Im fünften Beitrag der Expertenwoche «Schule-Spezial» fordert der oberste Schweizer Lehrer Beat W. Zemp, endlich aktiv gegen den Lehrermangel vorzugehen. Er nimmt Politik und Eltern in die Pflicht, die sich gemeinsam bemühen sollten, den Lehrerberuf aufzuwerten.

Diese so sympathische Frau Lehrerin, der das Wort Burnout so fremd ist wie Berufsverdrossenheit, unterrichtet leider nicht in einem hiesigen Schulzimmer. Sie entstammt vielmehr einem Produkt der Filmfabrik Hollywood (Hilary Swank in «Freedom Writers», 2007)
Lange, zu lange, hat es gedauert, bis die Politik die Warnungen der Lehrerverbände endlich ernst genommen hat und etwas gegen den Lehrermangel tun will. Dabei sind die Ursachen für den heutigen Lehrermangel seit längerem bekannt. Waren 1998 erst 20 Prozent der Schweizer Lehrerschaft älter als 50 Jahre, so sind es heute bereits 35 Prozent. Bis 2020 werden gegen 30′000 Lehrpersonen pensioniert. Das Bundesamt für Statistik rechnet zudem ab 2014 mit einem weiteren Anstieg der Schülerzahlen auf der Primarschulstufe. Zwar gab es Lehrermangel und Lehrerüberfluss je nach Konjunkturlage schon immer. Aber diesmal haben wir es wegen der kommenden Pensionierungswelle nicht mit einem konjunkturellen sondern mit einem strukturellen Lehrermangel zu tun.
Einfach auf den Markt zu hoffen, der das Problem von Angebot und Nachfrage schon irgendwie lösen wird, wäre nicht nur naiv, sondern fahrlässig. Die Bundesverfassung garantiert in Artikel 62 allen Eltern, dass ihre Kinder einen ausreichenden Schulunterricht erhalten. Gefordert sind daher in erster Linie die Kantone, die für die allgemeinbildenden Schulen zuständig sind.
Für einmal sind sich Lehrerverbände, Bildungspolitiker, Schulleitungen und Elternorganisationen einig: Die Attraktivität des Lehrerberufs muss erhöht werden. Wo aber soll man ansetzen? Eine Salärvergleichsstudie hat gezeigt, dass vor allem die Einstiegslöhne bei den Lehrerberufen nicht mehr konkurrenzfähig sind gegenüber den Löhnen entsprechender Berufe in der Privatwirtschaft. Verbessert werden muss aber auch die Zusammenarbeit mit den Eltern und den schulischen Spezialdiensten, um schwierigen Kindern und Jugendlichen zu helfen, ihren Bildungsweg zu finden. Das geht nur mit genügend Zeit. Daher müssen die viel zu hohen Pflichtpensen reduziert werden, die sich seit 150 Jahren nicht verändert haben. Schliesslich muss auch der Kernauftrag der Schule neu definiert werden. Die Schule kann nicht immer mehr Nacherziehungsaufgaben und gesellschaftliche «Reparaturaufträge» übernehmen.
In seiner ersten bildungspolitischen Grundsatzrede hat US-Präsident Obama seine Landsleute eindringlich dazu aufgerufen, Lehrer zu werden: «Ich appelliere heute an eine neue Generation von Amerikanern, unserem Land in unseren Schulzimmern zu dienen. Wenn Sie einen Unterschied machen möchten im Leben unserer Nation, wenn Sie das Beste aus Ihrer Hingabe und Ihren Talenten machen möchten, wenn Sie sich einen Namen machen möchten mit einem Vermächtnis, das von Dauer ist, dann werden Sie Lehrer. Amerika braucht Sie!» Diesen Appell wünsche ich mir auch von Schweizer Politikern und von Eltern. Doch eine Univox-Umfrage der Universität Genf zeigt ein völlig anderes Bild: Immer mehr Eltern raten nämlich vor allem ihren Söhnen davon ab, den Lehrerberuf zu erlernen, wenn diese vor der Berufswahl stehen. Neun von zehn Befragten glauben zudem, dass der Lehrerberuf in den letzten Jahren schwieriger geworden sei. Es braucht daher auch bei Eltern und bei der Politik ein Umdenken und vor allem mehr Wertschätzung gegenüber dem Lehrerberuf. Nur so werden wir auch in Zukunft wieder genügend gute Lehrpersonen bekommen.
Beat W. Zemp ist Präsident des Dachverbandes der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer (LCH)
Die Sommerferien sind vorbei, auf den Trottoirs tragen ABC-Schützen stolz ihre neuen Theks in die Schule, die Grossen wechseln in die Oberstufe, einige fahren zum ersten Mal mit dem Zug ans Gymi. Jeder hat eigene Erinnerungen an die Schulzeit, gute und schlechte. Die Volksschule geht uns alle an. Nicht zuletzt, weil sie derzeit reformiert und umgebaut wird. Der Mamablog begleitet deshalb den Schulstart mit einer Expertenwoche zur Volksschule. Das Schule-Spezial lässt Lehrer, Künstler, Politikerinnen, Psychologen und Wissenschaftler zu Wort kommen.
Zum Abschluss der Expertenserie wird die Zürcher Regierungsrätin und Bildungsdirektorin Regine Aeppli Fragen und Diskussionspunkte von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, in einem Blogbeitrag beantworten. Fragen und Anliegen können Sie während der ganzen Woche direkt in einem Kommentar zum jeweiligen Tagesthema mit dem Vermerk @Aeppli formulieren. Die Redaktion wird die Fragen sichten, auswählen und der Regierungsrätin vorlegen.


Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und ist Mutter einer Tochter. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich und ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
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was mir an diesen diskussionen immer wieder auffällt, ist die tatsache das sich selten mehr einer sich zu einem beruf berufen fühlt, sondern immer/oft/meist finanzielle überlegungen ausschlaggebende argumente für die ergreifung eines bestimmten berufes sind.. ist mir klar, dass es wichtig ist vom gehalt für seine arbeit leben zu können, seine eigene familie ernährem zu können. aber wo bleibt die berufung, wo der ehrgeiz etwas zu tun um der allgemeinheit zu dienen, wo der einsatz für unsere jugend, wo das zurückstellen der eignen bedürfnisse? in all den berufen wo früher menschen tätig waren die in erster linie dem allgemeinwohl dienten, wie z.b. hausärzte, seelsorger und ganz speziell lehrer.
ich stelle mir vor, dass es für einen lehrer etwas grandioses sein muss, jungen menschen auf den rechten weg zu helfen, ihre neugier zu wecken und ihnen ethische begriffe nahe zu bringen. oder einem seelsorger, der einem menschen aus einer krise heraushelfen kann ohne rücksicht auf seine sprechstunden, einem hausarzt der in erster linie den vor ihm sitzenden menschen sieht und nicht die rechnungskopie vor augen hat.
ich bin mir bewusst, dss diese meine ansichten sehr veraltet und nicht mehr geläufig sind, vielleicht aber wäre die rückkehr zu solchen berufsentscheidungen ein guter weg.
zum thema lehermangel; es kann doch nicht sein, dass diese tatsache so überraschend gekommen ist. pensionierungen sind absehbar, gespräche mit betroffenen hätten schon lange klären können ob ihnen ein weiterarbeiten eine option wäre. wenn aber zuständige politikerInnen in der lage sind ihre kinder auf privatschulen wo kein lehrermangel herrscht zu schicken und dies auch tun ist doch irgendwo der wurm drin.
müsste man die alarmlampen doch bei allen zuständigen stellen, blinken sehen.
lehrer sein ist heute vermutlich einer der anspruchvollsten berufe die man ergreifen kann und durch die akademisierung ein mühseliger und steiniger. lehrer haben heute einen sehr schweren stand da auch im elternhaus eine grosse anspruchshaltung gegebüber dem lehrpersonal herrscht. immer mehr erziehungsaufgaben werden von den famiien “ausgelagert” und den leher zugeordnet. früher waren leher nicht respektspersonen und hatten meistens die volle unterstützung der eltern, heute isz die sehr selten der fall. mit all den quasi alternativen erziehungsmethoden, werden verantwortung für vieles was eigentlich im elternhaus geschehen sollte, den lehrer aufgebürdet. das ist eine aufgabe der nur wenige gerecht werden können und vielleicht ein weiterer grund für den nwillen vieler, lehrer zu werden.
ich weiss, dass meine nsichten sehr verstaubt sind, aber ich wollte sie doch mal in die runde “werfen”!
Viele junge Menschen entscheiden sich aufgrund ihrer “Berufung” dazu, Lehrerin, bzw. Lehrer zu werden und sie üben diesen Beruf auch eine Zeitlang mit aller Hingabe aus. Dann nach einigen Jahren sind sie allerdings massiv verschlissen. Verschlissen von Eltern, von Politikern, von Behörden, von Umständen die nicht beeinflusst werden können und auch verschlissen von Kindern und Jugendlichen, die sich im schulischen Umfeld völlig anders gebärden können, als sich dies die Eltern vorstellen.
Wenn man dann nach einem 12 Stunden (Stunden, nicht Lektionen!) Tag mit einem “nicht – Lehrer” spricht, darf man sich noch vorwerfen lassen, dass man doch bitte schön nicht so jammern solle, habe man doch den lockersten Beruf der Welt. 12 Wochen Ferien, mörderisch hoher Lohn und kürzest mögliche Arbetistage. Und als Sahnehäubchen noch das Vergnügen, sich immer mit hochmotivierten und inspirierenden jungen Menschen auseinandersetzen zu können. – Komisch, will bei dieser öffentlichen Meinung keiner mehr den Beruf ausüben …..
Nein. Es liegt nicht nur am Geld. Ich bin mir sicher, dass die meisten Lehrer das mehr an Geld umgehend in ein weniger an Lektionen ummünzen werden – was die Stellensituation noch einmal zusätzlich verschärfen wird. Es liegt vielmehr daran, dass man sich nach einigen Jahren sagt, dass man mit weniger Einsatz und Leistung, weniger Stress und Ärger und noch dazu weniger Angriffen auf die Persönlichkeit, in der Wirtschaft wesentlich mehr erreichen und vor allem bekommen kann. Und das ist eine Tatsache. Meine Arbeitstage dauern dann nur noch 8 – 10 Stunden (anstelle von 12 bis 16 Stunden als Schulleiter), kein Mensch rechnet mir mehr vor, dass meine Arbeitsstunden ja nur 45 min lang seien (welcher Arbeitnehmer – vom Lehrer mal abgesehen – wird nur für die tatsächlich geleistete Arbeit bezahlt? Müssen Sekretärinnen für den Weg zum Kopierer und zurück ihre Pausen einziehen, da sie dann ja nicht arbeiten???…), die Wochenenden gehören wieder nur mir und der Familiie und werden nicht durch Korrekturen und Vorbereitungen zerstört und – und das ist auch ein nicht zu vernachlässigender Punkt – ich bekomme umgehend mindestens 20% mehr Lohn.
Ich denke, dass sind genügend Argumente für den Wechsel.
Dagegen spricht einzig die Tatsache, dass Lehrer tatsächlich ein toller Beruf war – und sein könnte.
“dass man mit weniger Einsatz und Leistung, weniger Stress und Ärger und noch dazu weniger Angriffen auf die Persönlichkeit, in der Wirtschaft wesentlich mehr erreichen und vor allem bekommen kann”
Ahja… und das haben Sie vermutlich auch ausprobiert, dass Sie das als Tatsache hinstellen können?!
Aber hallo habe ich das.
Ich wage mal zu behaupten, dass bei der Erziehung von Kindern bei vielen Erwachsenen eine grosse Unsicherheit vorliegt. Die Bandbreite der Erziehungsstile ist gross – nach der superautoritären Erziehung des letzten Jh. kam der antiautoritäre und der laissez faire Stil, heutzutage werden Kinder oftmals überbehütet u. ihnen wird jeder Wunsch von den Augen abgelesen. Es gibt keinen allgemein gültigen Erziehungsstil mehr. Erziehung hat mit gesundem Menschenverstand zu tun, die Grundbedürfnisse des Kindes gilt es zu erfüllen. Dazu gehört auch Grenzen setzen.
Am einfachsten ist es, auf der Lehrerschaft herumzuhacken, da man zu seiner eigenen Unsicherheit ja nicht stehen will.
Gibts in dieser Debatte eigentlich irgendwelche Fakten?
Ich schlage folgende vor:
1. Die Löhne der Lehrpersonen sind in den letzten 30 Jahren deutlich gesunken. Aber es ist nicht die einzige Branche, in der die Löhne gesunekn sind.
2. Wesentliche Bildungsinnovationen brauchen 20 Jahre von ihrer ersten Einbringung bis zu ihrer etablierten, erfolgreichen Umsetzung. Das Zeigt die historische Bildungsforschung. Das hat damit zu tun, dass die Schule immer die Gesellschaft als Ganze betrifft und daher nicht nur ein Lehrer technisch etwas anderes tun muss, sondern ein ganzes System sowohl auf technishcer als auch auf mentaler sich verändern muss.
3. Es finden heute im Bildungsbereich sehr viel Reformen statt. Viele Reformideen sind gut. Die Qualität der Ideen und Ziele ist in der Regel auch nicht das Problem. Oft stammen sie von Pädagogen selber.
4. Es gibt im Arbeitsrecht einen Grundsatz: Für geleistete Arbeit werde ich entsprechend entlöhnt. Im Lehrerberuf gilt dieser Grundsatz oft nicht: Für neue, zusätzliche Arbeiten wird oft keine Entlöhung entrichtet. Sie wird vom Regierungsrat beschlossen. Oder z. T. in einer Abstimmung entschieden und dann von den Verwaltungen umgesetzt. Dieser Mechanismus löst bei Angestellten ein Ohnmachtsgefühl und ein Gefühl des Ausgeliefertseins aus. In anderen Branchen wird es analoge Probleme geben.
5. Obwohl der der Lehrerlohn gut ist und die Gesellschaft immer wieder das Bild des lockeren Jobs zelebriert, gibt es immer weniger Leute die Lehrer werden wollen, und es gibt immer weniger die als Lehrer eine Vollzeitstelle haben wollen. Und die meisten, die von den Vorzögen des Lehrers reden, winken schnell ab, wenn man ihnen vorschlägt, diesen lukrativen Beruf dann wegen der vielen Vorteile doch zu ergreifen.
6. Es stimmt nicht, dass Lehrer kein Ansehen geniessen. Mir sind Eltern und Schüler immer mit Respekt begegnet. Und ich kenne nur wenige Fälle, bei denen das anders. Gewisse politische Parteien haben die Tendenz Lehrer, in der Regel aber Intellektuelle im Allgemeinen, schlecht zu machen.
7. Die Bürokratie hat im Lehrerberuf deutlich zugenommen. Es gibt neu bzs. verstärkt: Datenerhebungen für Evaluationen, stärkeres Controlling dadruch ein administrativer Controlllingapparat, Protokollierung von Arbeitssitzungen, Protokollierung von Abläufen zur Rechtssicherung der eigenen Arbeit etc.. Für die Datenerhebung und die Evaluation werden in anderen Branchen eigens Abteilungen errichtet und professionell eingebildete Leute eingestellt, an Schulen machen das in der Regel die Lehrpersonen – die in sozialiwissenschaftlicher Datenerhebung und Statistik in der Regel nicht ausgebildet sind – zusätzlich selber.
8. Unterricht lebt vom Engagement der Lehrpersonen. Engagement kann man nicht verdnen und konrtollieren. Controlling entbindet die Lehrperson zunehmend von seiner Eigenverantwortung. Wenn er die Papiere xy termingerecht und korrekt ausgefüllt abgibt, ist er ein guter Lehrer. Dieser Mechanismus führt bei einem Teil der Lehrer zu einem Rückgang der Motivation. Was aber schlimmer ist: zu einer Schmälerung der Eigenverantwortung. Heute müssen Schulleitungen Selbstverständlichkeiten konrollieren.
9. Viele Lehrer jammern. Richtig. Viele jammern nicht. Richtig. In vielen Branchen jammern die Angestellten. Auch richtig. Was solls? Jammern ist der Ausdruck von irgendetwas. Reden wir lieber über die Sachen als übers Jammern.
10. Lehrer seien Ineffizient. Manche, manchmal. Privatunternehmen seien effizient. Manche, manchmal. Ich kann nur sagen, dass ich das so nicht erlebe. Unsere privaten Partner, die für uns Aufgaben übernehmen, bewegen ihre Arme keinen Milimeter über das Hinaus, was mit ihnen vertraglich abgemacht ist. Wenn das ein Lehrer machen würde, würden Schulen per sofort nicht mehr funktionieren. Was beim Effizientvorwurf nicht auf geht ist Folgendes: Privatunternehmen sollen ja effizient sein, weil der Martk sie dazu zwingt. Weil aber eine Lehrperson offene Arbeitszeiten hat, hat er es in der eigenen Hand mehr oder weniger zu arbeiten. Wenn ich meine Aufträge und Aufgaben inneffizient erledigte, habe ich gut und gerne 80 Stunden-Wochen, wenn ich effizient bin eine 50 Stunden-Woche. Was den Lehrberuf für Aussenstehende scheinbar inneffizient macht ist Folgendes: Viele Menschen mit Gefühlen, Engagement, Karrierevorstellungen, Ansprüche an der Arbeitgeber, eine mehr oder weniger hohen Berufsethos müssen sich in einer Schule täglich genau über diese Themen unterhalten, streiten, sich einigen, verhandeln – Lehrer, Vorgesetzte, Schüler, Eltern. Diese sozialen Prozesse gehören zum Kern des Lehrerberufs. Das ist anstrengend und braucht viel Zeit. Als Vergleich: Studien gehen davon aus, dass in der Privatwirtschaft 30% der Arbeitszeit in persönlichen Auseinandersetzungen, Gesprächen und Nettigkeiten mit Kollegen und Vorgesetzten “verloren” gehen. Und dabei geht es dort oft “nur” darum, ein materielles Produkt zu produzieren. In der Schule ist Bildung oder Ausbildung der Kern. Gespräche, die wirklich etwas bewegen brauche Zeit und Kraft. Alle Menschen verlängern gerne ihre Kaffeepause – wenn sie können. Beim Lehrer lohnt sich das letztlich für ihn selber nicht.
Schön zusammengestellt. Was mir aufgefallen ist während der Schulkarriere meiner Kinder – die neigt sich dem Ende zu:
Es gibt keinen Leistungsansatz bei den Lehrkräften. Sie haben keinen “Chef” und können machen, was sie wollen. Manche verteilen seit Generationen die gleichen Blätter, haben eine Kaffeemaschine in ihrem Zimmer, einen Eisschrank, und verköstigen sich, während dem die Kinder Aufgaben zu lösen haben. Das habe ich genau so erlebt, sollte das einer hier nicht glauben. Die Klassenzimmer wurden abgeschafft, es gibt jetzt nur noch Lehrerzimmer, dIe Kinder müssen teilweise innert fünf Minuten mit dem ganzen Gepäck, Mänteln und Turnzeug von einem Zimmer ins nächste. Wehe, man hat noch Turnen…
Mir scheint, dadurch hat sich die Schere zwischen guten und schlechten Lehrern stark geöffnet, die einen haben ihr eigenes Reich geschaffen und machen einen leichten Job, die andern engagieren sich nach wie vor So oder so: Konsequenzen hat es nicht. Haben die schlechten Lehrkräfte mit einer Klasse zuviel Probleme und die Eltern werden aktiv, wird einfach umgeteilt bis die neue Klasse am selben Punkt ist.
Für die Motivation hat das verheerende Folgen, denn der engagierteste Lehrer kommt sich so vermutlich irgendwann blöd vor. Denn belohnt wird sein Engagement nicht, die Klassen kommen und gehen über die Jahre und man fängt immer wieder von vorne an. Perpetuum mobile bis zur Pensionierung.
In der Privatschule, in der ich ein Kind eine zeitlang hatte, war das vollkommen anders. Die Lehrer mussten sich bewähren, der Erfolg der Klasse wurde ihnen zugerechnet und wenn es nicht klappte. wurde ihnen gekündigt. Ich traf AUSNAHMSLOS motivierte Lehrkräfte an. Dies äusserte sich im Übrigen auch in der Kleidung: anders als in der Staatsschule erschienen die Lehrkräfte im Unterricht, am Elterngespräch und so weiter durchs Band gut gekleidet, sauber und rasiert. In der Staatsschule riskiert man, vor einem stinkenden, unrasierten Menschen in vergammeltem Outfit zu sitzen und fragt sich halt, was die Kinder von dem denken mögen, bringt man denen doch bei, sich anständig zu benehmen, wozu Manieren und Kleidung halt einmal gehören.
Kurzum: die Privatwirtschaft beurteilt die Mitarbeitenden auch, wer gute Leistung erbringt, kann etwas erreichen. Dieser Anreiz fehlt hier vollkommen und sollte wohl geschaffen werden. Andernfalls fehlt ein Ansporn, und viele motivierte junge Leute verzichten lieber, denn was können sie schon erreichen? Der Lehrerberuf ist derzeit ein einsamer Beruf.
Im Lehrerberuf gibt es sehr wohl lohnwirksame Beurteilungen und (abhängig von der Gemeinde) sogar Leistungsprämien. Die sogenannte Mitrbeiterbeurteilung (Mab) des Kantons Zürich wird aber zu einem nicht unerheblichen Teil von einer Laienschulbehörde durchgeführt; sprich: vom Volk gewählte Kaufleute, Landwirte, Schuhverkäufer, Hairstylisten, Architekten, Juristen, Ladenbesitzer (die Liste ist endlos) BEURTEILEN LOHNWIRKSAM die Arbeit eines Lehrers. Dies ist in Europa einzigartig.
Mein Chef ist übrigens der Schulleiter, der mich jährlich (zwar nicht lohnwirksam aber in intensiver Zusammenarbeit und mit differenzierten Zielvereinbarungen) beurteilt. Er ist die Schnittstelle zwischen Lehrperson und Schulbehörde.
Ich kann also nicht “machen was ich will”.
@ Cara Mia: Gewisse Aussagen sind doch eher sehr schubladisierend und pauschal. Privatschullehrer sind besser angezogen und besser gepflegt als Lehrpersonen an der Volksschule…? Ganz ein übles Statement.
Mich nähme es wunder, warum Eltern sich entscheiden, ihr Kind weg von der Staats- hin zur Privatschule schicken… Da kenne ich auch sehr viel pauschale Aussagen dazu.
@mostindianer: in Basel ist es nicht so. Wir sind mit einigen engagierten Lehrern befreudet, und die regen sich total darüber auf, dass sie Kollegen nicht loswerden können, die dem Schulbetrieb auf die beschriebene Art schaden. Es gibt höchstens eine Supervision, eine moderierte Aussprache mit den Eltern und dergleichen. Mehr kann man hier nicht machen.
Natürlich gäbe es Vorgaben, aber wenn sich einer nicht dran hält, geschieht hier praktisch nichts.
Kleidung: sorry, die ist häufig oberlausig, aber natürlich gibt es auch gepflegte Lehrer. Ich höre dann auch die Bemerkungen Zuhause, die Kinder beobachten den Lehrer ja eine Stunde lang und haben ein unglaubliches Erinnerungsvermögen (der hat dieses Hemd schon die zweite Woche an, der ist doch ein Säuli, haha).
Und ja, die Privatschule, in die wir unsere eine Tochter schickten, die hatte wirklich Stil. Weshalb wir sie da hin schicken mussten: weil das baslerische Konzept einer Gesamtschule über die ersten sieben Jahre für ein cleveres Kind der Untergang ist. Sie langweilte sich depressiv und wurde dann auf dringende Empfehlung des Schulpsychischologischen Dienstes solange aus der öffentlichen Schule genommen und in eine Privatschule geschickt, bis sie ins öffentlich Gymnasium gehen konnte. In der Privatschule ist sie richtiggehend aufgeblüht und im Gym ist sie jetzt auch happy.
Pauschalisier Du mal schön, Mostindianer, aber wenn der Staat selber empfiehlt, ein Kind müsse umgehend aus der Staatsschule genommen werden, weil es sonst ernsthaft Schaden nimmt, dann stimmt doch was nicht an diesem System.
Ich würde auch meinen, dass das nicht ganz stimmt (ich sage nicht, überhaupt nicht):
Der Leistungsansatz wird auf mehreren Ebenen durchgesetzt:
- Elternmitsprache (Eltern hören über ihre Kinder, was im Unterricht geschieht. Sie können sich bei Missfallen an die entsprechende LP oder an die Vorgesetzten wenden. Mängel, die wirklich belegt werden können und gegen allgemeine Grundsätze der Pädagogik, der Didaktik oder der Wissenschaft verstossen, werden in der Regel korrigiert). Eltern können zudem den Unterricht besuchen und dann gegebenenfalls Einwände vorbringen.
- Schülermitsprache: Ein einigermassen integerer Lehrer reagiert auf seine Klasse(n). Es gibt nichts Unangenehmeres, als vor Menschen zu referieren, die gelangweilt sind, desinterssiert sind, die einen am liebsten auf den Mond schiessen wollen. Ich kenne keinen Kollegen, den es kalt lässst, wenn Schüler seine Arbeit schlecht finden.
- Controlling durch Vorgesetzte wie die Schulleitung, Schulkommission, Prüfungskomission. Sie findet periodisch statt.
- Mechanismen des Qualitätsmanagements: Evaluation der Arbeit, die heute an fast allen höheren Schulen Standard ist.
- Bei groben Verstössen ist ein Disziplinarverfahren möglich, sogar Entlassung. Dieser Mechanismus ist schwierig, weil Leistung nicht so einfach messbar ist und juristisch derartige Verfahren ziemlich anspruchsvoll sind.
- Lehrpersonen werden bei uns in der Regel zu Beginn nicht unbefristet eingestellt. Erst wenn nach 1-2 Jahre keine wesentlichen Beschwerden seitens Schülern und Eltern eingegangen sind, wird eine Lehrperson in einem Wahlverfahren richtig verpflichtet.
- Abschlussprüfungen sind ein Leistungsausweis jeder Lehrperson. Schaffen die Schüler den Abschluss, ist das einmal ein Zeichen, dass er seine Arbeit einigermassen ordentlich gemacht hat. In diesem Zusammenhang sind sogenannte Abgängerbefragungen sinnvoll, die der Schule zeigen, ob die Schüler auch tatsächlich erfolgreich sind, nachdem sie die Schule verlassen haben.
Leistungslohn hat sich an allen Orten, wo er eingeführt wurde, nicht als sinnvoll erwiesen. Erstens ist Leistung nur sehr schwer zu messen. Es gibt zwar anerkannte Kriterien, was guter Unterricht ist, seine Evaluierung ist aber nicht in 45 Minuten möglich (ausser bei grober Unfähigkeit). Es gibt viele Formen guten Unterichts – das eine der wenigen eindeutigen Resultate der Bildungsforschung. Zweitens ist es schwierig, den Leistungsmesser zu bestimmen. Drittens braucht es Leistungslohn nicht, wenn es um wirklich schlechte Leistungen geht – dort müsste es möglich sein Lehrpersonen nach einem erfolglosen Coaching zu entlassen. Viertens ist Unterricht eine sensible Zone – weil ein Lehrer auch einen Teil seiner Seele verkauft, damit wird Leistungslohn für viele ein sehr emotionales Thema. Die Praxiserfahrungen im Kt. Zürich mit Leistungslohn sind sehr ernüchtern. Schliesslich: Es gibt keine Studien, keine Untersuchungen, dass Leistungslohn irgendetwas bringen würde. Die Gefahr ist, dass ein Lehrer schliesslich nur noch die Leistung abgibt, die mit dem Leistungslohn gemessen wird – dann bleibt von seiner Leistung nicht mehr viel übrig, und alles lässt sich nicht kontrollieren und bewerten, der Lehrerjop ist zu umfassend.
Hoppla. Das klingt ja spannend. In der Privatschule wird also der Lehrer für den Erfolg der Klasse verantwortlich gemacht. Das heisst also, dass die Kinder bloss mal ein bisschen “dumm tun” müssen, schon fliegt der Lehrer? Wie kann er sich wehren – ganz einfach. Er senkt die Anforderungen so lange, bis alle Schüler und Eltern ihn mögen (weil die lieben kleinen dann ja sooooooo tolle Noten haben. Viel besser als früher in der Regelschule). Na das sind ja tolle Aussichten.
Es ist doch logisch, dass schulische Erfolge IMMER auf die Genialität der Kinder und ihrer tollen Eltern zurückzuführen sind, wohingegen Misserfolge durch den Lehrer zu verantworten sind. Iin diesem Zusammenhang sollte man sich mal die Frage stellen, was eigentlich den Erfolg einer Schule / eines Lehrers ausmacht. Ist es die gute Note im Zeugnis, ist es die Tatsache, dass das Kind eine weiterführende Schule besuchen kann bzw. einen Ausbiludngsplatz bekommt, oder ist es nicht vielmehr so, dass der eigentliche Erfolg der Schule überhaupt erst nach 20 – 30 Jahren zu messen wäre? Dann nämlich wenn sich einigermassen abschätzen lässt, ob das Kind von damals in der Schule das notwendige Rüstzeug erhalten hat, um sein Leben zu meistern?
@Roland Mühlemann
Ich finde Ihre Auflistung sehr gut besonders für Nicht-LehrerInnen und Eltern, die einen mehr oder weniger frustrierenden Marathon mit ihren Kindern durchlaufen sind, danke sehr!
1. Die Löhne der Lehrpersonen sind in den letzten 30 Jahren deutlich gesunken. Aber es ist nicht die einzige Branche, in der die Löhne gesunekn sind.
6. Es stimmt nicht, dass Lehrer kein Ansehen geniessen. Mir sind Eltern und Schüler immer mit Respekt begegnet. Und ich kenne nur wenige Fälle, bei denen das anders. Gewisse politische Parteien haben die Tendenz Lehrer, in der Regel aber Intellektuelle im Allgemeinen, schlecht zu machen.
Und was genau sind die Gründe, wieso die Löhne gesunken sind?
Dazu dürfte Ihr Punkt 6 die Erklärung abgeben, dass ‘gewisse politische Parteien’ sprich allen voran die ach so volksnahe SVP das Bildungsbudget rigoros zugunsten von Wirtschaftsinteressen zusammen gestrichen haben – jetzt sind die Konsequenzen dieser unüberlegten Sparwut sichtbar! Aber diese Kreise wollen keine Verantwortung dafür übernehmen und das ist tragisch und die Leidtragenden sind LehrerInnen UND SchülerInnen. Und da gebe ich @mostindianer Recht, dass es überall wimmelt von Laien – im Parlament angefangen bis zu den Schulbehörden – die Leistungsbeurteilungen durchführen, die ihre Fachkompetenz sprengen. Das darf nicht länger toleriert werden und es muss ein Umdenken bei den Entscheidungsträgern stattfinden und endlich längerfristig Bildungsmodelle anderer Länder adaptiert – nicht übergestülpt! – werden. Das Erfolgsmodell aus Finnland ist weltweit anerkannt und dafür absolut geeignet, denn in den Volksschulen wird meines Wissens dreisprachig unterrichtet. Dies würde unserer Vielsprachigkeit genau entgegen kommen und die Röstigräben endlich ein bisschen mehr zuschauffeln. Dass die Pflichtpensen seit 150 Jahren! nicht mehr geändert worden sind, spricht Bände über den Stand unserer Entwicklung oder besser gesagt Unter-Entwicklung im Bildungswesen gemessen an anderen ähnlich mehrsprachigen Ländern. Hier in der Themen-Woche wird anscheinend nur von der Deutschschweiz gesprochen, die Suisse Romands, das Tessin und das Engadin sind da noch gar nicht enthalten oder?
Dabei sollte aber nicht übersehen werden dass eine Schule, in der fast alle Kinder die eigene Muttersprache-, welche zugleich die Landessprache ist, tadellos sprechen,
ganz anders aufgebaut werden kann.
Bei uns lernen Zweitklässler (oder exakter gesagt “sollten lernen”), welche das Deutsch nicht wirklich intus haben,
auf Deutsch das Frühenglisch.
Nun, das ist unser System. Laienpolitker entscheiden über Sachfragen. Das ist zum Teil sehr ärgerlich und auch fatal, andererseits hat es auch seine Vorteile. Fatal ist ja eigentlich nicht, dass die SVP das Geld streicht. Wirklich fatal ist, dass – während die SVP das Geld streicht – die SP und die FDP die Bildungsbürokratie ankubeln. Meistens bringen letztere die Vorschläge als Regierungsräte und letztere verweigern in den Parlamenten das dafür notwendige Geld. Und… das Projekt wird ausgeführt.
@Widerspenstige
In Finnland gibt es drei Landessprachen: Finnisch, Schwedisch und Samisch. In Gebieten, wo der prozentuale Anteil der finnischsprachigen Menschen höher ist, ist Schwedisch die erste Fremdsprache und umgekehrt. Die Stadt Turku ist das beste Beispiel, dort reden etwa die Hälfte der Einwohner finnisch und die andere schwedisch. (Etwa vergleichbar mit Biel, Kanton BE)
Ein finnisches Schulsystem in die Schweiz zu transferieren ist aber trotzdem sehr schwierig, da die kulturellen Unterschiede doch sehr gross sind.
Dazu kommt, dass die Schweiz noch viel mehrsprachiger ist, als eine Zehnernote verrät: Der Anteil an fremdsprachigen Kindern in Finnland liegt (mal abgesehen von den Ballungszentren wie Helsinki oder Turku) unter 10%.
In Finnland evaluieren sich die Schulen selbst. Der Lehrmittelmarkt ist weitgehend liberalisiert. Es gibt keine obligatorischen Lehrmittel, der (einzige) Lehrplan ist dafür gültig für den ganzen Staat….
Schweiz – Finnland in vielerlei Hinsicht: schlicht nicht vergleichbar.
Danke mostindianer, ich ändere also auf:
…dass eine Schule, in der fast alle Kinder die eigene Muttersprache-,
welche zugleich in ihrer Region die Landessprache ist, tadellos sprechen,
ganz anders aufgebaut werden kann.
Mit einem Lächeln auf den Lippen, verärgert, amüsiert und Kopf schüttelnd habe ich mir die Kommentare zum Thema „Lehrer“ durchgelesen. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Nicht-Lehrer glauben, unseren Beruf beurteilen und kritisieren zu können.
Grundsätzlich möchte ich einmal festhalten: JEDE(R) kann diesen Beruf erlernen, 13 Wochen Ferien, Arbeitszeiten von 8 bis 16 Uhr und dieses Gehalt geniessen! Es herrscht Lehrermangel. Infos zur Ausbildung unter http://www.phzh.ch ! Vergessen Sie aber nicht die Unterrichtsvor- und Nachbereitung, die verschiedenen Arbeitsgruppen, in welchen man mitarbeitet, die Hausämter, Elterngespräche, Elternabende, Räbeliechtliumzug, Erzählnacht, Lager, Sitzungen usw…!
Ich liebe meinen Beruf und beklage mich weder über meinen Lohn noch über die anfallenden Aufgaben. Ich weiss, worauf ich mich eingelassen habe und mich täglich einlasse.
Was uns Lehrpersonen zu schaffen macht, sind zum Beispiel Leute, die während ihrer Arbeitszeit nichts Besseres zu tun haben, als alles besser zu wissen und dies in Foren, wie diesen, Kund zu tun. Kein anderer Beruf wird so stark kritisiert wie der unserer – ob zu Recht oder nicht überlasse ich jedem selbst. Alle wissen es besser und doch will keiner dieser Kritiker in den Beruf einsteigen. Warum wohl?
Das Schwierige am Unterrichten sind nicht die Kinder, sondern die Eltern. Dies ist meines Erachtens auch der Grund, warum es viele Lehrpersonen in unserem Land gibt, die den Beruf nach bereits wenigen Jahren wieder an den Nagel hängen und sich etwas Neues suchen. Vielleicht müssen die lautesten und schärfsten Kritiker sich zuerst selber einmal an der Nase nehmen und bei sich anfangen…Kümmern sie sich doch erst um die Erziehung ihrer Kinder, als um die Erziehung der Lehrpersonen.
Danke.
Copy/Paste.
@Lehrerin: haben Sie Kinder in einer öffentlichen Schule?
Das ist eine typische Frage einer Mutter und Nicht-Lehrerin.
Warum vertrauen sie nicht einfach auf die Kompetenz einer Lehrerin?
Es ist übrigens die Frage einer Mutter, welcher Abteilungen des Staatsdienstes geraten haben,
ihr Kind aus der öffentlichen Schule rauszunehmen,
und zwar nicht weil das Kind sonst der Schule schaden würde,
sondern die Schule dem Kind!
@Cara Mia: Ich bin Lehrerin in einer öffentlichen Schule.
Ich habe (noch) keine Kinder!
@Lehrerin
Ich bin da echt im Zwispalt der Fronten, da ich mich nicht in den Fachbereich der Kindergärtnerin, GrundschullehrerIn etc. bis ins Gymi einmischen wollte aus Profilierungssucht oder Langeweile, da ich dafür schlicht keine Zeit hatte als Geschäftsinhaberin. Das wollte ich eben dem Fachpersonal überlassen so wie ich es meiner Coiffeuse überlasse, wie sie meine Haare schneiden darf. Jede/r macht seinen Job so gut er/sie es gelernt hat und vorallem, so gut man sie machen lässt. Also ich habe mich nicht darum gekümmert, bis der Tag x kam und ich mich kümmern musste weil mein Kind zu leiden begann und nicht mehr zur Schule gehen wollte.
@Widerspenstige: Ich kann nur für mich sprechen und ich weiss sehr wohl, dass es auch in unserem Beruf “schwarze Schafe” gibt – wie wohl in jedem Beruf. Ich unterrichte mit grossem Engagement und grosser Freue und versuche, meinen Beruf nach bestem Gewissen auszuführen – wie Sie das auch tun werden. Oberstes Gebot dabei ist es meines Erachtens, dass die Kinder sich wohl fühlen. Nur wer sich wohl fühlt kann lernen. Wenn ein Kind, so wie es bei Ihrem Kind scheint, zu leiden beginnt und nicht mehr in die Schule gehen möchte, muss gehandelt werden – das ist keine Frage. Ich weiss nicht, welches die Gründe für das Leiden Ihres Kindes sind. Ich vermute, dass Sie von der Lehrperson Ihres Kindes enttäuscht wurden und dies eine Narbe bei Ihnen hinterlassen hat. Ich finde es wichtig, dass man in solchen Fällen dann nicht verallgemeinert und alle Lehrer in den gleichen Topf wirft, was ich Ihnen aber nicht unterstelle. Glauben Sie mir, ich war in meiner noch nicht allzu langen Lehrerkarriere schon öfters damit konfroniert und habe viel daran gesetzt (Gepsräche mit Schülern, Eltern, Schulpsychologe,…) die Situation ins Positive zu lenken – manchmal mit mehr, manchmal leider auch mit weniger Erfolg. Ich hoffe, dass es Ihrem Kind heute besser geht und eine gute Lösungen gefunden werden konnte.
Weil ich über zehn Jahre lang eine Lehrerfrau war und damals keine Kinder hatte. Mein Mann und ich wussten genau, wie man hätte erziehen sollen… ich kam schwer auf die Welt, als ich schliesslich selber Mutter war!
Und: ich halte den Lehrern durchs Band die Stange, weil alles andere für die Kinder schädlich ist. Sie haben in der Schule zu parieren und fertig. Ich stelle aus Prinzip keine falschen Entschuldigungen aus und tue wirklich alles, damit die Lehrer mit meinen Kindern, die auch keine Heiligen sind, arbeiten kann. Wenn aber krasse Ungerechtigkeiten geschehen, kann ich ja dem Kind nicht in den Rücken fallen. Das war aber bei uns zum Glück praktisch nie der Fall.
Und: die meisten Lehrer, die ich erleben durfte, waren grossartig. Zwei waren eine Katastrophe, und die unterrichten noch immer unbehelligt. Leider richtet ein katastrophaler Lehrer mehr Unheil an, als ein guter Lehrer Wohltaten bewirken kann.
Wir haben es ja hier davon, weshalb der Lehrerberuf unattraktiv geworden ist, und da werden immer die bösen Eltern genannt. Mein Exmann hat es allerdings immer geschafft, auch mühsame Eltern auf die Reihe zu kriegen, und das müsste den jungen Lehrern unbedingt beigebracht werden. Auch wir, die wir andere Berufe haben, müssen uns zuweilen mit unglaublich böden Leuten rumschlagen.
Für mich sind die Klassen heute zu gross. Mehr als 15 Schüler sollte man nicht unterrichten müssen, bei der heutigen Heterogenität, die wir haben. Man kann das nicht mit früher vergleichen. Wir waren in der Primarschule 35 Schüler, aber alle hatten Zuhause mehr oder weniger den gleichen Drill verpasst erhalten, so dass dies ging. Das ist vorbei.
P.S. das war auf die Frage vom Mostindianer, warum ich nicht einfach vertraue in die Fähigkeiten.
@ Cara Mia:
Sie vertrauen nicht auf die Kompetenz einer Lehrperson, weil sie “über 10 Jahre lang” die Frau eines Lehrers waren?
Das verstehe ich nicht…
“Leider richtet ein katastrophaler Lehrer mehr Unheil an, als ein guter Lehrer Wohltaten bewirken kann.”
Da haben sie leider recht. Und ja: leider geben immer noch solche Lehrer Schule…
Worum es mir aber tatsächlich ging ist auch gleichzeitig und wahrhaftig die Frage, die sie wieder angedeutet haben:
“Wir haben es ja hier davon, weshalb der Lehrerberuf unattraktiv geworden ist”
Meine Meinung ist, dass grundsätzlich einer Lehrperson nicht erst Vertrauen geschenkt wird (Im Sinne von: “Der/Die macht das bestimmt gut.”). Nein, heutzutage wird als erstes offen Misstrauen gegenüber einer Lehrperson geäussert. Und genau dieses Misstrauen bringt immer mehr junge LP dazu, früh aufzuhören, oder gar nicht erst anzufangen.
“und da werden immer die bösen Eltern genannt.”
Genau so ist es doch. Die Lehrperson ist eine Person des öffentlichen Lebens und deshalb von jeder Seite kritisierbar und angreifbar. Logisch, kommt das zuerst von der Seite der Eltern.
“Mein Exmann hat es allerdings immer geschafft, auch mühsame Eltern auf die Reihe zu kriegen, und das müsste den jungen Lehrern unbedingt beigebracht werden.”
Wunderbar! Aber soll ich ihnen was sagen? Das kommt dank der immer akademischeren Ausbildung immer weniger zum Zug. (Endlich mal etwas, das nicht gegen Eltern gerichtet ist
Aber es ist auch eine Fähigkeit, die aus der Erfahrung heraus wächst. Wenn eine Junglehrerin nach zwei Jahren kündigt und in die Privatwirtschaft abwandert, hatte sie wohl keine Chance, diese Erfahrungen zu sammeln. Es war im Gegenteil sehr wahrscheinlich der Hauptgrund: Man hat ihr gar nicht die Chance gegeben.
“Für mich sind die Klassen heute zu gross. Mehr als 15 Schüler sollte man nicht unterrichten müssen”
Vielen Dank für diese Forderung. Sie haben völlig recht. Das ist ein weiterer Grund für die sinkende Attraktivität des Lehrerberufs in der Schweiz.
Was sind übrigens “krasse Ungerechtigkeiten”?
@mostindianer: die Begründung war so gemeint, dass Pädagogen, die selber keine Kinder haben, dazu neigen, besserwisserisch zu sein, so wie ich damals. Wird man selber Eltern, relativiert sich so manches. Das heisst nicht, dass ich an der Kompetenz von Lehrerin zweifle.
Ich kann ja nur von mir reden, und ich bringe primär jeder LP Wohlwollen entgegen und Vertrauen. Wir, Eltern und Lehrer, haben ja das gleiche Ziel, nämlich die Brut lebenstüchtig zu kriegen. Ohne gegenseitige Unterstützung geht es nicht. Die Kinder müssen spüren, dass sie der Schule anvertraut werden, und dass die Eltern da dahinter stecken.
Leider ging es meiner jüngeren Tochter dann so schlecht, dass meine ganzen heeren Ziele halt dahin schmolzen, vor allem, als der SPD dann noch sagte, mit diesem Lehrer und dieser Klasse sei sie gefährdet. Was halten denn Sie von dieser Aussage? Wie wäre es denn für Sie, wenn Ihr Kind depressiv wird, dank (einem!) Hauptlehrer?
Ich finde es jammerschade, wenn junge, engagierte Lehrer aufgeben und ich unterstütze die Lehrer meiner Tochter nach wie vor, wenn sie dumm tut. Wichtig wäre, dass man sie irgendwie stärkt. Denken Sie mal an meinen Beruf, ich bin ursprünglich bekanntlich Rechtsanwältin. Was meinen Sie, wie man da fertiggemacht wird, das gehört ja nachgerade zum Beruf. Der Gegenanwalt entblösst jede Schwäche grausamer, als es eine Klasse je tun kann, und die Gegenpartei hasst Sie lebenslänglich. Das ist halt so, da können wir kein Burnout geltend machen!
Krasse Ungerechtigkeiten: wenn ein Kind, wie meins beispielsweise, vom Lehrer fertiggemacht und vor der ganzen Klasse blossgestellt wird, weil es übersprungen hat (hahaha, DU willst hochbegabt sein, und dabei weisst Du nicht einmal die Antwort auf DIESE Frage, hahaha). Das macht der auch bei andern, zynische Bemerkungen, Auslachen und dergleichen. Und ja: der unterrichtet noch immer, obwohl die Eltern an ihm verzweifeln und die Kollegen ebenfalls.
Ich bin kein Lehrer und könnte auch nie einer sein. Jedoch kenne ich viele Lehrer und da beklagt sich keiner über den Lohn und die Arbeitszeiten. Aber jeder beklagt sich über den zu grossen Einfluss der Eltern. Deswegen haben auch mehrere die ich kenne aufgehört. Die Kinder können noch so frech sein. Falls der Lehrer eingreift, kommen die Eltern mit dem Anwalt. Da ja ihr Nachwuchs so lieb und nett ist, kann der Lehrer ja nur Lügen. Ein Bekannter hat einmal einer Schulklasse auf Exkursion etwas gezeigt. Dabei haben einige Schüler nur Blödsinn gemacht. Er hat die diese Schüler erst höflich zurechtgewiesen, aber nichts änderte sich. Dann folgte eine Zurechtweisung mit hier nicht zitierbaren Ausdrücken. Das wirkte. Danach hat sich die Lehrerin bedankt. Da ihr die Hände gebunden sind, kann sie nichts gegen diese Schüler machen. Auf eine nette Zurechtweisung reagieren die nicht, grob darf sie nicht und Strafen sind unmöglich. Respektive die Eltern kommen mit dem Anwalt oder üben über die Schulpflege druck auf die sie aus. Hier meine Vorschläge:
- Schulpflege abschaffen (dafür professionelle Kontrollen, wie in anderen Ländern üblich)
- Strafen ohne irgendeine “Einsprachemöglichkeit der Eltern”
Rekurse gegen Entscheidungen der Lehrpersonen sollten möglich sein, sollten aber bei Entscheidungen im Sinne der Lehrperson ganz klar etwas kosten. Im Moment kann man gegen alles gratis Rekurs einlegen und beschäftigt Schulleitungen und Schulpflegen zusätzlich.
Lehrer sollten die Möglichkeiten haben, ohne wenn und aber Schüler aus der Klasse auszuschliessen (ohne Rekurs etc.). Wenn das Kind bei keiner anderen Klasse Aufnahme findet, sollte es in eine spezielle Intensivschule kommen. So lösen wir das Problem mit nicht kooperierenden Schüler und Eltern effizient. Das heutige System zwingt Lehrer sich mit Schüler und Eltern abgeben zu müssen.
Zemp ist ein Plauderer, der nur für seine Clientèle redet. Ich bin Lehrer an einer Privatschule und verdiene bei einem Vollpensum – Kindergeld für ein Kind bereits eingerechnet – netto unter dem Strich 4000 Franken. Ohne Aussicht auf Besserung – es gibt keine Lohnstufen an dieser Schule. Wer’s nicht glaubt – ich stelle meinen Lohnausweis gerne dem Mamablog zur Verfügung. Angenommen, die Steuerzahler böten den vom Staat bezahlten Lehrern ein Einstiegsgehalt von 8000 Franken netto – das wäre doppelt soviel, wie ich derzeit verdiene, wären dann die Lehrer plötzlich motivierter? Ich glaube kaum. Neinsagen würde selbstverständlich kein Lehrer gegen mehr Geld.
Ich habe mich in BS/BL an jeder Schule beworben und nur Absagen bekommen. An meinen Zensuren und meiner Berufserfahrung kann es nicht liegen; die sind beide mehr als in Ordnung. – Soviel zum Lehrermangel, den Herr Zemp gerne herbeiredet. Früher redete man noch von der Lehrerschwemme. Dann von den sinkenden Schülerzahlen. Heute sind die Schülerzahlen steigend und die Lehrerzahlen scheinbar am Sinken. Auch die ganze Reformitis: Was heute eingeführt wird, hatten wir bereits schon mal. Das ist doch alles ein Witz.
Was es dem Lehrer schwer macht, sind die administrativen Aufgaben. Dass er alles und jedes dokumentieren muss. Sonst kommt nämlich plötzlich der Manager-Papi, der sich sonst überhaupt nicht um sein Söhnchen/Töchterchen kümmert mit dem Anwalt vorbei und würde die besseren Noten am liebsten per Gerichtsbeschluss einfordern. Soziales Ansehen eines Berufes kann man nicht politisch einfordern. Das geht auch nicht über die Lohntüte. Das ist eine gesellschaftliche Entwicklung und damit muss man sich als Lehrer eben abfinden: Es gibt weniger Lohn und man steht weiter unten in der Hackordnung. So ist es eben.
Hut ab, dass Siefür diesen Lohn täglich den Wecker stellen!
Eine Freundin von mir hat ihren hochbegabten Sohn ebenfalls auf einer Privatschule untergeracht und bezahlt monatlich um die 1500 oder 1600. Wie kann es sein, dass man als Lehrer dann so wenig verdient? Ich bin sprachlos.
In Privat- sowie Montessori, Rudolf-Steiner bzw. Nicht-Staatlichen Schulen sind die Löhne immer so niedrig (ich glaube sogar an Eliteschulen am Genfersee). Beim Staat zahlens ja die Steuerzahler. Privatwirtschaftlich geht die Bilanz nicht auf, darum müssen die Lehrerlöhne dran glauben.
@ Elias:
Einstiegslohn 8000.-? Da würde ich an der Primar aber “anders” meinen Arsch aufreissen!!!
Ganz ehrlich, seit ich an der Berufsschule mit einem massiv höheren Gehalt als an der Volksschule unterrichte, bin ich auch massiv motivierter
Man glaubt gar nicht, welche administrativen Schaumschlägereien sich die Bildungsverwaltung erlauben. Beispiel gefällig?
So wird an einer Berufsschule nach durchgeführter externer Evaluation, schliesslich hat man einen Leistungsauftrag, vom Kanton noch eine Evaluation der Evaluation durchgeführt!! Totale Kontrollfreaks, Nutzen = null!
Man kann nur auch hier wieder sagen: die Schule ist der Spiegel der Gesellschaft. Überall sparen, und dann meckern. Es ist so bei der Polizei, es ist so bei der Post, bei der Strassenreinigung – alle sollen sie den Service Public bringen wie eh und je, bloss unter massiv erschwerten Bedingungen. Muss doch keinen wundern, wenn das irgendwann kolabiert. Allerdings geht es bei der Bidlung um die Zukunft unserer Jugend, und da ist es besonders schlimm. 68 Milliarden für die UBS, aber eigentlich hat man kein Geld…
Tja, das Geld ist halt nicht im Überfluss da. Die Schweiz gibt verglichen mit anderen Ländern, gemessen am BIP, sehr viel für Bildung aus. Und wer bezahlt diese Geld? Unter anderem auch Angestellte der UBS….
Die UBS hat übrigens keinen Check über 68Mrd erhalten. Die Nationalbank hat sozusagen das Risiko über diese 68Mrd übernommen und macht damit jetzt Gewinne.
Das Problem beim Verteil”kampf” ist halt immer, dass das eine gegen das andere ausgespielt wird/werden muss.
Alles Blödsinn – es ilegt einzig und allein an der Erziehung der Eltern…..Mach ich alles ab dem Gebrutstag des Kindes einigermasen richtig, kann ich alles weitere beeinflussen, ansonsten suche ich die Schuld bei allen anderen
EIgentlich eine komische Situation mit der heutigen Schulreformen. Wurden wir früher (vor 30Jahren) nicht richtig unterrichtet, dass heute alles auf den Haufen geschossen wird?
Es geht nicht mehr, wie früher. Sie haben 25 Kinder in einer Klasse, beispielsweise, aus zehn verschiedenen Nationen, wovon drei Schweizer. Alle unterschiedlichst erzogen, die wenigsten, wie wir früher. Sie müssen Christen, Atheisten, Muslime und Juden unter einen Hut kriegen und Kulturen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Früher übernahm die Schule Kinder, die einigermassen homogen erzogen worden waren, die die gleiche Sprache sprachen und höchstens katholisch oder protestantisch waren, vielleicht noch jüdisch.
Was ich bei Zemp und seinem Geplauder vor allem nicht verstehe, ist folgendes: Die Lehrer verdienen heute schon – sagen wir mal – nicht schlecht beim Staat. Sie haben den Steuerzahler als Lohnschuldner, was bereits eine sehr komfortable Ausgangslage bedeutet. Sozial sind sie bestens abgesichert, haben Altersteilzeitmodelle und weiss der Herr was alles. Nun sollen also die Löhne angepasst werden, weil die Staatslehrer so lange schon immer leer ausgingen. Ausserdem verdient man in der Wirtschaft auch besser. Was ist denn der Referenzlohn in der Wirtschaft? – Personalleiter? – Irgendein Manager? – ein IT-Spezialist? Und ausserdem, was ist denn das für eine groteske Situation: Ein Absolvent der Universität überlegt sich, was er werden will und studiert die Lohnlisten… “Lehrer,…”, murmelt er, “nein, kommt nicht infrage, da verdiene ich zuwenig… Hier CEO beim Unternehmen xy, da stimmt die Lohntüte.” Als ich mir vornahm Lehrer zu werden, haben alle durchs Band weg abgewinkt. Auch die Studienberatung. “Da gibt’s viel zu viele. Keine Chance.” Heute suchen sie laut Zemp massenweise. Lohnerhöhungen bringen bestenfalls Wanderungsbewegungen in Gang: Also, Lehrer aus anderen Ländern werden abgezogen und fehlen dann dort. Oder Leute, die ohnehin immer schon mit dem Gedanken gespielt haben, Lehrer zu werden, werden dann welche. Auch weil das Thema in den Medien behandelt wird und in das Bewusstsein der Leute gerückt wird und klar wird, dass der Lehrer eine sichere (sozial abgefederte, etc.) Stelle im Vergleich zur derzeitigen Stelle in der Wirtschaft bedeutet.
@Marco: Nein, so ist es nicht. Es gibt aber viele Leute, die ihr Geld damit verdienen, anderen Leuten zu sagen, wie man etwas besser machen könnte. So auch in der Schule. Das führt dann zu der Situation, dass Leute mit fünf Jahren Berufserfahrung (wenn überhaupt) Leuten mit 30 Jahren Berufserfahrung erklärt, was guter Unterricht sei. Das ist grundsätzlich nicht falsch, dennoch seltsam. Der Nutzen ist dann oft fraglich, weil man ja nicht in die Zukunft blicken kann (was ist morgen?). Aber bis dahin sind diese Experten mit ihrem Honorar wieder weit weg und die Lehrer wieder alleine im Schulzimmer. Sie müssen dann einfach die Reform tragen, in guten wie in schlechten Zeiten.
Als Referenzlohn wird bei Lehrpersonen mit einem Hochschulabschluss auf Sekundarstufe II ein mittlerer Kaderlohn angenommen. Es gibt durchaus viele Menschen, die bei der Berufswahl finanzielle Gründe in der Fordergrund stellen. Die Banken z. B. argumentarien ja offen auf diese Weise: Wenn die Boni auch nur halbiert würden, hätten sie weniger qualifizierte Arbeitskräfte – ich halte dies zwar für einen totalen Unsinn und für politische Stimmungsmache. Aber wenn oben ein Kolllege von 4000 CHF Nettolohn spricht, muss man schon bemerken, dass man dieses Geld in der Privatwirtschaft deutlich einfacher verdienen kann.
Der Lehrerlohn ist gut gesichert, die Altersvorsorge gut geregelt (wenn die Wirtschaft nicht zusammenbricht, was heute kein Ding der Unmöglichkeit mehr ist), Teilzeitlösungen sind gut möglich. Auf der anderen Seite gibt es keine nennenswerte Aufstiegsmöglichkeiten (Rektoren verdienen nur gerade 10-20% mehr, haben aber eine massiv grössere Belastung, alles in allem nicht besonders Attraktiv, ausser man tritt in die Falle des Sozialprestiges oder ist ein unverbesserlicher Idealist), es gibt auch kaum Möglichkeiten wirtschaftlich richtig zu wachsen – wie bei Privatunternehmen.
Entscheidend ist natürlich immer die Vergleichsklasse: Wenn sie Lehrer in der Schweiz mit italienischen Lehrern vergleichen, so leben wir im Paradies. Wenn Sie Lehrer mit Hochschulabschluss mit Anwälten im Staatsdienst vergleichen, die einen ähnlichen Ausbildungsaufwand haben, ist das Gehalt hingegen läppisch… Aber so ist es immer, die Vergleichskategorie ist entscheiden.
Ich persönlich sehe das Problem auch nicht in der Entlöhnung. Wenn wir aber schon über die Lehrerentlöhnung reden, müssten wir dies gleichzeitig auch bei anderen Berufen tun. Lastwagenchauffeure brauchten dringender mehr Lohn als Lehrer, Verkäuferinnen auch. Anwälte und Banker verdienen deutlich zu viel. Und dann müssten wir die Lehrer einmal im Gesamtgefüge einordnen, mit einem realistischen Bild auf ihre Tätigkeiten – was hier ja rumgeistern sind nichts als persönliche Phantasmen, generiert aus eigener Frustration, persönlichem Neid, selbst erlebtem schulischem Trauma… Und der Tagi freut sich über die Klicks, die der Boulvard-Journalismus für ihn generiert: Lehrerlohn, wer möchte sich da nicht gerne empören. Jetzt wo die Bankenlöhnen aus dem medialen Interesse verschwunden sind. Zemp vom Lehrerverband gab Steilvorlage…
das gerade bei dieser Art von Tätigkeit das Geld in den Vordergrund stellt zeigt das es viele Leute gibt die in der Lebensvorbereitung von Kindern eien Job sehen nicht eine Berufung. Ein jeder Lehrer der nach mehr Lohn krächzt: Such dir nen Job!
Ich glaube, dass Sie den Lehrern unrecht tun. Klar sollte einem die Arbeit spass machen, aber die Lohnfrage ist nicht so nebensächlich. Auch Lehrer müssen für das Brot bezahlen, oder glauben Sie, dass diese das gratis erhalten?
Viele Lehrer sind doch berufen, aber nach wenigen Jahren werfen sie den Bettel hin, weil sie sich nicht mehr aufreiben wollen an all den Knüppeln die man ihnen zwischen die Beine wirft. Da denken doch viele, dass sie in der Wirtschaft unter besseren Bedinungen arbeiten können und mit besserem Image.
Die lieben Lehrer brauchen den grossen Lohn, irgendwie müssen sie ja die vielen Ferien finanzieren…
Nach 15 Jahren Schultätigkeit als Reallehrer habe ich mich entschlossen, mein Hobby zum Beruf zu machen. Immer im Wissen, ich kann wieder zurück, und ohne Angst, bei der Lohneinbusse Probleme zu bekommen. Wir haben keine Kinder meine Frau verdient gleich gut wie eine Lehrkraft nach einigen Jahren.
So wurde ich Lastwagenchauffeur – daraus folgt: Hälfte des Lohnes, weniger arbeitsfreie Zeit. Positive Effekte: ich konnte die Wochenenden wieder geniessen, richtig abschalten. Was fehlt mir? Meine Schüler und Schülerinnen!!! Es gibt einfach nichts schöneres als zu unterrichten! Auf was kann ich verzichten? Auf die ständige Reformitis – ich finde ich zB die Wandtafel immer noch “saucool”, warum soll man Bewährtes nicht einfach mal so lassen. Auch Teamsitzungen mit Blabla brauchts nicht wirklich, va wenn sie aus Angst, die Lehrkräfte könnten ja zuwenig tun, abgehalten werden – lieber mal ein Wochende mit der ganzen Belegschaft auf die Alp und gemeinsam kochen, wandern, plaudern…
Ich freue mich, bald wieder unterrichten zu können, werde aber kaum je wieder ein Vollpensum annehmen, denn unsere Berufung benötigt auch zeitliche Freiräume – wäre es doch in anderen Berufen auch so!
Ein letztes Wort an die Eltern: bleibt immer im Gespräch mit der Lehrperson, wohlwollend – in den meisten Fällen werden so schwierige Situationen gemeistert.
Uiui, dann hätten wir bald aber gar keine Lehrer mehr. Möchten Sie, Herr Tschannen, dass unser Nachwuchs ausschliesslich von “berufenen” ostdeutschen Lehrern unterrichtet wird?
Was ist daran so schlecht, im Lehrerberuf einen JOB zu sehen, den es einwandfrei und nach seinem besten Gewissen zu bestreiten gilt? So wie ein JOB bei Google oder Novartis, die ja echt geile Arbeitgeber sind? Einen seiner erbrachten Leistung angemessenen Lohn einzufordern bedeutet, sich seines eigenen (immateriellen) Wertes bewusst zu sein. Meine Bereitschaft einer “Berufung”, also auch mal privat zu Schülern nach Hause zu gehen und mit ihnen familiäre Probleme zu besprechen, die definitiv NICHT in den Leistungskatalog eines Lehrers gehören, stieg automatisch mit dem Lohn, den ich erhielt. Da existiert ganz klar ein Zusammenhang.
Zusammenhang sieht man da nur wenn man alles mit Geld aufwiegt. Zu meiner Zeit haben die Lehrer auch Hausbesuche gemacht, und nebenbei noch private Musikstunden gegeben und Schnitzereien verkauft um über die Runde zu kommen. Ferien kannte der Mann nicht, war er selbst dann für seine Schüler da wenn diese ein Problem mit den Ferienhausaufgaben hatten. Schon nur das sie einen Leistungskatalog haben zeigt das sie eher eine Ware sind die sich verkauft als ein Mensch der sich für seine Umwelt einsetzt.
Leider weiss ich nicht mehr genau, wieviele Milionen CHF von Politikern, Räten, Behörden, Politischen Parteien, … der Bildung zugesprochen oder nur aus Werbeeffekten zugesagt wurden.
Ob sie je in der Bildung je angekommen sind, oder wo sie sich verflüchtigt haben, ist ungewiss?
Das Tragische ist nur, dass seither immer mehr Lehrer davonlaufen oder den Beruf nach der Ausbildung an der PH gar nicht ergreiffen, oder ihn nach kurzer Zeit wieder verlassen und weiterstudieren.
Vielleicht sollten sich doch mehr Leute ein Herkunftswörterbuch anschaffen und einmal nachschauen, was LERNEN & LEHREN bedeutet. Beide Worte kommen von germ- LAISTI = FÄHRTE. Man LERNT indem man FÄHRten des Lebens verfolgt und ErFAHRungen sammelt. Und wenn einen das so fasziniert, dass andere einem freiwillig und von sich aus FOLGEN wollen, hat man sich zum LEHRER gemausert. So sagt es die neue Ich-kann-Schule, basierend auf dem Herkunftswörterbuch.
In der LEBENS-PRAXIS bedeutet das, dass jeder immer wieder LEHRER ist, auch kleine Kinder schon. Wenn wir das zu würdigen wüsste, hätteN LERNEN & LEHREN nicht nur die Würde, die wir zunichte gemacht haben, sondern wir wären alle nicht mehr BLIND für die tatsächlichen LERNprozesse des Lebens, die – aus Überlebensgründen – immer wieder den konstruierten sog. Lernprozessen zuwider laufen müssen.
Dann wäre m.E. der dadurch verursachte künstliche Stress zu vermeiden und die WAHRnehmung würde bis in die schwindelnden Höhen der päd. Organisation soweit regeneriert, dass eine wenigstens zeitlich angemessene Reaktion auf die Realität zu erwarten wäre. Wenn wir aber nur weiter alles immer auf dem Papier perfekter ausarbeiten und dem Wahn fröhnen, die Realität des Lebens hätte nichts Interessanteres vor als sich dem zu fügen, nun dann werden wir weiter das produzieren, wovon wir doch endlich einmal genug haben sollten: Probleme.
Ich grüße freundlich.
Franz Josef Neffe
was mich wundert wie lange herr beat w.zemp sich an der spitze des lehrerverbandes haelt.noch vor kurzem vertrat er neben regierungsrat huber aus dem aargau vehement harmos.jede neue “reform”wurde von ihm lautstark begruesst.dass diese reformittis mit schuld am gegenwaertigen lehrermangel ist verdraengt er grosszuegig.dass junge lehrer schlecht bezahlt sind ist leider eine tatsache,aber erklaert den mangel an paedagogen nicht.ich bin ueberzeugt dass dem lehrer die freude an der arbeit vemiesst wird von besserwissenden eltern.von inkompetenten schulbehoerden,von theoretikern ,die vom schulalltag keine ahnung haben und von politikern die der schule immer mehr aufbuerden.die wertschaetzung des lehres ist im keller.er ist der depp der nation.kein wunder ,dass junge menschen es sich gut ueberlegen lehre zu werden.
Dazu kommt, dass die fünf Jahre PHZH keine schöne Zeit ist, sondern man schon da extrem unter Druck steht und das gänzlich ohne Bezahlung, im Gegenteil, man bezahlt ja Semestergebühren und Arbeitsmaterial. Ich würde im Moment niemandem empfehlen, diese Ausbildung in Angriff zu nehmen, und das, obwohl der Job, den man anschliessend ausführen darf, absolut genial ist. Tragisch, nicht? Da wird die “Berufung” schwerstens getestet.
Die Lehrer- und Bildungslobby hat den aktuellen Lehrermangel weitgehend selber verursacht, indem der Zugang zum Lehrerberuf immer mehr eingeschränkt wurde durch immer höhere Hürden. Ich habe schon an einer Berufsschule unterrichtet, spreche und schreibe fliessend sechs Sprachen plus Latein plus Griechisch, aber wegen fehlender pädagogischer Grundausbildung darf ich nicht mal Französisch oder Englisch an der Primarschule unterrichten. Die Kartellpolitik des Lehrerverbandes ist natürlich sehr daran interessiert, dass das so bleibt und möglichst wenige Quereinsteiger unterrichten dürfen. Gleichzeitig wird über angeblich zu tiefe Löhne gejammert. Erinnert irgendwie an den Bauernverband, der auch nicht genug jammern kann. Vor 30 Jahren konnte jeder der eine Matura hatte, Stellvertretungen an einer Primarschule übernehmen…
Wie kommst ein Hallodri wie Du mit dürftiger Ausbildung nur auf die wilde Idee, dass Du unterrichten dürfen solltest? Ein Englischlehrer hat gefälligst Englisch studiert zu haben, und nichts weiter. Desgleichen mit Franz und Mathematik. Polyvalente Lehrer sind gefährliche Subjekte, und sie kommen nur auf umstürzlerische Ideen! Neinein.
Für eine Schule wie vor 100 Jahren. Ihre SVP.
Ihr Anstand scheint im Kindergarten verloren gegangen zu sein. Das mal als objektive Feststellung. Zudem sind wir nicht per du. Ein weiterer Beweis fehlenden Anstandes. Wirklich primitiv.
Vielleicht dürfte es Sie interessieren, dass ich als Übersetzer, Sprachlehrer und Berufsschullehrer Erfahrung habe. Und dann kommen Typen wie Sie und sprechen von dürftiger Ausbildung. Das ist doch einfach lächerlich und spricht voll gegen Sie. Aber eben, Sie sind ja ein dummer SVP-Löli, der Demagogen wie Blocher, Schlüer, Mörgeli, Amstutz und primitiven Konsorten hinterher läuft. Ein eigenes Gehirn haben Sie ja wohl nicht. Wir brauchen keine völkische Schule im Sinn der SVP, wie Ihnen das offensichtlich vorschwebt. Da war ja Gotthelf noch besser.
@Armando: ja diese Ironie, die kommt einfach nicht immer richtig an, aber ich bin mir sicher dass Ihnen Tiger’s Flankenschutz gewiss wäre, jedenfalls was die Quereinsteiger betrifft.
In der Schule ist nicht alles gut, aber auch nicht alles schlecht. Ich habe zwei erwachsene Kinder, möchte aber in der heutigen Zeit nur noch Kinder haben, wenn ich im Notfall genügend Geld für eine Privatschule hätte.
Das Gegeifer hüben und drüben, dafür und dagegen (wogegen eigentlich?). Das ganze hysterische Getue um den Lehrerberuf – Armando hat da wohl den Vogel abgeschossen – zeigt jungen Leuten ganz klar: Versuche dich zuerst einmal in einem anderen Beruf! Du lebst länger!
Ich möchte mal wissen warum ein Lehrer sich mit Berufung abspeisen lassen soll, und ein oft deutlich weniger gebildeter Banker mit Bonus abgespiesen wird. Beide Worte beginnen mit einem B, aber da hört sich’s dann schon auf.
Reden wir mal Klartext: wir sind soziale Tiere, und somit spielt nicht nur der gesellschaftliche Status fürs Ego, sondern auch für die Zukunft der Familie eine Rolle. Lehrer, die sich um das Fortkommen fremder Kinder kümmern sollen daher die Zukunft der eigenen Kinder, v.a. deren Zukunftsaussichten vernachlässigen?
Ja, und da dreht sich’s ums Geld. In zunehmend wirtschaftlich turbulenten Zeiten ist die Fähigkeit ein Privatvermögen aufzubauen relevant. Es mag diversen Konsumsüchtigen noch nicht aufgefallen sein dass es beim Verdienen nicht nur darum geht wie viel Geld man beim Ausgang verschleudern kann, sondern auch darum ob man z.B. seine Kinder im Eigenheim oder in einer Mietskaserne hochziehen kann. Ob man es sich leisten kann hochbegabte Kinder an eine Eliteuni zu schicken ohne dass sie dann Sklaven der Studienkredite werden, oder ob man es sich leisten kann ein, oder zwei oder gar drei Kinder hochzuziehen.
Es geht in einer kapitalistischen Marktwirtschaft, in der alles einen Preis und nichts einen Wert hat letztlich doch um’s Geld.
Denn wer am Schluss sich für einen freundlichen Händedruck, einen freundlichen Klaps auf die Schulter, und eine Lobrede unter dem Marktwert verkauft, wird hinter verschlossenen Türen halt belächelt oder ausgelacht.
Der Grund weshalb immer weniger Eltern ihren Kindern raten Lehrer zu werden ist einfach: “Da wärst Du schön blöd für so wenig so viel zu arbeiten!”
Und die lieben Freundinnen, bzw. Ehefrauen haben’s auch satt wenn die eigenen Ehe- und Elternpflichten einer immer höheren Belastung geopfert werden, ohne dass dabei wenigstens was rausschaut. Wen wird sich wohl Fräulein X als Partner aussuchen, wenn alle anderen Variablen gleich sind: den armen Lehrer, oder den Banker mit Bonus und Karrierechancen?
Mal realistisch bleiben: Geld regiert die Welt (leider). Davon abzulenken mit Phrasen wie “Berufung” ist entweder naiv, oder der bewusste Versuch die Löhne/Steuern tief zu halten so dass mehr in der eigenen Tasche hängen bleibt statt an Lehrer transferiert zu werden.
(Nein, ich bin kein Lehrer, sonder ein in der Medienbranche aktiver Informatiker und Ökonom, aber ich weiss was läuft…)