Ein Papablog von Rinaldo Dieziger.

Ein Kind von Welt kann nicht früh genug anfangen, Fremdsprachen zu lernen: Ein Mädchen an einer Tea Party.
Der frühe Vogel fängt den Wurm, heisst es. Deshalb müssen unsere Vögelchen und Würmli möglichst früh Französisch lernen. Und Englisch. Und Mandarin, Hindu oder Frühtürkisch. Klingt wie Frühstück für die Kleinen. Machen die locker neben Algebra und dem anderen Abrakadabra.
Wann oder wo fangen wir an? Am besten bei null. Am besten mit einer zweiten Muttersprache. Che bella cosa! Natürlich erst im Nachhinein bin ich ein wenig neidisch auf die Secondos in unserer Sekundarschule. Die meisten haben zu Hause Italienisch gesprochen und sind in der Schule, vor allem an den Aufsätzen, gescheitert. Aber sie sind zweisprachig aufgewachsen und haben heute neben Rot und Weiss auch Grün im Herz.
Früher hat man sich dafür geschämt. Meine Grossmutter trug einen italienischen Namen und einen italienischen Pass. Nur sprechen konnte sie kein Wort. Ihre Eltern wollten, dass sie es einmal besser hat, ihr Chuchichäschtli sauber hält. Auch ich will, dass es meine Tochter einmal besser hat. Und wenn meine Frau Italienerin ist, ist es meine Tochter auch: «Che buona la banana!». So siehts heute aus. Chuchischäschtli hin oder her. Für die Aufsätze bin ich zuständig.
Aber ich kann gut reden. Ich habe ja nur ein Kind. Ein zweites Kind verändert alles, sagen alle. Auch die Kommunikation. Weil die Kinder reden auch miteinander. Was tun, wenn die eigenen Kinder untereinander nicht mehr in ihrer Mutter- oder Vatersprache sprechen? Ist es okay, wenn Kinder von Schweizer Eltern, wie in Winterthur offenbar geschehen, miteinander türkisch sprechen? Wenn sie mit dem Fahrrad statt dem Velo in den Kindergarten fahren? Wenn sie sich nach der Schule mit Französisch, Englisch, Latein und Italienisch-Freifach sich nichts sehnlicher wünschen als einen Sprachaufenthalt?
Fremdsprachen machen Spass! Und ganz schön was her. «Hey, little pumpkin!», hörte ich es kürzlich aus der Küche rufen. Wir waren eingeladen. Kindergeburtstag. Zürich, UBS, London, New York – Hey, little pumpkin. Wen wunderts. Mich. Ja, mich. Weit und breit weder Engländer, Amerikaner, Australier, Schotten noch Iren in Sicht. Junge Schweizer Eltern sprechen mit ihrem Kind Englisch. Wow. Die wollen sicher bald auswandern. Oder haben nicht alle Tassen im Chuchichäschtli.
Rinaldo Dieziger (36) ist Gründer und Geschäftsführer von Supertext, der ersten Textagentur im Internet. Er ist dieses Jahr Papa einer Tochter geworden und lebt mit seiner Familie in der Stadt Zürich.



Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und ist Mutter einer Tochter. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich und ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
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Die Ähnlichkeiten mit der Sprachsituation vor dem Ersten Weltkrieg ist frappant. Damals wurde in den “besseren” Bürgerfamilien, zudem vor allem in den grossen Städten, Hochdeutsch mit den Kindern gesprochen. Damit sollte gezeigt werden, dass man sich vom dummen, einfachen Bauernvolk vom Land unterscheidet, dass man kulturell und wirtschaftlich der Oberschicht angehört. Dieses Bedürfnis, sich sprachlich von den unteren Schichten klar zu distanzieren, ist so alt wie die Menscheit selbst. Dieser “Kulturstreit” wird sich in den nächsten Jahren sicher noch verstärken in der Schweiz.
Lenore Arnberg hat sich zu Beginn der 80er für uns unter Anderem mit dem Thema “artificial bilingualism” auseinandergesetzt (”The effects of bilingualism on development during early childhood”; 1981) und zeigt auf, dass es nicht per se darauf ankommt, ob die Eltern die Sprache weitergeben, die sie als eigene Muttersprache wahrnehmen; entscheidende Faktoren sind wie gut die Sprache beherrscht wird und wie gut die Eltern im Vermitteln derselben sind. “The quality of outcome is tied to the quality of Input”. Der little pumpkin wird zweisprachig werden und das ist gut so.
Es seit denn, die Eltern des Kürbisses sprechen so grauenhaftes Englisch wie eine (entfernte) Bekannte von mir, die Mehrbesser sein will. Ich glaube nicht, dass das den Kinderchen irgendetwas nützt – und dann nützt auch die sauteure zweisprachige Privatschule (mer häts ja) nichts!
Ich sehe da einige eher negative Kommentare dazu, das die Kinder so früh schon so viele Sprachen lernen “müssen” und das die armen Kleinen überfordert sind etc.
Ich, als 18-Jährige Schülerin/Lernende, sage dazu nur “Hafechäs”! Ich bin sooo froh darum, mehrere Sprachen zu können.
Ich bin 2-sprachig aufgewachsen, in der 2. Klasse bin ich in einen Englisch-Frühkurs gegangen (den mochte ich sogar lieber als den Reitunterricht), und dann noch Französich und Italienisch in der Schule.
Zuhause spreche ich 3 Sprachen, die Muttersprachen meiner Eltern und Englisch, ihre Kennenlern-Sprache.
Im Büro wird französich und Deutsch gesprochen, teilweise auch Italienisch und natürlich auch Englisch.
Und ich habe mich nie überfordert gefühlt… Auch wenn ich mit gleichaltrigen oder jüngeren Kollegen spreche, sehen die das auch so.
Tatsache ist, die Arbeitgeber wollen belastbare und Sprachbegabte Leute. Also werden wir das. Und nein, ich jammere nicht darüber, ich kenne es nicht anders.
Früh mit Fremsprachen beginnen hat nichts mit hippen und coolen Eltern zu tun, sondern das sind Eltern ,die erkennen, dass es nur ein Vorteil ist, in der Schule bereits Vorkentnisse zu haben.
Glaube ich nicht – es kommt so stark aufs Kind und auf das Alter des Kindes drauf an – es gibt Kinder, die mit drei Sprachen (z.B. französischsprachige Mutter, englischsprachiger Vater und kommt in der Deutschschweiz in den Kindergarten) zunächst mal mit Verweigerung reagieren.
grundsätzlich ist ja nichts gegen mehrsprachigkeit einzuwenden. es hat nur vorteile mehrere sprachen zu beherrschen.
es gibt aber gewisse grundregeln, die wir befolgen sollten.
sprachen sollen nur die vermitteln, die diese auch kennen und vorallem können.
bei verschiedenen muttersprachen in der familie ist es legitim diese zu erlernen.
wichtig ist, dass den kindern kein druck bei den frühsprachen aufgezwungen wird.
vor all den fremdsprachen ist jedoch die deutsche/dialäkt sprache die wichtigste.
verbietet all unseren kindern den balkan-släng!!!!
Ich suche auch noch eine gratis Werbeplatform……
Und wenn ich endlich König der Schweiz bin verordne ich meinem Volk obligatorische pränatale Englischkurse!
EIGENTLICH HABE ICH ZWEISPRACHIGE MITSCHUELER IMMER BENEIDET. DASS SIE GRATIS EINE SPRACHE LERNEN. WAEHREND ANDERE SIE MUEHSAM ERARBEITEN MUESSEN. MEINE KINDER SIND ZWEISPRACHIG AUFGEWACHSEN. DEUTSCH UND HEBRAEISCH. IMMER DER GLEICHE ELTERNTEIL HAT DIE GLEICHE SPRACHE MIT DEM KIND GESPROCHEN. MEIN SOHN HAT DANK SEINEN DEUTSCHKENNTNISSSEN EINE GUTE STELLE BEKOMMEN. NUR WIRKT ES KUENSTLICH UND HAT KEINEN EFFEKT. WENN DIE SPRACHE GEKUENSTELT MANGELHAFT GESPROCHEN WIRD. FINDE AUCH DIE KINDER SOLLEN KIND SEIN UND DAS LEBEN IST LANG GENUG UM IMMER ZU LERNEN. AUCH OHNE ZEITDRUCK.