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Die Menstruations-Attacke

Nina Merli am Donnerstag den 22. März 2012
Auch eine Form des Protestes: Wütende Frauen blockierten diese Woche Rick Perry's Facebook-Seite mit Menstruations-Fragen. (Bild: Keystone)

Auch eine Form des Protestes: Wütende Frauen blockierten diese Woche Rick Perry's Facebook-Seite mit Menstruations-Fragen. (Bild: Keystone)

Er gilt als gottesfürchtiger Christ, eifriger Verfechter der Todesstrafe, ist gegen Homosexualität und stellt wirtschaftliche Interessen vor ökologische. Alles in allem kein weltoffener Typ, also. Die Rede ist Rick Perry, republikanischer Gouverneur von Texas und bis vor kurzem offizieller US-Präsidentschaftskandidat.

Bereits vor einem Jahr sorgte Perry mit einem neuen Abtreibungsgesetzes für Kontroversen. Dieses ist übrigens seit Februar in Kraft getreten: Frauen in Texas müssen sich vor einem Schwangerschaftsabbruch einer obligatorischen gynäkologischen Untersuchung unterziehen - inklusive Ultraschallbild, dass ihnen dann vorgelegt wird. Wenn sie sich weigern, sind die Ärzte verpflichtet, ihnen die Bilder zu beschreiben. Man wolle damit die Frauen dazu bringen, sich den Eingriff noch einmal zu überlegen, so die Erklärung Perrys. Wütende Frauen gingen darauf auf die Strasse, Bloggerinnen zerrissen den konservativen Politiker in ihren Beiträgen und auch der erfolgreiche US-Cartoonist Garry Trudeau («Doonesbury») reagierte auf das neue Gesetz (siehe Comic-Strip).

Diese Woche machte sich Rick Perry erneut zur Zielscheibe von wütenden Frauen: Das texanische Gesundheitsdepartement gab bekannt, dass sämtliche Gelder für das Medicaid-Programm für Familienplanung (Medicaid ist ein US-Gesundheitsfürsorgeprogramm für einkommensschwache Gruppen) gestrichen werden – weil der Gouverneur ein Gesetz verabschiedet hat, dass Planned Parenthood (PPFA), Non-Profit-Beratungsstellen zur Familienplanung, aus dem staatlichen Medicaid-Programm gekippt hat. Die Planned-Parenthood-Kliniken ermöglichten bisher jährlich rund 130'000 bedürftigen Frauen wichtige Untersuchungen wie Krebsabstriche, Mammographien oder kostenlose Empfängnisverhütung. Da aber einige der PPFA-Kliniken auch Abtreibungen durchführen (die allerdings nicht von staatlichen Geldern finanziert werden), entschied sich Perry, die gesamte Finanzierung zu streichen.

rick perry attacke

Aktivistinnen blockierten das Facebook-Profil von Rick Perry: «Hi there Rick, I was wondering if you had any advice about what do do about mid-cycle cramping?»

Nach Bekanntgabe der Neuregelung sahen zahlreiche Frauenorganisationen buchstäblich Rot und riefen zur Cyber-Attacke gegen Rick Perry auf: So stürmten zahlreiche Frauen die Facebook-Seite des Gouverneurs und spickten seine Pinnwand voll mit intimen Fragen zur Menstruation («Governor, I have this unusal discharge, but I don't have any health insurance right now. You're an expert in women's health, though - could you have a look?») .

Am Montagnachmittag zierten über 4000 «Menstruations-Kommentare» Perrys Profil. Und am Dienstag versammelten sich Anhänger von «Seeing Red» bereits zum dritten Mal, um friedlich gegen den Politiker zu protestieren. «Seeing Red» (Rot sehen), so nennt sich die in diesem Monat von der Sängerin Marcia Ball gegründete Protestbewegung, die sich gegen die Kürzung des staatlichen Gesundheitsdienstes für Frauen einsetzt.

Was am 6. März mit einem hoffnungsvollen Aufruf per E-Mail an ein paar wenige Bekannte und Journalisten begann, hat sich schnell zu einem viel beachteten Projekt entwickelt, über das diese Woche verschiedene US-Kolumnisten berichteten. So auch die  Schauspielerin Beth Broderick, die regelmässig für die progressive Nachrichtenplattform «The Huffington Post» bloggt.

Kundgebung gegen Rick Perrys Politik in San Antonio, Texas. (Keystone)

Broderick schrieb diese Woche nicht nur über die neu entstandende Bewegung, sondern mischte sich unter die Seeing-Red-Protestierenden. Nicht ohne vorher in ihrer Kolumne die Leser (mehrere Millionen) zum aktiven Mitmachen aufzurufen: «Wenn Sie in der Nähe von Austin sind, dann kommen Sie. Wir sind leicht zu erkennen. Wir werden Rot tragen und, bei Gott, wir werden auch Rot sehen.»

Rick Perry hat die Menstruations-Kommentare inzwischen von seiner Facebook-Seite entfernen lassen, die rot sehenden Frauen wird er allerdings nicht so schnell eliminieren können - sie haben erst begonnen, ihre Waffen zu wetzen.


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174 Kommentare zu „Die Menstruations-Attacke“

  1. Ruedi sagt:

    Und ich dachte hier geht es um Abtreibung! Die Rolligen Pussy-Katzen reden wieder einmal um denn heissen Brei herum!

    Wohl nicht so beliebt bei denn rolligen – das Thema!

    Habe es versucht aber mein Geistig Niveau-Voller Beitrag ging ins ins Off.

  2. Marcel Z. sagt:

    Wenn man denkt, dass Amerika einmal Stars & Stripes war, mit einem Big Apple im Osten und California Dreamin’ auf der anderen Seite, Beach Boyz’ in alten Woodies mit Surfboard auf dem Dach, American Graffity im TV und grossen, weissen Hollywood-Lettern am Hügel hoch über L.A…

    …man darf gar nicht mehr daran denken. The American Way Of Life, oder die Matrix des westlichen Lebensideals, der Traum vom besseren Leben… wird gerade begraben, radikal, schnell und effektiv. Unglaublich, wirklich: Un-glaub-lich. Da fehlen einem langsam die Worte.

    • Marcel Z. sagt:

      Auch wenn davon vieles nur Schein war, wie mir ein Kollege, der ursprünglich aus New York stammt, kürzlich anvertraut hat: Immerhin war da ein Schein, ein Glanz, der lange Zeit über den ganzen Planeten gestrahlt hat!

      Und dann kommen da so Figuren wie dieser Roomey daher, die einzig den Geldadel vertreten, und versuchen mit ihren Scheiss-rückwärts gewandten Ansichten das Rad der Zeit zurück zu drehen- und das bei Weitem nicht nur beim in diesem Blog erwähnten Thema. Ist das eine Art konservative Schockreaktion? Und wenn ja: Wo wollen die noch hin..?

      • alien sagt:

        Z., bei solchen Posts frage ich mich, wieso Katharina vor einem guten Jahr so über Dich hergezogen ist. Gut, über mich zieht sie auch her, aber ich kenne mich ja, und was sie macht, geht mir am Arsch vorbei.

        Was sie empfohlen hat ist die neue Fernsehserie “Pan Am” über die Jahre, wo eben diese Gesellschaft gross wurde. Alles glänzt, und die USA glänzt voran.

        Wegen Romney: Klar, der Typ gefällt mir nicht, und ich will ihn SICHER nicht als Präsident des wichtigsten Landes der Erde. Aber: Er engagiert sich öffentlich, während die meisten Reichen sonst sowas nicht tun und still und diskret in

      • Marcel Z. sagt:

        America verkommt langsam zum Skurrilitätenkabinett des Westens. Klar, Roomey setzt sich ein, es setzen sich noch viele ein von diesem eitlen, verkommenen Geldadel: Wofür genau, wird immer klarer.

        When Money Talks, Bullshit Walks.

  3. marcus sagt:

    aber sonst sind sie gesund oder haben sie oft diese aussetzer?

    • Franz Hügli sagt:

      Verzeihung, ich verstehe nicht…..

    • reiff heidi sagt:

      Kennen Sie das Lied “Schatten an der Wand, immer seh ich deinen Schatten an der Wand und ich glaubte ich reichte ihm/ihr die Hand, bonsoir Renee” , ich bin nicht wahrnehmungsgestört, wenn ich mich bewege sehe ich immer nur meinen Eigenen, Licht und Schatten gehört zum Leben, für mich gehts auch ohne Gripen und ohne Ueli Maurer, paradox ist für mich einfach die Haltung von U. Maurer, der neue Chef der CH-Armee, ist ja liiert mit einer Au-Pair-Frau aus Afrika hat glaub auch gemeinsame Kinder, für mich ein Rätsel, dass der bei der SVP ist, ich erlaube mir Fragen zu stellen . Schätze die Technik.

  4. Marcel Z. sagt:

    Vollidiot.

  5. Franz Oettli sagt:

    Ich weiss auch nicht, warum immer diese Amerikaner im Fernsehen und am Radio kommen. Das die völlig überdreht sind, weiss man doch schon lange. Die glauben wohl immer noch, die Welt sei in sechs Tagen geschaffen worden! Dabei gäbe es Es noch soviel Interessantes aus der Welt zu berichten. Aber da muss man sich schon gezielt informieren. Zum Glück haben wir auch französisches oder englisches Fernsehen. Spanisch verstehe ich zu wenig leider.

  6. sepp z. sagt:

    Naja, es gibt soviele konservative Wählerinnen wie Wähler.
    Perry und die anderen Kandidaten aus der Steinzeit werden nicht nur von Männern gewählt.
    Sondern von konservativen Frauen.

    • Ruedi sagt:

      Was bitte soll an Abtreibungen Modern sein?

      Es mag ja Fälle geben wo eine Abtreibung gerechtfertigt und Ethisch vertretbar ist.

      Aber wenn Frau sagen kann, ich gehe mir Heute schnell ein Kind wegmachen, weil Sie nicht mehr weiss mit Welchem was an der Party vor 8 Wochen genau gelaufen ist, so wie sie schnell zum Coiffeur geht, dann ist das Modern oder was. Und wenn das dann noch von der Allgemeinheit bezahlt wird, ist das nicht gerade Präventiv, sondern fördert ein solches verhalten. Wenn das Modern sein soll, dann ist Steinzeit besser.

      • Valeria sagt:

        Keine Frau lässt sich mal eben schnell ein Kind wegmachen.

      • radagast sagt:

        anschaungsunterricht für völliig verrannte trolljägerclowns: hier hast du einen.

      • max sagt:

        @Valeria, von 11’000 Abtreibungen pro Jahr in der Schweiz sind 1000 medizinisch begründet. Alle anderen sind life-style Abtreibungen, weil das Kind halt grad nicht so gäbig käme. Jede fünfte Einwohnerin der Schweiz im gefährfähigen Alter macht im Durchschnitt eine Abtreibung. Man setze das in Beziehung zu all den Paaren, die gerne ein Kind adoptieren möchten.

  7. Katharina sagt:

    “Homosexualität kann man evtl. therapieren wenn man die Krankheit frühzeitig erkennt” = Homosexualität ist keine Krankheit, you dumbshit. also kann sie nicht therapiert werden. ach ja: übrigens ist Sara Palin’s Tochter lesbisch. kann sie ja nicht sein, wenn Mami’s Therapie von ‘pray away the gay’ ja funzen würde. sagen Sie mal… ich dachte die Schweizer seine etwas besser informiert.

    • marie sagt:

      :evil: diese sprüche sterben wohl nie aus! widerlich!

    • alien sagt:

      Die meisten wissen, dass Homosexualität keine Krankheit und demzufolge nicht “heilbar” ist. Die meisten würden auch Zustimmen, dass Homosexualität zu “heilen” kein Ziel sein kann.

  8. reiff heidi sagt:

    jo gruetzi wohl, frau Stirnima, säged si wohl , wie gots au ihrem Maa, ( Alte ), schnueff schnueff schnueff ich ha abgnabelt am erschte Tag im Läbe, bi eifacht e mol e hilflose Embryo gsie im Muetterbuch, uf dere Ebeni goht doch allne glich, ob m oder w . Allen ein erholsames und entspanntes WE oder WG. Mein Schlaflied ist jetzt “jedes Kind braucht einen Engel” von Klaus Hoffmann, jedes Kind braucht einen Engel……..

  9. Katharina sagt:

    “aufgeplusterte N-Wort” …… Und Du behauptest von Dir selber, nicht rassistisch zu sein. klar.

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