
Trotzen kostet das Kind sehr viel Energie und muss daher eine wichtige Funktion erfüllen: Trotzanfall.
Man findet sie heute in fast jeder Familienwohnung und mancher von Ihnen hat vielleicht gerade ein Exemplar zu Weihnachten geschenkt bekommen: einen Erziehungsratgeber. Die Buchhandlungen sind voll mit den auf Eltern ausgerichteten Fachbüchern, für jedes Kinder-Problem gibt es eine in Buchform präsentierte Lösung. In diesen Regalen steht seit Kurzem auch «Menschenkinder – Plädoyer für eine artgerechte Erziehung», das neue Werk des deutschen Kinderarztes und Autors Herbert Renz-Polster. Doch im Gegensatz zu den meisten anderen Autoren will uns Renz-Polster eben keine neue, alleinseligmachende Erziehungstheorie aufschwatzen, sondern erklärt vielmehr die bereits kursierenden Ansätze als grösstenteils absurd.
«Hierzulande breitet sich ein neuer Sport aus – nämlich danach zu suchen, was die Natur bei der Grundausstattung der Kleinen wohl vergessen haben könnte», schreibt der Autor. Jede neue Erziehungstheorie fusse auf Angst. Der Angst, als Eltern etwas zu vermasseln. Und deshalb verkaufen sich selbst umstrittene Ratgeber wie das Drill-Buch von Tiger-Mum Amy Chua so gut. Höchste Zeit, dem etwas entgegenzusetzen, ja einen neuen Massstab anzulegen, an dem sich alle Behauptungen über Kinder zu messen haben, fordert Renz-Polster. «Wenn wir den Kindern gerecht werden wollen, müssen wir ihre Geschichte kennen. Und ich spreche von ihrer evolutionären Geschichte.»
Wie sich Kinder verhalten und entwickeln, hängt laut dem Kinderarzt keineswegs nur mit ihrem direkten Umfeld zusammen. Vielmehr seien es über Generationen vererbte Prägungen, die dafür sorgen, dass ein Kind zum Beispiel mit zwei Jahren ins Trotzalter kommt oder als Dreijähriges plötzlich zum heiklen Esser wird. Klar, die kindliche Entwicklung sei für die Eltern nicht immer eitel Sonnenschein, «aber sie ist dennoch Grund zu Optimismus: Sie beruht auf einer Auswahl dessen, was funktioniert hat.»
Seine Aussage begründet Renz-Polster mit diversen Beispielen. So sei es etwa aus evolutionärer Sicht nur logisch, dass ein Baby ununterbrochen nach Nähe verlange. Schliesslich war Nähe zu Urzeiten, als wir Menschen als Jäger und Sammler lebten und noch keine geschützten Behausungen besassen, sein wichtigster Schutz. «Kinder, die ohne zu zögern alleine unter den viel besungenen Sternlein am Himmel eingeschlafen wären, wären in dieser Welt tote Babys gewesen.»

Die Kleinen wollen nicht mehr Macht, sondern bloss mehr Selbständigkeit: Trotzender Junge. (Bild: A. Gilson)
Auch die Trotzanfälle, immer wieder Gegenstand von Erziehungsdiskussionen, nimmt der Autor unter die Lupe. Und fragt sich, wie man ernsthaft glauben könne, trotzende Kleinkinder hätten nichts Anderes im Sinn, als ihren Willen durchzusetzen und dadurch im Zuhause die Macht zu übernehmen. Kinder, die in der Vergangenheit ohne den Schutz der Eltern doch kaum ein paar Stunden überlebt hätten. «Aus evolutionärer Sicht ist diese Machtfrage dringend zu überdenken», so Renz-Polster. Schliesslich koste das Trotzen enorm viel Energie und lohne sich daher nur, wenn hinter dem Ganzen ein grosser Nutzen für die eigene Entwicklung stehe.
Seine Theorie: Während der ersten drei Lebensjahre sind die Kleinen Still- und Tragekinder. Dann aber steht in der Regel die Geburt des Geschwisterchens an und aus dem Kleinen wird von einem Tag auf den anderen das Grosse. Die bisherigen Schutz- und Lieblingsplätze bei Mama und Papa sind plötzlich von einem neuen Baby besetzt, das ältere Kind wird sozusagen aus dem Schoss der Mutter hinaus- und mitten in den Clan hineinkatapultiert. Es hat jetzt vermehrt andere Erwachsene, vor allem aber auch andere, verschieden alte Kinder um sich herum. Um sich in dieser Gruppe behaupten zu können, muss es einigermassen selbständig sein. Diese Fertigkeiten sollen natürlich vor dem grossen Sprung geübt werden. Und dies geschieht eben auch, indem das Kind «Nein!» zu sagen beginnt und Zornanfälle hat – zum Beispiel dann, wenn die Mutter dem Kleinkind wie gewohnt den Reissverschluss zumachen will. Es trotzt und brüllt also, weil es mehr selber machen, Fingerfertigkeiten entwickeln, seine Selbständigkeit trainieren will.
Natürlich gehe es auch oft nur ums Prinzip, also um das Neinsagen an sich, gesteht der Autor. Dennoch sollten Mutter und Vater dieses Verhalten nicht länger auf sich beziehen. «Die Revolution richtet sich nicht gegen die Eltern. Das ist eine Revolution für die eigenen Interessen – für die Interessen der eigenen Entwicklung.»
Liest man Renz-Polsters Argumentation, taucht unweigerlich die Frage auf, weshalb denn wir Eltern nicht ebenfalls über solche Prägungen verfügen sollten, einen Brutpflegeinstinkt sozusagen, dank dem wir sowieso nicht scheitern können? Der Autor antwortet, dass wir kein festes Erziehungsprogramm hätten, damit wir flexibel auf unsere Lebensumstände reagieren können – ein Vorteil also aus evolutionärer Sicht. Zudem verfügen wir zwar über eine gewisse Intuition, was den Umgang mit Kindern angeht. Allerdings fehlt uns heute die Übung, sprich: Da wir nicht mehr in Grossfamilien leben, lernen wir als Jugendliche den Umgang mit Babys nicht. Und der Stress, dem sich viele Jungeltern nach der Geburt ausgesetzt sehen, eben weil sie sich alleine gelassen fühlen, sei zudem ein «Intuitionskiller».
Also sind wir vielleicht doch auf all die Ratgeber angewiesen, wenn unsere Intuition durch die modernen Lebensbedingungen regelrecht abgemurkst wird? Solange die Bücher bloss mit Versagensängsten argumentieren und uns auch noch das letzte bisschen Instinkt absprechen: Nein, danke. Ordnen sie aber wie «Menschenkinder» das Verhalten des Kindes ein und zeigen uns Eltern dadurch auf, dass wir erstens gar nicht so viel falsch machen und zweitens auch unser Nachwuchs sich nicht unbedingt fehl- , sondern einfach nur normal verhält: Ja, unbedingt.
Es geht im Familienleben und der Erziehung darum, Kompromisse zu finden, die den Bedürfnissen beider Seiten – der Eltern wie der Kinder – gerecht werden. Und auf der Suche danach hilft es, sich ab und zu vor Augen zu führen, weshalb der Nachwuchs sich so verhält, wie er das eben in einem gewissen Alter überall auf der Welt seit Generationen tut. Kinder sind nicht von Natur aus gestört, wie uns die vielen Erziehungstheoretiker immer wieder weismachen wollen. Sie sind zuweilen anstrengend, sehr sogar, aber sie sind trotzdem nahezu perfekt, so wie sie sind. Oder eben genau dank ihres aus Erwachsenensicht oft mühsamen Verhaltens auf dem besten Weg dazu.
Oder sehen Sie das ganz anders?



Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und ist Mutter einer Tochter. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich und ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
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/2 Jahrhunderte bewährt haben; oder wollen wir heute noch daran zweifeln, dass die Erde rund (OK… fast rund) ist und um die Sonne kreist?
Mir graut ehrlich gesagt vor einer Generation, die mit simplistischen Argumenten wie denen von xyxy zur Wissenschaftsfeindlichkeit erzogen wird, wie das in den USA bei einem grossen Prozentsatz der Bevölkerung leider schon der Fall ist.
Kreist? Mit Verlaub, eigentlich ellipsiert sie…
Naja, eigentlich ellipsen sie beide um den gemeinsamen Schwerpunkt. Wenn wir schon so genau sein müssen…
ja sehen sie Gender…, das ist genau das, was ich meine. Während ich sorgfältig auf ihre Argumente antworte. Von ihnen nur völlig unbegründete Vorwürfe und vergleiche mit irgendwelchen ominösen Leuten mit denen ich nichts zu tun habe und die mich wahrscheinlich nach ersten Jubelrufen gleich wieder als Häretiker verbrennen würden.
Ihr Art zu argumentieren ist absolut unwissenschaftlich. Sie gehen den Argumenten nicht auf den Grund. Sie haben sowohl von Daphne wie auch von mir, weder unsere Antworten noch Gegenargumente zur Kenntnis genommen. UNWISSENSCHAFTLICH.
“wie das in den USA bei einem grossen Prozentsatz der Bevölkerung leider schon der Fall ist” bullshit.
Du wirst ja nicht abstreiten, Katharina, dass der kommune US-Ami rasend ungebildet ist und von nichts eine Ahnung hat. Wenn man manchmal so Strassenumfragen sieht, kommt einem das kalte Grausen.
Dass es in der Schweiz viel besser wäre, würde ich aber nicht behaupten.
Ich wünsche mir das gleiche Mass an Skeptizismus, den man religiösen Weltbildern entgegenbringt, fallweise auch gegenüber wissenschaftlichen Theorien, das ist alles. Zum Bsp. im Bereich Klimapolitik, gell.
Ich gebe ausnahmsweise Kat recht: bullshit.
@Gender – sie haben recht: ich neige zum Spott, das offenbart eine arrogante Wurzel in mir.
Allerdings fusst mein Spott auf wohlbegründeten Argumenten. Er ist nie ganz bös gemeint (ein bisschen schon). Ich möchte vielmehr mit ihm aus dem Gegner die Argumente herauskitzeln.
Ich habe sie bezichtigt einäugig zu argumentieren und einäugig die Geschichte wahrzunehmen. Und leider haben sie mir darauf keine Antwort geliefert, die mich meine Meinung überdenken lassen müsste. Denn glauben sie mir, ich bin sehr schnell bereit mich korrigieren zu lassen oder mich in der Mitte zu treffen.
Die heutigen Kinder sind nicht gestört, sie sind überfordert damit, gleichwertige Partner ihrer Eltern zu sein und überall mitreden und mitbestimmen zu müssen. Kaum hat Klein-Würmi den 1. Geburtstag gefeiert wird er gefragt, was er denn gerne anziehen oder wohin er in die Ferien möchte und anstatt auf den Spielplatz wird er ins Gourmet-Restaurant, ins Museum oder ins Theater geschleppt.
Nicht die Kinder sind gestört, sondern deren Eltern.
Evolutionstheorie – oder was der Autor darunter versteht ist das eine. Wie viel von unserem Verhalten angeboren ist (also konkret in der DNA codiert und gespeichert), ist bis heute ungeklärt. Einzig bei einigen psychischen Störungen ist nachgewiesen, dass eine genetische Disposition nachgewiesen ist. Wir sind aber noch weit davon entfernt, eine direkte Korrelation von Verhalten und Gensequenz machen zu können. in dem Sinn schon braucht er da ein buzzword. sonst nichts.
Seine ganze Herleitung betreffend Trotz ist mir schleierhaft und widerspricht eigentlich anthropologischen Erkenntnissen.
Von der Anthropologie her sollte es eigentlich klar sein, dass Menschen ursprünglich in Sippen zusammenlebten und das Kernfamilienmodell vergleichsweise neu ist – und wohl den vererbten Anlagen und Dispositionen menschlichen Verhaltens widerstrebend. – und auch der Methode der Sozialisierung (die Sippe oder Grossfamilie, Mehrgenerationenfamilie), auf die die vererbten kognitiven Anlagen ausgerichtet ist – zuwider läuft.
Es zeigt sich dann auch, dass eben unsere Anlagen in dem Sinn auf einen überschaubaren Kreis von Menschen, mit denen wir zusammenleben, ausgerichtet sind, und nicht auf ein globalisiertes Dorf. Klar und krass erkennbar ist, wie weit unsere empathischen Fähigkeiten gehen, eben meist nur bis zur Grenze der Sippe.
In dem Sinn würde ich auch sehr vorsichtig sein mit Sätzen wie „einfach nur normal verhält“. Ein Meme das mir bei dieser Autorin oft aufgefallen ist. Was ist ‚normal‘ und wo ist was normal? Ein Ratgeber, der in wertender weise dann verhalten in normal und nicht normal einteilt ist genauso abzulehnen wie einer der alles Verhalten als normal darstellt.
Zum Einordnen konkreten Verhaltens haben Ratgeber, solange sie auf nachvollziehbaren pädagogischen und (entwicklungs-)psychologischen Fakten beruhen, sehr wohl eine Funktion.
Es ist besser, gut und aus mehreren Quellen informiert zu sein, und damit aufgrund eines educated guess zu handeln, statt nur auf Intuition ohne Wissen. Educated guess bedeutet da auch, als Eltern das eigene Verhalten von aussen betrachten zu können. Gerade bei Trotz ist es oft eine duale Dynamik, die sich hoch steigert.
Wer sonst, wenn nicht die aufmerksam Mitlesenden, hätte nicht vollstes Verständnis dafür, dass Sie grosse, grosse Mühe mit dem Begriff “normal” haben, Katharina.
Ev. sollte man die Autorin vormerken für Ihre legendäre “Eliminieren!”-Liste?
Die ganze Gendert5heorie ist darauf angelegt, dass es keine Norm mehr gegen soll. Darum müssen Kindergartenschüler ja unbedingt wissen, wie Homo-Sex funktioniert…
Kat’s Elimination List…hahaha. Da fungiere ich als “faschistischer” (O-ton) Lesbenverulker wahrscheinlich ganz oben, wenn also eines Tages ihre grünen Weibchen und intelligenten Roboterinnen aus dem All kommen, muss ich mich auf schlimmes gefasst machen. Nach den Machtübernahme müsste ich wohl die Zelle mit Leuten wie Glenn Beck und Richter Scalia teilen und der Aufseher ist Michael Moore. “schluck*
Eliminator? Ich kenne nur einen Eliminator: Denjenigen von ZZ Top auf ihrem gleichnamigen Album von 1983. Und das war ein 34er Ford Hot Rod. Men’s stuff eben: Rrrrreal geil!
Ach Orly, Sie kennen ja den alten Swissair Witz: Besch normal oder gosch met Hostesse?
Und ja, die AufseherIn wäre ja dann ich, eine Amazone in shining Armor – aus Titan, denn Platin ist wirklich etwas schwer, selbst für eine sportlich trainierte wie mich.
Der Michael Moore kriegt eine Einzelzelle und muss darin nonstop seine eigenen ‘Reportagen’ ansehen.
den anderen Michael (Jackson) aka “a jumping scrotum with lips”, lassen wir nonstop Disney Filme anschauen.
Bei Ihnen reicht dann wohl die Rezitation ihrer eigenen Kommentare in pleno, die Aufseherinnen rauchen dabei Ihre Zigarren.
kann mir jemand diese ominoese eliminierungsliste erklaeren?
Liste ist als Begriff natürlich verfehlt.
Schon, weil wir kaum alle Namen hin bekämen.
Sie, Katharina, haben für die Eliminierung der Männer plädiert.
Ganz human natürlich. Mittels “trans..” bliblablo. Erklären Sie´s uns halt noch mal.
Oder etwa schon vergessen? Gar nie gesagt?
Wenn Sie drauf bestehen, such ich´s schon noch mal raus. Keine Sorge.
‘
gabi, wo Katharina Recht hat, hat sie Recht. “Normal” gibt es nicht, ich bin es genauso wenig wie sie oder Du. Es gibt nur unterschiedliche Grade von abnormal.
Weiss ich tatsächlich besser als viele “Normale”, glauben Sie´s mir.
Bedenklich ist nur dieser Komplex dem “Normalen” gegenüber. Da verunmöglicht es Katharinas eingestandene Phobie auch nur schon, das Wort “normal” einmal als Synonym für “Durchschnittlich” so stehen zu lassen.
Wär schön, wenn Sie sich gelegentlich mal überlegen würde (und in der jüdischen Geschichte gäb´s ja weiss Gott die handfesten Beispiele) wie eng Phobie und Hass (der bekanntlich blind macht) verknüpft sind.
wie weit unser empathischen Fähigkeiten gehen, eben meist nur bis zur Grenze der Sippe – dazu habe ich gerade heute ein spannendes Interview mit einem Verhaltensbiologen im Migros Magazin gelesen. Daraus ein Auszug:
Fundamentalisten und Nationalisten zeigen in der eigenen Gruppe viel Empathie. Gegenüber allen anderen aber wenig.
Das ist das Paradoxe an Mitgefühl. Es gibt die sogenannte Eigengruppenfavorisierung. Die Menschheit lebte lange in überschaubaren Einheiten, die weit auseinanderlagen. Empathie für jemanden aufzubringen, der ausserhalb der Gruppe steht, ist eine relativ neue Entwicklung – und die grosse Herausforderung unserer Zeit.
PS: Man braucht eigentlich auch nur die Diskussionen im MB zu verfolgen, um zu sehen, wie wahr diese Aussage ist (von wegen Ihr-Wir-/Norm-Devianz-Strukturbildungen etc.)… Das ganze Interview hier: http://www.migrosmagazin.ch/index.cfm?id=47165
Welche Aussage ist wahr?
Sind 4% Gays etwa nicht das Deviante innerhalb einer Norm?
Diese von ihnen skizzierte “Herausforderung unserer Zeit” ist übrigens wenig mehr als die säkulare Ausdehnung des christlichen Nächstenliebegebots: “we’re all God’s children!”.
Ja, ja, wenn die Religiösen es nicht hinkriegen, dann müssen eben die Säkulären ran… Aber das wissen wir ja schon seit der Aufklärung, gell? Übrigens, haben Sie den geposteten link zum Stamm-Blog weiterverfolgt? Der Beitrag erklärt eigentlich sehr schön, weshalb es denn die Religiösen bislang nicht hingekriegt haben… Absolutheitsansprüche sind der Verständigung nun mal nicht sonderlich dienlich, das gilt für die Vergangenheit wie die Gegenwart.
Wenn man die verbleibenden 96 Prozent aller Menschen lange genug im kulturrelatvistischen Säurebad auflöst, bleiben am Schluss nur noch 100 Prozent relativierte Subjekte übrig. Ich finde, das fällt nicht weiter auf.
Daphne, es geht darum, dass wir von unserem Rüstzeug her (Evolution, Genetik und Sozialisation) nicht für eine globale Zivilisation prädisponiert sind. das hat nichts mit Fundamentalismus oder Nationalismus zu tun. so sehr ich Gottlieb Duttweiler als Visionär schätze, muss ich sagen dass ein Migros Magazin vom Niveau her nicht in diese Diskussion passt. es sei denn der Baenz sei relevant oder so…. jikes… und dass das Heft das auf Fundamentalismus und Nationalismus reduzieren will ist schlichtweg propagandistischer Humbug.
Warum: wenn im Umkreis von 100 Meilen von ihrem Wohnort eine Katastrophe geschieht, wird Sie das emotional massiv hernehmen und sie zu entsprechenden politischen Aktionen motivieren. Wenn das 10‘000 Meilen von ihnen entfernt geschieht, passiert emotional nichts. Die Version 10′000 Meilen weg können Sie tagtäglich anschauen. Live on reality tv aka as ‚news‘. Ditto politsche Metzgereien usw.
es geht letztlich darum, dass, wenn wir überleben wollen, es zwei Wege gibt:
entweder ein zurücktreten – zurückschrauben – vom total globalen Ansatzpunkt. was angesichts der global wirkenden Probleme und Herausforderungen schwierig sein wird.
oder eben es gelingt, die uns vererbten / vermittelten Vorlagen zu überwinden.
Dass das über Sozialisation gelingt, kann stark bezweifelt werden, wenn die Geschichte früherer grösserer Verbände betrachtet wird. bestes Beispiel da die Zentrifuge EU. A centrifugal farce. Zudem ist es heute so, dass uns die Zeit wegläuft. Das ist nicht nur im Sinne von Biosphäre zu lesen, sondern auch ökonomisch-politisch.
Der andere Weg, mindestens so fragwürdig, ist der transhumanistische, nämlich durch genetisches Engineering Empathie soweit zu verstärken, dass er eben global wirkt. Selbst wenn das gelingen würde, was in der kurzen Zeit, die wir haben fraglich ist, besteht da die konkrete Gefahr kollektiven Wahnsinns. Stellen sie sich vor sie hätten durch Empathie eine konkretere Vorstellung und Empfinden des ganzen Leids? Ich weiss nur aus den Schilderungen meiner vergleichsweise bescheidenen Leidens Sachen, dass das Leute schwer ertrugen. Stellen sie sich nun vor, sie hätten konkrete Empfindungen, wann immer einem Menschen irgendwo auf diesem Planeten Unrecht und Leid angetan wird.
“4% Gays” – stimmt sowieso nicht. Orly. try everyone is born bisexual.
Katharina, Sie würden staunen, wie professionell das gute alte Migros Magazin bisweilen Themen aufbereitet. Sie sollten übrigens das Interview lesen, bevor Sie Urteile fällen, der Aspekt der Eigengruppenfavorisierung war nur einer unter vielen. Übrigens, der Interviewte ist niemand anders als Frans de Waal:
DER STAR UNTER DEN VERHALTENSBIOLOGEN
Der 63-jährige holländische Zoologe und Verhaltensforscher Frans de Waal beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Sozialverhalten von Bonobos, Schimpansen und anderen Affenarten, gelegentlich auch mit dem von Elefanten oder Buntbarschen. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf der Kultur- und Moralentwicklung in tierischen wie menschlichen Gesellschaften. Er hat zahlreiche populärwissenschaftliche Bücher darüber verfasst und war 2007 auf der «Time»-Liste der einflussreichsten Menschen des Jahres. De Waal lebt in den USA und ist Professor für Primatenverhalten an der Emory University in Atlanta.
Duttweiler war Vieles, aber ein Visionär? Aber mit dem GDI, das nach seinem Tod enstand, hat er wirklich etwas Spannendes geschaffen. Und ein guter Text sollte sicher nicht danach beurteilt werden, wo er erschienen ist.
O. S. sagt:3. Januar 2012 um 22:22
“Welche Aussage ist wahr?” Bei einer solchen Fragen sollten dann schon mindestens 2 Aussagen kommen, sonst muss man O.S. mit ohne Sinn übersetzten.
Und ja O.S., Gay sind die die Deviante in besagter Norm, genau so wie bezogen auf die Anzahl Gläubiger, dass Christentum die Norm und alle anderen Religionen die Devianten sind. Und was nun? Die Devianten eliminieren oder als krank/falschgläubig abstempeln?
Irgendwie tun sie mir wirklich leid: Gekränkt durch die Evolution und in Angst vor den eigenen homophilen Anteilen, geklammert an die “einzige” Wahrheit.
@mapa: Word!
Der Autor kann sich wohl nicht entscheiden. Entweder die Verhaltensweisen sind aus Jäger- und Sammlerzeiten, oder evolutionsbedingt. Bekanntlich ist es zwei, drei Tage her, dass wir jagten und sammelten. Tiere und Beeren, nicht Frauen und Bierdeckel, natürlich. Evolutionsbedingt hiesse aber: aus neuester Zeit. Auch Einzelkinder täubelen und trötzelen. Die Lösung? Ganz einfach: wir müssen die Kinder erziehen, zu überlebensfähigen Erwachsenen machen. Wir sind ihre Trainer, und sie mögen es nicht, wenn man sie rumkommandiert. Aber das müssen sie lernen. Nicht mehr, nicht weniger.
Ach Francesca sämtliches Verhalten von uns, hat rein gar nichts mit unserem Leben zu tun. Hat nichts mit unserer jetzigen Situation und unseren jetzigen Gesellschaftsformen zu tun. Auch nicht mit der jüngere Geschichte.
Wer ein bisschen gebildet ist, erkennt dass alles, vom Trötzeln, bis zum Sexualverhalten aus der Jäger- und Sammlerzeit stammt. Damals haben wir uns evolutionär perfekt an die Jäger- und Sammlerwelt angepasst. Danach 10′000 jährige Sendepause. Das ist doch plausibel. Kein Wunder lassen sich damit Bücher verkaufen und Mamablog Autorinnen inspirieren….. ? …. ?
Ratgeber bieten Orientierung und Sicherheit. Wer darauf verzichten kann, ist entweder sehr selbstbewusst oder tollkühn. Oder beides. Damit meine ich nun nicht, dass man zwingend Dutzende Erziehungsbücher gelesen haben muss, um ein guter Vater oder eine gute Mutter zu sein. Aber eine erfahrene Person an der Seite ist sicher von Zeit zu Zeit hilfreich.
ich habe nie einen ratgeber gelesen, werde dies auch in zukunft nicht machen. bei meiner ex bringt das eh nichts. da mach ich sogar das richtige falsch. aber item.
ich habe meine bezugspersonen, befreundete familien und meine eigenen eltern die ich um ihre meinung fragen oder diskutieren kann. der dialog ist sicherlich der bessere weg als ein einseitig geschriebenes buch lesen.
well….. family….
http://www.youtube.com/watch?v=eBpYgpF1bqQ&feature=related
Die männliche Selbstüberschätzung der eigenen Anziehungskraft, wissenschaftlich ausgeleuchtet:
http://www.tagesanzeiger.ch/leben/gesellschaft/Warum-sich-so-viele-Maenner-so-toll-finden/story/30885433
Die Evolution ist schuld, wie praktisch…… also die Armen können nicht anders
Jungs, ihr seid entschuldigt!
Die Forderungen an die Frauen, interessant aus aktuellem Anlass, möchten wir aber auch nicht überlesen: “Women should know the risks and “be as communicative and clear as possible.”
E ist wohl wieder typisch für die Erwachsenenwelt, über so heikle Themen wie Erziehung und Evolution zu fachsimpeln und zu “streiten” Entschuldigung, aber die meisten Kommentare entbieten einmal mehr jeglicher Vernunft, Logik oder jedem gesunden Menschenverstand.
Jede gesunde und normale Frau hat einen Instinkt, der es ihr ermöglicht, ein Kind aufzuziehen. Man schaue sich doch einmal im Tierreich um: Auch hier gibt es Kätzchen, Hundchen oder sonstige Tierkinder, die sich nicht dem von den besorgten Eltern erwünschten Verhalten anpassen. Uns Menschen unterscheidet doch vom Tier lediglich, dass
wir uns als intelligente Wesen ansehen. Das erstaunliche ist jedoch, dass es gerade die “weniger einfachen Jungtiere” (inkl. Menschen!!!) sind, die mit ihrem Querdenken neue Wege zum Leben finden. Ein junger Wolfsrüde zum Beispiel muss, um überleben zu können, aus seiner wohlbehüteten Gruppe ausbrechen und ist gezwungen mit einer gewissen Intelligenz sich in einer neuen Gruppe zu integrieren. Tut er es nicht, steht ihm der Kampf mit dem Leitwolf bevor, der für eine Partei sogar tlödlich sein kann. Man überlege sich hier mal die Konsequenzen, wenn dieses “Trötzelen” nicht geübt würde…