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Andrea Fischer am Dienstag den 8. Mai 2012

Angst frisst Mutter

Mütter machen sich Sorgen.

Sich zu sorgen ist normal. Zu viel Sorge kann einschränken: Ängstliche Frau. (Symbolbild)

Mütter machen sich Sorgen. Ein Mutterleben lang. Von der Befruchtung bis zur Himmelfahrt oder wohin es auch immer gehen mag, wenn wir hier fertig sind. Entwickelt sich das Kind im Bauch normal? Atmet es noch, wenn es mucksmäuschenstill in seinem Bettchen schläft? Verschluckt es sich auch nicht an einem Legostein? Fällt es vom Baum? Kommt es sicher auf die andere Strassenseite? Hat es gute Freunde? Ist es gut in der Schule? Verliebt es sich womöglich in einen unwürdigen Herzensbrecher? Hat es einen bösen Chef und schuftet sich in ein Burn-out? Diese Litanei der inneren Besorgnis dauert an und an und an, selbst dann, wenn «es» schon lange kein «es» mehr ist.

Schon klar, das ist total normal. Es ist sogar normaler als je zuvor. Abnormal normal, sozusagen. Debatten über eine überbesorgte Generation von Eltern füllen die Presse von Regenbogenblatt bis Wissenschaftsmagazin. Der Begriff der Helikopter-Eltern rotiert über unseren Köpfen und wir wissen: Wir sind viel zu ängstlich. Und das schadet den Kindern. Die sollten besser wieder Baumhütten zimmern, allein im Dunkeln Detektiv spielen, sich ungestört verprügeln dürfen auf dem Heimweg und sonstiges Verbotenes ausprobieren, ohne dass wir ihnen dabei ständig in den Nacken atmen. So viel haben wir verstanden. Angst ist normal. Aber haben sollen wir sie trotzdem nicht.

Und damit es auch so richtig komplex wird, gelten wir rasch als verantwortungslos, wenn wir unsere Kinder tatsächlich unbesorgt frei herumtollen lassen. Oder nicht stets präzise wissen, wann sie nach Hause kommen, ihnen kein Handy mitgeben, ihnen gar einen Schlüssel um den Hals hängen oder sie nicht ins Gymi befördern.

Mit diesem Salat an Widersprüchen und Sorgen müssen wir leben. Das ist auch nicht sonderlich dramatisch. Genauso wie mit der angeborenen Angst der Mütter, die ja eigentlich durchaus sinnvoll ist. Sie zwingt uns, uns stets mit vollem Einsatz für unseren Nachwuchs einzusetzen und Unheil möglichst vorauszusehen und zu verhindern. Das Problem an der Sache ist, dass wir nun mal nur sehr bedingt Einfluss auf den Lauf der Dinge haben. Auch wird die Welt in ein immer bedrohlicheres Licht gerückt, weil fast alles als potenziell bedrohlich eingestuft wird. Erdnüsse, Stofftieraugen, Zitronensäure, Zebrastreifen, das Internet etc. Und das, obwohl das Leben in unseren Breitengraden viel sicherer geworden ist. Diese Welt-Angst überträgt sich auf unsere Kinder. Auch das ist meist keine Tragödie, nur ein unbequemes und eigentlich unnötiges Korsett.

Richtig ernst wird es erst, wenn die Angst zur Krankheit wird. Und das ist keineswegs selten. Je nach Erhebung leidet jeder Fünfte im Lauf seines Lebens an einer Angststörung, Frauen sind doppelt so oft betroffen wie Männer. Und damit gibt es viele Mütter, die nicht nur einfach mit mütterlicher Sorge fertig werden müssen, sondern darüber hinaus in pathologischem Ausmass darunter leiden, dass das Leben eben nicht kontrollierbar ist.

Die Folgen reichen von Vermeidungsverhalten bis zu regelrechten Panikstörungen. Zu den eigentlichen Ängsten kommt die Sorge, den Kindern mit der eigenen Angst grad doppelt zu schaden, ihnen das Urvertrauen zu nehmen, das sie doch so dringend brauchen. Willkommen im Teufelskreis. Heisse Tipps und wohlmeinende Beschwichtigungen nützen hier leider kaum mehr, oft machen sie alles noch schlimmer, in dem sie das schlechte Gewissen füttern.

Gut zumindest, das man heute viel weiss über Angststörungen und ihre Therapie und dass sie ernstgenommen werden. Denn je früher sie behandelt werden, um so besser. Aber dafür müssen sie erst mal diagnostiziert werden. Und das wiederum bedingt, dass man sich eingesteht, dass etwas nicht stimmt. Nicht ganz einfach. Schliesslich ist Angst uncool, im wahrsten Sinn des Wortes. Und manchmal eine Krankheit. Dazu zu stehen bedeutet, zu der eigenen Schwäche zu stehen. Wer tut das schon gern? In der Überzeugung, dass es trotzdem wichtig ist, das Thema endlich aus dem Halbschatten zu holen, habe ich nach langem Hin und Her beschlossen, hier genau das zu tun: dazu zu stehen, dass ich eine Mutter mit übermässiger Angst bin. Ich bin nicht stolz darauf, aber es ist eine Tatsache. Eine, mit der man leben kann. Mal besser, mal weniger gut.

Für mich hat es sich bewährt, gegenüber mir und meinem Umfeld dazu zu stehen – auch gegenüber meinen Kindern. So wissen sie, dass es nichts mit ihnen zu tun hat, wenn ich ihnen mal wieder zu wenig zutraue oder mir eine eigentlich völlig übertriebene Ermahnung nicht verkneifen kann. Sie wissen auch, dass es nicht ihr Job ist, mich vor meiner Angst zu beschützen, in dem sie mir zuliebe übervorsichtig sind. Es gibt darum Dinge, die sie mit meinem Mann besprechen müssen. Wie die Erlaubnis, vom Fünfmeterbrett zu springen, allein mit dem Fahrrad im Quartier rumzudüsen oder auf eine hohe Mauer zu klettern. Das erspart ihnen unnötige Einschränkungen. Und mir gibt es die Zuversicht, dass sie trotz meiner Angst den Raum bekommen, ihre Kräfte und Fähigkeiten auszuloten.

201 Kommentare zu „Angst frisst Mutter“

  1. Katharina sagt:

    “Und damit es auch so richtig komplex wird, gelten wir rasch als verantwortungslos, wenn wir unsere Kinder tatsächlich unbesorgt frei herumtollen lassen” – sich keine Gedanken darüber zu machen, was andere über einen denken, nimmt schon sehr viele Ängste. Was andere über einen denken, kann letztlich nicht beeinflusst werden.

  2. xyxyxy sagt:

    @marie
    Schwarzes Schaf wird nicht im Zusammenhang mit Hautfarbe verwendet – David Coverdale sang schon I´m the Black Sheep of the family – der Mann fühlte sich nicht als schwarzer, sondern als Aussenseiter oder eben als Ausreisser, der aus sicht der Herde von weissen Schafen negativ auffällt.

    @Kathy – nein ich muss nicht jeden Wiki Artikel lesen. Ich vermisse die Fähigkeit, dass man konkret auf ein Argument eingeht und nicht ständig abscheift. Man muss selbst denken können, das bedeutet, dass man konkret auf Argumente eingehen kann ohne zitieren zu müssen.

    • marie sagt:

      xy: sie sind im stande dies differenziert zu analysieren. glauben sie mir ganz viele nicht. dort liegt die crux begraben. ich weiss was sie meinen und ihnen würde ich zuletzt fremdenfeindlichkeit, geschweige denn rassismus vorwerfen. definitiv nicht. aber es gibt viele tumbe menschen, die das nicht verstehen, geschweige denn sich die mühe zu geben, um es wenigstens versuchen zu verstehen. leider. wäre schön, wenn es alle so sehen würden wie sie. ist aber nicht so, leider, leider. schwieriges neverending thema.
      und seit geraumer zeit ist fremdenfeindlichkeit wieder salonfähig. cave!

      • xyxyxy sagt:

        marie – sie haben natürlich recht
        ich bin auch Tag für Tag mit Menschen im Kontakt und das Thema, das wir streifen ist sehr breit
        dass die tumben das nicht raffen, ist ok. Aber dann müssten doch die Nichttumben in der Lage sein differenziert darüber zu reden um etwas Klarheit in die WElt zu bringen. ABer die Sprache zerlumpt zu Schlagwörtern und das ist gefährlich, weil damit auch das Denken verflacht.
        Wenn man aus politischer Korrektheit dort Rassismus hineinliest, wo kein Rassismus ist, hat man am Ende vielleicht sogar den Rassismus gefördert.

      • marie sagt:

        ich versuche mich kurz zu halten hier eine kleine geschichte: wir spielten im kindergarten das spiel “was machsch we dr schwarz ma chunnt? fortspringä”.mein vater kam mich mal abholen. er hatte rabenschwarze haare und olivefarbige haut. ich an seiner hand auch dunkle haare, dunkle augen. die kinder auf dem nachhause weg, schrien den text und zeigten mit dem finger auf meinen vater. ich erklärte ihm es sei ein spiel. er versuchte mir damals den “schwarzen mann” zu erklären. die eltern der kinder taten es aber nicht. es ging weiter, plötzlich war ich der schwarze mann. und das blieb. unschön.

      • Monsieur de Hummel sagt:

        @ marie

        Naja, so sind Kinder halt. Die lachen auch Mitschüler aus, die unter schwerem Heuschnupfen zu leiden haben und bezeichnen sie als Monster. Dasselbe bei körperlichen Defiziten wie Fettleibigkeit, Sehschwäche oder sogar Fehlen einer Gliedmasse…

        Schön ist das tatsächlich nicht. Aber für mich hat das nur sehr bedingt mit eigentlichem Rassismus oder in diesen Fällen Diskriminierung zu tun.

      • Katharina sagt:

        “Naja, so sind Kinder halt” – eben. marie bringt ein klassisches Beispiel des Giftes der frühen Jahre. es ist eine rassistische Situation.

      • marie sagt:

        ja, vater wurde dermassen verbiestert darüber, dass er in der folge nicht auf deren eltern losging, sondern auf uns… ok, mein vater war ein monster, aber geholfen, haben dann diejenigen, die noch öl ins feuer gossen, eben auch nicht. ausländer halt. sie sehen, die geschichte würde weiter gehen. aber ich höre jetzt auf.
        einfach ein wenig darüber nachdenken, was sprache bewirken kann. wäre schon ein schritt in die richtige richtung.

      • Clemens sagt:

        Salonfähig sind leider auch weitere “Feindlichkeiten” wieder geworden, was letztlich Ausdruck zunehmender Ängste in der Gesellschaft ist.

    • Katharina sagt:

      “nein ich muss nicht jeden Wiki Artikel lesen. Ich vermisse die Fähigkeit, dass man konkret auf ein Argument eingeht und nicht ständig abscheift” und ich finde es besser mit dem Link auf einen Wiki Artikel auf das wesentliche des Themas zu verweisen (’white privilege’ – welches als Platzhalter für ähnliche Muster steht, unter anderem auch für male privilege) statt das hier auszudeutschen. Sie verhalten sich dann einfach ignorant, wenn Sie sagen Sie hätten es nicht nötig, den Artikel mindestens anzulesen.

    • Katharina sagt:

      “sondern als Aussenseiter oder eben als Ausreisser, der aus sicht der Herde von weissen Schafen negativ auffällt” – und warum denken Sie ist schwarz negativ?

      • xyxyxy sagt:

        Katharina – wie gesagt es gab einmal eine Zeit, da waren die Menschen deutscher Sprache nicht mit dunkler Hautfarbe konfrontiert. Vielleicht fiel es ihnen auf, dass Schafherden mehrheitlich weiss sind. Dort kommt das her mit dem Schwarz Schaf.
        Dass Schwarz/Dunkelheit eher negativ und Weiss/Licht eher positiv besetzt ist, hat auch rein nichts mit Hautfarbe zu tun. Der Dieb in der Nacht tarnte sich schwarz. Im Dunkeln fürchten sich die Menschen. Licht steht für Erleuchtung etc. etc. – Eben solche natürlichen Dinge werden nicht mehr gesehen, wenn man politisch überfrachtet denkt.

      • Monsieur de Hummel sagt:

        Ja Himmel, wenn man schon von wikipedia spricht. Dort steht das, was überall steht, wenn es um die Redwendung geht. Die weisse Schafswolle war beliebter, weil man sie im Gegensatz zur schwarzen Färben konnte…

        Dass man tatsächlich darüber diskutieren muss, ob die Redewendung rassistisch sei, ist ziemlich lächerlich.

      • Katharina sagt:

        “Wie gesagt es gab einmal eine Zeit, da waren die Menschen deutscher Sprache nicht mit dunkler Hautfarbe konfrontiert” – dem ist aber seit der Zeit, als das Gebiet zum römischen Reich gehörte, nicht mehr so. Und ganz sicher spätestens seit der Kolonialzeit.

        Das Problem ist der Mechanismus der Ausgrenzung durch das Sprachbild. Und das interessante dabei, dass auch im englischen ähnliche Mechanismen bestehen. z.B das Wort moron. auch black sheep, Nuisance, etymologisch verwandt mit Noose. also woran die Sklaven aufgehängt wurden.

      • Katharina sagt:

        Und wegen der Geschichte und dem sich dadurch eben ergebenden Kontext eines Begriffes muss das beleuchtet werden. Solche Sprachbilder sind deswegen so verinnerlicht, weil sie im frühkindlichen Stadium während der Erlernung von Sprache vermittelt werden. das Gift der frühen Jahre eben.

        Ich bin mit Ihnen einig, dass p.c. reden manchmal übertrieben wird. Oder dass die race card auch ausgenutzt wird – siehe etwa der republikanische Präsidentenanwärter Cain, der das versuchte.

      • Katharina sagt:

        Ich lief da einmal mit meiner Partnerin voll rein, als ich sie als hot tamale bezeichnete, ich meinte es als Kompliment, weil sie eben temperamentvoll ist. Aber der Ausdruck löst eben bei den Latinas die Furien aus, weil Latinas als ‚leichte Frauen‘ betrachtet werden, always available for a ‚little romp‘ by a white boy.

      • xyxyxy sagt:

        Kathy 2 – zudem schrieb ich: aus sicht der Herde negativ
        Ich bin das schwarze Schaf der Familie. Weil die ganz Familie in die Kirche geht und ich ich ein Rockstar bin. Für den biederen Kirchgänger ist das schwarze Schaf ein Skandal, der Rockstar hingegen geniesst seinen Aussenseiterstatus.
        Umgekehrt kann das schwarze Schaf auch der sein der in einer alternativen Punkfamilie eine Bankkarriere anstrebt. Das schwarze Schaf fällt in der weissen Herde negativ auf, es sei den die Herde wäre tolerant (ist sie meistens nicht).

      • xyxyxy sagt:

        ok Katharina, dann haben wir uns ja halbwegs gefunden
        1. es gibt sprachlichen Rassismus
        2. nicht jede Redewendung funktioniert bei jedem kulturellen Hintergrund gleich
        3. man kann es mit politisch korrektem Reden auch übertreiben

        ich füge dem noch dazu, dass etwas Lockerheit und Humor am ehesten dem Bösen wehrt
        diesbezüglicher Filmtipp: The Guard – Ein Ire sieht schwarz.

      • alien sagt:

        Leider kann Elena kein Deutsch, sonst wäre es sicher nett mit ihr hier.

      • marie sagt:

        ich würde als “betroffene” auch gerne ein kleine fazit/resummé von mir geben:
        mir fällt auf, dass solche diskussionen oft mit den falschen geführt werden. ich vermute xy würde niemals auf die idee kommen, einen migranten zu pöbeln aufgrund der hautfarbe, religion usw… das müsste man echt mit diesen pöbler machen, aber erfahrungsgemäss bringt es dort genaiso wenig, weil diejenigen, die es betrifft, sich im recht wähnen, sich immer noch als ha(e)rran(e)ri)a)sse zu sehen. na ja, ich hoffe es wird besser. aber cave der sprache, trotzdem.

      • Monsieur de Hummel sagt:

        @ marie

        Mag jetzt schon wieder etwas von der Diskussion abdriften. Ich habe ohnehin nicht das Gefühl, dass in der Schweiz unter den jungen Leuten Migranten häufig rassistisch beleidigt werden. Umgekehrt kommt es aber sehr häufig vor. Sie können sich kaum vorstellen, wie häufig ich irgendwo an der Langstrasse oder an Basket- und Fussballspielen wegen meiner Herkunft (also Schweiz) beleidigt wurde…

      • marie sagt:

        m d h, ich schätze sie differenzierter ein als dieser post. überlegen sie mal. ich meine das nicht böse und will schon gar nicht eine polemik vom zaun brechen.
        übrigens: rassismus/fremdenfeindlichkeit ist kein ch-problem, diese “unart” gibt es überall. irgendwannmal kommen sie immer aus dem süden (l. de crescenzo).

      • xyxyxy sagt:

        @marie – selbstverständlich pöble ich niemanden an wegen seiner Hautfarber oder Herkunft, das habe ich nicht mal als Kind oder Teenager gemacht – so etwas ist mir zuwider. Zuwider ist mir allerdings auch die politisch Korrekte Schwatze und dass alles gleich Rassismus genannt wird, was nicht Rassismus ist.
        Ca. 70% der Menschen sind Mitläufer und werden bei Unrechtregimen mitmachen, wenn der Gesellschafliche Druck gross genug ist. Zu diesen 70% würden viele gehören, die heute politisch korrekt reden und sich total gut vorkommen. Wir wären überrascht wer Charakter zeigen würde und wer nicht.

      • marie sagt:

        xy, wir versuchen doch nur, dass dies braune sooooossse nicht wieder die oberhand kriegt, da sind wir uns einig. ich bin einfach der meinug, dass es in der tat eine grauzone ist. pc oder nicht pc. ganz platt: sie würden nie vom “bösen schwarzen mann” mit einem pnos wähler sprechen, da der pnoswähler nicht ihre sichtweise hat. aber mit marie ist das kein problem, da ich weiss, dass sie differenzieren können.
        ich sage nur, auf sprache achten. da der pnos wähler, sich in seiner haltung bestärkt fühlen würde und marie einfach eine spannende diskussion mit xy hat. das ist der unterschied.

      • xyxyxy sagt:

        @marie
        ja – obwohl ich diesen Terminus ja überhaupt nicht gebracht habe
        mit PNOS wählern rede ich, so weit ich weiss, gar nicht.
        Ich denke die Gefahr liegt in erster Linie im Mitläufertum, darin, wenn die Leute nciht mehr selbständig denken und darin, wenn sie zu einfache gut/böse Raster haben. Ideologen haben prinzipiell diesen gut/böse Raster, diesen gefährlich elitären Dünkel. Natürlich ist von allen Ideologien Rassismus/Faschismus der Schlimmste.
        Aber wir müssen auch reden können was wir denken und wir sollten auch politisch unkorrekte Witze machen können, wie Monty Python oder Borat.

      • marie sagt:

        xy ich bin ganz bei ihnen, wie gesagt, ich finde diese diskussion sehr spannend und katharinas bericht zeigt um was es ua geht (vor allem mit dem hot tamale :grins: ich hoffe sie darf ihre partnerin jetzt so nennen).
        und ich gebe ihnen recht, dass eine grosse gefahr wirklich die mitläufer sind. ich war in den 90ern ziemlich bei der antifa engagiert, ich treffe mich sporadisch regelmässig auch noch mit ehemaligen. plötzlich sind unter diesen ehem themen, die wir damals als fascho bezeichnet haben, halt eben: salonfähig. pc oder nicht pc, diese frage stelle ich mir immer wieder vermehrt.

      • marie sagt:

        obwohl ich es mit pc auch nicht habe. ich liebe den britischen humor genau aus diesem grund, da er echt nichts kennt. aber die briten machen sich halt auch masslos über sich selbst lustig (little britain zbsp.).

      • Monsieur de Hummel sagt:

        @ marie

        Es geht darum, dass (das ist grds. durchaus positiv) sich der gut erzogene und gebildete Schweizer Bürger (sicherlich nicht nur der Schweizer Bürger) offensichtlich extrem viel Gedanken darüber macht, dass er nicht rassistisch wirkt. Das mache ich auch und spreche deshalb z.B. in der Öffentlichkeit auch möglichst nicht vom “bösen, schwarzen Mann”, aus Angst, jemanden beleidigen können. Obwohl das ja eigentlich doof ist, da ich genau weiss, dass es keine rassistische Beleidigung ist.

        Man sieht es ja schon in diesem Blog, wie genau man sich erklären muss.

      • Monsieur de Hummel sagt:

        Das regt mich zum einen auf, dass man sich derart politisch überkorrekt verhalten muss, um nicht mit der Rassistenkeule in Kontakt zu kommen.

        Und dem extrem kontrollierten Verhalten steht meiner Erfahrung nach das Verhalten eines Grossteils der ausländischen Jugendlichen in der Schweiz gegenüber. An was das genau liegt, kann ich nicht erklären. Aber offensichtlich scheinen die Jugendlichen Immigranten in weit geringerem Ausmasse von der Vorstellung geplagt, jemanden rassistisch zu beleidigen, als es bei den schweizerischen Jugendlichen der Fall ist. PNOS und SD mal ausgenommen.

      • marie sagt:

        ich habs weiter oben versucht zu erklären. auch hier ganz platt: eigentlich sollten wir mit pnösler und neonazis darüber diskutieren oder solche mitläufer wie sie xy beschrieben hat. grosso modo sind wir uns ja einig. ich finde einfach, dass man va heute mehr auf die sprache achten sollte, da fremdenfeindlichkeit wieder salonfähig ist.
        und das mit dinge nicht aussprechen aus respekt, kenne ich auch – die deutschweizer unterscheiden sich ja nicht nur im positiven zu einem heissblütigen neapolitaner ;-) …600z sind die hölle.

      • xyxyxy sagt:

        marie – wir müssen lernen hinter die Schlagwörter zu schauen. Angst, Schwäche und niedere Triebe verstecken sich gerne hinter einer Ideologie, die einen automatisch zu den Guten gehören lässt. An den äussersten Polen ähneln sich die Leute oft erschreckend stark. Bei Links/Rechts Extrem findet man manchmal die gleichen Feindbilder: Amerika und das Kapital (Juden)/ Weltverschwörung. Natürlcih können sich solche Dinge auch ändern und plötzlich sind es Moslems oder so, aber das sind ja nur äusserlichkeiten. Im Innern sind Leute, die solchen Gut/Böse Ideologien anhängen, sich oftmals ähnlich.

      • marie sagt:

        bei migranten ist oft der fall, dass sie sich minderwärtig vorkommen, weil sie im eigenen land nicht (über)leben können und deshalb in ein fremdes land auswandern müssen, um zu überleben, wo sie in der regel die sprache nicht können. sie haben in dem sinne doppelt versagt. dazu kommt dann oft noch unqualifizierte arbeit, die in wohlhabenden ländern nicht wertgeschätzt wird.
        menschliche reaktion: man hat das bedürfnis sich aufzuwerten. die meisten machen das mit leistung, sehr gut sogar. einige halt mit andere niedermachen. das ist grob den kern beschrieben.

      • marie sagt:

        nb ich toleriere umgekehrten rassismus auch nicht, nota bene!

      • xyxyxy sagt:

        @marie
        sie haben natürlich recht: eigentlich müssten wir mit dem Pnösler reden, ihn als Menschen ernst nehmen, auf ihn zugehen etc. – genauso wie mit dem Chaoten, der meint er täte ein gutes Werk wenn er ein Auto anzündet oder dem Gotteskrieger. Wir sollten keinen alleine lassen, keinen aufgeben.
        Es gab eine Zeit in meinem Leben, da versuchte ich so zu leben. Aber irgendwann hatte ich die Schnauze voll. Je nachdem wie extrem die Leute sind, kann das sogar gefährlich werden. Man kann sein Leben auch an unverbesserliche Idioten verschwenden.

      • xyxyxy sagt:

        marie bezüglich mdh
        was sie sagen ist nur eine Seite der Medaille – sozusagen die Sozialromantische (damit will ich nicht sagen, dass es diesen Aspekt nicht auch gibt)
        die andere Seite ist aber die, dass es halt viele Kulturen gibt, welche all das Liberale, das gerade den Linken und Liberalen wichtig ist, verachten und hassen. Patriarchalische Systeme, Ultranationalismus, religiöser Elitarismus und ja, Rassismus. Diese andere Denkweise ist oft das grössere Problem, als die wirtschafliche Nachteile, weil diese Denkmuster und Glaubenssätze Jahrhundertealte Tradition sind.

      • marie sagt:

        richtig, das sind faktoren, die oft dann noch dazu kommen. ich habe einfach versucht den kern zu beschreiben, das kann man übrigens auch ganz gut auf einen neonazi münzen, die werten sich ja auch ständig auf. das ist nur der grobe kern. es ist komplexer als beschrieben.
        ich setze auf dialog, und ich versuche fremdenfeindlichen zu zeigen, dass die mehrheit der migranten ihr ding ganz anständig durchziehen – was die meisten ja auch machen. für die anderen, die ausscheren, gibt es eine justiz, die in der ch me gut funktioniert.

      • marie sagt:

        das braucht geduld und nerven (ja! nerven). aber steter tropfen höhlt den stein und vllt sollten wir anfangen die grenzen in unseren köpfen zu hinterfragen, aber nicht allzu sehr – denn sonst artet es aus. ist wie mit der angst, das fängt sonst an, uns aufzufressen. und das nützt der sache dann auch nicht. aber achtsamkeit, rücksicht, respekt… menschliches verhalten halt. und neugierde, das ist oft ein türöffner.

      • Auguste sagt:

        hmm…, dass dunkle und die furcht – darüber musste einfach gesungen werden…

        youtube: robert cray – don’t be afraid of the dark

      • Monsieur de Hummel sagt:

        Die Diskussion ist sehr interessant und ich denke, dass ich grds. sowohl xy als auch marie weitgehend zustimmen kann. Allerdings halte ich besonders die Aussagen von xy bzgl. des Zusammenhangs von Kultur und Rassismus für zutreffender als die wirtschaftliche Erklärung.
        Ich glaube, dass man z.B. zur Zeit sagen kann, dass der Schweizer im Durchschnitt nicht besonders nationalistisch ist. Wir haben z.B. keine direkten Feinde ggü denen wir uns irgendwie überhöhen müssten. Dies zeigt sich dann umgekehrt z.B. in Serbien-Albanien, wo ein gewisser Nationalismus gepflegt wird,

      • Monsieur de Hummel sagt:

        unter Hilfenahme dessen man dann z.B. irgendwelche Gebietsansprüche geltend macht oder sich einfach über den Gegner stellt. Und je ausgeprägter der Nationalstolz und die eigene Überhöhung desto schneller ist man dabei, rassistisch zu denken.
        Und dabei geht es ja längst nicht nur um strafrechtlich Relevantes.

        Aber das geht jetzt vielleicht etwas zu weit. Sicher sind wir uns einig, dass Rassismus auf beide Seiten verurteilen muss. Mir war es nur ein Anliegen zu betonen, dass Rassismus längst nicht nur einseitig vom Inländer gegen den Ausländer geschieht.

      • marie sagt:

        dieser meinung bin ich auch: rassismus ist nicht nur ein ch-problem, den gibt’s überall.
        ich will noch einmal kurz betonen, ich habe einfach versucht den kern ganz grob zu beschrieben, und habe xy ja recht gegeben, wich ich ihnen auch recht geben, weil das faktoren sind, die dann noch dazu kommen. aber wie gesagt, bei rassimus/fremdenfeindlichkeit geht es ua um sich aufwerten. so harmlos aufwerten klingt, aber die folgen können fürchtbar sein.

      • marie sagt:

        @auguste
        …von robert habe ich noch ein paar platten, aber leider keinen plattenspieler (mehr!!!). :-( toller blueser.

      • Katharina sagt:

        “Das regt mich zum einen auf, dass man sich derart politisch überkorrekt verhalten muss, um nicht mit der Rassistenkeule in Kontakt zu kommen.” – seltsam ist ja, dass dann aber hier PNOS SD und Nazi in den texten durchgeschaltet werden (also direkt, nicht Warteliste), aber das Wort Jud3, Isr4el, Isl4hm und ähnliches die Schlaufe bringt…. ist das nun ein antisemitischer bias oder wird sofort angenommen es handle sich um einen rechtsextremen text? ich denke eher das erstere.

      • marie sagt:

        also pnos und sd sind parteien, aber das mit nazi weiss ich auch nicht.

      • Katharina sagt:

        “Wir haben z.B. keine direkten Feinde ggü denen wir uns irgendwie überhöhen müssten” – sorry aber das stimmt nicht. siehe der fast schon reflexartige Hass auf die grosse Schwester Amerika.

      • alien sagt:

        Also “Amerika” hassen ist ja ziemlich blöd, immerhin ist das ein ganzer Kontinent… Ach, Du meintest die USA, dann sag das doch. Ne, also die hasse ich genauso wenig, wer das tut, ist dumm. Ich habe dezidiert nicht den Eindruck, dass hier besonders viele USA-Hasser unterwegs sind.

  3. Katharina sagt:

    Übertriebene Angst, oder sogar Angst im pathologischen Spektrum, ist oft vorgetäuscht – auch sich selber gegenüber – um die Macht der Kontrolle behalten zu können.

  4. xyxyxy sagt:

    Kathy 2
    natürlich weiss ich dass es sprachlichen Rassismus gibt und dass der Mohrenkopf nicht gerade freundlich ist.
    Aber der schwarze Mann und das schwarze Schaf – haben eben genau keinen solchen Hintergrund. Der schwarze Mann ist heute evt. problematisch, da es immer mehr dunkelhäutige Menschen in CH gibt. Aber das habe ich bereits im ersten Post gesagt – worauf sie nicht mit einer Silbe eingegangen sind.
    Wissen sie wenn man alles politisch überfrachtet, dann kann man weder Kultur noch Menschsein richtig geniessen, das ist meine Meinung.

  5. Widerspenstige sagt:

    btw Das Symbolbild mit der ängstlichen Frau hier stellt doch die Charakterschauspielerin Kristin Scott Thomas da. Sie hat diese Ängste sehr gut charakterisiert in ‘Der Pferdeflüsterer’. Weiter war sie einfach genial in einem meiner absoluten Lieblingsfilme ‘Der englische Patient’ zu bewundern. Das hätte man schon in der Bildlegende hinschreiben dürfen oder irre ich mich?

  6. xyxyxy sagt:

    marie – ich mach mal hier weiter, die Schlange wird mir zu lang.
    wir sind uns soweit einig. Ich finds gut, wenn sie mit den “Anderen” reden. Alles sind Menschen und in manch einem Rauhbein steckt vielleicht ein guter Kerl, der einfach nur hilflos und orientierungslos ist. Aber es gibt auch renitente A. – ist leider so.
    Zum Schluss noch die Wiederholung meines heutigen Filmtipps. The Guard – ein Ire sieht schwarz. Eine tiefschwarze Komödie über einen der vorgibt Rassist zu sein, aber eigentlich ein Menschenfreund ist.

    • marie sagt:

      werde ich mir anschauen.
      ja, diese renitenten as sind mir auch ein greuel.
      danke ihnen und mdh, war interessant und hat mir auch ebenso interessante einblicke gegeben.
      gute nacht!

      @auguste
      a soft place to fall: wunderschön.

  7. xyxyxy sagt:

    Auguste – guter Punkt, sie haben die Angst vor dem Dunkeln aufgegriffen, sehr aufmerksam

    als Musikalisches Gegenstück nenne ich hier Fear of the Dark von IRON MAIDEN
    obwohl ich persönlich weder Angst vor dem Dunkeln noch vor bösen Geistern habe

  8. xyxyxy sagt:

    ein Text von mir hängt schon stundenlang in der Schlaufe in dem die verbotenen Wörter (Religionsgemeinschaften) vorkommen – er ist zwar total antirassistisch, aber hier kriegen einige den Gschlöterli wenn man das J Wort oder das I Wort nur schon nennt.
    Manchmal fragt man sich, ob sie …… pc “weniger gute Schüler” einstellen um die Schlaufe zu betätigen

  9. Hans Christoffel sagt:

    Kaum zu glauben, dass unter “Angst frisst Mutter“ rund 90% der Kommentare hier nichts mit dem Thema zu tun haben. Was die vielen Kommentare über Rassismus mit dem Titel zu tun haben ist mir schleierhaft. Leider gibt es viele Mütter, welche überängstlich sind. Man gehe nur einmal zu einem Kinderspielplatz. Da sind die Mütter, deren Kinder, natürlich modisch gestylt in teuren Klamotten und blitzblank sauber anwesend sind. Bald bei jeder Bewegung ihrer Sprösslinge schreien sie rum: „Mach di nüd dräckig, pass doch uff, schrei nüd so luut, das seit mä doch nüd, lang doch nüd immer i de Dräck.“

  10. Hannibelle sagt:

    Also ich finde nicht dass Kinder aufs Gymi müssen ich war selbst drei Jahre auf einem und alles was ich sagen kann ist: Die Lehrer dort hatten allesamt einen gewaltigen Schatten, auf der Realschule auf der ich jetzt bin habe ich zwar chaotische aber nette Lehrer, auch die sorge wird mein kind sich in den die falsche/n verlieben wird es vom baum Fallenn ist eigentlich unnötig denn jedes Kind muss seine Erfahrungen machen, zurzeit mache ich meine in der Liebe und früher bin ich auf viele Bäume geklettert, ich bin nie gefallen da man immer vorsichtig ist! Fortsetzug folgt!

  11. Hannibelle sagt:

    Die Sorge mit dem Legostein kann man geschikt umrunden indem man den kleinen Kindern Duplosteine gibt (zu groß um sie zuverschlucken) und ihnen Später die richtigen Legos gibt, jedoch die Frage ob sich das Kind richtig entwikelt, ob es Freunde findet und ob es noch atmeht wenn es ganz ruhig schläft kann man nicht vermeiden und schon garnicht beeinflussen, man kann zwar während der Schwangerschaft 100mal zum Arzt gehen und es später ständig fragen willst du dich nicht malwieder mit jemandem verabreden doch letztendlich gehen die kinder ihren eigenen Weg. LG Hannibelle

  12. A Müller sagt:

    Man kann seine Kinder nicht vorallem schützen – leider. Aber wenn dann mal was passiert, nicht in Panik verfallen, sondern den gesunden Menschenverstand.
    LG http://homeofficefuermuetter.blogspot.de

  13. Andrea Mordasini, Bern sagt:

    Kinder müssen auf die Schnauze, um wieder aufstehen zu lernen! Wir können sie nicht vor allen Gefahren beschützen und ihnen sämtliche Hürden, Steine und Gefahren aus dem Weg räumen und ihnen sämtliche Aufgaben, Verantwortung und Entscheide abnehmen. Wir erweisen ihnen so sonst einen Bärendienst und machen sie zu unsicheren, ängstlichen und unselbstständigen Mitmenschen, die es sich noch mit 30 im Hotel Mama auf unsere Kosten gut gehen und (h)aushalten lassen. Also, keine Macht den Helikopter-Eltern! Mit etwas XMV, viel Vertrauen in sich und seine Kinder, etwas Vorsicht und Kontrolle kommts gut

  14. Mara sagt:

    Heisst du wirklich “Lura”?

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