Mein Mann und ich haben bei vielen Unterschieden eine Gemeinsamkeit: beide sind glühende Verfechter des Individualismus. Deshalb war es für uns eine persönliche Revolution, als wir vor neun Jahren beschlossen, das WG-Leben zugunsten eines gemeinsamen Haushalts aufzugeben. Allerdings mit einigen Einschränkungen: wir verzichteten auf Heirat, weil wir kein Ehebrett vor dem Kopf wollten. Und ein Ehebett kam nicht in Frage, weil wir darin die Keimzelle von falscher Intimität und stagnierendem Verkehr sahen. Und den Inbegriff des Spiessertums.

Wer sagt denn, Männer interessierten sich nicht fürs Vorspiel! Szene aus dem Film «Black Ice» (2007).
Nicht, dass wir das je verbalisiert hätten. Erst als mich jüngst ein Freund darauf ansprach, weil er im Begriff war mit seiner Freundin zusammenzuziehen, machte ich mir darüber Gedanken. Ob wir beide, wollte der Freund wissen, nicht getrennte Schlafzimmer hätten, wobei er mich musterte, als sei er Charles Darwin und ich ein besonders interessantes Exemplar eines exotischen Chamäleons. Eines, dessen Entdeckung seinen Ruf als Wissenschaftler für immer über alle Zweifel erheben würde. Getrennte Betten, so stellte ich erstaunt fest, bedeuten noch heute für viele eine Bankrotterklärung der Beziehung.
Wäre ich in den neun Jahren gefragt worden, ich hätte stundenlang das Loblied auf die getrennten Zimmer gesungen. Die gesunde Distanz beschworen, die Rückzugsmöglichkiten, den besseren Schlaf, was der Beziehung und vor allem dem Sexleben förderlich ist. Auch wenn das mit der Distanz sich mit der Geburt der Kinder als Witz erwies. Denn ein Neugeborenes verfährt mit einer auf dem Fundament der Individualität gründeten Beziehung so, wie Jack Bauer mit einem Terroristennest. Er jagt es, ohne mit der Wimper zu zucken, in die Luft. Und die Überlebenden dürfen dann die blutigen Reste von der Wand kratzen und daraus eine Familie zusammenstückeln.
Trotzdem hielten wir am eigenen Zimmer fest. Als Symbol, als Pièce de Résistance gegen die Vorstellung einer bürgerlichen Familie. Immerhin erlaubten die getrennten Betten wenigstens einem von uns beiden Schlaf, wenn das Kleine partout wieder mal mitten in der Nacht auf seine Party mit Muttermilch und Gesängen bestand. Ansonsten segelten wir natürlich wie jede Familie friedvoll in den Hafen der Bürgerlichkeit ein.
Und nun war jüngst auch in meiner nationalkonservativen Lieblingslektüre ein Loblied auf getrennte Betten zu lesen. Weil viele prominente Paare getrennt schlafen. Weil vor allem Frauen von getrennten Betten profitieren. Weil Psychologen und Schlafforscher sie allgemein empfehlen. Aber als besagter Freund mich mit seinem Darwin-Blick fixierte, hielt ich mich mit meiner Arie dennoch zurück. Denn jüngst unternahmen mein Mann und ich eine Totalrenovation unserer elfjährigen Beziehung. Die grösste Neuerung war ein gemeinsames Bett. Nun schlafen wir jede Nacht nebeneinander ein und wachen am Morgen nebeneinander auf. Und es ist grossartig. Die Intimität ist echt, und von Samenstau kann bei unserem Verkehrsaufkommen nicht die Rede sein. Perfekt. Und was schliessen wir daraus? Dass es in der Ehe keine Patentrezepte gibt. Ausser vielleicht, dass es sich immer lohnt, über seinen Schatten zu springen und mal was Neues zu probieren.
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Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und ist Mutter einer Tochter. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich und ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
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@Natalie: Doch, man kann schon alles haben: Gemeinsam einschalfen, nach dem ersten Schnarcher oder Tritt zombiemässig ausziehen ins eigene Bett und morgens zurückkehren zum Kuscheln. Geht. Bewährt sich seit Jahren.
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@ Matilda + Marcel: 1. Klasse. Bei Matilda kann man anstelle von Kommune eigentlich auch Durchhalteübung beim Militär einsetzen und Marcel: Jaaa der Vorteil bei dieser Art Lebensweise liegt eben in unserem starken Staat begründet. Aber im Ernst, Spiesser, Kommune oder weis was: Hauptsache man ist glücklich mit seinem Lebensentwurf. Und wenn ich für die Kommune halt mehr Steuergeld in Form von Sozialleistungen entrichten muss, so what, dafür gibts dort wohl keine Todesraser… Ich persönlich finds einfach ein praktischer, wenn man sich nicht tagtäglich über irgendwelche soziale Abgrenzungen sinnieren muss. Es vereinfacht das Leben
@jo mooth. Einverstanden, nur fehlt uns ein weiteres Zimmer… tja, eine grössere Wohnung muss her, aber wie bezahlen und woher nehmen?!?!?
@ Peer und alle meine Lieben älteren und jüngeren Mitmenschen die gerne an biologische Märlis glauben. Ich wünsche Euch allen von Herzne ein erfülltes Sexualleben viele tolle Stunden der Intimität nur, Bitte, schaut doch bei Gelegenheit rasch mal im Aufklärungsbuch Eurer Kinder nach. Samenstau hat weder in der Medizin noch im Duden seine Heimat. Der Begriff ist schlicht von Männern erfunden. Es ist hingegen ein tolles Mittel die Partnerin mit (sanftem) Druck zur Mitmachen bei der Evolution zu bewegen (die glaubt das Märli meist auch noch).
Wichtig ist doch, dass jedes Paar seinen Weg zusammen findet, ob mit getrennten Schlafzimmern oder einem gemeinsamen, ob mit Familienbett oder Kinderzimmer. Was mich erstaunt ist, dass man sich sowohl für das eine,wie auch für das andere scheinbar rechtfertigen muss, es gibt sicher gute Gründe, weshalb man seine Lebensform gewählt hat und das sollte doch von Unbeteiligten einfach so respektiert werden ohne grosse Erklärungen.
Als mein Mann krank wurde, konnten wir nicht genug Nähe kriegen, weil wir beide wussten, dass sie terminiert sein wird, die Zeit in der wir zusammen einschlafen konnten und zusammen aufwachen durften. Sein Schnarchen in der Nacht war Musik in meinen Ohren, weil es mich wissen liess, dass er atmete. Man sieht vieles in einem anderen Licht, wenn man weiss,dass sich die Wege ungewollte trennen werden.
Leben und leben lassen. Extreme sind nie gut, den Versuch eine Mitte anzustreben sollte immer wieder gewagt werden. Das Chaos ist absolut und unser Universum bestimmt von andauernder Veränderung und der daraus resultierenden Weiterentwicklung. Wer dies vergisst und selber in erstarrten Verhaltensmustern und Denkweisen verweilt, verliert.
Ich masse mir in keinster Weise an, über das Spiessertum anderer zu urteilen. Nur soviel: Heute habe ich zum zweiten Mal beobachtet, dass ein Kommentar von Michelle Binswanger zensuriert wurde.
Möglichkeit 1: Es hat sich jemand ihren Namen geborgt und unter diesem etwas geschrieben (was ich schwer vermute)
Möglichkeit 2: Dem Chefredaktor – oder wer immer sonst in diesem Blog solche Dinge entscheidet – haben ihre Kommentare nicht gepasst (könnte allenfalls sein, denn er war bissig).
Sollte wider Erwarten Möglichkeit 2 der Realität entsprechen, müssten Sie, Frau Binswanger wahrscheinlich auch mit der zensurierenden Persönlichkeit über Spiessertum reden. Denn ich fand den Kommentar zwar bissig aber nicht schlimm.
Das gemeinsame Schlafzimmer…
Immer wieder höre und lese ich von Paaren Diskussionen darüber, ob es jetzt besser ist, gemeinsame oder getrennte Ehebetten zu haben. Siehe dazu auch den aktuellen Artikel im Mamablog. Eigentlich müsste ich eine flammende Befürworterin getrennter Ehebe…
@Papa: ich bin schockiert!
In einem moderierten Forum darf es keine Zensur geben! Wenn mein Beitrag durch einen Workflow geht, bevor er publiziert wird. Somit kann Variante 1 sozusagen ausgeschlossen werden.
Jeder vom Autor oder dem Moderator (und sei es der Chefredaktor) editierte Beitrag hat stehen zu bleiben mit einem “editiert durch…” oder “gelöscht durch…”.
Das ist Netiquette.
Sollte ich sowas hier mal selber feststellen, wäre das mein letzter Beitrag gewesen.
@Michael: Relax. Jede und Jeder weiss, dass “Samenstau” keinen physiologischen, sondern einen psychischen Zustand beschreibt.Don’t be a troll.
@Papa und Urs Hess: Ich habe meinen Kommentar selbst glöscht. Warum? Gründe finden Sie hier: http://blog.tagesanzeiger.ch/mamablog/index.php/1238/die-wahrheit-uber-den-weiblichen-zyklus/
Also das mit dem FETT GEDRUCKTEN Samenstau und Verkehrsaufkommen ist too much, so genau wollte ich es nicht wissen…
Getrennte Betten: bloss nicht als “er/sie-liebt-mich-nicht-mehr” interpretieren, oder? Oder denken, der andere könnte es denken und neben dem Schnarcher/Querschläger leidend ausharren.
@matilda: Der von Dir geschilderte Lebensstil waer fuer mich ein Horror.
Der Trend hier in Amerika geht bei haesern dahin, dass es zwei Mastersuites gibt: Beide Lebenspartner haben eine persoenliche Suite (Schlafzimmer, Volles Badzimmer und Walk-In-Closet).
@Katharina: Ist das ein Trend in Beverly Hills? Oder sind die Wohnungen und Häuser einfach grösser als hier in der Schweiz?
@Marcel: Häuser sind einfach grösser. Und wurden in den letzten Jahren immer groesser auf kleineren Grundstuecken. Despektierlich wird von Guetzliblech-Siedlungen (Cookie-Cutter Boxes) geredet. Beverly Hills ist allerdings in einer eigenen Liga mit Phantasiepreisen und superreichen Ekzentrikern. Es hat sich einfach dieser Trend ergeben . Wohl auch wegen den in die Jahre gekommenen Babyboomer. Statt eine Mastersuite fuer beide Elternteile eben zwei , dafuer weniger Zimmer mit anderen Designationen. Die Kinder fliegen ja so ab 18-20 Jahren aus , sei es wegen dem Umzug in eine Uni und deren Campus, oder Arbeit. Statt dann ein leeres Haus (Empty-Nest) zu betreiben in ein dem Lebensstil angepasstes ziehen oder dann umbauen, was hier ohne Baubewilligung geht…..
“Häuser sind einfach grösser. Und wurden in den letzten Jahren immer groesser auf kleineren Grundstuecken. Despektierlich wird von Guetzliblech-Siedlungen (Cookie-Cutter Boxes) geredet.”
Meine Anspielung war eigentlich eher ironischer Natur… Dass in den USA anders gebaut wird- u.a. mit begehbaren Kleiderschränken wusste ich. Dass es da auch immer mehr Hundehütten mit Pappwänden gibt (die jetzt preislich kollabieren) eigentlich auch. Ganz abgesehen davon: So gross sind die von Dir erwähnten Suites ja auch gar nicht.
Ich schnarche trotzdem im gleichen Bett wie meine Frau weiter.
Ist für mich schöne so. Sie schnarcht übrigens lauter als ich
Ich habe schon seit langer Zeit ein breites Bett, das teile ich nicht, geht mir gut dabei, “Die Kunst, ein Egoist zu sein hat auch Lebensberechtigung oder nicht”.
getrennte Bettenn, getrennte Schlazimmer, OK… doch was wenn man gar nicht kuscheln darf? Die Flucht ergreifen!