Leben


Nicole Althaus am Freitag den 15. Mai 2009

Mit dem Stillen stillstellen?

«Breast is best!» Diese kurze Formel ist so heilig , wie das Amen in der Kirche. Die Formel verfolgt jede schwangere Frau auf Schritt und Tritt: Sie wird heruntergebetet auf Postern und in Broschüren in Wartezimmern von Ärztinnen und Hebammen, Spitälern und Geburtskliniken, in Gemeinschaftszentren, Kinder- und Bioläden. Gestillte Babys sind gesünder, schlanker, resistenter und intelligenter. «Breast is best»,  ist das Glaubensbekenntnis der modernen Welt.

SPAIN MOTHER'S DAY

Stillen ist politisch! Spanische Frauen demonstrierten unlängst für die angeblichen Vorzüge der Muttermilch.

Erstaunlich -  ich wage sogar ein erfreulich – viele Kommentatorinnen auf diesem Blog stellen zwar nicht das Stillen, aber den «Still-Fundamentalismus» -  Zitat Lisa – infrage.  Und tun damit genau das, womit  die amerikanische Autorin Hanna Rosin im April einen Sturm der Entrüstung ausgelöst hat: Stillen, so ihre These, sei mittlerweile nicht mehr eine private Entscheidung, sondern das ultimative Ticket in den Club der verantwortungsvollen Mütter. Dabei seien die gesundheitlichen Vorteile der Muttermilch für das Baby viel kleiner, als gern behauptet werde, schreibt sie und fragt: «Ist Stillen der Staubsauger der heutigen Frauengeneration – ein Instrument der Unterdrückung

Die Provokation war gewollt, die Diskussion, die Rosin damit ausgelöst hat, längst fällig. Niemand bestreitet heute, dass Muttermilch dem Baby einen formidablen Start ermöglicht, dass Stillen etwas Schönes sein kann, wenn die Mutter damit zurecht kommt. Aber es gibt keinen Grund,  Mütter, die ihr Baby mit der Flasche füttern, automatisch  als eitel, karrieregeil, selbstsüchtig oder schlicht ignorant abzukanzeln, oder  – noch schlimmer – sie zu bemitleiden. Wer voll stillt, investiert täglich gegen vier Stunden Zeit. Sechs Monate lang. Das ist beinahe ein halber Arbeitstag pro Tag und mehr als sich viele Frauen leisten können oder wollen.

mamablogstillenvater

Dabei hat die Schoppen-Methode einen gut ersichtlichen Vorteil: Auch der Mann kann zur Flasche greifen.

In einem Punkt hat Rosin nämlich recht: Studien, die zeigen, dass gestillte Babys gesünder sind und intelligenter, verlieren ihre statistische Relevanz, sobald man sie in Korrelation zur Gesundheit und Bildung der Mütter stellt.  Das hat 2006 eine Wissenschaftlergruppe im «British Medical Journal» aufgezeigt: Für aussagekräftige Ergebnisse müssten zwei zufällige, sozio-ökonomisch und ethnisch gleich zusammengesetzte Müttergruppen verglichen werden, eine davon stillt, die andere füttert mit dem Fläschchen. Weil man aber Müttern nicht vorschreiben und kontrollieren kann, wie sie ihr Baby grossziehen, basieren sämtliche Stillstudien auf blossen Beobachtungen. Fakt ist: Frauen, die stillen, sind in der Regel besser ausgebildet und leben gesünder. Es liegt also, so die Studie, eher am  familiären Hintergrund und nicht an der Muttermilch, wenn  gestillte Kinder  intelligenter und gesünder sind, als solche, die mit Pulvermilch grossgezogen wurden.

Warum werden diese Erkenntnisse in der öffentlichen Diskussion so konsequent unter den Tisch gewischt?  Ist was dran, an Rosins These? Werden nicht die Babys, sondern die Frauen mit der Stillpflicht still gestellt? Oder ist der  Still-Imperativ ein Gebot der Natürlichkeits-Religion?

56 Kommentare zu „Mit dem Stillen stillstellen?“

  1. mamanat sagt:

    my god! it’s so stupid to think that if you dont breast-feed your baby he will be less inteligent or not healthy!!! to all mother who cant do breast-feeding: DONT LISTEN TO THIS!!! DONT FEEL GUILTY!!! JUST LISTEN TO YOUR-SELF!

  2. Emanzo sagt:

    @ Verena

    Traefe Diagnose! Stimme bei!

    Wobei abgesehen vom Machtrausch, dem nicht nur GynokratInnen erliegen, die gesetzlosen oder gar gesetzwidrigen “Vorschriften”, was man(n) zu tun und zu lassen hat, nicht vom Himmel fallen, sondern nebst blossen GehilfInnen von Experten auch das krittelnde Volk von religioesen oder politischen IdeologInnen nicht mehr nur von der Kanzel, sondern auch in der Schule, der Berufs”bildung” und ueber die gleichgeschalteten Massenmedien raffiniert verbildet wird.

    GynokratInnen sind dem Geldadel als BuettelInnen besonders nuetzlich, weil sie seit der Abschaffung des Haushaltungsbuches und der gesetzlichen Pflichten zu “Familienfrauen” mutiert nur aufgrund von Empfehlungen, aber nicht mehr verbindlichen Regeln in der Familie fast grenzenlos ueber Geld und Macht verfuegen, Waehrend Beamte (abgesehen von wenigen Hornochsen) noch klare Auskuenfte erteilten und in trasparenten Verfahren alle BuegerInnen (ohne Apartheid und menschenrechtskonformen Ausnahmen davon nur fuer Reichlinge) gleich behandelten, gehen von der tendenzioesen Politik auf Verwaltungs- und Juxtiztrone gespuelte Quotenfrauen mit Geld und Macht gleich verschwenderisch und willkuerlich um, wie sie es als “Familien”frauen gewohnt waren. Es ist natuerlich illusorisch zu glauben, dass diese gynokratischen Taktiken und Praktiken nur das Selbstbestimmungsrecht des Mannes schleifen aber das der diesen ebenfalls unterworfenen Frauen respektieren.

    Am Schluss dieser Uebungen werden vermoegenslose Frauen ohne politischen Quotentron mindestens gleich weit fallen wie die maennlichen Lohn-, Steuer-, Miet- und Alimentensklaven! Die nicht nur um den Teuerungsausgleich geprellten echten Witwen und die zweiten Frauen von Vermoegenslosen lassen jetzt schon gruessen. Die korrupte Juxtiz haelt zwar die Scheiderinnen mit gesetzwidrigen oder gesetzwidrig hohen Alimente zurzeit noch bei Laune, Aber gynokratische Verschwendungssucht in Verbindung mit Machtmissbrauch oder Verweigerung produktiver Arbeit lassen nicht nur die Staats- und Sozialkassen, sondern auch die Beutel der Maenner an galoppierenden Schwindsucht leiden.

  3. Sandra sagt:

    Wenn ich das ganze seit gestern lese wird mir ganz sturm. Warum dürfen wir Müttern die den ganzen “Stress” haben nicht selber entscheiden? Warum kannst du nicht warum geht es du musst halt und so weiter. Ich habe drei Kinder und konnte alle drei stillen. Ich genoss die Zeit und ich stillte damals auch in der Öffentlichkeit. Sei es im Zug, oder in einem Restaurant oder… Auch vor mehr als 20 Jahren war dies ein Thema und auch damals bekam ich schräge Blicke und wurde abschätzig behandelt.
    An alle Mütter und die es werden: Entscheidet selber was für Euch stimmt. Lasst Euch nach der Geburt und den ersten Tagen der Unsicherheit nicht fertig machen. Den alles muss sich einpendeln.

  4. Andreas sagt:

    Wir haben zwei Söhne. Der Erste wurde gar nicht gestillt, konnte aber mit 3 (!) Jahren fliessend lesen und ist mittlerweile in der Schule 1 Jahr voraus. Der Zweite wurde 2 Jahre lang gestillt und entwickelt sich ganz “normal” seinem Alter entsprechend.
    Soviel zu den Statistiken… Beide Methoden haben Vor- und Nachteile, warum können nicht alle selbst entscheiden was für sie gut ist ?

  5. Emanzo sagt:

    “Entscheidet selber was für Euch stimmt.”

    Daran sollten sich nicht nur Muetter wieder gewoehnen. Denn abgesehen von den Aerzten, denen der Genfer Eid noch wichtiger ist, als die Voelle der Honorarkasse, entscheiden alle anderen legalen und illegalen Mitspieler im Gesundheitskasino so, dass die Kasse fuer sie stimmt. Wenn nebst Versicherungsjuristen und ihren versicherungs”medizinischen” Moechtegernmengeles sogar der Arbeitgeber bei aerztlichen Entscheiden mitlabern darf, sind wir bald wieder soweit wie in Bautzen, Workuta oder Auschwitz, wo auch der nichtaerztliche Direktor oder Kommandat ueber Kranke und Invalide das letzte Herrscherwort hatten!

    Die Sache selbst ist relativ leicht zu beurteilen. Stillen oder Nichtstillen sowie Kaiserschnitt oder Qualgeburt sind in Ueberflussgesellschaften ghupft wie gsprungen. Bei noch 1,4 Kindern pro Frau macht die Differenz den Braten nicht fett und die Nestelaktionaere muss die Schoepplerin eh selbst maesten.

  6. rapunzel sagt:

    Provokativer ist nur noch das Thema: Mutter unterwegs mit Tragetuch.
    Dann wären wohl alle Themen die Zurzeit bewegen durchgeboggt.

  7. rapunzel sagt:

    Ich meinte natürlich durchgebloggt.

  8. chris sagt:

    Meine 4 Kinder ( heute zwischen 12 und 5) wurden alle gestillt (teils auch länger als zwei Jahre). Heute kann ich sagen, dass kein Hahn mehr danach kräht wie und ob und warum und wieso….. Die Leistungen in der Schule werden nicht daran gemessen und ob sie intelligenter sind als andere bezweifle ich. Daher: klappt das Stillen:wunderbar! Klappt es nicht (oder will frau nicht) auch wunderbar! Who cares in the end?
    Die wirklichen Sorgen und Probleme kommen später…

  9. Klara sagt:

    Vielleicht sind es ja nicht nur die Nährstoffe, die eine Milch ausmachen. Denn es ist eben genau jene Zeit, die die Frauen ins Stillen investieren, die erzieherisch wertvoll ist. Je mehr Zeit einem Kind gewidmet wird, jesto besser ist es erzogen, was einen klaren Vorteil des Stillens darstellt.

  10. Werdende Mutter sagt:

    Ich setze mich für Frauenprojekte in verschiedensten Unternehmen ein und bin werdende Mutter; wenn ich diese Diskussion verfolge, stelle ich fest, wie erschreckend wenig Selbstbewusstsein bei Frauen vorhanden ist, einfach ihren Weg zu gehen und ihre Kinder so aufzuziehen, wie sie es für richtig finden – sei es beim Stillen oder Arbeiten oder eben sich ganz für das Mutter sein zu entscheiden.
    Danke für alle Beiträge in Richtung “entscheidet doch selber” und den Mut, den ihr mir nun gebt, als werdende Mutter schon zu spüren, was für meine kleine werdende Familie richtig ist.

  11. Klaro sagt:

    @Klara: Das ist doch eher ein Gegenargument: Beim Schöppelen (mit Schoppenpulver oder Muttermilch) verbringt man ähnlich viel Zeit mit dem Baby wie beim Stillen.

  12. Ralf Deutschmeister sagt:

    Die erwähnte Studie wurde vom Tagi leider völlig falsch interpretiert. Sie legt lediglich nahe, dass Stillen keinen Effekt auf die Intelligenz des Kindes hat. Frühere Studien haben vernachlässigt, dass intelligentere Mütter mehr stillen und dadurch eine Scheinkorrelation fälschlicherweise kausal interpretiert. Die Autoren weisen ausdrücklich darauf hin, dass ihre Arbeit die heutige Lehrmeinung, dass Stillen die “beste Ernährungsmöglichkeit für gesundes Wachstum und Entwicklung von Säuglinge darstellt”, nicht in Frage stellt.

  13. Rolf sagt:

    Mütter wollen in x Studien nur das verstehen was sie wollen. Nicht zum wohle des Kindes, sondern um ihren Egotrip gegenüber sich selbst und der Gesellschaft zu rechtfertigen. Ich möchte betonen, dass Gott sei gedankt, eine Minderheit von Frauen sind, die ich-bezogen dieses Thema als ein Menschenrecht hochstilisieren. Schlimm ist nur, dass ihr eigenes Kind für ihre Profilierungsneurosen herhalten muss.

  14. Rahel sagt:

    @ Rolf

    Wie bitte……… ;-)

  15. Andrea Mordasini sagt:

    Ich verstehe die ganzen Stilldiskussionen nicht! Meine beiden Kinder wurden ca. 3 Monate gestillt. Beim ersten ging die Milch stressbedingt zurück. Beim zweiten hatte ich zuwenig und zuwenig nahrhafte. Gerne hätte ich noch ein wenig weiter gestillt, es ging halt leider nicht länger. Ja, Stillen ist auch für mich natürlich und in der Regel auch das Beste und das Gesündeste fürs Baby. Aber nur solange sich die Mutter dementsprechend gesund und ausgewogen ernährt und möglichst auf Alkohol, Kaffee, Nikotin und blähende Speisen verzichtet. Es gibt aber auch Frauen, die aus irgendwelchen Gründen nicht stillen können oder wollen. Am schlimmsten müssen die gehässigen und bösen Kommentare für Mütter sein, die leider nicht stillen können, es aber gerne würden und schon weiss Gott was alles dafür unternommen haben. Lasst die Mütter doch selber entscheiden, was für sie und ihr Kind das Beste ist – ohne Druck und Zwang! Ob sie nun stillen, wie lange sie stillen oder ob sie die Kinder von Anfang an mit dem Fläschchen ernähren – darauf kommts nicht an. Hauptsache, die Kinder erfahren viel Liebe, Wärme, Zuneigung und Geborgenheit – das ist das Allerwichtigste! Vergesst das bitte nicht – danke :-)

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