Logo

Hochbegabt

Andrea Fischer Schulthess am Freitag den 25. Januar 2013

Der Mamablog erteilt regelmässig Kindern und Jugendlichen das Wort. Die heutige Carte Jeune ist von Leonie Aellen*.

An einer Schule für Hochbegabte ist es nie langweilig: Mädchen einer 5. Klasse forschen an einem naturwissenschaftlichen Projekt. (Keystone/Jens Meyer)

Ich mag es nicht, wenn Leute zu mir sagen, ich sei so gescheit oder mit mir darüber reden wollen, dass ich zwei Klassen übersprungen habe. Ich möchte dann lieber das Thema wechseln. Ich selbst finde mich nicht aussergewöhnlich klug oder gar hochbegabt. Aber ich lerne sehr schnell und kann mir Dinge gut merken. Selbst Unnützes bleibt manchmal wie ein Bild lange in meinem Kopf hängen.

Als ich in den Kindergarten kam, konnte ich schon lesen und schreiben. Ich hatte mir das alles selber beigebracht. Wie, weiss ich auch nicht mehr genau. Aber die Leute sagten meiner Mutter gern, dass sie mich nicht so fest fördern soll. Sie hat das gar nie gemacht, ich wollte ja alles selber und hab es einfach getan.

So ging es dann weiter. Ich ging verfrüht in die erste Primarklasse und bekam bald Stoff für Zweitklässler. Nach ein paar Wochen habe ich dann ganz in die zweite Klasse gewechselt. Irgendwann kamen die Lehrerin und die Schulleitung zu meinen Eltern und meinten, ich müsste in eine Schule für hochbegabte Kinder wechseln. Ich selbst hatte das nicht gewollt. Ich hatte in der Klasse drei beste Freudinnen und die Schule war nah von dort, wo ich wohne und es hat mir gefallen.

Trotzdem haben wir uns mal die «Talenta» angesehen. Das ist eine Schule für hochbegabte Primarschulkinder. Zum Glück hat sie mir sofort gefallen. Nun gehe ich schon seit zweieinhalb Jahren dort zur Schule. Das heisst, ich muss morgens bereits um zwanzig nach sieben auf den Zug. Der lange Weg stört mich manchmal immer noch, vor allem nach der Schule. Da dauert es immer noch eine Stunde, bis ich endlich zu Hause bin und Aufgaben machen kann. Im Moment sind es ja noch mehr als sonst, da ich bald die Gymiprüfung machen werde und mich vorbereiten muss.

Ich bin deswegen schon etwas nervös. Auch sonst, wenn ich eine Prüfung habe und mich nicht ganz sicher fühle, bin ich manchmal aufgeregt. Am leichtesten fallen mir Deutsch und die Fremdsprachen. Diese Fächer liegen mir sehr. Auch die Experimente und Projekte, die wir in den Naturwissenschaften machen, gefallen mir.

Das Gute an der «Talenta» ist, dass hier niemand besonders auffällt, weil er schnell ist. Wir alle haben unsere Stärken und können in jedem Fach individuell lernen, je nach unserem Wissenstand. Das gefällt mir sehr. Ich möchte selbst auch gern Lehrerin werden. Für welche Stufe weiss ich noch nicht so genau. Meine Mutter ist auch Lehrerin und hat wegen der «Geschichte mit mir» eine Weiterbildung in Begabtenförderung gemacht.

Dass ich auf eine so «besondere» Schule gehe, ist kaum Thema in meinem Alltag, weder daheim bei meiner grösseren Schwester und mir, noch wenn ich draussen mit den Nachbarskindern spiele. Darüber bin ich sehr froh.

Ich treibe auch gern Sport. Im Moment mache ich Judo, Handball und bin in der Cevi, aber schon bald möchte ich mich ganz auf Handball konzentrieren. Im Winter liebe ich es, Ski und Snowboard zu fahren. Allgemein interessiere ich mich für viele Dinge, aber ich kann auch gut mal faulenzen und im Bett eine CD hören. Was ich allerdings nur schlecht aushalten kann, ist Langeweile.

Wenn ich gross bin, möchte mal eine Weltreise machen und mir verschiedene Länder ansehen. Wir haben schon viele schöne Ferien erlebt…

Unbenannt-2*Leonie Aellen, 10, besucht eine Primarschule für hochbegabte Kinder.

« Zur Übersicht

140 Kommentare zu „Hochbegabt“

  1. Widerspenstige sagt:

    Ich kann Eltern von einem hochbegabten Kind nur raten, sich frühzeitig um geeignete Schulen bzw. LehrerInnen umzusehen. Sonst fällt so ein leidgeprüftes Kind unweigerlich in eine psychische Falle. Ich habe unseren jüngsten Sohn keine Klasse überspringen lassen – mit seiner Zustimmung wegen den Klassenkameraden, der Papa wollte es unbedingt! – auch als sich der Lehrer weigerte, ihn weiter unterrichten zu wollen. Unser Sohn wurde zum Schulpsychologen zur Abklärung seiner Hochbegabung mit entsprechenden Tests geschickt. Auch dieser riet zum Überspringen unter dem Vorbehalt, dass

    • Widerspenstige sagt:

      ..seine soziale Kompetenz noch nicht soweit entwickelt sei. Er könnte sich deswegen überfordert fühlen, da er bereits ein Jahr früher in den Kindergarten ging und nach einem Jahr direkt in die erste Klasse statt ein zweites Ganztages-Kindergartenjahr anzuhängen. So konnten wir seine ungehemmte Neugier nach Wissen etwas umleiten. Auch erhielt er ein Jahr früher Klavieruntericht bei der regionalen Musikschule. Er hat sich lesen selber beigebracht und sich nur noch gelangweilt in der Primarschule. Ab der 5ten Klasse ging er 1x wöchentlich in das neu geschaffene Lernstudio für Hochbegabte am Ort.

    • Widerspenstige sagt:

      Dieses Lernstudio haben wir Eltern via Schreiben an die Schulgemeinde und nachfolgenden diversen Sitzungen mit entsprechenden Lehrkräften, Einholen von Resultaten an anderen Schulen zB Talenta gab es damals erst als einzige Schule für Hochbegabte (kein Internet zum Recherchieren, keine Infos von der Schulbehörde etc.) erwirkt. Es war ein zäher Weg bis dahin und der älteste Sohn hätte es ebenso gebraucht. Wegen ihm wurden wir Eltern aktiv und es dauerte doch Jahre, bis zur Einführung dieses Lernstudios mit entsprechend ausgebildeter Lehrkraft. Unser Jüngster liet sehr unter dem Unverständnis!

      • tina sagt:

        ist denn einmal wöchentlich nicht extrem wenig futter? einen ganzen tag oder stundenweise? was ich eben mitbekommen habe an begabtenförderung ist auch einmal wöchentlich, manchmal auch am einzigen schulfreien nachmittag, oft in den lieblingsstunden dieser kinder, die das angebot hätten nutzen können. das tönt mehr nach trostpflaster für mich

  2. Auguste sagt:

    hmm…, so gelacht über die “geschichte mit mir” – welch gelungene umschreibung einer aussergewöhnlichen situation. handball ist ein toller sport für pyhsisch nicht ungelenke hochbegabte. man trifft auf “mauern”, ständig wird an einem herumgerissen und -gezerrt und für erfolgversprechendes muss man sich ziemlich nach der decke strecken und hoch hinaus wollen. aber auch auf dem flügel wirds total geometrisch, je spitzer der winkel zum tor. zweifellos eine gute wahl, dieser sport. dabei kann man zwischendurch mal richtig dampf ablassen. viel spass und alles gute in der geschichte mit dir.

  3. Rahel sagt:

    Fritzli kommt nach Hause und legt seinem Vater zaghaft das Zeugnis vor: ” Mein Taschengeld reicht noch für 14 Tage und das Fernsehprogramm interessiert mich eh nicht gross! “

    • alien sagt:

      Meine Mädels haben gestern ihre Zeugnisse gekriegt. Was bin ich stolz.

      • Rahel sagt:

        Unsere auch! Bin auch sehr stolz ( bis auf ein, zwei Fächer von der Grossen, hach…….. )

    • tina sagt:

      stolz aufs kind weil es zufälligerweise intelligent ist ist eine nicht ganz unfragwürdige haltung. wenn man mehr als ein kind hat, und eins davon sich tierisch ins zeug legt, aber trotzem (selbst mit hohem iq) keine guten noten hinbekommt, während das andere trotz faulheit, dank tiefen anforderungen durch lehrkraft und klassenniveau gute noten macht, auf welches bin ich jetzt warum stolz?

      • Rahel sagt:

        Ich bin auf meine beiden Kinder stolz weil beide sehr viel für die Schule arbeiten und ihr Bestes geben! Leider klappt es bei der Grossen nicht mehr in allen Fächern gleich gut, aber sie gibt trotzdem nicht auf und das ist das Wichtigste überhaupt! Denn sie lernt für sich und nicht um mich stolz zu machen , mein Stolz auf ihre guten Noten sind nur ein Nebeneffekt!!!!!!

      • tina sagt:

        danke fürs präzisieren. aber nicht stolz zu sein auf ein kind, das mit leichtigkeit gute noten hinbekommt, wäre doch auch ein falsches zeichen, vorallem wenn man dann stolz ist aufs andere, das schlechtere noten hat. ich will nicht darauf herumreiten, aber es gehört auch zur komplexen, nicht eindeutigen thematik wie man mit kindern umgeht, die intelligenz geschenkt bekamen. es gibt so viele aspekte. etwas vom kind zu fordern und es nicht für jeden pipifax zu loben ist auch ein aspekt. gute sieger und gute verlierer, sein licht nicht unter den scheffel stellen….

      • Rahel sagt:

        Nein, nein, so ist es bei uns nicht! Beide müssen sich ihre guten Noten “sauer” verdienen indem sie büffeln! Deshalb bin ich auch auf beide gleich stolz!

      • Rahel sagt:

        Hallo?????Warum muss ich warten??????

      • Momo sagt:

        worauf ist man denn im Allgemeinen stolz? Natürlich auf die Leistung, für die man sich gehörig angestrengt hat. Und genauso geht es den hb Kindern. Es ist für ihre Selbstwahrnehmung viel förderlicher, wenn sie für ihre Anstrengungsbereitschaft belohnt werden, anstatt gute Noten für etwas bekommen, wofür sie sich überhaupt nicht ins Zeug legen mussten …. Sie erleben ihre Sellbstwirksamkeit nur, wenn sie sîch entsprechend anstrengen müssen und dazu sind manchmal halt Lernlösungen ausserhalb notwendig. Dies fördert ihre Charakterbildung auf jeden Fall und ist meiner Meinung nach enorm wichtig.

      • Rahel sagt:

        Keine Ahnung warum mein vorheriger Kommentar nicht durchkommt, aber hier nochmal:

        Nein, nein, so ist es bei uns nicht! Beide müssen sich ihre guten Noten “sauer” verdienen indem sie büffeln! Deshalb bin ich auch auf beide gleich stolz!

  4. Conrad Krausche sagt:

    Damals wurde ich als hochbegabt eingestuft, ähnlich wie Leonie Allen habe ich mir selber das Lesen beigebracht. Leider wurde mir das Überspringen einer Klasse oder gar der Wechsel in eine Spezialschule verweigert mit der Begründung “mangelnde Sozialkompetenz” – darauf wurde ich zum Schulpsychologen geschickt, diese zu entwickeln. In der Folge habe ich mich ständig gelangweilt und wurde von meinen Mitschülern jahrelang gemobbt – ich war der elende Besserwisser und Streber, der alles schon mit links konnte, was zu Neid führte. Liebe Eltern: Wehrt euch für eure Kinder und tut ihnen das nicht an!

  5. von Ah Thomas sagt:

    Danke für den kurzen Bericht. Unsere Jungs besuchen auch die Talenta. Schade, dass die Autoren nicht auch ein echtes Bild der Talenta zum Bericht veröffentlichten.

  6. Hermann sagt:

    Hier im Silicon Valley geht das so: Es gibt hier viele internationale Spitzenleute mit hochbegabten Kindern. Da die Eltern bestens verdienen, gibt es einen guten Markt fuer die Schulung dieser Kinder. Es gibt daher x Privatschulen fuer diese Kinder, diese kosten bis ca. $40,000 in Jahr. Diese Kinder werden ihrer Begabung entsprechend gefoerdert, und schaffen es dann problemlos in Spitzenuniversitaeten wie Harvard, MIT, Stanford etc. Die Leute, die ich kenne mit diesen Kindern sind alle Inder und Chinesen.

  7. Anna Karrer sagt:

    Meine Tochter hat ein Gymnasium für Hochbegabte im Ausland besucht. Heute ist sie an einer Elite-Uni in den USA. Dort hat sie Kollegen, die mit 16 schon an ihrer Dissertation arbeiten.

    Meine Erfahrung mit hochbegabten Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat gezeigt, dass ein förderndes Umfeld für eine positive Entwicklung entscheidend ist, sie aber nicht garantiert, Es ist wichtig, dass sich hochbegabte Schüler als normal empfinden und sich mit Gleichgesinnten austauschen können, gerade in der Pubertät. Danach haben sie die innere Kraft, sich in einem gemischten Umfeld wieder einzuordnen.

  8. Christian Krieg sagt:

    D. wirkliche Herausforderung für die Zukunft wird aber nicht d. Herauspicken der (raren) Supergescheiten zu sein, sond. 1fach die Förderung der Überdurchschnittlichen, wenn es auch nur in einem Fach ist. Die Anforderungen der Industrie wachsen beständig, d. Niveau an d. Schule sinkt aber. Ich denke, das ist v.a. weil wir alle Schüler leistungsmässig über 1 Leisten schlagen wollen. Zwangsläufig kommt da nur Durchschnitt raus. Wir bräuchten aber Talente auf vielen Gebieten, die es auch gibt, die man aber mit Zusatzanreizen früh erfassen muss. Langeweile & Nicht-Gefordtsein = Motivationskiller!

  9. Eremit sagt:

    Sie möchte mal eine Weltreise machen und verschiedene Länder ansehen. Alleine schon dadurch ein zu förderndes Kind.

  10. Fabian sagt:

    Man sollte hochbegabte Kinder unbedingt selbst entscheiden lassen, was für einen Weg sie wählen wollen. Ich hätte früher in die Schule gekonnt und auch von der Talenta war die Rede, aber für mich selbst kam all das nie in Frage. Ich habe dann die 5. Klasse übersprungen. Von der 6. bis zur 9. Klasse hatte ich Motivationsprobleme bei gleichbleibend guten Noten. In diesem Alter macht man sich halt auch schnell als “Streber” unbeliebt. Später ging es besser und ich bin eigentlich ganz zufrieden mit meiner Schulkarriere – so schlimm wie oft behauptet ist die Staatsschule auch für Hochbegabte nicht.

  11. Rahel sagt:

    Beim letzten Diktat hatte unsere Tochter ( 3.Klasse ) einen (Flüchtigkeits)Fehler. Die Lehrerin:” Das macht nichts, sonst gewöhnt sich deine Mutter noch daran, dass du null Fehler nach Hause bringst……..”

  12. Hermann sagt:

    Hat jemand Erfahrung mit der Beziehung von hoher Begabung und Asperger Syndrom? Unser 5t Klaessler hat Supernoten, versteht aber die Welt schlecht und hat kaum Kameraden.

  13. Nicht Karl sagt:

    > Aber die Leute sagten meiner Mutter gern, dass sie mich nicht so fest fördern soll

    Und wennschon. “Die Leute” sind kein Maßstab für dich.
    Oder um es mit Karl Valentin zu sagen: „Gar net erst ignorieren“.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

 Zeichen verfügbar

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.

Meistgelesen in der Rubrik Blogs

Vergleichsdienst

Günstiger in die Ferien!

Vergleichen Sie die Flugpreise von verschiedenen Reiseanbietern und finden Sie das beste Angebot.

Werbung

Werbung

Die neuen digitalen Abos

Unbeschränkten Zugriff auf den Tages-Anzeiger. Jetzt testen ab CHF 1.-.

Vergleichsdienst

Abopreise vergleichen

Der Handy-Abovergleich mit Ihrem gewünschten Mobiltelefon und Prepaid-Angeboten.

Marktplatz

Für Selbstständige und KMU

Tragen Sie Ihre Firma im neuen Marktplatz des Tages-Anzeigers ein.

Weiterbildung

Der richtige Flow

Man kann sich nicht konzentrieren und Lust hat man auch nicht. Was tun?

Promotion

Kostenlose Ebooks

Laden Sie in unserem Weiterbildungs-Channel kostenlos Ebooks herunter.