bin ich in diesem Punkt auch etwas naiv 🙂 )

      • Sportpapi sagt:

        @Katharina: In dieser Richtung mag es stimmen. Aber umgekehrt? Ausserdem: Wer ständig Gefahren sieht, wird die allenfalls auch bei den eigenen Kindern eher sehen, und Massnahmen ergreifen…

    • Sabrina sagt:

      ich bin Jahrgang 68 und kenne mehrere Leute meines Alters, die in der Kindheit missbraucht wurden – von Familienmitgliedern aber auch von Fremden. Schon meine Tante – Jahrgang 38 – wurde als 11jährige von einem Fremden auf dem Schulweg überfallen. Gemeldet hat es niemand – damals schwieg man darüber.
      Wir Kinder haben es daheim nie erzählt – und erst heute (auch dank Sexualaufklärung) trauen sich Kinder, darüber zu reden.
      Und ja, gemobbt wurde bei uns auch intensiv- es führte sogar bis zum Suizid eines Schulkollegen.
      Nein, es ist nicht schlimmer geworden – aber man redet heute darüber

      • Andrea Mordasini, Bern sagt:

        Früher war nicht alles besser, sondern einfach anders. Warum es heute wohl eine Gurtpflicht im Auto und Empfehlung für das Tragen von Helmen im Strassenverkehr und auf der Ski-/Schlittelpiste gibt? Nicht, weil die Eltern ängstlicher, überbehüteter und “helikopterischer” wären, sondern weil die Situationen (weniger Platz, mehr und schnellerer Verkehr, schwere Unfälle,…) prekärer wurden und weil es auch schon vor 25 Jahren Unfälle gab (medial halt nicht so ausgeschlachtet wie heute) und diese sehr oft lebensgefährliche bis gar tödliche Folgen hatten :(.

  • Natali Kuster sagt:

    Die Tochter einer Bekannten wurde in der Schule vergewaltigt. Sie wäre froh gewesen, hätte es damals schon so ein Smartcard-System gegeben…..

    • 13 sagt:

      Und was hätte die Smartcard da ausrichten können? Anzeigen, dass sie nun auf dem WC oder dem Schulhof oder in einem Klassenzimmer ist?

      • Natali Kuster sagt:

        Wer weiss, dass er beobachtet wird, traut sich weniger, weil er keine Chance hat, davonzukommen…

      • Sportpapi sagt:

        @Natalie Kuster: Das Opfer wird beobachtet. Aber auch nicht gefilmt. Der Täter wird seine Karte wohl eher nicht dabei haben. Und wenn, so ist immer noch nicht klar, was die beiden zusammen im gleichen Raum gemacht haben. Nein, definitiv, dafür bringt die Karte gar nichts.

      • 13 sagt:

        Die Smartcard „beobachtet“ ja nicht, sondern teilt nur dem Empfänger mit, wo sich die Karte (nicht Inhaber!) befindet oder was damit abgebucht wird. Hier hätte sie wohl nicht viel machen können, höchstens Überwachungskameras und wenn ich ehrlich bin, bin ich froh, sind wir noch nicht soweit, trotz dieser wirklich furchtbaren Fällen,die vorkommen und nicht totgeschwiegen werden sollen. Aber die Freiheit aller einschränken, um einige wenige Taten zu verhindern, geht mir zu weit. Das geht dann in die gleiche Richtung, wie keine männlichen Lehrkräfte zulassen oder geschlechtergetrennter Unterricht

      • 13 sagt:

        Abgesehen davon, ist damit die Falschbeschuldigungsgefahr umso grösser: Schüler A klaut B die Karte, geht in die Toilette und vergewaltigt C, gibt danach die Karte zurück. Es wird festgestellt, dass B und C in der Toilette waren und B wird verdächtigt. Zu Unrecht. Kann er seine Unschuld beweisen, sucht man erst dann den „richtigen“, die wichtigen Spuren sind nicht mehr vorhanden und es wird schwerer den richtigen zu finden. Der hat auch noch ein Alibi, weil seine Karte im Klassenzimmer war. An B bleibt immer etwas hängen. Ist das besser?

      • Franz Vontobel sagt:

        Da gibt’s wohl nur eines: keine Card, sondern einen implantierten Chip.

      • Sportpapi sagt:

        Klar. Zwei Löcher im Ohr werden als Körperverletzung bezeichnet. Dafür implantieren wird dann irgendwelche Sensoren. Ich nehme an, das war als Scherz gemeint. Allerdings bin ich überzeugt, dass es Leute gibt, die Solches in diesem Fall durchaus als gerechtfertigt und sinnvoll empfinden würden.

      • 13 sagt:

        Das sind dann aber auch diese Eltern, die Ohrlöcher nicht als Körperverletzung ansehen, weil sie dem Selbstbestimmungsrecht der Kinder keinen allzu grossen Stellenrang zumessen.

  • Katharina sagt:

    Denen haben wir es aber nun gegeben, den reichen Helikoptermamis mit ihren Privatschulen!

  • Anne hagebucher sagt:

    Soviel Platz in der Zeitung vergeudet um über über sowas von voll daneben zu berichten. Als gäbe es keine wahhaft existente Themen, die Mütter und Konder betreffen.

  • Stevens sagt:

    Gegen solche Helikopter-, Drohnen- oder wasauchimmer -Mamas und- Papas zu schreiben ist hier ja ziemlich in Mode. Was mir auffällt. Egal, wer den Artikel verfasst, er/sie wettert immer gegen „die anderen“. „Andere Eltern“ räumen den Kids alles aus dem Weg, „andere Eltern“ werden zur Drohne, „ich selbst“ natürlich nicht, ich bin nur eine Stützrädli-Mama“. Wo bleibt das kritische Hinterfragen der eigenen Rolle? Macht man es wirklich richtig? Wirklich nicht zu viel behüten? Gibt man ihm wirklich genügend Freiheiten? Ich werde bald Papa und mache mir da schon ein paar Gedanken dazu…

    • Sportpapi sagt:

      Ach, da wurde natürlich die eigene Rolle hinterfragt. Und die Abweichung davon kritisiert. Persönlich finde ich eher, man sollte weniger ständig reflektieren, und mehr aus dem Bauch heraus handeln.

      • Ashiro sagt:

        Hat was. Doch wenns schief läuft, sind ein paar klare Gedanken doch angebracht. Aber bis dahin, locker aus der Hüfte schiessen!

      • Stevens sagt:

        @sp: Ja klar, aus dem Bauch entscheiden und dabei eine mehr oder weniger klare Linie haben, ist bestimmt das Beste.

        Ja, sie haben recht, ihre Rolle hat die Autorin hinterfragt.

        Mir ist einfach aufgefallen, dass es in letzter Zeit einige solcher Blogs gab zu diesem Thema. Und immer waren es „die anderen“….

      • Sportpapi sagt:

        @Stevens: Auffällig ist, wie viele Leute überzeugt sind, alles genau richtig entschieden zu haben. Nach gesundem Menschenverstand. Was dann eben beinhaltet, nicht zu verstehen, weshalb andere zu anderen Entscheidungen kommen. Im Wesentlichen ist aber doch das Resultat entscheidend. Und nicht einmal dafür sind die Eltern allein in der Verantwortung.

    • Katharina B. sagt:

      Gerade dieses ständige Hinterfragen durch Eltern (mache ich wirklich alles richtig, bin ich das perfekte Elter….) ist doch Teil des Problems, das dann zu den beschriebenen Extremen führt.
      Diesen Monat wettert man übrigens gerade gegen Helikoptereltern – nächsten Monat dann gegen jene, die ihre Kinder vernachlässigen und nicht genug fördern…
      Ein wenig mehr Gelassenheit an allen Fronten (und vor der eigenen Türe wischen statt ständig über den Zaun zu schielen) wäre durchaus angebracht.

  • tomy hamk sagt:

    Wir haben dann die Kinder der Helimamas wenn die Mama mal endlich nicht da war verprügelt. Heute ist auch was aus den Helimamas-Kinder geworden, denke ich. Oder vielleicht Leute wie Hanspeter.

  • Katharina B. sagt:

    *pssst*
    Nicht nur Mütter erziehen Kinder.
    Nicht nur Mütter sind überfürsorglich.

    Wo ist Sicherheitsdenken noch angebracht und wo ist es übertrieben? Unsere Eltern fanden das Autokindersitzobligatorium noch jenseits. Wir selber beschwerten uns über das Töfflihelmobligatorium. Heute ist beides normal. Aber manche schimpfen gegen die BFU-Empfehlung, Velohelme zu tragen und finden das übertrieben und helikopterig.

    Aber sonst: Ich glaube nicht, dass was ein paar reiche Eltern, die Angst vor Entführungen haben, mit ihren Gören machen, ist weder heute die Normalität noch wird es Normalität werden.

  • Andrea Mordasini, Bern sagt:

    Dieser Sicherheitswahn nimmt langsam aber sicher immer abstrusere Formen an! Wie haben bloss wir Kinder und Jugendliche und unsere Eltern damals das Leben gemeistert und überlebt? Heli-/Drohnenmamas erweisen ihren dauernd und überall überwachten, kontrollierten und in Watte gepackten Kindern einen wahren Bärendienst in der Entwicklung. Wie sollen sie jemals Selbstvertrauen entwickeln, wenn sie keine Erfahrungen machen dürfen? Kinder müssen auf die Schnauze fallen, um wieder aufstehen zu lernen. Nur so werden sie stark, mutig, selbstsicher und selbständig. Eltern, traut euren Kindern mehr zu!

    • Katharina B. sagt:

      Ändle, diese Schule kostet über 30’000 Franken im Jahr. Ich bezweifle, dass Deine oder meine Kinder jemals dort ausgebildet werden. Also mach Dir keine Sorgen.

      • Carolina sagt:

        Das ist mMn eine Schwäche dieses Artikels, dass er nur Privatschulen und Reiche in die Nähe des Ueberwachungswahnes rückt. Wenn wir ehrlich sind, ist der Sicherheitswahn, das Helikoptergetue der Eltern und die Lebensangst, die bei vielen dahinter steht, ihre Kinder in Watte verpacken zu wollen, schon längst ‚mainstream‘ und die ‚Auswüchse‘ längst überall ein Thema.
        Wer sich an einer ’normalen‘ Schule (kann durch Kindergarten bzw Pfadi ersetzt werden) umschaut, sieht überall Eltern, die alles, aber auch wirklich alles bis ins Detail geregelt und gesichert haben wollen und das für völlig

      • Carolina sagt:

        /2 legitim halten – ein Hinterfragen bringt eher die Skeptiker in Zugzwang als diese Eltern. Die Frage ist, wo fangen wir an, diesem Wahn ein Ende zu machen? Da ich selber zum Helikopter-Mami neige, peinlich, peinlich, bin ich froh, dass ich einen Mann habe, der aktiv gegensteuert und mir im Laufe der Zeit beigebracht hat, meinen Mund aufzumachen und Erziehung so zu gestalten, dass sie für uns stimmt und nicht die Aengste anderer bedient – und das heisst nun mal, loszulassen, den Kindern Freiräume zu lassen und auch Zumutungen zuzulassen. Schwierig, aber machbar.

      • Katharina B. sagt:

        Carolina, und wo genau ist objektiv die Grenze zwischen normalem Sicherheitsdenken und Sicherheitswahn?

      • Katharina B. sagt:

        Und ja, diese Woche sind Helikoptereltern das Thema, die sich zu viel um ihre Kinder kümmern. Nächste Woche sind es dann wieder die, die sich zu wenig kümmern.
        Oder sie zu wenig abklären lassen. Oder übertherapieren. Oder zu lange stillen oder zu früh abstillen, oder zuwenig oder zuviel tragen, oder zuwenig oder zuviel in den Wald schicken. Ständig an ihnen herum erziehen. Sie zu wenig erziehen. Zu streng, zu lasch, zu jekami, zu autoritär, zu antiautorität, zu viele Kurse, zu wenig Förderung.

        Irgend etwas wird man schon finden, um auf den Müttern (also DEN ANDEREN) herumhacken zu können.

      • Andrea Mordasini, Bern sagt:

        Käthle, hesch recht ;)! Da sind mir die vielen Pflaster, Desinfektionsspray, die Arnikachügeli etc für die Behandlung der unzähligen aufgeschlagenen Knies, Platzwunden, blauen Flecken und sonstigen Bobos meiner beiden wilden, lebhaften, neugierigen und draufgängerischen Wildsäuen lieber und vor allem bei weitem günstiger ;).

    • 13 sagt:

      Ich finde die Parallele nicht ganz falsch. Es gab eine Zeit, da wurden nur die Kinder der reichen Familien von den Müttern (oder Nannys) im Park, auf dem Spielplatz etc. beaufsichtigt, während die „normal sterblichen“ schlicht und einfach keine Zeit dafür hatten und sie alleine zu Hause liessen, während sie arbeiteten. Das was jetzt bei den oberen Zehntausend anfängt, könnte problemlos auch in die Mittelschicht kommen, Die technischen Spielzeuge sind da, der Preis dieser sinkt auch immer mehr, die Nachfrage wäre bestimmt vorhanden, der Entwicklung steht nichts im Wege.

      • Carolina sagt:

        Nochmal: es hat längst ausserhalb der oberen Zehntausend angefangen! Diese als Protobeispiel heranzuziehen, kann dazu verführen, dass wir Normalen uns sagen: naja, ist ja noch nicht so schlimm, sind ja nur ein paar irre Reiche….
        Wichtig wäre, dass wir uns alle mal selber anschauen und unser Verhalten überprüfen! Mir fällt das selber schwer und ich habe immer wieder Rückschläge, d.h. ein gewisses Gluckengehabe schlägt durch, aber mehr Gelassenheit und Vertrauen kann man tatsächlich lernen.

      • Katharina B. sagt:

        Wir hier sind ja alle NICHT SO, sondern absolut überhaupt nicht diesem WAHN verfallen.
        SOWAS tun ja nur die anderen Eltern. Also die, die ihre Kinder nicht vernachlässigen.
        Denn genau richtig machen es sowieso nur wir selber.

      • 13 sagt:

        Carolina
        Die Smartcard ist zur Zeit noch ein Thema der oberen Zehntausend. Das Überwachen nicht, v.a. wenn ich daran denke, dass wir es hier als eine wahnsinnige Neuigkeit aufnehmen und dabei vergessen, wieviele Kinder, die nicht der Oberoberschicht angehören mit einem Handy (Smartphone) zur Sicherheit ausgestattet werden und wenn sie schon eins haben, könnte man doch, eine Ortungsapp installieren, natürlich ebenfalls zur Sicherheit. Und ebenfalls zur Sicherheit schauen wir doch da tagsüber kurz rein….ähm ja, die Smartcard ist weder neu noch notwendig, wir haben das ja schon.

      • 13 sagt:

        Katharina
        Weder ist hier irgendjemand davon befreit, noch sind wir alle gleich. Ich denke, dass ein grösseres Sicherheitsbedürfnis der Puls unserer Zeit ist und jeden und jede betrifft. Das ist ja nicht nur negativ, sondern brachte auch einiges an Sicherheit. Wie weit man es aber zulässt, dass es absurd wird, ist jedem selber überlassen und eine Diskussion und Reflektion darüber kann sicher nicht schaden, um unsere eigenen Handlungen besser einzuschätzen. Andere beeinflussen können wir nur in einem kleinen Ausmass.

      • Katharina B. sagt:

        @13: Natürlich ist eine Diskussion und SELBST-Reflektion angebracht. Mit dem Finger auf andere zeigen und „die spinnen ja“ sagen, ist m.E. aber weder das eine noch das andere.
        Ich bezweifle, dass sich das Sicherheitsdenken grossflächig verändert hat.
        Nur weil die Medien etwas, was<1% der Bevölkerung betrifft als "Trend" bezeichnen, ist das noch lange nicht Mainstream! Die Trends ändern alle paar Wochen und die meisten Eltern, die ich kenne, entsprechen nicht einem dieser hochgehypten Extreme.

      • 13 sagt:

        @ Katharina
        Klar ist das Anprangern falsch, aber doch, ich denke, es gab eine grosse Entwicklung und diese betrifft nicht nur <1%. Ich kenne keine Eltern mit einer Smartcard, aber wenn ich grundsätzlich mein Umfeld mit demjenigen der Generation meiner Eltern vergleiche, dann ist für mich eine Veränderung ohne Weiteres da. Davon die Augen zu verschliessen und sagen, geht mich nichts an, was Saudis in ihrer Elite-Privatschule machen. Es geht uns doch etwas an. wenn bei jedem Elternabend und in jedem Elternrat versucht wird, die Sicherheit unserer Kinder durch Freiheitseinschränkung zu steigern.

      • 13 sagt:

        War das früher so? Ich weiss nicht. Ich war in den 80/90ern in der Schule und ging damals logischerweise nicht an die Elternabende, aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass es einen Elternrat gab, der dafür sorgte, dass ein Zaun gezogen wird, damit die Kinder in der Pause auf dem Schulhof bleiben. Heute haben wir diese Forderung. Du magst es bezweifeln, dass das Sicherheitsdenken zunimmt, ich muss sagen, ich sehe es Tag für Tag und ich mache mir so meine Gedanken, wie weit es noch gehen soll.

      • Katharina B. sagt:

        Ich weiss nicht, von welchem „früher“ wir jetzt sprechen.
        Ich ging in den 1970ern und 80ern zur Schule und da gab es bei Verlassen des Schulhofes während der Pausen drastische Strafen. Solche würden heute nicht mehr akzeptiert werden. Die Erwartungen der Eltern gegenüber der Schule sind aber doch dieselben: Wir erwarten, dass ihr zu unseren Kindern schaut. Die Mittel sind nicht mehr dieselben.
        übrigens hat es hier, wo ich wohne, keinen geschlossenen Zaun (nur einen, damit die Bälle nicht abgehen).
        Es könnte ja sein, dass Ihr spezielles Schulhaus die Ausnahme ist und nicht die Regel.

      • Carolina sagt:

        Katharina B, ich fand eigentlich Ihre Beiträge völlig ok, dachte, dass meine Ihre nur erweitern, aber irgendwie komme ich jetzt nicht draus: sind Sie jetzt der Meinung, alles ist wie immer, also müssen wir auch nicht drüber sprechen? Oder was ist Ihr Rat an Eltern (mich z.B.), die versuchen, ihre Gluckenhaftigkeit zu bearbeiten? Ich habe das nicht ausgeführt, aber mir geht es darum, dass die Kontrollwut (die dort anfängt, wo Eltern meinen, ihre Kinder wirklich von allem fernzuhalten, was wehtun könnte, riskant ist etc) nur im kleinen aufgelöst werden kann, in dem wir uns hinterfragen. Z.B. ob

      • Carolina sagt:

        /2 es wirklich nötig ist, das Kind vom Sport abzuholen; ob sie tatsächlich ein Handy in die Pfadis mitnehmen sollen; ob wir wirklich beim Lehrer anrufen sollten, um uns zu beschweren, dass das Kind zuviele Aufgaben/zu harte Sportübungen/Präsenzpflicht beim ungeliebten Schwimmen hat – das sind nur einige Beispiele. Wenn Sie in den 60ern Kind waren, wissen Sie doch, dass die wenigsten Eltern damals auch nur auf die Idee gekommen wären, das Kind ständig im Auge zu behalten, bei allem mitreden zu lassen etc. Nur das meinte ich.

      • Carolina sagt:

        Bezüglich des Sicherheitsdenken, ich nenne es übrigens lieber Kontrollwut, noch: schon in den letzten 10 bis 15 Jahren haben sich die Dinge sehr stark verändert. Ich kann das vergleichen, denn meine älteren Kinder gingen im selben Umfeld in dieselben Schulen wie heute unser Kleiner. Da ist vom Essen über Thek über Pausenaufenthalt und Freizeitverhalten heutzutage alles reglementiert. Beispiel aus jüngster Zeit: unser Sohn geht auf Schulreise im Sommer. Zum ersten Mal wird die Mitnahme von Handys erlaubt, bei 7-jährigen! Und zwar aus dem Grund, dass einige (wenige) Eltern den Klassenlehrer

      • Carolina sagt:

        /2 solange belagert haben, bis er resignierte. Dass schon Fichen über jedes Kind mitgenommen werden und selbstverständlich die Eltern sofort benachrichtig werden, wenn etwas nicht stimmt: spielt keine Rolle. Aehnliches kann ich aus der Pfadi berichten, wo immer mehr alles einer allfälligen Haftungsfrage unterworfen wird. Tolle neue Welt.

      • 13 sagt:

        Strafen waren bei uns auch der Fall, vielleicht etwas weniger drastisch, aber Sachen, wie nachsitzen, die Pause drinnen verbringen müssen und Strafaufgaben. Sofern man denn erwischt wurde. Aber das bedeutete nichts destotrotz, dass man in erster Linie den Kindern das Vertrauen gab, sich an die Regeln zu halten und nicht, es zu verunmöglichen. Ein richtiger Zaun kam bei uns übrigens Gott sei Dank nicht durch, nur eine kleine Barriere. Aber schon dass wir darüber sprechen, finde ich fragwürdig.

      • Sportpapi sagt:

        Die Zäune, die in unserer Gemeinde bei allen Schulhäusern gebaut wurden, haben nicht den Zweck, die Schüler zurückzuhalten. Sondern es sind die neuesten Auflagen bezüglich Sicherheit. Neben den Treppen, neben einen Wiesenbord, hinter den Blumenrabatten, wo es zwei Meter in die Tiefe geht, usw. Das gleiche in den Häusern, wo feuerpolizeiliche Vorschriften zu massiven Baukosten und deutlich eingeschränkter Nutzung führen. Aber wird nicht umgesetzt, verweigern die Versicherungen ihren Dienst…

      • 13 sagt:

        @ Sp
        Das ist bei vielen Sachen tatsächlich der Fall. Hier geht es aber um eine Forderung des Elternrates und nicht der Schulleitung oder der Gemeinde und ich wage zu bezweifeln, dass sich der Elternrat um versicherungstechnische Dinge kümmert, zumal er gar keinen Zugang zu diesen Unterlagen hat.

      • Katharina B. sagt:

        @Carolina: Ich traue den meisten Eltern zu, das Beste für ihre Kinder zu wollen und je nach Situation und Kind entscheiden zu können, was für genau dieses Kind in genau dieser Situation bezüglich Sicherheit und benötigte Behütung richtig ist. Es gibt m.E. kein objektives „Richtig“.
        Natürlich hat sich die Erziehung in den letzten 10-15 Jahren verändert. Die ganze Welt hat sich verändert. Es wäre ja furchtbar, wenn die Erziehung stehen geblieben wäre. Es gibt nicht „früher“ und „heute“. in den 70er wurde anders erzogen als in den 60er, oder den 50ern oder im 19.Jh. oder bei den Römern.

      • Katharina B. sagt:

        @13: Die baulichen Massnahmen und Regulierungswahn an Schulhäusern oder Kitas hat nichts mit überbehütenden Eltern zu tun sondern mit Haftpflichtversicherungen, die alles nach best. Normen haben wollen oder sonst im Falle eines Falles nicht bezahlen.
        Ich kann Ihnen versichern, dass die Forderungen des Elternrates Ihrer Wohngemeinde nicht verallgemeinert werden können. Da ich weder das besagte Gelände noch die genauen Forderungen kenne, kann ich mir auch kein Urteil erlauben. Aber nur weil ein Elternrat etwas fordert heisst das noch lange nicht, dass die Mehrheit aller Eltern das auch so sieht.

      • Carolina sagt:

        Verstehe ich das richtig, KB: eigentlich könnten wir den MB auch einstellen bzw jede Diskussion mit dem Argument ‚alle machen es schon irgendwie für sich selbst richtig‘ ad absurdum führen?
        Wenn man Trends, neue Einflüsse, Bedenkenswertes, aber auch Lobenswertes nicht benennen soll, was genau machen wir dann hier? Ich teile Ihren Optimismus übrigens – hinsichtlich der Tatsache, dass die meisten Eltern wirklich nur das Beste für ihre Kinder wollen und dass Erziehung Privatsache (ML, nicht melden!) sein soll. Das ändert aber nichts daran, dass jede Generation wieder eine gewisse Verantwortung

      • Carolina sagt:

        /2 für gesellschaftliche Phänomene zu übernehmen hat, die das Potential haben, dieser Gesellschaft zu schaden. Dazu gehört für meine Begriffe die Tendenz, Eigenverantwortung immer mehr abzugeben, eine gewisse Vollkasko-Mentalität, die dazu neigt zu erwarten, dass uns und unseren Kindern in diesem Leben ja nichts Uebles zustossen darf – sonst wollen wir jemanden verklagen oder zumindest mit dem Finger auf ihn zeigen. Und genau auf diese Weise entstehen auch höhere Haftpflichtprämien – das Beispiel Hebammen bietet sich an. Wenn wir null Risiko erwarten, lässt sich das nur mit einem hohen

      • Carolina sagt:

        /3 finanziellen und ideellen Preis verwirklichen: lückenlose Ueberwachung, ständige Präsenz und Haftbarkeit um jeden Preis führen dazu, dass Haftpflichtversicherungen ihre Vorgaben und Prämien erhöhen – das machen die nicht einfach so aus dem Blauen heraus.
        Es muss erlaubt sein, ja erwünscht, dass das bisschen Zivilcourage, das es braucht, um Misstände zu benennen bzw sich nicht einfach der PC zu ergeben, auch gefördert wird und nicht einfach mit Individualverhalten, das bei Schiefgehen doch wieder nach gesellsch. Solidarität ruft, unter den Teppich gekehrt wird.

      • Katharina B. sagt:

        @Carolina: Wenn Sie nach gesellschaftlicher Solidarität rufen, dann müssen Sie auch damit leben, wenn die Gesellschaft über Reglemente ihr Individualverhalten zu beeinflussen bzw. zu kontrollieren sucht.
        Natürlich gibt es gesellschaftl. Entwicklungen und Tendenzen – aber die sind am Ende auch nur die Summe individueller Entscheidungen.
        Würden Sie denn eine Dreijährige alleine an einem Fliessgewässer spielen lassen?
        Und wieso nicht?
        Und wo genau liegt die allgemein für alle gültige Grenze zwischen gesundem Sicherheitsdenken einerseits und Überbehütung bzw. „Vollkaskomentalität“ andererseits?

      • Sportpapi sagt:

        Ich habe mir das gerade letzte Woche wieder erklären lassen. Das sind lernende Systeme. Aus jedem Unfall wird etwas gelernt, um künftig weitere Unglücksfälle zu verhindern. Das heisst, praktisch aus jedem Brand entstehen neue Vorschriften. Für immer wieder das gleiche Geld wird jedes Mal das Restrisiko noch einmal halbiert. Es steht dann die Frage im Raum, was ein Menschenleben wert ist, und weshalb man es nicht verhindert hat, wenn das Risiko doch bekannt ist. Die Nutzungseinschränkung, oder allenfalls die Einschränkung von Freiheiten steht nicht zur Diskussion.

      • Sportpapi sagt:

        @Katharina: Ich finde in diesem Zusammenhang zwei Tendenzen interessant: 1) findet man die eigenen Sicherheitsentscheidungen immer logisch und mit praktisch keinerlei Einschränkungen verbunden. Was andere machen aber entweder übertrieben oder fahrlässig. Und 2) leider sind die langfristig entstehenden Entwicklungsstörungen von Kindern, die nicht altersgerecht ihre Freiräume erhielten, viel weniger offensichtlich und präsent wie die Folgen schwerer Unfälle auf der anderen Seite. Klar, dass Risikominimierung eher das zweite umfasst.

      • Katharina B. sagt:

        Haftpflichtversicherungen erhöhen ihre Prämien, um ihre Gewinne zu „optimieren“ und aus keinem anderen Grund.
        Und natürlich versuchen sie, im Schadensfall den Begünstigsten Selbstverschulden anzuhängen, um nicht bezahlen zu müssen und jene tun alles, um Selbstverschulden auszuschliessen. So geht das „Spiel“. Da kann man mitmachen oder nicht. Es ist freiwillig.

      • Katharina B. sagt:

        @ Sportpapi: Full ACK zu Deinem Posting von 22:06.
        Dann gibt es noch Feinabstufungen. Mein Sohn kann mit 4 ein richtiges Sackmesser (kein Kindermesser) händeln und ein Feuer anzünden. Wofür mich viele für verrückt erklären. Ich lasse ihn aber nicht alleine draussen spielen. Wofür mich dieselben Leute als Helikoptermutter bezeichnen.
        Deshalb: Alles ist relativ, es kommt auf die Situation an und das Kind, ob eine „Sicherheitsentscheidung“ angebracht ist oder nicht.
        Der Versuch das allgemein gültig zu regeln endet im KgT und das ist tatsächl. eine sichtbare Tendenz.

      • 13 sagt:

        @ Katharina
        Wie gesagt: Elternforderungen haben nichts mit Versicherungen zu tun und von meiner Wohngemeinde habe ich gar nicht gesprochen. Es war auch nur ein Beispiel, ich könnte den Leuchtvestenzwang bis zur 6. Klasse als zweiten nennen. Aber es hat doch keinen Sinn, wenn jedes Beispiel/Argument, mit „stimmt nicht“ „gilt nur für die Reichen“ und „die absolute Ausnahme“ erwidert wird. Ich spüre eine deutliche Entwicklung, hier und jetzt und hinterfrage sie. Es ist nicht alles negativ! Die Grenzen zu diskutieren wäre spannend, aber wenn keine Bereitschaft besteht, dann eben nicht. Schade.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Aber es wird hier doch in meinen Augen ziemlich spannend und intensiv diskutiert. Wenn Sie eine Entwicklung wahrnehmen, müssen Sie allerdings schon damit leben, dass andere darauf bestehen, solches nicht zu bemerken. Elternforderungen sind ja noch keine Massnahmen. Und bei Massnahmen sind letztlich schon die konkreten Begründungen wichtig. Stört es Sie, wenn ich mich nun auch über den Leuchtwestenzwang wundere? In welchem Zusammenhang gibt es so etwas? Wo?

      • 13 sagt:

        @ Sp
        Ja, Sie dürfen sich wundern und ich wundere mich gleich mit Ihnen. Trotzdem habe ich von der Diskussion aus erster Quelle gehört, in einer Gmd des Kt BE. Solche Forderungen sind keine Massnahmen und auch kein Zeichen dafür, dass das alle so sehen, aber sie bedeuten, dass sich eine Gruppe von Eltern gefunden haben, die das befürworten würden. Das nenne ich eine Entwicklung, Sie dürfen gerne ein anderes Wort brauchen. Einzelne anzuprangern liegt mir fern, aber ich frage mich, wie weit WIR (inkl. mich!, nicht einfach andere) wir noch gehen wollen.

  • Hanspeter sagt:

    Für mich ist es einfacher unserem Nachwuchs möglichst viele Unannehmlichkeiten aus dem Weg zu räumen, als beim „Auf-die-Schnauzte-Fallen“ zuzuschauen. Es wird noch früh genug mit der bösen Realität konfrontiert. Vielleicht neigen Väter eher zu dieser Haltung, vor allem wenn Sie wie ich nicht soviel Zeit mit Ihren Kleinen verbringen können. Wenn es diese Karte bei uns in der Schule geben würde, ich würde sofort eine kaufen.

    Schöner Beitrag. Solche Texte könnte dieser Blog mehr vertragen.

    • Marie sagt:

      Cooler Blog. Fern und trotzdem so nah. Lieber Hanspeter; Du machst Deinen Kindern damit keinen Gefallen. Hoffe Du hast clever geheiratet 😉

    • Ashiro sagt:

      Auf die Schnauze fallen heisst zu lernen, dass die Landung hart sein kann. Nur mit dem Erkennen des Risikos können es Kinder auch wirklich einschätzen.

    • HansDampf sagt:

      Hinter dem Pseudonym „Hanspeter“ steckt wahrscheinlich eine überbevormundende Helikopter-Mutter, welche mit dem männlichen Namen davon ablenken will, dass die Überwachungshysterie zu 99% weiblich verursacht ist.

      • 13 sagt:

        Dann kenne ich aber viele der 1%….

      • Katharina B. sagt:

        Also da kenne ich viele Väter, die ihre Töchter nicht mal alleine in den Ausgang fahren lassen und auch sonst nie aus den Augen lassen.

      • Suzanne sagt:

        bei uns ist ganz klar der Vater der Überbesorgte. Und genau deshalb: er ist selten um die Kinder herum. Wenn man 100% seiner Zeit mit den Kindern verbringt, man man sie gar nicht immer überwachen – soll ich meinem Sohn das Velo verbieten, weil er damit mal böse umgefallen ist? Sicher nicht. Der Vater allerdings hätte gern gesehen, wenn sein Sohn nicht mehr aufgestiegen wäre.

    • Pedro sagt:

      Sie können für Ihr Kind bereits einen geeigneten Psychiater selektieren – weil dort wird es später landen, wenn „es“ als Erwachsener alleine in die böse gmeine Welt rausgelassen wird. Es wäre wichtiger, seinem Kind Selbstvertrauen und positive Ermunterung auf den Weg zu geben als diese negative Einstellung, dass überall Schutz von nöten sein soll.

    • Sabrina sagt:

      Die Welt ist böse und der Sinn und Zweck der Kindheit besteht einzig darin, zu lernen, wie böse sie ist, um sich darin zurecht zu finden. Alles vor Kindern fernzuhalten grenzt für mich an Misshandlung – Eltern sind dazu da, Kinder nach dem „auf die Schnauze fallen“ zu trösten und ihnen aufzuzeigen, wie man es besser macht.

      Auch Emphatie und Mitleid lernt man nur, wenn man schon in der Kindheit mit Schmerz und Elend konfrontiert wird.

  • Manuela sagt:

    Ist doch super. Da werden die Kids direkt von Anfang an für Datenschutz sensibilisiert, weil sie am eigenen Leib erleben, was die grosse Überwachungsmanie bedeutet. Den Rest besorgt die Pubertät. Ich hätt meiner Mutter ja was erzählt, wenn sie mir vorgeschrieben hätt was ich essen soll…

    • Ashiro sagt:

      Wieviel muss ich meinem Klassenkameraden bezahlen, damit er mit meiner SmartCard in der Schulstube sitzt und ich in der Badi den Mädchen nachgucken kann?

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.