Leben


Nicole Althaus am Donnerstag den 30. April 2009

«Mit em Elleboge müemer hueschte!»

"Germy Wormy": Prävention aus den USA

«Germy Wormy»: Prävention aus den USA

Als meine Kinder Babys waren,  habe ich weder  dreimal wöchentlich den Nuggi ausgekocht noch ständig eine Wickelunterlage mitgeschleppt, um Töchterchens Hintern keimfrei sauber zu machen. Eine Handvoll Sand im Mund, war meine Devise, stärkt das Immunsystem. Und seit die Kleine im Kindergarten ist, läuft sie mit der Grossen über einen Kilometer in die Schule und zurück. Ich zähle mich nicht zu den überbesorgten Müttern, aber  gestern klapperte ich eine Hand voll städtischer Apotheken ab, auf der Suche nach einer Packung Mundschutz in Kindergrösse.  So viel mütterliche Sorge finde ich angebracht, wenn der Kantonsarzt im Fernsehen zum Kauf von Masken rät.
Offenbar kann man das auch anders sehen: In der ersten Apotheke guckte mich die Dame hinter dem Tresen an, als hätte ich Sie um Tamiflu für unsere Katze gebeten.  «Sie brauchen keine Schutzmaske hier», belehrte sie mich höflich aber dezidiert. «Machen Sie sich nicht zu viele Sorgen und ausserdem gibts die auch nur in einer Grösse. Und die ist ausverkauft.» Die zweite Apothekerin schickte mich mit meinem Anliegen in die Migros. Die hätten noch genügend auf Lager, habe sie gehört und wer weiss, vielleicht sogar welche für Kinder. Ja, wer weiss schon, was der Migros-Metzger weiss! In der dritten Apotheke, die ich in der Stadt aufsuchte, hatte man immerhin noch eine angebrochene Packung auf dem Tresen stehen. Und die Dame dahinter war so freundlich, im Computer nachzuschauen, ob die Masken in verschiedenen Grössen lieferbar seien. Der Computer sagte nein und so demonstrierte sie mir, wie sich der Schutz falten und im Notfall verkleinern liesse. In der letzten Apotheke schliesslich erfuhr ich, dass man den Mundschutz in Kindergrösse bestellen konnte.

Nach der Apothekentour fuhr ich  – nun wirklich besorgt – nach Hause. Bin ich tatsächlich zur Panikmama mutiert? Darf man als Mutter von Apotheken keine klare und einheitliche Antwort in Sachen Prävention für Kinder erwarten? Im Zug traf ich einen Lehrer, der in der Nachbarschaft wohnt. Er gestand, dass er sich heute ebenfalls gefragt habe, ob für die Schule genügend Kindermasken bereit stünden. Und dass er sich auch schon Gedanken gemacht habe, wie er im Ernstfall seiner Klasse erklären soll, warum er nicht mehr jedem einzelnen die Hand zur Begrüssung schüttle. So viel pädagogische Überlegung in Sachen Schweinegrippe finde ich angebracht, nachdem in New York Schulen geschlossen und desinfiziert worden sind und gestern das erste Kleinkind in Amerika am Virus gestorben ist.

Kinder sind nämlich unschlagbare Keimeverbreiter. Die einfachsten hygienischen Massnahmen sind für den Nachwuchs höchst schwierig einzuhalten: Einem Zweijährigen kann man nicht erklären, dass es momentan gesünder ist,  nicht jeden Gegenstand in der Krippe in den Mund zu nehmen. Kein Kind mit vier wäscht sich unermahnt die Hände mit Seife. Wenn es Jahre dauert, einem Sprössling beizubringen, sich die Hände beim Niessen vor den Mund zu halten, wie soll man ihm im Notfall per sofort dazu bringen, sich nicht mit den Fingern in den Augen zu reiben? Wie den Kindern erklären, dass sie besser Distanz wahren, wenn doch das Köpfe-Zusammenstecken in ihrer Natur liegt?

Das alles habe ich mir auf dem Heimweg bange überlegt. «Habt ihr die Hände mit Seife gewaschen?» , fragte ich die Mädchen, kaum hatte ich die Haustür geöffnet.  Die Grosse verdrehte  präventiv die Augen und sagte: «Und jetzt du au no.» Die Kleine meinte: «Ja Mami, und jetzt müemer all mit em Ellboge hueschte, händs im Hort gseit.» Schwein gehabt, ich bin offenbar nicht allein besorgt!

32 Kommentare zu „«Mit em Elleboge müemer hueschte!»“

  1. Nicolas sagt:

    Ich denke, wenn man sich solche Masken kaufen will, ist das sicherlich keine schlechte Idee. Aber die Gründe, welche in diesem Artikel genannt werden, sind nicht unbedingt Richtig? Das kleine Kind starb an einer Lungenentzündung, was bei einem klein Kind auch imit einer normalen Gripper passieren kann. Die Masken zu kaufen, dass wenn irgendwan irgenetwas Gefährliches passiert man vorbereitet ist, aber sicher nicht für die Schweinegrippe.

  2. rainman sagt:

    Das Problem liegt doch da:
    Masken zuhause zu haben ist sicher grundsätzlich nicht falsch. Dass aber jetzt offen dazu aufgerufen wird sie sich anzuschaffen, ohne vorher abzusichern, ob überhaupt genügend davon lieferbar sind, dass hat schon was von Pamikmache. Wie fühlen sich denn da Eltern, die, von der Natur so angelegt, eher überbesorgt sind, wenn sie feststellen, dass es für sie im Moment keine Masken gibt. Ohne Not ( und die ist im Moment noch keineswegs da) solche Aufrufe zu staren halte ich für verantwortungslos.
    Die Firma Roche ruft übrigens, noch viel verantwortungsloser, ihre Mitarbeiter auf sich vorbeugend ein Tamiflu Rezept von ihrem Arzt zu holen. Für die Mitarbeiter wäre dann eine Sonderration da. Genau das ist es, was diesen bisher eher harmlosen Virus unter Umständen doch noch gefährlich machen könnte. Ohne Gefahr wird wild Tamiflu geschluckt und auch wieder an die Umwelt ausgeschieden. Die Chancen, dass der nächste Virus oder auch schon eine veränderte Form des jetzigen dann gegen dieses Medikament resistent wird und dadurch ersnthaft gefährlich ist, steigt sehr.

    Meine Mutmassung was diesen Virus betrifft ist die:
    Viele Leute werden grosse Ängste ausstehen müssen.
    Bei manchen wird sich das zu einer Phobie vor Ansteckungskrankheiten auswachsen.
    Es wird einen neuen Schub für die Hygienefanatiker geben.
    Die Schweiz wird ca. 1000 Menschen mehr mit Waschzwang haben.
    Die Firma Roche wird als eine der wenigen in diesem jahr ein sattes Wachstum haben und dadurch durchaus auch diese Region fördern. Und damit ist auch schon ein Motiv zu nennen, warum die BAZ nicht gerade beschwichtigend wirkt. Einen kleinen Gefallen wird man dem Wirtschaftsriesen der Heimat ja auch mal tun können.

  3. better2know sagt:

    Das Tragen von Masken ist nur im Zusammenhang mit den übrigen empfohlenen Hygienemassnahmen sinnvoll und wirksam. Da Kinder diese nicht bzw. nur teilweise nachvollziehen und einhalten können, wird für sie das Tragen von Hygienemasken nicht empfohlen, insbesondere sind sie für Säuglinge und Kleinkinder nicht geeignet. Im Pandemiefall wird zum Schutz der Kinder empfohlen, sie nach Möglichkeit zu Hause zu behalten.

  4. Maja sagt:

    Schutzmasken sollten vielleicht einfach zur normalen Ausstattung der Hausapotheke gehören. Ein banaler Schnupfen kann auch hoch ansteckend sein. Masken würden sicher auch da einen Nutzen bringen, wenn sie von betroffenen getragen würden. Würde sich sicher auch bei den Gesundheitskosten niederschlagen. Dass sie sich Sorgen machen um ihre Kinder
    kann ich gut nachvollziehen. Vorsicht ist die Mutter der Porzelankiste.

  5. soso sagt:

    Hallo fand den Komentar richtig gut. Man versucht immer die krisensichere, total entspannte Mutter zu miemen, aber die frage “was ist wenn…” stellt sich doch immer irgendwann. Und das ist auch gut so, denn Führsorge ist ein wichtiger Bestandteil einer gesunden Mutter-Kind Beziehung. Mein Sohn ist eins und sich zu fragen, wie ich ihn, im Ernstfall, dazu kriege sich eine Maske anzuziehen, wo doch schon der Sonnenhut ein Problem darstellt ist wohl normal. Sich zu informieren und sich auch zu überlegen wie man im Ernstfall handeln sollte, hat nichts mit Panik zu tun sondern zeigt, dass der Mutter-Instinkt intakt ist.

  6. Dany sagt:

    Hallo, der Bericht war sehr sympathisch. Ich denke auch, dass einige Masken + antibakterielles Gel + Wegwerfhandschuhe vor allem nach den aktuellen Ereignissen zur Hausapotheke gehören sollten. Auch wenn es momentan nich “allzugefährlich” aussieht, ist es eine gute Vorsorgemassnahme. Wir wohnen in einem der betroffendsten Staaten von Mexiko; San Luis Potosí un als die Behörden gemeldet haben, dass man in der Öffentlichkeit eine Schutzmaske tragen soll, waren nach wenigen Stunden leider ALLE ausverkauft in der ganzen Stadt und unterdessen IM GANZEN LAND. Am nächsten Tag war dann auch das antibakterielle Gel aus und nach 2 Tagen die Handschuhe…aber es heisst ja weiterhin es sei alles unter Kontrolle… hoffen wir mal das sei so. Drück der Welt die Daumen!!

  7. roland greber sagt:

    Und die Gesichtsmaske holt s’Mami mit em Auto vo dr Apotheke. Das das die Totesursache Nr. 1 für Kinder in der Schweiz ist, ist wurscht. Hauptsache Tamiflu und Maske!

  8. Reto sagt:

    Die Schweinegrippe ist nichts als ein Hype unserer Medien und unserer Behörden. Und schlimm für Menschen, die an der Angststörung “Mikrophobie” leiden.
    Überlegt doch: Menschen leben seit tausend oder mehr Jahren auf engem Raum mit ihren Nutztieren zusammen. Glaubt ihr tatsächlich, die Übertragung von Viren vom Tier auf den Menschen sei da eine Ausnahmeerscheinung unserer Zeit? Das ist ein völlig alltäglicher Vorgang, den es immer schon gegeben hat.
    Was heute aber anders ist als früher, ist die Fähigkeit, eine solche Übertragung aufzudecken. Es ist heute, wie wenn man eine vermeintlich saubere Tischoberfläche mit dem Mikroskop betrachtet – es wimmelt von Mikroorganismen. Trotzdem ist der Tisch für uns “sauber” und wir sterben nicht, wenn wir uns daran setzen, das ist ein Fakt, den nur psychisch Leidende bestreiten.
    Es ist ein Wahn unserer Bürokraten zu glauben, man könne ein Virus wie ein Grippevirus an der Ausbreitung hindern. Dazu müsste man ja jeglichen Kontakt untereinander vermeiden. Verlassen wir uns lieber auf unser Immunsystem: es wurde über tausende von Jahren perfektioniert, solche alltäglichen Virenangriffe abzuwehren. That’s life!
    Ich werde also ganz sicher keine Atemmaske kaufen und das Geld für Tamiflu in ein Schweinesteak investieren! Und noch etwas: Mikrophobie kann man behandeln… :-)
    P.S.: Nachdem sich jetzt allmählich abzeichnet, dass die Schweinegrippe doch nicht das tödliche Horrorszenario aus dem Film Outbreak ist, wird flugs umdisponiert: jetzt mahnen unsere Bürokraten halt nicht mehr vor der Lebensgefahr sondern vor “ernsten Konsequenzen für die Volkswirtschaften”. Und damit wären dann wir auf der Stufe jeder mittleren Grippewelle angekommen.

  9. Reto sagt:

    Habe noch etwas zum Nachdenken an alle, die sich jetzt wie wild Tamiflu kaufen: Warum sind wir eigentlich so sicher, dass Tamiflu wirklich gegen die Schweinegrippe hilft? Die Firma Roche hat Tamiflu vor einigen Jahren zur Bekämpfung der Influenza A entwickelt. Nur dafür liegen bisher Studien zur Wirksamkeit vor. Schweinegrippe ist aber NICHT Influenza A. Man hofft also einfach, dass Tamiflu auch hier etwas nütze. Ja nach Glaubensrichtung kann man es getrost auch mit Beten versuchen.

  10. Anne sagt:

    Hat ganz schön Angst gemacht, dieses Virus.Die WHO informierte ,sprach vom Ernst der Lage und denen glaube ich auch.Die WHO würde sich sicher nicht in den Dienst irgendwelcher Pharmariesen einspannen lassen.
    Uns hilft es, wenn wir uns mit unseren 10- jährigen Kind, dass das alles auch mitkiegt, überlegen, was wir tun könnten, wenn das Virus käme. Mit dem Velo in den Wald gehen,an einem einsamen Plätzchen Würste braten, mit einer Schutzmaske neue Würstchen einkaufen gehen, uns immer die Hände waschen usw., einfach damit wir uns nicht so ohnmächtig fühlen und im Vertauen darauf, dass der Pandemieplan in der Schweiz auch funktioniert.www.bag.admin.ch)

  11. Sylvia Liatowitsch sagt:

    Stillen heisst für das Neugeborene, im eigenen Rhythmus und verbunden mit der Mutter, die ihm als erste Wiege bekannt ist, Nahrung zum eigenen Wohlbefinden zu “erarbeiten”, was dem ganzen Wesen, dem ganzen Körper und schliesslich der Hirnaktivierung unwiderbringlich gut tut! So ist das.

  12. kipkoech sagt:

    Die Schutzmaske macht nach meiner Meinung nur für kranke Personen einen Sinn – dann werden die Ereger in die Maske gehustet und fliegen weniger herum. Die Ansteckungswege für Gesunde sind dagegen vielfältig, da schützt die Maske nur zu einem minimalen Teil. Die Epidemie wird sich auch mit Masken kaum verhindern lassen – allerdings würde den Apotheken, Verteilern ein Geschäft entgehen, wenn man nicht zum Maskenkauf raten würde ……

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