Leben


Andrea Fischer am Dienstag den 10. Januar 2012

Facebook-Status: Auf dem Weg in den Kindergarten

Kinder müssen mit sozialen Medien umgehen lernen: Kleines Mädchen mit Laptop. (Bild: Keystone)

Ok, die Vorstellung ist sachte verstörend, aber nur beim ersten Hinhören: Auch Kindergärtner sollen laut dem Medienpädagogen Thomas März schon sanft an das Thema Facebook und Co herangeführt werden. Das erinnert an die Debatte über Sexualerziehung im Kindergarten, die im vergangenen Jahr im wahrsten Sinn des Wortes für erregte Gemüter gesorgt hat. Und wie damals wird die Suppe nicht so heiss gegessen, wie sie gekocht wird.

Soziale Medien und Sex sind Realität. Und zwar keine, die nur im stillen Kämmerchen stattfindet und darum locker weggeschwiegen werden kann. Plakatwände, Zeitschriften und TV sind längst so selbstverständlich voller Sex und «fuck» gehört schon fast zum gepflegten Wortschatz, dass wir unseren Kindern früher oder später Antworten geben müssen. Und zwar lieber früher als später, sonst tun es nämlich andere. Und ob uns dann passt, was die unseren Kleinen servieren, ist nicht gesagt. Also lieber selbst machen, als weggucken. Mit Facebook und Co ist es nicht anders. Buchstäblich jeder Kindergärtner weiss schon, dass es das irgendwie gibt und das es so cool ist, wie ein eigenes iPhone.

Ich bin praktisch elektronikfrei aufgewachsen. Klar, die Auswahl war in den Siebzigern auch nicht grad berauschend, aber ich kannte jahrelang nicht mal das Fernsehen: Als mir ein Kindergartenfreund eine kleine silberne Kiste mit Metallfühler zeigte und behauptete, darin könne man lebendige Menschen rumlaufen sehen und so Sachen, hielt ich ihn für total bescheuert. Später hatten wir zwar dann auch so ein Ding zu Hause, durften aber aus pädagogischen Gründen nur eine Sendung pro Woche sehen. Überflüssig zu erklären, welche magische Anziehungskraft der Fernseher auf mich und meinen Bruder hatte. Und natürlich schlich ich jeweils im Pyjama in den Flur, um mir heimlich aus der Ferne noch das Abendprogramm zu gönnen. Bei dieser Gelegenheit hörte ich in der Kriminalsendung Aktenzeichen XY zum ersten Mal davon, dass es auch in der Schweiz Kriminelle gibt. Das hatte uns noch nie jemand gesagt, die Schweiz war für mich bis dahin eine heile Welt gewesen. Ich war völlig verstört, traute mich aber nicht, meine Eltern zu fragen, ob das stimmt. Zu gross war die Sorge, damit mein gestohlenes Abendvergnügen preisgeben zu müssen.

Darum bin ich überzeugt, dass es sinnlos ist, Dinge zu verbieten oder zu meinen, nur weil man nicht darüber rede, merkten die Kinder nicht, dass es sie gibt. Klar, es gibt ernstzunehmende Studien, die besagen, dass Kids vereinsamen, weil sie nur noch virtuelle Freunde haben und solche, die belegen, dass depressive Jugendliche durch Facebook noch depressiver werden können. Auch ist Cybermobbing eine reale Bedrohung, gegen die es keine simplen Patentrezepte gibt. Aber gerade deshalb ist es sinnvoll, Facebook und Co schon früh zu einem natürlichen und darum nur mittelmässig attraktiven Bestandteil des Alltags zu machen.

Kinder müssen mit sozialen Medien umgehen lernen, wie mit heissen Herdplatten und Kletterbäumen auch. Sie früh damit bekannt zu machen, heisst ja noch lange nicht, dass sie deswegen gleich ein eigenes Account brauchen. Schliesslich meint auch keiner, dass alle, die im Kindergarten eine erste Sexualaufklärung verpasst kriegen, danach gleich selbst loslegen.

189 Kommentare zu „Facebook-Status: Auf dem Weg in den Kindergarten“

  1. Bruno Waldvogel-Frei sagt:

    Die Antwort auf die zu Beginn gestellte Frage des Artikels ist so kurz wie einfach. Nein.

  2. Brunhild Steiner sagt:

    Eine Frage die zwar nix mit fb zu tun hat,
    aber wohin ist der ganze Sonntag/Montagsartikel über Frühstgeborene hin entschwunden?
    Oder finde bloss ich den nicht mehr?

    • Widerspenstige sagt:

      Brunhild, er wurde entfernt u ich kann mir denken, wieso. Vielleicht habe nicht nur ich mich masslos aufgeregt über den kaltschnäuzigen Titel u das herzerweichende Bild des Frühchens dazu! Das war in meinen Augen absolut pietätlos von der ‘R’ u deshalb habe ich mich rausgehalten. Einige Kommentare waren entsprechend pietätlos u kamen dem Thema mehr schlecht als recht gerecht. Direkt Betroffene konnten zuwenig beachtet werden dadurch u der Artikel wies Mängel über den genauen Sachverhalt auf. So ein schwieriges Thema braucht mE mehr als nur einen Tag Blogthema zu sein.

      • Brunhild Steiner sagt:

        Sehr sehr schade, und ich finde unnötig dazu!
        Diese Themen sind wichtig und gerade weil zuviele zulange einen Bogen darum schlagen können
        und dadurch der Eine und die Andere Betroffenen gegenüber an Feinfühligkeit fehlen lassen kann,
        gerade deshalb ist es so wichtig dass es Plätze gibt welche diesen Abgründen Raum verschaffen!
        Und neben dem Thema auch über Pietät ausgetauscht werden könnte… .
        Im Dezember erschien “Kinder ohne Zukunft” und sehr viel früher “Wenn Kinder sterben”,
        und auch PND war schon grosses Thema, immer dabei der Tod, und keiner musste entfernt werden-
        ich verstehs nicht.

      • Carolina fka Astrid sagt:

        Brunhild & Widerspenstige: Würden Sie mir bitten erklären, warum Sie die Entfernung für richtig halten – das ist eine ernsthafte Frage. Ich persönlich habe mich weder über den Titel noch über das Bild aufgeregt, auch wenn mich das Thema jeweils auf eine ganz spezielle Art anspricht. Und mein Eindruck ist auch immer wieder, dass es den Betroffenen hilft, einfach abzuladen – dass es immer wieder solche gibt, die ihr Mütchen kühlen, gehört leider dazu. Auch zur ‘Trauerarbeit’ gehört, dass man sich, in welcher Form auch immer, mit allem, was da kreucht und fleucht, auseinandersetzt.

    • Brunhild Steiner sagt:

      @die Verantwortlichen:

      selbstverständlich können Sie hier auf-und abschalten nach Herzenslust und Laune-
      aber sind wir dermassen marginal dass Sie uns nicht mal drüber informieren?

      Sie schalten ein hochsensibles Thema, Betroffene melden sich, das echte Leben schaut rein-
      und dann schalten Sie einfach ab und brüskieren damit eigentlich diejenigen
      welche gewagt haben in ihr Inneres schauen zu lassen?!

      Nein, dafür hab ich nun wirklich null Verständnis!!!

      • Astrid sagt:

        Versuche es wieder mit dem alten Nick: Widerspenstige, würden Sie mir bitte erklären, warum Sie die Entfernung für richtig halten – ist eine ernsthafte Frage. Ich muss gestehen, dass mich weder der Titel noch das Foto abgestossen hat. Aber es rührt mich jeweils sehr, wieviele Menschen bereit sind, offen über ihr Schicksal Auskunft zu geben. Dass es immer wieder welche gibt, die sich ‘daneben’ benehmen, gehört mMn zur notwendigen Trauerarbeit dazu. Und man wird ja im Gegenzug erwarten dürfen, dass die Mitlesenden wenigstens das Thema aushalten, oder? Alternativ kann man abschalten.

      • Astrid sagt:

        Aber vielleicht gibt es einen guten Grund der Redaktion – irgendwelche Vorfälle heute nacht oder so?

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Astrid:

        Danke!
        In diesem Fall wär eine Info weshalb zur Entfernung gegriffen worden ist wirklich angebracht.
        Ich finde es auch immer sehr bereichernd die Beiträge zu lesen,
        wäre ich bei diesem Thema eine Betroffene, welche kommentiert, und vielleicht sogar mit jemanden in Dialog getreten wäre- ich fühlte mich sowas von verschaukelt…

    • AP 2 sagt:

      hier herscht sowieso extreme willkür. kritische beiträge werden garnicht veröffenlticht. wenn gewisse worte gebraucht werden, die in einem zusammenhang mit der einen religion stehen. und das waren auch keine rassistischen äuserungen.
      mal schauen wie lang ich diesen blog noch unterstützen werde

  3. Thomas Läubli sagt:

    Mir hat niemand beigebracht, wie ich mit heissen Herdplatten umgehen soll. Ich kann mich vage erinnern, dass ich eine solche mal berührt habe und aufgrund dieser Erfahrung es nicht mehr versucht habe. Wozu müssen sich also jetzt auch noch Kindergärtner mit jedem Mist, der fürs Leben nicht relevant ist, befassen?

  4. Franz Oettli sagt:

    Ja die modernen Kommunikationsmöglichkeiten sind schon toll. Es geht schnell, unkompliziert und man hat erst noch einen Beleg beim E-Mail. Es dauert eine Weile, bis man’s schnallt und all die Fehlermeldungen sind auch nicht lustig. Leider brauche ich immer wieder Hilfe bei den Installationen. Da ist natürlich so ein simples Telefon schon selbsterklärender, das hat sich ja auch nicht alle Jahre verändert. Gut, wenn die Kinder das mitkriegen. Nur im Kindergarten dünkt mich das noch etwas früh.

  5. Arlette Laval sagt:

    Der Beitrag von Andrea Fischer ist reine Facebook-Werbung. TA online und Mamablog wollen offenbar, dass schon Kleinkinder in das Spinnennetz von Mark Zuckerberg namens ‘Facebook’ hineingezogen werden. Andrea Fischer peppt das dann noch ein wenig auf mit pseudowissenschaftlichen Aussagen von allerlei Pädagogen.
    Facebook ist jedoch eine Falle, in der die Kinder sich verstricken. Alles, was sie dort über sich preisgeben, kann nie mehr gelöscht werden. Auch wurden schon Hunderttausende dieser Facebook-Accounts gehackt und alles was drin ist, gelangt ins breite Internet.

    • Cybot sagt:

      Und wenn man die Kinder vor Kriminellen warnt, macht man Werbung für Verbrechen, oder wie? Erst mal lesen, dann meckern.

  6. xyxyxy sagt:

    jeder Kindergärtler weiss, dass es Facebook gibt? – so ein Quatsch!

    stimmt definitiv nicht – ist absolut unnötig im Kindergarten über Facebook zu reden.
    (Und wenn, warum nicht über Google+ ?)

    Aber vielleicht müssen Leute mit grauen Haaren so vorpreschen, damit sie das Gefühl haben sie seien total auf der Höhe der Zeit.
    Hmmm vielleicht fehlen mir einfach noch die grauen Haare, dass ich es einsehe…

  7. Tomaso Brodo sagt:

    Schlicht und einfach NEIN.

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