Leben


Michèle Binswanger am Donnerstag den 5. August 2010

Was Geld über den Geist einer Beziehung verrät

Damit die Geldfrage nicht alles andere verdeckt, unterhält man sich besser frühzeitig darüber. Aus der Aktion Wir sind das Geld

Damit die Geldfrage nicht alles andere verdeckt, unterhält man sich besser frühzeitig darüber. Aus der Aktion: Wir sind das Geld

Blut ist ein ganz besonderer Saft. Und Geld hat eine ganz besondere Kraft. Und wenn beides sich vermischt, also Paare zu Familien werden, ergibt das eine nicht selten explosive Mischung. Das liebe Geld. Schweizer reden nicht gern darüber. Und Paare schon gar nicht. Einer Studie des Berliner Wirtschaftszentrums für Sozialforschung zufolge reden die sogar lieber über ihre geheimsten Wünsche im Bett als über ihre Finanzen. Nun, das ist leicht nachzuvollziehen.

Aber früher oder später, spätestens wenn Kinder sich ankündigen, muss sich jedes Paar die Frage stellen: «Wie halten wir es eigentlich mit den Finanzen, Schatz?» Und dann gehts rund. Denn wie kaum ein anderes Instrument hat Geld die Eigenschaft, ansonsten diffuse Angelegenheiten und Vorstellungen in nüchterne Zahlen zu übersetzen und damit nicht immer das Beste aus den Menschen herauszuholen.

Tatsächlich kristallisieren sich in der Geldfrage die ganzen Kliffs einer modernen Paarbeziehung. Dies jedenfalls lässt sich aus besagter Studie des Berliner Wirtschaftszentrums für Sozialforschung schliessen. Unter dem Titel «Gemeinsam leben getrennt wirtschaften» wurden da die Geldarrangements von Paaren im internationalen europäischen Vergleich untersucht, mit interessanten Ergebnissen.

Während früher das Vermögen der Frau automatisch an den Ehemann ging und er ihr in der Folge ein gnädiges Taschengeld gewähren konnte, wenn er gerade Lust hatte, wird der Zahlungsverkehr heute, wie viele andere Fragen, unter Berücksichtigung der konkreten Situation der beiden Partner meist umständlich ausgeknobelt. Grob gesagt, gibt es zwei Typen von Paaren: Individualisten mit getrennter Kasse legen Wert darauf, auch in der Beziehung ein eigenes Leben zu führen. Sie verstehen sich als separat agierende Ich-AGs. Kollektivisten mit gemeinsamem Konto sehen sich dagegen eher als Kleinunternehmen, in dem beide mit unterschiedlicher Funktion am selben Strick ziehen.

Welches Modell ist besser? Das lässt sich vielleicht nicht so pauschal beantworten. Interessanterweise scheinen Paare mit höherem Bildungsstand eher die individualistische Finanzverwaltung zu bevorzugen, was auch eher im europäischen Norden verbreitet ist, so ergab die Studie. In südlichen Ländern wird hingegen lieber alles in den gemeinsamen Topf geschmissen. Die individualistischen Paare, so heisst es in der Studie weiter, verfolgten mit ihren getrennten Kassen auch die Absicht, sich für ihre Ausgaben vor dem andern nicht rechtfertigen zu müssen. Niemand schuldet dem andern etwas – das ist die Idealvorstellung dieser Regelung.

Nur leider wird dieses Ideal natürlich geschleift, sobald sich Kinder ankündigen. Mit Kindern ist es ungleich komplizierter, getrennte Kassen aufrechtzuerhalten. Denn wenn sie beispielsweise arbeitet und er zu den Kindern schaut: hat er dann nicht genauso ein Anrecht auf das Geld, welches sie in der Zeit verdient, während er zu Hause die Stellung hält? Oder müsste sie ihm dann nicht zumindest die Altersvorsorge zahlen? Und im Falle, dass beide arbeiten: Muss derjenige, der weniger verdient, dann mehr Hausarbeit leisten? Und wie regelt man einen allfälligen Erwerbsausfall während Schwangerschaft und Geburt?

Mein Mann und ich fanden, wie ungefähr die Hälfte der Paare mit Kindern, diese Diskussionen zu nervenaufreibend und entschieden uns deshalb kurzerhand für den Kollektivismus. Dies bedingt natürlich, dass man sich in Grundsatzfragen einig ist, etwa wer wie viel Geld für was ausgeben kann und darf, oder eben nicht. Statt auf Kontrolle setzen die Kollektivisten vielleicht eher auf Vertrauen, was einer Beziehung meiner Meinung nach nur guttun kann. Das Modell bedingt allerdings auch, dass man sich nicht scheut, diese Fragen auch zu diskutieren, wenn man nicht einverstanden ist.

Bis heute sind wir mit unserem Modell gut gefahren. Immerhin steht man mit gemeinsamen Kindern ohnehin immer auf die eine oder andere Art in der Schuld des andern, weshalb die Geld-Diskussionen an Brisanz verlieren. Oder was meinen Sie? Streiten Sie sich über Geld mit ihren Partnern? Und gibt es das ideale, gerechte Familien-Finanzierungs-Modell?

136 Kommentare zu „Was Geld über den Geist einer Beziehung verrät“

  1. Eni sagt:

    Wenn ich hier die verschiedenen Kommentare lese, dann komme ich zu folgendem Schluss: es ist wohl am besten wenn man in einer Beziehung relativ schnell mit offenen Karten spielt und sein Vorstellung bezüglich Finanzen offen legt. Hat der Partner ein ganz anderes Verständnis was gemeinsame Finanzen betrift, ist es am besten man geht getrennte Wege. An getroffene Abmachungen muss man sich halten, obwohl man natürlich den Partner anfragen kann die Bedinungen zu ändern, was ja wohl bei jeder Lebensänderung der Fall sein wird ( gemeinsame Wohnung, heirat, Kinder).

    Ich kann nur sagen, dass wenn es bei diesem Thema unstimmigkeiten gibt, dass die Beziehung wenig Chance auf Bestand hat.

  2. Tschannen Werner sagt:

    mein Gott, da ist man in einer Beziehung und man denkt da an Finanzen! Geniesst das Leben! Geld kommt und geht und wenn man nicht gerade fern von jeder Realität ist reicht das übrige Geld immer! Das ,,Beziehungen,, wegen Finanzen drauf gehen zeigt nur wie dünn und fadenscheinig manch eine Lebensgemeinschaft ist. Teilt einfach immer alles was ihr habt untereinander und miteinander und vergesst die Ego-Spiele. Ihr werdet sehen: Geld ist nicht die Welt.

    • Engler Werner sagt:

      Aber die Welt lebt vom Geld. Und so einfach wie Du es meinst ist es auch nicht immer, denn es gibt auf der einen Seite die Schmarotzer und auf der anderen die Leichtgläubigen…!

  3. Alex (name geändert) sagt:

    Das kollektivistische Model hat mich meine Ehe gekostet, weil meine Ex-Ehefrau den vollen Zugriff auf meinem Privatkonto hatte. Das Vertrauen, was ich in meine Beziehung stecke wollte, hat sie ständig misbraucht um Ihre unstillbare Hunger nach Luxus und Status befriedigen zu können. Als Freelancer gingen noch viel höhere Beträge weg, und dann hatte ich es – trotz einen damals 1-Jährigen Tochter – satt und habe Ihr die Ehe gekündigt. Das können Frauen nämlich ganz gut, Dich ein Rat für Auge drehen und Dich hinter Deinen Rücke “Untreu” sein. Und dann war ich Ihr ma Ende auch noch ganz kurz – vielleicht unbewusst als Strafe – untreu. Eine Konvention hat sie mich als Ausländer – nachdem ich auch hier mächtig Druck aufgesetzt habe – trotzdem das Sorgetrecht anerkannt, wohl in der Wissenschaft, dass sie sonnst GAR NICHTS mehr bekommen wurde. Mein Vertrauen in der weibliche Seite ist wohl für immer zerstört..aber mich kriegt keiner klein..niemandem auf dieser Welt.

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