Leben


Nicole Althaus am Donnerstag den 9. Juli 2009

Zwitter per Erziehung?

tomboy: Das Spiel mit dem Geschlecht

Tomboy: Das Spiel mit dem Geschlecht

«Bub oder Mädchen?» Das ist die Frage aller Fragen. Vom Augenblick, in dem der Schwangerschaftstest positiv ausfällt, rätseln die werdende Mama und der künftige Papa, Grosseltern und Verwandte, ja sogar wildfremde Menschen über das Geschlecht des Nachwuchses. «Hauptsache das Kind ist gesund», geben zwar alle Schwangeren politisch korrekt zu Protokoll, fragt man sie danach. Doch insgeheim weiss jede: Es ist nicht egal. Niemand ist dem Geschlecht des Babys gegenüber neutral. Das heisst nicht, dass man ein Mädchen einem Jungen vorzieht, oder umgekehrt. Das heisst nur, dass man sich auf das Geschlecht einstellt. Und die  Art und Weise, wie schnell künftige Eltern sich darauf einstellen wollen, sagt viel darüber aus, wie sie die Welt sehen: Haben Sie gern alles im Griff, lassen Sie sich Babys Geschlecht via Test oder Ultraschall bekannt geben, lieben sie Überraschungen,  warten sie auf den Moment der Geburt.

Ist das Baby erst auf der Welt,  erübrigt sich normalerweise das Rätselraten. Die meisten Eltern sorgen mittels Kleidung und Frisur dafür, dass der Nachwuchs nicht dem falschen Geschlecht zugerechnet wird. Und bald schon sorgt der Nachwuchs selber dafür: Mädchen wollen die Haare wachsen lassen, kaum können sie diesen Wunsch aussprechen. Und viele Jungs kennen sämtliche Automarken lange bevor sie trocken sind.

Von diesen frühkindlichen Geschlechterstereotypen versucht  ein Schwedisches Pärchen seinen Nachwuchs  fernzuhalten: Ob sie ein Bub oder ein Mädchen bekommen haben, hielten sie bis anhin erfolgreich geheim. Das Kind – das die Schwedische Presse Pop nennt, um seine Identität zu schützen – ist heute zweieinhalb Jahre alt und lediglich ein paar nahe Verwandte , die seine Windeln schon gewechselt haben, wissen ob sie eine Nichte oder einen Neffen, eine Enkelin oder einen Enkel vor sich haben. Pop’s Eltern, beide 24 Jahre alt, kommentieren ihre genderlose Erziehung wie folgt: «Es ist brutal, ein Kind, kaum ist es auf der Welt, mit einem rosa oder hellblauen Stempel zu markieren.» Und so trägt Pop sowohl Röckchen als auch Hemden, die Haare mal kurz und mal lang, gerade wie es Pop gefällt.

Nun ist es ja nicht so, dass Kinder, die nicht Pop heissen, mit zweieinhalb neben ihrem biologischen Geschlecht schon ein unverrückbares soziales Geschlecht zeigen: Viele Buben lieben eine Weile die Farbe rosa. Und mach einer wünscht sich auch ein Spängeli fürs Haar. Meist ist diese Phase kurz und geht vorüber. Trotzdem ist lange nicht allen Eltern wohl dabei, ihren Söhnen diese Wünsche zu gewähren. Mädchen haben diesbezüglich mehr Freiheiten, aber auch sie verhalten sich spätestens im Kindergarten genderkonform.

Was, fragt man sich deshalb,  passiert wohl mit einem Kind, das als sozialer Zwitter aufwächst? Dessen Gschpänli keine Ahnung haben, ob es ein Mädchen oder ein Junge ist?

Die Schwedische Presse zitiert die Endokrinologin Anna Nordenström: «Man weiss nicht genau, wie sexuelle Identität entsteht. Wahrscheinlich ist dafür ein Mix aus hormonellen und sozialen Einflüssen verantwortlich, den wir so genau noch nicht kennen. Ein Kind, das genderlos aufwächst, wird dadurch sicher beeinflusst. Schwieriger zu beurteilen ist, ob es darunter leidet oder ob es ihm gar schadet.»

Machen Pop’s Eltern ein soziales Experiment auf Kosten des Kindes? Oder schenken sie Pop damit ein paar unbeschwerte Jahre, während derer er/sie einfach Kind sein darf, statt Bub oder Mädchen?

65 Kommentare zu „Zwitter per Erziehung?“

  1. Marcel sagt:

    Also rein von der Rollentheorie her betrachtet, müsste es eigentlich hinhauen mit der Gender-Theorie.

    Müsste. Aber es hat ja auch niemand gesagt, dass die Rollentheorie (ein Kernbegriff aus der Soziologie) der Weisheit letzter Schluss ist. Jede Theorie / These muss verifizierbar und falsifizierbar sein. Im Falle der Gender-Theorie haben wir es allerdings bereits schon mit einem politisch ausgesprochen einseitig besetzten Begriff zu tun, der längst zum gesellschaftlichen Imperativ geworden ist.

    Zurück zum oben beschriebenen Menschen: Mein Grossvater musste- aufgrund welcher Konvention auch immer- in frühestem Kindesalter in Mädchenkleidern rumrennen. In meiner ehemaligen Nachbarschaft wohnte ein bekanntes Künstlerpaar, deren Sohn (zehn oder zwölf Jahre alt) jeweils im Röckchen rumlaufen musste. Ich habe ihn nie lachen sehen. An der Art in Basel konnte man über Jahre hinweg ein Päärchen beobachten, beide genau gleich gekleidet, mit gleichem, ergrautem Bürstenschnitt, gleich lächelnd, einer der beiden, immer die Figur mit Brüsten, mit rotgeschminkten Lippen… die wirkten jeweils nicht unglücklich.

    Wenn dieses Wesen in die “äussere” Welt eintritt… mal schauen: Ich ahne da nicht nur Gutes…

  2. the man sagt:

    ‘Tschuldigung, habe da glaub ich was nicht verstanden: Wo genau ist jetzt der Gewinn für das Kind? Wodurch wird nun (jetzt oder in Zukunft) genau die Lebensqualität des Kindes gesteigert? Um wen geht es hier, um das Kind oder die Eltern? Sind das nicht dieselben Leute die normalerweise nach positive Rollenvorbildern verlangen? Ist Pop nicht ein Regalsystem von IKEA?
    Zu viele Fragen für “the man” – einfach gar nicht cool…

  3. Leoni Schwarz sagt:

    @ Urs
    Haben Sie eigentlich noch alle Tassen im Schrank?

  4. Yvonne sagt:

    @The man: der Gewinn für das Kind soll nach Plan der Eltern sein, dass das Kind von seiner Umgebung nicht typisch behandelt wird, z.B. als Mädchen mehr für sein äusseres, als Junge mehr für seine Taten gelobt wird. Oder: als Mädchen beim hinfallen auf den Arm genommen wird, als Junge mit “Indianer kennt keinen Schmerz” getröstet wird.

    Ich find diese Idee durchaus interessant, glaube aber nicht, dass das irgendwas bringt.
    Ich glaube allerdings auch nicht, dass das Kind Schaden nehmen wird, denn das gefühlte Geschlecht stimmt ja in 99% der Fälle mit dem biologischen überein (1 von 100 000 Menschen sind transsexuell und fühlen sich im falschen Körper), so dass das Kind sich mit ca. 4 Jahren der passenden Gruppe zuordnen wird.

    Das Kind würde die Sache wohl so kommentieren: “Mensch Mama und Papa, das ist sooo peinlich, was ihr da gemacht habt.”

  5. Sarah Roth sagt:

    Leider zeigt der Blog wie auch einige Kommentare fundamentale Wissensschwächen.
    Das Blog Zwischengeschlecht wurde als Informationsquelle ja schon angegeben, wenn es um Intersexualität (oder neu DSD) geht.

    Nun einmal zu Gender vs. Bio

    Der Begriff “Sexuelle Identität” steht mittlerweile für die geschlechtliche Ausrichtung bei der Partnerwahl (LGB – Lesbian Gay Bi)
    Geschlechtsidentität ist das Bewusstsein darüber, welchem Geschlecht man angehört. Dies ist mittlerweile beweisbar angeboren. Eine sehr gute Informationquelle dazu findet man hier: http://drdrantz-sciencesexuality.blogspot.com/

    Hier wird beides wild durcheinandergewürfelt mit Gender – der Geschlechtsrolle, wie sie Kulturell geprägt ist, wie sich hier bemerkbar macht:
    “Mädchen wollen die Haare wachsen lassen, kaum können sie diesen Wunsch aussprechen. Und viele Jungs kennen sämtliche Automarken lange bevor sie trocken sind.”

    David Raimer hatte eine männliche Geschlechtsidentität und lies sich zwar in die genwünschte weibliche Rolle ein Stückweit hineinerziehen, aber das angeborene hat gesiegt. Ob diese Diskrepanz nun durch Transsexualität oder eine frühe chirurgische Geschlechtszuweisung (in diesem Kontext ein Menschenrechtsverbrechen) verursacht wird ist dafür unerheblich. Ganz im Unterschied zu den psychischen Traumen und verstümmelten Sexualorganen, unter denen früh Behandelte Intersexuelle leiden, ob nun ein Treffer bei der Auswahl (mehrheitlich) gelandet wurde oder nicht.

    Umgekehrt lässt sich auch sagen dass man ein Kind geschlechtslos erziehen, oder seinem Wunsch vorrübergehend die andere Rolle zu leben ruhig nachgeben kann. Das Kind wird so nicht zu einem homosexuellen oder transsexuellen Werdegang erzogen.

    Welche Geschlechtsidentität ein Kind hat, lässt sich erst mit Sicherheit bei Eintritt der Pupertät sagen – und zwar vom Kind selbst. Deshalb gehen die Behandlungsempfehlungen für transsexuelle Kinder mittlerweile dahin, nach der sogenannten Tannerstufe 1 bei Betroffenen ein Pupertätsverzögerndes Medikament zu geben und ihnen so helfen zu können, bevor sich der Körper in die falsche Richtung entwickelt. Klingt zwar gut, in der Schweiz gibt es dafür jedoch gar keine medizinische Infrastruktur und tatsächlich sieht es so aus, dass nach schweizer Behanlungskriterien frühestens ab 17 Hormone Verabreicht werden (Psychotherapie ab 16, min. ein Jahr vor somatischen Massnahmen).
    Eltern intersexueller Kinder werden dagegen noch sehr häufig dazu gezwungen eine Wahl zu treffen oder die Operationen finden sogar mit vorgeschobenen Diagnosen ohne echtes Einverständnis statt.

  6. Darja Rauber sagt:

    @ Urs
    Ach ja, der altbekannte “Feminazi”-Spruch! Der ist aber auch nicht auf Ihrem Mist gewachsen…

    Schon mal überlegt, dass die Nazis z.B. Polen, ein schwächeres Land annektiert haben, während sich die Frauen als bisher diskriminierte Bevölkerungsgruppe nur die ihnen zustehenden essentiellen Menschenrechte gegen stärkere Widersacher erkämpft haben? Schon mal überlegt, dass die Frauenbewegung nicht den geschlechtlosen Menschen schaffen will (ja, viele von uns sind gerne Frauen und mögen Männer!), sondern nur gleiche Rechte für eine bislang diskriminierte Bevölkerungsgruppe anstrebt? Schon mal überlegt, dass Frauen und “die Juden” vielmehr Vieles gemein haben als lange entrechtete und diskriminierte Bevölkerungsgruppen, als dass man Frauen per se als Täterinnen und “Nazis” abstempeln kann?
    Und was für “Räume” erobern denn die Frauen, hm? Die Privilegien des Mannes? Das geschieht nicht aus purer Eroberungslust, wie Sie unterstellen, sondern weil ein Missverhältnis besteht / bestand zwischen den Rechten von Frau und Mann in der Gesellschaft. Klar, dass die Männer ihre Privilegien (sic!) ungern abtreten. In der GLEICHberechtigung glauben sie, nur etwas zu verlieren zu haben, während die Frauen nichts mehr verlieren konnten. Und bei dem angesprochenen “Experiment” geht es ja nicht darum, dem Kind etwas aufzu-doktroyieren (wie es sonst allzu selbstverständlich geschieht im Sinn von “Mädchen müssen rosa tragen”, “Mädchen müssen mit Puppen spielen, sonst stimmt was nicht mit ihnen”), sondern dass man dem Kind eben gerade die Freiheit lässt, sich zu verhalten, wie es will. Ich hab als Kind auch gerne “Räuber und Poli” gespielt und mich mit Jungens gerauft und bin trotzdem zu einer sich weiblich kleidenden, die Männer begehrenden, normalen Frau geworden. Mein Gott, Ihre Versuche, die Geschichte zu bemühen und historische Vergleiche beizuziehen, in Ehren – aber das ist doch SEHR bemüht und lässt nur durchscheinen, dass Sie ein Mensch sind, dem eine gewisse Horizonterweiterung gut tun würde!

  7. BigMac sagt:

    Meines Erachtens sind Rollenbilder und gesellschaftliche Normen für ein gesundes Zusammenleben nötig. Nach Jahrhunderten in denen religiöse Eiferer den Menschen ihre Werte aufdoktriniert haben, haben heute scheinbar die militanten “Werte-Abstinenzler” deren Rolle übernommen. Wer es wagt zu behaupten, eine soziale und kulturelle Grundstruktur und die entsprechenden Normen und Werte – inkl. zugehöriger Rollenverständnisse – seien notwendig, wird unverzüglich auf dem Altar der Selbstverwirklichung hingerichtet.

    Natürlich entstehen durch Werte und Rollenbilder resp. durch die Veränderungen, die diese Bilder und Normen mit der Zeit immer erfahren auch Konflikte. Auch wird es immer Randgruppen geben, die nicht in die Normen passen (wollen) und sich benachteiligt, ungerecht behandelt oder generell unwohl fühlen. Aber diese Konflikte gehören m.E. zum Lauf der Dinge. Ein Kind in einem so wichtigen Bereich wie der geschlechtlichen Identifikation quasi in einem Vakuum aufwachsen zu lassen, ist meines Erachtens unverantwortlich.

    Wir haben zwar unsere Töchter auch nicht mit Rosaröckchen und Puppenbergen eingedeckt, ihnen aber das Ausleben diesbezüglicher Bedürfnisse auch nicht verboten. Unsere Kleinere spielt mit zweieinhalb Jahren begeistert “Mami und Buschi” nur um in der nächsten Minute mit dem Bobbycar die Strasse runterzusausen. Trozdem weiss sie genau, dass sie ein Mädchen ist und dass es da noch die Buben gibt (auch wenn ihr der Unterschied sicher noch nicht ganz klar ist).

  8. “Genderstudies” hat nichts mit Wissenschaft zu tun, es ist ganz einfach eine Glaubenslehre, auch wenn alle Politiker Mitglieder der Sekte sind, bleibt es eine Sekte. Pops Eltern und Großeltern haben verdient das sie mal ganz herzhaft im Ar* getreten werden, wenn ihnen das seelische Wohlbefinden ihres Kindes oder Enkels so egal ist, das sie damit experimentieren.

  9. Christian sagt:

    Sara Roth:

    “Der Begriff “Sexuelle Identität” steht mittlerweile für die geschlechtliche Ausrichtung bei der Partnerwahl (LGB – Lesbian Gay Bi)”

    Somit existiert kaum eine “sexuelle Identiät”, weil diese nämlich im Laufe der Zeit sich immer gewissen Änderungen unterzieht und eine vollkommene Homo bzw Heterosexualität kaum vorhanden ist, dies beginnt schon bei der Anziehung zur eigenen Person, welches dem gleichen Geschlecht angehört.

    vielmehr ist diese Identität ein Schnappschuss der jetzigen Ausrichtung und somit sollte so ein Begriff wennmöglich vermieden werden, zumal die Verwendung des Begriffs in dem Kontext sowieso fragwürdig ist, auch wenn es heutzutage so verwendet wird.

    Wenn man schon auf Wörtern rumreitet, so kann man da ruhig auch weiterspinnen. :-)

  10. Marcel sagt:

    Frau Schwarz, ich staune immer wieder über ihr Männerbild- vorwiegend negativ konnotiert! In welchen Kreisen verkehren Sie? Noch in dieser Gesellschaft? Sorry, aber bisher habe ich noch kein einziges, positives Wort von Ihnen zum Thema Männer gelesen- ich nehme an, dass Ihnen bewusst ist, das man das auch als Sexismus deuten kann!

    Gut, zum Thema Gender, einmal mehr: Ich habe manchmal den Eindruck, dass die VertreterInnen dieser These aus der natürlichen, geschlechtlichen Viefalt eine Art Monokultur zu machen versuchen, nach dem Motto: Alle sind gleich. Das klingt verdächtig nach Marx- sehr zu empfehlen wäre diesen Damen und Herren einmal der letzte Roman von Michel Houellebecq, Die Möglichkeit einer Insel zu lesen. Auch wenn gewisse Feministinnen bei der Erwähnung dieses Schriftstellers reflexartig die Zähne fletschen.

    Ich denke, unsere Gesellschaft lebt, wie bereits schon BicMac sagt, von der Diversivität; von der Differenz der Geschlechter- ich glaube nicht, dass es besser würde, wenn plötzlich alle gleich werden. Strom entsteht ja auch nicht einfach aus einem einzigen Pol- sondern aus Zweien.

  11. Peter sagt:

    Der tragische Fall von “David Reimer” sollte eine Lehre sein! Meinen beiden kleinen Jungs haben Puppen bisher links liegen gelassen und verehren alles, was Räder hat.

  12. Urs sagt:

    @Frau Rauber
    Horizonterweiterung ist ein gutes Stichwort. Als einer der wenigen, der selbst nach Jahrzehnten des Feminismus alle Tassen im Schrank haben und selbst angesichts einer Frau noch klar denken kann, bin ich wohl berufen, andern Menschen den Horizont etwas zu erweitern.
    Davon, dass Frauen irgendwann mal rechtlich diskriminiert wurden, kann überhaupt keine Rede sein. Früher hatten Frauen Vorrechte und Privilegien (z.B. keine Wehrpflicht, früheres AHV-Alter, Witwenrenten, etc.) und Männer hatten Vorrechte und Privilegien (z. B. Stimm- und Wahlrecht). Wobei zu erwähnen ist, dass Männer ihre politischen Rechte immer auch zugunsten von Frauen ausgeübt haben, daher auch die vielen weiblichen Privilegien. Von männlichen Privilegien konnte und kann keine Rede sein. Vielmehr ist die Geschlechtergerechtigkeit mit dem Gleichberechtigungsartikel in der Bundesverfassung verschwunden. Frauen konnten nun überall die gleichen Rechte und gar Privilegien und Frauenförderungen einfordern, was Männern aber weiterhin aufgrund ihres Geschlechts versagt blieb (Wehrpflicht, Rentenalter, etc.). Wie man unschwer feststellen kann, sind Männer viel zu schwach, um überhaupt einen so simplen Widerspruch zu erkennen, den eine Gleichberechtigung der Geschlechter in sich trägt, die das männliche Geschlecht a priori ausschliesst. Ihre sonderbare Geschichtsinterpretation können Sie daher auch nur durchbringen, weil Männer die Geschichte der „Titanic“ zwar kennen, aber in ihrer Schwäche, Unterwürfigkeit und Verwirrtheit die von dominanten Frauen erfundene Geschichte aufoktroyieren lassen, früher hätte man Frauen keinen Wert beigemessen!
    Und einem Mädchen wird übrigens nichts aufoktoyiert, wenn man es mit Puppen spielen lässt. Das geschieht nur, wenn man nicht auf seine spezifischen Bedürfnisse als weibliches Kind eingeht!

  13. Sarah Roth sagt:

    Christian

    Auf der Kinsey Skala gibt es genügend Varianzen, dass ist richtig. Das selbe gilt auch für die Geschlechtsidentität, die wie die meisten Aspekte des Geschlechts (und davon gibt es viele) kaum eine binäre Sache sind – so wie es die Mehrheit der Menschen sieht.

  14. Christian sagt:

    Sarah Roth

    Bei weiten ist die Kinsey Skala nicht die einzige Skala und macht zum Beispiel kaum Unterschiede deutlich zwischen emotionaler und ausgelebter Sexualität.
    In der Berechnung des Indikators wird zwar darauf eingegangen, aber zum auslesen fehlen solche Informationen.
    Die ganze Einteilung von Ambi-, Hetero- und Homo- ist veraltet und man sollte so schnell wie möglich wieder davon wegkommen, letztlich werden die meisten Leute in irgend einer Ambisexualität anzusiedeln sein.

    Der Sexualität werden hier unnötige Schranken zugeführt, welche die Bildung einer emanzipierten Gesellschaft in dem Hinblick mehr schaden als nützen.

  15. Morgen hat Calvin Geburtstag. Hier ein spannendes Interview mit ihm, über Männer und Frauen. Immerhin hat er Elisabeth I. gegen die mysogynen Anwürfe eines John Knox verteidigen müssen.

    http://www.bb-evangelisch.de/extern/frz_reform_potsdam/FrP-Reformierte-Calvin-Frauen.htm

    Sind wir heute wirklich weiter? – Ich frage.

  16. Regina sagt:

    @Urs
    ” Davon, dass Frauen irgendwann mal rechtlich diskriminiert wurden, kann keine Rede sein.”

    Es gibt unzählige Beispiele dafür.
    Frauen wurde nicht zur Universität zugelassen, waren nicht unterschriftsberechtigt, brauchten für vielerlei Dinge die Erlaubnis des Ehemannes oder des Vaters. Als unverheiratete Frau ein Geschäft abschliessen? Eine Wohnung mieten? Ich weiss nicht, wie das genau war, aber ich denke, nicht ganz so einfach wie heute.
    Ausserdem durften die wenigsten einen Beruf erlernen, da sie sowieso Hausfrauen werden sollten, hatten keinen Zugang zur Arbeitswelt, in den meisten Fällen kein eigenes Geld usw.
    Sie dürfen sich das so vorstellen, als würden sie nie volljährig werden, und für immer unmündig bleiben müssen.
    Ein Privileg?

    Bitte interessieren sie sich für die Situation der Frau in Europa vor dem Aufkommen des Feminismus (18 / 19 Jh).
    Ich bin selbst auch nicht sehr gut informiert.
    Kann sein, dass ich oben etwas ungenau formuliert habe, aber weit von den Tatsachen entfernt sehe ich mich nicht.

    (Sorry, das gehört eigentlich nicht zum Thema, aber musste einfach gesagt sein.)

  17. Heidi Reiff sagt:

    Ich kenne zwar diese alten Zöpfe was Kleidung betrifft, rosa für Buben und blau für Mädchen, das ist doch Bullshit, ein Baby realisiert seine Farbe nicht was Kleidung betrifft, die Hauptsache ist doch die Nahrung oder der Schuppen zum Ueberleben. Erwiesen ist, dass Frauen mit Hohlwarzen nicht stillen können, da gibt es Schoppen als Alternativlösung. Meine Tochter kam durch Kaiserschnitt nach 7 Minuten auf die Welt. Mein Wunsch war, meine Tochter zu stillen, als die Milch nach zwei Tagen nicht einschoss sagte dieser Chirurg, jetzt stellen wir den Hahnen ab, unaufgeklärt wie ich damals war, habe ich eingewilligt. Nach Jahren hat mir eine Cousine erklärt, dass es teilweise einige Tage geht, bis die Milch einschiesst. Absurd finde ich, dass diese Chirurgen so schlecht aufgeklärt sind, was biologische Prozesse im Zusammenhang mit Stillen eines Babys betrifft.

    @ Regina

    Frau Montessori hat sich da mutig engagiert was die Zulassung für Frauen an der Uni betrifft, eine Emanzipation hat zum Glück stattgefunden, an Männerstammtischen werden ja diese sog. Emanzen in der Luft zerissen, Emanzen sind keine bösen Frauen, zum Glück haben Frauen endlich auch eine Chance, sich selbst zu verwirklichen, die Symbiose ist vorbei, das gilt für Männer und für Frauen. Der Mensch hat ja die Freiheit, mal eine andere Richtung einzuschlagen.

  18. Thom Dahinden sagt:

    Die ganze Diskussion kommt ja jetzt etwas vom ursprünglichen Thema ab, aber bezüglich Gleichberechtigung möchte ich etwas anmerken: Es kann nicht sein, dass Frauen zwar überall gleiche Rechte anstreben, dann aber trotzdem von Männern erwarten, die üblichen Normen als ‘Gentleman’ zu erfüllen, weil die Frau ja so schwach sei. Um das Beispeil Titanic aufzugreifen: Wieso werden die Rettungsboote in einer Gesellschaft, welche sich Gleichberechtigung zum Ziel gesetzt hat, wie selbstverständlich zuerst mit Frauen gefüllt (mal angenommen, es gäbe keine Kinder an Bord)? Diese Regeln gelten auch heute noch, wie das Prozedere z.B. bei der Flugzeug-Wasserung in N.Y. zeigte. Frauen, die sowohl Gleichberechtigung erwarten, wie auch dass die Männer in solchen Situationen Gentelman-like ihre eigenen Interessen hinter diejenigen der Frauen stellen, verkennen, dass der typische Gentleman fast immer auch sehr konservative Wert- und Geschlechterrollen-Vorstellungen hat.

  19. martina sagt:

    an Marcel:

    Es geht überhaupt nicht um Monokultur, im Gegenteil, die Menschen sind sehr verschieden – das Geschlecht ist eines von vielen Unterscheidungsmerkmalen. Sondern es geht darum, dass alle Menschen – egal welches Geschlecht und welche Merkmale sie sonst aufweisen – die gleichen Rechte und Chancen haben. Dies ist ein Ziel, das zwar nie vollständig zu erreichen sein wird (Bsp. unterschiedliche ökonomische Voraussetzungen), aber doch sollen wir alle versuchen, dem Ziel möglichst nahe zu kommen – so dass das Geschlecht für die Rechte/Chancen des Menschen keine Rolle spielt.

  20. Aline sagt:

    @ Urs: you lost (Godwin’s law)

    Also ich bin für Gleichberechtigung, ganz allgemein und auf beide Seiten. Gleiche Löhne für gleiche Arbeit (ist leider bei weitem noch nicht umgesetzt), gleiche Rechte im Bezug aufs Sorgerecht (das auch nicht), ein flexibles Rentenalter, das dem beruflichen “Verschleiss” Rechnung trägt und nicht dem Geschlecht, Gleichberechtigung bei Witwer- resp. Witwenrenten und was den Wehrdienst anbelangt: schaffen wir das Militär einfach ab, oder machen es freiwillig, dann muss kein Mann mehr, sondern darf, genau wie die Frauen.
    DAS

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