Leben


Michèle Binswanger am Mittwoch den 8. Dezember 2010

Sextipps, die die Welt nicht braucht

Wie Sie vielleicht bemerkt haben, ist Mittwoch der Tag der Entspannung im Mamablog. Am Mittwoch müssen Erziehung und Politik, Patriarchat und Feminismus Platz machen für leichtere Kost. Im heutigen Fall, sehr leichte Kost. Die dafür aber heiss serviert wird, sehr heiss. Denn wenn es draussen kalt und garstig ist, sollen Mann und Frau sich zu Hause unter die Bettdecke kuscheln, so geht eine im kollektiven Unterbewussten der Lifestylemagazine verankerte Wahrheit. Und um das Publikum zu ebendiesem Verhalten anzuregen, geben besagte Magazine gerne Tipps, wie sie ihr Liebesleben in himmlische Sphären abgehen lassen können. Die kuriosesten Beispiele, die wir ihnen im Folgenden nicht vorenthalten möchten, setzen allerdings höchstens das Papier in Brand, auf dem sie gedruckt werden. (Keine Angst, am Bildschirm besteht keine Gefahr.)

Zum Beispiel das deutsche «Men’s Health». Ein unerschöpflicher Quell für erotische Weisheiten. Aktuell wird dort etwa ein «erotischer Adventskalender» feil geboten. Da heisst es zum Beispiel: «Nehmen Sie den Advent wörtlich: adventus est, lateinisch: Er ist gekommen». Und mit welchen Tipss soll da der «vielleicht heisseste Dezember Ihres Lebens» provoziert werden? Lesen Sie selbst.

Mens Health: Ein unerschöpflicher Quell für kuriose Sextipps

«Men's Health»: Ein unerschöpflicher Quell für kuriose Sextipps.

«Stellen Sie sich beim Küssen vor, Sie würden genüsslich ein Eis schlecken, denn so habens die Mädels am liebsten: in Slow Motion, ganz relaxt.»
(Wenn Ihr Liebster in naher Zukunft beginnt, an Ihnen herumzusaugen und Sie dabei unangenehm an ihren Zahnarzt erinnert werden, dann wissen Sie jetzt warum.)

Heute drehen Sie die Heizung auf, schnappen sich Ihre Partnerin und schälen sie aus den Klamotten. Holen Sie einen Eiswürfel aus dem Gefrierfach, platzieren Sie ihn zwischen Ihren Lippen und fahren Sie mit dem Ding über den Körper Ihrer Partnerin. Anschliessend küssen Sie die gleiche Strecke mit leicht geöffnetem Mund.» (Wir dachten, der Dezember soll heiss werden, warum also diese Fixierung auf Eis? Aber wir ahnen, der «leicht geöffnete Mund» wirds schon richten.)

«Wahrscheinlich haben Sie sich schon oft gefragt, was Ihre Liebste besonders heiss macht und was nicht. Wie auch immer, heute finden Sie es heraus. Bitten Sie Ihre Partnerin, Ihnen einen Multiple-Choice-Fragebogen auszufüllen. Punkte darin könnten sein: Welche Körperstelle ist bei dir am sensibelsten? Welche Stellung magst du am liebsten?» (Hmm, jetzt wirds aber wirklich, wirklich heiss. Fragebogen ausfüllen. Hoffentlich im Multiple Choice Verfahren)

«Hat Sie schon mal für Sie gestrippt? Dann sind heute Sie dran. Bevor Sie anfangen: Wählen Sie was Hübsches für drunter, zum Beispiel eng anliegende Boxershorts. Ziehen Sie Socken und Schuhe aus, dafür Jeans und ein Hemd mit Knopfleiste an. Dämpfen Sie das Licht, reichen Sie Ihrer einzigen Zuschauerin ein Glas Prosecco und schieben Sie Santanas «Samba Pa Ti» in den CD-Player. Los gehts – und immer schön den Augenkontakt halten!» (Liebe Männer, nehmt es nicht persönlich, aber wenn ihr das noch nie gemacht habt, dann solltet ihr es auch bleiben lassen. «Samba Pa Ti» hin oder her..)

"Und dann lecken Sie es weg" - Cosmos Geheimnis für grossartigen Sex.

«Und dann lecken Sie es weg» - Cosmos Geheimnis für grossartigen Sex.

Aber nicht nur der Mann soll sich anstrengen. Auch in Frauenzeitschriften haben ein paar Vorschläge, wie sie ihrem Liebesleben einheizen können. «Cosmopolitan» heisst hier die Kronzeugin. Cosmo weiss zum Beispiel: «Guter Sex findet im Kopf statt, keine Frage. Aber sensationeller Sex ist nicht nur ein Feuerwerk für den Geist, Sie spüren ihn im ganzen Körper – in den Ohrläppchen, den Fingern, den Brüsten, den Kniekehlen und im kleinen Zeh.» (Im kleinen Zeh? Dann würde ich die Schuhe für die Nummer das nächste mal eine Nummer grösser kaufen) Aber jetzt zur Sache:

«Der Mund ist so vielseitig, kann küssen, reden, schmecken, lecken und Ihnen und Ihrem Liebsten auf unzählige Arten Genuss bereiten. Erleben Sie anregende orale Inspirationen. Zitieren Sie erotische Lyrik, wenn Ihr Liebster am wenigsten damit rechnet.» Vorschläge: «Mein Herz ist wie ein singender Vogel» von Christina Rossetti. «Mein Herz ist wie eine schimmernde Muschel friedlich treibend durch stilles Meer …» (Wundern Sie sich nicht, wenn Ihr Liebster sich entschuldigt und etwas murmelt von «am Fragebogen arbeiten».)

«Tauchen Sie seine Finger in Honig, Champagner oder flüssige Orangenschokolade und lecken sie langsam ab. Schauen Sie ihm dabei leicht abschätzig in die Augen.» (Leicht abschätzig? Aber bitte nicht zu sehr, sonst rufen Sie die Maskulisten auf den Plan.)

«Tauchen Sie Ihre Brüste in essbare Körperfarbe und benutzen Sie sie, um seinen Körper einzuseifen. Dann lecken Sie alles weg.» (Die Phrase «dann lecken Sie es weg» ist ein wichtiger Bestandteil aller Cosmo-Ratschläge, egal zu welchem Thema.)

«Träufeln Sie warmes Gel über seinen Körper und rubbeln Sie das Ganze runter.» (Man könnte es ja auch weglecken. Aber nur wenn Sie weder Haargel noch Waschgel verwendet haben. Wie wärs mit Zahngel?)

«Tauchen Sie einen Waschlappen in warmes Wasser und fahren Sie damit von seinem Bauchnabel aus abwärts.» (Lassen Sie sich inspirieren und denken Sie daran, dass Sie ihren Gatten sich auch sonst nicht wie einen warmen Waschlappen fühlen lassen sollten.)

«Wärmen Sie seine Socken 20 Sekunden in der Mikrowelle, dann ziehen Sie sie ihm an.» (Nach der Behandlung wird Ihr Mann so gut durchblutet sein, dass er mit Ihnen ins Bett MUSS. Er wird zwar klebrig und nass sein und Socken tragen. Aber was solls?)

Mit Dank an nerve.com.

213 Kommentare zu „Sextipps, die die Welt nicht braucht“

  1. lukipistole sagt:

    Gibt es eigentlich auch solche “Ratgeber” für Charme? Womit wir dann wieder bei den französischen Zustände wären……

    • Auguste sagt:

      hmm…, nein lukipistole, gibt es nicht. charme kann man immer brauchen

    • Martin Wessels sagt:

      Gibt’s tatsächlich, muss man nicht mal angestrengt bibliographieren, einfach “10 beste Flirttipps” oder ähnlich googlen. Dort sind manchmal Hinweise versteckt. Die Ware kommt von den nämlichen Zeitschriften wie er Artikel “Bette bolzen, aber gekonnt”, es sind aber immer wieder auch richtige & wichtige Formulierungen zu finden. Eines ist mir beispielsweise seit Jahren geblieben, der hinreissende Ausdruck “mit Wattebällchen werfen”. Was wohl das taugliche Gegenteil ist zum ebenfalls schön lautmalerischen Schweizer Wort “brackacke”. Smalltalk Fibeln gibt’s tatsächlich auch, und ich habe schon – darf man das denn öffentlich zugegen? – über die menschliche Qualität mancher Ratschläge gestaunt. Die endgültige Charme-Fibel aber schreibt wohl jeder für sich, ein Lebenswerk. Man bleibt doch Jäger und Sammler. Unvergessen im Welschland, treffen sich zwei befreundete Paare mittleren Alters und einer der Herren sagt zur Ehefrau seines Gegenübers “Madame, vous êtes délicieuse!” An der Übersetzung ins Deutsche nage ich immer noch.

  2. Bruno Waldvogel-Frei sagt:

    Guter Sex fängt in der Küche beim Abwasch oder beim Aufräumen in der Wohnung an. Und zwar Stunden früher. Zumindest bei uns. Die liebgemeinten Tipps vergessen, dass Mann/Frau etwas unterschiedlich funktionieren. Das, was uns Männern (oder zumindest vielen von uns) gefällt, ist für viele Frauen (zumindest bei uns ist es so) eher etwas peinlich. Aber wenn der Abend mit Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Zeit zum Reden, tatkräftige Unterstützung und guter Planung beginnt, dann ist der Rest – ob mit Eisstücken oder nicht – ziemlich egal. Der Abend wird ohnehin gut – mit und ohne Multiple Choice. Peinlich wirds nur dann, wenn Mann/Frau den Möchtegernplayboynurfürsieundihn geben soll, als ob man im Tabledance-Lokal aufgewachsen wäre. Das Leben, und damit auch der Sex, ist schön. Aber es verläuft in der Regel sehr viel nüchterner und kitschfreier, als uns das Hochglanzmagazine oder MTV-Clips weismachen wollen. Diesen multimedialen Stress können wir uns also getrost ersparen. Liebe Männer, wenn ihr eure Frauen feurig machen wollt, dann fangt also in der Küche damit an :-)

  3. Reto B. sagt:

    Hervorragende Tipps für all jene Leute, welche sich ihre Informationen lieber aus der Klatschspalte als beim Partner oder der Partnerin holen.

    Auch mit Männern kann man diskutieren, insbesondere wenn das Gespräch mit “ich will dich verführen, was wolltest du denn schon immer mal machen” beginnt. Und die Illusion, welche Jungs haben, dass man der perfekte Liebhaber per Geburt wird (oder eben nicht) und seiner Angebeteten die Wünsche von den Augen ablesen soll, kann man ab einem gewissen Alter getrost mal zur Seite lassen.

    Aufmerksamkeit, offene Gespräche und keine Angst davor, was der Partner von den eigenen Ideen/Vorschlägen hält (Nein sagen kann man immer) bringen einen weiter als solche Tipps.

    • Rahel sagt:

      Aber irgendwann sind vielleicht die “hauseigenen” Ideen ausgeschöpft………was ist dann so falsch daran, wenn man sich anderweitig Ideen verschafft damit das Liebesleben nicht einschläft?

  4. Rahel sagt:

    Was diese Eiswürfel-Sache angeht: ich bin ein echter “Gfröhrli”. Was soll ich da noch mit einem Eiswürfel? Brrrr….da gefriert bei mir jegliche Lust ein! Mit einer Bettflasche mit zwei Öhrchen wirds mir warm……und wärmer……und heiss   :-)

  5. Verena sagt:

    Liebe Rahel
    Ich bin auch ein “Gfröhrli”, doch so ein Eiswürfel ist obergeil!
    Achte darauf, dass rundherum alles schön kuschellig warm ist und du immer heisser :-) . . .
    Du wirst es geniessen – viel Spass!

    • Rahel sagt:

      Sicher? Hab ja auch schon, bevor ich hier davon gelesen habe, davon gehört……bin aber immer noch skeptisch :-)
      Mich frierts allein beim Gedanken dran……..:-) Naja, vielleicht probier ich’s ja doch mal aus, kann ja nicht schaden! Wie heissts so schön: Probieren geht über studieren :-)

      • Sabrina sagt:

        Ich bin auch eher ein Gföhrli, trotzdem mag ich es sehr mit Eiswürfel. Allerdings sollte das nicht zu oft sein und spontan sein. Mein Tipp: Man sollte es in einem Raum machen der genügend warm ist oder nicht alles abziehen. Das Pendant wäre mit Kerzen zu spielen.

      • Rahel sagt:

        Mh, schon eher meine Richtung :-)

  6. erika hugentobler sagt:

    @bruno waldvogel-frei: … und das von einem mann! wunderbar!! es gibt sie also doch noch, die männer, die wissen, wie man seine liebste verführt!!! alle, die ihr echte männer und gute liebhaber sein wollt, nehmt euch das zu herzen.

    • Auguste sagt:

      hmm…., es brannten die kerzlein, in den gläsern dümpelte noch gemütlich der rotwein und in ihrem linken ohr erklang leise die zärtlich gemeinte aufforderung: “mach dich mal schon nackich!”

      natürlich könnte man die sache auch etwas eleganter, jedoch nicht weniger zielgerichtet, angehen:

      youtube: conway twitty – you’ve never been this far before

      zweifellos eine art “höhepunkt” des genres.

  7. Viki sagt:

    Ratschläge gibt es massenhaft, aber wieviel sind wirklich wert? Jede ist anders und keine Ratschläge können für die Algemeinheit gelten. Ich mach meine eigene ratschläge: http://viktoriamichaelis.com/2010/12/gentle-touch/ und trotzdem bekomme ich was anders zu hören: http://viktoriamichaelis.com/2010/12/offers-favors/

    Viki.

    • Auguste sagt:

      hmm…, interessanter blickwinkel, vicki, für jemand der “secrets & desires” gleich neben seinem namen ganz oben auf der web-site stehen hat – if you can’t stand the heat, do not let the matches lay around openly!

      à propos: falls sie die version für köche/innen suchen – gehen sie auf eine gourmet-site.

      • Viki sagt:

        Naja, Secrets & Desires kam zuerst und beleibt bestehen. Seitdem habe ich viele Followers jund manchmal muss ich ein bisschen an die Leine ziehen, besonderes wann es auf Männer kommt die an ihre eigene macho-macht (überzeugungskraft) glauben!

        Viki.

      • Auguste sagt:

        hmm…, sehen sie, viki, in einem spiel, in dem die andere seite fast alle trümpfe in der hand hält, braucht es entweder eine gesunde portion überzeugung oder eine ziemliche dröhnung mit substanzen, die sie ratzfatz den führerschein kosten können, um sich überhaupt darauf einzulassen. eine weitere gängige methode ist natürlich das temporäre absenken des gehirns unter die gürtellinie – wie in dem von ihnen angeführten beispiel.

  8. eddi sagt:

    nicht nur dass es lächerlich ist über diese dämlichen Artikel einen blog zu schreiben, die entsprechenden Kommentare der Schreiberin zeigt mal wieder wie einfallslos manche Leute sind.

    Es sind nur Artikel in einer Zeitschrift, die versucht in schlechten Zeiten die Auflage zu erhöhen.

    Aber was ich noch viel himmelschreiender finde sind die überaus prüden und humorlosen Kommentare! Sex ist massgeschneidert für 2 Personen – und wenn sich irgendjemand irgendwo eine Idee holt, weil er/sie Spass daran hat, dann gibt es nichts aber auch gar nichts dagegen zu sagen. Manche Leute können durchaus über sich selbst lachen oder haben eine andere Idee von Erotik als der Durchschnittsschweizer.

  9. Marianne sagt:

    Ich habe schon lange nicht mehr so gelacht!
    Dann find ich dann Bruno Waldvogel-Frei Ideen schon viel besser als jegliche Multiple-Choice Fragen und warme Socken.

  10. Dieses plärrige Hin und Her, wie lächerlich. Muss denn das Intimste zwischen den Geschlechtern
    so pingpongmässig ausgespielt werden? Lasst doch die Pärchen nach Lust und Laune ihrer
    libidinösen Eingebung folgen. Wer eine Anleitung zum lustvollen Köcheln braucht, krankt an Phantasie-
    armut.

  11. Sabrina sagt:

    Lieber Hans, Du wirst ja nicht gezwungen dies zu lesen, oder? Bei deinem letzten Satz muss ich mich aber fragen, ob dies ein Ausdruck ist aufgrund zuwenig Sex oder eine Abwehrreaktion von Phantasien Dritter ist. Auch beim 6 gilt, Stillstand gleich Rückstand, auch bei diesem Thema muss man ständig den Horizont erweitern (können?) und gegenüber neuem offen sein.

  12. Vielen Dank für die Veröffentlichung Deiner Präsentation.

  13. Henrietta sagt:

    Genial, vielen Dank, ich habe herzhaft gelacht!

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