Leben


Michèle Binswanger am Donnerstag den 8. Dezember 2011

Warum fragt niemand die Kinder?

Manchmal gehts um mehr als ums richtige Glace: US-Präsident Barack Obama mit seinen Töchtern Sasha (l.) und Malia. (Bild: Keystone)

Manchmal gehts um mehr als ums richtige Glace: US-Präsident Barack Obama mit seinen Töchtern Sasha (l.) und Malia 2009 im Yellowstone-Nationalpark. (Bild: Keystone)

Manchmal ist so ein Blog schreiben fast wie Politik machen, dachte ich neulich. Man sagt manchmal A, auch wenn man weiss, dass B zutrifft. Ich sass mit einer befreundeten Autorin bei der Vorbereitung für eine Podiumsdiskussion über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Wir sprachen über mögliche Gesprächsthemen und Diskussionspartner, wägten ab, ob wir eher eine Kontroverse oder ein gemütliches Miteinander anstreben sollten, als die Organisatorin bemerkte: «Bei den Vereinbarkeits-Diskussionen kommt das konservative Lager ja dann immer auf die Frage, was eigentlich die Kinder zu dem Ganzen denken. Diese Diskussion würde ich zu vermeiden versuchen.»

«Das ist ein anderes Thema», beeilte ich mich beizupflichten, «das fangen wir gar nicht erst an», schüttelte die Kollegin den Kopf. Erst als wir später bei einem Glas Weisswein sassen, bemerkte sie leicht verschwörerisch: «Weisst du, manchmal denke ich, wenn man die Kinder wirklich fragen würde, fänden sie es vielleicht tatsächlich nicht so toll, dass ihre Mütter arbeiten.»

«Ist das so?», fragte ich mich. Und sind wir schlechte Mütter, wenn wir nicht die Kinder fragen, welches Modell ihnen am liebsten ist, sondern ganz egoistisch entscheiden? Leben wir ein autoritäres anstatt ein demokratisches Familienmodell und vor allem: Würden unsere Kinder glücklicher und erfolgreicher, wenn wir sie vermehrt in solche Entscheidungen mit einbeziehen würden?

Nun, es gibt eine kleine Schwierigkeit im Konzept, die Kinder nach ihren Vorlieben in Bezug auf die Arbeitstätigkeit der Eltern zu befragen. Zunächst würden sie ja wahrscheinlich bäääh, bäääh, oder gagagaaa, antworten und das ist höllisch schwierig zu interpretieren. Wenn sie dann einmal gelernt haben, sich auszudrücken, würden sie mich ohne weiteres an den Herd zurück beordern. Ich erinnere mich gut daran, dass ich als Sechsjährige auch nicht sonderlich erfreut war, als meine Mutter wieder ins Arbeitsleben einstieg. Hätte man mich damals gefragt, hätte ich ohne zu zögern ins konservative Horn geblasen. Nur einige Jahre später hätte ich mir wohl gewünscht, dass meine Mutter noch etwas mehr arbeiten und damit weniger Gelegenheit haben würde, das Chaos in meinem Zimmer zu rügen. Heute bin ich die denkbar stolzeste Tochter und meiner Mutter dankbar, dass sie mir ein für ihre Zeit progressives Muttermodell vorlebte.

Würde ich meine Kinder heute fragen, ob ich weniger arbeiten und mehr zu Hause sein sollte, würden sie zweifellos «Ja!» brüllen – ungeachtet der Tatsache, dass ich momentan von zu Hause aus arbeite und also viel da bin. Und dass auch ihr Vater sich drei Tage die Woche um sie kümmert. Dennoch hätten sie nichts dagegen, wenn wir noch mehr da wären. Sie würden aber auch jeden Tag Pommes Frites mit Mayo essen, wenn ich sie danach fragen würde, und mich als ihre externe Festplatte benutzen, wenn es darum geht, mit ihnen zu spielen oder ihre Termine zu organisieren. Das ist schon deshalb nicht sinnvoll, weil ich eine äusserst unzuverlässige Festplatte und darüber hinaus überzeugt bin, dass sie lernen müssen, ihre eigene Hardware zu benutzen. Beinhaltet Erziehung nicht im Wesentlichen, den Kindern vorzuschreiben, was sie zu tun haben, weil sie eben nicht das grosse Ganze sehen, sondern immer nur ihre momentanen und singulären Bedürfnisse? Und warum sollten sie gerade in dem Bereich, mit dem sie am allerwenigsten zu tun haben, nämlich der Organisation von Finanzen und Betreuung, mitreden dürfen?

Ich finde Demokratie eine gute Erfindung und würde sie unter allen Umständen verteidigen. Aber ich glaube nicht an die demokratische Familie. Demokratie verlangt mündige Bürger, und um zu einem solchen zu werden, braucht es eine gewisse Führung von Seiten der Eltern. Ich bin absolut dafür, dass man die Kinder nach ihrer Ansichten fragt, wenn sie reif genug sind, eine Situation auch beurteilen zu können. Wenn ich jetzt mit meiner Tochter darüber rede, wünscht sie sich zwar, noch mehr von ihren Eltern zu haben. Sie räumt aber auch ein, dass sie im Vergleich mit Schulkameradinnen aus Familien mit klassischem Modell mehr von beiden Eltern hat – auch wenn beide arbeiten. Und dann beginnt sie mich meistens über meinen Beruf auszufragen und ich erkenne in ihren Augen nicht nur Interesse, sondern auch leisen Stolz. Wenn das nächste Mal also jemand sagt: «Warum fragt niemand die Kinder?», dann werde ich antworten: «Aber gern. Fragen Sie meine Tochter in 15 Jahren.»

240 Kommentare zu „Warum fragt niemand die Kinder?“

  1. Katharina sagt:

    Eigentlich kann das Ganze auch als Analogie zum Demokratie-Verständnis gelesen werden:

    “Ich finde Demokratie eine gute Erfindung und würde sie unter allen Umständen verteidigen. … Demokratie verlangt mündige Bürger, und um zu einem solchen zu werden, braucht es eine gewisse Führung”

    Und das Agendasetting, bzw. der Versuch die Diskussion durch Manipulation zu kontrollieren -
    «Bei den Vereinbarkeits-Diskussionen kommt das konservative Lager ja dann immer auf die Frage, was eigentlich die Kinder zu dem Ganzen denken. Diese Diskussion würde ich zu vermeiden versuchen.» -
    zeigt dann eben die Arroganz der Medien, einen Anspruch auf diese Kontrolle zu haben. Hat sie nämlich nicht.

    • Hotel Papa sagt:

      “Die Medien” als Gesamtes, nein.

      Ein Medium mit einer gewissen Ausrichtung: Warum zum Teufel nicht?

    • Katharina sagt:

      Wenn die Biodiversität in den Medien garantiert wäre, könnte das nicht Zulassen von Fragen und Fragestellern, was im Beispiel ja die Manipulation ist, akzeptiert werden.

      Wir leben aber in einer Medienwelt, wo dem nicht so ist, und die Faktenbasis durch Auslassen bzw. manipulierter Kontextualisierung eine bestimmte erwünschte Wahrnehmung erzeugt.

    • Katharina sagt:

      Es geht aber auch um den Begriff mündiger Bürger und damit um direkte oder repräsentative Demokratie – um mal das nur innerhalb demokratischer Staatsformen zu betrachten.

      Die Amerikaner haben eine weitgehend repräsentative Form gewählt, nicht nur deswegen, weil vor 235 Jahren eine direkte Demokratie Kontinent-weit praktisch schwer durchführbar war (Distanzen, Reisezeiten, keine Telekom zum Übermitteln der Resultate), sondern auch aus einem elitären Ansatz – in der Angst, das ungebildete Fussvolk zuzulassen.

      Meine Meinung ist, dass der Wunsch der regierenden ist, Entscheidungsprozesse immer mehr von der Basis fernzuhalten. Global gesehen ist es schon heute so, dass die wesentlichen Entscheidungen nicht mehr durch demokratische Prozesse getroffen werden, sondern durch Expertengremien in supranationalen Organisationen. In dem Sinn empfinde ich das, was als Demokratie inszeniert wird, eben nur noch das ist: Eine Inszenierung zwecks Ruhigstellung breiter Bevölkerungskreise, die meinen, tatsächlich mitgewirkt zu haben.

      Vergessen Sie auch nicht, dass von den 100 mächtigsten Organisationen des Planeten 51 internationale Konzerne sind und nur 49 Staaten. Davon nicht alle demokratisch.

      • tststs sagt:

        Mmhhh “Wir leben aber in einer Medienwelt, wo dem nicht so ist, und die Faktenbasis durch Auslassen bzw. manipulierter Kontextualisierung eine bestimmte erwünschte Wahrnehmung erzeugt.” Mmmhhh… für so eine böseböse CH-Medienwelt dürfen Se hier aber ziemlich frei kritiesieren…
        Hmmm….
        :-)

      • Katharina sagt:

        Sie reden von der Beschneidung der Meinungsäusserung , ich von der Bereitstellung und Vermittlung medialer Inhalte, vor allem im News Bereich.

      • Katharina sagt:

        dazu noch ein interessantes Interview mit Prof. Kurt Imhof in der neuesten Ausgabe von Swiss Review:

        http://www.revue.ch/medien-en

      • tststs sagt:

        Natürlich müssen News “beschnitten” werden, das nennt sich Nachrichtenselektion und Agenda-setting ist nur eine Form davon. Apropos: “Party newspapers are about political opinion; they do not focus primarily on sales.” Ja richtig, früher ging es nicht darum den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen, sondern ihre Meinung zu beeinflussen. Agenda-Setting in Reinkultur.
        Und übrigens: Prof. Imhof ist Soziologe und nicht Medienwissenschaftler…
        Wo ich beipflichten könnte ist der Tatsache, dass immer mehr Stuss verbreitet wird. Aber das ist reine Korrelation mit dem zunehmenden Angebot… Ergo gibt es übrigens auch immer mehr sehenswertes…

      • Muttis Liebling sagt:

        Katharina, vor knapp 100 Jahren hat ein gewisser Leonid Trotzki den Begriff Superimperialismus geprägt und damit gemeint, das Wirtschaftstrukturen global wirkend Staaten ausser Kraft setzen. Gestern hat S&P den Euro-Staaten gesagt, wo es lang geht. Muss man noch mehr wissen?
        Das Demokratie- Modell war eine hübsche Sache, dem absolutistischen Feudalismus ein Ende zu bereiten. Heute taugt es zu nichts mehr.Heute hat der demokratisch gewählte schweizerische Ständerat wieder einmal Patientenrechte an die Krankenkassen verscherbelt und morgen verscherbelt er Bürgerrechte an die USA. Demokratie?

      • Katharina sagt:

        dann nennen sie mir eine faire alternative zur Demokratie, ML. ich kenne keine. Was heisst, dass wir zu dezentraleren Strukturen zurück müssen.

      • tststs sagt:

        äh sorry, ist Demokratie nicht das dezentralste System? Indem die Macht nämlich auf das Volk, also so weit wie möglich, verteilt wird…

      • Muttis Liebling sagt:

        Natürlich müssen wir zu dezentralen Strukturen hin, nicht zurück. In der Politik, in der Wirtschaft und da z.B. in der Energieversorgung. Demokratie ist ein Dorf- kein Stadtsystem. Im Dorf ist Demokratie gut, in der Stadt und im Staat schadet sie. Das ist trivial, wird aber nicht gemacht und nicht gewollt. Nur hat eine dezentrale Politik einer zentralen Wirtschaft nichts entgegenzusetzen, was wir ja gerade sehen.
        Insofern braucht Politik auch ein zentrales Element, als Herrschaft nur über andere zentrale Strukturen, wie der Wirtschaft, nicht das Volk. Das ist etwas komplizierter, aber geht.

      • StefanB sagt:

        Ach ML, Standard & Poors hat das gesagt? Sind das nicht die gleichen, die 2008 noch drei Tage vor der Pleite Lehmann Brothers ein AAA ins Buch geschrieben hatten? Glaubt denen denn noch jemand etwas???

      • StefanB sagt:

        @Katharina: wenn von den 100 mächtigsten Organisationen 51 Konzerne und 49 Staaten (nicht notwendigerweise demokratisch legitimierte) sind, wo sind da die Supranationalen Organisationen, deren Expertengremien ja soviel Macht besitzen sollen?

      • Katharina sagt:

        Tststs: “Und übrigens: Prof. Imhof ist Soziologe und nicht Medienwissenschaftler…” weiss jetzt nicht was das als Argument zu Ihrer Disqualifikation des Interviews, bzw. der Forschungstätigkeit von Imhof beitragen soll.

        jedenfalls steht zum Interview folgendes im Artikel:
        „Kurt Imhof, geboren 1956, hat Geschichte, Soziologie und Philosophie studiert und ist heute Professor, für Publizistikwissenschaft und Soziologie. Seit 1997 leitet er den «Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög)» an der Universität Zürich. Er hat zahlreiche Bücher publiziert. Soeben erschienen ist «Die Krise der Öffentlichkeit – Kommunikation und Medien als Faktoren des sozialen Wandels» (Campus, 2011) sowie das zweite Jahrbuch «Qualität der Medien» (Schwabe, 2011). Das Jahrbuch ist auch im Internet zugänglich: http://www.qualitaet-der-medien.ch. Finanziert wird es durch die «Stiftung Öffentlichkeit und Gesellschaft». “

        Warum müssen News beschnitten werden? Das muss nur so sein, solange es einen Gatekeeper braucht, bei Printmedien vor allem aus Platzgründen.
        Aber: durch Internet und TV-Kanälen im dreistelligen numerischen Bereich reduziert sich zum Glück die Rolle der Gatekeeper und stattdessen theoretisch die Vielfalt von News.

        Es geht nicht nur um die Selektion bzw. die Entscheidung eines Gatekeepers, was relevant zu sein habe, sondern es geht vielmehr um die Aufbereitung und da eben um die Manipulation von Kontext und Fakten. Bei Fakten oft die Unterlassung, beim Kontext die Reihenfolge und Konnotation zu anderen Inhalten, was in den TV-Medien am offensichtlichsten sichtbar ist.
        Manipulation ist zb auch hier manchmal sichtbar, wenn Titel des Artikels und der technische Name (siehe Adressleiste im Browser) verglichen wird, oder noch klarer beim Teaser auf der Hauptseite.

        Eine Parteizeitung ist nicht Agenda Setting im Sinne der gleichnamigen Theorie. Eine Partei Zeitung ist in dem Modell Agenda Reflexion im Sinne, dass die Meinung der Partei zu schon bestehenden Themen öffentlichen Interesses formuliert wird. solange auf der Zeitung drauf steht welcher Partei Sprachrohr sie ist, ist das ok.

        Agenda Setting ist aber das umgekehrte, eben durch Art und Weise der Aufbereitung und Selektion das öffentliche Interesse zu erzeugen, oft mit der Absicht, von den wirklich wichtigen Ereignissen abzulenken.

      • Katharina sagt:

        StefanB: Als Antwort eine Gegenfrage: wer ernennt die Experten in die Gremien?

        oder als Beispiel (zwar aus dem staatlichen Bereich): Wer ernennt die Entscheider in Zulassungsbehörden? Was die hiesige FDA (Medikamenten-Zulassungsbehörde) betrifft, wird schon lange eine Entflechtung der finanziellen Interessen dieser Entscheider in der Pharma gefordert.

        In dem Sinn muss ich folgendes umformulieren:

        “Global gesehen ist es schon heute so, dass die wesentlichen Entscheidungen nicht mehr durch demokratische Prozesse getroffen werden, sondern durch Expertengremien in supranationalen Organisationen”

        in

        Global gesehen ist es schon heute so, dass die wesentlichen Entscheidungen nicht mehr durch demokratische Prozesse getroffen werden, sondern entweder über Expertengremien in supranationalen Organisationen oder innerhalb der nicht öffentlich kontrollierten internationalen Konzerne selbst, bzw. untereinander, soweit supranationale Organisationen nicht regulative sind. In beiden Situationen bleibt die Kontrolle aber in den Händen der Konzerne.

      • tststs sagt:

        Wie kommen Sie jetzt darauf, dass ich das Interview oder gar Prof. Imhof disqualifizieren will?! Es geht mir nur darum, dass Prof. Imhof (oder, wenn Sie so wollen, sein Wisschaftszweig) nur einen Bereich der wissenschaftlichen Medienforschung abdeckt und somit einen bestimmten Blickwinkel auf die Inhalte hat. Der Statistiker zB hat einen etwas anderen Blick…
        Übrigens haben Sie mich zuerst ziemlich beeindruckt! Bei “Agenda Setting ist aber das umgekehrte, eben durch Art und Weise der Aufbereitung und Selektion das öffentliche Interesse zu erzeugen” wurde ich stutzig, denn es geht in allerster Linie um das „setten“ von „Agenden“, also um das Setzen der relevanten Themen, die Frage der Art und Weise der Aufbereitung (also der individuellen ausgestalteten Beiträge) ist damit noch nicht bestimmt…
        Und bei „oft mit der Absicht, von den wirklich wichtigen Ereignissen abzulenken.“ musste ich mich verabschieden… Die geheime Verschwörerbande vom Leutschenbach?!? Wohl eher nicht…

      • Katharina sagt:

        tsts: “äh sorry, ist Demokratie nicht das dezentralste System” ja und nein. sie könnten sich vorstellen das Europa eine zentrale Regierung hat und alle Europa Bürger stimmen direkt diese Regierung ins Amt und über Initiativen und Referenda. dazwischen gäbe es keine organisatorischen Untereinheiten. das wäre zwar eine direkte Demokratie, aber dennoch zentralistisch, weil das hinterste und letzte über die zentralen Regierung entschieden wird.

        das andere ‘extrem’ ist das Schweizerische, wo Entscheidungen lokaler getroffen werden, in organisatorischen Untereinheiten (Kanton, Bezirk, Gemeinde). diese Dezentralisation, bzw eben nach dem Subsidiaritätsprinzip nur dasjenige in die Kompetenz übergeordneter Organisationseinheiten, was dort effizienter verwaltet werden kann und wo Stimmbürger solcher Delegation auch zugestimmt haben, ist weitaus flexibler und stellt auch ein überleben einer demokratischen Ordnung sicher, wenn übergeordnete Organisationseinheiten nicht mehr funktionsfähig sind.

        das sollte auch MLs Punkt beantworten betreffend zentrales Element. solange die Kompetenzen dieses Elementes nach dem Subsidiaritätsprinzip demokratisch an dieses delegiert wurden.

      • StefanB sagt:

        OK, Katharina, nun sind wir an einem Punkt, der diesen Blog sprengt. Nur soviel: um als Experte zu gelten, muss man auf dem Feld ja arbeiten. Dabei kann ich entweder als Behördenmitglied/Beamter oder in der “freien Wirtschaft” arbeiten. Dabei ist es so, dass in der Wirtschaft mehr Arbeitsplätze und somit mehr Menschen zur Auswahl stehen..

        Aber Ich gehe mit Ihnen einig, dass ein Interessenkonflikt besteht (”Man beisst nicht die Hand, die einen füttert”) Umso wichtiger ist es, die internationale Zusammenarbeit auch auf Verbraucher- und Arbeiterschutz auszudehnen.

      • tststs sagt:

        Dann verstehen wir uns ja, aber wieso finden Sie, “dass wir zu dezentraleren Strukturen zurück müssen.” Wir sind ja schon längst da…

      • tststs sagt:

        Mmhh StefanB, interssanter Punkt: “um als Experte zu gelten, muss man auf dem Feld ja arbeiten.”
        Dann würde ich sagen, gibt es zwei “Expertentümer”: das praktische Expertentum und das theoretische.

      • Katharina sagt:

        tsts: sie sehen das, was ich schreibe zu sehr aus einer schweizerischen Sicht. was ich über Manipulation schrieb, ist in den US Medien gut sichtbar. Wenn ich etwa deutsche und amerikanische Berichterstattung vergleiche, auch sehr deutlich in der deutschen. Aber sie sprechen die SRG an und damit ein Staatsmonopol im mächtigsten Medium, dem TV. das ist, was die Schweiz betrifft nicht so tragisch, weil dank Kabel die andere Sicht über ausländische deutschsprachige Sender abgedeckt werden kann. da ich den Sender in den USA nicht empfangen kann (umgekehrt aber DW, SAT1 und Pro7) kann ich nicht viel dazu sagen. Frage: wer wird an die Diskussionssendungen eingeladen und wer nicht? wer entscheidet den Fragenkatalog? – Um den Bogen etwas zurück zum Artikel hier zu spannen.

        Ich meine das ganze auch nicht so, dass ich jenen Medienschaffenden alle Kompetenz und Redlichkeit abspreche, denn auch diese sind in diese Mechanismen eingezwungen. Mir geht es um ein Bewusstsein dafür, welche eminent wichtige Rolle Medien in einer Demokratie haben und mein Eindruck ist, dass diese Rolle von mächtigen Leuten, die ausserhalb demokratischer Entscheidungsprozesse bleiben möchten, im Hintergrund besetzt wird.

        Aber lesen sie sich vielleicht über die Agenda Setting Theorie schlau. ich habe den Eindruck, sie sind sich über den Ausdruck Agenda Setting jenseits des Umgangssprachlichen nicht klar.

      • tststs sagt:

        Nun gut, ich glaube nicht, dass ich ein bei einem Blog einer CH-Zeitung, etwas “zu schweizerisch” sehen kann… Um bei Ihren Fragen zu bleiben: Frage: “wer wird an die Diskussionssendungen eingeladen und wer nicht? wer entscheidet den Fragenkatalog?” Viel interessanter ist doch die Frage, mit welcher Intention handeln diese Personen. Und da mag sich die Schweiz vllt von Amerika unterscheiden. Aber es gibt in allen Ländern seriöse Medienschaffende. Es ist also auch Frage, welche Auswahl der Rezipient trifft…
        Und zu Agenda-Setting: Sie werden mir zustimmen müssen, dass es dabei um die Frage der Themen geht und nicht primär die Frage, wer zu welchem Thema eingeladen wird! Es geht zB darum, dass das Thema „Atomstrom“ vermehrt auftaucht, und nicht darum, wer welche Meinung zum Thema vertritt… in diesem Fall wäre auch ziemlich schnell klar, wer das Thema auf den Tisch gebracht hat: die Natur!
        Und ähm hüstelhüstel, ist zwar schon lange her, aber ich kenne das IPMZ von Innen und ich glaube sogar mich daran zu erinnern, dass Imhof anno dazumal eine Gastvorlesung abhielt…

      • alien sagt:

        tststs, Katharina ist tuttologin, Expertin für alles und jedes, und wage es bloss nicht, das in Frage zu stellen, denn Katharina ist uns bekanntlich qua Amerikanerin weit überlegen.

  2. Pippi Langstrumpf sagt:

    Meine Kinder konnten immer zu allem ihre Meinung äussern, ich erklärte meinen Standpunkt, manchmal stimmten wir überein, manchmal nicht. Der letzte Entscheid liegt immer bei den Erwachsenen, aber meine Entscheidungen wären öfters anders ausgefallen, wenn meine Kinder nicht ihre Meinung dazu gesagt hätten. Ich finde das selbstverständlich, diese Vernehmlassung. Allerdings beklagten sie sich auf öfters über meine Sturheit, vor allem dann, wenn wir keinen Konsens hatten. Das muss frau aushalten, auch Mama kann nicht immer nur die Liebe sein.

    • tststs sagt:

      Dem kann ich nur zustimmen! Ich durfte jederzeit zuhause Kritik (positive oder negative) anbringen, wusste aber auch, dass die endgültige Entscheidungsgewalt bei meiner Mutter lag (und mit zunehmendem Alter gingen Schritt für Schritt an mich überTeile von dieser Entscheidungsgewalt und somit -verantwortung).
      Und jaaaa, die Sturheit. Als Kind erschien es mir natürlich vööööllig willkürlich, welche Dinge mir meiner Mutter erlaubt und welche nicht… heute versteh ichs… bei mir hätte es auch nur Cola und Pizza vor dem Fernseher gegeben :-)

    • Muttis Liebling sagt:

      Hübsch, daraus kann man 10 Folgen Telenovela konstruieren.

    • StefanB sagt:

      Hm, Pippi: Wie war das jetzt? Szene A: PL sagt: “Kinder, ich will X!” Kinder: “nein, wir wollen lieber Y!” PL: “Ich will aber X, und hier geschieht, was ich sage!”
      Szene B: PL: “Kinder, wir brauchen was neues, sollen wir X oder Y?” Kinder: “Wir wollen Y!” PL: “X hat aber viele Vorteile gegenüber Y. Zum Beispiel (zählt auf)” Kinder: “Aber Y ist cooler!” PL: “Nein, X ist besser, und ich finde, wir nehmen X! Danke für Eure Meinungen.”

      • tststs sagt:

        Also StefanB, ich würde sagen, dieser Beitrag sagt – unfreiwillig – mehr über den Tonfall bei Ihnen zu Hause aus, als was Sie Pippi unterstellen….

      • Pippi Langstrumpf sagt:

        Ich finde, tsts hat recht, Stefan. So zackig ging das nicht, wenn es es um wichtige Sachen ging. Einmal zum Beispiel in den Ferien in Holland, mein Sohn, damals 8, bekam ein neues Velo. Es war ein stundenlanges Hin und Her, zuletzt entschied ich, es passte ihm nicht, weil das Velo Rücktritt hatte – das haben fast alle in Holland – dann sagte ich (das war mein grosser Fehler), “freu dich doch, es hat so eine schöne Farbe, meerblau.” Das muss ich heute noch hören, wie stur ich damals gewesen sei und dann noch die bekloppte Begründung mit dem meerblau. Es war ein ideales Preis/Leistungsverhältnis

      • StefanB sagt:

        tststs: Eigentlich ist es ja eine Frage, ob es wie Szene A oder eher wie in Szene B ablief/abläuft.

        Die Hauptfrage ist nämlich, wann wir die Kinder fragen: Dann, wenn wir selbst noch unschlüssig sind und selbst noch nicht entschieden haben, oder dann, wenn wir – zumindest im Grunde – bereits unsere Wahl getroffen haben und quasi die Reaktion der Kinder vorsondieren möchten. Oder wir fragen die Kinder manipulativ (siehe unten).

  3. StefanB sagt:

    Tja, man kann auch Kinder durch Fragen manipulieren:
    Eltern: “Wollen wir zu den Grosseltern fahren?” – K: “Nein, Teletubbies schauen!” E: “Nein, wir fahren zu den Grosseltern!” K: “Teletubbies!” E: “Nein, Du kommst jetz mit!” K “wähäähäää! Tele wähhätubbieswääähhääää!”
    ODER:
    Eltern: “Komm, wir fahren zu den Grosseltern! Willst Du den roten oder den grünen Pullover anziehen?” K: “Roter Pullover!” E: “Dann zieh ihn an, wir fahren bald”

    • Pippi Langstrumpf sagt:

      Ich weiss was du meinst, nur fragen, damit man gefragt hat und sich nicht als Despotin fühlt, geht natürlich nicht. Aber oft geht es schon drum, die verschiedenen Wünsche anzubringen und dann zu schauen, wo man sich findet, Abstriche müssen oft beide Seiten machen.

      Noch was zum Essen: Neill schreibt irgendwo in seinem Buch über Summerhill, dass ALLE Kinder irgendwann zu vernünftiger Nahrung gefunden haben, von sich aus, auch wenn sie die ersten Wochen dort nur Süsses assen. Ich finde Summerhill nach wie vor eine tolle Schule, die das Gegenteil von regellos ist. Eine Schule FÜR die Kinder.

      • Pippi Langstrumpf sagt:

        Wenn ich noch mal ein Kind hätte, würde ich schon bei seiner Geburt einen Platz in Summerhill reservieren, damit es dorthin gehen kann mit 10 oder so, falls es möchte. Ich hatte mal einen e-mail Austausch mit Zoé, Neills Tochter, weil ich einen Platz für meinen Sohn wollte, aber Neuaufnahmen sind nur bis 12 möglich (er war damals 13 einhalb), ausser wenn sie noch freie Plätze hätten. Ich bin nach wie vor begeistert von diesem Konzept

        http://www.summerhillschool.co.uk/

      • Laura TI sagt:

        Ich frage die Grossen, ob sie Lust hätten, mit mir irgendwo hin zu gehen und sage dann auch gleich, dass ich keine Lust hätte und siehe da, sie haben auch keine Lust und ich eine gute Ausrede.
        Im Ernst, ich finde schon, dass man alle Kinder in Entscheidungsfindungen einbringen muss. Eine Familie funktioniert doch nur, wenn sich alle ernst genommen fühlen, ich inklusive. Den Entscheid für die drei Pflegekinder, den haben alle zusammen gefällt und der wird jetzt auch zusammen getragen. Ich hätte es nicht gemacht, wenn meine Kinder da grosse Bedenken gehabt hätten, das wäre nicht gut gegangen.

  4. Hotel Papa sagt:

    Was mich die Wände hochtreiben kann:

    Zuzuhören, wenn Eltern mit ihren (kleinen) Kindern “auf Augenhöhe” diskutieren.

    Nicht auf Augenhöhe der Kinder, nein.

    Höchstintellektuelle Diskussionen und Befragungen über das für und wider von diesem und jenem. Geführt in der Sprache und der Begrifflichkeit von Erwachsenen. Auf Augenhöhe der Eltern. Mit entsprechend viel Luft unter den Füssen der Kinder.

    Kinder sind Kinder. Für gewisse Entscheidungen sollen sie sich einfach auf uns verlassen können.

    • tststs sagt:

      Absolut! Und Sie gehen bestimmt mit mir einig, wenn ich sage, dass diese Entscheidungsgewalt sukzessive von den Eltern zu den Kindern übergeht, resp. die Kinder in mehr Entscheidungen miteinbezogen werden.

  5. heidi reiff sagt:

    Horror finde ich, wenn Kinder benutzt und manipuliert wenn Eltern Zoff haben so ist Schizophrenie bereits vorprogrammiert, ich kenne diese Muster aus persönlicher Erfahrung. Ich war ein ziemlich wildes Kind. Spass hat immer gemacht nach einem Regen so in eine Lache zu gumpen, meine Mutter hat mich x-mal im Tag umgezogen, diesem Prozedere war ich hilflos ausgeliefert. Das Wichtigste war einfach, was andere Leute denken. Zum Ausgehen musste ich immer so ein blödes rotes Röckchen tragen und ein rotes Hütchen. Auf normale Fragen bekam ich immer die Antwort – bisch e Wundernase, meine Rettung waren

  6. heidi reiff sagt:

    wissende Zeugen, Menschen vermutlich mit em Härz uf em richtige PLATZ, ich mein jetzt nit die anotomischi Pumpi 2 cm stationiert unter der Brust, logisch bei Angstsituationen schlägt das anatomische Herz schneller.
    Fazit, begleiten wir einfach Kinder kindgerecht, diese Typologiebücher über Kinder , im Alter 2 z.B. Laufen, im Alter 4 z.B. Sprechen, kommt glaub ich aus der Siegmund Freud Ecke. Kinder und Narren sagen die Wahrheit, einfach eine Binsenwahrheit. Die Aussage von Altphilosoph Sokrates ist, – wir haben die Wahrheit gesucht wir haben sie nicht gefunden, morgen reden wir weiter….

  7. paula sagt:

    sind wir schlechte Mütter, wenn wir nicht die Kinder fragen – Nein ich denke nicht! Weil ich davon ausgehe, dass all es was wir tun in der Absicht, es zum Wohle der Kinder zu tun, unser Ziel ist oder sein sollte. Das es sich dann im Nachhinein als falsch herausstellt, ist leider ebenso oft eine Tatsache. Eine Tatsache, die uns/mir leider erst viel zu spät klar wurde, oder besser gesagt klar gemacht wurde. Heute, nach über 40 Jahren und mit dem jetztigen Wissen, würde ich vieles anders machen. Was ich getan habe war gut gemeint, aber falsch angekommen und dafür muss ich jetzt büssen

  8. heidi reiff sagt:

    Hab einfach das Szenario aus Sokrates Kindheit im Wiki nachgeschaut, diese Mutter von Sokrates, eine hochgradige XANTIPPE.

    Ich bin immer auf der Seite der Kinder, mein inneres persönliches Kind sagt jetzt entspann dich mal im Bett, das erlaube ich mir endlich ohne SCHLECHTES GEWISSEN.

    • Marcel Zufferey sagt:

      Xanthippe, Heidi, ich muss doch sehr bitten ;-)

    • alien sagt:

      Xanthippe war die Ehefrau Sokrates’. In der Wikipedia nachschlagen reicht nicht, man muss auch lesen dort.

      • heidi reiff sagt:

        Ich mach mich einfach bei Biographien über das Wiki schlau, bin extrem empfindlich auf Bilder, das Bild im Wiki zeigt einfach eine Frau, die den Nachttopf über einen Kopf eines Mannes ausgiesst, im Wiki, ich habe viel gelesen, war eine Leseratte, also Vorsicht zur Zeit bin ich eine Cyberratte, in der Mitte meines einfachen Büchergestells sind die Bibeln von Alice Miller. Ich habe viel von meinen Kindern gelernt, ich habe meine Kinder antiautoritär sozialisiert, meine persönliche Betrachtungsweise ist heute anders als früher. Ich hab meine Tochter immer gefragt, was sie essen möchte……

  9. Grossätti sagt:

    Hätte ich meinen Enkel (3 1/2) gefragt, ob er Salat und Gemüse essen wolle, so hätte er – wie alle Kinder – “Nein” gesagt. Ich habe ihm gesagt, dass das stark mache. Jetzt will er immer möglichst viele “Kraftblätter” essen und danach sehen, ob er jetzt soviel Kraft wie sein Grossätti habe.
    Oder im Supermarkt: ich sage ihm, was wir posten müssen und er kauft ein – und zwar nichts anderes als was auf der liste steht.
    Ich habe nie die geringste Konfrontation mit ihm, und trotzdem gehorcht er sonst niemandem so wie mir. Ein Bisschen denken beim Lenken!

  10. heidi reiff sagt:

    Der Vorwurf meiner Mutter war immer mit bösem Blick ” Du verwöhnst dein Kind “. Kinder haben ein Recht, Fragen zu stellen – es gibt keine dummen Fragen – leider oft noch DUMME ANTWORTEN. Ist das eine Antwort für ein Kind bei jeder Frage “BISCH E WUNDERNASE”, so hab ich das persönlich erfahren von meiner Mutter, ja ja die Arme wusste es ja nicht besser, wenn es meiner Mutter schlecht ging hat sie das negativ auf uns Kinder übertragen total unreflektiert und brutal mit Aussagen – du bringsch mi no ins Grab – ich habe einiges dazugelernt in meinem LEBEN, WENN ihr nicht werdet wie die Kids, Kinder

  11. heidi reiff sagt:

    haben das Recht, Fragen zu stellen, das Normalste der Welt, ich bin keine Lehrerin, ich kann einfach nicht autoritär sein, bin trotzdem keine Base-Jump-Omi, das Fliegen macht mir einfach keinen Spass, ist vielleicht eher eine Männerdomäne, jedem und jeder das Seine oder nicht, ich erlebe im Hier und Jetzt das Paradies auf Erden, warte nicht auf Godot.

Kommentieren

Verbleibende Anzahl Zeichen:

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.