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Wenn Baby ein neues Herz bekommt

Gabriela Braun am Donnerstag den 19. April 2012
Der Patient: Dieses Kleinkind wurde im Dezember 2011 in Zürich operiert. (Bilder: Keystone)

Der Patient: Dieses Kleinkind wurde im Dezember 2011 in Zürich operiert. (Bilder: Keystone)

Während Monaten schwebt das Baby zwischen Leben und Tod. Es ist mit einer kranken Herzmuskulatur zur Welt gekommen. Weder Medikamente noch ein Kunstherz können ihm helfen. Die einzige Möglichkeit nicht zu sterben, ist allenfalls ein Spenderherz.

Als das Baby acht Monate alt ist, ergibt sich die Gelegenheit. Ein Team um Starchirurg René Prêtre implantiert dem Baby das gesunde Herz einer Zweijährigen, die kurz zuvor bei einem Unfall gestorben war. Die Herz-Operation dauert sieben Stunden und ist überaus riskant. Erst einmal zuvor hatte man hierzulande einem unter einjährigen Kind ein fremdes Herz eingesetzt.

Das geschah vor ein paar Monaten. Die NZZ berichtete vor ein paar Tagen darüber.

Der Chirurg: René Prêtre vor der landesweit zweiten Herztransplantation an einem unter Einjährigen.

Der Chirurg: René Prêtre vor der landesweit zweiten Herztransplantation an einem unter Einjährigen.

Wahnsinn, nun gibt es auch Herztransplantationen bei Babys, ist mein erster Gedanke dazu. Der zweite dreht sich sogleich um die betroffenen Eltern: Unglaublich, was diese durchzustehen hatten – und noch immer haben. Aber auch, welche existentiellen Entscheidungen sie treffen mussten. Für sich und ihr Kind.

Die Eltern mussten abwägen zwischen einem allfälligen Leben, dem sicheren Tod und den Schattierungen dazwischen. Sollten sie es als Schicksal annehmen, dass ihr Mädchen von Natur aus nicht zum Überleben gemacht war? Oder es auf die Liste der todkranken Organempfänger setzen und hoffen, dass ein passendes Herz das Baby retten kann? Und wenn das klappt: Wie wird das Leben der Kleinen danach aussehen?

Sieben Stunden volle Konzentration: Prêtre und sein Team bei der seltenen Transplatation.

Sieben Stunden volle Konzentration: Prêtre und sein Team bei der seltenen Transplatation.

Denn klar ist: Auch mit dem neuen Herzen wird das Mädchen nie ein Leben wie gesunde Kinder führen. Es ist auf einen Medikamentencocktail angewiesen und wird immer Patient sein. Zurzeit erhält das Kind die Medikamente über eine Magensonde und ist erstmals seit Monaten wieder daheim. Doch allein eine Infektion könnte für das Kind lebensbedrohlich sein. Wie sich das Leben des Mädchens entwickelt, kann man nicht vorhersagen. In etwa zwanzig Jahren wird die junge Frau vielleicht abermals ein neues Herz benötigen.

Die Eltern hatten sich offenbar mit dem Entscheid zur Transplantation schwer getan. Sie hoffen nun, dass dieser auch im Sinne des Kindes war. Sie sind froh, konnten die Ärzte das Leben ihrer Tochter im letzten Moment retten. Doch gleichzeitig fragen sie sich bang: Was, wenn es dem Mädchen trotz lebensrettender Herz-OP noch jahrelang gesundheitlich schlecht geht? Wird ihr Kind die Eltern am Ende dafür verantwortlich machen?

Neues Leben: Das Spenderherz gehörte einem zweijährigen Kind, das nach einem Unfall verstarb.

Neues Leben: Das Spenderherz gehörte einem zweijährigen Kind, das nach einem Unfall verstarb.

Die Gedanken sind nachvollziehbar. Und man kann sich fragen, ob tatsächlich alles, was medizinisch machbar ist, auch gemacht werden muss. Doch ich wage zu behaupten, dass diese Eltern wohl so gehandelt haben, wie es die meisten tun würden, wenn das Leben des eigenen Kindes an einem seidenen Faden hängt. Sie wollten es retten, mit allen möglichen Mitteln. Es war das einzige, das sie für ihr Baby tun konnten. Sie wollten es nicht einfach aufgeben.

Also entschieden sie sich, bis zum Letzten zu gehen: Die medizinischen Möglichkeiten auszureizen – und zu hoffen. Nicht darauf, dass das Schicksal einem anderen Kind schlecht gesinnt ist, und so ein Herz «frei» wird. Sondern darauf, dass für das eigene Kind die Tür zum Leben einen Spalt weit aufgeht.

gabi15x150Gabriela Braun ist Redaktorin bei der Zeitschrift «Gesundheitstipp», freie Journalistin und Mutter eines neunjährigen Sohnes. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Erlenbach ZH.

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278 Kommentare zu „Wenn Baby ein neues Herz bekommt“

  1. Erika B. sagt:

    Für mich sind Carolinas Kommentare das Eindrücklichste hier.
    Ich stelle mir nämlich vor, wie ich gehandelt hätte, als meine Töchter acht Monate alt waren; sie sind dann kleine Persönlichkeiten, sie nehmen ihren Platz ein im Leben der Eltern, der Familie. So wie es im Beitrag dargestellt wird, stehen selten solche kleinen Spenderherzen zur Verfügung. Das ist doch eine Chance??!!
    Ich glaube, ich hätte gehandelt wie diese Eltern.
    Und wie Carolina in ihrem Fall, soweit ich ihn verstehen kann.

    • Carolina sagt:

      Erika, wenn man mich heute fragt, was für einen ‘Sinn’ das Sterben unseres Kindes gemacht hat – und die uns abverlangte Entscheidung -, würde ich wohl sagen, dass mir seither alle ‘Gewissheiten’ vergangen sind. Diese Situation war so weit ausserhalb dessen, was ich je angedacht hatte, dass ich seither wirklich darauf achte, keine Doktrinen mehr zu verbreiten – es gibt, gerade in solchen emotionalen Ausnahmefällen, kein ‘man muss’, ‘man hat’, keine vorher festzulegenden Verhaltensweisen und man tut Menschen, die in dieser Situation sind, keinen Gefallen damit, sie mit Forderungen zu traktieren.

      • Carolina sagt:

        Und was die Organspende angeht: im nachhinein muss ich sagen, dass ich den Gedanken, dass mein Baby einfach in ein Grab gelegt wird, wo es doch noch eine kleine Möglichkeit gab, es in einem anderen Baby sozusagen weiterleben zu lassen, nicht ertragen hätte. Aber andere Eltern können es nicht ertragen, dass der Körper versehrt ist. Organspende bei Erwachsenen ist für mich ein ganz anderes Thema – einen Organspendeausweis kann ich ausfüllen, meine Familie in meinem Sinne informieren. Bei einem Baby kann das niemand.

  2. marie sagt:

    all diejenigen, die noch nie eine solche entscheidung treffen mussten, können hoffen, dass es so bleibt. denn spätestens eine solche entscheidung zu treffen, wie im beitrag, eröffnet einem abgründe, für die es keine worte gibt, diese zu beschreiben. deshalb finde ich es pietätlos zu be- und verurteilen. die entscheidungen in einer solchen situtation (sei es organe zu spenden, se es diese zu empfangen) sind einfach und absolut zu respektieren und zu akzeptieren. alles andere ist, wie erwähnt, pietätlos.

    • Erika B. sagt:

      Danke, Carolina, ich finds einfach mutig, hier so offen und klar zu dem Erlebten zu stehen. Darüber zu schreiben ist ja auch nicht einfach, vermute ich.
      Und die Verbindung mit dem Thema Organspenden habe ich noch gar nicht gemacht. Das sind für mich neue Aspekte, die ich vertiefen muss. Denn “…in einem andern Baby… weiterleben” heisst ja, auf Erwachsene übertragen, in einem andern Menschen weiterleben.

    • xyxyxy sagt:

      völlig richtig marie – darum können nur aufgeblasene Egos – oder Menschen mit äusserst bescheidenem Denkorgan in einer solchen Sache so verurteilend schreiben

      • Wildkatze sagt:

        Eigentlich wünsche ich keinem Menschen, dass er/sie jemals dazu verurteilt werden wird, sich während seines Sterbens die Organe aus dem Leib reissen lassen zu müssen. Bei Ihnen, xy, mache ich eine Ausnahme.

      • Carolina sagt:

        xy, Ihr Feldzug in Ehren, aber es gibt doch noch andere Aspekte: oft äussert sich in solchen Stellungnahmen tiefe Hilf- und Sprachlosigkeit. Hand aufs Herz, wer wirklich von sich sagen kann, dass er mit Tod und Sterben von Anfang an ‘souverän’ umgehen kann. Natürlich bin ich auch tiefster Empathielosigkeit begegnet, aber irgendwann ist mir klar geworden, dass die allermeisten Menschen mit dem Thema überfordert sind – so wie ich bei anderen auch. Und bei Dingen, die so weit ausserhalb unserer Vorstellungskraft liegen, ist die Versuchung, das Thema brüsk abzuhandeln, noch grösser. Menschlich!

      • Carolina sagt:

        Herrgott, Wildkatze, geht es eigentlich bei Ihnen nie ohne Ihre idiotischen Einlassungen? Keine Spur von Nachdenklichkeit, von Mitgefühl, von Sympathie, von Sich-Einlassen auf ein Thema….. Immer dieselben alten Ich-Ich-Ich-Botschaften, denen Sie partout Allgemeingültigkeitscharakter verleihen müssen. Die Empathielosigkeit, die in Ihren Beiträgen durchschimmert, ist ziemlich ekelhaft.

      • Wildkatze sagt:

        Carolina, ich behaupte genau das Ggenteil, nämlich, dass ich mich wohl intensiver und mit mehr Empathie, Nachdenklichkeit, Mitgefühl und Sympathie auf dieses Thema eingelassen habe als die meisten anderen hier. Und genau deshalb bin ich auch zu anderen Erkenntnissen gelangt als die meisten anderen hier. Und genau deshalb nehme ich für mich in Anspruch, die Sache realistischer und ohne “Rosamunde-Pilcher-Herzschmerz-Blümchen-Berührtheit” zu betrachten.

      • Carolina sagt:

        Dann, das muss man sagen, Wildkatze, ist Ihre Operation gelungen: ‘Rosamunde-Pilcher-Herzschmerz-Blümchen-Berührtheit’ wird Ihnen ganz sicher niemand vorwerfen.

      • alien sagt:

        Carolina, anderen mangelnde Empathie vorzuwerfen ist eine heikle Sache… Du bist hier nicht als verschwenderische Empathieschleuder bekannt.

      • Katharina sagt:

        Ach komm schon, aline und spiel dich nicht als heiliger auf. der Ton, den WK sehr oft anschlägt, ist nun einmal nicht diskussionsfähig, vorallem wenn sie ihre eigene Ansicht als unumstössliche Fakten formuliert und dann auf Gouvernante macht. vor allem bei einem komplexen Thema wie dem heutigen nicht gerade sinnstiftend.

      • Wildkatze sagt:

        Ausgerechnet von Katharina mutet eine solche Feststellung schon SEHR eigenartig an! Dermassen daneben wie Du Katharina habe ich mich hier ganz bestimmt nie benommen. Man mag meine Art mögen oder nicht. Aber Ausfälligkeiten, wie wir sie hier von Dir gewohnt sind, sind bei mir doch eher selten vorgekommen.

      • Katharina sagt:

        klar, WK…. so etwa der wegen dem hoch geschützten Wohnkomplex und den Pillen. Du bist toxisch, verlogen und unter aller Kritik.

  3. Katharina sagt:

    Ein sehr gut geschriebener Artikel, der sehr einfühlend und mit Pietät sich diesem komplexen Thema annähert.

    Ich finde, und das ist nicht als Kritik an die Autorin gemeint, sondern als Denkanstoss für all diejenigen, die hier Kosten/Nutzen Argumente bringen, oder über Sinn und Unsinn der Operation und den daraus sich ergebenden Einschränkungen im Leben des Kindes spekulieren:

    die Transplantationsmedizin macht gewaltige Fortschritte. so auch, was wegen der Immunreaktion, bzw. deren Unterdrückung gemacht werden kann. Stichwort: aufgrund der DNA designte Proteine, die nur auf das Zusammenspiel der DNA des transplantierten Organes und der DNA des gastkoerpers und wie das Immunsystem auf diese Signatur reagiert. Es kann also gezielt nur die Immunreaktion gegen Zellen der Signatur des transplantierten Organes abgestellt werden.

    Weiter ist die Technologie für Kunstherzen inzwischen auch sehr fortgeschritten, ich vermute allerdings für ein so kleines Kind noch keine Option.
    Weiter können aus Stammzellen Organe gezüchtet werden, ein Gebiet, das schon in kurzer Zeit sehr schnell sich entwickelte.
    Kann sein, dass bis zu dem Zeitpunkt wo das kleine erwachsen wird, ein eigenes neues Herz so gezüchtet werden kann.

    Ich würde mich jedenfalls als Laie und ohne Kenntnis der konkreten Patientengeschichte hüten, den Sinn zu hinterfragen oder ein Urteil über die Lebenswertigkeit zu machen – oder generalisierende Aburteilungen im Sinne von aufgeplustertem Ego.

    Überlegt euch dann bitte noch einmal, was der Satz: „dass für das …Kind die Tür zum Leben einen Spalt weit aufgeht“ alles heissen kann. nämlich keineswegs ‚nur‘ ein Leben mit Einschränkungen.

    • Beno sagt:

      Gut Käthy !

    • Brunhild Steiner sagt:

      @Katharina:
      “dass für das …Kind die Tür zum Leben einen Spalt weit aufgeht“ alles heissen kann.
      nämlich keineswegs ‚nur‘ ein Leben mit Einschränkungen.

      Plus dass das Leben einer Erfahrung wert ist,
      oder zumindest dass Viele diesem Leben eine Chance geben möchten solange sie können und lieber nicht von vornherein die Chancen auf “es kommt gut” ausschliessen möchten.

  4. G. Wüthrich sagt:

    Heute können wir mit der modernen Medizin unglaubliche Dinge, quasi Wunder vollbringen. Diese “Wunder” haben aber meist einen Haken. Dieses Kind wird mit sehr vielen Einschränkungen gross werden, wenn dann alles gelingt wie geplant. Dies kann neben zahlreichen Spitalaufenthalten und lebenslangen Medikamentencocktails z. B. weitreichende Kontaktsperren bedeuten wegen Infektionsgefahr. Ich bin unendlich dankbar für meine Kinder und weiss nicht sicher, wie ich entscheiden würde. Früher hatte man die Wahlmöglichkeit nicht. Heute hat man sie und dadurch gerät man in eine sehr schwierige Zwickmühle.

  5. Laura TI sagt:

    Vor 15 Jahren habe ich im Wartezimmer des Arztes einen Organspendeausweis ausgefüllt, mein Grosser, damasl 6 Jahre alt hat mich gefragt, was das bedeutet, ich habe es ihm erklärt. Während der Konsultation beim Arzt haben wir das Thema erneut aufgegriffen und darüber gesprochen. Am selben Abend hat mein Grosser im Bett ganz ernst zu mir gesagt, dass er, falls er einmal sterben sollte, seine Organe auch spenden möchte. Ein paar Wochen später konnte ich der Frage, ob ich die Organe meines Grossen spende, mit fester Überzeugung zustimmen, weil ich wusste, dass es in seinem Sinne war.

    • Laura TI sagt:

      Ich weiss es von allen meinen Kinder, ob und wie sie die Organe spenden wollen. Die Kleinste hat noch keine Meinung dazu, sie ist ja erst 2 Jahre alt, aber alle anderen haben ihren Willen diesbezüglich kund getan und den werde ich immer respektieren, auch wenn es gegen meine eigene Überzeugung geht.

      • Wildkatze sagt:

        Laura TI, das verstehe ich jetzt nicht ganz. Es geht, so wie Sie es darstellen, gegen Ihre eigene Überzeugung, Organe zu spenden. Sie zitieren aber Ihren “Grossen”, dass er seine Organe AUCH spenden möchte. Wie geht das zusammen?

      • Wildkatze sagt:

        Laura, P.S.: Können Ihre Kinder die Konsequenzen einer solchen Entscheidung wirklich abschätzen? Wenn ihnen nämlich nur die romantische Version der Ärzte geboten wird, haben sie keine wirkliche Entscheidungsfreiheit, bevor sie nicht beide Seiten mit allen Konsequenzen abschätzen und verstehen können. Das wäre dann eine unakzeptable Beeinflussung von minderjährigen Kindern bei einem sehr folgenschweren Entscheid – nicht, dass ich Ihnen zum vornherein eine solche unterstellen möchte.

      • Wildkatze sagt:

        …Aber es fällt mir sehr schwer zu glauben, dass ein 6-Jähriger sich wirklich über die Tragweite eines solchen Entscheides bewusst sein kann.

      • Laura TI sagt:

        Nicht alle meine Kinder sind für Organspenden und das würde ich in jedem Fall respektieren.
        Ich selber habe einen Organspendeausweis, meine Tochter auch, mein Sohn nicht, mein grosser Pflegesohn hat einen, der kleine will es nicht und die Kleinste kann dazu noch nichts sagen.
        Klar kann ein Kind die Tragweite nicht abschätzen, wir selber können es wohl auch nicht, aber trotzdem ist es eine grosse Hilfe, wenn man vor dem Entscheid steht.

      • Pippi Langstrumpf sagt:

        Wildkatze, Lauras Sohn hatte einen tödlichen Unfall. Wer hier schon lange mitschreibt, weiss es, die andern wissen es jetzt.

        Laura und Carolina gehören zu denen, die das Härteste erlebt haben, was Eltern zustossen kann, den Tod des eigenen Kindes.

  6. Axel sagt:

    Ich denke mal das alle die Argumente dagegen haben, sicher nie in einer ähnlichen Situation waren. Ich kann es genau nachvollziehen. Meine Tochter jetzt gerade 1 Jahr geworden, wurde mit 2,5 Monaten transplantiert. Wir wurden mit diesem Thema so überrumpelt, dass man (gebe ich zu) im ersten Moment nicht begreift was es überhaupt bedeutet. Nach Abwägungen, dass es unserer Tochter gut ging und wir in Ihr Ihren Kämpfergeist sahen, entschieden wir uns für die Herztransplantation.
    Ich habe Kinder kennegelrnt die während der Wartezeit gestorben sind.

  7. Franz Oettli sagt:

    Ich weiss nicht, ob das gut kommt, wenn man so ein kleines Ding einer solch grossen Prozedur unterzieht. Abgesehen vom Risiko sind ja auch Spätschaden möglich. Aber ohne solche Experimente wären wir auch nicht dahin gekommen, wo wir sind. Wissen wir aber auch, wohin uns das führen soll? Ich bin froh, das nicht entscheiden zu müssen. Und es geschieht ja auch nicht alle Tage. Doch den Tod müssen wir früher oder später akzeptieren, und es gibt noch sonst soviel Leid auf der Welt, das man verhindern sollte, dazu braucht’s nicht mal eine so spektakuläre Operation.

    • Wildkatze sagt:

      Sie bezeichnen das völlig richtig, Franz Oettli. Experimente – etwas anderes ist das nicht. Und für Experimente stehe ich nicht zur Verfügung.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Wildkatze:

        “Experimente – etwas anderes ist das nicht”

        ohne “Experimente”, und ziemlich egal auf welchem Gebiet,
        würden wir noch heute in Höhlen leben-
        dieses Argument blendet die komplexe Dimension von Entwicklung über Anwendung total aus und versteift sich auf negativ besetzte Nebengleise.

    • alam sagt:

      Aber gut kommt es ja sowieso nicht! Das Kind stirbt ohne Spenderherz. Oder würdest du sagen, dass es dann “gut gekommen” ist? Ich finde das eine reichlich unglückliche Wortwahl für diesen Fall.

  8. Wildkatze sagt:

    Meine Organe stelle ich gerne zur Verfügung – aber erst, nachdem meine Leiche mindestens 2 Tage öffentlich aufgebahrt worden ist. Vorher nicht!

  9. Aileme sagt:

    Ich finde es einfach nur unpassend, in welche Richtung die Dikussion zu diesem speziellen Fall hier gegangen ist. Es ist durchaus wichtig und legitim, ueber Organtransplantation an sich zu diskutieren. Aber es macht mich traurig, wenn ich mir vorstelle, dass das kleine Maedchen in 10 oder 12 Jahren diesen Artikel hier noch im Netz finden koennte, mit sammt den Beitraegen ueber es, wo es heisst, es haette besser sterben sollen. Sei es nun, weil die Behandlund Geld kostet, oder sei es, weil sein Leben sicher nicht lebenswert sei.

  10. Valeria sagt:

    Nachdem ich mir gerade die gesamten Kommentare durchgelesen habe, habe ich ein so dermassen flaues Gefühl im Magen, dass mir schlecht ist.

    @ Wildkatze: Was ist Ihnen zugestossen, dass sie solche Dinge schreiben? Warum stellen Sie Ihre Meinung über alle anderen, über alle Fakten, über alles Wissen, über einfach ALLES im Zusammenhang mit Transplantationen? Nur SIE ALLEIN wissen, was ein Hirntoter fühlt. Nur SIE ALLEIN wissen, was dieses Mädchen durchmacht und durchmachen wird. Nur SIE ALLEIN wissen, wie es ist, transplantiert zu sein. Boah, echt jetzt… Sie machen mich rasend!

    • Brunhild Steiner sagt:

      @Valeria:
      lohnt sich nicht…
      nachfragen, nachhaken und je nachdem richtigstellen hingegen schon,
      zumindest für jene welche sich noch im Abwägungsprozess befinden… .

      • Valeria sagt:

        Wildkatze hat innerhalb von gerade mal 12h soviel Stuss geschrieben, dass mir Angst und Bange wird. Wenn jemand ernsthaft glaubt, dass einem Organspender bei lebendigem Leib die Organe rausgerissen werden, nur um sie “frankenstein-gleich” einem anderen Todgeweihten wieder einzupflanzen und dieser daraufhin ein elendiges Leben im dunklen Kämmerlein führen muss, dann ist das nicht nur KOMPLETT FALSCH, sondern auch gefährlich. Solange solche Mythen in der Gesellschaft im Umlauf sind, wird sich die Anzahl gespendeter Organe sicher nicht erhöhen.

      • Valeria sagt:

        Und folglich werden immer mehr Menschen sterben, weil sie krank sind und ihnen leider nicht mehr in nützlicher Frist geholfen werden kann. Hätte ich alles, was Wildkatze hier so von sich gegeben hat kommentieren und richtigstellen wollen, wäre ich gestern nicht um ein Uhr, sondern wahrscheinlich gar nicht ins Bett gekommen…

        Wenn jemand entscheidet, seine Organe aus ethischen, familiären, religiösen oder anderen Gründen nicht zu spenden, ist das das eine. Davor habe ich sehr viel Respekt und es zeugt davon, dass sich jemand ernsthafte Gedanken gemacht hat und für sich entschieden hat.

      • Valeria sagt:

        Aber wenn dann so eine wildgewordene Furie irgendwelche Horrorgeschichten von sich gibt und hier Dinge verbreitet, die mit der Wahrheit so überhaupt nichts am Hut haben, dann werde ich ernsthaft sauer.

        Nur weil Sie, Wildkatze, ihr Kind lieber friedlich sterben lassen würden (eine Entscheidung, die ich vollkommen respektiere und die nur Sie allein treffen können würden), heisst das noch lange nicht, dass Sie das anderen aufdrängen müssen. Und schon gar nicht auf diese Art und Weise. Pfui, schämen Sie sich!

      • Laura TI sagt:

        Ich würde weiter gehen Valeria, wenn jemand sich unwohl fühlt bei dem Gedanken, dass ihm die Organe entnommen werden, der soll sich genauso gegen eine Organspende entscheiden können ohne sich rechtfertigen zu müssen, wie sich die, die sich dafür entscheiden nicht rechtfertigen müssen. Ich denke, das ist auch wieder eine sehr persönliche Angelegenheit, wie man da verfahren will.

      • Laura TI sagt:

        Zum Frankenstein, ich habe versucht in der Masse aus Knochen, Hirn, Blut und Fleisch irgend ein bekanntes Fleckchen des Gesichts meines Grossen zu erkennen, es gelang mir nicht und ich wusste in dem Moment, dass er so nicht leben wollte, dass er nicht ein Leben lang an Schläuche gefesselt in einem Bett liegen wollte. Ich musste so oder so einen Entscheid fällen, ob man die Maschinen abstellt, die seine Organe am Leben hielten. Er war bereits nicht mehr dort, nicht mehr in diesem unglaublich entstellten Körper, er war schon auf dem Weg in sein neues Leben.

      • Valeria sagt:

        @ Laura TI:
        Genau, ich stimme Ihnen vollkommen zu. Diese Entscheidung, also was mit dem eigenen Körper nach dem Tod geschieht, kann nur jeder für sich beantworten. Und ja, keiner muss sich für diese Entscheidung rechtfertigen.

        Aber mein persönliches Anliegen ist einfach, dass die Menschen sich aufgrund von Tatsachen entscheiden können. Und nicht anhand abstruser Aussagen von Leuten wie Wildkatze.

      • Valeria sagt:

        @ Laura TI (und auch Carolina):
        Zu ihrem letzten Beitrag: Was Sie und auch Carolina erlebt haben, ist so unvorstellbar, dass ich Ihre Worte einfach so stehen lassen möchte. Im Gegensatz zu vielen anderen Kommentatoren hier (mich wahrscheinlich eingeschlossen) merkt man ihren differenzierten Beiträgen an, dass Sie sich mit dem Thema beschäftigt haben. Nein, beschäftigen mussten. Und das tut mir so unendlich leid. Danke, Sie haben dieser Blog-Diskussion wenigstens etwas Menschlichkeit und Würde zurückgegeben.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Valeria:
        da sind noch ganz andere Mythen im Umlauf…
        und längst nicht zum ersten mal dass sich Einige massiv brüskiert fühlen,
        respektive brüskiert werden.

      • tststs sagt:

        Wobei man schon zugeben muss, dass die Mythen auf beiden Seiten aufgebaut werden…

      • Valeria sagt:

        @tststs:
        Welche zwei Seiten sprechen Sie an? Befürworter und Gegner der Organspende? Oder Mediziner/Wissenschaft und persönliche Meinung?

      • Carolina sagt:

        Ich schliesse mich vollumfänglich Laura an: jeder muss für sich ganz allein entscheiden, wie er mit Organspenden umgeht. Und ich glaube, dass wir nachsichtig sein müssen: das Thema berührt Urängste, unseren Tod. Viele Menschen können sich nicht damit auseinandersetzen. Und ich erachte es als geradezu unanständig, andere mit rüdesten Worten abzukanzeln, weil sie einen anderen Weg gehen. Das hat ganz direkt etwas damit zu tun, anderen Menschen nicht die Intelligenz bzw Kompetenz zusprechen zu können, ihre Entscheidungen vor sich selbst vertreten zu können. Was sagt das dann über so eine Person?

  11. Heute gewähren wir übrigens einen Blick hinter die Kulissen der Notfallstation des Kinderspitals Zürich:
    http://www.dieangelones.ch/2012/04/kinderspital-zurich-in-der-notaufnahme-steht-die-zeit-still/

  12. Nadine sagt:

    Die Frage ob und wie viel medizinisch gemacht wird ist eine ethische Frage und jeder einzelne setzt seine Grenzen woanders. Es geht nicht darum jemanden anders in die Pfanne zu hauen, wegen seiner Meinung. Alle sollen so handeln können, wie sie das Wünschen. Ich finde es schade, dass der Tod an sich nicht mehr als selbstverständlich angesehen wird sei es bei Kinder oder bei Erwachsenen, aber da man heutzutage wirklich viele Menschen “noch durchbringt” und es sehr viele medizinische Möglichkeiten gibt, muss man sich nicht wundern. Tatsache ist, dass Menschen sterben, als Kind oder erst alt!

  13. Eni sagt:

    Erbärmlich, einfach nur erbärmlich!!!!!!!!

  14. Petra sagt:

    Heute sind wir dem unbekannten Spender unendlich dankbar, dass unser Sohn vor eineinhalb Jahren eine fremde Leber geschenkt bekommen hat. Das Leben kann weiter gehen.

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