
Vaterliebe: Gelernt oder angeboren?
Als der amerikanische Bestseller-Autor Michael Lewis Vater wurde, machte er eine unangenehme Entdeckung: Statt vor Glück aus allen Nähten zu platzen und in der neuen Rolle aufzugehen wie ein Soufflé im Ofen, war er frustriert, überfordert und gelangweilt. Vor allem konnte er die Liebe zu seiner Tochter nicht finden, egal wie oft er sein Herz sezierte. Und als ihn beim Gespräch mit anderen neuen Vätern am Sandkastenrand die Ahnung übermannte, dass er nicht der Einzige war, der sich in dieser Rolle nicht richtig einrichten konnte, schrieb er ein Buch. Es heisst «Home game: An Accidental Guide to Fatherhood», verspricht die tabulose Wahrheit über den Papazustand im neuen Jahrtausend und umreisst das väterliche Elend wie folgt:
- Der moderne westliche Mann hat neue Pflichten übernommen, aber keine Privilegien dafür bekommen. Weder die Liebe der Frau, die ihn nunmehr bloss noch als unzuverlässigen Angestellten wahrnimmt. Noch die Liebe des Babys, das immer die Mutter vorzieht, egal, wie oft er es wickelt, wäscht, füttert, spazieren führt. Nicht einmal die Bewunderung der Gesellschaft ist ihm sicher, dabei hat sie ihn doch in diese Rolle gestossen.
- Frauen lächeln Kinderwagen-stossende Männer an, aber sie tun es mit der Genugtuung des Siegers, der auf die Armee herabschaut, die sich ihm gerade widerstandslos unterworfen hat. Männer schauen bloss beschämt weg.
- Deshalb ist der moderne westliche Mann in derselben Rolle wie Gorbatschow nach dem Fall der Berliner Mauer: Er hat das Richtige getan und erntete Geringschätzung.
- Und wenn sich denn doch einmal ein kleines Erfolgsgefühl einstellt, weil man etwa das Baby allein gebadet und gefüttert hat, macht es die Frau mit einem einzigen Satz wieder klein: «Das mach ich immer und obendrein noch den Einkauf, die Küche und die Wäsche.»
Ein Monat nach der Geburt seiner Tochter, schreibt Michael Lewis, hätte er wohl bloss die obligatorische Traurigkeit verspürt, wenn sein Baby von einem Lastwagen überfahren worden wäre. Bereits nach einem halben Jahr aber hätte er sich gedankenlos vor den Lastwagen gestürzt, um sein Kind zu retten. «Was hat mich vom Monster zum Vater gemacht?», fragt er sich und gibt die Antwort gleich selber: All die kleinen Dinge, die man tun muss, um das kleine hilflose Ding am Leben zu halten. Männer würden mit diesem Vaterinstinkt nicht geboren, sondern müssten ihn im Gegensatz zu Frauen erst mühsam erlernen.
Ist das wirklich so? Sind Frauen tatsächlich die geborenen Aufzuchtsspezialistinnen und Wärmelieferantinnen? Von Stunde eins an berstend vor Liebe und Zärtlichkeit und Pflegeinstinkt, während das Baby für den Vater ein Fremdkörper ist? Viele der neuen schreibenden Väter behaupten das. Darunter auch Constantin Gillies, Wickelpedia-Autor (siehe Blog: 10 Tipps für neue Väter), der in der Süddeutschen Zeitung den Unterschied zwischen männlicher und weiblicher Säuglingspflege wie folgt umreisst:«Ein Mann muss sich an seine neue Rolle als Vater erst gewöhnen. Ein Tag mit dem Kind ist für uns extrem schwierig, weil wir bei null anfangen. Die meisten Mütter beherrschen das von Natur aus. Deshalb gibt es die sogenannte 2:1-Regel: Wenn ein Mann einen Tag lang ein Kind betreut, zählt das wie zwei Tage bei einer Frau.»
Sind sie mit dieser Mathematik einverstanden?


Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und ist Mutter einer Tochter. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich und ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
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Ach wie war ich stolz, als mein erster Sohn zur Welt kam. Ich wunderte mich, dass der Frontartikel des Tages Anzeigers nach der Nacht der Geburt nicht von ebendieser Geburt handelte.
Was danach kam war eine totale aber natürliche Umstellung des Lebens.
Ich habe einmal auf einem Bauernhof gearbeitet. Um 6.30 Uhr musste ich vor meinem Frühstück den Kühen frisches Gras geben. Wenn der Wecker ging und ich die Kühe muhen hörte war einfach klar, dass ich aufstehen musste. Obwohl mir die Arme vom Tag davor noch schmerzten. Genaus ist es mit einem Kind. Es ist einfach klar, ein Naturgesetz, man hat ein Kind, das ist hilflos, es braucht jemanden, der sich darum kümmert. Es ist müssig sich zu überlegen, ob die Mutter das besser kann als der Vater. Stillen ist zum Beispiel gar nicht so einfach. Das kann eine Mutter nicht einfach so. Das muss gelernt und geübt sein. Auch alles andere ist Übungssache und für die Mutter genau so neu wie für den Vater. Vaterinstinkt ist einfach dass man sich ebenso verantwortlich fühlt für das Kind wie die Mutter. Für mich die natürlichste Sache. Da gibt es nichts zu überlegen.
Als der kleine Sohn nach Hause kam, war das Mami Nr.1 für ihn. Leider? Logisch, denn ich konnte ihn auch nicht stillen. Dafür war es auch Mami, die ihn schreiend in der Wohnung herumtrug am Abend. Und wer stand in der Nacht dreimal auf zum stillen? Dafür ging ich am Sonntag um halb sieben am Morgen mit dem Kind am Bauch in den Wald spazieren, damit Mami doch noch schlafen konnte. Sklavische Aufopferung? Chabis! Diese Morgenspaziergänge waren herrlich!
Als Mami wieder zu arbeiten begann, wollte er den Schoppen nicht. Ich fuhr während Wochen an meinen zwei Papatagen mit dem Zug zum Stillen an Mamis Arbeitsort. Ach wie demütigend für den Papa? Ich war ehrlich gesagt froh hatte ich dadurch ein festes Porgramm und entkam dem Kampf mit dem Schoppen.
Als der zweite Sohn kam, diesselbe Geschichte. Er ist jetzt drei und will immer nur zum Mami. Zugegeben, es nervt manchmal. Dafür will er auch nie von mir gewickelt werden wenn Mami dabei ist. Und ich geniesse die Papatage mit ihm. Dann bin ich Nr. 1. Und ich bin sicher, dass es eine Zeit geben wird, in der ich gefragter bin als Mami. Das sind doch immer auch Phasen. Und Phasen gehen schneller vorbei als man denkt.
Und übrigens geniesse ich das Lächeln der Frauen wenn ich mit dem Kinderwagen unterwegs bin! Auch wenn es vielleicht eher dem Kind gilt…
Tut mir leid – ich kann mich bei bestem Willen nicht mit diesen neuen neuen Vätern identifizieren. Für mich war und ist die Geburt meiner Töchter ein grandioser Neuanfang, den ich unter keinen Umständen rückgängig machen könnte, auch wenn ich es könnte. Klar, all die Warnungen meiner kinderlosen Freunde (von denen ich die meisten inzwischen aus den Augen verloren habe) sind erwartungsgemäß eingetroffen – so what? Was ist so spannend an einem Leben ohne Neuanfänge? Meine zwei kleinen Gören sind das beste, das ich in meinem ganzen Leben bis anhin gemacht habe. Vielleicht hätte ich mit 20 – 30 auch Manschetten gehabt, aber ich hab gewartet mit dem Kinderkriegen, bis ich mit 50 reif genug war. Mir tut ein Typ, der die Liebe zu seiner Tochter nicht finden kann bloß leid – ganz zu schweigen von der Tochter!
Don’t have kids, moron!
Ok was sie hier schreiben ist sicher eine Ansicht, ich bin vor 26 Jahren auch Vater geworden,ich habe ein Mädchen gewünscht,und der Wunsch wurde erhört,ich liebe diese neue Seele unabhängig von den Frauen die die Männer heute noch
beneiden,belächeln,oder auf Ihrem Helfertripp meinen sie könnten die Männer umpolen,dass Männer so gestrickt sind wie sie sind,haben nicht die Männer entschieden, sondern nebst dem Schöpfer, sind es doch die Mütter, also sprich wieder Frauen die ihre Bubis verziehen, besonders dann wenn in der Beziehung zum eigenen Mann Gewohnheitslöcher entstanden sind.
Durch die Zeitveränderungen, durch das habenwollen Ich will diesen Mann, ich will Kinder, ich will Arbeiten und Kinder haben, Ich will mich verwirklichen, Ich will, Ich will….. das dieses wollen aus der befriedigung des Ego besteht und vielfach nicht ein Herzenswunsch ist, wird die Gesellschaft immer viel Geld kosten,und den Psychologen und Therapeuten geht die Arbeit nie aus.Nicht jede Weibliche Person ist eine Mutter,und die Frauen sollten sich im klaren sein wass sie wollen und für dass auch die Verantwortung übernehmen,den ein Kind produzieren ist meisten leichter,als sie im Leben zu führen und zu Begleiten, der Denkfehler ist, dass diese Seele nicht das Eigentum der Egoistischen Eltern ist. Einer wirklichen Mutter wird es immer schwerfallen, das eigene Kind wegzugeben und anderne eine ( Teilerziehung!!!! )zu überlassen,meistens fehlt diesen Kindern die Verwurzelung in der Familie. Für die Männer bleibt nur eines lernt was Partnerschaft heisst und lebt danach aber lasst euch nicht Entwaffnen,den die Frauen brauchen die Krieger und wir die Göttinen.
Ja ja, was soll dieses ganze Gejammer und Geschreibe? Ist es nicht einfach so, dass Mann ein Kind von Anbeginn an will und sich darauf freut und somit auch klar ist, dass zugunsten des Kindes das Geldverdienpensum reduziert wird; denn das ist Vaterliebe welche von Anfang an da ist. Alles andere ist doch nur Trieberhaltungsegoismus, egal ob bei Männern oder Frauen. Klar brauchen Kinder eine starke Portion guter Nerven, doch wenn Ihr gewillt seid euch zu öffnen wird es Momente in eurem Leben geben welche euch kein anderes Geschöpf auf dieser Welt geben kann. Dies ist die Entschädigung für für alle Reibereien und die Familienorganisation! Klar ist auch, dass Teilzeit Väter von der Gesellschaft mehr Anerkennung erhalten müssen und zwar: Arbeitsmodelle mässig genau so wie Finanziell! Viel Vergnügen beim Nachdenken!!
Ich glaube, wenn ich noch ein oder zwei Mal irgendetwas über oder von einem der “modernen Männer”, auch bekannt als “Jammerlappen”/”wandelnde Identitätskrisen” lesen oder hören muss, kann ich nie mehr aufhören zu kotzen. Wieso muss eigentlich jedes Problem, dass irgendein Schwanzträger heute hat, gleich das Problem aller Männer sein und weiss Gott was beweisen? Wenn Michael Lewis das Gefühl hat, dass ihn alle Frauen mit siegessicherer Herablassung anschauen, sollte er vielleicht mal sich selbst die Frage stellen, was zur Hölle mit seinem Selbstbewusstsein nicht stimmt. Und dann die Gespräche am Sandkastenrand, bei denen sich herausstellt, dass einer “nicht der Einzige mit diesen Problemen” ist. Wie repräsentativ! Wie ungeheuer Trend settend! Kann die Öffentlichkeit nicht beschützt werden vor diesen “Ich-habe-eine-Tendenz-entdeckt”-Schmierereien, die dann jedem Anderen, der ebenfalls darunter leidet, dass er es verpasst hat, Selbstbewusstsein und eine eigene Persönlichkeit herauszubilden oder zu festigen, erlaubt, sich aufgehoben zu fühlen in einer diffusen Gruppe namens “Männer”, anstatt dass er mal ein wenig Therapiearbeit leisten würde.
Ohnehin ist diese ganze “Männerbewegung” oder wie sich der Klumpatsch auch immer gerade nennen mag, völlig für die sprichwörtlichen Füchse. Der Feminismus kann für sich bei allen Übertreibungen und Skurrilitäten in Anspruch nehmen, verkrustete Gesellschaftsstrukturen aufgezeigt und aufgebrochen zu haben und dies teilweise immer noch zu tun. Das, was teilweise und recht euphemistisch als “Männerbewegung” bezeichnet wird, ist hingegen nichts als ein lauwarmer Witz, der jeglichen emanzipatorischen oder aufgeklärten Charakter vermissen lässt. Ständig geht es nur um reflexhaften Revanchismus und ein unbestimmtes Gekränktsein. Das Gefühl, dass die bösen Frauen uns Männern Etwas weggenommen hätten, ohne dass richtig bestimmt werden könnte, was das genau ist. Und vor lauter Frustration und Verlustgefühl geht dabei ganz vergessen, dass es niemanden gibt, der oder die Mann daran hindern würde, eine selbstbestimmte, selbstbewusste und in sich selbst verankerte Persönlichkeit zu werden. Einerseits wollen diese “modernen Männer” tausenden von Ansprüchen genügen und andererseits haben sie es verlernt, selbst Ansprüche an sich und die Umwelt zu formulieren. Aus dieser Leere entstehen dann Stilblüten und Realitätsverzerrungen wie diese Blicke, die mit der Genuugtung des Siegers auf unsere armen Männchen fallen. Oder der pathetische Mist von wegen “wie Gorbatschov”, der das Richtige getan hat und nur Geringschätzung erntet. Was genau soll das aussagen und wer, der einigermassen bei Verstand ist, erwartet tatsächlich, dass ihn solcherart Gejammer und Selbstmitleid irgendwann weiterbringen könnte.
Nicht verwunderlich, dass Mr. Lewis am Ende vor seinem Wandel vom Monster zum Vater recht ratlos dasteht und auch nur lapidare Schlussfolgerungen daraus zieht. Wer nichts Anderes kennt als Selbstmitleid und Fremdbeschuldigungen bzw. paranoide Fantasien, wird vermutlich nie zu originelleren oder individuelleren Schlüssen kommen.
Das Ganze ist so beklemmend armselig wie es nutzlos ist. Ein Trauerspiel.
@Hitz: “Das, was teilweise und recht euphemistisch als “Männerbewegung” bezeichnet wird, ist hingegen nichts als ein lauwarmer Witz, der jeglichen emanzipatorischen oder aufgeklärten Charakter vermissen lässt.”
Konkreter bitte.
Danke, aber nein Danke.
Ich für meinen Teil habe mich lange Jahre in linken Männerkreisen bewegt und tue mir hier im Mamablog regelmässig die Einträge von bewegten Männern an. Diese zweifelhaften Vergnügungen möchte ich niemandem vorwegnehmen und deshalb reagiere ich auf sehr unkonkrete bitten nach Konkretisierungen lediglich mit: Nö.
Super Hitz: Dann könntest Du zur Abwechslung mal mit Ideen von einer besseren Welt auftrumpfen!
Ausser, Dir fällt auch dazu nichts ein…
Dann müsste man sich fragen, zu was genau Dir überhaupt etwas Konkretes einfällt.
Gut, auf der anderen Seite: Konkret werden muss ja niemand- ausrufen ist da schon viel einfacher. Und tut auch gut.
Ja, Marcel, das hast Du nun schön gesagt, aber leider ist es inhaltlich ebenfalls ein wenig mager. Es ist ganz eigentlich nichts Anderes als eben das Ausrufen, das Du selber bemängelst, einfach ein wenig leiser verpackt.
Aber zurück zu “konkret”: Dieses Wort ist mir leider nach wie vor zu unkonkret und auch die Forderung nach “meinen Ideen für eine bessere Welt” ist nichts weiter als ein ausserordentlich langweiliger Allgemeinplatz. Was soll ich denn Deiner Meinung nach zu Deinen Kürzeststatements oder Ausschweiffragen antworten? Soll ich hier ein Buch reinschreiben, weil “konkreter” und “Ideen einer besseren Welt” doch ein recht weitläufiges Thema sind?
Ich glaube kaum. Ich schlage eher vor, Du selber konkretisierst Deine Frage an mich und schreibst ein kleines Bisschen präziser hin, was Du ganz genau von mir wissen willst.
Und noch dies: Was “man” sich alles fragen müsste, interessiert mich, fällt mir da ganz konkret ein, herzlich wenig.
Hitze- da Du ja einer der passiven Mitleser bist, schlage ich vor, dass Du zuerst mal mehr schreibst.
Vieleicht können wir uns dann ja beide aufregen.
Marcellino, soll das jetzt heissen, dass Deine Fragen nicht mehr konkreter werden, weil Du einfach nur den Wunsch hegst, Dich aufzuregen?
“in einer diffusen Gruppe namens “Männer”
Nun kommt wahrscheinlich… linke Männergruppe, hm:
Die diffuse Gruppe da- das wär’ mal ne zu konkretisierende Formel.
Ich fürchte, die Antwort schon zu kennen.
Dekonstruktivismus, aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaargh!
Heteronormativ, aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaargh!
Patriarchalisch Gesellschaftsstrukturen, aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaargh!