Leben


Michèle Binswanger am Mittwoch den 8. Juli 2009

Darf die Chefin schwanger werden?

Sexverbot für Firmenchefinnen?

Sexverbot für Firmenchefinnen?

Gestern fiel mir zufälligerweise das Schweizer Wochenmagazin mit nationalkonservativer Ausrichtung in die Hände. Zuerst stachen mir die Schlagzeilen ins Auge: «Homosexualität als Religion»; «Zu faul zum Arbeiten»; «Männer lieben den Krieg, Frauen lieben Krieger». Dann bemerkte ich die rot gedruckte Kopfzeile. Sie lautet: «Darf die Firmenchefin während der Krise schwanger werden? Nein.»

Im Editorial breitet Verleger und Chefredaktor K. die Problemlage aus. Eine «noch junge» Chefin des ABB-Konzerns nimmt 16 Wochen Mutterschaftsurlaub. «Rechtlich ist das alles korrekt, aber ist es auch in Ordnung?» fragt K. Wobei der Unterschied zwischen Recht und Ordnung mit der dramatischen Situation zu tun hat: Wir befinden uns «im Krieg» und die Manager sind unsere «Generäle». Von der Weltwoche-Front wissen wir ja schon, dass Männer diese Situation lieben. Wir vermuten unter anderem deshalb, weil im Krieg alles erlaubt ist. Zum Beispiel auch, die Frauen wieder huschhusch ins Körbchen zu schicken.

In den weiteren Ausführungen will K. sich zu einigen grundsätzlichen Gedanken zum «Thema Frau und Karriere» aufschwingen. Dann allerdings folgen fast ausschliesslich Reflexionen über die Tugenden eines Firmenchefs, also sich selbst: «Unternehmer und Topmanager sind Antreiber, Strategen, Vorbilder, Lasttiere. Sie müssen den Karren ziehen und alles dieser Aufgabe unterordnen. Gesundheit, Familie, Freizeit, in vielen Fällen sogar das eigene Vermögen treten in den Hintergrund.» Zum Schluss erfahren wir noch: «Wenn die ABB Schweiz in der schwierigsten Krise seit dem zweiten Weltkrieg auf ihren Chef verzichten kann, dann ist es der falsche Chef.»

Nun ist es eine berechtigte Frage, ob auch Unternehmensleiter sich sechzehn Wochen Urlaub nehmen dürfen, oder ob sie nicht, wie Magdalena Martullo Blocher den Job höher gewichten und nach ein paar Tagen wieder im Büro erscheinen sollten. Aber warum sollen Firmenchefinnen nicht schwanger werden dürfen? Sollen sie wegen der Krise vielleicht gleich ganz auf Sex verzichten? Obschon «la Crise», ja laut K.s eigenen Worten «n’existe pas»? Entweder, so müssen wir schliessen, möchte K. uns sagen, dass Frauen an Unternehmensspitzen so wenig verloren haben, wie im Krieg. Oder das ganze ist eine Kampfansage an seine Frau, die ja ebenfalls in Erwartung ist, aber von ihm wohl auf keinerlei Unterstützung hoffen darf.

Und apropos Krise. Ging es damals nicht um die UBS? Der es bestens gehen soll, wie das Wochenmagazin damals wortreich darlegte, obschon sie ein paar Tage danach Milliardenhilfe von den Steuerzahlern beantragte? Und wie war das noch mal mit der Funktion des Firmenchefs? Wenn der tatsächlich so direkt für Weh und Ach des Geschäftsgangs verantwortlich ist, sich «die Verantwortung» nicht teilen lässt: warum wurde dann Marcel Ospel nicht zur Verantwortung gezogen?

Was meinen Sie zum Thema?

Ich persönlich zweifle dran, ob die Krise mit martialischen Brustgetrommel anzugehen so klug ist, weil ja gerade solches, kombiniert mit persönlicher Gier und der Vorstellung «im Finanzkrieg ist alles erlaubt», uns erst dahin geführt haben. Und ja, ich bin unbedingt für unbequeme Fragen. Aber die Frage, ob die Firmenchefin in der Krise schwanger werden darf, ist nicht unbequem, sondern bloss beschränkt. Irgendwie werde ich den Verdacht nicht los, dass K. sich letztlich in den Schlagzeilen seiner Zeitung vertan hat. Eigentlich müssten sie lauten: «Arbeit als Religion.» «Zu faul, um homosexuell zu sein» Und: «Männer lieben den Krieg. Und Frauen sollen draussen bleiben.» Vielleicht sollte er sich einen Vaterschaftsurlaub auf Mykonos gönnen.

117 Kommentare zu „Darf die Chefin schwanger werden?“

  1. werner sagt:

    Nehmen wir mal an: K liebt B abgöttisch. Am liebsten würde K ein Kind von B wollen. Das geht natürlich nicht, da kann nicht mal der Doktor M. aus dem Museum helfen. Da dies nun halt nicht möglich ist, ist man natürlich neidisch auf all die die Kinder kriegen und erfolgreich sind.
    Mich nimmts nur Wunder was K nun über Nationalrätin JH sagt – soll sie in der Wirtschaftskrise das Amt wegen eines Baby abgeben oder erst recht in den Krieg gegen Links ziehen. Bewaffnet mit Buggy und Schnuller fährt sie wie ein Traktor im Nationalratssaal ein – wenn möglich ohne Partikelfilter – sprich Pampers.

    Also Herr K – ist nun JH eine Verräterin? Was soll sie machen?

  2. Martha sagt:

    @Zorli

    Ein Poulet aus seinem Nasenloch drücken… hahahahahahahaha

    Was wollen sie uns damit sagen? Ich möchte schüli gärn mitlachen.
    Wenn ich es mir in die Praxis umgesetzt vorstelle, finde ich es eher schauerlich als lustig.
    Zorli, zorli, Sie machen mir Angst.
    Ich hoffe, Sie bringen den Kalauer jetzt nicht in jeden Blog ein.

  3. Isabel sagt:

    Ist etwas Off-Topic, aber nicht uninteressant: Die Weltwoche kann in ihrer neusten Ausgabe grade mal vier ganzseitige Inserate vorweisen. Es wirbt die Uhrenmarke Breitling, der Verlag Weltwoche (Eigeninserat), die EMS-Chemie (Kreuzworträtsel) und der Verlag Meier und Cie. Schaffhausen (Führungsbuch von einem Herrn Dr. Ch. B.). Dann gibt es ein paar kleinere Inserate, die zusammengezählt fast die Fläche einer Tabloidseite ergeben, das Format der Weltwoche. Insgesamt knapp fünf Seiten Werbung, wovon einzig die der Firma Breitling relevant ist. Ein Schelm, wer da was Böses denkt. Aber schon lustig, dass die «freie Wirtschaft» ihre Inserate lieber in den «linken Medien» schaltet. :-)

  4. Regina sagt:

    Warum hat Herr K. kein Interviewe mit schwangeren Frauen in Führungspositionen geführt zum Thema?
    Oder mit Frau Staiblin selbst?
    Das hätte mich viel mehr interessiert.

    (Herrlich, das Poulet im Nasenloch! :-) Wieviele Wochen braucht man danach Urlaub, um sich zu erholen?)

  5. Kathrine sagt:

    tja Martha, vielleicht liegt es daran, dass ich in einem männlich dominierten Umfeld arbeite. Meine Teamkollegen sind alles intelligente, aber vermutlich nicht kampferprobte Männer, da wir mehr mit Worten und Schriften, als mit Waffen arbeiten.

    Und natürlich haben Sie absolut recht. Ich bin ein verwöhntes Kind und musste mich noch nie um eine Stelle bemühen, sondern hatte bis jetzt das grosse Glück, dass neue Herausforderungen immer an mich heran getragen wurden.

    Es ist mir egal, wer hinter meinen Teamkollegen steckt (es ist natürlich immer schön, wenn man bei gesellschaftlichen Anlässen das Umfeld kennenlernt). Aber wenn jemand, der durch seinen Job so exponiert ist wie Frau Staiblin den Wunsch hat, das Privatleben nicht an die grosse Glocke zu hängen, dann soll man das so akzeptieren und sie nicht gleich in die wunderliche Ecke stellen.

  6. Martha sagt:

    @Kathrin
    ich weiss nicht, welche Martha Sie mit ihrem letzten Kommentar ansprechen.
    Da ich die einzige Martha bin, die hier geschrieben hat, müssen Sie wahrscheinlich mich meinen.
    Wenn Jemand nicht die gleiche Meinung vertritt wie Sie, dann sollten Sie das nicht als persönlichen Angriff werten.
    Das gilt auch für die Poulet-Fraktion. Wenn Jemand nicht die gleiche Meinung vertritt wie Sie, ist er deswegen nicht ihr persönlicher Feind, und es gibt Ihnen auch nicht das Recht, ihn wie Freiwild zu behandeln.

    @Isabel, wirklich ineressant ihr Off-Topic. Vorallem, wenn man es weiterspinnt.
    Was für Konsequenzen wird das auf die Berichterstattungen der linken Medien haben, wenn die freie Wirtschaft vermehrt dort inseriert?

    Das ist das erste und letzte Mal, das ich im Mama-Blog mitgemacht habe.
    Ich fühle mich zwischen Pouletterroristen sehr unwohl. Tschüssi.

  7. Kibo sagt:

    Ich lese die WW seit Jahren nicht mehr – genau wegen dieser Schreiberlinge. Es ist normal, wenn Frauen in solchen Positionen immer wieder angegriffen werden. Auch C.Bs. Tochter hätte wohl einen seitenlangen Artikel vom Autor bekommen (Rabenmutter, Doppelbelastung, Wohl der Firma…), wenn der Vater nicht so in der Öffentlichkeit gestanden hätte. – Selbst Männer sägen gerne während längerer Abwesenheit am Stuhl ihres Vorgesetzten. Wenns bei Frauen fachlich nichts zu bemängeln gibt, dann stürzt sich die WW und andere gutbürgerlichen Anhängsel gerne ganz in Boulevardmanier auf das Privatleben der Vorstandsdame. Wenn sie nicht schwanger geworden wäre, hätte der Autor sicher etwas noch viel schlimmeres aus seiner Feder fliessen lassen. Vielleicht hat sie vorher eine Homestory mit ihm abgelehnt. Ich erinnere mich, dass in den strauchelnden Banken, Versicherungen und Industriefirmen zu 99% Männer sassen und immer noch sitzen. Haben sie statt Vaterurlaub zu machen etwa am Arbeitsplatz geschlafen, um völlig überrascht von der Krise wachgerüttelt zu werden? Waren die auf dem Trip wie gewisse Wallstreetler?

  8. Elias sagt:

    Einfach nur dekadent.

  9. Martin sagt:

    Ich wollte das meine Frau Karriere macht, aber sie wollte nicht! Dabei waere sie besser im Mitarbeiter zu “managen”. Ich wuerde sie auch jetzt noch unterstueten, aber sie will einfach nicht.

  10. Mia sagt:

    @ martin: ich habe, glaube ich, den falschen Mann ;) )

    Ansonsten: all die Aufregung nützt rein gar nichts. Angebot und Nachfrage. Wenn man einen gut ausgebildeten, militärdienstfreien und so weiter Mann haben kann, zieht man den, bei sonst vergleichbaren Konditionen, der Frau im gebärfähigen Alter in aller Regel vor. Sind die Zeiten anders, die Supertypen weg, dann darfs auch eine Frau sein. Da kann man lamentieren, wie man will, das ist nun mal so. Auch derjenige, der besser aussieht, übertrumpft den Hässlichen mit den nassen Händen. Die Karrierechancen der Frauen steigen wieder, wenn die Kinderfrage aus dem Raum ist, also ab etwa 45. Ich habe das alles auch durchgestanden und bin realistischer geworden. Wen würdet denn Ihr anstellen, wenn Ihr die Wahl hättet? Und selber die Suppe von der Arbeit her auslöffeln müsstet, wenn jemand vier Monate lang ausfällt, und dann noch, mindestens, vier Wochen Ferien bezieht, wie es ihr Recht ist?

  11. Jolanda Von Berg sagt:

    Herr K. hat ein Auflagenproblem … Flotte Schlagzeilen könnten helfen; oder mindestens die Geldgeber besänftigen. Immer fleissig arbeidend, grüsst herzlich, JVG

  12. Rolf Raess sagt:

    Dieses Parteiblatt lebt nur noch wegen seinem Namen aus früheren Jahren…
    Ganz uninteressant, nicht nur für die Werber! Lasst die Extremisten unter sich – basta!

  13. Heinz Frey sagt:

    Tja, wer sich hier im Forum nicht argumentativ auseinandersetzen kann, muss es halt mit Stigmatisierungen und Beleidigungen “versuchen”. Komisch, dass die Angeblich so toleranten und netten es fast nicht ertragen können, wenn jemand argumentativ eine andere Meinung hat. Da wird mal schnell ein “Auflageproblem” hervorgezogen oder – was immer gut ankommt – “B” und “Dr. M” hervorgezaubert oder man zieht den “Extremismusjocker”, beleidigt eine Meinung als “dekadent” oder unterstellt Herrn Köppel, “er wolle ein Kind von B (Blocher)” – nur ein anständig gehaltenes Votum, schlicht eine argumentative Gegenposition scheinen denjenigen, die die Meinung von Hr. Köppel nicht teilen, nicht abgeben zu können. Man kann sich also offen die Frage Stellen, ob derjenige, der stigmatisiert und beleidigt “extrem” ist, oder derjenige, der in der Frage “Mutterschaftsurlaub für Kaderangestelle” eine konservative Meinung vertritt. Bezeichnend auch, dass diejenigen, die (in Eigenüberschätzung) glauben “für das Gute einzustehen”, sich nur via primitiver Beleidigungen äussern können. Gleich wohl auch Hr. Frank A. Meier, der die WW als “Rechtsradikales Sektenblatt” betittelte.

  14. Wolfgang Jaeger sagt:

    Ich selbst stimme immer nach Thema ab. Mal eher rechts bei Finanzvorlagen und öfters auch mal eher links in gesellschaftlichen Belangen soweit diese nichts kosten ;-) ) . Für mich ist es erstaunlich, dass so viele linksgeerdete ihre Thesen, die durch den Zerfall des Ostblocks und erst recht durch die fast bankrotten sozialdemokratischen Staaten in Westeuropa längst wiederlegt sind, weiterhin mit religiösem Eifer verteidigen. Genauso bedauerlich ist der Glauben an die Unfehlbarkeit des Marktes und der sinnlose Kampf gegen gesellscahftliche Veränderungen (patchwork Familen, Frauenpower, Homoehe usw.). Bleibt doch cool, die Schweiz wird doch nicht untergehen nur weil ein einziges Magazin (WW) rechte Thesen vertritt. Der Tagi und der Blick (die beinden ‘Grossen’) erscheinen täglich und in viel grösserer Auflage.

  15. K. Forster sagt:

    Natürlich darf niemand alles! Aber es muss uns auch klar sein, dass eine Chefin vielleicht mal schwanger wird! Da sollten wir jubeln und Glück wünschen! Klar, Chefs werden nie schwanger! Aber dafür sehen sie auch nicht so gut aus wie die Chefinnen. – Juristisch und arbeitsrechtlich können wir alles regeln, aber die Realität ist nich so einfach. Frau Carolina Müller-Möhl ist für mich ein Beispiel einer Frau, die – natürlich auf Grund ihrer finanziellen Situation – etwas aus ihrem UND unserem Leben machen kann. Sie macht das hervorragend! Sie hat die Richtung erkannt, in die wir uns bewegen müssen! Danke!

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