Leben


Michèle Binswanger am Freitag den 17. April 2009

Strategien gegen die Sex-Flaute im Elternschlafzimmer

mrmrssmith-2

Im Film ist alles viel einfacher: Angelina Jolie und Brad Pitt in «Mr. & Mrs. Smith».

Haben Sie noch Sex – oder schon Kinder? So fragten wir jüngst auf diesem Blog. Das grosse Echo legte den Verdacht nahe, dass in vielen Elternschlafzimmern sexueller Notstand herrscht. Hier deshalb einige Tipps, um das zu ändern.

1. Setzen Sie sich nicht unter Druck. Kinder sind anstrengend und bedeuten eine grosse Umstellung. Neun Monate beherbergt die Frau im Körper einen Untermieter, der von Eigentumsrechten noch nie was gehört hat und erst mal alles für seine Zwecke umbaut, inklusive Geschlechtsteile. Und wenn er dann endlich auszieht, will er monatelang verköstigt werden. Aber vergessen Sie nicht: Er ist bloss Untermieter, und der Ausnahmezustand dauert nicht ewig.

2. Jetzt lautet die Zielvorgabe: Rückeroberung des Erwachsenenterrains. Zunächst räumlich: Vergessen Sie Windelkram und Schoppenflasche. Schmeissen Sie Kinderspielsachen aus dem Elternschlafzimmer und besorgen Sie sich eigenes Spielzeug. Und zwar das, was immer Ihr Herz begehrt.

3. Das wissen Sie vor lauter Babystress gar nicht mehr? Dann müssen Sie das Terrain sondieren. Sprechen Sie über Sex. Zunächst über das Wie, Wann und Wo, denn diesbezüglich sind Eltern stark eingeschränkt, und oft scheitert die Lust am Timing. Haben Sie die Rahmenbedingungen abgesteckt, können Sie sich den inhaltlichen Fragen zuwenden.

4. Hier gilt: der Aufschwung beginnt im Kopf. Vielleicht denken Sie, die Gewöhnung an den Partner habe die Aufregung für immer aus ihrem Sexleben wegradiert? Machen Sie aus der Not eine Tugend. Langjährige Partnerschaften schaffen Vertrauen – sprechen Sie über Fantasien. Auch die Geheimsten. Sie werden feststellen, dass auch Menschen, die man sehr gut kennt, vielschichtiger sind, als man glaubt.

5. Stehen Sie zu sich selbst. Und lassen Sie dem anderen die Möglichkeit, zu sich zu stehen.

6. Überraschen Sie sich selbst. Probieren Sie Dinge aus, auch wenn Sie sich komisch dabei vorkommen. Glauben Sie niemals, es gebe nichts mehr zu entdecken. Sie wissen ja: Im Krieg und in der Liebe ist alles möglich. Warum also sollte es im Elternschlafzimmer, wo beides daheim ist, anders sein.

119 Kommentare zu „Strategien gegen die Sex-Flaute im Elternschlafzimmer“

  1. Jeannette sagt:

    Warum nicht einen Abend pro Woche oder pro 14-Tage fuer ein Date zu zweit reservieren, ausgehen, sich vergnuegen ohne Kind/er? Kann auch mal eine Nacht im Hotel sein. Ein Babysitter ist eine gute Investition um sich nicht zu verlieren.

  2. Hans Meiser sagt:

    Auch ich lebe mehr oder weniger in sexueller Abstinenz seit Geburt der 2 Kinder. Wieso Männer darunter leiden? Weil damit nicht nur das Bedürfnis nach Sexualität gestört wird, sondern noch viele weitere Grundbedürfnisse. Die wichtigsten sind:
    - Wunsch nach Kontrolle: Früher oder später merkt der Mann, dass er die Sexualität der Frau nicht kontrollieren kann
    - Luststeigerung / Unlustvermeidung: Frustrationen sind ganz klar nicht lustig!
    - Steigerung des Selbstwertes: Männer, die eine Frau haben, diese jedoch sexuell nicht zugänglich ist, verunsichert die Rolle des Mannes und dessen Selbstwert!
    - Wunsch nach Bindung: Sexualität ist nicht einfach Trieb. Die symbolische Bedeutung und die dahinter stehende Bindung ist auch für vermeindliche Triebmänner von Bedeutung

    Das waren nur die wichtigsten. Bin selber Psychologe, Zauberlösungen habe ich bis jetzt keine gefunden, diskutieren brachte bisher ausser eher schwierigen Gesprächen. Verzweiflung herrscht…

  3. Michael Graf sagt:

    Diese Passage ist mir besonders aufgefallen, denken wirklich die Durchschnittsfrauen so? “Tja und für alle Männer die sich sexhungrige Ehefrauen wünschen, die nebenbei die Kinder aufziehen und den Haushalt schmeissen – träumt weiter! Und diejenigen die ihre Frauen betrügen, sind schwach und feige! Sie riskieren die ganze Familie zu zerstören, nur weil sie ihre Triebe nicht im Griff haben. Wollt Ihr das Euren Kindern wirklich antun?!” Dafür gibts es zuerst mal ??? oder noch besser: “Mein Mann hat auch oft das Gefühl, dass wir zuweinig Sex haben (ca. 1 – 2x/Monat)”. Also ich als Mann denke, es könnte durchaus drinnliegen, Kinder aufzuziehen, den Haushalt zu machen und dennoch mehr als 1-2 mal pro Monat Sex zu haben. Wenn der Mann dann fremd gehen sollte und das ist bloss ne Frage der Zeit, dann ist das auch nicht schwach oder feige sondern einfach nur logisch. Was für eine Frau super sein mag (1-2x pro Monat), das dürfte für den Durchschnittsmann ca. 4-5 mal zu wenig und das hat jetzt mit Trieben nicht in den Griff zu bekommen rein gar nichts zu tun. Diese Diskrepanz mag für die Frau ok sein, auch wenn der Mann leidet, dafür geht der dann halt wieder auf die freie Wildbahn, Triebe sind nicht zum Unterdrücken da, das Wort Trieb ist eh deplaziert, kommt doch aus der Tierwelt, oder? Also werdet ein wenig lockerer und vorallem nicht immer eindimensional denken, im besten Falle sicherlich einen Konsens zu finden bzw. sich einen Partner zu suchen, bei dem diese Thema gar kein Thema ist. Ich hatte da Gottseidank Glück, ich nenne hier auch keine Zahlen, ansonsten würden Weltbilder verrückt, wobei die 1-2x/Monat haben sogar mich erschüttert, das ist doch definitiv weniger normal als wenn jemand zB täglich das Bedürfnis hat, zumindest ion meiner Definitionswelt. Langer Rede kurzer Sinn: es bringt nichts, wenn das gegenseitige Verständnis bei diesem Thema zu weit voneinander liegt, dann klappts nicht, wenn es da ist, dann klappt es umso besser, egal wie, wieviel oder sosntwas.

  4. Rahel sagt:

    @ Michael Graf

    Ob es drinliegt, den Haushalt zu schmeissen, die Kinder zu erziehen und nebenbei noch mehr als 1 -2 mal Sex im Monat zu haben steht hier nicht zur Diskussion! Ich denke, viel wichtiger ist es, dass beide Spass daran haben, die Frau nicht dem Mann zuliebe in die Kiste hüpft. So entsteht nämlich der Automaten-Sex über den Ihr Männer Euch dann eben auch wieder beklagt! Liebe Männer, sprecht doch mit Euren Frauen! Diskutiert zusammen, warum es nicht mehr so klappt wie vor den Kindern und probiert, die Störfaktoren zu beseitigen! Ganz wichtig ist das Verständnis für die veränderten Bedürfnisse der Frau ( ich spreche aus Erfahrung, wir haben zwei Kinder ).

  5. Roland sagt:

    Also ich muß gestehen dass ich jede Beziehung abgebrochen habe in der meine Partnerin, nach längeren Zusammensein, nicht eine ähnliche Lust an regelmäßigem Sex hatte wie ich. Nein, das ist nicht gemein sondern vernünftig wenn man nicht regelmäßig sexuell frustriert sein möchte (das hatte ich schon mal durch). Denn was bringt mir eine Beziehung in der die Frau toll ist ich aber über kurz oder lang fremd gehen würde. Ich bin da sehr nüchtern und realistisch. Diese Aussage gilt natürlich in beide Richtungen. Ich kann hier aber nur für mich sprechen.
    Bitte versteht mich nicht falsch aber 1-2x im Monat wäre für mich bereits mehr als frustrierend. Zumindest auf Dauer.

    Ich habe jedoch das Glück gehabt eine Frau zu finden die meiner Meinung nach zu mir passt und zudem eine “gesunde” Libido hat. Wir haben inzwischen 2 Kinder (mehr ist nicht geplant) und haben regelmäßig Sex. Dabei kommt die Initiative von uns beiden. Also wie früher vor den Kindern.
    Nach dem ersten Kind gab es zwar einen “Durchhänger” aber nachdem wir die praktische Einrichtung -Oma, Opa und vor allem Babysitter- entdeckt haben kam wieder ein gesunder Rhythmus rein. Babysitter sind jeden Ct wert und verschaffen den nötigen Freiraum um etwas Zeit für uns zu haben. Ich meine nicht nur Sex sondern auch mal ausgehen etc.
    Ich bin nämlich der Meinung dass eine Beziehung auf Dauer nicht halten kann wenn man wegen dem Kind diese vergisst. Denn ein Kind kann eine vernachlässigte Partnerschaft auf Dauer nicht zusammenhalten.

  6. Rahel sagt:

    @ Roland

    Wieder so ein schwanzgesteuerter! Gott sei Dank dass der Rhythmus wieder gokommen ist, sonst wäre Deine Frau arm dran!

    • Bob sagt:

      @Rahel

      Ich bin genauso Schwanz-gesteuert wie Roland und andere Männer. Darüber können sich Frauen aufregen, oder dies zu ihrem Vorteil nutzen.

      Umgekehrt sind Frauen Aufmerksamkeits-gesteuert. Schaut der Mann eine andere an, oder erwähnt sie, kommt das grosser Gejammer, oder gar die Depression. Auch hier gilt: Darüber können sich Männer aufregen, oder zu ihrem Vorteil nutzen.

      Und Gott gibt es nicht.

  7. Secutor sagt:

    Nicht immer ist die Frau schuld. Oft hat auch der Mann weniger Lust, wenn seine Frau als Mutter eine neue und wichtigere Funktion erhält. Man darf regelmässigen Sex nicht mit regelmässigem Stuhlgang verwechseln.

  8. Rahel sagt:

    @ Secutor

    Originelle Antwort und absolut zutreffend :-)

  9. dani sagt:

    ich bin eine frau und mir geht es nach dem zweitem kind genauso bald ist es ein jahr

  10. Peter Sch. sagt:

    lockerer angehen! Da klappt es eben einmal – ein ander mal nicht. Kuscheln, Wärme, Geborgenheit: ergibt evtl. gar Sex? Jedenfalls erhält es die Nähe, das “Zusammengehören”-Gefühl. Wenn man das (wie oben) nicht verpasst, weiss man, dass ER und SIE eben zusammengehören! Ja, und das spüren Kinder gewiss! Und das ist die Vozeigefamilie, ohne es sein zu wollen.

  11. Rahel sagt:

    @ Peter Sch.

    Guter Beitrag! Ich persönlich denke auch, dass es sich hier um ein Kopfproblem handelt! Wenn ich mit dem Gedanken ins Bett gehe, dass es Sex geben muss, und es dann eben keinen gibt, bin ich logischerweise enttäuscht. Gehe ich aber ins Bett mit dem Wunsch, die Nähe, Geborgenheit und Liebe meines Partners zu spüren und zu erwidern, bin ich doch schon erfülllt und glücklich, kommt es dann noch zum Finale ist das über Erwarten und wunderschön!

    • lw sagt:

      Verstehe ich sie richtig, dass sie also nie pure lust verspüren, rahel? in diesem falle will man(-n) nämlich wirklich nur puren sex.
      und bevor ich für diese -ich zitiere- “schwanzgesteuerte aussage” verurteilt werde: es gibt auch situationen, in denen man(-n) der frau nahe sein & kuscheln will, ohne dass die frage nach sex auftaucht.

      unter diesem blickwinkel sehe ich die aussage “schwanzgesteuert” beinahe als beleidigung. so, als ob man(-n) abartig wär, wenn man(-n) mal sexlust verspürt…

  12. Jürg sagt:

    Unsere Eheberaterin sagte, dass die durchschnittliche Frau viel weniger Sex braucht als der Mann. Das sei das häufigste Problem in Beratungen heute.

    • t.p. sagt:

      @alle

      Die Diskussion scheint sich immer im selben Kreis zu drehen, Männer gegen Frauen, Frauen gegen Männer.

      Ich denke, dass es wohl normal ist, wenn Frauen nach einer Geburt eine Zeitlang keine Lust auf Sex hat. (hallo, wir quetschen da was ziemlich grosses raus…)
      Ich verstehe auch die Männer, die davon nicht ganz so viel mitbekommen, vorallem nicht körperlich. Sie haben ein immer gleich bleibendes verlangen nach Sex… mehr oder weniger.

      Ich finde Roland’s Beitrag sehr gut. Man sollte sich einen Partner suchen, der es etwa gleich hält mit Sex. Was natürlich keine Garantier ist, dass nach den Kindern der Wunsch nach Sex noch genau so gross ist, aber es wäre ein Ansatz.

      Wir geben uns viel zu Oft mit “unbefriedigenden” Beziehungen zufrieden. Glaubt mir, wenn es am Anfang nicht genug ist, wird es sicher nicht mehr. Also liebe Männer und Frauen, sucht euch den Partner besser aus.
      Wenn ihr keinen Bock auf Mütterchen mit Kindern habt, die Sex nur als Mittel zum Zweck brauchen (um Kinder zu machen oder den Mann “bei der Stange zu halten”), Hende weg! …. Oder geht euch erst die Hörner abstossen.

      Mein Freund ist erst 35, wir haben keine Kinder, und 1-2x pro Monat würden ihn wohl nicht stören, das aber nur weil wir arbeiten und irgendwie einfach immer zu viel zu tun haben. (auch ohne kinder!!)

      Ich glaube grundsätzlich ist dieses Thema eben wichtiger als es von aussen aussieht. Was bringt eine Vorzeigefamilie, wenn hinter den Kulissen so gar nichts mehr stimmt… und wenns nur für einen ist.

      • Bob sagt:

        @ t.p.

        Da ich als Mann nicht zum gebärenden Geschlecht gehöre, kann ich die Probleme der Frauen nicht nachvollziehen. Bei Prozessen wie der Schwangerschaft und dem Rückbau der Körperumformungen braucht es einfach Zeit und Geduld.

        Auch ich plädiere für eine bessere Auswahl der Partner, sofern möglich.

        Ich hoffe, dass die Bettbeziehung zwischen ihnen und ihrem Freund, der etwa in meinem Alter ist, deutlich besser dasteht, als es die Untergrenze der Genügsamkeit. :) Bei jüngeren Leute sollte das die “Tagesleistung” über längere Zeit sein. Oder es sammelt sich alles auf die “Wochenendleistung”. :)

        Sex definiert sich nicht durch Leistung, aber Flaute sollte auch nicht sein, auch wenn beide arbeiten.

  13. Wolf sagt:

    Zu Sexualität und Kindern

    Da Sexualität in der Ehe fast weltweit mit den gleichen Problemen behaftet ist, finde ich die Ratschläge der Kommentare lächerlich !! Martin Luther hat das Problem vor sehr langer Zeit richtig gesehen : Zweimal in der Woche, macht im Jahr hundert -
    und vier, das schadet weder ihr noch mir !! Wer das nicht begreifen will, erkläre mir bitte, die weltweit gleichen Scheidungs -zahlen in den meisten Ländern ?? ( über 60 % ) Wer in christlichen Mustern denken will, muss lernen, dass die Zeit der JOSEPHS – EHE vor 2000 Jahren war !!

  14. Riffraff sagt:

    Tja was soll man(n) machen, wenn die Kinder einen fast auspressen und man auf allen vieren ins Bett kriecht? Ich kann meine Frau vollends verstehen, wenn sie am Abend echt keinen Bock auf Sex hat. Mir gehts da ja ähnlich. Nach der Arbeit kommt man nach Hause und hilft noch den Rest im Haushalt zu erledigenn. Anschliessend noch auf Touren zu kommen ist dann eher selten. Bei meiner Frau ist es auch so, dass sie in der Mittagspause, wenn die Kinder schlafen, sich entspannen kann und “geil” wird. Nur ich bin dann nicht vor Ort! Wie soll man da zusammen kommen? Mann behilft sich halt vorerst selbst und falls nötig auch mit visuellen Hilfsmitteln. Wir haben natürlich diesen Misstand oft diskutiert und sie ist zum Glück so open minded und kann auch meine Seite nachvollziehen. Sie findet solche Hilfsmittel in Ordnung. Es stand auch schon zur Diskussion, ob ich ab und an ins Puff soll, aber das finden wir beiderseits dann doch nicht so toll. Es gilt halt abzuwarten. Und wenn wir dann doch Lust, Zeit und Saft haben, dann ist das meist eine eher kurze Sache (aber nicht weniger scharf), da die Kinder jederzeit aus dem Mittagsschlaf aufwachen und ins Schlafzimmer platzen können. Ich hoffe, wir haben mit der zeit auch wieder etwas mehr Raum und Muse für uns. Wir sind auf der Suche nach einem Babysitter. Wenn meine Frau etwas entlastet wird, hat sie auch etwas mehr Energie für “andere Interessen”.

    • mark sagt:

      @riffraff

      also ich an deiner stelle würde – trotz scheinbarem freibrief – auch nicht ins puff gehen.
      würde den besuch eines sauberen swingerclubs vorziehen.

      solch ein besuch kannst du natürlich – vorteilhaft – auch zusammen mit deiner frau machen.
      es gibt viel zu entdecken und die dafür nötige zeit deckt ein babysitter allemal ab.

      ausserdem geht es im swinger nicht nur ums “poppen” sondern (jedenfalls für mich) vorwiegend um
      das ambiente und die möglichkeit sex zu haben. gesagt ist das nämlich nicht automatisch !!

Kommentieren

Verbleibende Anzahl Zeichen:

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.