Leben


Michèle Binswanger am Mittwoch den 4. August 2010

Kalkulierter Tabubruch

Stern-Cover vom 6.Juni 1971: «Wir haben abgetrieben». Der Artikel wirrd als wichtiger Impuls für die neue Frauenbewegung gewertet.

«Stern»-Cover vom 6. Juni 1971: «Wir haben abgetrieben». Der Artikel wirrd als wichtiger Impuls für die neue Frauenbewegung gewertet.

Der Satz ist geschichtsträchtig: «Ich habe abgetrieben» – das bekannten 1971 mehrere Hundert Frauen im deutschen «Stern». Damals war das Bekenntnis politisch, denn Abtreibung war in Deutschland illegal. Mit ihrer Aussage brachen die Frauen ein Tabu und riskierten ihre Reputation. Der «Stern»-Artikel löste denn auch einen Sturm der Empörung aus – vor allem aber kickte er die neue Frauenbewegung an, auf welcher die Frauen dann in eine gleichberechtigtere Zukunft brausten. So weit, so gut.

Vergangene Woche nun publizierte der «Blick» ebenfalls ein Abtreibungsgeständnis – wie ein fernes Echo jenes «Stern»-Artikels. Die «Starautorin» und «frischgebackene Mutter» Zoë Jenny erzählte, wie sie als junge Frau, kurz nach ihrem grossen literarischen Erfolg, ungewollt schwanger wurde. «Ich war jung, hatte nicht viel Geld, war mir nicht sicher, ob der Partner der Richtige ist.» Sie entschied sich für die Abtreibung. Nur ihr damaliger Freund sei eingeweiht gewesen, «ansonsten wusste niemand von der Abtreibung.» Sie habe sich damals noch selbst wie ein Kind gefühlt. «Und irgendwie gab es für mich keinen anderen Weg, als abzutreiben.»

Natürlich schürt ein solches Bekenntnis auch im Jahr 2010 Emotionen. Die Reaktionen auf den Artikel seien «enorm» gewesen, heisst es bei «Blick». Nach der Leserbriefseite zu schliessen, waren die meisten davon negativ. Tatsächlich wirft der Artikel Fragen auf, zunächst vor allem die: Interessiert uns die Abtreibung von Frau Jenny? Oder besser: Sollte sie uns interessieren und wenn ja, warum? Die Antwort gibt Jenny am nächsten Tag gleich selbst. Unter dem Titel: «Warum ich das Tabu brach», erklärt sie: «Keine Frau entscheidet leichtfertig, ihr Ungeborenes wegzumachen.» Abtreibung sei ein Thema, mit dem sich die Gesellschaft beschäftigen müsse. «Es darf kein Tabu mehr sein.»

Ausriss aus dem Blick: Zoe Jenny erläutert die Motivation für ihre Abtreibung.

Ausriss aus dem Blick: Zoe Jenny erläutert die Motivation für ihre Abtreibung.

Nun ist in der Schweiz die Abtreibung weder illegal noch scheint das Thema mehr sonderlich umstritten, seit sich das Schweizer Stimmvolk im Jahr 2002 für die Fristenregelung aussprach. Bis zur 12. Schwangerschaftswoche liegt es im Ermessen der Frau, ob sie ihr Kind austragen will und die Abtreibungsgegner beschränken sich darauf zu fordern, dass der Schwangerschaftsunterbruch nicht aus der Grundversicherung bezahlt werden dürfe.

Dennoch bleibt das Thema natürlich aktuell – auch in diesem Forum wird immer wieder angeprangert, dass viele heutzutage den Schwangerschaftsabbruch als Lifestyle-Familienplanungstool müssverstünden, dass verantwortungslose Emanzen ihre Fehler auf Staatskosten ausbadeten. Das ist natürlich hanebüchener Unsinn.

Die Schweiz hat eine der niedrigsten Abbruch-Raten Europas und die Zahlen sinken von Jahr zu Jahr. Dennoch kenne ich einige Frauen, die abgetrieben haben, und keine traf den Entscheid leichtfertig. Aber nach wie vor ist das Feld ideologisch besetzt. Der Slogan von 1971 lautete: «Mein Bauch gehört mir», womit die Frauen das Selbstbestimmungsrecht über ihren Körper und ihre Sexualität forderten. Ein Thema, das heute so kontrovers ist wie damals, auch wenn sich die Akzente verschoben haben.

Die damalige Kampagne wollte Frauen Mut machen, ihre Erfahrungen zu teilen, das war auch die Absicht der «Stern»-Kampagne, wie Alice Schwarzer in der Nachschau schrieb: «Eine Frau, die abtrieb, tat das meist in totaler Einsamkeit. Sie redete in der Regel weder mit der besten Freundin noch der eigenen Mutter, ja oft noch nicht einmal mit dem eigenen Mann darüber.» Heute würden vielleicht eher die Männer fragen, ob eine Frau das Recht hat, so allein darüber zu entscheiden, ob sie ein gemeinsames Kind bekommen will oder nicht. Sicher wäre es an der Zeit, ohne ideologische Brille zu diskutieren, inwiefern der Slogan «Mein Bauch gehört mir» heute noch zutrifft, beziehungsweise wo «mein Bauch» aufhört und «unser Kind» anfängt.

Und so ist Zoë Jennys kalkulierter «Tabubruch», der ein bisschen zu sehr nach Publicity für ihr neues Buch riecht, vielleicht doch nicht ganz so überflüssig, wie er zunächst scheint. Es ist wichtig, die nachhaltigen Konsequenzen, die eine Entscheidung für oder gegen ein Kind haben kann, sachlich zu thematisieren und zwar in all ihren Aspekten: was Körper und Sexualität der Frau, aber auch, was den Partner und die sozialen sowie finanziellen Konsequenzen und die persönliche Verantwortung betrifft. Auch wenn das nicht unbedingt im «Blick» stattfinden muss.

266 Kommentare zu „Kalkulierter Tabubruch“

  1. Hansli sagt:

    Die Frau ist immer Schuld, egal was sie macht!

    Treibt sie ab, wird sie als Mörderin beschimpft, als Gefühllose, etc..

    Hat sie das Kind, was meist gleichbedeutenden mit dem Gang zur Sozialhilfe ist: Da ist diese Frau eine Schmarotzerin die auf Kosten der Allgemeinheit lebt.

    Arbeitet die Frau und gibt das Kind in die Krippe: Dann ist sie eine Rabenmutter auf dem Selbstverwirklichungtrip.

    Für mich sind diese selbstgerechte rechtskonservative Kommentare nur noch zum kotzen. Das rechtskonservative Bild der Frau ist ganz einfach Menschenverachtend.

    • Cyril Beritkov sagt:

      Hansli, Abtreibung bedeutet nun einmal, einen werdenden Menschen zu töten, das sollte doch hoffentlich auch in den linkesten Kreisen mittlerweile akzeptiert sein. Das darf man nie leichtfertig tun, andernfalls wird die persönliche Befindlichkeit zum obersten Gebot des Handelns.
      Dass es menschenverachtend ist, Lifestyle und Karriere über alles andere zu stellen, kann mit dem gleichen Recht behauptet werden, wie du “rechtskonservativen Ideologien” ablehnst. Ich persönlich erachte es als richtig, dass die Abtreibung nicht “einfach mal so” stattfindet, sondern wenigstens die betroffene Frau zu einem Denkprozess zwingt. Warum sollte man diese letzte Hürde vor dem Tötungsakt auch noch fallen lassen? Ist das Nachdenken vor dem Handeln wirklich nicht zumutbar?
      Denn darum geht es hier ja nur noch: eine Unbequemlichkeit soll aus dem Weg geräumt werden – und damit meine ich jetzt nicht das Kind, sondern das Tabu…

    • Brunhild Steiner sagt:

      @Hansli: das links progressive oder wie auch immer genannt sein sollende Bild der Frau finde ich ehrlich gesagt nicht viel besser, von echter Wahlfreiheit und wirklicher Achtung spüre ich da nämlich auch nicht viel.

  2. mami71 sagt:

    Wir leben im 21. Jahrhundert in einer Gesellschaft mit hohem Lebensstandard – alles ist leicht erhältlich, auch Verhütungsmittel sind leicht erwerblich. Jeder Mensch mit Grips und Verantwortungsgefühl sollte beim Geschlechtsverkehr auch an die Konsequenzen denken. Aber vermutlich sind so genannten “ungewollte Kinder” Wegwerfartikel, die man einfach so rasch mal wegmachen kann. Frau Schriftstellerin fühlte sich angeblich noch selbst “wie ein Kind” und zu jung, aber offenbar war sie schon erwachsen genug, um Sex zu haben, dazu noch ungeschützt mit einem Typen, der nach ihrer damaligen Einschätzung vielleicht nicht mal der richtige Partner war. Nicht der richtige Partner aber, um dann doch noch – hoppla – ungewollt schwanger zu werden?

    Es geht für mich weder um recht oder links, konservativ oder nicht, aber mich kotzt die Verantwortungslosigkeit solcher Paare (es braucht ja immer zwei dazu) an. Ups, vergessen zu verhüten und ups, vielleicht doch noch zu jung um sein Leben dem eines kleinen Kindes unterzuordnen, naja, dann machen wir es halt weg – tja, man/frau könnte ja z.B. vor dem Sex auch das Hirn noch einschalten.

    • Manfred Tommen sagt:

      @Mami71: Etwas mehr Lebenserfahrung würde Ihnen gut tun. Genau wegen Leuten wie Ihnen ist das Thema Abtreibung immer noch ein Tabu. Darum braucht es solche Artikel. Man kann Ihnen nur empfehlen: Vor dem Schreiben das Hirn noch einschalten.

      • Cyril Beritkov sagt:

        Wieso setzen sich eigentlich hier v.a. männliche Schreiber für eine tabufreie Abtreiberei ein? Auch Hansli und dieser Josh sind vermutlich Y-chromosomal. Stellt sich die Frage, weshalb hier ausgerechnet Männer so auf liberal machen.
        Tja, warum könnten Männer denn wohl so vehement wollen, dass Frauen ohne Angst vor einer ungewollten Schwangerschaft unterwegs sind…?
        Aber nein, bestimmt ist das nur reine Fürsorge und die Angst vor einer schwarz-braunen Hexenflut. ;-)

    • _Josh @ _[°|°]_ sagt:

      Perfekt, mami71,

      exakt dies dumm-braune Geschwätz Ihres posts ist, was Hansli kurz zuvor befürchtet hatte: Grenzenloses, demagogisches, schwarz-braun gefärbtes “Die-Hexe-muss-brennen”-Gefasel auf dem Fuss, respektive vier Minuten später in die Tastatur gekotzt.

      Schämen Sie sich, erst recht eingedenk Ihres nics.

    • Karthago sagt:

      @ mami71

      Im Uebrigen bin ich der Meinung, dass Ihr Post weder ideologisch, dumm, lebensunerfahren, verklemmt noch unüberlegt daher kommt, sondern den Nagel ziemlich genau auf den Kopf trifft. Sex und Verantwortungsbewusstsein gehen Hand in Hand. Da hilft es zweifellos, wenn man (vorgängig) in der Lage ist, den einen oder andern vernünftigen Gedanken zu fassen.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Karthago: hallo Karthago im August ;-)
        schliesse mich an und wünsche erfrischten Start in den regnerischen Alltag

    • René sagt:

      mami71, Sie haben recht. Danke.

    • Nemo sagt:

      Mami71 Sie müssen mir helfen, von welcher Quelle wissen Sie, dass Frau Jenny und ihr Partner anno 1997 überhaupt nicht verhüttet haben? Ich war bei der Internetsuche nicht fündig geworden. Denn das Kondom kann platzen, reissen, etc., kenne diesbezüglich zwei Paare, die so ungewollt Nachwuchs erhielten. Ein Bekanntenpaar hatte Pech mit der Pille, aufgrund der gleichzeitigen Einnahem von Antibiotika, war die Wirkung der Pille weg, sie sind nun glückliche Eltern.

      Denn auch im 21. Jahrundert gibt es nicht nur Schwarz und Weiss, wie es genau zur Schwangerschaft kam, wissen im Besten Fall nur zwei und im dümmsten nur eine Person.

      Oder muss ich Ihren Beitrag so deuten, dass Abtreibung per se nicht geht und verboten gehört? Wie steht es mit der Pille danach, ist das schon Abtreibung?

      • Karthago sagt:

        In welcher Blick-Ausgabe war denn über die zu lesen?

      • Nemo sagt:

        30. oder 31. Juli nehme ich man, mit den stichworten (jenny zoe abtreibung) kommt der online artikel. vom 30.7.2010.

    • Mama Jetzt sagt:

      Liebe Mami

      Verhütung hat versagt, Gründe unwichtig. Pille danach innerhalb der vorgeschriebenen Zeit eingenommen. Info, dass dies nur zu 95% “verhütet” leider nicht erhalten. Natürlich zu den 5% gehörend. Antwort auf die Frage, ob die Pille danach dem Kind geschadet hat, will dir keiner mit Sicherheit geben. Wie hättest du entschieden, als verantwortungsvolle Erwachsene?

      • Eni sagt:

        @ Mami Jetzt

        Sorry, ich habe auch ein 8 Jähriges “Pille-danach-Kind” und mir hat man zu 100% versichern können, dass das Kind davon keinen Schaden nehmen kann. Kann nicht verstehen, wie man als Arzt eine solche Aussage machen kann.

        Was Ihre Bemerkung zu verantwortungsvollen Erwachsenen betrift: Ich kann verstehen dass Eltern davor Angst haben ein behindertes Kind zu bekommen und ich habe auch Verständnis, dass man sich ausserstande fühlt, dieses Kind zu behalten, aber es trifft sicher nicht zu dass man verantwortungslos ist, wenn man sich halt doch für das Kind entscheidet. Mein Sohn war nach einem Unfall 6 1/2 Monate in einer Kinderreha und habe genug behinderte Kinder gesehen ( teilweise angeboren, teilweise Unfälle und Krankheiten) und kann Ihnen vesichern, dass auch ein nicht perfektes Kind gerne lebt und dass alles getan wird um ihnen ein schönes Leben zu bieten.

  3. Manfred Tommen sagt:

    Die Entscheidung für oder gegen eine Abtreibung und ihre moralischen Konsequenzen hat in erster Linie die Mutter zu tragen, im besten Fall mit der Unterstützung ihres Partners. Niemand sonst hat im entferntesten das Recht sich einzumischen.

    Wer gegen Abtreibung ist der hat selbstverständlich das Recht nicht abzutreiben, wo ist also das Problem? Das Problem ist dass religiös verblendete, naive Leute meinen sie müssten Anderen ihren Ansichten aufzwingen. Nur darum geht es letztendlich.

    Meine Frau und ich würden uns nicht für eine Abtreibung entscheiden, obwohl wir schon zwei Kinder haben. Aber wir leben in idealen Umständen. Was für einem Druck man bei so einer Entscheidung ausgesetzt wird wenn die Umstände nicht gut sind, das kann sich wohl niemand vorstellen der das nicht erlebt hat.

    • Benster sagt:

      Sie haben Recht, niemand kann sich vorstellen, wie das ist, wenn er es noch nicht selber erlebt hat (diese Pauschalaussage gilt noch für einen ganzen Haufen anderer Schicksalsschläge). Das Töten von Leben als Privatsache zu deklarieren, ist meiner Ansicht nach aber reichlich vermessen. Das ist ein Thema, zu dem die ganze Gesellschaft einen Konsens finden muss. Oder fänden Sie es in Ordnung, wenn eine Mutter ihr Baby nach der Geburt tötet, weil sie sich überfordert fühlt? Wäre das dann auch ihre Privatsache? Wo liegt Ihrer Meinung nach die Grenze?
      Mit solchen libertären “ich darf alles und es geht niemanden etwas an”-Moralvorstellungen aus der Steinzeit habe ich massiv Mühe. Es gibt einfach Themen, die einer öffentlichen Diskussion und einer einheitlichen Regelung bedürfen. Das fängt beim achtlosen Wegwerfen von Zigarettenstummeln an und hört bei der Tötung von Embryonen bestimmt nicht auf…

    • Pippi Langstrumpf sagt:

      @Manfred Thommen

      Vielen Dank für diese klare Aussage, ich schliesse mich an.

    • Brunhild Steiner sagt:

      Weil viele der betroffenen Frauen eben genau nicht in idealen Verhältnissen leben, keinen Partner zur Seite habe der sie mit Achtung und Respekt in der Entscheidungsfindung begleiten würde, genau deswegen darf dieses Thema nicht ausschliesslich dem “das ist privat und geht niemanden was an” überlassen werden.
      Es ist eben nicht so, dass es als Betroffenen so einfach wäre zu entsprechender Unterstützung zu gelangen.

      • Pippi Langstrumpf sagt:

        Unterstützung und Hilfe ja, Einflussnahme wie sie z.B. “Ja zum Leben” propagiert nein. Wenn sich bei einer Frau alles gegen diese Schwangerschaft sträubt, hat man das zu akzeptieren, vielleicht war es ein unglücklicher ONS, da geht es bei Weitem nicht nur um finanzielle Aspekte, da darf die Frau die Notbremse ziehen. So weit sind wir heute, dank Fristenlösung, aber offenbar muss diese frauenfreundliche Erungeschaft immer wieder verteidigt werden.

      • Nemo sagt:

        Frau Steiner, was ist ihr Lösungsansatz oder wie soll die heutige Rechtsgrundlage geändert werden?
        Oder anderst gefragt:
        1. Gibt es Situationen, die aus Ihrer Sicht eine Abtreibung rechtfertigen?
        2. Wenn ja, wer entscheided, ob diese Situation gegeben ist?
        3. Wenn nein, wie soll eine Frau an einer Abtreibung gehindert werden (Ausland, Illegal, “Selbstgebastel”, Erwerb RU486, etc.)?
        4. Wenn nein, was soll mit einer Frau geschehen, die dennoch abgetrieben hat?

      • StefanB sagt:

        Pipi, unglücklicher ONS? bei einem ONS ist immer ein Kondom vorgeschrieben, nicht wegen Kinderverhütung, sondern wegen der Infektionsgefahr!

        Obwohl ich für (verantwortungsvolle) Abtreibung bin, wird doch oft Abtreibung anstelle von Verhütung betrieben. Sorry, das ist etwa so intelligent, wie zu sagen: Ich bekomme kein AIDS, denn ich mache alle drei Monate einen HIV-Test!

      • Eni sagt:

        @ Stefan B

        Ommmm, die Stimme der Vernunft hat gesprochen!!!! ( Kondome bei ONS)

      • Pippi Langstrumpf sagt:

        Stefan, ja klar ist ein Präservativ zwingend, aber Menschen können Fehler machen, wir sollten nicht so tun, als wäre das die Ausnahme, es kommt zu oft vor. Ein Kind aus einem solchen Fehltritt ist einfach nicht zu rechtfertigen, oder sollte man sagen: Zur Strafe, weil du so dumm und unvorsichtig warst, musst du jetzt ein Kind bekommen. Wer ist da wohl am meisten gestraft? Eben……

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Pippi Langstrumpf: Gefühle wie “alles in mir sträubt sich dagegen” können durchaus auch ganz normale Gefühle sein und müssen nicht zwingend Beweisgrundlage für die absolute Notlage darstellen.
        Auf diesem Gratweg die richtigen Entscheidungen fällen ist nie einfach.
        Schon gar nicht, wenn betroffenen Frauen die “einfache Lösung” wie Honig um den Mund geschmiert wird. Denn das gibt es eben auch und ist nicht frauenfreundlich sondern konfliktscheu.
        Und zum ONS hat schon StefanB alles gesagt.
        Die Zahl der Frauen die wochendweise die Pille danach verlangen gehen, beweisen eindrücklich dass mit dem Thema Verhütung/Prävention sehr fahrlässig umgegangen wird, das sind nicht mehr Ausnahmen die einfach passieren können, das ist heute courrant normale geworden und sollte uns sehr zu denken geben.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Nemo: meine Antwort hat sich an Manfred Tommen gerichtet der diese Frage rein privat geklärt haben möchte.
        Einer meiner Wünsche wäre, dass in gynäkologischen Praxen zwingend Unterlagen der verschiedensten Hilfsorganisationen (da gibt es übrigens auch säkulare) aufliegen müssten.

        Denn längst nicht überall werden Frauen wirklich über alle vorhandenen Optionen aufgeklärt!
        Und dann ganz viele Wünsche welche auch f”reiwillig gewordene” Eltern haben, bessere finanzielle Unterstützung durch Kinderzulagen- auch für Selbstständige, KMU’ler und nicht nur Angestellte usw usw.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Nemo: versuche es mal hiermit, das Original schwebt in der Schlaufe

        Einer meiner Wünsche wäre, dass in gynäkologischen Praxen zwingend Unterlagen der verschiedensten Hilfsorganisationen (da gibt es übrigens auch säkulare) aufliegen müssten.

        Denn längst nicht überall werden Frauen wirklich über alle vorhandenen Optionen aufgeklärt!
        Und dann ganz viele Wünsche welche auch f”reiwillig gewordene” Eltern haben, bessere finanzielle Unterstützung durch Kinderzulagen- auch für Selbstständige, KMU’ler und nicht nur Angestellte usw usw.

      • Pippi Langstrumpf sagt:

        Das ist so, Brunhild, aber das darüber Nachdenken ändert noch nichts. Das regelmässige Komasaufen am Wochendende scheint für viele dazu zu gehören, im Koma passieren dann Sachen, die man gar nicht verantworten kann. Dass das ein unerwünschtes Kind ausbaden soll, lehne ich ab, also bleibt nichts anderes als die Notbremse.

      • Pippi Langstrumpf sagt:

        Die Fristenlösung ist im Übrigen nur eine konsequente gesetzliche Regelung einer Praxis, die es in den liberalen Kantonen schon seit 50 Jahren gab, in Genf war es schon damals kein Problem, eine Schwangerschaft beenden zu lassen, in einer Klinik, mit modernen Methoden. Also hören wir einfach auf mit der Heuchelei, sie dient niemandem. Eine Abtreibung ist immer eine unschöne Angelegenheit, sie ist die Notbremse, fertig.

      • Nemo sagt:

        Frau Steiner mit allem uneingeschränkt einverstanden, was hilft die Frau bei ihrer Entscheidungsfindung zu unterstützen, auch was die finanzielle Unterstützung anbelangt. Neben dem ehtischen Aspekt, kommt es uns auf Dauer finanziell günstiger. Aber der entgültige Entscheid, soll bei der betroffenen Frau bleiben, ihr sollen keine unnötigen Hürden in den Weg gestellt werden.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Nemo: und was sollen die Kriterien sein wenn Frau in einer Partnerschaft oder festen Beziehung (mit getrennten Wohnungen) lebt und der Kindsvater das Kind behalten möchte? Er sogar bereit wäre die Trennung zu riskieren aber alles täte um nach den 9 Monaten Schwangerschaft die Verantwortung für das Kind zu übernehmen?
        Spricht das alleinige Vorhandensein der Gebärmutter im Frauenkörper der Frau automatisch das alleinige Verfügungsrecht über einen neuen Menschen zu?
        Ich bin mir sehr bewusst dass der umgekehrte Fall viel öfters vorkommt (Frau wird von Freund oder Mann zur Abtreibung gedrängt) aber dennoch gibt es auch diese Variante, und dieses “mein Bauch gehört mir” greift mir da einfach zu wenig weit.

      • Pippi Langstrumpf sagt:

        Brunhild, auch wenn sie die Frage an Nemo stellen, möchte ich trotzdem meinen Senf dazugeben: Solange das Embryo im Bauch der Mutter ist, entscheidet sie, da kann es keine Kompromisse geben, keine Frau kann gezwungen werden, ein Kind gegen ihren Willen auszutragen, genauso wenig kann sie zu einer Abtreibung gezwungen werden. Dazu gab es hier im Blog auch schon Stimmen von Männern, die das genauso sehen. Alexander Müller hat dazu einen interessanten Beitrag verfasst.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Pippi Langstrumpf:
        “Solange das Embryo im Bauch der Mutter ist, entscheidet sie, da kann es keine Kompromisse geben,”
        Nun ja, Kompromisse wird es hier wohl auch keine geben weil die Frau entweder ihren Willen durchdrückt,
        oder sich im schlechteren Fall hat manipulieren lassen. Aber ob das so richtig ist?

        “keine Frau kann gezwungen werden, ein Kind gegen ihren Willen auszutragen,”
        wo beginnt der Zwang? Wo hört hartnäckiges, tiefer gehendes, ganzheitliches Abklären der Situation auf?
        Ist es nicht oft so, dass gerade in den Fällen wo Frauen sehr unverhofft, und vorallem auch sehr unvorbereitet mit einer Schwangerschaft konfrontiert werden, diese Zeit, sorgfältig eine “Güterabwägung” vorzunehmen, sich näher mit den Hintergründen, Sorgen und Ängsten welche den Abtreibungswunsch antreiben, auch ganz einfach fehlt?
        Sie denkt, dass die Umstände sie zu diesem Schritt zwingen?
        Das mit dem eigenen Willen ist so eine Sache, er formiert sich ja auch aufgrund unserer Einschätzung einer Situation. Und wenn wir da nicht wirklich objektives Hintergrundwissen haben, auch was die ganzen Unterstützungsmöglichkeiten betrifft, wie können wir da objektiv entscheiden? Noch dazu wenn vom Umfeld Druck ausgeübt wird?

        “genauso wenig kann sie zu einer Abtreibung gezwungen werden.”
        Auf dem Papier nicht, aber es gibt genug Konstellationen wo genau das, was eigentlich nicht passieren dürfte, eben doch passiert. Druck vom Umfeld (Partner oder Familie), kombiniert mit einer ärztlichen Begleitung die nicht auf Hilfsangebote aufmerksam macht, kombiniert mit zuwenig Selbstbewusstsein etc, und schon haben sie eine Frau, die zur Abtreibung gezwungen wurde.
        Dank Hilfsorganisationen finden unter Druck gesetzte Frauen aber auch Unterstützung und Kraft sich dennoch, und unter widrigen Umständen, sich für den entstehenden Menschen zu entscheiden-, nicht selten ändert Monate danach das Umfeld seine ablehnende Haltung und freut sich am Ende mit.

        Und dann gibt es halt wirklich auch diejenigen Frauen, die tatsächlich Abtreibung als eine Art Verhütung ansehen.
        Die das Ganze mit viel Leichtsinn angehen und keine Verantwortung übernehmen wollen.

        Ganz zu schweigen davon, dass dieses “Unschöne” wie Sie es nennen,
        auch Auswirkungen auf die Berufsgruppen hat, welche sich damit befassen müssen.
        Da tangiert die Freiheit der Einzelnen ganz massiv die Gewissensfreiheit von anderen,
        und das finde ich nicht in Ordnung.

      • Katharina sagt:

        Frage: Kann ein Arzt aus Gewissensgruenden den Eingriff nicht vornehmen und die Patientin anderswohin weiterweisen?
        Andere Frage: Wie gehen die behoerden mit der terrorisierung von aerzten um, die den eingriff ausfuehren?

      • Eni sagt:

        @ Brunhilde Steiner

        Das haben Sie gut gesagt Brunhilde. Trifft alles zu. Ich finde, dass Aerzte und Hebammen selber bestimmen sollen dürfen, ob sie eine Abreibung vornehmen oder ob sie das aus Gewissensfragen ablehnen

      • Brunhild Steiner sagt:

        Wenn ein Spitalgyniarzt aus Gewissensgründen diese Eingriffe nicht vornehmen will, oder jemand von der Anaesthesie bei solchen Eingriffen nicht zugeteilt wird, oder auf der Bettenstation das entsprechende Personal,
        dann werden betreffende Personen sich bald einen anderen Arbeitsplatz suchen können, und die Mediziner ihre Gynilaufbahn an den Nagel hängen können.
        Soweit ich weiss gab/gibt es in Deutschland ein “abtreibungsfreies” grösseres Spital, und die hatten ziemlich Kämpfe die Zusprüche der Krankenkassen (für andere Leistungen) nicht zu verlieren.
        Dass es in CH richtiggehende Abtreibungskliniken gäbe wär mir neu, daher auch keine bekannten “Abtreibungsärzte” die terrorisiert würden.
        Persönlich finde ich die Diskriminierungen der abtreibungskritischen gegenüber wesentlich ausgeprägter.

      • Brunhild Steiner sagt:

        sollte natürlich “nicht zugeteilt werden will” heissen!

      • Katharina sagt:

        Frage: Kann ein Arzt aus Gewissensgruenden den Eingriff nicht vornehmen und die Patientin anderswohin weiterweisen?
        Andere Frage: Wie gehen die behoerden mit der terrorisierung von aerzten um, die den eingriff ausfuehren?

        wiederhole ich die fragen halt.

      • Katharina sagt:

        oops, da habe ich wohl zu schnell auf senden geklickt…deeply sorry…

        das erstaunt mich, dass leute wegen ihrem gewissen diskrmininiert werden koennen. wenn der/die gyn und das personal aus gewissensgruenden den eingriff nicht vornehmen koennen, dann ist es doch unrecht, die zu entlassen. mir sagt das aber auch, dass klagen auf unrechtmaessige entlassung aus diskriminierung bei euch unueblich sind. aber vielleicht ist da mal ein grundsatzurteil noetig, sprich jemand dem das passierte sollte durch die gerichtsinstanzen gehen.

        die terrorisierung von abtreibungskliniken bzw aerzten ist hier ein problem. das hat schon die ausmasse eines lynchmobs erreicht (inklusive todesopfer, wo ein solcher arzt von draussen in seiner klinik abgeknallt wurde). deshalb frage ich. da schauen in gewissen gebieten hier die behoerden auch weg, sprich sie schreiten zu spaet ein, obwohl rechtlich bei groesseren ansammlungen die polizei recht frei intervenieren kann (endangerment of publc safety).

        ich selber finde, dass abtreibung eine option bleiben muss – allerdings eben erst nach eingehender informierung. dazu gehoert einerseits die risiken betr. depression usw die ich hier mal auseinanderbuchstabiert habe, andererseits auch information ueber andere optionen. sprich, eine informationspflicht im konsultationsgespraech. diese pflicht muesste dann paritaetisch das gesamte spektrum an zugelassenen hilfsorganisationen mitbeinhalten. das waere doch rechtlich einfach einzufuehren.

        zudem finde ich, dass die kreise, die das komasaufen tun, mehr zur verantwortung gezogen werden. sprich wenn das maedchen halt so besoffen ist das es nicht mehr weiss was abgeht, eben die abfueller und ‘bettgumper’ an die kandarre nehmen. so geht man mit menschen nicht um. abfuellen und dann.. das ist einfach sowas von respektlos.

        frage: weiss jemand wie mit einem ‘bullying’ umfeld der patientin umgegangen wird, wenn ueberhaupt?

      • Winnie-the-Pooh sagt:

        Frau Steiner eine ganz spezielle Konstellation, so unglaublich, dass sie vermutlich real ist. Ja in letzter Konsequenz würde ich ihr die Entscheidungskompetenz übertragen und ja ich hätte oberflächlich Mühe die Frau zu verstehen. Wäre die Frau in meinem Einflussbereich würde ich mit Ihr das Gespräch suchen, aber ich würde Ihr Entscheid respektieren. Das heisst nicht, dass ich ihn nachvollziehen könnte. Aber ich würde alles versuchen, um zu verstehen warum sie diesen Entscheid gefallen hat, was ist der Grund, dass sie sich dafür entschied, ist sie sich wirklich sicher? Aber der Entscheid soll bei ihr liegen.

        Mir ist durchaus bewusst, dass sich Situationen ergeben, wo die Abtreibung für Ausstehende als stupid oder Verhütungsersatz erscheinen mag, vielleicht auch ist. Es kann aber auch daran liegen, dass wir nicht alle Fakten kennen.

        Ich gehe bei meiner Haltung grundsätzlich von einem positiven Menschenbild aus und ich gehe davon aus, dass sich eine Frau nicht leichtfertig für eine Abtreibung entscheidet. Mir ist klar, dass ich nicht 100% der Frauen damit erfasse. Aber was ist die Alternative zum Entscheidungsrecht der Frau. Stellen Sie sich den von ihnen geschilderte Fall vor, die Frau wird an der Abtreibung gehindert. Sie kann diesen Entscheid nicht respektieren, sie macht Selbstversuche und stirbt an diesen.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Winnie-the-Pooh
        eine Schwangerschaft dauert 9 Monate, nicht mal ein Jahr.
        Ist es derart unmenschlich durch diese Zeit durchzugehen und seinem ehemaligen Partner/Freund das Kind zu schenken?Ist es unvorstellbar sich mit dieser Zeitspanne zu arrangieren, im Wissen dass man einem kinderlosen Paar dafür mit einer Adoptionsmöglichkeit das Leben bereichert?
        Wieviele der attestierten Unzumutbarkeiten (denn längst nicht alle Abbrüche passieren in der Fristenregelungzeit) würden wirklich massive psychische Probleme auslösen, und wieviele sind einfach eine Verweigerung sich auf Neues einzulassen, einen Veränderungsprozess eingehen, mal nicht nur sich selbst im Mittelpunkt stehen haben, wenigstens 9 Monate lang?
        Welcher Arzt, welcher eine solche attestiert, hat sich/konnte sich wirklich ausreichend Zeit nehmen alles abzuklären?

        Zwang ist auf keine Seite hin eine Lösung, aber mir scheint das easy-going bei diesem Thema doch oft zu überwiegen.

      • Pippi Langstrumpf sagt:

        Also wirklich, Brunhilde, ich kann nicht glauben, dass sie ernsthaft fordern, dass eine Frau ein unerwünschtes Kind austrägt und dann weggibt, sind sie von allen guten Geistern verlassen?? Kinder verschenkt man nicht, wie kommen sie bloss auf so absurde Ideen? Es geht noch nicht mal um die neun Monate, die Leihmutterschaft ist bei uns aus gutem Grund verboten. Sie sind eine knallharte Fundamentalistin, wenn es um werdendes Leben geht, da ist für sie das bereits bestehende Leben offenbar zweitrangig. Bigotte Betschwestern waren schon immer die schlimmsten, wenn es um menschliches Leid geht.

      • Nemo sagt:

        Ich kann mich dem Gesagten von Pippi (abesehen von den Beleidigungen) und Winnie grundsätzlich anschliessen. Ich war zum Glück nie in der Situation, bei einem solchen Entscheid direkt involviert worden zu sein. Aber ich könnte mich in einer solchen Situation der Lösung des Austragens und der anschliessenden Adoptionsfreigabe definitiv nicht anschliessen. Mich würde ein ganzes Leben lang begleiten, dass ich ein Kind auf die Welt gestellt habe und nicht für dieses da bin und ich nicht weiss wo es ist, was es macht und wie es im geht. Mich würde es zereissen. Es kämen für mich nur drei Varianten in Frage
        1. Der Natur den freien Lauf lassen und für das Kind da sein
        2. Der Natur den freien Lauf lassen und versuchen mit familiärer und institutioneller Hilfe für das Kind da sein
        3. Abtreibung

        Im geschilderten Fall muss irgendwas vorgefallen sein, dass die Frau das Kind nicht austragen möchte, was und warum wird es nicht angesprochen, denn die Situationen sind selten so, wie sie es zu scheinen seien.

        Na die Frau wird wie angenommen an der Abtreibung gehindert und der Kindsvater adoptiert es. Wie kam es zu dieser Entscheidung? Wurde die Frau zu diesem Schrit überzeugt und sie hat eingewilligt, da sie glaubt es ist die beste Lösung. Super Sache kein Problem. Wurde sie daran gehindert, aber es ist ihr ausdrücklicher Wunsch abzutreiben. Dann stellt sich die Frage, wann genau liegt ein Grund vor, der eine solche Hinderung zulässt?

        Hypothetische aber nicht ganz unrealsitische Annahme: Die Kindsvater wollte unbedingt ein Kind und manipulierte durch Essen- Getränkebeimischung die Wirkung der Pille. Leider gibt es keine ausreichende Beweise, aber der Fall scheint klar, er hat sich verplappert. Darf er dann die Frau zu Leihmutter missbrauchen?

        Hypothetische Annahme II Die Frau wurde vergewaltigt, scheinbar, so glaubt man den offiziellen Zahlen, durchaus auch in Beziehungen möglich. Die Frau kann diese Tat nich verarbeiten, meidet aus welchen Gründen auch immer den Schritt eine Anzeige zu machen. Leider ebenfalls ein häufiges Phänomen der Vergewaltigungsopfer. Muss sie dann auch noch die Frucht aus dieser Tat austragen?

        Das Problem ist, dass nur die Frau selber die wahren Gründe kennt und sobald eine andere Person entscheidet, ist dies nicht uneingeschränkt gegeben. Sobald man den Weg der Abtreibung legalisiert, sollte er auch konsequent durchgesetzt werden. Alles andere erhöht die Willkür. Die Alternative dazu ist, Abtreibungsverbot, Zwangsinternation und kontrollierte Geburt. Das entspricht nicht meiner Moralvorstellung bei meiner Überlegung steht das Wohl der Frau, dann das Wohl des geboren und erst dann das Wohl des ungeborenen Kindes im Zentrum. Und es tut mir leid aber die Interessen des Mannes kommen bei mir ganz am Schluss, dass das der betroffene anders sieht, ist logisch und nachvollziehbar, aber nicht objektiv begründbar. Als fortpflanzungswiller Mann muss man halt eben eine solche Frau finden.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Pippi Langstrumpf:
        genau das macht die ganze Diskussion so schwierig, gibt mann und frau sich nicht einfach so zufrieden mit anscheinenden Ausweglosigkeiten, dann werden die in die Fundamentalistenecke abgeschoben, versehen mit dem Prädikat “bigotte Betschwester/Betbruder”.
        Es geht mir nicht primär darum, eine Frau zur Austragung zu zwingen,
        sondern sie zu einer sorgfältigen Reflexion zu zwingen, resp. das fachliche Umfeld zu zwingen, die Abklärungen tiefgründig vorzunehmen. Die dann nämlich zu einer Meinungsänderung führen könnten.

        Dazu bleibt heute viel zu wenig Zeit und so ist es nicht weiter erstaunlich, dass sich viele Frauen, die sich in einer auswegslosen Lage wähnen, sich nicht mal die Option “zur Adoption freigeben” vorstellen können, wie sollen sie das auch wenn sie weder Ruhe, noch Zeit, noch vertiefte Auseinandersetzung in einer ganzheitlichen Dimension gewährt bekommen?
        Es bekommen ja nicht mal die Frauen wirklich die nötige Unterstützung welche zu einer Austragung bereit wären, denken Sie nur an das tragische Beispiel von Laura TI, wo die Abtreibung gegen den innersten Willen vorgenommen werden konnte.

        Was meinen Sie wie schnell der Abbruch organisiert ist, wenn die Frau mit einem diesbezüglichen Wunsch in der Arztpraxis auftaucht? Für den Mediziner ist es viel einfacher dann den Termin zu organisieren als lange Gespräche zu führen. Um genau das geht es mir, und das meine ich sehr ernst und nehme die bigotte Betschwester in Kauf.

      • Pippi Langstrumpf sagt:

        @Brunhilde

        Aus gutem Grund wird die Sache zügig abgewickelt, warum einen Zustand, den man ablehnt, länger als unbedingt nötig ertragen? Je schneller der Unterbruch erfolgen kann, desto weniger traumatisch für die Frau, es ist schon ein Unterschied, ob man in der 12. oder der 5. Woche abtreibt. Ich behaupte auch, dass die meisten Frauen schon lange, bevor sie schwanger wurden, sich Gedanken gemacht haben, was in Frage kommt und was nicht, für mich z.B. würde eine Adoption nie nie in Frage kommen, unter keinen Umständen, also bräuchte ich auch keine lange Bedenkzeit. ich habe meine Kinder bekommen, weil es mein Entscheid war. Ich war im Übrigen auch unter Druck gesetzt worden von verschiedenen Seiten, die Schwangerschaften zu unterbrechen, für mich kam das nicht in Frage, aus persönlichen Gründen, nicht weil ich Abreibungen grundsätzlich ablehne.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Pippi Langstrumpf: zuerst mal, dass Sie dem Druck standgehalten haben finde ich toll …:-)
        Zum anderen, ich denke eben nicht dass sich ein Grossteil der Betroffenen schon vor Ereigniseintritt wirklich gründlich mit allen Seiten auseinandergesetzt hat, womöglich schon alles mögliche an Unterlagen zusammengesucht hat.
        Wirklich bestens Bescheid weiss über alles was es an Hilfestellung gäbe usw.

        Die persönliche Meinung aufgrund sich dann der Wille zum Abbruch, nicht Unterbruch, äussert, basiert vorallem auf der Einschätzung der eigenen Lage, der Einschätzung des eigenen Könnes, der eigenen Möglichkeiten usw.
        Plus den Impulsen aus der Umfeld der Betroffenen.
        Ich finde jede Frau sollte bei so einer entscheidenden Weggabelung beste Beratung erhalten, den Blick eben auch auf Möglichkeiten geöffnet bekommen welche sie von sich aus, aus ihrer Situation heraus, nie ins Blickfeld bekommen würde. Eine wirklich gute Entscheidung fällen beinhaltet auch eine wirklich gründliche Auseinandersetzung mit allen möglichen Optionen, manchmal auch ein sich Herausfordernlassen zumindest mal darüber nachzudenken.
        Steigt man vornherein auf die geäusserte Ablehnung ein, könnte auch ganz viel verpasst werden.

  4. Ricola sagt:

    Ein ziemlch müdes Votum für die Thematisierung der Abtreibung! Der Tabubruch ist nämlich nur ein vermeintlicher. Denn: wer thematisiert durch ein solches Geständnis schon “die nachhaltigen Konsequenzen, die eine Entscheidung für oder gegen ein Kind haben kann”, so wie es Frau Binswanger im Artikel propagiert? Allenfalls eine Gynäkologin auf Anfrage….
    Somit erreicht Frau Jenny mit ihrem Geständnis (wenige Monate nach den Schlagzeilen der Geburt ihrer Tochter) ein Maximum an Geschmacklosigkeit und Frau Binswanger mit ihrem Artikel einen Touch Alice Schwarzer. Und die ist definitiv vorbei.

  5. Marc Barceló sagt:

    Frau Jenny und der Blick: da hat die journalistische Inkompetenz nun ihr literarisches Pendant getroffen (und umgekehrt).

    Dieses (lausig) inszenierte Skandälchen, dieser astreine Sommerloch-Schmarren ist es nun wirklich nicht wert, als Ausgangspunkt fúr eine ernsthafte Diskussion genommen zu werden!

  6. Laura TI sagt:

    Heute war meine Tochter auf der Beerdigung einer ehemaligen Schulkameradin, sie wurde gerade mal 16 Jahre und 4 Monate alt. Nach der Scheidung ihrer Eltern vor 5 Jahren, wollte sie zum Vater, wo sie dann auch ein paar Jahre gelebt hat. Dann trat eine neue Frau ins Leben des Vaters, das Mädchen wurde zur Mutter abgeschoben, die inzwischen mit ihrem neuen Freund zusammen lebt. Das Mädchen fühlt sich verloren, flüchtet sich in eine Beziehung zu einem Jungen in einer ähnlichen Lage. Die beiden hilflosen Teenager finden halt aneinander, lieben sich und wollen eine Familie gründen. Das Mädchen wird im Frühling dieses Jahres schwanger. Sie und ihr Freund sind überglücklich, die Eltern sehen rot, nach Jahren des Streites spannen sie zusammen, sie nehmen Einfluss auf das Mädchen, was genau passiert ist, weiss wohl keiner, jedenfalls hat das Mädchen vor 14 Tagen einen Schwangerschaftsabbruch gemacht und letzten Montag ist sie über die Staumauer geklettert und hat sich in die Tiefe gestürzt.

    • Pippi Langstrumpf sagt:

      So viel Leid in so einem jungen Leben, furchtbar traurig.

    • Eni sagt:

      So viel zum Thema “mein Bauch gehört mir” und Selbstbestimmung der Frau, aber nein, die Kinder gehören ja den Eltern, die ihr Kind dazu nötigen können das zu tun was sie wollen.

      Ich kann mich daran erinnnern, dass Du von diesem Mädchen vor einiger Zeit berichtet hast (drüben) und ich bin erschüttert. Erschüttert und wütend. Da hat dem Mädchen wohl jemand eingeredet, dass sie sich das Leben (und das der Eltern weil sie sich für ihre Tochter schämen) verbaut und jetzt haben sie sogar recht damit, einfach nicht so wie sie es gemeint haben. Schade um 2 Leben.

      • Brunhild Steiner sagt:

        Es ist schade um drei Leben, denn der Freund und Kindsvater leidet nun wohl endlos.
        Und es ist zu hoffen dass die verantworlichen Erwachsenen nicht unberührt daraus herauslaufen.
        Das Drama zeigt einmal mehr eindrücklich auf, dass die Hilfsangebote und Organisationen welche Hilfe anbieten eben immer noch viel zu wenig bekannt sind. Werden betroffene Personen nicht vom Arzt drüber aufgeklärt und haben in ihrem Umfeld niemand der sie darauf hinweist, dann endet es meist mindestens für einen beteiligten Menschen tödlich.
        Laura TI, es tut mir sehr leid dass ich drüben keinen Hinweis gepostet habe, wirklich sehr leid.
        Für die Zukunft, es gibt die muetterhilfe ch oder auch mamma.

      • Eni sagt:

        @ Brunhilde Steiner

        Bitte machen Sie sich kein schlechtes Gewissen, Sie sind die letzte die Schuld hat an dieser Katastrophe. Um himmels Willen, wie müssen sich die Eltern fühlen von diesem Mädchen.

    • Katharina sagt:

      Das ist sehr traurig. ich kann mir gut vorstellen, was im Kopf dieses Mädchens vorging. einerseits das Thema Depression, das ich hier mal ausbuchstabierte; (Seite Zwei dieses Threads, Beitrag Nummer 46821) .

      Es kann auch sein, dass sie sich emotional von den nun plötzlich zusammenspannenden Eltern betrogen fühlte: “wollte sie zum Vater, …das Mädchen wurde zur Mutter abgeschoben”. denn sie hatte dreimal Abweisung, Aussetzung und verlassen werden erleben müssen. das esrte mal bei der Scheidung, dann beim abschieben an die Mutter und dann als ihre Beziehung zum Jungen von ihren Eltern wieder abgewiesen wurde. symbolisch ist sie dann mit der Abtreibung zur eigenen Abweisen der Frucht dieser Liebe gedrängt worden. Also eine vierte Abweisung.

      So kalt dies tönen mag, aber ich verstehe das Mädchen voll und ganz und bin nicht überrascht. Es tut mir für das Mädchen sehr leid. Wo hätte sie halt finden können, wenn nicht bei den Eltern? Also liess sie den Halt los.
      Das ist genau eine Situation, wo das Umfeld genauer angeschaut werden müsste und Information zu Hilfsorganisationen gegeben werden sollte.

      Zwei Fragen:

      Wissen Sie wie sich die Eltern des Jungen verhielten (betr. Schangerschaft)?
      Wie gehen Sie und Ihre Tochter mit dem Ereigniss um?

      • Laura TI sagt:

        Nun, meine Tochter ist erschüttert, wie wir alle, wir versuchen, das Geschehene irgendwie einzuordnen, ein schlechtes Gewissen, dass man zu wenig getan hat, hat wohl jeder im Dorf, damit muss man leben, zum Handeln ist es jetzt zu spät. Auch ein Zeichen vielleicht, dass man bei einem nächsten Mal halt nicht die Augen schliesst und nicht denkt:” Morgen werde ich das und das machen” sondern dass man sofort handelt, sofort hilft. Ich erinnere mich, dass ich das Mädchen irgendwann im Juni getroffen haben im Coop und sie hat damals so gestrahlt vor Liebe und Freude, ich wusste da noch nicht, dass sie schwanger war, sie hat es mir auch nicht gesagt damals.
        Nun, die Mutter des Jungen war auch gegen das Kind, der Vater ist unauffindbar, ich weiss nicht mal, ob der noch in der Schweiz wohnt.
        Ich habe mir überlegt, wie ich wohl reagieren würde in einer solchen Situation, ich wäre so was von überfordert damit, ich mit meinem Job, mit meinen Plänen, Träumen, Wünschen und dann plötzlich Grossmutter, irgendwie in der Verantwortung für Mutter und Kind, ich weiss auch nicht, wie ich das schaffen würde, aber ich würde es ganz sicher versuchen und meine Tochter oder meinen Sohn unterstützen, dass sie dem neuen Leben wenigstens eine Chance geben.
        Ich selber habe ein Kind verloren, ich weiss wie quälend die Fragen brennen ob man es hätte verhindern können, ob man es hätte merken müssen. Die Last zu tragen, dass das eigene Kind an der Engstirnigkeit der Eltern kaputt gegangen ist, ist eine Last, die ich nie tragen möchte. Ich hoffe, dass nicht noch mehr Menschen daran zerbrechen mögen, insbesondere der junge Mann, den man um sein Glück betrogen hat.

  7. Grosspapi_61 sagt:

    Ob das nun eine Verkaufs-Aktion von Zoë Jenny war oder nicht, ist nebensächlich. Das Thema ist einfach zu wichtig und wird im Blog stark aus der Erwachsenensicht betrachtet.
    Viele Beiträge drehen sich um Sicherheit der verschiedenen Verhütungsmethoden, da fehlt es wohl auch heute noch an der Aufklärung. Siehe mamablog unter “Sexy machen”.
    Andere Voten sprechen von Frauen, welche ahnungslose Männer (alle mit Latex-Allergie?) durch eine Schwangerschaft zur Heirat zwingen oder diese als Beziehungsklebstoff benutzen – “unser kleiner Harald ist auch unser HAraldit”.
    Klar, es gibt die flüchtige Sexbekannschaft (one night stand – ONS) als Karriereförderer und ebenso die verantwortungslosen Männer, die sich höchstens an den Leasingvertrag für den Sportwagen binden können, sich sonst aber möglichst kostengünstig und ungeschützt vergnügen wollen.

    Früher war die Art der Abtreibung eine Frage des Geldes – die vornehme Tochter war auf Sprachaufenthalt in ‘Engeland’ oder wenn es günstiger gehen musste ging man (eigentlich ja frau) aus Diskretionsgründen in den weniger katholischen Nachbarkanton zur Engelmacherin (manchmal tödlich für die Schwangere: Verbluten/Infekt).
    Da gab es den Ehrenmann, der es mit dem Dienstmädchen trieb. Das gemeinsame Kind (eigentlich Kegel = uneheliches Kind; aus dem Ausdruck “Kind und Kegel”) wurde dann ‘weggegeben’ (Heim, Kloster, Verdingkind, etc.), hatte einen “Unfall” oder der Magd wurde gekündigt. Hatte diese dann die Frechheit und begehrte auf, konnte man alles leugnen, sie denunzieren mit dem Hinweis auf ihren Lebenswandel oder zur Hexe verurteilen lassen (Fall Anna Göldi). Viele Opern (Leoš Janáček: Jenůfa), Theaterstücke (Dürrenmatt: Der Besuch der alten Dame), drehen sich um dieses Thema.
    Manmal wurden die illegitimen Söhne von Königen und Adigen in England auch mit dem Namenszusatz Fitz gekennzeichnet: Beispiel FitzGerald (fils de Gerald, Sohn des Gerald) oder FitzRoy, FitzClarence usw.

    An der ganzen Abtreibungsdiskussion fehlt mir die Perspektive des Kindes, das geboren wurde. Nemo brachte am 5. August 2010 um 08:43 das Thema auf und Benjamin Hitz hat es am 10.8.2010 um 09:09 erwähnt (Aufzählung ev. unvollständig).

    Ein früherer Arbeitskollege und Freund erzählte mir von seiner Jugend in den 50er und 60er Jahren und aus seinem Leben. Nennen wir ihn hier Kurt.
    Kurts Mutter – sexuelle Aufklärung war damals kein Thema – wurde vor 1955 ledig schwanger, ihr Freund und Kindsvater stritt die Vaterschaft ab, verleumdete die Mutter sogar, sie hätte noch mit vielen Männern sexuellen Kontakt gehabt, musste jedoch vor Gericht schliesslich Kurts Vaterschaft zugeben und einen kleinen Betrag auf ein Sparbuch einzahlen. Später hat sich herausgestellt, dass der “Freund” von Kurts Mutter wohl eine Schwäche für junge (erwachsene) Frauen gehabt hatte … . Kurt vermutet einige Halb-Brüder und Halb-Schwestern.
    Kurts verzweifelte Mutter versuchte, das Kind im Bauch mit Sprüngen vom Heuboden loszuwerden. Als dies nicht gelang, versuchte es die ganze kinderreiche Familie (Vater bei einem Unfall gestorben), zusammen mit einer freikirchlichen Gemeinde, mit “Gesundbeten”, die “Frucht des Teufels” loszuwerden. Der Gemeindeleiter riet, das Kind zur Adoption freizugeben oder es bei einer Bauernfamilie unterzubringen (gegen Kost oder als Verdingungbub). Es kam dann nicht soweit, die Mutter hat den leicht untergewichtigen Kurt zur Welt gebracht.
    Mein Freund Kurt wusste um seine Herkunft und er sagte, die Nachbarschaft hätte ‘es’ trotz Wohnungswechsel irgendwie immer herausbekommen. Kurt litt ungemein, dass sein Vater nichts von ihm wissen wollte und er sehr oft fremdbetreut wurde. Von den Kindern gehänselt und den Nachbarn beargwöhnt (Blumenbeet zertreten, Scheibe kaputt, … : Kurt war immer der erste Verdächtige) oder bemitleidet (”schaut, das ist der Kurt, der keinenVater hat”), zog er sich zurück und konzentrierte sich auf Schule und Lernen. Als Kind verinnerlichte er eine vermeindliche Schuld an der “Schande” seiner alleinerziehenden Mutter: Ohne ihn hätte sie vielleicht eine glänzende Partie machen oder sich besser ausbilden können. Umbringen wollte sich Kurt nicht – sei es aus mangelndem Mut, Angst vor Invalidität oder weil er zusätzlich zur “Geburtsschande” nicht noch die Schande seiner Selbsttötung über seine Mutter bringen wollte.
    Zu Kurts Kindheit wurden alleinerziehende Mütter von gewissen Dorfkönigen als Freiwild betrachtet. In der Metzgerei gab man ihr zum vollen Preis die zweite Fleischwahl – nicht wie bei der Frau “Doktor”, die natürlich immer sofort bedient wurde und ja eine “rechte” Frau war. Der Pfarrer kam mal zu Kurts Mutter nach Hause, um zu sehen, ob etwas an den wilden Gerüchten im Dorf um Männerbesuche, Dreck und Unordnung dran war. Des Gottesmannes Gottvetrauen und Mut ging dann aber nicht so weit, dass er sich dem Geschwätz entgegengestellt hätte.
    Kurts Mutter leistete Übermenschliches in Beruf, ihrer eigenen Weiterbildung und Kurts Erziehung, erhielt jedoch von der eigenen Familie wenig Unterstützung (”gefallenes Mädchen”). Die Familienangehörigen nahmen Kurt gegen Kostgeld unter der Woche oder in den Schulferien auf. Schon in jungen Jahren kannte Kurt Ferienlager und Heimweh.
    Mit Freunden und Kollegen ging Kurt distanziert um, damit niemand die Familiensituation genauer erfahren würde. Traurig nahm er die Schilderungen der anderen Kinder auf, die in der Freizeit mit ihren Vätern Fischen, Zelten, etc. waren.
    Später, als hoch gebildeter, breit interessierter, aber sozial unsicherer Erwachsener konnte Kurt sich nie zu einer Familiengründung durchringen. Zu stark war für ihn der Gedanke, dass er bei seinem möglichen frühen Tod oder einer Invalidität seine gemeinsamen (wenn auch erwünschten) Kinder bei seiner alleinerziehenden Frau hätte lassen müssen. Diese sozialen Defizite und Ängste hat er auch nicht durch Psychotherapien verloren.
    Kurt hat sein geistiges Potential nie ausschöpfen können – sein Minderwertigkeitsgefühl und die Traumatisierungen in der Kindheit standen ihm immer im Weg.
    Ob heute ein unerwünschtes Kind so einfach alles weckstecken kann bezweifle ich sehr.

    Kurt hat mir das Gedicht vom “Anneli von St. Gallen” erzählt [Ursprung mir unbekannt]:

    “S’Annäli vo Sang-Galle isch id’ Gülle abägfalle,
    Chunt der Pfarrer vo Gossä,
    Häd si na wiiter abästossä,
    10 Metär gsunkä,
    das hät scho no gschtunkä”

    Uebersetzt:
    Die kleine Anna von St. Gallen ist in die Jauchegrube gefallen,
    Da kommt der Pfarrer von Gossau (Stadt in der Nähe von St. Gallen),
    Der hat sie noch tiefer hinuntergestossen
    10 Meter gesunken,
    Das hat schon noch gestunken.

    Interpretiert:
    Die unverheiratete Anna aus Sankt Gallen wurde schwanger,
    Worauf sich der Pfarrer ein eigenes Bild machen wollte;
    Als Schuldige hingestellt, wurde Anna seiner Verachtung preisgegeben,
    Und zur Abschreckung der anderen unverheirateten Frauen wurde die Geschichte weit herumerzählt.

    Grosspapi mit Kurts Geschichte

    • Eni sagt:

      Die Geschichte die Sie erzählen ist sehr berührend, zeigt es doch auch eine Doppelmoral, die früher gang un gäbe war, heute zum Glück aber nur noch sporadisch vorkommt.

      Dass die Mutter Ihres Freundes schwanger wurde, hat woh vor allem mit nicht vorhandensein von Verhütungsmittel zu tun, vielleicht wurde sie dann auch nocht zum Sex gedrängt von ihrem “Freund”, aber man kann diese Situation nicht mit unsrer heutzutage vergleichen. Alle haben Zugriff zu zuverlässigen Verhütungsmitteln. Nur selten gibt es Verhütungspannen, das meiste geschieht aus Unachtsamkeit.

      Sicher ist jedes ungeliebte Kind eines zuviel, aber wenn Sie mal zum Thema “Abtreibung” googeln, dann sehen Sie auch, dass es Menschen gibt für die eine Abtreibung in etwa gleich kommt mit Naseschneuzen und das finde ich bedenklich. Ich verurteile Abtreibung nicht per se, aber ich denke einfach, dass man mehr Verantwortung für seine Sexualität übernehmen sollte.

      Ich selber kenne eine Mutter die nach einem schwerstbehinderten Kind mit beschränkter Lebenserwartung (max 20 aber wahrscheinlich weniger) mit Zwillingen schwanger wurde (erwünscht) bei denen aber beide Trisomie 21 (Down Syndrom) diagnostiziert worden ist. Die Familie sah sich ausserstande, ein Leben mit 3 behinderten Kindern zu meistern und so hat sich die Frau zu einer Spätabtreibung entschlossen. Ich habe diese Familie etwa ein Jahr danach kennen gelernt und sie hat noch immer sehr darunter gelitten. O-Ton:” Ich habe meine Kinder umgebracht”

      Ich glaube, dass viele Frauen darunter leiden wenn sie ein Kind abgetrieben haben. Würde man diesem Eingriff eine Beratung voraussetzen (und damit meine ich nicht diese Orgnisationen welche Frauen unter Druck setzen das Kind zu behalten) würden sich wohl viele Frauen für das Kind entscheiden und auch glücklich werden.

      Dass ein Kind zuerst ungewollt ist, muss nicht bedeuten, dass es wenn es geboren wird ungeliebt sein wird, wie auch ein erwünschtes Kind keine Garantie hat dass es nicht misshandelt wird.

    • Pippi Langstrumpf sagt:

      Ich danke Ihnen für diesen Beitrag, so tragisch er ist, so wichtig ist er auch. Kurt’s Geschichte geschah nicht in grauer Vorzeit, sondern eben gerade, gestern, vergessen wir das nicht. Auf dem Land wurden noch in den frühen 70er Jahren die ledigen Frauen mit allen Mitteln genötigt, ihre Kinder wegzugeben, die damaligen Opfer sind noch mitten unter uns.

  8. Brunhild Steiner sagt:

    @Grosspapi_61
    diese Geschichte ist tragisch, und es ist mehr als beschämend wie damals mit diesen Kindern umgegangen worden ist.
    Aber daraus den Schluss zu ziehen
    solch ein Schicksal müsse heute zwangsläufig jedes,
    in den ersten Tagen oder auch Wochen ungewollte Kind ebenfalls treffen,
    das finde ich beinahe schon fahrlässig.
    Es gibt heute Hilfsorganisationen die auch jungen Müttern beistehen, die dafür sorgen und einstehen dass eine junge Frau ohne Berufsbildung ihre Schulbildung trotz Schwangerschaft/Kind abschliessen kann und ebenso einen Beruf erlernt.
    Sicher, das ist nicht für alle denkbar, aber möglich ist es.
    Mutterwerden, auch von den Gefühlen her, ist ein Prozess.
    Erst recht dann, wenn frau mit allem anderen beschäftigt ist als dem Wunsch schwanger zu werden.
    Ihr steht eine umfassende Aufklärung zu, nicht nur über mögliche Abtreibungsmethoden, sondern auch über die vielfältigen Möglichkeiten trotz der Umstände zu einem Ja zum Kind zu finden.
    Und nur so als kleine Randbemerkung, unter abwesenden und sich nicht interessierenden Vätern leidet nicht nur ein Kurt, das lässt sich in ganz vielen Konstellationen finden.
    Und ich bin der Meinung, dass da auch wir als Gesellschaft gefragt sind.
    Diesen Kindern können wir nämlich auch eine Hand bieten. Verdient hätten sie es.

    • Grosspapi_61 sagt:

      Sicher, so ein Schicksal wie Kurt und seine Mutter es durchlebten, ist hoffentlich heute nicht mehr der Regelfall. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass Kinder nicht immer pflegeleicht und ein Quell’ der Freude sind. Vorurteile gegenüber „gefallenen Mädchen“ und der Herkunft ihrer Kinder sind zwar heute mit dem Lack der fortschrittlichen Aufgeklärtheit übertüncht, aber die Frage nach dem Vater (Stellung im Beruf) interessiert natürlich auch in „progressiven“ Kreisen. Der Lack ist dünn.
      Hilfsorganisationen reagieren manchmal recht hilflos und folgen blind ihrer Ideologie. Die Entscheidung (=Verantwortung), der grösste Teil des finanziellen Schadens, die Freude am Wunder des Kindes, der Stolz an der persönlichen Entwicklung im Lebenskampf bleiben bei der Mutter. Für mich braucht es eine Betrachtung aller Möglichkeiten für eine Entscheidung. Dazu gehört auch die Perspektive des Kindes.

      Nun, das mit der (sexuellen) Aufklärung ist inzwischen auch so eine Sache geworden, die leider nur noch von Frauen gefahrlos betrieben werden kann.

      Grosspapi

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