Eine Carte Blanche von Mamablog-User Marcel Zufferey

So diskriminierend, wie gern behauptet wird, sind Frauenlöhne bei näherem Betrachten nicht: Ärztin.
Die Behauptung ist so zäh wie Kaugummi und sie wird in jeder Gender-Diskussion mit ausdauerndem Appetit wiedergekäut: Frauen werden via Zahltag diskriminiert. Am Ende des Monats kriegen sie für die gleiche Arbeit und Leistung deutlich weniger ausbezahlt, sagen Gleichstellungsbeauftragte, behaupten diverse Erhebungen. Doch stimmt das auch? «Was für eine Frage?», werden die meisten von Ihnen jetzt antworten, «Ja, natürlich stimmt das. Frauen verdienen weniger als Männer – und zwar mindestens 20 Prozent!» Da täuschen Sie sich! Wie neuere Studien und Erhebungen zeigen, ist die Lohndiskriminierung weitaus geringer, als bislang angenommen wurde.
Was genau verstehen man unter gleicher Arbeit? Ist genau gleich immer genau gleich, oder gibt es da Unterschiede? Bis vor wenigen Jahren wurden Frauen und Männer, die einer bezahlten Erwerbstätigkeit nachgehen, einfach in ein und denselben statistischen Topf geschmissen – mit absehbarem Ergebnis: Die Verkäuferin bei der Migros verdient natürlich viel weniger als der Investmentbanker bei UBS! Wie eine Studie vom statistischen Amt des Kantons Zürich aus dem Jahr 2007 zeigt, sind aber mittlerweile 62 Prozent der bislang angenommenen Lohnungleichheit auf erklärbare Faktoren zurückzuführen. Der Schwachpunkt dabei: Ein nicht geringer Teil entfällt auf die Kinderpause. Und eine Kinderpause machen vor allem Frauen. Auf dieselben Resultate kommt auch eine Studie aus Deutschland:
«Die multivariate Analyse prüft den Einfluss folgender Faktoren: personenbezogene (Geschlecht, Alter, Ausbildung, Berufserfahrung, Kinder), betriebsbezogene (Wirtschaftszweig, Betriebsgröße, Frauenanteil, Tarifbindung), funktionale Faktoren (Vorgesetztenposition, Voll-/Teilzeit), regionale Faktoren (Ost/West). (…) Im Gesamtsample erklären diese Faktoren rund 60 % der Lohndifferenz zwischen Frauen und Männern, das heisst, 40 % bleiben unerklärt.»
Beim Aufzeigen der Lohnungleichheit müsste heute also zwischen dem bereinigten und dem unbereinigten Gender Pay Gap unterschieden werden. Häufig wird das nicht gemacht. Die Rede ist dann meist von der unbereinigten Lohnlücke. Kommt noch dazu, dass in all diesen Studien – übrigens auch in denen zum Kinderwunderland Frankreich– nicht alle lohnbildenden Faktoren miteingerechnet sind. Darunter fallen vorab die Anzahl Überstunden und die jährliche Normalarbeitszeit. Unterschlagen wird zudem, dass es auch unter «absolut gleichen» Männern zum Teil erhebliche Lohnunterschiede gibt: Beim Einstellungsgespräch und den Lohnverhandlungen verkaufen sich die einen einfach besser!
Rechnet man all die erwähnten Faktoren mit ein, kommen wir auf einen bereinigten Gender Pay Gap, der zwischen 3 und 5 Prozent liegen dürfte. Tatsächlich beträgt im Osten Deutschlands die unbereinigte (!) Lohndifferenz nur noch 6 Prozent!
So diskriminierend, wie gern behauptet wird, sind Frauenlöhne also bei näherem Betrachten gar nicht mehr. Doch, wie bereits erwähnt, weisen diese neueren Berechnungen auf eine elementare Fehlentwicklung unserer Zeit hin: Kinder sind im heutigen Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell offenbar nicht mehr vorgesehen. Es sind weniger die Frauen, die diskriminiert werden, als vielmehr die Mütter! Und das muss sich ändern.
Ein herzliches Dankeschön vom Mamablog für diesen Beitrag! Lesen Sie von Mamablog-User Marcel Zufferey auch: Die Legende vom Rollenwandel.
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Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und ist Mutter einer Tochter. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich und ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
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Lohndifferenzen sind eher auf unterschiedliche Berufskarrieren (z.B. längere Absenzen vom Job) als auf Geschlechterunterschiede zurückzuführen:
http://www.iwkoeln.de/Presse/Pressemitteilungen/Archiv/tabid/184/articleid/30638/Default.aspx
Ja, und warum entstehen diese Jobabsenzen? Weil die Frauen sich ein schönes Leben machen und ein bisschen auf Weltreise gehen? Nein, weil sie Familienpflichten übernehmen in dieser Zeit, die ungeliebte Hausarbeit und die Kinderbetreuung, die zwar erfüllend sein kann, je nach Typ, aber karrieremässig trotzdem ein Hindernis ist, das sich im Lohn niederschlägt.
Fazit: Lohnunterschiede entstehen wegen der Geschlechterrollen, Ursache und Wirkung, wie immer.
Richtig, aber aus Sicht des Arbeitgebers spielt das keine Rolle: Er will Leistung, Qualifikation, Präsenz und zahlt dafür ein Entgelt. Jemandem gleichviel zu zahlen, der weniger Leistung bringt, weniger qualifiziert ist oder weniger anwesend ist, wäre ungerecht gegenäber denen (Mann oder Frau), die den Karren ziehen.
Das Problem ist die Gratisarbeit. Würde nämlich der Teil, den die Frau an Familien- oder Hausarbeit leistet, bezahlt, dann wäre wohl rasch ein Ausgleich da, denn das kommt locker auf einen 12-Stunden-Tag heraus.
Nun fragt sich halt aber, wie das denn gehen soll. Lohn vom Mann? Dann ist der ja erst recht der Chef und überlegen. Direkt vom Arbeitgeber des Mannes? Vom Staat? Was, wenn die Frau ihre Pflichten allzu locker nimmt? Wenn sie superfleissig ist??
Irgendwie nicht zu lösen, die Sache…
Deshalb sind die tieferen Frauenlöhne ein gesellschaftspolitisches Problem und das kann nur durch die ganze Gesellschaft gelöst werden. Die Frauen allein stehen auf verlorenem Posten, und wer hier nicht mitzieht und etwas beitragen will (Arbeitgeber, Partner, Sozialversicherungen usw.), denen kann man zu Recht Frauenfeindlichkeit vorwerfen. Es geht um die Grundsatzfrage: Wie verteilt sich die bezahlte und die unbezahlte Arbeit?
Als Mann liebe ich Frauen viel mehr als Männer und bevorzuge sie auch dementsprechend. Warum Frauen weniger verdienen sollen ist mir ein Rätsel.
Lächerliche Statistik!
Wenn die “armen” Frauen auch mal was SINNVOLLES studieren würden an den Universitäten, dann gäbe es auch mehr hochbezahlte Frauen in Teppichettagen. Aber mit Ethnologie, etc ist man halt nachher nicht brauchbar auf dem Arbeitsmarkt!
Studiert halt Berufe, wie Maschineningenieur, Informatik, etc, dann klappts auch…. Logisch, dass die Statistik nur sagt, dass Uni-Absolventinnen wenig verdienen… wer aber dahinter blickt…
Naheliegend: Menschen, die Kinder grossgezogen haben, haben ihre Karriere unterbrochen und müssen deshalb – je nach Dauer des Unterbruchs und Beruf – eine Einbusse in Kauf nehmen. Das ist kaum zu ändern. Zumindest wüste ich nicht, wie.
Kehrseite der Medaille: Lässt sich eine Frau, die mit 22 ihre Berufstätigkeit aufgegeben und seither nicht wieder aufgenommen und zwei Kinder grossgezogen hat, mit 40 scheiden, so hat ihr Exmann ein gewaltiges finanzielles Problem. Unabhängig davon, wie sich ihre weitere Berufstätigkeit entwickelt. Diese Transferzahlungen erscheinen in keiner Statistik. Interessant ist auch, dass häufig argumentiert wird, einer Frau in dieser Situation sei die Wiederaufnahme einer Berufstätigkeit nicht zuzumuten. Die umgekehrte Situation, dass nämlich ein Mann seine Berufstätigkeit so lange aufgegeben hat, dürfte sehr selten sein. Und kaum vorzustellen ist, dass in einem solchen Fall ein Richter zum schluss kommt, die Wiederaufnahme einer Berufstätigkeit sei nicht zuzumuten.