
Frau im Glück: Michelle Pfeiffer als Single-Mutter in «One Fine Day», 1996.
Seit ich den Mamablog schreibe, werde ich oft von Frauen und Müttern angeschrieben und angesprochen. So ging es mir vor ein paar Wochen, als mir eine Frau ihre Bewunderung für meine Arbeit und meine Familiensituation aussprach. Sie sei alleinerziehend und lese mit ihren Freundinnen regelmässig den Mamablog. «Vor allem bewundere ich, wie Sie neben der Berufstätigkeit und den Kinder es schaffen, auch noch eine Beziehung zu pflegen», meinte sie. Ich war erstaunt. «Als Alleinerziehende hat man es aber auch nicht ganz einfach», warf ich ein. Aber sie zuckte mit den Schultern. «Ich arbeite und meine Mutter hilft mir bei der Kinderbetreuung. Mit dieser Lösung bin ich viel glücklicher als früher», sagte sie.
Ich war kurz konsterniert. Dann begann ich zu recherchieren. Und entdeckte dabei eine neue Gattung von Frauen, die hinter dem Sichtschutz aus Klischees der armutsgefährdeten und bemitleidenswerten Alleinerziehenden fröhlich gedeiht: die Gruppe der glücklichen Single-Mütter.
Die Zahl der Alleinerziehenden nimmt in der Schweiz stetig zu. Im Jahr 1970 verzeichnete das Bundesamt für Statistik rund 106′258 sogenannte Einelternhaushalte, 1990 waren es 145′108, heute sind es bereits 182′000. Dies entspricht einer Zunahme von rund 70 Prozent. Von den Einelternhaushalten sind 89 Prozent Mütterfamilien. Gemäss dem Schweizerischen Verband alleinerziehender Mütter und Väter sind drei Viertel dieser Mütter erwerbstätig, da die Unterhaltszahlungen, wenn sie überhaupt geleistet werden, in den meisten Fällen nicht ausreichen. Entgegen des gängigen Klischees gehören diese Mütter zur Bevölkerungsgruppe mit der höchsten Arbeitsbelastung, sie wenden rund 67 Stunden pro Woche auf für Erwerbs-, Haus- und Familienarbeit.
Alleinerziehende Mütter werden normalerweise entweder mit Armut und Unglück assoziiert, mit Sozialhilfe und Dahinvegetieren am Existenzminimum. Oder aber sie werden als egoistische Schlampen dargestellt, die die Scheidungsväter finanziell ausnehmen. Die Wahrheit ist aber, wie meistens, einiges komplizierter. Tatsächlich gibt es immer mehr auch finanziell gut situierte Single-Mütter, die ihre Finanzen nach der Trennung regeln können und als Einelternfamilie gut über die Runden kommen. Und mit diesem Modell zufriedener denn je sind.
Bleibt noch der soziale Faktor. Die meisten Single-Mütter berichten von subtiler sozialer Stigmatisierung. Alleinerziehende fallen schnell aus dem sozialen Beziehungsnetz. «Paare empfinden uns oft als Bedrohung, und so wird man plötzlich nicht mehr eingeladen», erzählen viele Single-Mütter. Viele möchten auch wieder eine Beziehung eingehen, schränken aber ein, dass sie in erster Linie einen Partner für ihre romantischen Bedürfnisse suchen, die Kindererziehung aber nicht mehr teilen möchten. Zwar können sie sich vorstellen, sich in neue soziale Formen einzugliedern, etwas WGs mit anderen Single-Müttern zu gründen. Doch vom klassischen Konzept Familie mit Vater, Mutter und Kind wollen sie nichts mehr wissen.
Oft werden die steigenden Scheidungsraten der Emanzipation angelastet. Und tatsächlich hat die steigende Erwerbsquote dazu geführt, dass die Ehe für Frauen heute optionaler geworden ist, als je zuvor. Frauen sind heute vielleicht nicht per se unzufriedener in einer Beziehung, aber im Gegensatz zu früher sind sie nicht mehr gezwungen, ihre Unzufriedenheit hinzunehmen. Sie stellen höhere Ansprüche an eine Partnerschaft und vor allem haben sie die Möglichkeit, die Kinderfrage unabhängig von ihren romantischen Bedürfnissen zu regeln. Die sozialen Konsequenzen dieser Entwicklung sind revolutionär: Die Familie als Keimzelle der Gesellschaft wird bald ausgedient haben und durch die Single-Mutter ersetzt werden.
Als Verlierer gelten allgemein die Männer, die sich zu Bezahlvätern degradiert sehen und aus Angst davor lieber ganz auf Familie verzichten. Werden die Männer in der Familie also bald gänzlich ausgedient haben und nur noch als Samenspender fungieren? Das muss nicht sein. Wie die Familienhistorikerin Stephanie Coontz in ihrer umfangreichen Studie «Marriage – a history» festhält, ist die Entwicklung nämlich nicht allein der weiblichen Emanzipation anzulasten, sondern hat vor allem damit zu tun, dass eine entsprechende männliche Emanzipation ausgeblieben ist. Während die Frauen das Erwerbsleben eroberten, unterliessen es die Väter lange Zeit, ein analoges Engagement in der Familie zu zeigen. Dies vor allem auch, weil von den Mäner nach wie vor verlangt wird, dass sie sich fulltime für die Karriere engagieren müssen, wenn sie es zu etwas bringen wollen. Mit der Folge, dass die Frauen im Falle einer Scheidung selbstverständlich die Kinder für sich beanspruchen.
Dass unser ökonomisches, politisches und soziales System immer noch auf die klassische Familie mit ihrer traditionellen Arbeitsteilung ausgerichtet ist führt also ironischerweise dazu, dass die klassische Familie ausstirbt. Aber es gibt auch Hoffnung. Denn Coontz hat festgestellt, dass Paare mit einem neuen Rollenmodell, bei denen sich beide die Aufgaben teilen, ein geringeres Scheidungsrisiko haben, als Paare mit klassischer Rollenteilung. Wollen wir also die Familie retten, brauchen wir nicht weniger Emanzipation, sondern mehr.



Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und ist Mutter einer Tochter. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich und ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
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isch scho unglaublich, wie mer sich de mischt cha irede vo glückliche single müettere.
suppose that die müettere schaffet und chönted ihre läbesunterhalt tatsächlich vollständig zahle. suppose that sie chönted glichzitig ihres chind ohni staatlichi mittel für chinderchrippe, krankekasse etc. erzieh. also, suppose that sie wäred tatsächlich total (finanziell) unabhängig. da wett ich denn gseh, wär da no glücklich isch und nöd am abig im zimmerli am hüüle isch.
scho guet, dass da anderi für oies unvermöge für e beziehig zumene guete maa zahle müend. ich find das zum ko…
jetzt aber bitte nöd gäge ch-manne motze. dezue e frag id rundi. kännt öpper e statistik, wieviel % vode ch-manne e usländerin als frau händ, resp. wieviel ch-fraue en usländer als maa händ. han sgfühl, dass das sehr unterschiedlich usgseht (e vermuetig). dur globalisierig isch de beziehigsmärt grösser worde. han sgfühl, dass de ch-maa eigentli im vgl. zum usland rel. nett und attraktiv isch. umgekehrt han ich ehner sgfühl, dass ch-manne lieber im usland gönd ga sueche. zb. dütschland, die fraue sind minerserachte unkomplizierter, cooler und stellet nöd meh asprüch, als sie selber erfüllet…
Bravo Ralf! Viele herzliche Dank für Din Kommentar. Ich wott würkli nööd all Fraue in gliiche Topf wärfe, aber tatsächlich isch das so, dass au ich das immer und immer wieder feststelle muess, dass die usländische Fraue sehr gschmeidig druff sind. Wie Du RICHTIG gseit häsch… “…und stellet nöd meh asprüch, als sie selber erfüllet…”.