Leben


Michèle Binswanger am Donnerstag den 9. Dezember 2010

Verlassener Sohn sucht Vater

Cloud Rock alias Gordon LaBelle aus dem Film «Beyond this Place».

Cloud Rock alias Gordon LaBelle aus dem Film «Beyond this Place».

Heute geht es um einen Mann, der irgendwann aus dem bürgerlichen Leben ausstieg, sich Cloud Rock nannte, einen Sohn bekam und ihn auf den Namen Ganja taufte. Für alle, die nie Bob Marley gehört haben: Das bedeutet Marihuana. Oder eigentlich geht es um einen Film über diesen Mann, gedreht von eben diesem Sohn, der sich inzwischen einen neuen Namen gegeben hat, Kaleo LaBelle heisst und in der Schweiz lebt und Filmemacher ist. «Er nannte mich nach dem Stoff, der ihm am meisten bedeutete», sagt Kaleo heute. Der Film über seinen Vater heisst «Beyond this Place» und ist ein Porträt dieses «Hippie-Generals ohne Truppe». Aber nicht nur. Es ist auch eine berührende Vater-Sohn-Geschichte, die Suche des erwachsenen Sohnes nach Gründen, warum er verlassen wurde. Die Anklage an den Vater, der seine Verantwortung nicht so wahrgenommen hat, wie der Sohn es sich gewünscht hätte. Und es ist gleichzeitig auch ein Porträt über diesen Sohn, der kaum zu sehen, dafür den ganzen Film über zu hören ist. Und der die Kamera unerbittlich auf den grinsenden Vater richtet, während er ihn zur Rede stellt.

Kaleo La Belle wurde auf Maui geboren und lebte die ersten Jahre mit seinen Eltern in einer Hippie-Kommune, wo es freie Liebe, psychedelische Drogen und einen grossen Hunger nach spiritueller Wahrheit gab. Was dann irgendwie mit den Anforderungen der handfesten Wirklichkeit kollidiert, besonders, wenn Kinder im Spiel sind. Mit drei Jahren zog Kaleo mit seiner Mutter nach Detroit, der Vater zog nach Portland, wo er in einer kleinen Hütte allein lebte. «Mein Vater hat mich verlassen, als St. Helena ausbrach. Und ich bin ohne Vater aufgewachsen», sagt Kaleo im Film. Zwei Mal noch traf er ihn, einmal mit sechs, einmal mit siebzehn. Dann nicht mehr.

«Wenn ich in den Spiegel schaue, dann sehe ich nicht mich selbst, sondern einen Fremden. Meinen Vater», sagt Kaleo im Film, in dessen Basslinie die grossen Fragen des Elternseins antönen: Was schulden Eltern ihren Kinder? Wie viel Freiheit steht einer Mutter, einem Vater zu und inwiefern tangiert das die Freiheit des Kindes? Und wo liegt die Demarkationslinie zwischen der persönlichen Freiheit eines jeden und der Verantwortung, die man übernimmt, wenn man Kinder auf die Welt stellt?

Mit vierunddreissig sucht Kaleo, inzwischen Filmemacher, seinen Vater mit der Kamera auf. 17 Jahre haben sie sich nicht gesehen, als er seinem Vater einen Fahrradtrip zum Spirit Lake und dem Mount Saint Helens vorschlägt. Sie fahren, sie zelten, der Vater raucht Marihuana, und beantwortet gut gelaunt die Fragen seines Sohnes. 40 Jahre lang sei er stoned gewesen, grinst er, aber er ist mit sich und seiner Welt im Reinen. Der Sohn sieht das etwas anders. Und so heftet er den eindringlichen Blick der Kamera auf seinen Vater, das Idol seiner Kindheit, dem er in der Adoleszenz abschwor und an das er sich nun anzunähern versucht. Zu hören ist eine Dringlichkeit, ein tief empfundenes Gefühl vom Unrecht, verlassen worden zu sein. Aber auch der Wille zu verstehen, was es bedeutet, gerade diesen Vater gehabt zu haben.

«Freiheit ist das Wichtigste für alle», sagt der Vater.
«Und wie passen Kinder da rein?», fragt der verlassene Sohn. «Was ist mit der Verantwortung?»
«Verantwortung ist nichts anderes, als das Vermögen, zu antworten», sagt der Vater. «Niemand hat Schuld für irgendwas. Jeder ist das Produkt seiner Umstände.»
Kaleo fragt: «Als ich selber Vater wurde, spürte ich, dass ich töten würde, um meine Kinder zu beschützen. Warum hast du mich verlassen
«Mein Vater hat mich auch verlassen, was solls? Die Vergangenheit ist vergangen», sagt der Vater.

Früher mal hatte der Vater Gordon geheissen und war bei der Navy, bevor er bei einem psychedelischen Erleuchtungstrip zu Cloud Rock wurde und sich auf Maui in eine Kommune zurückzog. «Was wäre Gordon wohl für ein Vater gewesen?», fragt sich Sohn Kaleo heute. Cloud Rock sagt: «Kinder suchen sich ihre Eltern selber aus. Das ist Karma.» Auch die Mutter hat einen Auftritt. Sie entschuldigt sich beim Sohn für den abwesenden Vater. Dafür, dass sie nie insistiert hat, dass der Kontakt zum Vater nicht abbricht. «Ich weiss auch nicht, warum er so gehandelt hat», sagt sie.

«Beyond this Place» wirft einerseits die Frage auf, welchen Preis die Kinder der Hippie-Generation für den Freiheitsdurst und die Egotrips ihrer Eltern zahlen mussten. Und was wohl unsere Kinder für das Leben, wie wir es führen, bezahlen müssen.

«Beyond this Place» läuft ab heute in den Kinos.

208 Kommentare zu „Verlassener Sohn sucht Vater“

  1. maia sagt:

    Ist ja auch heute in, Kinder zu verlassen – oft gleich von beiden Elternteilen. Sie werden auf die Welt gestellt um sie dan möglichst rasch in der Krippe oder im Hort zu parkieren, damit man sich ungestört seinem Egoismus widmen kann….

    • Odnalro Ressarts sagt:

      genau!

    • Pippi Langstrumpf sagt:

      Ich finde persönlich auch, dass man Kinder nicht zu früh fremd betreuen lassen sollte, vor allem auch nicht die ganze Woche. Aber so ab einem Jahr, 1 – 2 Tage pro Woche, ist für die meisten Kinder kein Problem, wenn die Fremdbetreuung qualitativ gut ist. Und Maja, Kinder sind nicht verlassen, wenn sie in der Krippe sind, ob sich Kinder sicher gebunden fühlen, hängt nicht davon ab, ob sie in die Krippe gehen, dazu gibt es viele Untersuchungen. Wir sollten einfach mit diesen Ideologien aufhören, es gibt zum Glück viele verschiedene Wege, die alle sehr erfolgreich und befriedigend sein können.

      • Odnalro Ressarts sagt:

        ja Pippifatz, aber dann bitte in eigener Verantwortung. Die Idee staatlich subventionierter Krippen ist genauso wieder ideologisch. Dazu gibt es “viele Untersuchungen”.

      • Henri sagt:

        Ja genau – und um jetzt mal so richtig einen draufzusetzen:

        Wenn ich einen Hund kaufe, muss ich die Hundebetreuung auch selbst organsieren und bezahlen. Das finden alle so in Ordnung.

        Und wenn ich mir ein Kind “besorge” (oder besorgen lasse), warum soll da die Allgemeinheit für dessen Betreung aufkommen? Wäre es nicht gescheiter, dann auf das Kind zu verzichten? Der Geburtenrate täte es ja auch keinen grossen Abstrich, wenn ein paar Kinder weniger geboren würden – niedrig ist sie sowieso.

    • Gene Amdahl sagt:

      So so – und wer entsorgt die Väter konstant? Das sind die unsäglichen Jugendsekretariate u.a. Dielsdorf; die Justiz, die sich auf getürkten Gutachten einlässt ohne sie zu hinterfragen (wollen) etc etc. – Die Katastrophen werden fast ausschliesslich durch Heer von Weibern verursacht und das immer zu Lasten der Kinder die sich nicht wehren können. Das ‘echte’ Wohl der Kinder interessiert kein Schwein. So was kann man unter kinderohnerechte.ch, vev.ch, anitfeminismus.com etc nachlesen.

      Aus eigener Erfahrung kann man festhalten, dass u.a. der Kt Zürich etwas vom Schlimmsten darstellt wenn es um Kindeswohl geht.

      Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass Väter sich zwangsmässig aus der Situation verabschieden zur eigener Sicherheit und Wohl. Auf der Strecke bleiben die KIds.

      Schon die Bundesversammlung hat 2008 dem Kt Zürich in dieser Beziehung ein miserables Zeugnis ausgestellt. Geändert hat sich nichts.

      • Brunhild Steiner sagt:

        Naja, der Vater um den es sich hier handelt, hat sich lange bevor ihm Ultraemanzipierte das Leben hätten schwer machen können, selber verabschiedet, resp. entsorgt, aus der Verantwortung gestohlen- den musste niemand entsorgen oder der Verantwortung zwangsentbinden… .
        Und es scheint ihm ziemlich bedeutungslos zu sein, im Gegensatz zu Ihnen der schon hundert Kämpfe um die Kinder hinter (und vor?) sich hat. Das Schubladendenken hilft uns hier nicht wirklich weiter, trotzdem, alles Gute.

    • EInen grösseren Blödsinn habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Schämen Sie sich eigentlich nicht?

  2. Thomas1 sagt:

    Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass es heute ein immenses Angebot an “Dramen” gibt, dank denen wir uns selbst in einer Opferrolle gefangen halten können. Kommt mir so vor, wie ein Fernesehr mit hunderten Programmen zur Auswahl. Fühle ich mich nicht Mann genug? Switch: mein Vater ist schuld. Habe ich mit 20 Mühe, Anschluss an die Welt zu finden? Switch: ich war eben an der Steinerschule. Habe ich Mühe, Beziehungen zu führen? Switch: meine Mutter war zu dominant. Bin ich nicht der Popstar geworden, von dem ich immer geträumt habe? Switch: meine Eltern haben mich nicht gefördert. Ich bin bei meinen Arbeitskollegen wegen meines krankhaften Ehrgeizes nicht sonderlich beliebt? Switch: ich werde gemobbt. Nun kann jeder seine Hippie-, Fascho-, Neoliberal-, Stockkonservativ-, Scientology- etc. Eltern bzw- -Umfeld einsetzen und das Spiel für immer und ewig weiterspielen. Solange, bis er auf der einen Seite Migefühl für die “Täter” findet und ihnen verzeiht und je nachdem auf der anderen Seite seinen eigenen Anteil darin erkennt – und damit den Weg frei macht, um sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Was anschliessend stattfindet, ist ein kontinuierliches Umprogrammieren der eigenen Festplatte – sogar neurologisch nachweisbar. Dennoch: viele Menschen bleiben lieber beim Fernsehen. Ist natürlich ihr gutes Recht – solange sie anderen nicht ständig die Ohren volljammern :-) . Übrigens, um es vorwegzunehmen: ich meine, dasselbe Prinzip gilt auch bei Extremfällen (Kindsmisshandlungen etc.) – allerdings kann das Finden von Mitgefühl etwas länger dauern. Aber auch da gibt es dokumentierte Fälle, in denen es dem Opfer überraschend schnell gelungen, dem Täter zu verzeiehen und dadurch langsam aber sicher seelisch genesen konnte.

    • heidi reiff sagt:

      Gefährlich ist einfach Kinder zu SUENDENBOECKEN ZU MACHEN, DAMIT WERDEN DIE GROESSTEN VERBRECHEN LEGITIMIERT. Ich mache meine Kinder nicht zu SUENDENBOECKEN, hab einen guten Draht zu Kindern. Ich muss meinen Kindern nicht verzeihen, meine KINDER HABEN MIR NIE EIN HAAR GEKRUEMMT .

    • Hermann sagt:

      Ihre Ansicht ist nicht neu. Sie ist ebenso naiv, wie wenn man einem Rueckkehrer aus Iraq sagt, er solle sich doch einfach von den schlimmen Erfahrungen im Krieg trennen und endlich normal werden. Tatsache ist, dass er an PTSD leidet, einer Krankheit, die nicht einfach so weggeht. Wenn sie ein Rezept haben, misshandelten Kinder die Festplatte umzuprogrammieren, sollten sie das dem US Militaer verkaufen. Ihre neurologischen Kenntnisse wuerden mich interessieren. Werden sie klarer.

  3. stephan sagt:

    Sehr berührend, die Beschreibung des Films, macht nachdenklich.
    Stellt Grundfragen des Zusammenlebens, der Lebensführung, der Verantwortung. – Wenn unreife Menschen Kinder zeugen, haben diese unter Umständen die Fehler und mangelnde Reflexion der Eltern und der Grosseltern aufzuarbeiten. Am Ende steht Versöhnung, mit dem Eingeständnis einer unerwiderten Liebe, zwischen Sohn und Vater, Vater und Sohn, Mann und Frau, Gesellschaft und Individuum… Die Lieblosigkeit und die Flucht in den Rausch.
    Das gleichzeitige Vorhandensein von (unerwiderter) Liebe und Ablehnung ist eine Double-Bind-Situation, sie lähmt und fixiert. Es bleibt ein Gefühlsknäuel, tausendfach erlebt und nicht verstanden. Auf den Punkt gebracht, das kürzeste Double-Bind: Sei spontan! Das Kommunikationsmuster steckt auch uns in den Knochen, wenn die Eltern sagen, ich bin streng zu Dir, weil ich Dich liebe, darum bestrafe ich Dich. Ein Kind ist überfordert mit so einer doppelten Botschaft. Subtil passiert es laufend: Pass auf, dass Du nicht hinfällst (die Suggestion des Fallens wirkt ungewollt sprachlich mit, anstatt zu sagen pass auf, dass Du sicher läufst..)
    Das Schlimme ist, dass Eltern sich mithilfe Ihres Intellekts ein Weltbild zimmern können, dass zu ihrer Persönlichkeit mit nicht aufgearbeiteter Schädigung, z.B. durch Vernachlässigung in der eigenen Kindheit, passt, dadurch das eigene Verlorensein auf das Kind übertragen un dabei noch grinsend sagen können: Shit happens, was soll’s, das ist mein Leben, leb Du Deines, ist mir doch egal, wie Du das schaffst. Solche Menschen sind eigentlich noch enttäuschte, gross gewordene Kinder. Es stellt sich die Frage, ob sie selber Kinder haben dürfen?

    • Eni sagt:

      Aah, reden Sie von meinem Exmann?

      • stephan sagt:

        könnte sein, nicht umsonst ist er jetzt ihr ex-mann. wie will so jemand es schaffen, präsent zu sein, aufmerksam und wach für die entwicklung der kinder und dabei noch seine frau, die ihm diese kinder geschenkt hat, auf rosen zu betten, wenn er nicht einmal in der lage ist, sich selbst zu lieben, weil ihm das gefühl, es nicht wert zu sein, schon früh in der kindheit vermittelt wurde? in so einer situation ist es besser ein ende mit schrecken als ein schrecken ohne ende, nachher loslassen durch verständnis, denn was mit groll behaftet bleibt, sitzt einem ewig im nacken. es lohnt sich nicht, durch ärger viel energie in so einen menschen zu investieren, denn sie kommt ja nicht mehr zurück. dann lieber für sich und die kinder nach vorne schauen, die welt ist ja dennoch wundervoll !

  4. Maja sagt:

    Dauernd wird verlangt, dass die Kinder zu selbstbewussten Menschen erzogen werden sollen und dann werden sie so und wenn sie dann eigene Kinder haben sollen sie dieses Ego wieder auf die Seite schieben – ich denke so geht es nicht.
    Die Kinder werden auf Erfolg getriemmt damit sie ja Karriere machen, kaum werden sie Eltern – flupp müssen sie alles
    fallen lassen. Ich meine so geht es nicht.

    • Odnalro Ressarts sagt:

      Selbstbewusste Menschen=Egoisten?
      Erfolg, Karriere ist sehr wohl mit Elternschaft vereinbar (ich kenne da viele Beispiele). Können Sie nur Erfolg haben, wenn jemand ihnen die “Last” der Kinder abnimmt?
      Es gibt Eltern, die schaffen beides, ich weiss nicht in welcher Top-Branche Sie Karriere machen, dass es ihnen ganz und gar unmöglich ist, drei Jahre für ihre Kinder da zu sein…

      • Patrick Tigri sagt:

        Maja hat diese Gleichung nicht gemacht, sie hat auf den Widerspruch hingewiesen zwischen der in der Wirtschaft oft geforderten Egobezogenheit und dem Altruismus, der nötig ist bei der Kindererziehung. Das ist meines Erachtens ein sehr wichtiges Thema.

        Ol Rando, ich arbeite in der Informatik, und wer hier drei Jahre weg ist, der ist wirklich weg. Auch wenn er gut arbeiten könnte, man traut es ihm nicht mehr zu und er findet keinen Job mehr.

    • Hermann sagt:

      So muss es auch nicht gehen, ich weiss nicht, wo sie Probleme sehen. Unser Dreijahriger geht von 8 bis 19 Uhr in einen Montessori Vorchindsgi, den er liebt. Er lernt viel mehr, als wenn er zu hause mit einer muerrischen Mamma herumsitzen wuerde.

      • Eni sagt:

        Vor allem lernt er, dass er Zuhause nicht willkommen ist. Warum muss man Kinder haben, wenn man ihnen nur beim schlafen zusehen will? Eine Puppe hätte es auch getan.

      • Hermann sagt:

        @Eni: Warum soll seine Mutter nicht ihren beruflichen Interessen nachgehen? Er (unser Kleiner) ist ein Bestandteil einer sehr gut funktionierenden Familie. Jeder wird ernst genommen. Hier (Silicon Valley) bleibt selten eine Frau mit ihren Kindern, das Leben ist zu teuer und die Arbeit zu interessant. Ganz Tages Kinderkrippen gibt es sehr viele, die meisten sind auch sehr gut. Allerdings bezahlt man $1200 bis 1500 pro Monat. Kinder lernen viel, sie werden echt gefoerdert. Hier nimmt man Bildung ebenso ernst wie Selbstverwirklichung. Etwas dagegen?

      • Odnalro Ressarts sagt:

        @Hermann: sehen sie, das ist der Unterschied – das Geld. Sie bezahlen viel davon für eine sicherlich erstklassige Tagesbetreuung, das kann ich respektieren. Inwiefern ihr Kleiner seinen Vater vermisst, der für ihn Superman, Zaubermeister und Knuddelmonster zugleich ist, kann ich nicht wissen. Das wissen sie selber am besten.

        Niemand hat etwas gegen ein solches (eigenverantwortliches) Modell. Wir wenden uns gegen den pauschalen Ansatz, dass jedes Kind in eine Krippe gehört und dass der Staat deshalb flächendeckend solche einrichten und alimentieren soll, damit jedermann/frau ein bisschen arbeiten kann nebenbei.

        Das sind m.E. riesige Unterschiede.

      • Eni sagt:

        @ Hermann

        Das Leben ist zu teuer und die Arbeit zu interressant……….. Und die Zeit mit einem Kind ist völlig unwichtig?

        Hier nimmt man es mit der Bildung eben so ernst wie mit der Selbstverwirklichung………… Und das Kind ist nur ein Accesoir wie eine Handtasche welche man nach belieben aus dem Schrank nimmt oder?

        Kommen Sie mir jetzt ja nicht mit quality-Time, die kann es in Ihrem Fall nämlich gar nicht geben. Das Kind ist 11 Stunden täglich in der Verwahranstalt, da bleiben noch 13 Stunden für die Hin- und Rückfahrt, für die Körperpflege, zum essen und schlafen, man rechne.

        Funktionierende Familie? Ist Ihr Kind ein Automat, welcher einfach nur nach Ihren Wünschen zu funktionieren hat? Wenn das so ist, dann ist es gut, dass Ihr Kind so wenig mit Ihnen zusammen ist. Hoffentlich hat es wenigstens im Kindergarten Personen, welche sich wirklich für Ihr Kind interressieren, damit es nicht völlig das Gefühl hat überflüssig zu sein auf der Welt.

      • Hermann sagt:

        Eni, ich vertsehe ihre Bedenken gut. Und ich verbrtinge so viel Zeit wie noeglich mit meinem Kleinen. Doch es gibt mindestens zwei Sachen zu bedenken: Seine Mutter ist wirklich nicht in der Lage, ein temperamentvolles Kind den ganzen Tag zu betreuen, sie dreht durch. Ich zweifle nicht, das sie da ganz anders sind, aber es sind nun mal nicht alle Leute so wie sie. Sie hat vor kurzem ihren Job verloren, gibt aber den Kleinen immer noch in die Krippe, wenn auch fuer weniger Stunden. Das hilft. Was schlagen sie vor, soll man mit einer Mutter machen, die nicht weiss, wie mit einem trotzenden und schreienden Dreijahrigen umzugehen? Sie ist Aerztin aber nicht Paedagogin, ein Riesenunterschied. Zum zweiten: Was man hier so schoen “Sozialkompetenz” nennt. Unser Kleiner hat in der Krippe endlich gelernt, dass er nicht allein auf der Welt ist. Seine Gspaenli lieben ihn sehr und umgekehrt. Wir finden das positiv, bei uns haette er das nicht gelernt, da er hier keine anderen Kleinkinder hat.

        Orlando: Natuerlich vermisst er mich. Ich weiss nicht, wie es in der Schweiz ist, aber hier arbeiten viele bis in die nacht hinein. Ich tu das kategorisch nicht, damit ich mindestens noch eine Stunde mit meinem Sohn habe. Es gibt Firmen, die sogar Betten bereit stellen, damit die Ingenieuere nicht nach hause muessen, wenn eine harte Deadline bevorsteht. So funktioniert es in den USA, in Asien noch schlimmer. Was hat die Schweiz denn vorzuweisen in der Entwicklung von Computern und Kommunikationsageraeten? Wie zB ueberhaupt nichts? Das Geld wird hauptsaechlich mit Banken gemacht, moderne Technik wird in der Schweiz bewundert und konsumiert, aber kaum entwickelt. Ich bin vor 25 Jahren ausgewandert, weil es in der Schweiz auf meinem Gebiet ganz einfach keine Stellen gab. Heute bin ich integriert in dem Teil der Welt, der ihre Gigabit Netzwerke entwickelt, die sie fuer selbstverstaendlich halten. Ich hatte einmal einen Schweizeringenieur angestellt, der nach 10 Monaten schlapp machte, da es ihm zu hart war. Wenn Eni unsere Lebensweise nicht akzeptieren kann, muss sie konsequenterweise viel mehr unserer Gesellschaft in Frage stellen. ZB das ganze Internet.
        Zu hrem zweiten Punkt: Ich finde es natuerlich vollkommenen Chabis, jedes Kind in eine Krippe stecken zu wollen. Es gibt bestimmt Kinder, die besser zu hause betreut werden, und die, genau wie Eni sagt, viel Mutterzeit brauchen. Ebenso gibt es viele Muetter, die zufriedener sind, wenn sie es mit ihren Kleinen schoen haben, als wenn sie einem Job nacheilen muessen, der ihnen keine Befriedigung gibt. Hier in den USA kaeme es niemandem in den Sinn, irgendeine Staatsverordnung zu machen, welche Krippen fuer alle bereit stellt, damit Mami ein paar Stunden arbeiten kann. Zum Glueck. In der Schweiz hat man scheinbar immer noch das Gefuehl, der Staat schulde einem etwas rein wegen der Tatsache, dass man existiert.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Herman: externe Betreuungszeiten von 8.00-19.00h 5Tg/Wch finde ich enorm,
        wie man sich da eine Alltagsbeziehung zum eigenen Kind aufbauen kann ist mir wirklich ebenfalls ein grosses Rätsel. Allerdings ist mir auch klar, dass es ausmacht wo man überhaupt lebt.
        Nur frage ich mich, ob all die Entwicklungen welche Sie ansprechen, mit weniger Arbeitsstunden, oder denselben Arbeitsstunden verteilt auf mehr Schultern nicht ebenso erfolgreich zu bewältigen wären?
        Sehr stark trotzende Kleinkinder sind überall eine riesen Herausforderung, aber dafür gibts ausreichend Hilfestellungen in Form von Literatur. Niemand muss sich von einem Kleinkind tyrannisieren lassen!
        Ich verstehe jede Frau (Elternteil) welche/r nicht die ganze Woche zuhause sein will, aber das andere Extrem, das Kind beinahe nur noch zum füttern, bisschen Spielzeit und zum Schlafen zuhause, das finde ich persönlich nicht erstrebenswert.
        Was mir sehr gefällt, dass Sie sich der bis-in-die-Nacht-hinein-arbeiten-Doktrin verweigern, und ich wünsche Ihnen SEHR, dass Ihnen daraus nicht Nachteile entstehen, dass hätten Sie wirklich nicht verdient!!! Ich habe letzthin eine Dok über die neue Brücke in der Bay gesehen, die Arbeitsstunden und das selbstverständlich 6 Tage die Woche, da blieb mir der Schluckreflex zum leer schlucken irgendwo in den Synapsen hängen.

      • Eni sagt:

        @ Hermann

        Tja, was soll ich Ihnen raten bezüglich der Nerven Ihrer Frau? Ich denke, dass es auch eine Frage des müssens bzw. des nicht müssens ist. Anscheinend ist bei Ihnen genug Geld vorhanden um das Kind für 1500 US $ in den Hort zu schicken, ungeachtet der Arbeitslosigkeit Ihrer Frau, also ist es nicht nötig dass sie Nerven hat dafür und sich durchbeisst. Wenn sie nicht dazu in der Lage ist das Kind zu betreuen, dann ist es sicher besser, wenn man das Kind anderwieitig gut versorgt, bevor Ihre Frau “durchdereht” (ist es so schlimm?) Auch ich bin kein Übermensch, aber ich muss halt einfach Nerven haben. Ich arbeite 2 Tage die Woche. Während dieser Zeit hütet meine Mutter, ansonsten habe ich die Kinder immer ausserhalb der Schulzeit bis auf die wenige Zeit die sie bei ihrem Vater verbringen. Ich kann meine Kinde nicht den ganzen Tag anschreien also MUSS ich durchbeissen :-) bleibt einfach nicht anderes übrig.

        Daran dass es bei Ihnen in der Nähe keine anderen Kinder hat, kann ich nicht ändern, dass können höchstens Sie. Ich habe aber keine Ahnung ob ein Umzug möglich ist, beruflich oder sonstwie bedingt und ich weiss auch nicht, ob Sie das wollen.

        Ob ich Ihre Lebensweise verurteile oder nicht, ist nicht der Punkt: Sie müssen wissen, ob es für Sie richtig ist oder nicht, das kann ich nicht entscheiden für Sie. Ich finde es einfach schade, wenn es keine anderen Möglichkeiten gibt zB Teilzeitarbeit für beide.

      • Odnalro Ressarts sagt:

        @Hermann: wie gesagt, ich respektiere ihre persönliche Argumentation voll, das ganze System ist aber anders. Wenn man hier in diesem Blog (und anderswo) über Krippe diskutiert hängt die Forderung nach staatliches flächendeckender Subvention immer mit in der Luft, weil

        1) das sozial sei (man dürfe Alleinerziehende und sozial Schwache nicht benachteiligen, diese müssen auch ihren Nachwuchs in Krippen versorgen können, daher öffentliches Geld)
        2) man das für “fortschrittlich” hält, wie alles was dem vielbeschworenen Skandinavien abgeschaut ist, dem sozialistischen Wundermärchenland

        Das ist ja nämlich genau die gleiche Diskussion wie mit Obamacare!

        Deshalb ist die Diskussion immer etwas unpragmatisch und ideologisch. Weil es die faktische bürgerliche Mehrheit satt hat, dass die Linken alle ihre Forderungen mit dem Portemonnaie der Besser- (oder überhaupt) Verdienenden, des Mittelstands finanzieren möchte.
        In dem Land, das sie vor 20 Jahren verlassen haben, muss man gerade im Moment höllisch aufpassen, dass nicht ein allgemeiner Niveauverlust erfolgt, weil man sich immer am Wohl der Faulen, Frechen und Dummen orientiert, (darunter Heerscharen von ungebildeten, arbeitsuntauglichen Ausländern). Diesen will die Sozialistische Partei zusammen mit einigen bürgerlichen Kräften, die tagaustagein von “Solidarität” schwafeln und “sozialem Zusammenhalt” demnächst sogar ein Leben in Saus und Braus ermöglichen (”erwerbsloses Grundeinkommen” – eine staatliche Rente für alle ab dem 18 Lebensjahr) und dafür sämtliche Ersparnisse plündern und die Sozialsysteme ausweiden.

        Sie haben recht: die Schweiz schreitet nicht voran auf dem Hightechsektor, aber sie ist stark darin, aufgrund bestehender Technologien neue Innovationen und genauere, noch bessere, effizientere Anwendungen zu finden und perfektionieren und sich so Nischen zu schaffen. Das wird auch in 30, 50 Jahren so sein.

      • Hermann sagt:

        Orlando: Ich koennte mir gut vorstellen, dass die Schweiz auch durch eine Ernuechterungsphase gehen wird, die gewisse Aehnlichkeiten mit der Entwicklung hier haben koennte. Kalifornien war fortschrittlich in allem was sozial oder umweltfreundlich ist. Ich erinnere mich gut an die Tage, wo gebaut wurde wie verrueckt. Geld war billig, Hypotheken gabs fuer jeden fuer fast nichts. In der Schweiz ist es heute aehnlich. Es wird gebaut wie verrueckt, und Darlehen sind billig, weil man den Zins tief halten muss, damit nicht jeder Auslaender seine Bazeli in Franken wechselt. Sobald einmal der Franken schwaecher wird und die Zinsen hochgehen, wird aus der Schweiz Stoehnen zu hoeren sein wie noch selten. Und wie in Kalifornien, werden die Sozialprogramme zuerst abgeschossen. Es wird sicher nicht so hart sein wie hier, denn die Schweiz hat keine so grossen Defizite. Hier war vor ein par Wochen eine Abstimmung, unter anderem, ob man den aermsten Kindern gratis medizinische Pflege geben soll. Abgelehnt, wegen riesigen Defizit Aengsten. Da sind Beitraege fue Kinderkrippen undenkbar. Wer es hier nicht schafft, geht woanders hin. Nicht sozial, aber realistisch. China und Indien stehen nicht hinten an, damit der Rest der Welt sozial sein kann.
        Brunhilde: Die meisten Leute hier arbeiten von 8 bis 17Uhr oder von 9 bis 18 Uhr. Das sind Anstellungen im Stundenlohn. Bei Fixlohn wird von einem erwartet, dass man seine Arbeit erledigt, was meist 10+ Stunden am Tag ist. Viele arbeiten bis tief in die Nacht. Aufteilen von solchen Jobs ist nicht einfach, da man oft der einzige Spezialist auf seinem Gebiet ist. Die Kinderkrippen haben entsprechende Oeffnungszeiten. Viele Einwanderer aus Asien bringen ihre Grossmutter mit, die meisten Europaeer nicht. Selten huetet man sich gegenseitig die Kinder. Besonders Elten aus Asien tun alles, damit sie ihre Kinder sehr frueh ausbilden, damit sie an Spitzenuniversitaeten wie Stanford oder MIT gehen koennen. In Indien ist es das IIT und China hat auch solche Spitzenuniversitaeten. Das hat es soweit gebracht, dass in Europa kaum mehr wesentliche Entwicklungen gemacht werden, selbst die USA faellt zurueck. Wir tun alles, damit unsere Kinder eines Tages nicht hinten im Zug einsteigen muessen. Das mag fuer die Schweiz hart toenen, wird aber in ein paar Jahren sicher auch dort verstanden.
        Eni: Ich beneide sie natuerlich, ich denke, ihre Situation ist optimal.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Hermann: danke, und Ihren Kindern wünsch ich dass sie dereinst nicht nur vorne einsteigen können,
        sondern gleich die Komposition sicher an den richtigen Ort bringen.

      • Eni sagt:

        @ Hermann

        Nein, meine Situation ist nicht optimal: ich bin alleinerziehend und alles andere als auf Rosen gebettet, aber ich mache das Beste daraus und schaue dass meine Kinder nicht darunter zu leiden haben.

      • Patrick Tigri sagt:

        Für 12 bis 1500 Stutz pro Monat kriegt man hierzulande keine Ganztagesbetreuung für ein Kind. Das kostet mehr. Das kann sich nur jemand Gutverdienendes leisten.

        Verglichen mit uns seid Ihr ja der reinste sozialistische Versorgerstaat! Bin ich froh, lebe ich in einem freien Land.

        (Wer Ironie findet, kann sie auswringen und den Saft behalten)

  5. Eni sagt:

    So, Kinder suchen sich Ihre Eltern also selber aus? Ein Schlag ins Gesicht für alle Kinder die von ihren Eltern misshandelt, misssbraucht und zu tode gequält werden!

    • Patrick Tigri sagt:

      Ja, darauf hat Katharina ja auch schon aufmerksam gemacht, auf ihre Weise.

      • heidi reiff sagt:

        Danke Eni, das betrachte ich auch so, leider breiten sich Gurus nach wie vor aus wie Omeletten. Zum Glück glaube ich nicht an das Karma, ich hätte mir andere Eltern ausgesucht.

    • fufi sagt:

      @eni

      Hätte jetzt gern eine fundierte, differenzierte Antwort geschrieben, von wegen dass es welche gibt, die ernstaftigstens meinen, dass Kinder sich ihre Eltern selbst aussuchen.
      Jaja, das Tibetanische und das Aegyptische und das wasauchimmerwelches Totenbuch.
      fta.
      Wer Kinder machen will, sollte sicher sein, das lieben zu können, was dann kommt.
      Punto.
      E Basta.
      Und sonst …………………………

      • Eni sagt:

        @ fufi

        Das sehe ich genauso wie Sie.

        Ansonsten wären ja alle misshandelten Kinder Masochisten. Und wenn man diesen Gedanken weiterspinnt: die Juden wären dann ja auch selber schuld gewesen, wenn sie sich ins Hitlerdeutschland hineingebären lassen. So werden aus Tätern Opfer gemacht.

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