Leben


Nicole Althaus am Montag den 18. Mai 2009

Stillen jenseits der Stille

Störend oder Betörend? Stillen in der Öffentlichkeit

Störend oder Betörend? Stillen in der Öffentlichkeit

Stillen kann wunderschön sein. Da sind sich die meisten Blogleserinnen einig. So relaxt und praktisch. Wenn man sich dazu nicht genötigt fühlt. Nachdem die Nippel abgehärtet sind und bevor Mutter mutterseelenallein zuhause ist. Also im Schnitt etwa eine Woche lang. Danach kollidiert das relaxte Hinsetzten, Brust auspacken, Baby ansetzen, Bonding geniessen mit diversen anderen Mutterpflichten, die in der Öffentlichkeit stattfinden: Einkaufen, Kinderärztin besuchen, Schulbesuch, Spaziergang etc. Jedenfalls war das bei mir so. Denn ich bin a) kein logistisches Genie. Nie ist es mir gelungen sowohl Baby, Geschwisterkind als auch Haushalt perfekt ums Stillen herum zu timen. Und b) brachte die häusliche Isolationshaft schon nach einer Woche Charakterzüge in mir hervor, die ungesund sind für Baby und das Geschwisterkind.

Also blieb mir nichts anderes übrig, als den Busen auch mal vor Zuschauern auszupacken. Leider gab es damals den Stilltreff Starbucks noch nicht. Und so realisierte ich sehr schnell, dass ich gerade mal den Ort dafür wählen, nicht aber die Reaktionen darauf beeinflussen konnte.  Wo auch immer ich fütterte, begegnete ich Menschen, die mir ermunternd zulächelten und andere, die mir zu verstehen gaben, dass sie in der Mutterbrust keine Futterquelle sehen, auch nicht, wenn ein Baby dranhängt. Dabei handelte es sich übrigens nicht nur um Männer. Ich kenne auch ein paar Frauen, die ich sehr schätze, die sich vom öffentlichen Stillen gestört fühlen. Und weil sie genau so ein Recht darauf haben, sich gestört zu fühlen, wie ich darauf, mein Baby zu stillen, empfand ich das Füttern mit Zuschauern nie entspannt.

Weitaus schlimmer allerdings war das Melken. Jede stillende Frau, die  nach den 16 Wochen staatlich bewilligter Babypause wieder in die Berufswelt einrücken muss, will, kann oder darf – tja, die ist fortan einem ganz anderen Rhythmus ausgesetzt, als dem ihres Kindes: dem ihrer Milchpumpe nämlich. Mpfffffff-ttschschsch, mpfffff-ttschschsch – geht dieser nervtötende Rhythmus, der jede Frau zur Milchkuh degradiert. Und er ist lediglich die  hörbare Seite der Folter, die Muttermilch auf Pump bedeutet. Weit vielfältiger sind die spürbaren.

Wer sich zum ersten Mal hinsetzt, die Brust entblösst und eine Pumpe ansetzt, wird schmerzvoll daran erinnert, dass diese nicht dieselben Reflexe auslöst wie das eigene süsse Baby. Sie ist aggressiv und unerbittlich, ihr Hunger nicht stillbar. Was die ahnungslose Mutterbrust dazu verleitet, gar keine oder soviel Milch zu produzieren, dass sie damit eine ganze Säuglingsstation sättigen könnte. Häufig fängt die Mutter  a) mindestens eine Brustentzündung  ein und b) merkt, dass sie sich nicht einfach morgens und abends melken kann, sondern die Pumpe auch im Büro/Laden/Schulzimmer einsetzen muss. Womit wir bei den erniedrigenden Seiten des Stillens auf Pump angelangt sind.

Meist nämlich arbeitet Frau an einem Ort mit wenig Intimsphäre. In einem Grossraumbüro etwa. (Stillen und der Status für ein Einzelbüro schliesst sich , laut der Schweizer Arbeitnehmerstatistik, fast gänzlich aus). In einem Grossraumbüro hat es per Definition zwar zahlreiche elektrische Anschlüsse für die Pumpe, aber auch zahlreiche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Und  Stillen ist, ich hab 2 mal 3 Monate Erfahrung damit,  überhaupt nicht mehr relaxt, wenn frau sich mpfffffff-ttschschsch, mpfffff-ttschschsch auf dem Bürostuhl sitzend, vor Zuschauern melken lassen muss.

Alternativ steht selbstverständlich jeder Mutter die Toilette fürs Pumpgeschäft zur Verfügung. Können Sie sich vorstellen, dass Stillen sinnlich ist, wenn im Stall daneben jemand ein anderes Geschäft erledigt? Eben. Eine sechsmonatige Stillpflicht, selbst wenn sie bloss auf einer moralischen Ebene verhängt wird, ist deswegen ohne die nötige zeitliche und infrastrukturelle Unterstützung eine Zumutung.

430 Kommentare zu „Stillen jenseits der Stille“

  1. Thomas Läubli sagt:

    Der Leser kann für sich entscheiden, was er/sie/es davon halten soll. Essen Sie ein Brunsli, dann kommt alles gut!

  2. Katharina sagt:

    @Thomas, Thomas, Thomas & Co:
    Winnetou, Douchebag, Badewanne und Hombre…… Der Schatz im Silbersee suchen….. Und ein weiterer Thomas mit dem falschen Teletubbies link “http://www.teletubbies.br” schreibt dann “der Beitrag war sogar sehr gut! er passt zu k.s esoterischem gequassel. übrigens: in meinem garten ist der schnee geschmolzen – it’s a sign!”

    das ist pervers, was ihr da macht. Oder du. So langsam ist eines klar: in diesem Forum wird der Name Thomas benutzt, wenn es darum geht, gegen andere rumzutrollen.

    so all thomases can go fuck themselves. Erledigt eure Eifersüchteleien selber.

    Den Schatz im Silbersee werdet ihr alleine suchen müssen. „No Soup for you today!“ – Seinfeld

  3. Rahel sagt:

    @ Thomas Läubli

    Habe aber keine Brunsli…………geht auch ein Mailänderli ;-) ?

  4. Thomas sagt:

    …hier kommt alles etwas zerbröselt rüber. guetzli im mund?

  5. Thomas sagt:

    …nicht silbersee, sondern silver lake. und das bei euch oben, kat.

  6. Thomas Läubli sagt:

    @Rahel:
    Meinetwegen auch ein Zimtsternli oder Chräbeli…

  7. Thomas sagt:

    …hat noch mailänderli, wollen sie auch ein paar?

  8. Thomas sagt:

    …*rüberschieb*

  9. Uups sagt:

    Uups, die Diskussion ist wohl etwas verloren gegangen. Alles Gute zum Fest. Bin ich froh, dass es einmal einen neuen Himmel und eine neue Erde geben wird.Bis dahin stille ich meine Jüngste, sie ist gerade dran, sogar am Compi ist das praktisch. Heute ist übrigens Tsunami Tag, sind nicht alle so fröhlich, gibt sicher noch einige die hätten ihre Familienmitglieder, Kinder, Babies , Frauen; Männer gerne wieder. Wir sollen uns mit den sich Freuenden freuen und mit den Weinenden weinen, da bleibt nicht so viel Zeit für blöde Sprüche, Gott sei Dank.

    Noch was zu Tieren, Gott liebt Tiere auch, die hat er ja geschaffen, doch die Kröhnung der Schöpfung war der Mensch, Betonung auf war, wir hätten über die Erde herrschen sollen, nun sind wir tief gefallen, das Paradies war einmal, doch es gibt Hoffnung, Jesus kann unser Erlöser werden und wir dürfen uns wieder auf etwas neues freuen. Dies ist Hoffnung die hält was sie verspricht, darf ich schreiben, ist ja schliesslich Weihnachten. So, Kleine hat Hunger. Gott sei uns gnädig, wir müssen nämlich auch Rechenschaft abgeben über jedes unnütze Wort das wir geredet haben, da ist niemand eine Ausnahme, auch ich nicht.

  10. Uups sagt:

    Hab noch was vergessen, allen ein gutes neues Jahr mit lauter netten Kommentaren, viel Liebe, viel Vergebung, viel Trost (für die Frau mit den Zwillingen z.B.) und allen die es brauchen können. Shalom, das heisst Friede, haben wir wohl alle ziemlich nötig.

  11. Hans sagt:

    Vieleicht würde es der Welt etwas besser gehen, wenn wir Menschen etwas mehr wie Tiere wären, ein bisschen weniger an alles was mit Gott zusammenhängt glauben würden und uns mehr von echten Gefühlen treiben liessen?

    Dass öffnet den Weg zur wahren Ehrlichkeit, echtem Mitgefühl, und gelebter Toleranz zwischen Menschen verschiedener Herkünfte, Hautfarbe, geschlechter, Überzeugungen und Religionen.

  12. Eni sagt:

    @Frank Steiner
    Wenn Ihre Mutter im voraus auch nur geahnt hätte, was für ein(Un-) Mensch aus Ihnen wird, dann hätte sie sicher auch den Hund gewählt

  13. Brunhild Steiner sagt:

    @Auguste: tja, da ich eben auch zu diesen Gutmenschen gehören, die, schlimmer noch, Frage hören wo sie gar nicht gestellt wurden, frag ich mich ob Sie nach Antworten suchen? Diese Sticheleien mit Lea, vermuten Sie dass Lea eigentlich jemand Bekanntes ist, jemand dem Sie mal ein Lied mit auf den Weg nach Gila Bend gegeben haben?
    Wer immer Lea ist, ich glaube nicht dass sie jene Person sein kann. Denn die Leute in Gila Bend, die haben einen Verlust erlitten. Aber nun überlass ich Ihnen das Weitere und mit einem Gruss.

  14. Auguste sagt:

    hmm…, ist ihnen bewusst, dass wir vielleicht die erfinder des “gesprächs unter vier augen unter aller augen” sind? schöne neue cyber-welt.

    aber zum punkt: ich bin mal beim scrollen durch die januar-themen auf irritierende beitragsfetzen gestossen, die von suizid handelten bzw. der unmöglichkeit eines solchen. ich konnte mir das allerdings nicht recht vorstellen. fakt blieb allerdings, dass sie nicht mehr da war, mit ihren typischen gedankengewittern. man merkt erst was einem fehlt, wenn mans nicht mehr hat – die alte leier. wenn lea allerdings nicht die todgeglaubte/verschwundene ist, dann teilt sie, nebst des denk- und schreibstils, auch eine ausgeprägte vorliebe für seinfeld mit ihr. ihr cosmo kramer kommentar im kevin-thread hätte sergeant havers auf ihre spur geführt, lynley hätte den hinweis übersehen. kein wunder, elisabeth george ist auch nur eine frau.

  15. Brunhild Steiner sagt:

    @Auguste: klar ist mir das bewusst, aber bin da ein bisschen persönlich betroffen, deshalb nimm ich das in Kauf… .
    Das was Sie in den letzten Zeilen ansprechen ist mir nicht entgangen, aber warum sollten nicht mehrere Erdbewohner mit diese Gabe gesegnet sein? Waren Sie mal im Chris v. Rohr Thread? Dort steht Genaueres, und auch beim “Er war eine Sie” gibts ab den Januarbeiträgen Bezüge. Nicht ganz leicht verdaulich, aber ich hab nach wie vor keinen Grund dran zu zweifeln, genaueres steht alles dort. Naja, gutes Stöbern.

  16. Brunhild Steiner sagt:

    @observateur: immer noch auf der Pirsch?
    Nur komm nun ich nicht ganz mit, denn ich verdächtige keineswegs Lea eine verkappte Katharina zu sein… .
    Die Katharina mit dem idyllischen Haus im Toggenburg ist übrigens auch nicht diejenige von welcher ich spreche.
    Diese hat sich im Übrigen selber mal von ihrer Namensschwester abgegrenzt.

  17. observateur sagt:

    @Brunhild: Pirsch – nein, höchstens Unlogisches deklarierend, ich habe zum Glück besseres zu tun. Im übrigen betrachte ich die Namenszwillinge nicht zwangsläufig als zwei physische Personen.

  18. Brunhild Steiner sagt:

    nun ja, also so selten ist es nun auch wieder nicht, dass verschiedene Leute unter denselbem Namen posten und im Nachhinein vom “ersteren” drauf aufmerksam gemacht werden, dass dieser Name quasi schon besetzt ist, oder?
    Da würden mir in diesem Blog noch ein paar andere Leidtragende in Sinn kommen.

  19. Auguste sagt:

    @ brunhild steiner

    hmm…, bis zu einem gewissen punkt ist der fall klar. wenn die tote in den usa realität ist, dann ist diese tote frau nicht “katharina” die hier postete. “katharina” ist jetzt „lea“, aber hinter dem neuen namen steckt die selbe person, wie die posterin aus dem letzten jahr, die sich “katharina” nannte. inhalt, stil, zeiten, verhalten, vorlieben und abneigungen sind zu viele übereinstimmende indizien – soviele zufälle gibt es nicht.

    jemanden der leicht ironische einzeiler mit gleich bleibendem layout schreibt, kann man praktisch ohne aufwand kopieren. aus welchem motiv auch immer (ich war erstaunt (eitel & naiv), dass ich original und kopie in einigen fällen erst nach längerem überlegen auseinander halten konnte). ihre ziemlich komplexen gedankengewitter, die meist ab dem späteren nachmittag über uns hereinbrachen, kann man nur mit einigem aufwand kopieren – das wiederum scheint die sache nicht wert zu sein. auch der austausch mit „marcel“ wäre zu aufwändig gewesen (einlesen, links etc.) – auch da, das wars nicht wert. motiv? keine ahnung. beweise? unmöglich im cyberspace.

    die gute nachricht ist: die person deren posts wir mochten und manchmal kaum verstanden, gibt es mit fast an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit immer noch und ihr geist (im sinne von hirn) schleudert als “lea” weiterhin gewitterpfeile in den mamablog. im moment zwar etwas kürzere, aber auch das wird sich vermutlich wieder ausdehnen. atmen sie auf, brunhild steiner.

    noch zum schluss: während sich die ganze community mit “katharina” mindestens abfinden konnte, hielt die posterin “lisa” eine konsequente abneigung ihr gegenüber aufrecht. ob’s weibliche intuition/intelligenz war oder nur simple abneigung – wer weiss? faszinierend ist es allemal.

    sherlock – ende

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