
Herbst – jetzt haben wir aber brutal Ferien.
Und die Erde dreht sich, und so ist es wieder Herbst geworden, und die Schulen haben geschlossen, und ich sitze mit meinem Mann und meiner Tochter und meinem Sohn im Haus am See, das einst mein Vater gekauft hat. Wir essen gebratene Eier mit Speck und draussen ist es kalt, drinnen warm und der Sohn sagt: Jetzt haben wir aber brutal Ferien.
Nun, ganz so brutal ist es nicht, aber auch nicht so, dass wir die Seele baumeln lassen könnten, dafür ist der Wind am See einfach zu stark, auch wenn man die Seele natürlich eher in der Zeit als im Wind baumeln lässt. Die Kinder bauen eine Hütte, wie ich das einst hier getan habe und sammeln Brombeeren. Wir Erwachsenen mähen den Rasen und schneiden die Hecke und denken darüber nach, wie die Ernte ausgefallen ist und wie der Winter werden wird.
Vorne am Ufer steht die Trauerweide, die wir damals nach dem Tod meines Vaters gepflanzt haben, sie ist zu einem stattlichen Baum herangewachsen, in dessen Zweigen der Seewind spielt wie im lang Haaren einer Frau. Abends sitze ich am Ofenfeuer, und ich lese Jonathan Franzens «Freiheit», in dem er die Unerbittlichkeit familiärer Verstrickungen, die banale Tragik eines gewöhnlichen Lebens nachzeichnet. Irgendwann verbringen die Protagonisten ebenfalls freie Tage an einem Haus am See: «Die ersten Arbeitsgeräusche eines anderen am frühen Morgen haben etwas gefahrvoll Trauriges an sich; es ist, als empfände die Stille Schmerz dabei, gestört zu werden», schreibt Franzen.
In meiner Familie verspürt niemand den Drang, frühmorgens mit der elektrischen Sense durch den Garten zu sausen und die Stille hat sich längstens angewöhnt, allmorgendlich rücksichtslos abgemurkst zu werden. Das soll keine Klage sein, im Mamablog werde zu viel gejammert, beklagte sich neulich jemand. Ich möchte eher meine Bewunderung für die Anpassungsfähigkeit der Stille ausdrücken. Weder beschwert sie sich über das Unausweichliche, noch stemmt sie sich dagegen. Und ich habe mich oft schon gefragt, warum das Thema Familie so negativ behaftet ist, wo es im Grossen und Ganzen doch eine grossartige Erfahrung ist.
Der Hund liegt eindeutig in diesem Grossen und Ganzen begraben. Denn es geht ja eben nicht nur um die kleinen Kümmernisse und Glücksmomente – eine Familie ist viel mehr als die Summe dieser Einzelereignisse. Es bedeutet, andere in sein eigenes Schicksal zu verstricken und in diesen Verstrickungen zu leben und die Verantwortung für alles übernehmen zu müssen. Selbst wenn man daran scheitert, wie die meisten. Irgendwann schaut man zurück und erkennt, wie die kleinen Bekümmernisse verschwinden oder sich verzahnen, um die grossen Lebenslinien zu formen.
In der Passage bei Franzen heisst es weiter: «Die erste Minute eines Arbeitstages lässt einen an all die Minuten denken, aus denen sich ein Tag zusammensetzt, und es ist nie gut, Minuten einzeln zu betrachten. Erst wenn andere Minuten sich zu dieser nackten, einsamen ersten Minute hinzugesellt haben, findet der Tag in seinem Tagsein einen sicheren Halt.»
Vielleicht ist es ähnlich mit der Elternschaft. Man erwacht im frühen Morgen eines neuen Lebens als Vater oder Mutter. Die Stille, die unterbrochen wird, der Wind, den man sät, wenn der Tag voranschreitet, die Stürme, die man erntet und die Seelen, die sich verheddern und wieder befreien. Vielleicht, wenn man Glück hat, genug Zeit verstrichen ist, findet man einen sicheren Halt darin.
Und die Erde dreht sich und es ist Herbst. Und wir packen uns alle warm ein und arbeiten noch ein bisschen im Garten.



Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und ist Mutter einer Tochter. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich und ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
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“Michèle Binswanger hat Philosophie und Germanistik studiert, war als Künstlerin und Kletterin tätig…” – Das hätte man beim lesen dieses Textes NIE gedacht.
Und für sowas zahlen wir steuern….
Und auch wenn Sie schreiben, Sie möchten nicht Jammern, klingt es halt doch mal wieder so. Man könnte meinen Familie zu haben ist sowas wie Krebs haben: Ein Schicksalsschlag an dem man wächst. Ich habe auch Familie und ich habe viel Freude an Ihr! Ist wirklich cool wenn man mag – wenn nicht, kann man ja verhüten.
Lieber Rofl, ich glaube bei ihnen hätte sich etwas mehr investion in etwas mehr bildung gelohnt….
mir scheint, sie haben den text total missverstanden…. es geht nicht um ein krebsgeschwür, und wohl, wenn ich mir die interpretation erlauben darf, auch nicht allein um familie, sondern darum, dass man im verlauf seines lebens gezwungenermassen entscheidungen trifft und verpflichtungen eingeht, die sich nicht mehr rückgängig machen lassen… sei es nur, weil die zeit vergeht… umso älter man wird, umso mehr verengen sich die möglichkeiten! und das unabhängig davon, ob man seine entscheidungen bereut oder nicht…. am beispiel familie bedeutet dies, dass ich, wenn ich einmal kinder habe, nicht mehr in den vorfamilien-status zurück kann… und wenn ich keine kinder habe, und einmal 40 bin, dann ist eine andere türe zugegangen….
mir scheint es ist das, was MB hier sagen wollte, und deshalb scheint mir ihr kommentar vollkommen fehl am platz!!
Danke für den Ratschlag, aber meine Frau hat etwas dagegen, dass ich mich nach einem MSc, einem PhD und einem MBA noch mehr Geld in Bildung investiere. Aber vielleicht kann ich sie ja überreden, dass sie mir einen Kurs in Ausdrucksmalen in der Migros-Klubschule durchgehen lässt.
Ich habe, genau wie Sie den Artikel gelesen und auch meine Schlüsse daraus gezogen. Was MB uns hier sagen wollte steht im Text, was wir darüber denken bleibt uns (und damit auch mir) überlassen.
Klar ist es so, dass, wenn man sich entscheidet Kinder zu haben, viel Anderes (zum Beispiel keine Kinder zu haben) nicht mehr möglich ist. Das liegt an der Natur der Sache. Wenn ich meinen Kuchen Esse kann ich ihn auch nicht mehr anschauen. Entscheidungen müssen immer getroffen werden und man kann grad im Herbst immer darüber nachdenken was wäre, wenn man etwas anderes gemacht hätte. Ändern tut das halt einfach sehr wenig.
Meine Meinung ist halt einfach, dass Familie etwas ganz tolles ist und dass man nicht zuviel Zeit damit verschwenden soll eine Kosten-Nutzen Analyse für getroffene, nicht mehrveränderbare Entscheidungen zu machen. Eine solche Aktion empfiehlt sich ganz am Anfang, bevor man sich entscheidet den Gummi ab jetzt wegzulassen.
ja die konjunktive lebensicht erkennt man am sozialen denkgicht
Um Ihre Ironisierung von Frau Binswangers Bildung im ersten Beitrag nochmals aufzugreifen: Im Gegensatz zu Ihrem MBA und Ihrem PhD scheint Frau Binswangers Bildung zumindest das Lernen von korrekter Rechtschreibung beinhaltet zu haben … Unglaublich, welche Arroganz die Leute sich teilweise anmassen.
@Feststellerin:
Rechtschreibung (und automatische Rechtschreibeprüfung im Word) werden heutzutage leider massiv überbewertet. Ich verspreche ihnen aber ganz, ganz fest, dass ich mich in Zukunft mehr um die korrekte Rechtsschreibung bemühe.
Wenn man inhaltlich nicht mit kommt mit der Argumentation geht man halt auf die Rechtschreibung.
Ja: Ich bin ein wenig ironisch in meinem Kommentar mag sein. Aber Ironie ist nicht Arroganz. Ich bin höchstens ein wenig neidisch, und Neid ist wohl das grösste Kompliment, dass man jemandem machen kann. In diesem Sinne sehe ich auch auch Ihr Posting, Liebe Feststellerin: Danke, dass Sie neidisch uaf meine Ausbildung sind!
Think before you act …. Die Präsentation Ihrer Abschlüsse ist einfach nur peinlich (By the way, die habe ich auch, …) mir hat der Text von Frau Binswanger jedoch sehr gut gefallen. Das Leben ist nicht so technokratisch wie Sie sich das vorstellen. Vulgärphilosophisch ausgedrückt, könnte man sagen, wo viel Freude, da lauert auch viel Trauer, wo viel Licht da ist viel Schatten etc. (habe schlicht nicht die Zeit und Lust das weiter (und vor allem besser auszuführen). Meines Erachtens hat Frau Binswanger diese Ambivalenz sehr gut beschrieben. Danke
@ Hobbes
“Think before you act…”, ist lustig: Wenn es einfach nur peinlich ist, warum tun sie es dann trotzdem? Mir wurde erst vorgeworfen ich sollte mich bilden, danach, dass ich nicht damit protzen soll… Hat mich immerhin eine Menge an Aufwand gekostet, da darf man (und sie dürfen auch, ist ja nicht selbstverständlich dass man das hinbekommt) auch ein wenig stolz sein. Sie mögen das Protzen mit coolen Fachausdrücken und einem möglichst intellektuellen Namen ja auch.
Mein Kommentar zum Blogeintag war in der Essenz dieser: „Ich finde Familie was schönes und man muss nicht immer die Schattenseiten herbeiphilosophieren“. Ich verstehe diese Aggression nicht ganz – was genau müssen sie kompensieren?
Psychologe sind Sie auch?
Ich bin weder aggressiv, noch muss ich kompensieren. Sie haben schon recht, dass Familie etwas schönes ist, aber genau weil Familie etwas schönes ist, besteht doch immer die Gefahr des Verlustes dieses schönen. Je höher der Wert einer Sache, Zustand etc. desto mehr geben wir doch darauf acht weil wir eben keinen Verlust erleiden wollen. Das Rendite/Risikoprofil ist irgendwo weit rechts oben 
…
Finden Sie Stofftiger intellektuell
Rofl, und ein wenig geltungssuechtig bist Du wohl auch noch obendrauf, was? So wie Du mit Deinen gesammelten Akronymchen um Dich schmeisst… es geht doch bei diesem Beitrag um grundsaetzliches und nichts hemdsaermliges… aber anyway, find ein Chinese Sprichwort sagt es: Ebensowenig wie man sich mit einer Grille ueber den Winter unterhalten kann, kann man sich mit einem Frosch ueber den Ozean unterhalten.
Stofftiger und andere Hobbeseriche sind sicher intellektuell, grad so der Thomas. Was das angeht haben wir einen ähnlichen Geschmack. Psychologen esse ich übrigens zum Frühstück (mein Post war wohl ein kleiner Rülpser vom heutigen).
Ich finde den Text wunderschön! Danke.
dito.
Geht mir ebenso! Und lese auch gerade J. Franzen…
thirded.
Rofl, Du bist ein Banause.
Ein berührender, stimmiger Text, danke. Das Eingebundensein in etwas Grösseres, Demut, das Zyklische, Einkehr – all das spüre ich auch immer stark zu Beginn des Herbstes und es verleiht mir viel Kraft.
Ab und zu beneide ich die Frauen fast um ihre Hormone. Da muss unglaublich einfahren!
Und legal ist das auch noch.
Man(n) bist du heute wieder zynisch drauf. lass ihnen doch ein bisschen Sentimentalität und Besinnung.
Wird ja wieder Herbst. Aber neidisch auf Haus am See mit Feuer bin ich schon ein wenig. Lesestunde und Maroni braten
Ich bin nicht Zynisch, mein Neid ist ehrlich gemeint. Unserereins muss sich mit chemischen Hilfsmitteln oder Rosamunde Pilcherfilemen in so eine Lage versetzen. Frau bekommt sowas einmal im Monat umsonst.
Auf das Haus am See bin ich natürlich auch neidisch. Und auf die Zeit mal wieder ein gutes Buch zu lesen. Ich versuche mir in solchen Momenten einfach zu überlegen, auf was andere bei mir neidisch sein könnten, und merke, dass es doch einiges gibt, was nicht selbstverständlich ist. Es ist immer einfacher zu sehen was man nicht hat, als das was man hat.
@rofl
Immerhin hat das Gedicht ein Mann geschrieben. Mercksch öppis?
@Rofl
Also ich behelf mir da meist mit Bier *lach* Rosamunde ist mir dann doch zu viel..
Lassen Sie sich helfen!
Mir gefällt der Text auch! Danke, endlich mal wieder was echt intelligentes im Mamablog!
trauerweide?! geht doch…
@Michèle Binswanger
Sie schreiben ein Bekenntnis zur Familie, zum Lauf des Lebens, wie er eben ist, zu den Beschränkungen der eigenen Existenz.
Mein Haus habe ich mir im August gekauft und verbannt werde ich nicht so schnell daraus. Jetzt rode ich den Garten und freue mich auf den Winter. Der Skilift ist nur 500m weit weg.
Einen lärmenden Rotofil besitzt nur, wer eine Sense nicht in den Griff bekommt, oder wer mit seinem Geld angeben muss. Bei den städtischen Angestellten ist beides der Fall. Die rot-grüne Stadtregierung kann es nicht und hat zuviel Geld. Zeit sparen tut man mit dem Rotofil nicht. Mit der Sense ist man dreimal so schnell und kann erst noch ein Liedleiin pfeifen dazu.
Genau Rot/Grün ist schuld wenn der Motormäher rasselt *lach* Aber viel Spass mit Haus und Umschwung
@Mustermann
Egsakktammänt, die rot-grünen haben zuviel Geld und verpulvern das mit lärmenden Rotofils und Laubgebläsen und Ferngesteuerten versenkbaren Pollern und am Mainframe vernetzten Glascontainern mit Füllalarm.
Man nennt das
a) Nachhaltigkeit, die Leute und die Umwelt werden nachhaltig geschädigt.
b) Sozial verträglich, die Leute ziehen weg an Orte, wo man noch das Zusammenleben erträgt.
c) Umweltgerecht, warum weiss ich nicht, vermutlich weil es dem Ökotop von Reitschulkrawallanten angepasst ist.
@Hansmartin. Das nennt man wohl verzerrte oder selektive Wahrnehmung. Alles, was Ihnen nicht passt, wird automatisch in die rot-grüne Ecke geschoben. Aber das passt ja zu einem speziellen Welt- pardon, Schweizbild. Auch wenn fast überall bürgerliche Politiker am Ruder sind – wenn etwas schief läuft, sind es immer die Linken und Netten…
hansmartin aka max hat hier vor einiger zeit schon so rumgestänkert. jetzt ist er zurück, sein eigener blog läuft wohl zuwenig gut.
einfach lösungen für einfache gemüter.
liebe mb, ja so ist es. vielleicht sollte man auch massiv weniger gschiis um familie machen. die hat man eben. machmal ist es sauanstrengend und manchmal sehr sehr lustig und bei den meisten die meiste zeit sehr normal. und den herren und damen die sich über jammerei aufregen, einmal richtig gejammert und schon gehts einem viel besser. weil man merkt, den anderen gehts genauso und schon ists halb so schlimm…..und ja rofl, hormone fahren ziemlich ein, aber vielleicht ist es auch einfach die erkenntnis, dass man sowieso nur ein winziges staubkorn im universum ist. ein witz in der ewigkeit. ein episödchen.
@bohrerin
sollte einem die Erkenntniss nicht viel freier machen und die Dinge relativieren? Schade haben nicht alle ihre Einsicht.
Dann würde definitv weniger gejammert.
@bohrerin: weniger Gschiss um die Familie…einverstanden, wenn sie damit die oberflächliche und narzisstische Beschäftigung mit dem eigenen Nachwuchs meinen. Aber Familie ist auch der Ort, wo man selber herkommt, geprägt wurde und wenn man sich fragt, wer man eigentlich ist, kehrt man unwillkürlich wieder dahin zurück. Und fragt sich dann vielleicht angesichts seiner Kinder, wie man sie prägt, wie es ihnen mit einer solchen Mutter, einem solchen Vater geht.
@Michèle
Wegen der Prägung würde ich mir keine allzu grossen Sorgen/Hoffnungen machen.
Sie werden ja doch anders als man gedacht hat. Es reicht sie zu unterstützen und als eigenständige Wesen wahr zu nehmen.
Perfekt sein wollen ist sowieso kontraproduktiv
@binswanger
bin total auf ihrer linie. für mich ist die familie das zu hause. und kinder sparen einem ne lange psychoanalyse. man muss nur zuhören.
Ja, eben ‘…aber vielleicht ist es auch einfach die erkenntnis, dass man sowieso nur ein winziges staubkorn im universum ist. ein witz in der ewigkeit. ein episödchen…’ Einfach genial dieses ‘episödchen’…dann wäre wieder das von mir mal erwähnte sky watching an der Reihe…
“die Familie…einverstanden, wenn sie damit die oberflächliche und narzisstische Beschäftigung mit dem eigenen Nachwuchs meinen.”
Nichts gegen den niedlichen Nachwuchs, zählen zur Familie nicht auch die Tante, Onkel, Nichten, Neffen usw?
hmm…, dolly hat sich auch einmal ein paar gedanken zum thema gemacht und noch eine kleine melody dazu geschrieben…
youtube: dolly parton – family
danke! Die Passage mit dem Spiegel gefällt mir am besten (wobei die Auswahl zugegebenermassen nicht ganz einfach war…;-) ), genau das ist für mich das Bereicherndste, Einzigartigste, aber auch manchmal Erschreckendste am Muttersein-, und die Melodie ist eindeutig mehr als klein, merci!
hmm…, my pleasure, brunhild steiner.
Mir gefällt der Text sehr gut, danke!
Zeitlose Herbstbetrachtung – danke. Ich würde aber nicht gerade behaupten, dass das Thema “Familie” negativ besetzt ist, es kommt auch immer auf die BetrachterIn an (oder die Journalistin, die darum herum einen polarisierenden Bericht stricken will).
@ michèle binswanger
“…Familie ist auch der Ort, wo man selber herkommt, geprägt wurde und wenn man sich fragt, wer man eigentlich ist, kehrt man unwillkürlich wieder dahin zurück.”
hmm…, auch auf die gefahr hin etwas langweilig zu wirken, aber dazu gibt es ein kleines meisterwerk von dolly:
youtube: dolly parton – coat of many colors – with lyrics
ein kleines “danke schön” für einen schönen text und nebenbei noch eine überleitung zum gestrigen “functional clothes” thread.
Liebe Frau Binswanger
Und doch ist einer, der dies Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält?
Würde mich noch wunder nehmen, ob Sie das am Ende auch so sehen.
@Tilleul: Wollte dieses Thema erst noch reinnehmen, aber darüber muss ich glaubs einen eigenen Blogbeitrag schreiben.
Oh ja, das verstehe ich! Na dann auf ein Neues
@ Giorgio Girardet: Welches Gedicht? Und: Nein ich merke nichts. Tut mir leid, was sollte ich merken? Dass man auch als Mann Gefühle zeigen kann, dass auch Männer Oxytocin haben, dass auch Männer Phil I Studieren können? – ich checks voll nöd, Monn
Nun die Schreibe von Frau Binswanger nimmt eine Gedichtzeile von Rainer Maria Rilke zum Ausgangspunkt, der Text spielt im Haus, das ihr Papa gekauft hat und schliesslich kuschelt sie sich in die Sätze von Franzen. Gänzlich aussen vor bleibt der Kindsvater (der hat der Frau Binswanger nicht mal den Namen geben dürfen, denn man will ja vom Psychiater Nitzsches abstammen), der die Kinder gezeugt hat, die Hütten bauen. Wird hier an diesem Text nicht unendlich klar, dass eine Michele Binswanger ohne Testosteronträger ein Nichts wäre? Darum sind wir auf den Text gespannt, wo es dann um den Himmlischen Vater geht, jene Testosterongetriebene Kraft, welche das Haus des Universums “gekauft” hat und Trauerweiden und Kinder spriessen lässt. Vielleicht gehst mal wieder in eine Kirche, liest ein Lyrikband oder besuchst einen Migroskurs: Poesie für Manager.
Das geht ja fast schon unter Schleichwerbung was wir hier machen…
Ich mag Poesie und schöne Gedichte. Zum Teil wird in die wenigen Zeilen einfach ein wenig viel reininterpreteiert. Ich lese sowas, mir gefällt es, ich freue mich. Nicht in jedem Gedicht von einem Prominenten Dichter liegt die Erklärung des Lebens, des Universums und der verlorenen Socken zu Grunde. Ich bin der Meinung, dass einige Gedichte einfach aus Freude (oder meinetwegen auch Trauer) geschrieben wurden und zur Unterhaltung dienen. Mit gutem Willen und entsprechend geschwollenen Ausdrücken kann auch der Film “Terminato”r, als bedeutungsschwangere Kritik an der Industriellen Revolution gesehen werden, wo der Mensch seines Gesichts und seiner Individualität beraubt wird. Oder Mann kann sich einfach unterhalten, freuen und dann in die Stadt auf ein Bier gehen.
Mit Ihrem Beitrag haben Sie der Frau Binswanger ihre herbstlich idyllische Ferienstimmung
aber gründlich vermiest, Herr Girardet………
@Sigi
Das war durchaus nicht die Absicht. Wie kommen sie denn auf sowas? Ich wollte Rofl zeigen, dass es hier keinen Anlass gibt über die den Hormonhaushalt von Damen sich zu beschweren. Nene, die Frau Binswanger kann und wird sowas kaum erschüttern. Die ist mit sich selber brutal im Lot, weshalb ihr auch so schöne Texte glücken. Was wären wir denn hier ohne Frau Binswanger, die kommentieren lässt? Ein Nichts.
Danke Giorgio Girardet für die “Aufklärung”. Wenn auch die Philosophie mit dem Nichts-sein nicht meiner entspricht.
Habe vor 4 Jahren ein altes Haus in Ungarn gekauft, mit meinem letzten Geld, liess 2 Zimmer renovieren und hab auch darin gewohnt 1 Jahr, viel Land und auch ein Tannenwald , Bekannte und Freunde haben auch Ferien genossen, eigentlich war es
ein Paradies. Habe oft mit Gratisinseraten versucht das Haus zu verkaufen, praktisch Null Chance, die äussere Fassade ist einfach nicht repräsentativ, es ist halt nicht so super gepflegt, eher etwas wild , kanns ja nochmals versuchen mit Gratisinseraten. Landschaftlich ist Ungarn ein schönes Land, viele weisse Birken.
ist das jetzt ein Gratisinserat oder eine Einladung mal zu besuch zu kommen und die Landschaft zu geniesen?
Xundheit!
@Hans Mustermann
Sie merken aber auch gar nichts.
Der Vater hat ein haus gekauft am See.
Sie hat ein Haus gekauft in Ungarn.
Voila: die Verbindung.
Und Heidi hat angtoent, dass sie dass sie die liegenschaft verkaufen wollte.
daher: Preis? m2. anzahl zimmer? wieviel umschwung? baujahr? region?
i can offer cash w/o financing.
In der Passage bei Franzen heisst es weiter: «Die erste Minute eines Arbeitstages lässt einen an all die Minuten denken, aus denen sich ein Tag zusammensetzt, und es ist nie gut, Minuten einzeln zu betrachten. Erst wenn andere Minuten sich zu dieser nackten, einsamen ersten Minute hinzugesellt haben, findet der Tag in seinem Tagsein einen sicheren Halt.»
Also speziell diese Passage hat es in sich und regt zum Sinnieren an… und ja, mehr dazu möchte ich nicht preis geben. Danke Michèle für diese fast schon tiefgründigen Gedankengänge, die mehr Männer auf den Plan rufen, hier zu kommentieren als Frauen. Eine eindrückliche Leistung in diesem Bl0g oder sind die über den Tag verteilten Bloggerinnen etws überfordert mit Ihren Beiträgen? Ich ahne Schlimmes und harre der Dinge bzw. Einträge die noch kommen… ;-
Jaja, jetzt kommt sowieso die trübselige depresive Phase des Jahres. Da kann ich mir ja den Rest der sommerlichen Leichtigkeit in meiner Gefühlswelt auch gleich noch schnell mit auseinaderpflücken von Zeit, und der Erkenntniss das es anders vieleicht besser gewesen wäre und ich schon wieder einenTag näher an meinem Letzen bin, erschlagen.
Goodbye Sommerhoch Hello Winterdepression..
Warum nicht die mächtigen Sinnkraftwerke des Kirchenjahres wieder würdigen? Bettag, Alpabzug, Erntedank. Allerheiligen, totensonntag, Reformationssonntag, Adventszeit? mit jeder hermeneutischen Lebensjahrdrehung schmecken sie herber, reifer, süsser. Nur muss man sie schon als Kind kennengelernt haben.
Für mich ganz klar ein Nein, weil die Kirche in meinen Augen kein Sinn sondern eher Unsinnkraftwerk ist, das vieles einfach aus älteren Glabensrichtungen und Gebräuchen schamlos geklaut und als Eigenes augegeben hat und des weitern sich nicht im mindesten weiterentwickeln will. Von all den Gräueltaten und schamlosen Bereicherungen im Lauf der 2 Jahrtausenden ganz zu schweigen.
Aber, Hans Mustermann, das sehe ich ganz anders, denn ich bin ein Herbstkind und liebe diese fast melancholischen Stimmungen dieser Jahreszeit. Was gibt es Schöneres im Herbst, als im Herbstlaub zu flanieren und die Blätter rascheln zu hören? Die Dunstschleier des spärlich werdenden Lichts durch die Weinberge schleichen zu sehen und in der Blauen Stunde in einem Weintorkel zu hocken, einen Sauser oder Landwein, ein Stück Alpkäse mit einem herrschaftlichen Zvieriplättli zu genehmigen? Da kommen in mir Erinnerungen hoch von meiner Jugendzeit, als auf dem grosselterlichen ‘Heimetli’ die reiche Ernte auf und unter den Obstbäumen gemeinsam eingesammelt wurde, davon feiner süsser und saurer Most für die ganze Familie für den langen strengen Winter gepresst wurde mit der eigenen Saftpressel und abgefüllt in 25 Liter Flaschen mit Zapfhahn. Ich atme tief die würzige Luft ein und spüre intensiv, dass meine Lebensgeister noch sehr vorhanden sind. ;- Ich bin dankbar für solche Glücksmomente und spüre überhaupt keine aufkeimende Winterdepression. Spürsch’s was i mein?
@Widerspenstige
Danke. Das kann einen Sonne und Meer Fan zwar nur bedingt erheitern aber jetzt hab ich plötzlich Hunger
Ich habe diese ‘Sinnkraftwerke des Kirchenjahres’ bis zum Abwinken in meiner Kindheit durchgemacht und auch meinen Kindern versucht, den Sinn darin zu vermitteln. Je älter sie wurden, desto mehr widersetzten sie sich dem sonntäglichen Kirchenbesuch, welcher während ihrer Schulzeit unumgänglich war – hier auf dem Land sowieso. Das Glockengeläute jeden Sonntagmorgen hat so machtvoll geklungen, dass der Hinterletzte hinter dem Ofen hervor gekrochen kam und in die Kirche ging. Das waren noch Zeiten. Dann wurde der Spagat innerhalb meiner Familie zwischen Katholizismus und Buddhismus so krass, dass wir in Kompromissen fast versunken sind (uff!). Hervor kam dann die Einsicht, dass das Sinnvollste aus jeder Religion bzw. Lebensphilosophie heraus kristallisiert werden muss und bestimmte Rituale die Seele nähren und stärken. Inzwischen sind die Kinder volljährig und bestimmen selbstverständlich selber, wie sie es handhaben wollen. Aber als Eltern bleibt man das Vorbild und darf sich nicht durch schöne golden verzierte Barockkirchen und Kerzenständer beeindrucken lassen und auch das ‘Unsinnkraftwerk der Kirch’ aufzeigen. Heute finde ich die Räucherungen mit Myrrhe und Weihrauch während bestimmten Messfeiern sehr interessant und springe dabei einfach in die Welt der Metaphysik rüber. Dann haben Bettag, Erntedank, Allerheiligen und Allerseelen und besonders die Rauhnächte zwischen Weihnachten und Drei Königstag eine ganz andere Bedeutung. Hier setze ich an und daraus ergeben sich hochinteressante Diskussionen innerhalb meiner Familie, Verwandten und Bekannten.
“es ist nie gut, Minuten einzeln zu betrachten.”
Das kommt m. E. auf den Sachinhalt und die Umstände drauf an. In glücklichen Momenten geniesst man gut und gernen jede Minute, in unglücklichen hingegen möchte man diese überspringen.
Wie wahr, wie wahr, Eremit!
Ein schöner Text. Ein bisschen poetisch, ganz unerwartet! Und auch für Frauen (hoffentlich!) verständlich…
Frauen sind ja an sich nicht weniger schlau als Männer. Männer haben einfach mehr Zeit während der Arbeit solche Postings zu schreiben, als die Frauen (aka Mütter) die zu Hause auf die Kinder aufpassen (oder sich mit Ihnen beschäftigen oder was unternehmen).
Wenn ich als Mann denn “Mamablog” lese kann ich mich emotional mit dem Elternsein auseinandersetzten und habe dann ein wenig weniger schlechtes Gewissen, dass ich meinem Kind vorwiegend durch den Broterwerb diene. Ich räche mich also gewissermassen beim “System” dafür (indem ich unproduktiv bin), dass wir alle in geschlechterspezifische Rollen gezwungen werden.
Ist eigentlich Sommerschlussverkauf oder warum hat sich noch niemand auf das “(hoffentlich!)” gestürzt?
Das frage ich mich schon die ganze Zeit, wieso hier ein hektisches Schreiben herrscht, wenn es um Kleider, Schuhe, Buggy im öV etc. geht. Aber wenn ein etwas philosophisches Thema von MB erscheint, dann kommen die Kommentare sehr spärlich und vorwiegend von Männern. HALLOOOOO!
@Widerspenstige
Weil Männer an Frauen nur das eine Interessiert: DAS PHILOSOPHISCHE. Vor allem im Cyberspace.
@Widerspenstige
Vielleicht haben gerade wegen solcher Bemerkungen, wie du sie eben gemacht hast, Männer die Frauen lange Zeit von den Studien ferngehalten. Denn nichtwahr – das störte vielleicht Rofl, der noch so viele Titel erwerben möchte (Drama der Weiterbildungskonkurrenz im gleichberechtigten Paar) – sowas Schreiben, dass kann wohl auch ein Frauenzimmer, das Katechismus, Gesangsbuch, Kinderliede und Andachtsliteratur intus hat. Da braucht es vielleicht wirklich kein Studium zu. Schön ists aber trotzdem.
vielleicht weil frauen einfach den Text in sich nachklingen lassen, ins Sinnieren kommen, die paar guten Kommentare geniessen und Schreibpause machen…;-), und warum waren eigentlich Sie so ungewöhnlich früh unterwegs?…;-)
Giorgio, ich möchte jetzt nicht die gute Stimmung hier ins Negative schwenken, aber das bezweifle ich doch stark ‘…Weil Männer an Frauen nur das eine Interessiert: DAS PHILOSOPHISCHE. Vor allem im Cyberspace..’. Oder relativieren in ‘es giibt vereinzelt Männer, die an Frauen nur das eine interessiert: DAS PHILOSOPHISCHE im REALEN LEBEN, wobei im Cyberspace nur diese Ader zählt. Ja, es braucht nicht zwingend ein Studium dazu, auch die Lebenserfahrung zählt ja bekanntlich ebenso stark. Aber die treffenden Worte zu finden, um so beeindruckende Wertschätzung wie heute als Leitartikel-Autorin hier zu finden – und vorallem bei gebildeten männlichen Wesen – dazu braucht es von jedem ziemlich viel. Also, Chapeau an Michèle!
Fuer mich ist der Kernsatz obiger Betrachtung eine Definition der Familie:
Es bedeutet, andere in sein eigenes Schicksal zu verstricken und in diesen Verstrickungen zu leben und die Verantwortung für alles übernehmen zu müssen. Selbst wenn man daran scheitert, wie die meisten.
Das ist exakt so. Man koennte es nicht besser sagen.
“Und ich habe mich oft schon gefragt, warum das Thema Familie so negativ behaftet ist,..”
(ohne den Hintergrund des Textes durch die anderen Kommentare zu kennen) Es wirft die Frage auf wer durch Äusserungen dem Thema Familie auf welche Art etwas negatives anhaftet.
Ich hab zwar nur die Hälfte verstanden und nicht ganz, warum jetzt der Hund in dem Garten vergraben worden ist, aber ich find’s trotzdem filosofisch. Brutal filosofisch. Den Sohn immerhin hab ich verstanden.
A la sombra del manzano rosal.
El cuerpo, la palabra y la mente están en perfecta unidad.
Envío mi corazón junto con el sonido de esta campana.
Que quienes la escuchen despierten del olvido
y trasciendan el camino de la ansiedad y el sufrimiento.
Im Schatten des rosa blühenden Apfelbaums.
Der Körper, die Rede und der Geist sind in vollkommener Einheit.
Ich schicke mein Herz zusammen mit dem Klang dieser Glocke.
Dass die zu Weckenden aufhorchen aus der Vergessenheit
und den Weg der Angst und des Leidens transzendieren.
Ein wunderschöner Artikel, Michèle.