Es ist noch gar nicht so lange her, da habe ich in einem Bergrestaurant die zwei Hälften eines Nussgipfels mit einem Tape zusammengeklebt. Weil meine Tochter spontan beschlossen hatte, nun doch hungrig genug zu sein, um den ganzen Gipfel zu verdrücken. Aber nur richtig ganz, versteht sich, nicht in zwei Hälften. Das Tape habe ich der Kassiererin abgebettelt, während sich die Dreijährige schreiend am Boden wälzte. Ja ich weiss, erzieherisch ein Bumerang. Und nein, kein einmaliger Ausrutscher. Der Trotzanfall per se war nie das Problem. Da kann ich extrem gut auf Gehörlos schalten. Klappt aber leider nicht mit Publikum. Das Stirnrunzeln eines Zuschauers reicht und es hallt in meinen Ohren: Kann die denn ihre Göre nicht abstellen?! Doch, kann sie, aber eben nur so.
Tröstlich ist, dass diese Reaktion offenbar in der Natur der Primaten liegt: Biologen der Roehampton Universität in London haben eben herausgefunden, dass der Trotzanfall eines Affenkindes den Aggressionsgrad der umstehenden Artgenossen gegen die Mutter und ihren schreienden Nachwuchs um bis das 30-Fache steigen lässt. Und die arme Mama? Fühlt sich in die Enge Getrieben vom sichtlich genervten Rudel und gibt dem Kind, was es ertrotzt: die Brust. Das dürfte wohl den letzten Zweifel an der Darwinschen Evolutionstheorie im Keim ersticken. Oder haben Sie sich noch nie zum Affen gemacht?


Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und ist Mutter einer Tochter. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich und ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
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Meine Mutter erzählte mir, dass ich im “Zwängialter” einmal in der Bäckerei nicht die übliche Süssigkeit bekam und daraufhin zu brüllen anfing. Sie bezahlte ihre Einkäufe und ging nach draussen. Draussen vor der Tür stellte sie die Einkaufstaschen ab und “versohlte” mir den Hintern mit dem Kommentar: So, jetzt weisst du, warum du brüllst. Daraufhin hatte sie nie wieder Probleme mit mir beim Einkaufen. Und ich trug keinen “Knacks” davon.
Vielleicht sollten mehr Mütter Winterhoffs Buch lesen weshalb Kinder zu Tyrannen werden.
Ich habe auch geschrei wenn ich mit meinen 3 Kindern (2-5-7) einkaufen gehe. Ganz besonders wenn andere Mamas ihren kids was kaufen und ich nicht. Aber so lange sie sich nur beklagen wie gemein ich bin und trotzdem weiter neben mir mitlaufen ist das o.k.Ich würde nie nachgeben oder diskutieren, einmal gesagt und so bleibts. So gibt es nur ein kurzes murren und fertig.
Ich mache dann lieber ein pudding zuhause und lobe sie wie toll der Einkauf mit ihnen war und wie ungezogen sich doch andere kids aufführten.
“eins aufs Maul” ist doch nicht schwarze Pädagogik! Manchmal kann man doch auch physisch zeigen, wo’s lang geht. Die eigenen Ohren und jene der anderen danken.
Ah, einfach dreinhauen……………auch eine Lösung!!!
…ganz besonders, wenn man mehrere gewichtsklassen im vorteil ist.
Und sich nachher wundern, warum das Kind kein Vertrauen mehr hat und bei der kleinsten Auseinandersetzung ängstlich zusammenzuckt…………..
@Rahel: Eine aufs Maul geben ist nicht gleich dreinhauen. Wenn man früh dem Kind zeigt, wo’s lang geht, dann braucht man keine gröberen Mittel.
@Thomas: Was meinen Sie mit Gewichtsklassen?
@ Roger
Hört, hört……hochstehende Pädagogik! Ich erblasse………
Manchmal hat ein kleiner Schmerzreiz im richtigen Moment und Stelle (Mund, Finger) durchaus mehr Wirkung und keinerlei Nebenwirkung.
Möchtegern fundiertes geplapper nützt bestimmt weniger, da es vom kind nur begrenzt verstanden bzw. ernstgenommen wird.
Ich kenne diesen Unterschied vorallem aus der ehemaligen Nachbarschaft. Die Mutter war Soziologin,
die Kinder dreist und dazu noch Intriganten, bis zur Trennung der Eltern/Kinder.
“Eins aufs Maul geben” ist halt auch eher umgangssprachlich. Da ballt man bestimmt nicht die Faust.
Von meinem 3 1/2 Jaehrigen habe ich manches gelernt. Trotzen ist auch fuer ihn ein echter Stress. Man stelle sich vor, er versteht Realitaeten und Begrenzungen nicht, und er weiss nicht wie man ausser mit Toben und Schreien eine solche Situation angeht. Ihn Pruegeln weil er noch nicht genug gelernt hat und weil seine Entwicklungsstufe noch recht tief ist? Ich habe kein abwehrendes Verhaltensmuster entwickelt, sonder nehme ihn einfach auf den Arm, wenn er sich etwas von seinem Anfall erholt hat. Er ist dann sichtlich froh, nach wie vor akzeptiert und geliebt zu sein. Im Vergleich mit anderen Kindern sehe ich, dass Trotzen bei uns ein kleines Problem ist. Nehmen wir doch einmal unseren Arbeitsplatz. Wuerden wir nicht auch am liebsten toben und schreien, wenn der Chef schon wieder etwas unmoegliches verlangt, von dem man schon mit begrenztem IQ weiss, dass man es nicht schafft? Doch wir haben gelernt, freundlich zu grinsen. Zum Glueck sind unsere Kleinen noch nicht so weit. Man soll sie dafuer auch ein wenig bewundern.