Vergangene Woche machten wir hier das Zürcher Schulfach «Religion und Kultur» zum Thema. Andreas Kyriacou sitzt als Vertreter der Freidenker in der von der Bildungsdirektion eingesetzten «Begleitgruppe der Religionen». In einer Carte Blanche äussert er sich zu den Problemen des Fachs.

Freidenker wehren sich gegen religiöse Symbole in Schulzimmer: Klassenraum im Appenzell. (Bild: Keystone)
Die Situation wirkt paradox: Es gibt kaum einen Bildungsbeschluss des Zürcher Kantonsrates, der politisch so breit getragen abgestützt war wie derjenige, das Schulfach «Religion und Kultur» einzuführen. Und dennoch gibt es kein anderes Fach, bei dem sich ein derartiger Totalabsturz abzeichnet. Den Impuls zum Fach gab vor gut fünf Jahren die damalige Kantonsrätin Andrea Widmer-Graf, die in einem Postulat forderte: Im Fach «Religion und Kultur» sollen Fragen nach ethischem Handeln und nach Werthaltungen zur Sprache kommen. [...]. Es trägt zu einem besseren Verständnis von unterschiedlichen Kulturen und Religionen bei und fördert Solidarität, Rücksichtnahme und Toleranz.»
Der Vorschlag schien durchaus geeignet, die Basis für eine sinnvolle Ergänzung des bisherigen Lehrplans zu schaffen. Seither hat sich das Fach, inzwischen von der Bildungsdirektion flächendeckend aber ohne geeignete Lehrmittel eingeführt, nur zum Schlechteren entwickelt. Weltliche Inhalte fehlen. Und es gibt immer mehr Reklamationen über missionierende Lehrpersonen, über Spannungen unter den Schülern wegen des Fachs, über langweiligen Unterricht und nicht nachvollziehbare Notengebung.
Man muss eben mit allem rechnen – auch damit, dass es Gott nicht gibt: Atheisten-Kampagne in London, 2009. (Bild: Keystone)
Das Fach muss nicht Schiffbruch erleiden. Doch es braucht eine dringende Kurskorrektur. Zentral scheinen fünf Massnahmen:
1. Weltliche Sichtweisen müssen Eingang erhalten
Kinder aus nichtreligiösen Haushalten müssen in dem Fach genau so abgeholt werden, wie jene, bei denen Religion allgegenwärtig ist. Mann muss aufzeigen, dass ohne eigene Religiosität aufzuwachsen normal ist und dass Religionslose gleichwertige Menschen mit einer ebenbürtigen Ethik sind. Wenn nur Religionslose von den und über die anderen lernen müssen, verkommt das Fach zu blossem Religionsunterricht – und diesem unter Zwang ausgesetzt zu sein verbietet die Bundesverfassung.
2. Die zu vermittelnden Kompetenzen müssen klar definiert werden
Bislang hat man verpasst zu definieren, welche Kompetenzen mit diesem Fach gefördert werden sollen. Dies ist mit ein Grund, wieso zu viele Lehrpersonen sich damit behelfen, Faktenwissen anzuhäufen. Dies ist zwar für die Prüfungsgestaltung bequem, aber mit ein Grund, weshalb das Fach so unbeliebt ist.
3. Es soll real gelebte Religiosität aufgezeigt werden, kein Bilderbuchglaube
Unterrichtsmaterialien sind in Vorbereitung, doch auch in diesen sollen nach den bisherigen Plänen weltliche Inhalte aussen vor bleiben. Da wird etwa mit einer Fotostory im Sihlcity, bei dem Jugendliche nach dem Einkaufen die im Komplex untergebrachte Kirche besuchen, suggeriert, dass Religion allgegenwärtig ist. Auch Kultur soll ausschliesslich in religiösem Gewand gezeigt werden. Beides entspricht aber nicht der Realität – schlägt man den Züritipp auf, muss man religiöse Kultur suchen. Das Fach hat aber die Realität zu widerspiegeln.
4. Lehrpersonen brauchen klare Vorgaben
Die erste Bilanz einer noch laufenden Evaluation lässt aufschrecken: Die Hälfte der Lehrpersonen betreibt teilweise Bekenntnisunterricht, Lehrpersonen, die früher biblischen Unterricht erteilt hatten, haben die grundlegende Neuausrichtung des Fachs nicht verstanden. Es geben viel mehr Schüler an, das Fach gefalle ihnen nicht, als zum Beispiel in den Fächern Mathematik, Geschichte oder Deutsch. Es wäre aber billig, den Lehrpersonen gänzlich die Schuld in die Schuhe zu schieben. Sie haben Anrecht auf verbindliche Vorgaben.
5. Das Fach braucht dringend eine Intervention durch die Bildungsdirektion
Trotz der besorgniserregenden Resultate der Evaluation will der zuständige Bildungsrat Jürgen Oelkers frühestens im September über allfällige Massnahmen diskutieren. Das ist verantwortungslos. Im August beginnt ein neues Schuljahr, in dem eine neue Generation Lehrpersonen dieses Fach erstmalig unterrichten wird. Sie, Schüler und Eltern haben Anrecht auf eine Besserung der Ausgangslage. Und zwar schnell. Jürgen Oelkers will auch, dass der Kanton Zürich sich nicht dem künftigen überkantonalen Lehrplan 21 unterwirft, weil dieser Ethikunterricht vorsieht. Er stellt eigene Befindlichkeiten über die Interessen des Kantons. Es braucht eine dringende Intervention der Bildungsdirektorin. Sie muss hier Führungsstärke zeigen und dafür besorgt sein, dass Bildungsrat und Bildungsdirektion vom Kurs auf den Eisberg abkommen.
Wir danken Andreas Kyriacou für diesen Beitrag. Kyriacou war bis zum vergangenen Sommer Schulpfleger in der Stadt Zürich. Er arbeitet als Berater für Wissensmanagement.
Schreiben Sie mit! Schreiben Sie eine Carte Blanche! Stellen Sie Ihre Themen, Beobachtungen, Erfahrungen hier zur Diskussion! Die Redaktion wird die Texte sichten, auswählen und publizieren. Texte ( zwischen 1800–2500 Zeichen) an mamablog@newsnetz.ch



Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und ist Mutter einer Tochter. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich und ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
auf Facebook



























































































@Pedro
Danke Pedro – sie sind der einzige der mir auf eine aufrichtige Frage geantwortet hat.
Man sieht, die Meisten stürzen sich lieber auf (wirre) Extremmeinungen, welche ihnen eine Plattform zum streiten bieten.
Das zeigt: Ultras fühlen sich unter gegnerischen Ultras am wohlsten. Sie zementieren ihr fundamentales Weltbild und legitimieren ihren Kampf.
Dennoch bleibt die Frage, inwieweit die Ultras wirklich die Realität spiegeln. Und damit zu meiner Ausgangsfrage.
Ich bin als nicht katholik in einer Erzkatholischen Kleinstadt aufgewachsen.
Natürlich gehörte man in dieser Frage zur Minderheit. Alle redeten von Erstkommunion und was sie vom Götti als Geschenk bekamen. Viele Buben waren Ministranten.
Aber wir waren in keinster Weise stigmatisiert. Ich, der Konfessionslose nicht, der Reformierte nicht und auch der lautstarke Atheist nicht. Wir gehörten da zwar nicht dazu, wollten aber auch nciht dazu gehören.
Religion ist in der Schweiz nicht mehr eine gesellschaftlich wichtige Ettikette. So erlebten wir es auch in der Schule: Freundschaften und Dazugehörigkeit fussten auf anderen Kriterien und niemals hatte ich das Gefühl, dass ich von Lehrern schlechter behandelt wurde, weil ich nicht katholisch war.
Da ich in meinem Alltagsleben die Schweizer als ziemlich religionslos erlebe, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass man an Schweizer Schulen heute stigmatisiert wird. Die Wortwahl der “Freidenker” ist also völlig unangemessen und realitätsfremd, das erinnert mich stark an Sektierer, welche nicht mehr in der Lage sind, die Welt mit einer stimmigen Optik zu betrachten.
Religion sollte unterrichtet werden, sie ist ein wesentlicher Bestandteil der Gesellschaften.
Am Besten ein Basiswissen zu den ursprünglichen Fundamenten der Religion und dann noch wie sie heutzutage praktiziert in den grössten Strömungen praktiziert wird.
Wenn sich die “Freidenker” auch als eine Art Religion sehen, sollten sie auch ihren Platz bekommen. Da ja die meisten Menschen im Westen von ihnen geprägt sind.
es geht nicht darum, dass die Freidenker in den Unterrichtsmaterialien portraitiert werden sollten. Die meisten Konfessionslosen sind ja nicht vereinsmässig organisiert. Es geht aber darum, aufzuzeigen, dass ethische Grundwerte nicht religiös begründet sein müssen und dass Unglaube gesellschaftlicher Alltag ist und nichts defizitäres darstellt.
ich wiederhole noch einmal, was jemand hier im blog bereits erwähnt hat (evt. xyxyxy?): in der heutigen gesellschaft sind im allgemeinen nicht die atheisten die witzfiguren, sondern diejenigen, die sich zu ihrem glauben bekennen. auch laufen den kirchen die schäfchen in strömen davon. ich sehe daher das problem der atheisten nicht, oder vielleicht sehe ich es doch: als minderheit glauben sie, sich (immer noch) gegen die angeblich feindliche mehrheit behaupten zu müssen. ich denke, dass dabei sehr viel heisse, substanzlose luft produziert wird.
“als minderheit glauben sie, sich (immer noch) gegen die angeblich feindliche mehrheit behaupten zu müssen. ich denke, dass dabei sehr viel heisse, substanzlose luft produziert wird”
Die sogenannte Mehrheit hat KEIN Recht, einer Minderheit die verfassungsmaessig garantierten Grundrechte streitig zu machen. In dem Sinn ist Ihre Aussage heisse Luft.
Ich bin auch erstaunt, dass Abstimmungen und Motionen nicht im Voraus auf deren Verfassungskonformitaet abgeklopft werden. In Ihrem land geschieht das offensichtlich nicht. Somit kann ich in den Raum stellen, dass Ihr land kein rechtsstaat waere, nicht?
nun, mir ist nicht bekannt, dass sich in diesem land heterosexuelle jugendliche reihenweise umbringen, weil sie aufgrund des sozialen klimas (oder sollte ich sagen: der sozialen kälte?) keinen anderen ausweg mehr sehen. abtreibungsärtze müssen ebenfalls nicht um ihr leben fürchten, und atheisten sind ein weitestgehend akzeptierter teil der gesellschaft (für die walliser kann ich auch nichts). ich möchte niemandem, aber auch wirklich niemandem, seine verfassungsrechtlich garantierten rechte absprechen. was ich mit heisser luft meinte, können sie weiter unten in meiner antwort an andreas kyriacou nachlesen (ich hoffe, sie tun es). vielleicht hätte ich schreiben sollen: beide seiten produzieren heisse luft, die sich in nicht allzu ferner zukunft von selbst auflösen wird. aber es ärgert mich, wenn sich eine minderheit selbst ins abseits schiesst, weil sie genauso arrogant und anmassend wie die mehrheit auftritt. mit ein bisschen raffinesse würde man oft sehr viel mehr erreichen.
katharina, meine antwort an dich wartet auf eine freischaltung. falls sie an dieser hürde nicht vorbeikommen sollte, zeigt dir meine antwort unten an andreas kyriacou, was ich gemeint habe. ich bin absolut dagegen, jemandem den mund zu verbieten oder seine rechte – so gut solltest du mich inzwischen kennen.
amerika finde ich ein tolles land, ich kenne es wahrscheinlich auch ein bisschen besser als die meisten hier aufgrund eines mehrmonatigen aufenthalts in new york, boston und new haven. aber wir beide wissen, dass es kein hort der meinungsfreiheit und ebensowenig ein paradies für minderheiten ist, zumindest in bestimmten landstrichen.
liebe katharina, zwei antworten an dich, keine ist bislang durchgekommen. ich kann aber sagen, dass ich gerade von dir nicht missverstanden werden will.
@mila
Der Verdacht ist verfehlt. Ausser im Wallis, das noch einen weiten Weg zum Rechtsstaat vor sich zu haben scheint, sind Atheisten im Alltag kaum mehr benachteiligt – sieht man von der Zwangsbesteuerung der juristischen Personen mal ab.
Nun baut man im Kanton Zürich aber mutwillig eine bisher nicht da gewesene Stigmatisierung der Ungläubigen in den Lehrplan. Noch einmal: Die implizite Grundaussage des ganzen Fachs ist: Werte bedingen Religion, wer keine Religion sein eigen nennt, steht ohne Wertegerüst da. Das geht nicht an und es gibt auch keinerlei Anlass dafür, ausser, dass ein Bildungsrat seine Privatziele über die Interessen des Kantons stellt. Es ist staatsbürgerliche Pflicht, einen Stopp zu reissen und sicher zu stellen, dass die Spielregeln der Bundesverfassung eingehalten werden.
herr kyriacou, sie rennen offene türen ein, auch ich bin gegen ein fach mit dem namen religion und kultur, weil ich denke, dass gerade im bereich der werte (oder der ethik) andere anschauungen, vor allem eben auch nicht-religiöse bzw. philosophische, gleichberechtigt berücksichtigt werden müssten. ich glaube allerdings nicht, dass mit einem solchen unterricht sehr viel bei kindern erreicht werden kann – die langweilen sich doch zu tode, gerade weil man ihnen die ganze geschichte mit moralischem unterton verkaufen will. (beabsichtigte) theorie ist das eine, (tatsächliche) umsetzung und wirkung ein anderes, das haben schon sehr viele politische wie gesellschaftliche initiativen schmerzlich erfahren müssen. ich denke also nicht, dass sie damit rechnen müssen, demnächst als defizitäres oder stigmatisiertes wesen betrachtet zu werden. lehnen sie sich doch zurück und schmunzeln sie ob des ganzen unsinns ein bisschen vor sich hin – man wird das gegenteil von dem erreichen was man wollte.
PS:
schon in meiner schulzeit, die doch einige jahre zurück liegt, gab es kein unbeliebteres fach als den religionsunterricht. glauben sie, dass wird dieses mal anders sein?
@mila:
Auch wenn einige Lehrer das Fach wie zu alten Zeiten unterrichten: Eines hat sich grundlegend geändert. Es ist als Selektionsfach ohne Abmeldemöglichkeit gedacht. Dieser Unterschied setzt aber voraus, dass es auf rechtsstaatlich und politisch akzeptablen Grundlagen basiert.
Ich halte das Fach auch für verfehlte Liebesmühe auf der Unterstufe. Hier trägt allerdings nicht der Bildungsrat Schuld, das hatte Andrea Widmer-Graf in ihrem Postulat so vorgesehen. Leider kam es bei der Debatte keinem Ratsmitglied in den Sinn, den nötigen Reality check vorzunehmen. Das Fach auf die Klassen zu begrenzen, in denen es überhaupt sinnvoll unterrichtet werden kann, bräuchte einen politischen Vorstoss.
Vor dem 11. September 2001 war Religion auch kein Thema mehr. Heute sind es nicht die Kinder sonder die Eltern die in ihrer eigene Religion bis 2001 nicht beachtet haben und nun merken, das die besagten muslimischen Mitbürger plötzlich in die Mehrheit fallen.
Seit dem 2001 bemerke ich plötzlich Leute, die keine geistliches Leben führten, nie religiös waren, behaupten sie seien Christen nur um nicht auf die Seite der unbeliebten zu fallen. (Christ heist ja bei uns wohl erzogen und sowieso niemanden was zu leide tun, wir praktizieren ja Nächstenliebe!! Ich hör nicht mehr auf mit lachen….)
Aufklärung ja, Verklärung nein.. Einseitige Schulung nur mit christlichen WErten? Nein… 2/3 der städtischen Schulklassen werden von Schülern anderer Religionsangehörigkeit besucht… Das die Muslime den Christentumt und umgekehrt kennenlernen ist nur recht. Aber auch die Freidenker sollen nicht zu kurz kommen.
Die Kirchen lobbyieren wie die Grossen im Bundeshaus. Religion aus der Schule schmeissen, heist Verlust von potentiellen zukünftigen Gläubigern.. Schande!! Ich nenn das Rattenfängerei!!!
“Da ja die meisten Menschen im Westen von ihnen geprägt sind.”
Das ist unvermeidbar, schliesslich werden wir in eine Realität hineingeboren, die historisch gewachsen ist. Ueber lange Zeit waren Fürsten, ob weltlich oder geistlich, Auftraggeber für Architekten, Künstler jeder Art.
Für viele Menschen ist Religion heute nur noch als Dekor präsent, sie strukturiert das Jahr dank den Feiertagen, in Denkmälern, Symbolen, in der Sprache ist sie omnipräsent, was ja nicht weiter erstaunt, wenn man bedenkt, dass die Bibel für lange Zeit eines der wenigen “literarischen” Texte war, die das gemeine Volk wenigstens auszugsweise in den Predigten zu Ohr bekam.
Wenn man aber den Bezug zum Inhalt als Massstab für Religiosität nimmt so ist es eine Tatsache, dass er eben immer mehr Menschen fehlt. Das belegten gerade Lehrpersonen, aber auch Statistiken. Man kann diese Entwicklungen belächeln und die Forderungen von Säkularen ins Lächerliche ziehen. Sie sind aber auch Ausdruck eines Willens, diesen Entwicklungen endlich mal Rechnung zu tragen, in Gesetzen (s. Walliser Schulgesetz), Finanzmethoden, Lehrplänen. Und eine obligatorische Rechristianisierung, wie sie allenthalben zu beobachten ist, scheint mir eine sehr rückwärtsgewandte und wenig zukunftsweisende Lösung zu sein.
@Libertin
das ist ein weitaus besseres Argument, als mit Stigmatisierung und Ausgrenzung und Gefühlsverletzung zu argumentieren, wie das die “Freidenker” derzeit tun.
So ziehen sie sich selbst ins Lächerliche.
Ihre Argumente hingegen sind nachvollziehbar.
@Libertin
noch etwas: mit “von ihnen geprägt sind” meinte ich die klassischen Freidenker und nicht die Christen
natürlcih haben sie recht, dass wir alle vom Christentum geprägt sind, alle inkl. Aufklärer und Freidenker – aber ebenso ist der heutige Mensch von den Freidenkern geprägt – deshalb gehört das auch mit zu unserer “Religion und Kultur” – ohne die Aufklärer und Freidenker kann man die heutigen Formen praktizierter Religiosität auch nicht verstehen
Ja, xyxyxy, da haben Sie vollkommen recht, dieser Aspekt geht immer unter in den Debatten, wenn die “christlichen” Wurzeln des “Abendlandes” beschworen werden. Dass das gelebte “Christentum” genauso durch das Bad der Aufklärung ging und mehr davon – wohl nolens volens – akzeptieren musste hört mal selten.
Dass viele, die sich als “liberale” oder “aufgeklärte” Christen bezeichnen diese Liberalität im Denken und Glauben ebendiesen Einflüssen verdanken sollte der Fairness halber ab und zu zugestanden werden.
@Libertin
wie gesagt, auch die abendländische Aufklärung hat eine starke Verwurzelung im Christentum, das wird von den Ultras genauso geleugnet, wie eben auch der Fakt, dass das heutige Christentum sehr stark von der Aufklärung geprägt ist.
Wäre man nicht so kindisch, und in einem unrealistischen schwarzweiss Denken verhaftet, wäre das leicht zu sehen.
Clemens XIII hat die Enzyklopädie von Diderot auf den Index gesetzt. Das ist die Quelle unserer Kultur? Cicero ist wichtiger für das Abendland als der Mann, nach dem die Heilandsandalen benannt sind. Die Kirche hat nur immer alles für sich beansprucht, und sie wird in hundert Jahren auch die Erfindung des Telefons für sich beanspruchen.
@fufi: Hallo fufi. Sie haben mich missverstanden, oder ich habe mich zu unklar ausgedrückt. Ich meinte nicht, dass die Kreuzigung dann erfunden wurde (ich hasse übrigens Verschwörungstheorien bis aufs Blut. Ich kann mit dieser Form der Unreife auch nichts anfangen), sondern, dass sie für den christlichen Glauben erst etwa ab dem 5. Jahrhundert relevant. wurde. Die Kreuzigung war von Anfang an da, klar doch, aber relativ! unwichtig. Der christl. Glaube war eine gefreute Religion mit Spass am Leben. Was immer das auch heissen mag. Das wurde leider eben nicht erklärt. Erst ab dem 5. Jahrhundert bekam die Kreuzigung die Wichtigkeit welche sie heute hat. Ab dem 6. Jahrhundert hatte sie die gesamte Lehre durchdrungen und fortan ging es nicht mehr um Lebensfreude, sondern um Busse, Schuld und Sühne. Der Klerus hatte begonnen die Religion durch seine Brille zu deuten. Hat da der Sender Mist verzapft? Da ich keine Theologie studiert habe
, bin ich auf solche Wissensquellen angewiesen. Wenn die dann natürlich Mist erzählen, befinde ich mich auf dem Glatteis. Nein, ich werde die Evangelien trotzdem nicht studieren. Ich benutze halt eben die moderneren Kommunikationsmittel. Aber wenn Sie mögen, können Sie es mir ja freundlicherweise kurz erklären.
Hallo Peter

Versteh glaub, was du meinst!
Lass es mich in meinen Worten und drum etwas salopp sagen:
Am Anfang waren die Frauen(!) die sahen, dass das Grab leer war.
Da merkten die JüngerInnen, dass DAS wohl noch nicht alles gewesen sein sollte!
Und SO war der Christusglaube eine befreiende Sache. Und extrem Subversiv!
Im Jahr 380 (Ende 4. Jh.) wurde das Cristentum zur römischen Staatsreligion “erhoben”, später zur “Reichskirche”.
Aexgüsi, aber ist doch klar, dass spätestens DANN
Leiden, Unterdrückung, Kreuzigung etc. zu den GANZ grossen christlichen Tugenden wurden.
Wie sonst hätten die Machthaber denn das Volk anders unterdrücken können?
Im Namen Gottes des Allmächtigen!
Oh ja, ich glaube noch immer DARAN, was die Frauen damals entdeckt haben!
Hallo fufi. Klingt logisch. Klar doch, das macht Sinn. Danke. Schönen Abend noch.
Fufi möge mir verzeihen, dass ich mich einmal mehr damit begnüge, eine alternative Leseart des Urmirakels des Christentums zu verlinken. Copy-paste würde unnötig viel Platz beanspruchen.
Goethe bringt’s prägnant auf den Punkt:
„Offen steht das Grab! Welch herrlich Wunder! Der Herr ist auferstanden!“ – Wer’s glaubt! Schelmen, ihr trugt ihn ja weg.”
http://www.jesuswahn.de/Jesuswahn-Auferstehungslegenden.pdf
Super Text Libertin… Wie heist es doch immer. Die Sieger schreiben Geschichte und nicht die Verlierer….
Aber irgendwo heisst doch auch noch so was von den ersdten und den letzten?
Aber s’ist halt schon richtig, dass die SIEGER die Geschichte schreiben.
Schreiben? Fälschen!
Nullo problemo!
@Libertin:
„Offen steht das Grab! Welch herrlich Wunder! Der Herr ist auferstanden!“ – Wer’s glaubt! Schelmen, ihr trugt ihn ja weg.”
klar, und die gesamte römische Besatzungsmacht war komplett unfähig
diesen angeblich weggetragenen Leichnam aufzuspüren,
(selbstverständlich auch gar nicht willens, so ein Betrugsmanöver schnellstmöglich aufzudecken)
ob da schon ihr Untergang seinen Anfang genommen hat?
So einfach wie sich Goethe das vorstellt wars dann halt schon nicht.
Die ganze Story ist erfunden.
Kunst und Geschichte anstelle Religion und Kultur? Aufklärerische Philosophie in Hinsicht zur aufklärerischen Vernunft? Das Feld ist immens! Guckt mal rein via Wikipedia bei “Gnoseologie” (Erkenntnistheorie). Es gäbe genug Stoffliches um sogar die “Förderprogramme der Wirtschaft” (…schon fast religiös – wie der Bereich gehandhabt wird) in der Schule bunter gestalten zu können!
Bitte bitte sprechen Sie – wenn denn schon philosophisch – von Erkenntnistheorie als Epistemologie!
Es wird hier immer wieder das Wort MORAL und ETHIK gebraucht, im Zusammenhang mit Religionen!
Sagen sie mir bitte von welcher Moral sie hier sprechen?? diese ach so christliche schweizerische Gesellschaft hat Ethik?
Bitte ihr ach so Gläubigen erklärt mir dies? Und was hat die CVP in der Politik zu suchen???? Wäre ja ein riesenaufschrei wenn eine muslimische Partei gegründet würde… diese wären die ersten die Ihr Vootum einlegen !!
Das habe ich auch gedacht, als der Ex-Kommandant der Schweizer Garde und CVP-Politiker P. Segmüller zusammen mit seiner “Seelenverwandten” Ida Glanzmann im letzten Dezember eine parlamentarische Intiative einreichte, die Kreuze per Verfassung schützen lassen will. Sie wurde von rund 50 Parlamentariern mitunterzeichnet. Es wird zwar behauptet, alle religiösen Symbole verdienten Respekt und Schutz, ich zweifle aber leise daran, dass in den eigenen Reihen Entzücken ausbrechen würde, wenn in den Schulzimmern des Luzerner Hinterlandes nicht nur J.C. sondern auch noch Halbmond, Davidstern, der hinduistische Götterhimmel, ein Spaghettitopf für die Pastafarianer etc. hängen sollen… Nachdem nun schon das Minarett-Verbot in der Bundesverfassung stehlt gibt’s vielleicht bald einen zweiten religiösen Artikel, der die christliche “Leitkultur” festschreibt? Soviel zur Trennung von Staat und Kirche, auf höchster Ebene, in der Schweiz.
So ist es. Bleibt zu hoffen, dass sich diese verkorkste Einstellung dieser Frömmler langsam auswächst.
Wieder einer, der Ethik, Moral, Werte und Religion nicht auseinanderhalten kann.
Ich empfehle ihnen meinen ausgezeichneten Post vom 30. Januar, 14.55 zur Lektüre.
Die Feststellung einer christlichen Leitkultur in der Schweiz ist ähnlich originell, wie die Feststellung dass im Land Deutsch und Französisch die meistgesprochenen Sprachen sind. Oder dass die überwiegende Mehrheit der Säuglinge als Schweizer Bürger geboren werden. Oder dass mehr als 95% der Erwachsenen heterosexuell sind.
@Libertine: sie verwechseln, wie mir scheint, die Institution Kirche mit Religion.
“Meinen ausgezeichneten Post”… den hat jemand tatsächlich ausgezeichnet? Womit? Mit dem Friedenspreis, dem Oscal oder dem Nobelpreis gar?
Oder handelt es sich um Eigenlob?
Egal, O. Egal.
Orlando S.: Ich denke nicht. Denn wir sprechen hier von sehr weltlichen Dingen. Wie die Rechtfertigung öffentlicher Kirchenfinanzierung und Einflussnahme auf das öffentliche Leben, wo doch Glaube eher eine innere Auseinandersetzung mit sich, der Welt und einem hypothetischen “nicht von dieser Welt” ist. Und diese religiös-klerikale Einflussnahme ist offensichtlich: hier wieder auf Lehrpläne. Steuertechnisch sowieso (s. Kirchensteuern für Firmen): im Sozialen wollen Religionsvertreter gar “das” Gewissen der Nation sein….Dies sind Dinge, die von der Kirche und ihr Nahestehenden ausgehen oder ihnen direkt zugute kommen. Wo doch Luther verlangte: jeder sein eigener Priester. Und J.C. die Wechsler und Taubenverkäufer unzimperlich aus dem Tempel warf….
Persönlich diskutiere ich selten mit den Leuten darüber, was Sie wahrscheinlich unter “Glauben” verstehen. In öffentlichen Foren empfinde ich das fast ein wenig exhibitionistisch. Ausser bei den “Oeppis-Gläubigen” zeigt es sich dann auch häufig, dass das persönliche Bekenntnis halt doch stark an eine “Tradition” anknüpft – womit wir wieder bei Bibel und Co und den jeweiligen “Organisationen” sind.
Mit dem ersten Absatz bin ich einverstanden. Nur muss man die hiesige Form der Kirchenfinanzierung (keine “Staatskirche”, aber eine via Staat mit Privilegien und Geld ausgestattete) im historischen Kontext sehen (radikaler Föderalismus und starke Autonomie der Kantone und Kommunen). Und auf der anderen Seite zwingt einen ja niemand, dabeizubleiben. Dass jene ihr Maul gross aufreissen, die meist selber gar nicht mehr dabei sind, ist symptomatisch.
Es sind jene, die auch mit Vehemenz fördern wollen, dass man schulklassenweise Kinder in die Körperwelten-Ausstellung zwingt. Das Motiv: Entreligionisierung mit inquisitorischem Eifer.
igitt!
Orlando – was ist denn mit den “Körperwelten” ab einem gewissen Alter anrüchig? Kinder sind in meiner Erfahrung gerade hier sehr unverkrampft, neugierig. Das “wääh” ist ja eine Wertung, die zu einem grossen Teil durch die Sozialisierung übernommen wird. Gerade habe ich gelesen, dass sogar Phobien wie Angst vor Spinnen durch äussere Einflüsse nicht nur angeboren, sondern in sehr frühen Jahren gelernt wird ((http://www.tagesschau.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2011/01/28/Vermischtes/Angst-vor-Schlangen-und-Spinnen-wird-fix-erlernt))
Diese ganze Körperfeindlichkeit, genau dieses “igitt” gebenüber dem Kreatürlichen, unserer physischen Natur verdanken wir – Überraschung! – der kirchlichen “Moral”. Erst, wenn wir uns selbst und die Welt so sehen, wie sie sich präsentiert können wir doch, wenn überhaupt, uns Gedanken darüber machen, wie sie sein könnte, sollte, und wenn man von einem solch abschätzigen Menschenbild ausgeht das Aspekte unseres Seins verleugnen wird jede “Erziehungsmassnahme” scheitern. Vom Ist zum Möglichen.
Jede Ideologie die den Menschen leugnet ist zum Scheitern verurteilt.
Meine Erfahrungen zeigen, dass man in Gegenden, in welchen Religionen dominieren(z.B. ländlich, katholisch) sehr wohl ausgegrenzt werden kann, wenn man nicht dieser Religion angehört. In einem politischen Wahlkampf wurde ich deswegen sehr übel beschimpft(auch in den lokalen Medien) und habe versucht mit Hinweisen auf die in der Verfasung(Art.49) garantierte Religionsfreiheit die Diskussionen auf ein etwas konzilianteres Niveau zu heben. Ohne Erfolg. Dies war vor etwa 20 Jahren. Heute stelle ich fest, dass dieselben Leute immer noch grossen Einfluss haben in der Schulpflege und diese Religionsarroganz weiter zelebrieren, obwohl die Liturgiefeiern des öftern nur noch von einem halben Dutzend Anhängern besucht werden und dies in einem 2500 Seelendorf. Die meisten kriegerischen Auseinandersetzungen auf dieser Welt waren und sind heute noch Religionskriege. Dies sagt ja schon sehr viel über die Entwicklung der Menschheit aus. Religionen sind Machtinstrumente und diese werden auch heute noch (oder in zunehmenden Masse siehe Amerika) eingesetzt. Missionieren für eine Religion, auch wenn sie in der Vergangenheit als Gesellschaftmodell, ( Man muss einen Werterahmen, einen Halt haben etc.) mehrmals gescheitert ist, hat heute wieder Hochblüte. Diese ist Arroganz, das Wissen was richtig und falsch ist, gepachtet zu haben ist unerträglich.
Nicolas
Ich verstehe nicht, warum man heute so ein Theater um den Religionsunterricht macht. Bei uns hiess es Biblische Geschichte, die Katholen mussten zum Unterricht. Dort hat man uns alles über Jesus und Gott beigebracht, so dass wir auch am Sonntag dem Pfarrer zuhören konnten. Aber heute geht ja niemand mehr in die Kirche und nimmt sich Zeit zur Besinnung. Sogar an Weihnachten klagen alle über den Stress.
Weihnachten ist kein christliches Fest, das hat die Kirche einfach übernommen, weil sie es erfolglos bekämpfte. Quellen für die Weihnacht sind die Saturnalien im Süden – ein 20-tägiges Freudenfest – und das Sonnenwendefest im Norden. Darum auch die tanzende, Geschenke bringende Befana im Süden und und die Mädchen mit den weissen Kleidern und der Kerze im Norden.
wären die freidenker wirklich frei in ihrem denken, so würden sie anderen ihre symbole lassen und nicht andere ihrer freiheit berauben wollen.
In einem neutralen Unterricht muss zuerst mal klar gemacht werden, dass Ethik ohne Vorstellung von Gott möglich ist.
Zweitens muss klar gemacht werden, dass die Wahrscheinlichkeit, dass es einen Gott gibt, gegen Null geht. Beim Osterhasen kann man noch diskutieren. Der ist wahrscheinlicher als Gott, denn er wirkt keine Wunder, sondern er hält sich an die physikalischen Gesetze. Eierlegende Tiere mit Pelz gibt es ja.
Die Gottesvorstellung haben wir, weil wir die Sprache haben. Da kann einer etwas über uns erzählen, und dann kann man drohen, dass einer über einen etwas erzählen werde, und dann erfindet man den Gott, der alles sehe.
Das ist der Stand der Wissenschaft, siehe Jesse Bering.
Dazu braucht es keinen Unterricht, ausser Geschichtsunterricht.
Ihr Wort in Gottes Ohr……….