
«Sogar in Entwicklungsländern haben die Frauen heute Kinderwagen...»: Junge Tragetuchträgerin aus einer Industrienation.
Rosa Kleider, rosa Sonnenbrille, rosa Muckisack: Meine Tochter war während ihrer ersten Lebensmonate oft von Kopf bis Fuss in den zarten Farbton gehüllt. Ich mag Rosa. Und meine Kleine sieht süss aus darin. Vor allem aber habe ich auf die Bedeutung der Farbe vertraut und war mir sicher: Ganz in Rosa gekleidet erkennt jeder von Weitem, dass es ein Mädchen ist – und die nervige Frage «Ist es ein Junge?» bleibt mir erspart.
Falsch gedacht! Die Kleine kann noch so kitschig daherkommen, es findet sich unterwegs garantiert jemand, der einen nach dem Geschlecht des Babys fragt. Ist das nun bloss eine etwas hilflose Taktik, um mit der Mutter ins Gespräch zu kommen? Oder sind unsere Mitmenschen tatsächlich alle so aufgeschlossen, dass sie denken, auch Jungs tragen rosa Röckchen?
Im Vergleich zu anderen Kommentaren ist die Frage «Junge oder Mädchen?» natürlich harmlos. Junge Mütter bekommen noch ganz anderes zu hören. Hier meine absolut subjektive, von verschiedenen Mamas inspirierte Hitparade:
Platz 15 Thema Familienplanung: «Ihr habt doch schon ein Pärchen, weshalb wollt ihr trotzdem noch ein drittes Kind?»
Platz 14 Die Mutter trägt ihr Baby im Tragetuch: «Das Kleine erstickt ja fast, es ist so eng eingepackt.»
Platz 13 Tragetuch zum Zweiten: «Verwöhnen Sie es nur schon jetzt, indem Sie es immer tragen. Das wird mal ein richtig frecher Bengel.»
Platz 12 Tragetuch zum Dritten: «Sogar in Entwicklungsländern haben die Frauen heute Kinderwagen, aber in der Schweiz tragen die Mütter ihre Babys plötzlich alle in diesen Tüchern herum.»
Platz 11 Ein Mann steht auf dem für Kinderwagen vorgesehenen Platz im Bus, die Mutter muss ihren Wagen in den Gang stellen: «Immer diese Kinderwagen, die versperren alles.»
Platz 10 Im Manor-Restaurant: «Was machen Sie denn in der Stadt mit Ihrem Baby? Das arme Kind gehört doch in die Natur.»
Platz 9 Die Schwiegermutter zum Thema Wiedereinstieg ins Berufsleben: «Macht doch schnell ein Brüderchen, dann kannst du zu Hause bleiben.»
Platz 8 Die Kassiererin fragt, wie alt das Baby ist: «Es ist aber gross für sein Alter.»
Platz 7 Ein Tag später, dasselbe Baby, dasselbe Thema: «Es ist aber klein für sein Alter.»
Platz 6 Auf dem Nachhauseweg am Sonntagabend um 22 Uhr, das Baby schläft friedlich im Kinderwagen: «Sie sollten sich schämen, um diese Zeit noch mit dem Baby unterwegs zu sein. Das Kleine gehört doch schon lange ins Bett!»
Platz 5 Das Baby weint, weil es müde ist: «Es hat bestimmt Hunger.»
Platz 4 Das Baby weint, weil es zahnt: «Es hat bestimmt Hunger.»
Platz 3 Die schwangere Mutter hebt den Buggy alleine ins Tram, weil ihr niemand hilft. Da sagt ein anderer Passagier zu ihr: «Sie sollten nicht mehr so schwer heben in ihrem Zustand.»
Platz 2 Eine Pensionierte an der Migros-Kasse: «Warum müssen Sie denn kurz vor Ladenschluss mit dem Baby einkaufen gehen, Sie hätten doch den ganzen Tag Zeit dafür.»
Platz 1 Wenige Wochen nach der Geburt, die Mutter hat noch einen kleinen Bauch: «Oh, gibt es schon bald ein Geschwisterchen?»
Bestimmt haben auch Sie schon einiges erlebt. Was sind Ihre persönlichen Top 3 der nervigsten Sprüche?
Jeanette Kuster, 35, ist freie Journalistin und Mutter eines bald einjährigen Mädchens. Vor der Geburt ihrer Tochter war sie zehn Jahre lang als Redaktorin bei verschiedenen Medien tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich.



Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und ist Mutter einer Tochter. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich und ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
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ICh bin 23, habe einen Sohn von 4 Monaten. Ich Trage Tragetuch und schiebe Kinderwagen, je nachdem was praktischer ist. Ich stille voll und muss dies auch ab und an in der Öffentlichkeit tun, wenn ich unterwegs bin und mein Kind hunger bekommt. Ich wohne NICHT in der Schweiz, sondern in Berlin. Ich habe bisher immer nur positive Reaktionen auf das Tragetuch, so auch auf meinen Sohn erhalten. Ich werde eigentlich, wenn überhaupt, nur gefragt “was ist es denn?” und dann vielleicht noch wie alt er denn ist. Ich habe mich nie angegriffen gefühlt wenn mal jemand fragte, wenn ich mit Tuch unterwegs war, ob ich mir keinen Kinderwagen leisten kann *lach*. Ich finde es sogar wirtzig. Ich sage dann nett, “Doch, ich habe sogar einen, aber heute wollten wir mal kuschelnd durch die Gegend laufen!” und damit ist dann gut. Jetzt wo der Kleine auch die Ärmchen draußen hat werde ich auch nicht mehr gefragt ob der Kleine Luft bekommt da drin. Und auch wenn ich es gefragt wurde war es keine DUMMHEIT sondern UNWISSENHEIT und das ist ja kein Verbrechen. Ich muss mich ja auch nicht mit etwas auskennen, dass ich nicht in Gebrauch habe oder besitze. Und vor allem, womit ich mich noch nicht auseinandergesetzt habe und das tun nunmal Keine Kinderlosen Menschen oder ältere Leute, die das nicht mehr brauchen.
Und wenn ich blau anziehe und nach einem Mädchen gefragt werden würde, würde ich mich darüber ja nicht ärgern. schließlich tragen auch mal Mädchen blau, genau wie ich viele männer mit rosa Hemden sehe. Ausserdem war rosa früher für Jungs (Stammhalter) gedacht.
Ich finde aber AUCH, der Ton macht die Musik. Würde ich an der Kasse gefragt werden warum ich JETZT noch einkaufe kurz vor Ladenschluss, dann würde ich wohl antworten “Weil ich eben JETZT hier bin” denn das sind Dinge die ich keinem Fremden erklären muss. Ich bin zwar der Meinung, man muss auch mal mit Kind länger irgendwo zu Besuch sein können, aber ich finde auch, dass es vom Alter abhängig ist. Ich bin Nicht der Meinung, dass jetzt jemand hier eine schlechte Mutter ist, weil sie mit ihrem Kind um 22uhr unterwegs ist, finde aber persönlich, dass dies für ein BAby keine Zeit ist um die es noch draußen sein sollte.
Mein Kind schläft um 20 uhr ein und ich werde unruhig, wenn ich merke, mein Kind ist müde und ich hab keinen Platz wo es shclafen könnte, wenn ich zu Besuch bin selbst wenn es 16uhr ist. Er gehört zu der Sorte die schon seit längerer Zeit nur noch 4x am Tag 30 Minuten schläft statt schlafen-stillen-schlafen-stillen.
Worüber ICH mich aufrege ist, wenn man angesprochen wird beim Stillen, warum ich das nicht zu HAuse machen kann?! WEIL ich nicht zu HAuse bin und mein Kind JETZT SOFORT hunger hat und ich nicht einsehe warum ich mich zu HAuse einshcließen muss, nur weil ich stille. DAS sind DInge über dieich mich aufrege wenn die Frage nicht höflich als Interessierte Frage rübergebracht, sondern vom Ton her entsetzt und Vorwurfsvoll rüber gebracht wird.
Und noch zu den Leuten die sich hier aufregen, dass Mütter sich aufregen oder denken es dreht sich alles um sie. Ich finde, wer von uns Müttern verlangt nicht beleidigt auf Beleidigungen oder Vorwürfen zu reagieren, die ohne Hintergrundwissen zur Situation oder zum Umstand ausgesprochen werden, dann ist das tatsächlich Familienfeindlich. Ich kann verstehen, dass man nicht verlangen kann das alle Welt sich auskennt, aber ich kann NICHT verstehen, dass alle Welt dennoch versucht zu belehren und die Kompetenzen der Mutter damit in Frage stellt.
Viele Kommentare die man sich als Mutter anhören muss von MEnschen die selber mal Kinder groß gezogen haben, sind bezogen auf die Vergangenheit, wie es mal gemacht WURDE. Und wenn man dann aufklären will, weil man ja weis, dass diese PErsonen nicht wissen können das es heute so und so läuft (Beispiel: Stillen nach Bedarf und nicht nach Zeit oder Thema schreien lassen weil man das Kidn sonst verwöhnt – so ein schwachsinn), weil die Erkenntnisse im laufe der Zeit erneuert wurden. Dennoch wird einem dann nicht geglaubt und über den Mund gefahren und DAS finde ich schon die Aufregung wert.
Da kann ich Dir nur voll zustimmen und es tut gut mal einen “normalen” Kommentar zu lesen. Einfach natürlich mit der Situation umgehen und nicht bei vermeintlich “blöden” Fragen gleich persönlich angegriffen fühlen. Aber auch nicht belehren und intolerant sein. Das sollte uns allen gelingen.
m, 41, ohne Kinder.
Die Top 3:
- “Ich hatte auch fünf Kinder und wir haben das ohne Auto geschafft. Meine Kinder mussten eben helfen….”
- “Schau mal, das Dritte ist auch schon unterwegs, das Zweite kann noch kaum laufen und dann sind sie erst noch barfuss.”
- “Ja, ja, jetzt ist er noch süss. Aber warten Sie, bis er zwanzig ist. Dann reisst er Ihnen das Herz aus der Brust.”
immer noch und einfach nur peinlich der mama-blog
peinlich?
diese “ums verroden müssen wir uns hier rechtfertigen” einstellung nervt gewaltig.
Hm. Bin ja auch viel mit meinen Kindern unterwegs. Hätte aber äusserst Mühe gehabt, 15 nervigste Sprüche zusammenzustellen, die ich selber erlebt habt. Vielleicht 5. Oder eher 3. Und wenn ich richtig darüber nachdenke: keinen, an den ich mich am nächsten Tag noch erinnert habe.
Den Kommentar von Steffi am 12.09. finde ich sehr gut.
Ich würde mich auch hüten, die oben 15 aufgezählten Sachen in unangemessenem Ton zu einer Mutter zu sagen.
Was mich allerdings oft nervt, ist die Rücksichtlosigkeit, die einige Kinderwagen-schiebende Frauen an den Tag legen, und leider gibt es davon ziemlich viele hier in Berlin. Am besten immer schön in der Mitte des Gehweges schieben, und einer entgegenkommenden Person auch nicht einen Millimeter ausweichen. Das Gleiche in Einkaufsgeschäften.
Oder die Mütter, die mit einem Kind links, einem rechts gehend oder eher schleichend den gesamten Gehweg versperren und nicht in der Lage sind, ihren Kindern einmal klar zu sagen, mach bitte Platz.
Der Gehweg ist nun mal nicht nur für Mütter oder Väter da, und ausweichen oder Platz machen für andere sollte eine Selbstverständlichkeit sein, die auch dem Kind vorgelebt werden müssen. Oft ist es meiner Meinung nach nur Faulheit oder Dreistigkeit, mit der sich diese Mütter oder Väter um die Regeln des guten Zusammenlebens drücken.
Platz 2 finde ich einigermassen berechtigt, wobei es über Mittag beschissener ist.
Vor der E-Banking Aera kam da noch
“Wieso müssen die Pensionäre ihre Einzahlungen über Mittag machen, wenn der Büezer Zeit dafür hat, sie hätten den ganzen Tag Zeit.”
dazu.
Auf der anderen Seite sehen es viele Leute als eine so grossartige Leistung an, ein Kind zu haben, dass sie denken, ihnen stünden alle Privilegien zu.