Eine Carte Blanche von Clack-Autor Ralph Pöhner*.

Eine sehr französische Mutter: Model und Schauspielerin Laetitia Casta, mittlerweile dreifache Mama (unser Bild zeigt sie 2009 in Cannes, als sie mit ihrer zweiten Tochter schwanger war).
Waren Sie schon mal mit einem Kind in Paris? Dann fiel Ihnen vielleicht ein Phänomen auf, das in Schweizer Städten längst verschwunden ist: In den Parks gibts diskrete Schildchen, die das Betreten des Rasens verbieten. Wer also dort sein Kind, wie bei uns üblich, über die Wiese rennen lässt, gibt ihm besser den Rat mit, weit entfernt von gewissen Herren mit blauer Uniform und Képi herumzutoben.
Was fällt sonst noch auf in Paris? Zum Beispiel, dass Spielplätze dort Raritäten sind. Und wenn vorhanden, muss man dort manchmal allen Ernstes Eintritt bezahlen.
Und weiter? Statt auf dem Spielplatz findet man Kinder im Museum. Oder im Restaurant (nein, damit ist nicht McDonald’s gemeint).
Kurz: Wer mit Kindern nach Frankreich reist, stösst auf ganz leicht verschobene Zustände. Und in diesen Verschiebungen wiederum spiegelt sich offenbar etwas Grundsätzliches: Die Franzosen erziehen ihre Kinder anders als wir. Denn sie sehen sie anders an.
Gut möglich, dass sich daraus bald eine neue Debatte entwickelt darüber, wie wir mit unserem Nachwuchs umgehen, umgehen sollten – und was dies über unsere Gesellschaft besagt. Auch bei uns. Denn nach den letztjährigen Wortgefechten über die chinesischen Tigermütter (Lesen Sie auch: «5 Fragen zur Tigermutter») findet nun ein Buch in der angelsächsischen Welt grosse Beachtung, welches die französischen Eltern zum grossen Vorbild stilisiert: Es stammt von der US-Journalistin Pamela Druckerman und heisst «French Children Don’t Throw Food» (in der britischen Ausgabe) respektive «Bringing Up Bébé» (in der US-Version).
Der Amerikanerin, die jahrelang in Paris lebte, war aufgefallen, dass die Kinder dort verblüffend gut erzogen schienen – während die Eltern keineswegs strenger mit ihnen umgingen als Eltern in ihrer US-Heimat. Die Kleinen kamen ins Restaurant und widmeten sich dort zivilisiert dem «Sauté de boeuf et légumes», zugleich schien es undenkbar, dass eine Französin ein Telefongespräch unterbrechen musste, weil es hintendran quäkte. Und auf den Spielplätzen konnte Druckerman bald erkennen, wer von wo war. Die Französinnen tranken entspannt ihren Kaffee beim kiosque nebendran, die Ausländerinnen wetzten ihren Kleinen hinterher, um Katastrophen und grössere Flurschäden zu verhindern.
Und ja: Sogar die Säuglinge schliefen, wenn sie Französinnen und Franzosen waren, in der Nacht eher durch.
Woran liegt das? Druckermanns Ergebnisse führten zurück zur grundsätzlichen Haltung, welche eine Gesellschaft gegenüber ihren Kindern einnimmt. In einem Satz: In Frankreich muss sich das Kind der Erwachsenenwelt unterordnen – während sich das Verhältnis im englischen Sprachraum (und ja, auch in der Deutschschweiz) umgekehrt hat. Bei uns setzte sich ein Selbstverständnis durch, in dem das Kind zum König wurde – was wiederum die ganze familieninterne Dynamik verändert hat: «La famille, c’est moi».
Dass sich Erwachsene von gelangweilten Kindern im Gespräch unterbrechen lassen, käme den Franzosen nicht in den Sinn. Im Elternbett haben die Kleinen nichts verloren. (Lesen Sie auch: «Sex schlecht? Ehe schlecht?») Und die Idee, dass es einerseits Menus und andererseits Kindermenus gibt, erscheint den Franzosen ebenfalls skurril. Die Unterschiede gehen bis hinein in den Sound («Ça suffit!!!» statt «Könntest du bissoguet endlich…»), aber gerade weil sich in Frankreich nicht alles ständig um die Kinder dreht, waren die Erwachsenen viel entspannter – so der Eindruck der Amerikanerin.
«Die Französinnen leiden sicherlich nicht unter denselben ständigen Schuldgefühlen», folgert Druckerman. Das führt im Alltag dazu, dass Maman nicht im Renault-Alpine-GT-Tempo losrennt, wenn das Baby in der Nacht schreit, sondern erst mal schaut, ob sich das Problem von selber löst. Mit dem Nebeneffekt, dass französische Babys nach einer gewissen Zeit offenbar tatsächlich besser durchschlafen.
Und es schlägt sich schliesslich in zahlreichen Konventionen nieder – mit gewaltigen Folgen für die gesellschaftliche Rolle der Frau. Die kleinen Unterschiede werden am Ende sehr, sehr grundsätzlich.
Stillen? Finden die Ärzte und Geburtskliniken in Frankreich nicht so wichtig. Mutterschaftsurlaub? Krippen? Schulsystem? Klar, das wird so organisiert, dass man das Arbeitsleben leicht daneben durchbringt: Erwachsenenwelt vor Kinderwelt – auch hier. (Lesen Sie auch: «Wie Eltern das Arbeitsleben vermiest wird»)
Dass die Kinder in Frankreich unerschütterlich Spinat-Quiche verspeisen – dies ist also das eine. Das andere: Frankreich ist das Land mit der höchsten Geburtenrate in Europa; und zugleich liegt die Frauenerwerbsquote dort weit über dem Durchschnitt der EU. Nimmt man die Altersgruppe zwischen 25 und 55 – also die der Mütter –, so ist es das einzige Land ausserhalb Skandinaviens, in dem skandinavische Verhältnisse herrschen.
Kein Wunder, wird «Bringing Up Bébé» in den Ländern, wo es bereits veröffentlicht ist, weit herum beachtet. Der «Economist» gab dabei zu bedenken, dass sich hier nur eine bourgeoise Schicht spiegle, ein Blick in die banlieues hätte Druckermans schöne Bilder rasch zerstört. Und die Autorin, so der Kritiker, hätte auch mal darauf hinweisen können, dass der Wettbewerbsgedanke in Frankreich vielleicht ein bisschen zu kurz kommt.
Tatsächlich, so betont Druckerman, seien französische Eltern keineswegs streng, ehrgeizig, drakonisch – nichts da von Tigermüttern: «Sie geben den Kindern einfach einen klaren Rahmen, in dem sie lernen und sich entwickeln müssen.»
Völlig überzeugt zeigte sich dagegen die «Huffington Post», wo Debra Olliver das Buch aufnahm – eine Autorin, die nach langen Frankreichjahren selber mehrere Bestseller über die französische Kultur veröffentlicht hatte. Olliver fühlte sich prompt an eigene Erfahrungen und Fehler erinnert. So geschehen, als ihre Kinder bei einem Primarschul-Ausflug mit der zweisprachigen Schule von Paris nach England reisen sollten. Sie, die besorgte Amerikanerin, verbot es. Worauf die Rektorin antwortete: «Madame, einen unabhängigen Geist kann man nicht kultivieren, wenn man ein Kind zurückhält» – und dann nachsetzte: «Wir haben dieses Problem nur mit angelsächsischen Müttern.»
Am Ende, so Olliver, reisten die französische Kinder nach England, und die englischsprachigen Kinder blieben in Frankreich. Die ausländischen Eltern froren auf dem Spielplatz, die französischen Eltern genossen drei kinderfreie Tage.
Erwachsenenwelt, Kinderwelt: Freiheit zu geben heisst, Freiheit zu gewinnen. Dass Frankreichs Nationalheldin ein Mädchen war, ein Kind, das die Heere des Königs in die Schlacht gegen England führte – das ist dabei noch das kleine symbolische aperçu.
Lesen Sie mehr zum Thema Erziehung auch hier.
Weiter Links
Buch von Pamela Druckerman: «French Children Don’t Throw Food»
Frauenerwerbsquote in der EU
Artikel der «Huffington Post»
Beitrag im «Economist»
*Ralph Pöhner ist Mitgründer des Online-Magazins Clack.ch und der Wirtschafts-Site finews.ch sowie regelmässiger Autor von «Die Zeit».



Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und ist Mutter einer Tochter. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich und ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
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picalle, pic…
ja und wer seinen kinder kleider aus kunstfasern anzieht, bewirkt beim kind eine veräderung elektrostatik, was auf auf des verhalten von “leibeigenen” bakterien, also auch auf die gesundheit des kindes, einen einfluss hat. – vgl. gramvariable bakterien.
jaja und wer seine kinder elektrostatisch-technisch günstig beeinflussen will, bringt sie in kontakt mit katzen. – ferner haben geomantische strahlungen (wasseradern) auch einen einfluss auf die biologie eines kindes, besonders dann, wenn das kind über wasseradern zu arbeiten oder zu schlafen hat.
Jaja, klar, und ausserdem ist es wichtig, den WLAN-Router in der Nacht auszuschalten wegen des Elektrosmogs (seltsam, dass die Leute, die das tun, gleichzeitig mit laufendem Telefon auf dem Nachttisch schlafen, das VIEL mehr Elektrosmog erzeugt als so ein WLAN-Ding einige Meter vom Bett weg).
Wieso um Gottes Willen sollen jetzt Bakterien empfindlich sein auf kleine elektromagnetische Felder? Wer Kunstfasern trägt, schädigt, wenn schon, seinen Körper durch eventuelle Allergien und durch behindertes Schwitzen.
Kann ich zum grossen Teil zustimmen. Kein Wettbewerbsdenken ist aber vollkommen falsch. Nie habe ich streberhaftere Kinder und vor allem aber Eltern erlebt als gerade in dem geschilderten Milieu. “Klassen überspringen” ist ein Phänomen das ich persönlich nur in Frankreich erlebt habe (Erfahrung mit Schulen in D, A, CH, UK, USA und Canada)
Hierzulande (Schweiz) gibt es durchaus Kinder, die überspringen, ich kenne mindestens zwei.
Ich weiss nicht, wo der Autor in Paris war, aber im Gegensatz zur Schweiz hat es dort sehr wohl, sehr viele und sehr gut unterhaltene Spielplätze für Kinder. Unsere Kinder haben unser Parisaufenthalte jedesmal sehr genossen, wie auch wir. Es gibt kaum ein Land mit mehr öff. Spielplätzen. Richtig, im Jarden de Luxembourg muss man Eintritt für den grossen Spielplatz bezahlen, dafür ist er aber überwacht. Es hat aber auch dort frei zugängliche Spielplätze, wie auch auf jeder grösseren Raststätte. Man ist zudem in fast jedem Restaurant mit Kinder willkommen, was man von hier nicht sagen kann.
hmm…, “leopards don’t change their spots” – frei übersetzt: wir können eh nicht aus unserer haut heraus. ich halte es für nützlich, dass man sich immer ein wenig umschaut, wie es andere machen – nicht nur in erziehungsfragen. aber letztlich muss der gesamteindruck ein stimmiges bild ergeben in den augen unserer kinder: bourgeoises getue in schlieren? toffee nosed in herisau? dolce vita in grenchen? preussische zucht und ordnung in chiasso? tiger-allüren ausserhalb des zoos? raiffeisenkunde an der goldküste?
machen wir uns doch nicht lächerlich, wenn uns schon niemand dazu zwingt.
Ist es nicht einfach Hartherzigkeit in der französischen Art der Erziehung? Und rächen sich nicht genau diese Kinder mit derselben Hartherzigkeit an ihren alten Eltern? Ist nicht Frankreich das Land, in dem so viele Alte null Kontakte mehr haben, irgendwann sterben und manchmal erst Monate später gefunden werden?
Nun, Frankreich als Vorbild zu nehmen, ist schon relativ kitischig. Die Anekdötchen sidn auch zeimlich gesucht. Die Französischen Teens rauchen auch den besseren Hasch als unsere, da näher bei Marokko. Frankreich ist leider nur noch ein Abklatsch seiner Geschichte, unfähig zur Reform. Und ja, die Kinder sind wohlerzogen, wei Anno 1920, und hinterher als Erwachsene so kreativ und innovativ wie Anno 1920. Amen.
Lieber Adrian, wir franzosen haben auch wie deutschschweizer unser Stolz, was Du geschrieben hast ist nicht sehr schön,
denke immer daran, lass uns unsere freude einmal besser als Deutschschweizer zu sein, wir wissen schon, dass Ihr die Weltmeister seid, AMEN. Frankreich ist NICHT ein Abklatsch seiner Geschichte.Napoleaon hat die Schweiz so gemacht so wie sie heute ist. Wir Franzosen wissen schon, dass wir in der Deutschschweiz nicht beliebt sind. Bleibe cool, jede Kritik in dieser Zeitung ist schwer zu verdauen, oder nicht ? Ich hoffe, dass viele Franzosen Dein Kommentar lesen werden.
Der positive Effekt vom französischen «Ça suffit !!!» ist , wenn jemand eine labium leporinum hat…dann sind an Weihnachten immer gleich alle Kerzen gleichzeitig ausgeblasen…
Für Franzosen ist Ohrfeige etwas völlig normal. Kinder essen auch nicht mehr erlesene Menüs (Im Restaurant gibt es Hamburger/Pommes oder Schinken/Kartoffelstock). Es gibt in Frankreich sehr viele Spielplätze, die offentlich und gratis sind. Hat die Autorin nur Faubourg St. Honoré besucht. Ich selber sehe eine andere Realität: Ohrfeigen als Druckmittel, machen lassen bei Besuch, alles kaufen um zu beruhigen und fertig-Produkte als Essen. Franzosen erhalten massive Hilfe vom Staat für Kinder (Geburt: EUR 903.07 / EUR 125/Monat. Für jeden Kind dazu erhalten sie mehr: 4 Kinder: EUR 448.10).
Und weil Geburten finanziell belohnt werden, werden die Kinder dann besser/schlechter erzogen? Ja kaum.
Kinder müssen nicht besser erzogen sein, sie müssen nur erst mal da sein. Nur dann kann man sie erziehen. Wenn mir zwei gutangezogene Mittdreissiger ihr Wechselbalg als das Ding der Erfüllung anbieten, weiss ich doch, was läuft.
Äh ja? Was denn?
“Frankreich ist das Land mit der höchsten Geburtenrate in Europa”. Da würden mich Differenzierungen interessieren. Wer genau hat wieviele Kinder? Leider darf in Frankreich nicht soviel statistisch erhoben werden.
Ich finde auch, dass die französischen Kinder sehr gut erzogen wirken. Ich habe aber auch noch nie so viele öffentliche Ohrfeigen, an den Ohren ziehen und Schläge auf den Hintern gesehen wie in Frankreich.
Als ich jung war habe ich in einem französischen Internat gearbeitet. Da gab es Kinder von 5, 6 Jahren die die ganze Woche
ohne Eltern waren und in der Schule zurechtkommen mussten (macht man übrigens auch in England). Ich fand das grausam. Manchmal konnten sie nicht einmal nach Hause am Wochenende. Man kann ja die Eltern auch als Egoisten bezeichnen. So kann man Kinder härten und sie selbstständig machen. Ob es gut ist für ihre weitere Entwicklung ist fraglich..
Si vous vous aimez a la française, le résultat n’est pas un petit enfant.
Mais elle aura un sourire comme un bébé.
hätte das ein Mann geschrieben, wäre er wohl wieder bloggelyncht worden
Stimmt. Lynchen wir stattdessen Dich. Sorry, das muss sein….
Übrigens: das aktuelle Tief über Europa, das uns derartig sibirische Kälte und morgen noch mehr Schnee bringt, heisst Katarzyna.
Wenn wir hier die Kinder so behandeln würden wie es in Frankreich häufig die Frauen machen (Schläge, Ohrfeigen anbieten und verteilen, Kinder durch den Laden oder an den Strand schleifen, la ferme…, ta gueule.., j’en ai marre, tu m’agaces) während die Papis desinteressiert und rauchend daneben hocken und mit dem Handy spielen als als würden sie weder die Frau noch die Kinder kennen würden wir wohl ab Platz verhaftet oder uns würden zumindest die Kinder weggenommen. Abgesehen davon: wenn wir Männer hier unsere Frauen dermassen im Stich lassen würden wären wir Männer längst geschieden.
Ahh, ein normales Erwachsenengespräch ohne konstante Unterbrechung durch den Nachwuchs, das wäre wirklich schön.
Gruss von einer 30 jährigen ohne-Kind-Frau mit lauter Freundinnen-mit-Kind
Übernimmst du auch die Verantwortung für die Folgen dessen, was deine Freundinnen ihren Kindern für diese Ruhe antun müssen? Ich kann nicht fassen, um welche Ecken einige Menschen immer wieder zurück zur Prügelstrafe gehen würden.
Schläge? Hallo? Ich bin absolut gegen Gewalt und wer seine Kinder nur mit Gewalt erziehen kann, hat definitiv ein Problem. Also unterstellen Sie mir bitte nicht so eine schwachsinnige Denkweise.
@Zimtstern:
ich kann Sie verstehen, und verstehe Eltern nicht welche sich konstant unterbrechen lassen-
wirkliche Dringlichkeiten/Notfälle klar,
aber mir war auch wichtig dass ich sie nicht als Mittelpunkt des Universums
um den sich alles andere zu drehen hat- behandle.
Und um das klarzumachen hab ich meinen Kindern “nichts antun müssen”, aber es braucht halt Entschlossenheit und Durchsetzungsvermögen, und man darf sich von verständnislosen Blicken “diese Rabenmutter aber auch, jetzt hat sie doch echt die Nerven um ihr armes Kind zu ignorieren?!” nicht aus dem Konzept bringen lassen…
2/
… sondern dem Gegenüber freundlich zunicken und
“rede einfach weiter, ich höre dir zu” sagen…
Ist aber schon ein Unterschied, ob ich die Unterbrechungen ignoriere oder sie “abstelle”, nicht?
@alam:
weder ich noch Zimtstern haben “abstellen” geschrieben-
und auch hier wäre erst mal zu definieren was genau mit “abstellen” gemeint ist.
Warum ist für Sie bloss eine negativ-destruktive Vorgehensweise denkbar
wenn jemand nichtige Gesprächsunterbrechungen nicht tolerieren will?
Oder äussert dass er das nicht toll findet?
Warum ist so ein Szenario in Ihren Augen nur mit “ihren Kindern für diese Ruhe antun müssen?” denkbar?
Immerhin haben Sie diese Worte geschrieben, und noch von “übernehmen sie für die Folgen Verantwortung?”
2/
eigentlich, alam, ist fast nicht zu fassen dass Sie aufgrund sehr weniger Worte,
Zimtstern schon eine Affinität zur Prügelstrafe unterstellen-
bloss weil sie gerne mal ein paar ungestörte Sätze wechseln möchte?
Fand ich auch sehr befremdlich.
@Brunhild Steiner, ein paar Kolleginnen versuchen das im Moment gerade. Aber das ist wohl beim Haare wachsen lassen, die Übergangszeit ist hart
@Zimtstern:
ich wünsche Ihren Kolleginnen baldigen Erfolg auf ganzer Linie…
Ich frag meine Kinder- wenns wieder mal nicht so gut geklappt hat,
wie sie es denn fänden wenn ich so in ihre Gespräche oder vertieften Spielereien reinplatze,
sie sind dann jeweils einstimmig für “du-musst-uns-das-nicht-in-der-Praxis-vorführen-damit-wirs-kapieren!”…
so so diese Famillie reprentiert ganz Frankreich !!!!, so so WELTEN !!!!, armer mann
Es ist hier kein Wunder so viele negativen Kritiken zu hören, wann man als Franzose weiss, wie wir in der Deutschschweiz unbeliebt sind, ich lese jeden Tag NZZ und Tagesanzeiger, ich bitte euch die Franz. Zeitungen zu lesen, kein Kommentar über
Deutschschweizer, kein Wort, keine Kritik, NIX, eh ein Bisschen Anstand.
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adrian wehrli sagt:
3. Februar 2012 um 15:48
Nun, Frankreich als Vorbild zu nehmen, ist schon relativ kitischig. Die Anekdötchen sidn auch zeimlich gesucht. Die Französischen Teens rauchen auch den besseren Hasch als unsere, da näher bei Marokko. Frankreich ist leider nur noch ein Abklatsch seiner Geschichte, unfähig zur Reform. Und ja, die Kinder sind wohlerzogen, wei Anno 1920, und hinterher als Erwachsene so kreativ und innovativ wie Anno 1920. Amen.
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Wir kennen das einigermassen aus der Nähe. Die Franzosen sind in Sachen Erziehung (und Ausbildung) im Vergleich zu Skandinaviern, Deutschen und uns einfach etwa eine Generation hinten drein. Mit allen Vor- und Nachteilen.
Ich bin überzeugt von den Vorteilen einer liberalen Erziehung im Vergleich zur herkömmlichen ‘Dressur’. Das bisschen mehr Aufwand zahlt sich auf verschiedensten Ebenen mehrfach zurück.
“zahlt sich zurück” ist sicher des Aufwands zuviel. Die Wendung gibt es nicht.
Äh stimmt nicht, die gibt’s. Hässlich ist sie allemal.
Guten Morgen. Gibt es eine vergleichbare Studie für Italien? Mit freundlichen Grüssen, D.
Ich wohne in Frankreich, bin im hohen Rentenalter. Schweizerinnen : Eure Kinder sind nicht schlechter erzogen als die in Frankreich! Sicher, Kinder gehen mit den Eltern ins Restaurant essen aber ausser Pommes Frites und Steak haché keinen Teller leer und “ça suffit” sage ich und nicht die Eltern. Im Supermarché, gröhlen die Kinder auch : ich mache mich auf ihre Höhe und schreie noch lauter, das macht den Kindern und den Eltern den Mund zu! Und wenn Sie nach Paris reisen, schauen Sie mal in die Vororte… dann werden Sie das Kindererziehen in der Schweiz loben! PS. Ich habe keine KInder!
@arbouse:
et bonne journée
also ich denk mal “hohes Rentenalter” ist in Frankreich nicht gleichbedeutend mit dem schweizerischen “hohen Alter”?
Ansonsten wär ich ein bisschen vorsichtig mit dem häufigen Runterbücken im Supermarché,
nicht besonders geschickt wenn Sie ausgerechnet dort das Gleichgewicht verlieren,
oder von so einem Gröhlkind zu Boden geschubst werden-
ansonsten danke für den Zuspruch
Ich bin 75, finde mich aber noch nicht im “hohen Alter”
Probieren Sie das mit dem Runterbücken einmal, die Kinder bleiben stumm und still! Und wenn ich damit Frauen wie Frau Steiner “nerve” freut mich das eher, denn als “Gröhlkind-Mutter” hätte sie doch einen Erziehungskurs nötig! Ich selbst habe keine Kinder, aber viele Nichten und Neffen und deren Kinder, wovon die meisten in der Schweiz erzogen – und habe noch nie eins davon “grölen” gehört, zum mindestens nicht wenn “ältere Leute” dabei sind. Es gibt hier gut und schlecht erzogene Kinder, wie überall.
Genau solche Rentner haben mich immer fürchterlich genervt, wenn sie sich im Supermarkt über meinen damals sehr jungen und lauten Nachwuchs nervten. Und meistens hatten sie auch keine Kinder. Dann sollen sie halt einen Bogen darum machen und ihre Besserwisserei für sich behalten!
Die Haltung von Arbouse drückt eine grundsätzlich respektierende Haltung Kindern gegenüber aus: Sie nervt sich und zeigt das dann auch, den Kindern. Warum darf man das nicht tun? Muss man alles respektieren, nur weil es von Kindern kommt? Nein, eben nicht. Ich finde es auch grundsätzlich besser, sich direkt an das Kind zu wenden, anstatt den Müttern vorwurfsvolle Blicke zuzuwerfen, so im Sinn von “warum hast du deine Gofen nicht im Griff”. Kinder sind ja keine Compis, bei denen der Output stimmt, wenn der Input richtig war. Wenn sie also die Umwelt nerven, darf man ihnen das sagen, anständig.
Ich habe damit auch nur gute Erfahrungen gemacht, es braucht manchmal etwas Mut. So wie es auch Mut braucht, einem Jugendlichen, der seine Schuhe auf den Sitz stellt im öffentlichen Verkehrsmittel, zu sagen, dass Schuhe nicht auf einen Sitz gehören, auch hier anständig. Der Spruch ‘es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen’ finden zwar alle gut, aber wenn er umgesetzt wird, kommt gleich Abwehr. Ich habe übrigens diese grundsätzlich wohlwollende, aber auch Einfluss nehmende Haltung Kindern gegenüber in Italien oft beobachtet und war immer beeindruckt, wie gut das funktioniert.
Und Kinder reagieren oft erstaunlich schnell, wenn ein Fremder sie auf ein Verhalten aufmerksam macht, das ihm nicht gefällt, weil sie realisieren, dass sie offenbar wirklich eine Grenze überschritten haben, wenn bereits fremde Leute sich daran stören. Es kommt immer auf das WIE an, barsche Zurechtweisung und womöglich eine drohende Haltung sind sicher völlig falsch, aber ein bestimmter Ton wirkt in solchen Situationen Wunder. Kinder sollen lernen, Rücksicht zu nehmen, dafür brauchen sie Rückmeldung, immer wieder. Sowas wirkt übrigens sehr entlastend auf Eltern, was die Situation entspannt.
Das heisst für Eltern, dass sie das auch zulassen dürfen, dass sich die Mitmenschen direkt an das Kind wenden. Hier kommt mir wieder der Spruch von Gibran in den Sinn ‘Eure Kinder sind nicht eure Kinder’. Genauso ist das, sie sind ein Teil der Gesellschaft, zwar sind die Eltern in der besonderen Verantwortung, weil sie dem Kind am nächsten sind, darüber hinaus darf aber auch die Mitwelt mit dem Kind in Interaktion treten. Wenn wir alle in dieser Hinsicht weniger ängstlich wären, würde es wohl auch weniger Misshandlungen in Familien geben, die jahrelang unentdeckt bleiben, weil alle wegschauen.